Login| Sign Up| Help| Contact|

Patent Searching and Data


Title:
DIFFERENTIAL PROTECTION METHOD AND DIFFERENTIAL PROTECTION UNIT
Document Type and Number:
WIPO Patent Application WO/2008/025309
Kind Code:
A1
Abstract:
The invention relates to a differential protection method for generating a fault signal (F). According to said method, current measured values (I1 (t), I2 (t)) are measured at least at two different measuring points (40, 50) on a component (80, 410) and are used to form differential current values (I-DIFF) and stabilising values (I-STAB), the fault signal being generated if a tripping range test establishes that a measured value pair, consisting of one of the differential current values and its associated stabilising value, lies within a predefined tripping range (320, 320'). According to the invention, the similarity of the current profiles is tested and a modified trigger range test is carried out depending on the degree of similarity (A), said trigger range test being modified in such a way that the trigger sensitivity for generating the fault signal is reduced as the similarity of the current profiles decreases.

Inventors:
BÖHME, Klaus (Eiswaldtstr. 27, Berlin, 12249, DE)
Application Number:
DE2006/001554
Publication Date:
March 06, 2008
Filing Date:
August 31, 2006
Export Citation:
Click for automatic bibliography generation   Help
Assignee:
SIEMENS AKTIENGESELLSCHAFT (Wittelsbacherplatz 2, München, 80333, DE)
BÖHME, Klaus (Eiswaldtstr. 27, Berlin, 12249, DE)
International Classes:
H02H3/28
Attorney, Agent or Firm:
SIEMENS AKTIENGESELLSCHAFT (Postfach 22 16 34, München, 80506, DE)
Download PDF:
Claims:

Patentansprüche

1. Differentialschutzverfahren zum Erzeugen eines Fehlersignals (F) , bei dem -an mindestens zwei unterschiedlichen Messstellen (40, 50) einer Komponente (80, 410) jeweils Strommesswerte (Il (t), 12 (t) ) gemessen werden und mit den Strommesswerten Differenzstromwerte (I-DIFF) und Stabilisierungswerte (I-STAB) gebildet werden, — und das Fehlersignal erzeugt wird, wenn im Rahmen einer Auslösebereichsprüfung festgestellt wird, dass ein aus einem der Differenzstromwerte und dem jeweils zugehörigen Stabilisierungswert gebildetes Messwertpaar in einem vorgegebenen Auslösebereich (320, 320') liegt, d a d u r c h g e k e nn z e i c hn e t, dass

- die ähnlichkeit der Stromverläufe geprüft wird und in Abhängigkeit von dem Maß der ähnlichkeit (A) eine modifizierte Auslösebereichsprüfung durchgeführt wird,

- wobei die Auslösebereichsprüfung derart modifiziert wird, dass die Auslöseempfindlichkeit für die Erzeugung des Fehlersignals mit abnehmender ähnlichkeit der ξtromverläufe reduziert wird.

2. Verfahren nach Anspruch 1, d a d u r c h g e k e n n z e i c h n e t, dass die ähnlichkeit der Stromverläufe mittels eines neuronalen Netzes ermittelt wird.

3. Verfahren nach Anspruch 1, d a d u r c h g e k e n n z e i c h n e t, dass die ähnlichkeit der Stromverläufe quantitativ bestimmt wird, indem jeweils für jede Messstelle jeweils der Oberschwingungsanteil relativ zum Grundschwingungsanteil der Grundfrequenz erfasst wird und die Abweichung im Oberschwingungsver- halten zwischen den Messstellen als quantitatives Maß für die ähnlichkeit der Stromverläufe weiter verwendet wird.

4. Verfahren nach Anspruch 1, d a d u r c h g e k e n n z e i c h n e t, dass die ähnlichkeit der Stromverläufe bestimmt wird, indem die Kreuzkorrelation zwischen den beiden Stromverläufen gebildet wird und ein Korrelationswert berechnet wird, der als quantitatives Maß für die ähnlichkeit der Stromverläufe verwendet wird.

5. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, d a d u r c h g e k e nn z e i c h n e t, dass eine modifizierte Auslösebereichsprüfung durchgeführt wird, indem in Abhängigkeit von der ähnlichkeit (A) der Stromverläufe der vorgegebene Auslösebereich (320) modifiziert wird und der modifizierte Auslösebereich (320') zur Bildung des Fehlersignals verwendet wird.

6. Verfahren nach Anspruch 5 , d a d u r c h g e k e n n z e i c h n e t, dass der Auslösebereich modifiziert wird, indem eine den Auslöse- bereich definierende Auslösekennlinie eines Auslösediagramms in Abhängigkeit von dem Maß der ähnlichkeit (A) der Stromverläufe verändert wird.

7. Verfahren nach Anspruch 5 oder 6 , d a d u r c h g e k e n n z e i c h n e t, dass der Auslösebereich modifiziert wird, indem in Abhängigkeit von der ähnlichkeit der Stromverläufe aus einer vorgegebenen Gruppe von Hilfsauslösebereichen, denen jeweils ein ähnlichkeitsintervall individuell zugeordnet ist, der pas- sende Hilfsauslösebereich ausgewählt wird und dieser als modifizierter Auslösebereich weiter verwendet wird.

8. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, d a d u r c h g e k e n n z e i c h n e t, dass die Messwertpaare modifiziert werden und geprüft wird, ob die modifizierten Messwertpaare ((1-DIFF', I-STAB) , (I-DIFF, I- STAB'), (1-DIFF', I-STAB')) in dem modifizierten Auslösebereich liegen.

9. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche 1-4, d a du r c h g e k e n n z e i c h n e t, dass unter Beibehaltung des vorgegebenen Auslösebereichs (320) die Messwertpaare modifiziert werden und geprüft wird, ob die modifizierten Messwertpaare ((1-DIFF', I-STAB) , (I-DIFF, I- STAB'), (1-DIFF', I-STAB' ) ) in dem vorgegebenen Auslösebereich liegen.

