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Title:
APPARATUS AND METHOD FOR TESTING A WEIGHING SYSTEM OF A BLOOD TREATMENT DEVICE
Document Type and Number:
WIPO Patent Application WO/2018/019423
Kind Code:
A1
Abstract:
The invention relates to an apparatus for testing a weighing system of a blood treatment device, in particular a dialysis machine, wherein the weighing system has at least one weighing cell. The apparatus comprises at least one plunger, at least one coil having at least one cavity, in which the plunger is movably accommodated, and at least one current source that energizes the coil, at least at times. The coil or the plunger are arranged on the weighing system in order to apply a defined force to the weighing cell whenever current flows through the coil. The invention further relates to a blood treatment device having such an apparatus, and to a method for testing a weighing system of a blood treatment device.

Inventors:
MERTEN, Kai (Ahornstrasse 8a, Wipfeld, 97537, DE)
HEDMANN, Frank (In den Böden 52, Volkach, 97332, DE)
Application Number:
EP2017/000911
Publication Date:
February 01, 2018
Filing Date:
July 27, 2017
Export Citation:
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Assignee:
FRESENIUS MEDICAL CARE DEUTSCHLAND GMBH (Else-Kröner-Str. 1, Bad Homburg, 61352, DE)
International Classes:
G01G7/04
Foreign References:
US20160011038A12016-01-14
GB1324499A1973-07-25
US20160011038A12016-01-14
EP2607866A12013-06-26
US4179005A1979-12-18
EP0364645A11990-04-25
US3786883A1974-01-22
Attorney, Agent or Firm:
HERRMANN, Uwe (Lorenz Seidler Gossel Rechtsanwälte Patentanwälte Partnerschaft Mbb, Widenmayerstraße 23, München, 80538, DE)
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Claims:
Ansprüche

1. Vorrichtung zur Prüfung eines Wägesystems eines Blutbehandlungsgerätes, insbesondere eines Dialysegerätes, wobei das Wägesystem zumindest eine Wägezelle aufweist, dadurch gekennzeichnet, dass die Vorrichtung wenigstens einen Stößel, wenigstens eine Spule, die wenigstens einen Hohlraum aufweist, in der der Stößel beweglich aufgenommen ist, sowie wenigstens eine Stromquelle umfasst, die die Spule zumindest zeitweise mit Strom beaufschlagt, wobei die Spule oder der Stößel an dem Wägesystem angeordnet ist, um auf die Wägezelle eine definierte Kraft aufzubringen, wenn die Spule von Strom durchflössen wird.

2. Vorrichtung nach Anspruch 1 , dadurch gekennzeichnet, dass die Stromquelle derart ausgebildet ist, dass die Spule mit einem zeitlich variablen Strom beaufschlagt wird, wobei vorzugsweise vorgesehen ist, dass der Verlauf der Stromstärke sinusförmig ist.

3. Vorrichtung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Spule und der Stößel gekrümmt ausgebildet sind und/oder dass der Stößel oder die Spule fest oder beweglich gelagert an dem Wägesystem angeordnet sind.

4. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Stromquelle derart ausgebildet ist, dass die Spule kontinuierlich mit Strom beaufschlagt wird.

5. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Stromquelle derart ausgebildet ist, dass die Spule mit Strom beaufschlagt wird, während das Blutbehandlungsgerät in Betrieb ist, d.h. während der Blutbehandlung.

6. Vorrichtung nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Vorrichtung zumindest eine Auswerteeinheit umfasst, die ausgebildet ist, das von der Wägezelle gemessene Signal in Relation zu der Stromstärke zu setzen, mit der die Spule beaufschlagt wird.

7. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Vorrichtung zumindest eine Auswerteeinheit umfasst, die ausgebildet ist, von dem seitens der Wägezelle gemessenen Signal ein Nutzsignal abzuziehen und die Differenz aus beiden Signalen in Relation zu der Stromstärke zu setzen, mit der Spule beaufschlagt wird.

