| JP59001555 | STABILIZER COMPOSITION FOR HALOGEN-CONTAINING RESIN |
| WO/2007/021758 | DIAMONDOID-BASED NUCLEATING AGENTS FOR THERMOPLASTICS |
| JP2011052200 | VIBRATION-DAMPING RUBBER COMPOSITION |
| 1. | Vernetzbare, zweikomponentige Masse auf Basis von Säure¬ anhydridgruppen aufweisenden flüssigen Polymeren als Bindemittel, dadurch gekennzeichnet, dass sie als Ver¬ netzungsmittel mindestens ein sterisch gehindertes, aromatisches Amin enthält. |
| 2. | Masse nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das sterisch gehinderte, aromatische Amin ein Di- oder Po¬ lyamin ist, das in Nachbar- oder ortho-Stellungen zu den Stickstoffatomen Substituenten trägt, die aus der Gruppe der linearen oder verzweigten Cl- bis C4-Alkylgruppen ausgewählt sind. |
| 3. | Masse nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass das sterisch gehinderte aromatische Diamin oder Polyamin ein Derivat eines mehrkernigen oder kondensierten Aromaten ist. |
| 4. | Masse nach Anspruch 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass das sterisch gehinderte, aromatische Amin ausge¬ wählt ist aus der Gruppe1,3,5-Trimethyl-2,4-diaminobenzol, l-Methyl-3,5-diethyl- 2,4-diaminobenzol, l-Methyl-3,5-diethyl-2,6-diaminobenzol, 1,3,5-Triethyl- 2,4-diaminobenzol, 2,3,5,6-Tetramethyl-l,4- diaminoben- zol, 3,3\' ,5,5\'-Tetramethyl-4,4\'-diaminodiphenylmethan, 3,3\' ,5,5\'-Tetraethyl-4,4\'-diaminodiphenylmethan, 3,3\' ,5,5\'-Tetraisopropyl-4,4\'-diaminodiphenyl-methan, 3,3\'-Dimethyl-5,5\'-diethyl-4,4\'-diaminodiphenylmethan, 3,3\'-Dimethyl-5,5\'-diisopropyl-4,4\'-diaminodiphenylme¬ than, 3,3\'-Diethyl-5,5\'-diisopropyl-4,4\'-diaminodiphe¬ nylmethan, in beiden Orthostellungen zu den Amingruppen alkylsubstituiertes Produkt aus der säurekatalysierten Reaktion von Anilin mit Formaldehyd, und deren Mischun- gen ,. |
| 5. | Masse nach Anspruch 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass das aromatische Amin bis 49 Äquivalentprozente von monofunktionellen, gehinderten, aromatischen Aminen mitenthält, wobei 2,6-Di-isopropylanilin bevorzugt ist. |
| 6. | Masse nach Anspruch 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass das Verhältnis von Säureanhydridgruppen des Binde¬ mittels zu den Aminogruppen des Vernetzungsmittels im Bereiche von 3 bis 0.6 liegt. |
| 7. | Masse nach Anspruch 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass das Bindemittel ausgewählt ist aus der Gruppe Copolymere von Malein- oder Itaconsäureanhydrid mit olefinisch ungesättigten Monomeren,Additionsprodukte von ungesättigten Anhydriden an Poly¬ mere mit einzelnen oder konjugierten Doppelbindungen, Additionsprodukte von ungesättigten Anhydriden an unge¬ sättigte Abbauprodukte von hochmolekularen Natur¬ kautschuken, Styrol-Butadienkautschuken oder thermopla¬ stischen Styrol-Butadien-Isoprenkautschuken, Additionsprodukte, welche erhalten werden durch radika¬ lische Graftreaktionen von olefinisch ungesättigten Anhydriden an ein flüssiges Polymer, polymeres Esteranhydrid, welches erhalten wird durch Veresterung von Polyolen mit Trimellithsäureanhydrid, Pyromellithsäuredianhydrid, Benzoltetracarbonsäuredian- hydrid, Benzophenontetracarbonsäuredianhydrid, und Gemische dieser Bindemittel. |