10. Verfahren nach Anspruch 8 oder 9, d a d u r c h g e k e n n z e i c h n e t, dass die Messwertpaare modifiziert werden, indem der Stabilisierungswert in Abhängigkeit von der ähnlichkeit der Stromverläufe verändert wird.

11. Verfahren nach Anspruch 10, d a d u r c h g e k e n n z e i c h n e t, dass der Stabilisierungswert mit abnehmender ähnlichkeit der Stromverläufe erhöht wird.

12. Verfahren nach Anspruch 11, d a d u r c h g e k e n n z e i c h n e t, dass der Stabilisierungswert um einen vorgegebenen Faktor (K) erhöht wird, wenn die ähnlichkeit der Stromverläufe ein vorge- gebenes Maß unterschreitet.

13. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche 8-12, d a d u r c h g e k e n n z e i c h n e t, dass die Messwertpaare modifiziert werden, indem der Differenzstromwert in Abhängigkeit von der ähnlichkeit der Stromverläufe verändert wird.

14. Verfahren nach Anspruch 13 , d a d u r c h g e k e n n z e i c h n e t, dass der Differenzstromwert mit abnehmender ähnlichkeit der Stromverläufe reduziert wird.

15. Verfahren nach Anspruch 14 , d a d u r c h g e k e n n z e i c h n e t, dass der Differenzstromwert um einen vorgegebenen Faktor (K) reduziert wird, wenn die ähnlichkeit der Stromverläufe ein vorge- gebenes Maß unterschreitet.

16. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, d a d u r c h g e k e n n z e i c h n e t, dass die Stromverläufe im Hinblick auf das Auftreten einer Stromwandlersättigung hin untersucht werden und im Falle einer erkannten Stromwandlersättigung die

Auslöseempfindlichkeit gemäß einem für eine Stromwandlersättigung vorgegebenen Maß reduziert wird.

17. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, d a d u r c h g e k e n n z e i c h n e t, dass die Stromverläufe im Hinblick auf das Auftreten eines Einschaltvorganges hin untersucht werden und im Falle eines erkannten Einschaltvorganges die Auslöseempfindlichkeit gemäß einem für einen Einschaltvorgang vorgegebenen Maße reduziert wird.

18. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, d a d u r c h g e k e n n z e i c h n e t, dass die Stromverläufe an zwei unterschiedlichen Messstellen einer Leitung gemessen werden.

19. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche 1-17, d a d u r c h g e k e n n z e i c h n e t, dass die Stromverläufe an zwei unterschiedlichen Messstellen eines Transformators (410) gemessen werden.

20. Verfahren nach Anspruch 19, d a d u r c h g e k e n n z e i c h n e t, dass eine der Messstellen auf der Hochspannungsseite (400) des

Transformators und die andere Messstelle auf der Niederspannungsseite (420) des Transformators angeordnet wird.

21. Verfahren nach, einem der voranstehenden Ansprüche, d a d u r c h g e k e n n z e i c h n e t, dass als Stabilisierungswert ein Summenstromwert gebildet wird.

22. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, d a d u r c h g e k e n n z e i c h n e t, dass zum Erfassen der ähnlichkeit der Stromverläufe ein neuronales Netz verwendet wird, das derart trainiert ist, dass es zumindest einen vorgegebenen Störeffekt individuell erkennen kann, und dass die Auslöseempfindlichkeit für die Erzeugung des Fehlersignals Störeffektindividuell herabgesetzt wird.

23. Differentialschutzeinrichtung (10)

-mit Anschlüssen (20, 30) zum unmittelbaren oder mittelbaren Anschluss an zumindest zwei unterschiedlichen Messstellen

(40, 50) einer Komponente (80, 410)

— sowie mit einer Auswerteinrichtung, die dazu geeignet ist, mit Strommesswerten (Il (t), 12 (t) ) Differenzstromwerte (I- DIFF) und Stabilisierungswerte (I-STAB) zu bilden und ein Fehlersignal (F) zu erzeugen, wenn ein aus einem der Differenzstromwerte und dem jeweils zugehörigen Stabilisierungswert gebildetes Messwertpaar in einem vorgegebenen Auslösebereich (320) liegt, d a d u r c h g e k e n n z e i c h n e t, dass - die Auswerteinrichtung geeignet ist, die ähnlichkeit der

Stromverläufe zu prüfen und in Abhängigkeit von dem Maß der ähnlichkeit (A) eine modifizierte Auslösebereichsprüfung durchzuführen, wobei die Auslösebereichsprüfung derart modifiziert wird, dass die Auslöseempfindlichkeit für die Er- zeugung des Fehlersignals mit abnehmender ähnlichkeit der Stromverläufe reduziert wird.

24. Differentialschutzeinrichtung nach Anspruch 23, d a d u r c h g e k e n n z e i c h n e t, dass die Auswerteinrichtung eine Datenverarbeitungsanlage, insbesondere eine Mikroprozessoreinrichtung, umfasst, die derart programmiert ist, dass sie ein Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche 1-22 durchführen kann.

Description:

Beschreibung

Differentialschutzverfahren und Differentialschutzeinrichtung

Die Erfindung bezieht sich auf ein Differentialschutzverfahren mit den Merkmalen gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs 1.

Bekannt ist ein Differentialschutzgerät der Firma Siemens AG, das unter dem Produktnamen 7UT6x vertrieben wird. Dieses Dif- ferentialsσhutzgerät ist zur Durchführung eines Differential- schutzverfahrens geeignet, bei dem an mindestens zwei unterschiedlichen Messstellen einer Komponente jeweils Strommesswerte gemessen werden. Mit den Strommesswerten werden Differenzstromwerte und Stabilisierungswerte gebildet, und es wird ein Fehlersignal erzeugt, wenn im Rahmen einer Auslösebe- reichsprüfung festgestellt wird, dass ein aus einem der Differenzstromwerte und dem jeweils zugehörigen Stabilisierungswert gebildetes Messwertpaar in einem vorgegebenen Auslösebereich liegt. Bei hohen Kurzschlussströmen kann nun das Pro- blem auftreten, das Stromwandler zum Wandeln der Ströme an den Messstellen unterschiedlich in Sättigung gehen und sättigungsbedingte Fehler auftreten; um dieses Sättigungsproblem in den Griff zu bekommen, weist das vorbekannte Differentialschutzgerät einen Sättigungsindikator auf, der eine auftre- tende StromwandlerSättigung erkennt und im Falle einer erkannten Stromwandlersättigung den Differentialschutz für eine vorab einstellbare Zeitspanne blockiert, um eine Fehlauslösung durch die Stromwandlersättigung zu vermeiden.

Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren der eingangs angegebenen Art dahingehend zu verbessern, dass dieses noch zuverlässiger als bisher arbeitet.

Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch ein Verfahren mit den Merkmalen gemäß Anspruch 1 gelöst. Vorteilhafte Ausgestaltungen des erfindungsgemäßen Verfahrens sind in Unteransprüchen angegeben.

Danach ist erfindungsgemäß vorgesehen, dass die ähnlichkeit der Stromverläufe an den Messstellen geprüft wird und in Abhängigkeit von dem Maß der ähnlichkeit eine modifizierte Aus- lösebereichsprüfung durchgeführt wird, wobei die Auslösebe- reichsprüfung derart modifiziert wird, dass die Auslöseempfindlichkeit für die Erzeugung des Fehlersignals mit abnehmender ähnlichkeit der Stromverläufe reduziert wird.

Ein wesentlicher Vorteil des erfindungsgemäßen Verfahrens ist darin zu sehen, dass dieses kontinuierlich in Betrieb sein kann. Eine „Todphase", in der das Differentialschutzverfahren inaktiv ist, wird somit im Unterschied zum vorbekannten Verfahren vermieden. Beispielsweise kann auch im Falle einer Stromwandlersättigung das erfindungsgemäße Differential- schutzverfahren weiter betrieben werden, ohne dass es zu einer fehlerhaften Auslösung eines Fehlersignals kommen wird. Dies soll kurz anhand des nachfolgenden Beispiels verdeutlicht werden: Kommt es im Falle eines Kurzschlusses zu einer Stromwandlersättigung an einer von beispielsweise zwei Mess- stellen, so werden die gemessenen Stromverläufe an den beiden Messstellen unähnlich zueinander sein, weil einer der beiden Stromverläufe durch die Sättigung verfälscht wird. Im Rahmen des erfindungsgemäßen Verfahrens wird diese Unähnlichkeit erkannt werden, so dass beispielsweise von einem Normalbe- triebsmodus in einen Sonderbetriebmodus geschaltet werden kann, bei dem eine modifizierte Auslösebereichsprüfung erfolgt. Im Rahmen dieser modifizierten Auslösebereichsprüfung wird die Auslöseempfindlichkeit für die Erzeugung des Fehlersignals bei zu geringer ähnlichkeit der Stromverläufe redu- ziert, so dass Fehlauslösungen durch eine Stromwandlersättigung vermieden werden.

Entsprechendes gilt für andere „Störereignisse", die ein Dif- ferentialschutzverfahren erschweren oder verfälschen können: Beispielsweise beim Einschalten eines Transformators kann es zu einem „Inrush"-Effekt kommen, der eine Fehlauslösung zur Folge haben kann. Auch solche Effekte können mit dem erfindungsgemäßen Verfahren zuverlässig erkannt und derart behan-

delt werden, dass eine Fehlerzeugung eines Fehlersignals unterbleibt; denn auch bei einem Inrush-Effekt unterscheiden sich die Strömverläufe an den unterschiedlichen Messstellen signifikant, so dass durch ein Herabsetzen der Auslöseemp- findlichkeit in Abhängigkeit von der ähnlichkeit bzw. Unähnlichkeit der Stromverläufe eine zuverlässige Fehlersignalerzeugung möglich ist.

Die Stromverläufe werden vorzugsweise anhand der aufgenomme- nen Strommesswerte ermittelt; beispielsweise wird der zeitliche Verlauf der Strommesswerte als Stromverlauf interpretiert und weiter verwendet. Alternativ können die Stromverläufe auch anhand der Differenzstromwerte und der Stabilisierungswerte ermittelt werden.

Die Komponenten, für die das beschriebene Differentialschutzverfahren eingesetzt werden kann, können beliebig sein: Als Komponenten kommen beispielsweise Leitungen, Transformatoren, Motoren, Netze und dergleichen mehr in Betracht.

Die ähnlichkeit lässt sich besonders einfach und mit sehr guten Ergebnissen mit Hilfe eines neuronalen Netzes ermitteln, so dass der Einsatz eines neuronalen Netzes als sehr vorteilhaft angesehen wird. Ein neuronales Netz lässt sich für eine ähnlichkeitserkennung beispielsweise dadurch trainieren, dass als „ähnlich" und als „unähnlich" zu erkennende Stromverläufe, die beispielsweise bei Sättigungs- oder Inrush-Effek- ten messtechnisch aufgezeichnet wurden, als Trainingssequenzen in das neuronale Netz eingespeist werden.

Gemäß einer alternativen Ausgestaltung des Verfahrens wird es als vorteilhaft angesehen, wenn die ähnlichkeit der Stromverläufe quantitativ bestimmt wird, indem jeweils für jede Messstelle der Obersσhwingungsanteil relativ zum Grundschwin- gungsanteil der Grundfrequenz erfasst wird und die Abweichung im Oberschwingungsverhalten zwischen den Messstellen als quantitatives Maß für die ähnlichkeit der Stromverläufe weiter verwendet wird. Eine solche „Oberschwingungsanalyse" kann

beispielsweise mit Hilfe einer Fourieranalyse durchgeführt werden.

Eine dritte vorteilhafte Ausgestaltung des Verfahrens sieht vor, dass zur Bestimmung der ähnlichkeit der Stromverläufe die Kreuzkorrelation zwischen den Stromverläufen gebildet . wird und ein Korrelationswert berechnet wird, der als quantitatives Maß für die ähnlichkeit der Stromverläufe verwendet wird.