8. Blutbehandlungsgerät, insbesondere Dialysegerät mit wenigstens einem Wägesystem, das vorzugweise zur Ermittlung des Gewichts wenigstens einer Lösung, insbesondere einer Dialyselösung, bestimmt ist, wobei das Wägesystem wenigstens eine Wägezelle aufweist, die zumindest ein Signal ausgibt, das für das auf dem Wägesystem befindlichen Gewicht charakteristisch ist, dadurch gekennzeichnet, dass das Blutbehandlungsge- rät mit wenigstens einer Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 7 ausgeführt ist.

9. Verfahren zur Prüfung eines Wägesystems eines Blutbehandlungsgerätes insbesondere eines Dialysegerätes, wobei das Wägesystem zumindest eine Wägezelle aufweist, dadurch gekennzeichnet, dass wenigstens ein Stößel und wenigstens eine Spule vorgesehen sind, die wenigstens einen Hohlraum aufweist, in der der Stößel beweglich aufgenommen ist, wobei die Spule oder der Stößel an dem Wägesystem angeordnet ist, wobei das Verfahren das Beaufschlagen der Spule mit Strom sowie die Erfassung des von der Wägezelle ausgegebenen Signals umfasst.

10. Verfahren nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Spule mit einem zeitlich variablen Strom beaufschlagt wird.

11. Verfahren nach Anspruch 9 oder 10, dadurch gekennzeichnet, dass der Verlauf der Stromstärke, mit der die Spule beaufschlagt wird, über die Zeit sinusförmig ist.

12. Verfahren nach einem der Ansprüche 9 bis 11 , dadurch gekennzeichnet, dass die Spule kontinuierlich mit Strom beaufschlagt wird.

13. Verfahren nach einem der Ansprüche 9 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass die Spule mit Strom beaufschlagt wird, während das Blutbehandlungsgerät in Betrieb ist, d.h. während der Blutbehandlung.

14. Verfahren nach einem der Ansprüche 9 bis 13, dadurch gekennzeichnet, dass das von der Wägezelle gemessene Signal in Relation zu der Stromstärke gesetzt wird, mit der die Spule beaufschlagt wird.

15. Verfahren nach einem der Ansprüche 9 bis 14, dadurch gekennzeichnet, dass von dem seitens der Wägezelle gemessenen Signal ein Nutzsignal abgezogen wird und die Differenz aus beiden Signalen in Relation zu der Stromstärke gesetzt wird, mit der Spule beaufschlagt wird.

Description:
Vorrichtung und Verfahren zur Prüfung eines Wägesystems

eines Blutbehandlungsgerätes

Die vorliegende Erfindung betrifft eine Vorrichtung zur Prüfung eines Wägesystems eines Blutbehandlungsgerätes, insbesondere eines Dialysegerätes, wobei das Wägesystem zumindest eine Wägezelle aufweist.

Bei verschiedenen Blutbehandlungsverfahren, wie beispielsweise bei Dialyseverfahren besteh die Notwendigkeit, eine gewichtsmäßige Bilanzierung von Lösungen vorzunehmen, um einen korrekten Behandlungsverlauf sicherzustellen. Die dazu eingesetzten Waagen stellen sicherheitsrelevante Bestandteile eines Blutbehandlungssystems dar, so dass deren Messwerte im Rahmen von Testphasen einer Plausibilitätsprüfung unterzogen werden müssen.

Bekannt ist es, diesen Test initial vor einer Behandlung durchzuführen sowie auch im Rahmen des Behandlungsverlaufes einen oder mehrere Tests durchzuführen. Insbesondere bei längeren Behandlungen schränken die Testphasen allerdings die Behandlungsverfügbarkeit ein, wenn die Behandlung für den Test unterbrochen werden muss. Aus dem Stand der Technik ist es bekannt, einen initialen Test so durchzuführen, dass bei entlastetem Wägesystem, d.h. in einem Zustand, in dem keine Lösungsbeutel aufgelegt sind, automatisiert ein Testgewicht in Form eines bekannten Prüfgewichts aufgelegt wird. Aus dem seitens der Wägezelle abgegebenen Signal lässt sich somit eine Plausibilitätsprüfung vornehmen, da das Prüfgewicht bekannt ist. Dieser Test wird zu bestimmten Zeitpunkten während der Behandlung wiederholt, was voraussetzt, dass sich das durch den oder die Lösungsbeutel, die auf der Waagschale aufgelegt sind, bedingte Gewicht zeitlich konstant ist, d.h. der Fluss in den und aus dem Lösungsbeutel wird während der Durchführung des Tests gestoppt.