| 8. | Masse nach Anspruch 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass das Bindemittel ein Addukt von Maleinsäureanhydrid an Polymere oder Copolymere des Polybutadiens ist. |
| 9. | Masse nach Anspruch 6 bis 8, dadurch gekennzeichnet. dass das Bindemittel ein Molekulargewicht von 500 bis 50 000 aufweist. |
| 10. | Masse nach Anspruch 6 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass das Bindemittel ein Gemisch von polyfunktionellen und monofunktionellen anhydridgruppenhaltigen Polymeren, mit einem mittleren Gehalt von wenigstens 1.5 Anhydrid¬ gruppen pro Polymermolekül ist. |
| 11. | Masse nach Anspruch 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass das Bindemittel neben Anhydridgruppen noch andere funktionelle Gruppen enthält. |
| 12. | Masse nach Anspruch 1 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass maximal 49 Äquivalentprozente des sterisch gehin¬ derten, aromatischen Amins durch einen mono-, di- oder polyfunktionellen, primären, aliphatischen Alkohol mit Äquivalentgewicht von 30 bis 3000 ersetzt sind. |
| 13. | Masse nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, dass die Masse bezogen auf 100 Massenteile Binde- und Ver¬ netzungsmittel bis 2 Massenteile eines tertiären Amins als Katalysator enthält. |
| 14. | Masse nach Anspruch 1 bis 13, dadurch gekennzeichnet, dass sie als Zusatzstoffe anorganische und organische Füllstoffe, Pigmente, Me¬ tallpulver, Farbstoffe, Russ, pyrogene Kieselsäure, kurzgeschnittene Fasern, Gummipulver, Weichmacher, Ex- tenderöle, Bitumen, Harze, nicht-reaktive Polymere, reaktive Modifizierungsmittel, klebrigmachende Harze, Haftvermittler, Silane, Netzmittel, Silikonöle, flamm¬ hemmende Zusätze, Alterungsschutzmittel, Lichtschutz¬ mittel, Korrosionsschutzmittel, Geruchsstoffe, fungista- tisch und bakteriostatisch wirksame Stoffe, Thixotropie- mittel, Treibmittel und Schaumstabilisatoren, Lösungs- mittel enthält. |
| 15. | Verfahren zur Herstellung von Massen gemäss den Ansprü¬ chen 1 bis 14, dadurch gekennzeichnet, dass man die Bestandteile homogen vermischt und bei Temperaturen zwischen 0 und 50 °C, bevorzugt bei Temperaturen zwi¬ schen 10 und 35 °C, aushärten lässt. |
| 16. | Verwendung von sterisch gehinderten aromatischen Aminen als Vernetzungsmittel zur Herstellung von vernetzbaren zweikomponentigen Massen auf Basis von Säureanhydrid¬ gruppen aufweisenden flüssigen Polymeren. |
| 17. | Verwendung der Massen gemäss den Ansprüchen 1 bis 16 zur Herstellung von Giessmassen, Extrusionsmassen, Verguss¬ massen, Klebmassen und Dichtmassen. |
Gegenstand der Erfindung:
Die Erfindung betrifft vernetzbare, zweikomponentige Massen gemäss Oberbegriff von Patentanspruch 1, Verfahren zu ihrer Herstellung und ihre Verwendung.
Stand der Technik:
Flüssige Polymere oder Copolymere, welche Säureanhydridgrup¬ pen enthalten, sind wertvolle Rohstoffe für die Formulierung von reaktiven Klebstoffen, Dichtmassen, Beschichtungen und Vergussmassen. Die Säureanhydridgruppen können statistisch oder regelmässig über das Molekül verteilt sein, oder in endständiger Position. Die Einführung der Säureanhydridgrup¬ pen kann durch Copolymerisation, durch Umsetzung mit end¬ ständigen reaktiven Gruppen, durch nachfolgende Addition von ungesättigten Anhydriden an einzelne oder konjugierte Doppel¬ bindungen oder durch Graftreaktionen erfolgen.