Eine modifizierte Auslösebereiσhsprüfung wird vorzugsweise durchgeführt, indem in Abhängigkeit von der ähnlichkeit der Stromverläufe der vorgegebene Auslösebereich modifiziert wird und der modifizierte Auslösebereich zur Bildung des Fehler- signals verwendet wird.

Beispielsweise kann der Auslösebereich modifiziert werden, indem eine den Auslösebereich definierende Auslδsekennlinie eines Auslösediagramms in Abhängigkeit von dem Maß der ähn- lichkeit der Stromverläufe verändert wird.

Auch kann der Auslösebereich beispielsweise modifiziert werden, indem in Abhängigkeit von der ähnlichkeit der Stromverläufe aus einer vorgegebenen Gruppe von Hilfsauslöseberei- chen, denen jeweils ein ähnlichkeitsintervall individuell zugeordnet ist, der passende Hilfsauslösebereich ausgewählt wird und dieser als modifizierter Auslδsebereich weiter verwendet wird.

Alternativ und/oder zusätzlich ist es möglich, auch die Messwertpaare zu modifizieren und zu prüfen, ob die modifizierten Messwertpaare in dem modifizierten Auslösebereich liegen.

Beispielsweise können unter Beibehaltung des vorgegebenen Auslösebereichs die Messwertpaare modifiziert werden, und es kann geprüft werden, ob die modifizierten Messwertpaare in dem vorgegebenen Auslösebereich liegen.

Die Messwertpaare werden vorzugsweise modifiziert, indem der Stabilisierungswert und/oder der Differenzstromwert in Abhängigkeit von der ähnlichkeit der Stromverläufe verändert wird.

Vorzugsweise wird der Stabilisierungswert mit abnehmender

ähnlichkeit der Stromverläufe erhöht. Beispielsweise kann der Stabilisierungswert um einen vorgegebenen Faktor erhöht werden, wenn die ähnlichkeit der Stromverläufe ein vorgegebenes Maß unterschreitet.

Alternativ und/oder zusätzlich kann der Differenzstromwert mit abnehmender ähnlichkeit der Stromverläufe reduziert werden. Beispielsweise kann der Differenzstromwert um einen vorgegebenen Faktor reduziert werden, wenn die ähnlichkeit der Stromverläufe ein vorgegebenes Maß unterschreitet .

Wie bereits eingangs erwähnt, spielt das Problem der Stromwandlersättigung im Bereich der Differentialschutztechnik eine wichtige Rolle. Aus diesem' Grunde wird es als vorteil- haft angesehen, wenn die Stromverläufe im Hinblick auf das Auftreten einer Stromwandlersättigung hin untersucht werden und im Falle einer erkannten Stromwandlersättigung die Auslöseempfindlichkeit gemäß einem für eine Stromwandlersättigung vorgegebenen Maß reduziert wird.

Auch können Einschaltvorgänge ein Differentialschutzverfahren stören, so dass es als vorteilhaft angesehen wird, wenn die Stromverläufe im Hinblick auf das Auftreten eines Einschaltvorganges hin untersucht werden und im Falle eines erkannten Einschaltvorganges die Auslδseempfindlichkeit gemäß einem für einen Einschaltvorgang vorgegebenen Maße reduziert wird.

Das beschriebene Verfahren kann beispielsweise bei Differentialschutzverfahren eingesetzt werden, bei denen die Strom- verlaufe an mindestens zwei unterschiedlichen Messstellen einer Leitung (als Komponente) gemessen werden.

Auch kann das beschriebene Verfahren bei Differentialschutzverfahren eingesetzt werden, bei denen die Stromverläufe an zwei unterschiedlichen Messstellen eines Transformators (als Komponente) gemessen werden. Vorzugsweise wird in diesem Falle eine der Messstellen auf der Hochspannungsseite des

Transformators und die andere Messstelle auf der Niederspannungsseite des Transformators angeordnet. Bevorzugt wird die Auslöseempfindlichkeit reduziert, wenn ein Inrush-Vorgang bei dem Transformator erkannt wird.

Als Stabilisierungswert kann beispielsweise ein Summenstrom- wert gebildet werden.

Wird zum Erfassen der ähnlichkeit der Stromverläufe ein neu- ronales Netz verwendet, so wird es als vorteilhaft angesehen, wenn dieses derart trainiert ist, dass es vorgegebene Störeffekte wie beispielsweise eine Stromwandlersättigung oder einen Inrush-Effekt individuell erkennen kann. Bei einer solchen Ausgestaltung des neuronalen Netzes wird die Auslöseemp- findlichkeit für die Erzeugung des Fehlersignals bevorzugt störeffektindividuell herabgesetzt; dies bedeutet beispielsweise, dass im Falle eines erkannten Inrush-Effekts eine andere „Art" bzw. ein anderes Ausmaß der Herabsetzung der Auslöseempfindlichkeit erfolgt als im Falle einer erkannten StromwandlerSättigung: Beispielsweise wird im Falle eines In- rush-Effekts die Auslöseempfindlichkeit mehr oder weniger herabgesetzt als bei einer Stromwandlersättigung.

Die Erfindung bezieht sich darüber hinaus auf eine Differen- tialSchutzeinrichtung mit Anschlüssen zum unmittelbaren oder mittelbaren Anschluss an zumindest zwei unterschiedlichen Messstellen einer Komponente sowie mit einer Auswerteinrichtung, die dazu geeignet ist, Strommesswerte an den Messstellen auszuwerten und mit den Strommesswerten Differenzstrom- werte und Stabilisierungswerte zu bilden und ein Fehlersignal zu erzeugen, wenn ein aus einem der Differenzstromwerte und dem jeweils zugehörigen Stabilisierungswert gebildetes Messwertpaar in einem vorgegebenen Auslösebereich liegt .

Der Erfindung liegt bezüglich einer solchen Differential- Schutzeinrichtung die Aufgabe zugrunde, diese dahingehend zu verbessern, dass sie noch zuverlässiger als bisher arbeitet.

Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, dass die Auswerteinrichtung geeignet ist, die ähnlichkeit der Stromverläufe zu prüfen und in Abhängigkeit von dem Maß der ähnlichkeit eine modifizierte Auslösebereichsprüfung durchzufüh- ren, wobei die Auslösebereichsprüfung derart modifiziert wird, dass die Auslöseempfindlichkeit für die Erzeugung des Fehlersignals mit abnehmender ähnlichkeit der Stromverläufe reduziert wird.

Bezüglich der Vorteile der erfindungsgemäßen Differential- schutzeinrichtung sei auf die obigen Ausführungen im Zusammenhang mit dem erfindungsgemäßen Verfahren verwiesen, da sich die Vorteile der erfindungsgemäßen Differentialschutzeinrichtung und die des erfindungsgemäßen Verfahrens im We- sentliehen entsprechen.

Vorzugsweise ist bei einer solchen Differentialschutzeinrichtung vorgesehen, dass die Auswerteinrichtung eine Datenverarbeitungsanlage, insbesondere eine Mikroprozessoreinrichtung, umfasst, die derart programmiert ist, dass sie ein Differen- tialschutzverfahren wie oben beschrieben durchführen kann.

Die Erfindung wird nachfolgend anhand von Ausführungsbeispielen näher erläutert; dabei zeigen beispielhaft:

Figur 1 eine erste Anordnung mit einem Ausführungsbeispiel für eine erfindungsgemäße Differential- schutzeinrichtung, anhand der Anordnung wird auch das erfindungsgemäße Verfahren beispiel- haft beschrieben,

Figur 2 ein erstes Ausführungsbeispiel für den Aufbau und die Arbeitsweise der Differentialschutzeinrichtung gemäß der Figur 1,

Figur 3 beispielhaft ein Auslösediagramm mit einer Auslösekennlinie, die innerhalb des Auslösediagramms einen Auslösebereich von einem „Nicht- auslösebereich" trennt, man erkannt die Verschiebung eines Messwertpaares durch eine Vergrößerung des Stabilitätswertes,

Figur 4 beispielhaft Stromverläufe Il (t) und 12 (t) ohne Stromwandlersättigung für einen fehlerfreien Fall, Figur 5 beispielhaft Stromverläufe Il (t) und 12 (t) mit Stromwandlersättigung beim Stromverlauf Il (t) für einen fehlerfreien Fall,

Figur 6 ein zweites Ausführungsbeispiel für den Aufbau und die Arbeitsweise der Differentialschutzeinrichtung gemäß der Figur 1,

Figur 7 beispielhaft ein Auslösediagramm, in dem die Verschiebung eines Messwertpaares durch eine Verkleinerung des Differenzstromwertes erfolgt,

Figur 8 ein drittes Ausführungsbeispiel für den Aufbau und die Arbeitsweise der Differentialschutzeinrichtung gemäß der Figur 1 ,

Figur 9 beispielhaft ein Auslösediagramm, in dem die Verschiebung eines Messwertpaares durch eine Verkleinerung des Differenzstromwertes und eine Vergrößerung des Stabilitätswertes erfolgt,

Figur 10 eine zweite Anordnung mit einem Ausführungsbeispiel für eine erfindungsgemäße Differentialschutzeinrichtung und mit einem Transformator,

Figur 11 beispielhaft Stromverläufe Il (t) und 12 (t) für den Fall eines Inrush-Effekts beim Transformator gemäß der Figur 10,

Figur 12 ein viertes Ausführungsbeispiel für den Aufbau und die Arbeitsweise der Differentialschutzeinrichtung gemäß der Figur 1 , Figur 13 beispielhaft das Verschieben einer Auslδsekennlinie in einem Auslösediagramm,

Figur 14 ein fünftes Ausführungsbeispiel für den Aufbau und die Arbeitsweise der Differentialschutzeinrichtung gemäß den Figuren 1 oder 10 und

Figur 15 ein sechstes Ausführungsbeispiel für den Aufbau und die Arbeitsweise der Differentialschutzeinrichtung gemäß den Figuren 1 oder 10.

In den Figuren 1 - 15 werden aus Gründen der übersicht für identische oder vergleichbare Komponenten stets dieselben Be- zugszeichen verwendet.

In der Figur 1 erkennt man eine Anordnung mit einem Ausführungsbeispiel einer Differentialschutzeinrichtung 10 mit zwei Anschlüssen 20 und 30 zum Anschluss an zwei Messstellen 40 und 50. Die beiden Messstellen sind durch zwei Stromwandler

60 und 70 gebildet, die an eine Komponente in Form eines Phasenleiters 80 einer nicht weiter dargestellten Energieversorgungsleitung angeschlossen sind.

Die beiden Stromwandler 60 und 70 erzeugen ausgangsseitig

Strommesswerte Il (t) und 12 (t) , die den Stromverlauf an den beiden Messstellen wiedergeben. Die Differentialschutzeinrichtung 10 überprüft diese Strommesswerte auf das Vorliegen eines Fehlers und erzeugt ausgangsseitig ein Fehlersignal F, wenn ein Fehler festgestellt wurde.

In der Figur 2 ist ein erstes Ausführungsbeispiel für den Aufbau und die Arbeitsweise der Differentialschutzeinrichtung 10 gemäß der Figur 1 gezeigt. Man erkennt, dass die Differen- tialschutzeinrichtung 10 eingansseitig eine Recheneinrichtung

200 aufweist. Der Recheneinrichtung 200 ist ausgangsseitig eine Korrektureinrichtung 210 nachgeordnet, die außerdem mit einer Prüfeinrichtung 220 und einer Kennlinieneinrichtung 230 in Verbindung steht. Die Prüfeinrichtung 220 ist darüber hin- aus ebenfalls an den durch die beiden Anschlüsse 20 und 30 gebildeten Eingang der Differentialschutzeinrichtung 10 angeschlossen.