Die Nachteile dieser Vorgehensweise bestehen darin, dass nur mit einer konstanten Gewichtsänderung gearbeitet werden kann, dass durch das Auflegen des Prüfgewichts Schwingungen (Impulse) auf der Waage entstehen, d.h. es sind bei der Durchführung des Tests definierte Bedingungen im System herzustellen, die Verfügbarkeit des Blutbehandlungssystems ist während des Tests eingeschränkt und es entstehen durch das Auflegen des Prüfgewichts Geräusche.

Aus dem Stand der Technik ist auch eine kontinuierliche Plausibilitätsprüfung bekannt, bei der keine Unterbrechung der Behandlung notwendig ist. Diese Prüfung erfolgt mittels der verbauten Schlauchrollenpumpe des Gerätes. Dabei wird die Fördermenge der Pumpe(n) in Relation zu der Gewichtsänderung gesetzt, die durch die Wägezelle der Waage ermittelt wird. Mit dieser Vorgehensweise kann zwar eine kontinuierliche Prüfung vorgenommen werden, während die Behandlung im Gange ist, jedoch bestehen auch Nachteile: die Fördergenauigkeit der Schlauchrollenpumpen ist weit geringer als die Messauflösung der Waage bzw. der Wägezelle, bei einem Zusammenschalten mehrerer Waagen ist nicht erkennbar, welche Waage fehlerhaft ist, eine Flussunterbrechung, wie beispielsweise durch eine abgeknickte Beutelleitung oder einen Verschluss des Beutels, kann nicht eindeutig von einem Fehler der Waage unterschieden werden, ein identifizierter Fehler beruht stets auf der Annahme, dass seit dem letzten erfolgreichen Waagentest das Wägesystem fehlerfrei bleibt. Daher ist eine definitive Unterscheidung zwischen Flussunterbrechung und einem Waagenfehler nicht eindeutig zu einem bestimmten Zeitpunkt möglich.

Aus dem Stand der Technik sind Systeme bekannt, die sich mit Kraft kompensierenden Wägesystemen befassen.

Die GB 1324499 offenbart eine Kraftmessvorrichtung, insbesondere eine Waage, bei der von der Größe einer Kraft abhängige Auslenkungen aus einer Nulllage mittels einer elektrischen Lagenabtastung einen einer elektromagnetischen, der Auslenkung entgegenwirkenden Kompensationseinrichtung zugeführten Strom steuern.

Aus der US 2016/0011038 ist eine Kraftmessvorrichtung mit einem feststehenden Parallelschenkel und einem die Last eines aufgelegten Wägeguts aufnehmenden beweglichen Parallelschenkel bekannt, der mit einem Messaufnehmer verbunden ist.

Die EP 2607866 offenbart eine Wägezelle nach dem Prinzip der elektromagnetischen Kraftkompensation mit einem feststehenden Basisteil, einem am Basisteil beweglich gelenkten Lastaufnehmer zur Aufnahme der Gewichtskraft einer zu wägenden Last, ein am Basisteil festgelegtes Permanentmagnetsystem mit einem Luftspalt sowie eine im Luftspalt bewegliche und von einem Kompensationsstrom durchflossene Spule.

Aus der US 4,179,005 ist eine Waage mit elektromagnetischer Lastkompensation, umfassend ein Permanentmagnetsystem und wenigstens eine in dessen Luftspalt angeordnete stromdurchflossene Spule bekannt, wobei im Permanentmagnetsystem, elektrisch von diesem isoliert, eine vom Magnetkern durchstoßene geschlitzte Metallplatte angeordnet ist, die durch eine Öffnung im Permanentmagnetsystem mit der Sekundärwicklung eines Transformators verbindbar ist. Die EP 0364645 betrifft einen Dynamometer mit elektromagnetischer Eichung.