In EP 048 128 und DE 3 830 895 wurde vorgeschlagen, säurean- hydridgruppenhaltige Polymere mit Polyhydroxylverbindungen zu vernetzen. Die Vernetzungsgeschwindigkeit kann mit der Zugabe von tertiären Aminen gesteuert werden. Die Festigkeit der mit Polyhydroxylverbindungen vernetzten anhydridhaltigen Polyme¬ ren, vor allem die niedere Einreissfestigkeit limitiert die Einsatzgebiete der vernetzten Massen.
Höhere Festigkeit der Vernetzungsprodukte erwartet man durch Umsetzung von säureanhydridgruppenhaltigen Polymeren mit
Polyaminen. Di- oder Polyamine werden unter anderem in den Patentschriften EP 73 022 und EP 282 184 als Vernetzer vor¬ geschlagen. Polyamine reagieren ausserordentlich rasch mit säureanhydridgruppenhaltigen Polymeren, grössere Ansätze sind auf Grund der sehr kurzen Topfzeit nur mit Schwierigkeiten verarbeitbar. Zudem sind manche aliphatische und aromatische Amine toxikologisch bedenklich.
Um diesen Schwierigkeiten zu begegnen, werden höhermolekulare oder polymere Polyamine verwendet. Mit der Abnahme der Amino- gruppenhäufigkeit sinkt gleichzeitig die Festigkeit der Vernetzungsprodukte.
In den Patentschriften DE 2 610 406, DE 2 853 477, EP 259 172 und EP 284 953 wurde vorgeschlagen, säureanhydridgruppen- haltige Polymere mit blockierten Polyaminen zu vernetzen. Blockierte Polyamine, welche Ketimin-, Aldimin- oder Oxazo- langruppen enthalten, benötigen Feuchtigkeit oder Wasser, um die Amine freizusetzen. Bei der Umsetzung mit Wasser werden gleichzeitig Aldehyde oder Ketone frei, die aus dem Vernet¬ zungsprodukt herausdiffundieren müssen. Daher eignen sich diese Vernetzungsmittel in der Praxis nur für dünne Schich¬ ten.
In der Patentschrift DE 2 758 222 wurde vorgeschlagen, die flüssigen anhydridhaltigen Polymere mit einem Komplex aus 4,4\'-Diaminodiphenylmethan und Natriumchlorid zu vernetzen. Nachteilig ist, dass höhere Temperaturen zur Vernetzung verwendet werden müssen und dass das Endprodukt Kochsalz enthält, wodurch die Verwendung, vor allem aus Korrosions¬ schutzgründen, stark eingeschränkt ist.
Es besteht aber ein grosser Bedarf an bereits bei Raumtempe¬ ratur vernetzenden schwundfreien elastischen Massen für das Vergiessen, Dichten, Kleben, Beschichten, vor allem an sol¬ chen mit niederer Toxizität.
Es war die der Erfindung zugrundeliegende Aufgabe, neue, bei Raumbedingungen reagierende Vernetzungsmittel für flüssige, anhydridgruppenhaltige Polymere bereitzustellen, deren Ver¬ netzungsprodukte durch wesentlich höhere mechanische Festig¬ keit, verbunden mit Einreiss- und Weiterreissfestigkeit, ausgezeichnet sind.
Diese Aufgabe wird durch die vernetzbare, zweiko ponentige Masse gemäss Anspruch 1 und das Verfahren zu ihrer Herstel¬ lung gemäss Anspruch 14 gelöst. Sie wird insbesondere gelöst durch zweikomponentige Massen aus säureanhydridgruppenhalti¬ gen Polymeren, die als Vernetzungsmittel sterisch gehinderte, aromatische Amine, Diamine oder Polyamine enthalten. Sterisch gehindert heisst, die Aminogruppe ist in den Nachbarstellun¬ gen oder ortho-Stellungen substituiert.