Die Differentialschutzeinrichtung 10 lässt sich beispielsweise wie folgt betreiben:

Die Recheneinrichtung bildet mit den eingangsseitig anliegen- den Messwerten Il (t) und 12 (t) Differenzstromwerte I-DIFF und Stabilisierungswerte I-STAB, beispielsweise gemäß den folgenden Formeln:

I-DIFF (t) = |ll(t)- 12 (t) I I-STAB (t) = |ll(t)| + |l2(t)|

Die in dieser Weise gebildeten Differenzstromwerte I-DIFF und Stabilisierungswerte I-STAB gelangen zu der Korrektureinrichtung 210, in der diese mit einem von der Prüfeinrichtung 220 gebildeten Korrekturwert K korrigiert werden. Bei dem ersten Ausführungsbeispiel gemäß der Figur 2 wird beispielhaft davon ausgegangen, dass nur die Stabilitätswerte I-STAB von der Korrektur betroffen sind, nicht jedoch die Differenzstromwerte I-DIFF. Ausgangsseitig erzeugt die Korrektureinrichtung somit korrigierte bzw. modifizierte Stabilitätswerte I-STAB' und entsprechende korrigierte bzw. modifizierte Messwertpaare (I-DIFF, I-STAB') gemäß

I-STAB' = I-STAB * K (I-DIFF, I-STAB') = (I-DIFF, I-STAB*K)

Für Korrekturwerte größer als Eins werden die Stabilitäts- werte I-STAB also vergrößert.

Die modifizierten Messwertpaare (I-DIFF, I-STAB') gelangen zu der Kennlinieneinrichtung, die überprüft, ob das jeweils vorliegende Messwertpaar (I-DIFF, I-STAB') innerhalb eines vorgegebenen Auslösebereichs liegt oder nicht.

Die Arbeitsweise der Kennlinieneinrichtung 230 wird nachfolgend beispielhaft anhand der Figur 3 erläutert. Man sieht in der Figur 3 ein Auslösediagramm 300 mit einer Auslösekennlinie 310, die innerhalb des Auslösediagramms 300 einen Auslö-

sebereich 320 von einem Normalbereich (bzw. „Nichtauslösebe- reich") 330 trennt.

Die Kennlinieneinrichtung 230 überprüft, ob das Messwertpaar (I-DIFF, I-STAB') in dem Normalbereich 330 liegt: Ist dies der Fall, so wird ausgangseitig ein Signal erzeugt, das anzeigt, dass kein Fehler vorliegt; beispielsweise wird ein digitales Signal mit einer binären Null gebildet.

Liegt das Messwertpaar (I-DIFF, I-STAB') hingegen im Auslöse- bereich 320, so wird das Fehlersignal F gebildet und aus- gangsseitig abgegeben; beispielsweise wird als Fehlersignal ein digitales Signal mit einer binären Eins erzeugt.

In der Figur 4 sind beispielhaft zwei Stromverläufe Il (t) und 12 (t) für einen fehlerfreien Fall gezeigt. Man erkennt, dass die sinusförmigen Verläufe Il (t) und 12 (t) annähernd identisch sind. Demgemäß gilt annähernd:

I-DIFF (t) = I IKt)- 12 (t) I * 0

I-STAB (t) = I Il(t)| + |l2(t)| « 2* |ll(t)|

Das entsprechende Messwertpaar (I-DIFF, I-STAB) ist beispielhaft in der Figur 3 eingetragen und mit dem Bezugszeichen MO gekennzeichnet. Man erkennt, dass das Messwertpaar (I-DIFF, I-STAB) im Normalbereich 330 liegt und keine Fehlersignalerzeugung erfolgt .

In der Prüfeinrichtung 220 werden die Stromverläufe Il (t) und 12 (t) auf ihre ähnlichkeit hin untersucht, und es wird ein entsprechender ähnlichkeitswert A gebildet. Beispielsweise gibt ein ähnlichkeitswert A=I an, dass die beiden Strαmver- läufe identisch bzw. hochgradig ähnlich sind; ähnlichkeitswerte unter Eins sind beispielsweise ein Hinweis auf eine Un- ähnlichkeit.

Die Bildung des ähnlichkeitswerts kann in der Prüfeinrichtung 220 auf verschiedene Weise erfolgen. Beispielsweise kann der ähnlichkeitswert A errechnet werden gemäß

wobei T ein zeitliches AuswertIntervall für die ähnlichkeitsprüfung bezeichnet .

Alternativ kann die ähnlichkeit A der Stromverläufe Il (t) und 12 (t) quantitativ bestimmt werden, indem für die Ströme jeweils der Oberschwingungsanteil relativ zum Grundschwingungs- anteil der Grundfrequenz erfasst wird. Die Abweichung im Oberschwingungsverhalten zwischen den beiden Stromverläufen Il (t) und 12 (t) wird dann als quantitatives Maß für die ähnlichkeit der Stromverläufe weiter verwendet.

Besonders gute ähnlichkeitsergebnisse lassen sich durch den Einsatz eines neuronalen Netzes erhalten, das in der Prüfein- richtung 220 hinterlegt sein kann. Ein solches neuronales

Netz lässt sich auf das Erkennen einer ähnlichkeit trainieren, indem gezielt ähnliche und unähnliche Stromverläufe eingespeist werden, bis die ähnlichkeit korrekt erkannt wird. Das Trainieren neuronaler Netze ist in der Fachwelt allgemein bekannt und beispielsweise beschrieben in D. E. Rumelhart, J. L. Mc Clelland, Parallel Distributed Processing I+II, MIT Press 1986.

Bezüglich der beiden in der Figur 4 beispielhaft gezeigten Stromverläufe Il (t) und 12 (t) wird die Prüfeinrichtung 220 somit eine sehr große ähnlichkeit erkennen und einen entsprechend großen ähnlichkeitswert A nahe 1 erzeugen. Mit dem ähnlichkeitswert A bildet die Prüfeinrichtung 220 außerdem einen Korrekturwert K, der für ähnliche Stromverläufe bei Eins liegt und bei unähnlichen Stromverläufen größer als Eins ist. Die Bildung des Korrekturwerts K kann beispielsweise wie folgt erfolgen:

K = I für A > 0 , 8 und K = 2 für A < 0 , 8 .