Aus der US 3,786,883 ist eine Waage bekannt, umfassend einen Lastteil und einen Referenzteil, die unabhängig voneinander vertikal beweglich am festen Teil der Waage aufgehängt sind und je eine in einem gemeinsamen Magnetfeld angeordnete Kompensationsspule aufweisen, wobei Detektoren die belastungsabhängigen Auslenkungen von Last- und Referenzteil aus einer Nulllage feststellen und über Regelkreise Ströme in den Kompensationsspulen regeln, durch deren elektromagnetische Kraftwirkung Last- und Referenzteil jeweils für sich in die Nulllage zurückgeführt werden, wobei Schaltmittel vorgesehen sind, welche den durch die Referenzspule fließenden Gleichstrom abhängig vom Detektorsignal des Lastteils entweder der Lastspule oder einem Blindverbraucher zuleiten.

Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren und eine Vorrichtung bereitzustellen, mittels derer eine zuverlässige Plausibilitätsprüfung eines Wägesystems vorgenommen werden kann.

Diese Aufgabe wird durch eine Vorrichtung mit den Merkmalen des Anspruchs 1 , durch ein Blutbehandlungsgerät mit den Merkmalen des Anspruchs 7 sowie durch ein Verfahren mit den Merkmalen des Anspruchs 8 gelöst.

Erfindungsgemäß ist vorgesehen, dass die Vorrichtung wenigstens einen Stößel, wenigstens eine Spule, die wenigstens einen Hohlraum aufweist, in der der Stößel beweglich aufgenommen ist, sowie wenigstens eine Stromquelle umfasst, die die Spule zumindest zeitweise mit Strom beaufschlagt, wobei die Spule oder der Stößel an dem Wägesystem angeordnet ist, um auf die Wägezelle eine definierte Kraft aufzubringen, wenn die Spule von Strom durchflössen wird.

Der fließende Strom baut ein Magnetfeld auf, welches auf den Stößel eine definierte Kraft ausübt. Diese Kraft kann mittels der Wägezelle detektiert werden. Die stromdurchflossene Spule übt somit auf den Stößel in Abhängigkeit von der aufgebrachten Stromstärke eine definierte Kraft aus. Aufgrund der Anordnung der Spule oder des Stößels an dem Wägesystem, wie beispielsweise an der Wägezelle, an der Waagschale oder an einem Verbindungsteil zwischen Wägezelle und Waagschale wird diese Kraft unmittelbar oder mittelbar auf die Wägezelle übertragen.

Da die Stromstärke sowie der Zusammenhang zwischen der Stromstärke und der wirkenden Kraft bekannt sind, kann ermittelt werden, ob das von der Wägezelle abgegebene Messsignal dieser Kraft entspricht oder nicht bzw. in einem Bereich liegt, der als plausibel bezeichnet werden kann. Ist dies nicht der Fall, kann eindeutig auf einen Fehler der Wägezelle oder eines sonstigen Teiles des Wägesystems geschlossen werden, andernfalls kann die Wägezelle bzw. das Wägesystem als in Ordnung qualifiziert werden.

Dieser Test kann jederzeit durchgeführt werden, d.h. sowohl vor als auch nach als auch während einer Behandlung. Von besonderem Vorteil ist es, dass der Test auch während einer Behandlung durchgeführt werden kann, ohne dass dazu die Behandlung unterbrochen werden muss oder in irgendeiner Weise beeinträchtigt wird. Somit kann während des Wägeprozesses kontinuierlich das Wägesystem bzw. die Wägezelle überprüft werden.