Als Substituenten eignen sich: Lineare oder verzweigte Alkyl- gruppen mit 1 bis 4 C-Atomen, wie Methyl-, Ethyl-, Propyl-, isoPropyl-, Butyl-, sec.Butyl-, tert.Butyl-gruppen.
Bevorzugt sind:
1,3,5-Trimethyl-2,4-diaminobenzol, l-Methyl-3,5-diethyl-2,4- diaminobenzol, l-Methyl-3,5-diethyl-2,6-diaminobenzol, 1,3,5- Triethyl-2,4-diaminobenzol, 2,3,5,6-Tetramethyl-l,4- diamino- benzol, 3,3\' ,5,5\'-Tetramethyl-4,4\'-diaminodiphenylmethan, 3,3\' ,5,5\'-Tetraethyl-4,4\'-diaminodiphenylmethan, 3,3\' ,5,5\'- Tetraisopropyl-4,4\'-diaminodiphenyl-methan, 3,3\'-Dimethyl- 5,5\'-diethyl-4,4\'-diaminodiphenylmethan, 3,3\'-Dimethyl-5,5\'- diisopropyl-4,4\'-diaminodiphenylmethan, 3,3\'-Diethyl-5,5\'- diisopropyl-4,4\'-diamino-diphenylmethan, in beiden Orthostel¬ lungen zu den Amingruppen alkylsubstituiertes Produkt aus der säurekatalysierten Reaktion von Anilin mit Formaldehyd, Mischungen der vorgenannten Amine oder Gemische mit einem Unterschuss an monofunktionellen gehinderten aromatischen Aminen, wie alkylierten Anilinen. der bevorzugt maximal 49 Äquivalentprozente beträgt. 2,6-Diisopropylanilin soll hier
als bevorzugtes Beispiel angeführt werden.
Weiter bevorzugt sind auch Addukte von sterisch gehinderten, aromatischen Diaminen mit einem Unterschuss an di- oder poly- funktionellen Epoxyden, Isocyanaten, Acrylmonomeren, nieder¬ molekularen Anhydriden, Säurechloriden, aliphatischen oder aromatischen Säuren, Acetoacetaten.
Die bevorzugten Amine sind bei Raumtemperatur flüssig oder fest. Flüssige Amine werden als unverdünnte Flüssigkeiten oder mit Weichmacher verdünnt eingesetzt, die festen als Lösung in einem Lösungsmittel oder Weichmacher. Mischungen von mehreren festen Aminen können eutektische Mischungen bilden und dadurch bei Raumtemperatur flüssig vorliegen. Diese Amine zeichnen sich in vorteilhafter Weise durch niede¬ ren Dampfdruck aus, sie sind für den gewerblichen Gebrauch toxikologisch unbedenklich.
Ihre Verwendung als Vernetzungsmittel zur Herstellung von vernetzbaren, zweikomponentigen Massen auf Basis von anhy- dridgruppenhaltigen Polymeren, löst die dieser Erfindung zugrundeliegende Aufgabe in besonders vorteilhafter Weise.
Polymere, die als Bindemittel die Basis dieser Zweikomponen¬ ten-Massen bilden, sind bei Raumtemperatur flüssige säurean- hydridgruppenhaltige Polymere oder Copolymere und mit Moleku¬ largewichten bis 50 000. Die Säureanhydridgruppen können statistisch oder regelmässig über das Molekül verteilt sein oder in endständiger Position. Die Einführung der Säureanhy¬ dridgruppen kann durch Copolymerisation, durch Umsetzung mit endständigen reaktiven Gruppen, durch nachfolgende Addition von ungesättigten Anhydriden an einzelne oder konjugierte Doppelbindungen, oder durch Graftreaktionen erfolgen.