Alternativ kann der Korrekturwert K auch anders gebildet werden, beispielsweise gemäß

K = l/A

Bei der letztgenannten Berechnungsart wird der Korrekturwert K also umso größer, je kleiner die ähnlichkeit A ist.

Im Falle ähnlicher Stromverläufe werden somit sowohl der ähn- lichkeitswert A als auch der Korrekturwert K ungefähr bei Eins liegen, so dass das Messwertpaar (I-DIFF, I-STAB) durch die Korrektur innerhalb der Korrektureinrichtung 210 im Wesentlichen unbeeinflusst bleibt.

Bei sehr großen Strömen kann nun der Fall auftreten, dass einer der beiden Stromwandler 60 oder 70, beispielsweise der Stromwandler in die Stromwandlersättigung getrieben wird, wodurch der Stromverlauf Il (t) am Ausgang des Stromwandlers 60 stark verfälscht wird. Dies zeigt beispielhaft die Figur 5 für den Fall, dass der Stromwandler 70 von keiner Stromwand- lersättigung betroffen ist.

Aufgrund der unterschiedlichen Stromwandlersättigungseffekte in den beiden Stromwandlern wird der Differenzstromwert I- DIFF anwachsen und das Messwertpaar (I-DIFF, I-STAB) seine Position in Richtung größerer Differenzstromwerte verlagern; dies zeigt beispielhaft die Figur 3, in der das Messwertpaar im Falle einer Stromwandlersättigung mit dem Bezugszeichen Ml gekennzeichnet ist. Obwohl im fehlerfreien Fall die beiden Ströme Il (t) und 12 (t) identisch sind, liegt das Messwertpaar im Auslδsebereich 320, so dass fälschlicherweise ein Fehlersignal F erzeugt werden würde, wenn keine Korrektur erfolgte. An dieser Stelle wird die Korrektureinrichtung 220 wirksam, die eine Korrektur des Messwertpaares (I-DIFF, I-STAB) in Ab-

hängigkeit von der ähnlichkeit A bzw. dem Korrekturwert K durchführt, indem sie die Lage des Messwertpaares verschiebt, und zwar hin zu größeren Stabilitätswerten I-STAB' . Das Verschieben erfolgt, indem der gemessene Stabilitätswert I-STAB mit dem Korrekturfaktor K multipliziert wird gemäß:

I-STAB' = I-STAB*K

Die resultierende Lage des Messwertpaares im Auslösediagramm 300 ist mit dem Bezugszeichen Ml' gekennzeichnet. Man sieht, dass das Messwertpaar aufgrund der Korrektur nicht mehr im Auslösebereich 320, sondern im Normalbereich 330, liegt und somit kein Fehlersignal mehr erzeugt wird. Durch die Korrektur wird also eine Fehlauslösung vermieden.

Die Figur 6 zeigt ein zweites Ausführungsbeispiel für den Aufbau und die Arbeitsweise der Differentialschutzeinrichtung 10 gemäß der Figur 1.

Im Unterschied zum ersten Ausführungsbeispiel gemäß der Figur 2, bei dem die Stabilitätswerte I-STAB von der Korrektur betroffen sind, werden bei dem zweiten Ausführungsbeispiel die Differenzstromwerte I-DIFF korrigiert, und es werden modifizierte Differenzstromwerte I-DIFF' gebildet, beispielsweise gemäß

I-DIFF' = I-DIFF / K

Die Differenzstromwerte I-DIFF werden also verkleinert. Somit ergeben sich korrigierte bzw. modifizierte Messwertpaare (I- DIFF' , I-STAB) gemäß

(1-DIFF' , I-STAB) = (I-DIFF / K, I-STAB)

Durch die Modifikation bzw. Korrektur der Differenzstromwerte werden die modifizierten Messwertpaare (1-DIFF', I-STAB) im Falle einer Kennlinienunähnlichkeit nach unten verschoben. Dies zeigt die Figur 7 für den Fall einer Stromwandlersätti-

gung des Stromwandlers 60 im fehlerfreien Fall. Man erkennt, dass durch die Verkleinerung des Differenzstromwertes I -DIFF das Messwertpaar aus dem Auslösebereich 320 in den Normalbereich 330 verschoben wird, so dass eine ungerechtfertigte Fehlersignalerzeugung unterbleibt.

Die Figur 8 zeigt ein drittes Ausführungsbeispiel für den Aufbau und die Arbeitsweise der Differentialschutzeinrichtung 10 gemäß der Figur 1.

Im Unterschied zum ersten und zweiten Ausführungsbeispiel gemäß den Figuren 2 und 6, bei denen entweder der Stabilitätswert I-STAB oder der Differenzstromwert I-DIFF von der Korrektur betroffen sind, werden bei dem dritten Ausführungsbei- spiel sowohl der Stabilitätswert I-STAB als auch der Differenzstromwert I-DIFF korrigiert, beispielsweise gemäß

I-DIFF' = I-DIFF / K I-STAB' = I-STAB * K

Somit ergeben sich korrigierte bzw. modifizierte Messwertpaare (1-DIFF', I-STAB*) gemäß

(1-DIFF', I-STAB') = (I-DIFF / K, I-STAB * K)

Durch,die Modifikation bzw. Korrektur der Differenzstromwerte werden die modifizierten Messwertpaare (1-DIFF' , I-STAB) im Falle einer Kennlinienunähnlichkeit also nach rechts unten verschoben. Dies zeigt die Figur 9 für den Fall einer Strom- wandlersättigung des Stromwandlers 60 im fehlerfreien Fall.

Man erkennt, dass durch die Verkleinerung des Differenzstromwertes I-DIFF und die gleichzeitige Vergrößerung des Stabilitätswertes I-STAB das Messwertpaar aus dem Auslδsebereich 320 in den Normalbereich 330 verschoben wird, so dass eine unge- rechtfertigte Fehlersignalerzeugung unterbleibt.