Der Begriff „Wägesystem" oder„Waage" umfasst das gesamte System, dass zur Gewichtsermittlung erforderlich ist, vorzugsweise eine oder mehrere Waagschalen, die vorzugsweise zur Aufnahme eines oder mehrerer Lösungsbeutel dienen, eine oder mehrere Wägezellen, die ein oder mehrere Signale abgeben, die für das auf der Waagschale aufliegende Gewicht charakteristisch sind, sowie die mechanische Verbindung, wie beispielsweise wenigstens ein Gestänge, das die Waagschale mit der Wägezelle verbindet. Ist das von der Wägezelle abgegebene Signal nicht plausibel, kann das seine Ursache beispielsweise darin haben, dass die Wägezelle defekt ist oder beispielsweise auch darin, dass die Verbindung zwischen der Waagschale und der Wägezelle nicht in Ordnung, z.B. verklemmt ist. Der letztgenannte Fehler kann beispielsweise dadurch detektiert werden, dass der Stößel oder die Spule an der Waagschale angeordnet sind und die Wägezelle kein Signal abgibt, das im Hinblick auf die auf die Waagschale aufgebrachte Kraft plausibel ist.

Grundsätzlich ist es denkbar, dass der Strom, der die Spule durchströmt zeitlich konstant ist. Bevorzugt ist jedoch ein zeitlich variabler Strom.

Die Verwendung eines sich stetig nach einer bekannten Vorschrift ändernden Testsignals bzw. Stromwertes, z.B. eines Sinussignals bzw. eines sinusförmigen verlaufenden Stromsignals, vermeidet die Entstehung von Impulsen, die unerwünschte Schwingungen auf das Messsystem ausüben.

Dabei ist die Frequenz des Signals vorzugsweise so zu wählen, dass keine Resonanzen auftreten, wie z.B. 0,2 Hz. Die Amplitude des Signals bestimmt den Grad der Kraftänderung.

Der erwartete Zustand des Messsignals, d.h. des von der Wägezelle ausgegeben Signals oder eines darauf basierenden Signals, kann zu einem definierten Zeitpunkt durch den gewählten Stromverlauf vorherbestimmt und ausgewertet werden.

Vorzugsweise ist vorgesehen, dass die Stromquelle derart ausgebildet ist, dass die Spule kontinuierlich mit Strom beaufschlagt wird. Darunter ist zu verstehen, dass die Spule jedenfalls dann mit Strom dauerhaft oder zeitweise beaufschlagt wird, wenn das Blutbehandlungsgerät in Betrieb ist, d.h. die Blutbehandlung, wie z.B. eine Dialysebehandlung gerade läuft. Die Strombeaufschlagung kann während der gesamten Behandlung erfolgen oder phasenweise bzw. nur in einem oder mehreren Zeitabschnitten der Behandlung. Der Begriff „kontinuierlich" ist somit nicht zwingend dahingehend auszulegen, dass die Stromquelle die Spule permanent mit Strom beaufschlagt während die Blutbehandlung läuft, wenngleich auch eine solche Ausführung von der Erfindung mit umfasst ist.

Die Vorrichtung weist vorzugsweise zumindest eine Auswerteeinheit auf, die ausgebildet ist, das von der Wägezelle gemessene Signal in Relation zu der Stromstärke zu setzen, mit der die Spule beaufschlagt wird. Darauf basierend kann dann festgestellt werden, ob das von der Wägezelle gemessene Signal plausibel ist oder nicht.

Die Vorrichtung kann in einer weiteren Ausgestaltung der Erfindung zumindest eine Auswerteeinheit umfassen, die ausgebildet ist, von dem seitens der Wägezelle gemessenen Signal ein Nutzsignal abzuziehen und die Differenz aus beiden Signalen in Relation zu der Stromstärke zu setzen, mit der die Spule beaufschlagt wird.

Unter einem„Nutzsignal" ist das Signal der Wägezelle zu verstehen, das auf das Gewicht des auf der Waagschale aufliegenden Gegenstandes, insbesondere eines oder mehrerer Lösungsbeutel zurückgeht. Liegt auf der Waagschale kein Lösungsbeutel oder dergleichen auf, ist das Nutzsignal 0, andernfalls > 0.