Beispiele von solchen vernetzbaren Polymeren sind: Copolymere mit olefinisch ungesättigten Monomeren, wie zum
Beispiel Copolymere von Maleinsäure- oder Itaconsäureanhydrid mit Olefinen, Dienen, Vinylverbindungen, vinylaromatischen Verbindungen, Vinylestern, Vinylethern, Acryl- und Methacryl- verbindungen,
Additionsprodukte von ungesättigten Anhydriden an einzelne oder konjugierte Doppelbindungen sind bevorzugt solche an Polymere des Butadiens, Isoprens, an Copolymere des Butadiens oder Isoprens mit Cyclopentadien, Styrol, Acrylnitril, Olefi- ne mit bis zu 12 C-Atomen, an Ester ungesättigter Fettsäuren, an Terpene, oder an flüssige, ungesättigte Abbauprodukte von hochmolekularen Elastomeren, wie Naturkautschuk, Styrol- Butadienkautschuk, SBS- und SIS-Thermoplastischer-Kautschuk. Besonders bevorzugt sind Addukte von Maleinsäureanhydrid an Polymere oder Copolymere des Polybutadiens.
Die Addition des ungesättigten Anhydrids kann auch an par¬ tiell hydrierte Polymere erfolgen, respektive die Hydrierung überschüssiger Doppelbindungen kann katalytisch nach der Anhydridaddition vorgenommen werden.
Graftprodukte, die durch Addition von olefinisch ungesättig¬ ten Anhydriden an flüssige Polymere und Copolymere erhalten werden, meist unter Einwirkung von Radikalgebern, wie Per¬ oxyden und Azoverbindungen. Besonders bevorzugt ist die Addition von ungesättigten Anhydriden an EPDM, EVA, Poly- Alpha-olefine, Acrylpolymere.
Bevorzugte flüssige säureanhydridgruppenhaltige Polymere sind auch Esteranhydride, insbesondere polymere Esteranhydride, Thioesteranhydride oder Amidanhydride von Polyhydroxylver¬ bindungen, Polymercaptoverbindungen, von Polyaminen, mit Tri- mellithsäureanhydrid, Pyromellithsäuredianhydrid, Benzolte- tracarbonsäure-dianhydrid, Benzophenontetracarbonsäuredianhy- drid.
In vorteilhafter Weise können die Bindemittel auch Gemische der vernetzbaren Polymeren sein. Die bevorzugten flüssigen Polymere können neben Anhydridgruppen noch andere funktionei¬ le Gruppen enthalten, zum Beispiel Alkoxysilylgruppen oder Carboxylgruppen.
Das Molekulargewicht der anhydridgruppenhaltigen flüssigen Polymere liegt im Bereich von 500 bis 50 000. Bevorzugt sind flüssige Polymere mit einem Molekulargewicht von 2000 bis 30 000, die im Mittel 1.5 bis 10, bevorzugt 1.8 bis 8 Anhy¬ dridgruppen pro Molekül enthalten. Als Säurezahl ausgedrückt weisen diese Polymeren einen Wert von 15 bis 150 mg KOH/g, bevorzugt 20 bis 100 mg KOH/g auf (bestimmt mit wasserfreier, alkoholischer Kaliumhydroxydlosung, welche zu einem Halbester führt) .
Es kann von Vorteil sein, wenn die Gemische aus anhydridhal- tigen Polymeren mit verschiedenem mittleren Molekulargewicht und gegebenenfalls mit unterschiedlicher Anzahl Anhydrid¬ gruppen pro Molekül bestehen. Alternativ können die Gemische aus polyfunktionellen, anhydridgruppenhaltigen Polymeren mit monofunktionellen anhydridgruppenhaltigen Polymeren bestehen, speziell mit niedermolekularen, monofunktionellen anhydrid¬ gruppenhaltigen Polymeren. Die Gemische müssen im Mittel aber mindestens 1.5 Anhydridgruppen pro Molekül enthalten.