In der Figur 10 erkennt man eine weitere Anordnung mit einem Ausführungsbeispiel einer DifferentialSchutzeinrichtung 10.

Die zwei Anschlüsse 20 und 30 sind an zwei Messstellen 40 und 50 angeschlossen. Eine der Messstellen 40 ist auf der Hochspannungsseite 400 eines Transformators 410 und die andere Messstelle 50 auf der Niederspannungsseite 420 des Transfor- mators 410 angeordnet.

Die beiden Stromwandler 60 und 70 erzeugen ausgangsseitig Messwerte Il (t) und 12 (t) , die den Stromverlauf an den beiden Messstellen unter Berücksichtigung des Umsetzverhältnisses des Transformators 410 wiedergeben. Die Differentialschutzeinrichtung 10 überprüft die Messwerte Il (t) und 12 (t) bzw. die entsprechenden Stromverläufe auf das Vorliegen eines Fehlers und erzeugt ausgangsseitig ein Fehlersignal F, wenn ein Fehler festgestellt wurde.

Beim Einschaltvorgang eines Transformators kann es zu einem Einschalteffekt kommen, der fachsprachlich Inrush-Effekt genannt wird und in der Figur 11 beispielhaft gezeigt ist. Man erkennt in der Figur 11 den Stromverlauf Il (t) auf der Hoch- Spannungsseite 400 des Transformators 410 und den Stromverlauf 12 (t) auf der Niederspannungsseite 420 des Transformators. Man sieht, dass der Stromverlauf Il (t) auf der Hochspannungsseite 400 im Wesentlichen mit der doppelten Grundfrequenz schwingt und somit einen sehr großen Oberschwin- gungsanteil aufweist. Im Unterschied dazu ist der Stromverlauf 12 (t) auf der Niederspannungsseite 420 im Wesentlichen sinusförmig mit der Grund- bzw. Netzfrequenz.

Eine entsprechende Prüfung der ähnlichkeit der beiden Strom- verlaufe Il (t) und 12 (t) wird somit einen sehr geringen ähnlichkeitswert A und einen entsprechend großen Korrekturwert K ergeben, was sich in einer entsprechenden Verschiebung des Messwertpaares (I-DIFF, I-STAB) niederschlägt, so dass eine fehlerhafte Auslösung des Fehlersignals F vermieden wird.

Die Figur 12 zeigt ein viertes Ausführungsbeispiel für den Aufbau und die Arbeitsweise der Differentialschutzeinrichtung 10 gemäß der Figur 1 bzw. 10.

Im Unterschied zu den Ausführungsbeispielen gemäß den Figuren 2, 6 und 8, bei denen der Stabilitätswert I-STAB und/oder der Differenzstromwert I-DIFF von der Korrektur betroffen sind, wird bei dem vierten Ausführungsbeispiel die Auslösekennlinie 310 in Abhängigkeit von der ähnlichkeit A bzw. dem Korrektur- wert K verschoben, so dass ein modifizierter Auslösebereich 320' (vgl. Figur 13) gebildet wird. Demgemäß ist die Prüfeinrichtung 220 ausgangsseitig mit der Kennlinieneinrichtung 230 und nicht mit einer Korrektureinrichtung 210 (vgl. Figur 2) verbunden. Die Messwertpaare (I-DIFF, I-STAB) gelangen somit unkorrigiert zu der Kennlinieneinrichtung 230.

Wie sich in der Figur 13 erkennen lässt, kann im Falle einer großen Unähnlichkeit die Auslösekennlinie 310 so stark verschoben werden (vgl. verschobene Auslδsekennlinie 310'), dass das Messwertpaar (I-DIFF, I-STAB) im Normalbereich 330' liegt, obwohl es ohne eine Verschiebung der Auslösekennlinie 310 im Auslösebereich 320 liegen würde. Durch diese Verschie- bung der Auslösekennlinie 310 lässt sich im Falle einer Unähnlichkeit der Stromverläufe also eine fehlerhafte Auslösung des Fehlersignals F vermeiden Das Verschieben der Auslösekennlinie ist in der Figur 13 mit einem Pfeil P gekennzeichnet .

Die Figur 14 zeigt ein fünftes Ausführungsbeispiel für den Aufbau und die Arbeitsweise der Differentialschutzeinrichtung 10 gemäß der Figur 1 bzw. 10.

Im Unterschied zu den Ausführungsbeispielen gemäß den Figuren

2, S, 8 und 12, bei denen die Stromverläufe unmittelbar aus den Messwerten Il (t) und 12 (t) abgeleitet werden, werden bei diesem Ausführungsbeispiel die errechneten Stabilitätswerte I-STAB (t) und die Differenzstromwerte I-DIFF (t) ausgewertet, und es wird mit diesen die ähnlichkeit der Stromverläufe ermittelt. Die Berechnung des Korrekturwerts K erfolgt somit ebenfalls mit Stromverläufen, die aus den errechneten Stabi-

litätswerten I-STAB(t) und den errechneten Differenzstromwerten I-DIFF (t) gebildet sind.

Der Korrekturwert K wird nachfolgend zur Modifikation bzw. Korrektur der Stabilitätswerte I-STAB und/oder der Differenzstromwerte I-DIFF herangezogen; dies zeigt beispielhaft die Figur 14.

Alternativ oder zusätzlich kann auch eine Verschiebung der Auslösekennlinie 310 erfolgen, wenn der Korrekturwert K in die Kennlinieneinrichtung 230 eingespeist wird (vgl. Figur 15) .

Die in den obigen Figuren gezeigten Komponenten der Differen- tialschutzeinrichtung 10 - also die Recheneinrichtung 200, die Korrektureinrichtung 210, die Prüfeinrichtung 220 und die Kennlinieneinrichtung 230 - können beispielsweise durch eine einzige Auswerteinrichtung gebildet sein. Eine solche Auswerteinrichtung kann beispielsweise durch eine Datenverarbei- tungsanlage, insbesondere eine Mikroprozessoreinrichtung, gebildet sein, die - wie erläutert - programmiert ist .