Die Wägezelle misst nicht nur das auf der Waagschale aufliegende Gewicht, sondern auch das Gewicht bzw. die Kraft, die durch den Stößel bzw. die Spule aufgebracht wird. Das von der Wägezelle abgegebene Signal basiert somit auf beiden Gewichten. Wird von dem Signal, das die Wägezelle abgibt, das Nutzsignal abgezogen, verbleibt das Signal, das auf die Kraft zurückgeht, die von der Spule erzeugt wird. Dieses Signal kann zur Prüfung der Plausibilität herangezogen werden.

Die vorliegende Erfindung betrifft des Weiteren ein Blutbehandlungsgerät, insbesondere Dialysegerät, wie z.B. ein Peritonealdialysegerät, ein Hämodialysegerät, ein Hämofiltrationsgerät oder ein Hämodiafiltrationsgerät, mit wenigstens einem Wägesystem, das vorzugweise zur Ermittlung des Gewichts einer Lösung, insbe- sondere einer Dialyselösung, bestimmt ist, wobei das Wägesystem wenigstens eine Wägezelle aufweist, die zumindest ein Signal ausgibt, das für das auf dem Wägesystem befindliche Gewicht charakteristisch ist, wobei das Blutbehandlungsgerät mit wenigstens einer Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 7 ausgeführt ist.

Das Wägesystem des Blutbehandlungsgerätes dient vorzugsweise zur Gewichtsermittlung bzw. zur Ermittlung der Gewichtsänderung von Lösungsbeuteln. Bei diesen Lösungsbeuteln kann es sich um solche handeln, die frische Dialyselösung enthalten, die dem Patienten bzw. dem Dialysefilter zugeführt wird, die gebrauchte Dialyselösung enthalten, die von dem Patienten bzw. von dem Dialysefilter abgeführt wird, oder auch um solche, die eine andere Lösung, wie z.B. eineSubstitutionsflüssigkeit enthalten, die dem Blut des Patienten als Ersatz für das entzogene Flüssigkeitsvolumen zugeführt wird. Auch andere Lösungen sind denkbar und von der Erfindung umfasst.

Die vorliegende Erfindung betrifft des Weiteren ein Verfahren zur Prüfung eines Wägesystems eines Blutbehandlungsgerätes, insbesondere eines Dialysegerätes, wobei das Wägesystem zumindest eine Wägezelle aufweist, wobei wenigstens ein Stößel und wenigstens eine Spule vorhanden sind, die wenigstens einen Hohlraum aufweist, in der der Stößel beweglich aufgenommen ist, wobei die Spule oder der Stößel an dem Wägesystem angeordnet ist, wobei das Verfahren das Beaufschlagen der Spule mit Strom sowie die Erfassung des von der Wägezelle ausgegebenen Signals umfasst.

Wie oben ausgeführt, ist es von Vorteil, wenn die Spule mit einem zeitlich variablen Strom beaufschlagt wird. Von der Erfindung ist jedoch auch der Fall umfasst, dass die Stromstärke und damit die von der Spule erzeugte Kraft zeitlich konstant ist.

Eine bevorzugte Ausgestaltung des Verfahrens sieht vor, dass der Verlauf der Stromstärke, mit der die Spule beaufschlagt wird, über die Zeit sinusförmig ist. Dementsprechend ergibt sich auch ein sinusförmiger Verlauf der Kraft, die von der Spule erzeugt wird.

Bevorzugt ist es, wenn die Spule kontinuierlich mit Strom beaufschlagt wird. Wie bereits oben ausgeführt ist darunter zu verstehen, dass die Strombeaufschlagung wenigstens zeitweise während der Blutbehandlung erfolgt. Die Beaufschlagung der Spule mit Strom kann sich über die gesamte Behandlungsdauer oder auch nur über einen oder mehrere Intervalle der Blutbehandlung erstrecken.

Grundsätzlich kann das Verfahren alternativ oder zusätzlich auch vor und/oder nach der Behandlung durchgeführt werden.

Vorzugsweise wird das von der Wägezelle gemessene Signal in Relation zu der Stromstärke gesetzt wird, mit der die Spule beaufschlagt wird.