Das stöchiometrische Verhältnis der Säureanhydrid- zu den Aminogruppen des sterisch gehinderten aromatischen Amins soll im Bereich von 3 bis 0.6, bevorzugt zwischen 2 und 0.8 liegen
Durch die Reaktion zwischen einer Säureanhydridgruppe und der Aminogruppe entsteht eine Säureamidgruppe und eine Carboxyl- gruppe, die eine Wasserstoffbindung zur Säureamidgruppe ausbildet. Zusammen mit den aromatischen Kernen der Amine wirken diese Vernetzungsbrücken verstärkend, wodurch sich die erfindungsgemässen Systeme von Massen nach dem Stande der
Technik unterscheiden. Bei höheren Konzentrationen der ver¬ netzenden Amine, speziell solchen, die aus mehrkernigen oder kondensierten Aromaten bestehen, kommt es in vorteilhafter Weise zu einer Phasentrennung in eine starre Phase von aroma¬ tischen Säureamiden und in eine elastische Phase. Dadurch steigt die Reiss- und Weiterreissfestigkeit. Ein besonderer Vorteil der erfindungsgemässen Massen ist ihre Fähigkeit, Amidbrücken zu bilden, die ausserordentlich thermostabil und hydrolysenstabil sind. Die Substituenten in Nachbarstellung schirmen die Säureamidgruppen gegen Angriffe von Hydroxylio- nen oder Wasserstoffionen ab.
Tertiäre Amine katalysieren die Addition von sterisch gehin¬ derten aromatischen Aminogruppen an Säureanhydridgruppen sehr wenig. Dies gestattet die Verwendung von primären mono-, di¬ oder polyfunktionellen Hydroxylverbindungen zusammen mit den erfindungsgemässen Aminen zur Vernetzung von säureanhydrid¬ gruppenhaltigen Polymeren, wobei die Reaktion der Hydroxyl¬ gruppe mit der Anhydridgruppe durch tertiäre Amine kataly¬ siert ist. Bis maximal 49 Äquivalentprozente Hydroxylverbin¬ dungen, die bevorzugt mono-, di- oder polyfunktionelle, primäre, aliphatische Alkohole mit Äquivalentgewicht zwischen 30 und 3000 sind, können die aromatischen Amine in der Ver¬ netzungskomponente ersetzen. Alkohole, Di- oder Polyole sind nicht nur preiswert, sondern können auch dazu dienen, feste aromatische Amine in Lösung zu bringen oder die Viskosität des Systems zu erniedrigen.
Beispiele von Alkoholen und Polyolen sind monofunktionelle, primäre Alkohole mit 2 bis 30 C-Atomen, Ethylenglykol, Diet- hylenglykol, niedrigmolekulare Polyethylenglykole, Butandio- le, Gemische aus Butandiol, Pentandiol und Hexandiol, Poly- tetramethylen-etherglykole, 3-Methyl-pentandiol, flüssige Bisphenol Aethoxylate, Neopentylglykol, Cyclohexandimethanol, funktioneile Polybutadiene mit Hydroxylgruppen, N,N-bis- hydroxyethyl-aniline, Glycerin, Triethanolamin, N,N,N\',N\'-
Tetrahydroxyethyl-ethylendiamin, N,N\'-Bis-hydroxyethyl-pipe- razin.
Beispiele für katalytisch wirksame, tertiäre Amine, die in Mengen bis zu 2 Teilen pro 100 Teile Bindemitte1/Vernetzungs- mittelgemische eingesetzt werden, sind Trialkylamine, bevor¬ zugt C12-C14-Alkyldimethylamin, Di-C12-C14-Alkyl-methylamin, N-Alkylimidazole, N,N,N\' ,N\'-Tetramethyl-ethlendiamin, Diaza- bicyclo-octan (Dabco) und -undecen (DBU) . Auch alkalische Carbonsäuresalze sind als Katalysatoren wirksam.
Das Verfahren zur Herstellung der erfindungsgemässen Massen beinhaltet ein inniges Vermischen der beiden Komponenten und nachfolgendes Aushärten durch Vernetzen. Das Mischen und die Vernetzung erfolgt vorteilhaft bei Temperaturen zwischen 0 °C und 50 °C, bevorzugt zwischen 10 und 35 °C. Selbst bei Tempe¬ raturen im Bereich von 0 bis 15 °C läuft die Vernetzungs¬ reaktion mit den erfindungsgemässen Aminen annähernd quanti¬ tativ innerhalb Tagesfrist ab.
Die Vermischung kann von Hand, mit dynamischen oder stati- * sehen Mischern erfolgen. Speziell bei höherviskosen, höhermo¬ lekularen Polybutadienen erweist sich die Verarbeitung mit statischen oder dynamischen Mischern von Vorteil, da damit keine Luft eingearbeitet wird.
Die Eigenschaften der vernetzten Massen können durch den Fachmann gezielt gesteuert werden und hängen u.a. vom Poly¬ mergehalt, von Anhydridgehalt des Polymers, vom Polymerisa¬ tionsgrad, vom Anteil des Comonomeren, von der Funktionali¬ tät, von Verhältnis Säureanhydrid zum Amin, von der Art des Amins ab. Es resultieren sehr weiche bis harte Massen mit unterschiedlicher Zugfestigkeit, Einreissfestigkeit und Druckverformungsrest.
Einen grossen Einfluss auf verschiedene Eigenschaften der
Massen in flüssigem oder vernetztem Zustand haben verschiede¬ ne Zusatzmittel, zum Beispiel:
Anorganische und organische Füllstoffe, Pigmente, Metallpul¬ ver, Farbstoffe, Russ, pyrogene Kieselsäure, kurzgeschnittene Fasern, Gummipulver, Weichmacher, Extenderöle, Bitumen, Harze, nicht-reaktive Polymere, reaktive Modifizierungsmit¬ tel, klebrigmachende Harze, Haftvermittler, Silane, Netz¬ mittel, Silikonöle, flammhemmende Zusätze, AIterungsSchutz¬ mittel, Lichtschutzmittel, Korrosionsschutzmittel, Geruchs¬ stoffe, fungistatisch und bakteriostatisch wirksame Stoffe, Thixotropiemittel, Treibmittel und Schaumstabilisatoren, Lö¬ sungsmittel. Die Verwendung und die Wirkung dieser Zusätze und die bevorzugten Konzentrationen sind Stand der Technik und dem Fachmann bekannt.
Die erfindungsgemässen Mischungen werden zur Herstellung von Giessmassen, Extrudiermassen, Vergussmassen, Klebmassen und Dichtmassen verwendet.
Beispiele:
Definitionen: % bedeutet Gewichtsprozent, T bedeutet Massen¬ teile.
Säurezahl: Die Säurezahl wurde mit methanolischer KOH be¬ stimmt. Pro Anhydridgruppe bildet sich eine Säuregruppe und ein Methylester.
Mechanische Prüfungen: Die Reissfestigkeit wurde nach DIN 53 504, der Weiterreisswiderstand nach DIN 53 507 bestimmt. Ab¬ zugsgeschwindigkeit 100 mm/Min. Der Sekanten-Modul wurde bei 50 % Dehnung auf 100 % Dehnung extrapoliert. Die Eindruckhär¬ te wurde mit dem Shore A-Prüfgerät bestimmt.