An dieser Stelle wird darauf hingewiesen, dass im Rahmen der vorliegenden Erfindung der Begriff„Signal" das Signal als solches sowie auch darauf basierende bzw. damit korrelierte Größen umfasst. So kann beispielsweise das Signal ein Stromoder Spannungswert und die darauf basierende Größe eine Kraft oder Masse sein.

Ebenso ist darauf hinzuweisen, dass im Rahmen der vorliegenden Erfindung der Begriff„Stromstärke" die Stromstärke als solche umfasst, jedoch auch jeden darauf basierenden oder damit korrelierten Wert, wie z.B. die Spannung umfasst.

In einer weiteren bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung wird von dem seitens der Wägezelle gemessenen Signal ein Nutzsignal abgezogen und die Differenz aus beiden Signalen in Relation zu der Stromstärke gesetzt, mit der die Spule beaufschlagt wird.

Weitere Einzelheiten und Vorteile werden anhand eines in der Zeichnung beschriebenen Ausführungsbeispiels näher erläutert. Es zeigen:

Figur 1 : eine schematische Ansicht eines Wägesystems in einer ersten Ausführungsform mit an der Wägezelle fixiertem Stößel,

Figur 2: eine schematische Ansicht eines Wägesystems in einer zweiten Ausführungsform mit an der Wägezelle fixierter Spule,

Figur 3: schematische Ansicht eines Wägesystems in einer dritten Ausführungsform mit gebogenem Stößel und gebogener Spule,

Figur 4: schematische Ansicht eines Wägesystems in einer vierten Ausführungsform mit an der Wägezelle beweglich gelagertem Stößel,

Figur 5: Verläufe der Kraft und der Stromstärke über die Zeit für verschiedene

Szenarien.

Figur 1 zeigt mit dem Bezugszeichen 1 eine Waagschale z.B. eines Peritonealdia- lysgerätes. Während der Dialysebehandlung befinden sich auf der Waagschale 1 ein oder mehrere Lösungsbeutel.

Die Waagschale 1 steht mit einer Wägezelle 2 derart in Verbindung, dass das auf der Waagschale 1 lastende Gewicht von der Wägezelle 2 erfasst wird. Die Wägezelle 2 gibt ein Signal aus, das mit diesem Gewicht korreliert.

Bei der Wägezelle 2 handelt es sich gemäß der Erfindung um eine beliebige Einheit, die in der Lage ist, eine auf diese wirkende Kraft in ein Signal, insbesondere in ein elektrisches Signal umzuwandeln. Unterhalb der Wägezelle 2 befindet sich an dieser fest angeordnet der Stößel 3, der hin und her bewegbar in dem Innenraum einer elektrischen Spule 4 aufgenommen ist. Die Spule 4 steht mit einer nicht dargestellten Stromquelle in Verbindung und wird von dieser mit Strom beaufschlagt.

Wird die Spule 4 von Strom durchflössen, übt das dadurch gebildete Magnetfeld auf den Stößel 3 eine Kraft (gemäß Figur 1 nach unten) aus, was dazu führt, dass auf die Wägezelle 2 eine entsprechende Kraft ausgeübt wird.

Diese Kraft wird von der Wägezelle 2 ebenso erfasst und in Form eines Signals ausgegeben.

Die Spule 4 ist feststehend angeordnet, d.h. bewegt sich relativ zu der Wägezelle nicht.

Figur 2 zeigt die umgekehrte Anordnung, bei der Spule 4 an der Wägezelle 2 angeordnet ist, wohingegen der Stößel 3 feststehend angeordnet ist, d.h. sich relativ zu der Wägezelle 2 nicht bewegt.

Aus Figur 3 ist eine Anordnung ersichtlich, bei der der Stößel 3 und die Spule 4 sichelförmig bzw. gekrümmt ausgebildet sind, um die Biegung zu kompensieren, die bei dem Wägevorgang auftreten kann. Figur 4 zeigt eine Anordnung, bei der der Stößel 3 nicht fest, sondern mittels der Lagerstelle 5 beweglich an der Wägezelle befestigt ist.