Verwendete Materialien:
Flüssiges, maleinisiertes Polybutadien mit 9.09 % Maleinsäu¬ reanhydrid, Säurezahl 54 mg KOH/g, (Lithene LX16-10MA, Mn 8800; resp. N4-5000-10MA, Mn 5250; Revertex Ldt. UK-Harlow)
Flüssiges, maleinisiertes Polybutadien mit 4.76 % Maleinsäu¬ reanhydrid,
Säurezahl 28 mg KOH/g, (Lithene LX16-5MA, Mn 8800; resp. Lithene N4-5000-5MA, Mn 5250; Revertex Ltd. UK-Harlow)
Flüssiges, mittels Graftreaktionen maleinisiertes EPDM, Mn 2600, Säurezahl 28 mg KOH/g (Lucant A 5560 / Mitsui Petroche- mical Ind., Japan)
Weichmacher 2-Ethylhexyl-benzyl-phthalat (Santicizer 261 / Monsanto Europe SA, B-Brussels)
Weichmacher Diisopropyl-diphenyl (Sure Sol 300 / Koch Che . Co., Corpus Christi TX USA)
Ethoxyliertes Bisphenol A, OH-Zahl 272 mg KOH/g, (Dianol, AKZO Chem. Div. NL-Amsterdam)
3,3\' ,5,5\'-Tetraisopropyl-4,4\'-diaminodiphenylmethan, Amin- Zahl 306 mg KOH/g, (M-DIPA, Lonza AG, CH-Basel)
C12-C14-Alkyldimethylamin (BASF AG, D-Ludwigshafen)
Kreide, Korngrösse 0 - 4 μ (Omya H95T, Plüss-Stauffer AG,
CH-Oftringen)
Kreide, Korngrösse 0 - 25 μm (Omya BLR3, Plüss-Stauffer AG,
CH-Oftringen)
Verfahren:
Komponente A = Maleinisiertes Polymer mit Zuschlag¬ stoffen
Komponente B = Weichmacher, mit gelöster Vernetzer¬ komponente, gegebenenfalls zusätzlich mit Katalysator.
Die Komponenten A und B wurden bei Raumbedingungen homogen vermischt und innerhalb von 10 Minuten Platten von 3 mm gegossen. Die mechanischen Werte wurden an den resultierenden vernetzten Massen nach einer Lagerung von mindestens 10 Tagen bei Raumbedingungen bestimmt.
Tabelle 1
Vernetzte Massen unter Verwendung von erfindungsgemässen, sterisch gehinderten, aromatischen Aminen als Vernetzungs¬ mittel (Versuche 2 - 4, Versuche 6 und 7) , im Vergleich zu Vernetzungsmitteln nach den Stande der Technik (Versuch 1 und 5). Verhältnis: Anhydridgruppe zu Hydroxyl- resp. Amingruppe = 1. Vermischen der Komponenten und Vernetzung bei Raumbedin¬ gungen.
Tabelle 1
Versuch Nr. 1 2 3 4 5 6 7
Komponente A
1) Lithene LX16-5MA 500 500 500 500
2) Lithene N4-5000-5MA 1000
3) Lithene N4-5000-10MA 500 500 500 500
4) Lucant A 5560 1000 1000
5) Sure Sol 300 375 353 375 375 344 353 375
6) Kreide Omya H95T 666 666 666 666 7)Kreide Omya BLR3 933 933 933 933
Komponente B
8) Santicizer 261 148 132 93 93 148 132 93
9) Ethoxyliertes 148 148 148 Bisphenol A
10) M-DIPA 32 93 93 132 93
11) Alkyldimethylamin 30 30
Summe in Massenteilen 3300 3216 3160 3160 1670 1617 1561
Topfzeit, Minuten 45 35 40 30 50 40 35
Härte Shore A 41 58 27 44 14 40 32
Reissfestigkeit N/mm2 0.75 1.75 0.80 0.90 0.22 0.68 0.55
Modul 50 % 0.60 1.30 0.23 0.70 0.20 0.50 0.50
Reissdehnung % 64 102 285 89 75 77 65
Weiterreisswiderstand 0.52 1.96 0.83 0.56 0.19 1.62 0.36 N/mm
Ergebnis der Versuche: Vernetzte Massen mit den erfindungs¬ gemässen Vernetzern auf Basis der sterisch gehinderten, aromatischen Amine, zeigen wesentlich höhere mechanische Festigkeiten als Massen mit Vernetzern nach dem Stande der Technik.