Die Ausführungen gemäß der Figuren 3 und 4 bieten die Möglichkeit, die Spaltmaße der Spule konstant zu halten und sehr eng zu tolerieren. Grundsätzlich kann auch bei den Ausführungen der Figuren 3 und 4 die Spule an der Wägezelle 2 angeordnet sdin.

Figur 5 zeigt den Verlauf der Kraft über der Zeit für die folgenden Szenarien. Die mit dem Bezugszeichen 1 gekennzeichnete Kurve zeigt die seitens der Wägezelle gemessene Kraft, wenn die Waagschale leer ist, d.h. auf die Wägezelle nur die durch die Spule erzeugte Kraft einwirkt. Ebenso ist es möglich, dass die Kurve 1 den Stromverlauf über die Zeit zeigt, mit dem die Spule beaufschlagt wird. In diesem Fall ist bzgl. der Kurve 1 auf der Ordinate die Stromstärke aufgetragen.

Die mit dem Bezugszeichen 2 gekennzeichnete Kurve zeigt die seitens der Wägezelle 2 gemessene Kraft, wenn die Waagschale 1 mit einem oder mehreren Lösungsbeuteln gefüllt ist, d.h. die Nutzlast und die durch die Spule erzeugte Kraft.

Zieht man von dem Verlauf 2 den sinusförmigen Anteil ab, erhält man den Kurvenverlauf 3, der somit die„gefilterte", d.h. um die seitens der Spule erzeugte Kraft bereinigte Nutzlast zeigt.

Zieht man von dem Verlauf 2 den Verlauf 3 ab, erhält man das gefilterte Signal 4, d.h. den Verlauf der Kraft, die die Wägezelle aufgrund der Spule erfährt.

Diese gefilterte Signal 4 stellt somit die Kraft über die Zeit dar, die die Wägezelle aufgrund der Beaufschlagung der Spule mit Strom erfährt.

Dieses Signal 4 kann somit zur Plausibilitätsprüfung herangezogen werden.

Da die Korrelation zwischen der Stromstärke durch die Spule und der von der Spule bzw. den Stößel auf die Wägezelle aufgebrachten Kraft bekannt ist, kann ermittelt werden, ob die gemessene Kraft gemäß Kurve 4 den erwarteten Werten entspricht oder zumindest in einem Toleranzbereich liegt. Diese Auswertung kann im Hinblick auf die Amplitude, d.h. auf die Größe der Kraft, und/oder im Hinblick auf die Frequenz vorgenommen werden.

Entspricht der gemessene Kraftverlauf dem erwarteten Kraftverlauf kann auf ein intaktes Wägesystem geschlossen werden. Die Verläufe in Figur 5 sind in die drei Abschnitte A, B und C unterteilt. Dabei liegt in Abschnitt A noch kein Testsignal an, d.h. die Spule wird noch nicht mit Strom beaufschlagt, in Abschnitt B wird die Spule bereits mit Strom beaufschlagt, allerdings ist die Nutzlast, d.h. das Gewicht des in der Waage befindlichen Beutels konstant oder die Waage ist leer. In Abschnitt C nimmt die Nutzlast zu, d.h. ein in der Waagschale befindlicher Beutel füllt sich mit einer Lösung.

Wie dies aus Figur 5 hervorgeht, kann die beschriebene Plausibilitätsprüfung auch während der Behandlung durchgeführt werden, was sich in dem Beispiel daran zeigt, dass in Abschnitt C Lösung dem Beutel zugeführt wird. Bei dieser Lösung kann es sich beispielsweise um eine verbrauchte Dialyselösung handeln, die einem Patienten im Rahmen einer Peritonealbahndlung aus dem Bauchraum abgezogen und in dem Beutel aufgenommen wird.

In dem Beispiel gemäß Figur 5 erfolgt eine Gewichtszunahme durch die Füllung des Beutels. Die Beschriebene Plausibilitätsprüfung kann selbstverständlich ebenso durchgeführt werden, wenn ein Beutel entleert wird, d.h. eine Gewichtsabnahme vorliegt.