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Title:
ELASTIC MATERIAL WITH A PORE SPACE BRIDGED AT THE PARTICLE LEVEL BY NANOBRIDGES BETWEEN PARTICLES
Document Type and Number:
WIPO Patent Application WO/2011/116751
Kind Code:
A2
Abstract:
Material with a pore space bridged at the particle level by nanobridges between particles, characterized in that the material has a multiplicity of flexible nanobridges, which extend from the particles, are created by crystal growth and pass through one another and/or are made to grow from one particle into another particle, and is elastic.

Inventors:
ADELUNG, Rainer (Eckernförder Str. 101, Kiel, 24116, DE)
KAPS, Sören (Alte Schulstr. 1, Schönkirchen, 24232, DE)
MISHRA, Yogendra Kumar (Martheisstr. 3, Kiel, 24117, DE)
CLAUS, Maria (Hasseldieksdammer Weg 35, Kiel, 24114, DE)
PREUSSE, Thomas (Rendsburger Landstr. 60, Kiel, 24113, DE)
WOLPERT, Charline (Körnerstr. 14, Kiel, 24103, DE)
Application Number:
DE2011/000282
Publication Date:
September 29, 2011
Filing Date:
March 18, 2011
Export Citation:
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Assignee:
CHRISTIAN-ALBRECHTS-UNIVERSITÄT ZU KIEL (Olshausenstrasse 40-60, Kiel, 24118, DE)
ADELUNG, Rainer (Eckernförder Str. 101, Kiel, 24116, DE)
KAPS, Sören (Alte Schulstr. 1, Schönkirchen, 24232, DE)
MISHRA, Yogendra Kumar (Martheisstr. 3, Kiel, 24117, DE)
CLAUS, Maria (Hasseldieksdammer Weg 35, Kiel, 24114, DE)
PREUSSE, Thomas (Rendsburger Landstr. 60, Kiel, 24113, DE)
WOLPERT, Charline (Körnerstr. 14, Kiel, 24103, DE)
International Classes:
C04B35/111
Attorney, Agent or Firm:
LOBEMEIER, Martin Landolf (Boehmert & Boehmert, Niemannsweg 133, Kiel, 24105, DE)
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Claims:
ANSPRÜCHE

1. Material mit einem auf Partikelebene durch Nanobrücken zwischen Partikeln überbrückten Porenraum, dadurch gekennzeichnet, dass das Material

- eine Vielzahl von von den Partikeln ausgehenden durch Kristallwachstum entstandenen flexiblen Nanobrücken aufweist, die einander durchdringen und/oder ausgehend von einem Partikel in ein weiteres Partikel eingewachsen sind, und

- elastisch ist.

2. Material nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Partikel aus Kernen gebildet sind, die eine Mehrzahl von jeweils in verschiedene Raumrichtungen vom Kern ausgehende, anorganische, flexible, längliche Strukturen als die Kerne auf Abstand voneinander haltende Stacheln aufweisen, wobei die Stacheln und/oder Nanobrücken die Partikel und/oder Kerne miteinander flexibel verbinden.

3. Material nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Stacheln und/oder Nanobrücken den Porenraum nach einer Druckbeaufschlagung, die den Porenraum komprimiert, bei Beendigung der Druckbeaufschlagung im Ursprungsvolumen wiederherstellen.

4. Material nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Stacheln und/oder Nanobrücken den Porenraum nach einer Druckbeaufschlagung, die den Porenraum komprimiert, bei Beendigung der Druckbeaufschlagung bei einer Temperatur des elas- tischen Materials von 600 °C und 1000 °C elastisch in den Ursprungszustand rückverbringen.

5. Material nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Porenraum in Abwesenheit einer Druckbeaufschlagung (bei Normaldruck) mindestens 50 % des Materialvolumens beträgt.

6. Material nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass gerade Nanobrücken mehr als einen Kern kontaktieren, so dass benachbarte Kerne, durch Durchdringung der Nanobrücken während des Kristallwachstums miteinander kratz- und abriebfest verbunden sind.

7. Material nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Partikel Mikropartikel aus im wesentlichen einem Metalloxid von 1 - 10 μπι Durchmesser und die Brücken bei gleichem Material in ihrem Durchmesser geringer sind.

8. Material nach einem der vorangehenden Ansprüche 1 - 6, dadurch gekennzeichnet, dass eine Mehrzahl der Kerne genau vier Stacheln aufweisen, die jeweils paarweise denselben Winkel miteinander einschließen (Tetrapods).

9. Material nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass Kerne und Stacheln aus einer der anorganischen Verbindungen Zinkoxid (ZnO), Eisenoxid (Fe203), Wismutoxid (Bi02), Aluminiumoxid (A1203) oder Galliumnitrid (GaN) gebildet sind.

10. Verfahren zur Herstellung eines elastischen Materials, gekennzeichnet durch die Schritte:

- Vermischen von Mikropartikeln mit einem sich bei Erhitzung rückstandsfrei bis rückstandsarm zersetzenden Opferpolymer in einem Mischungsverhältnis zur Erzeugung eines Gießschiickers,

- Verbreiten des Gießschiickers auf einem Festkörper-Substrat, und

- Erhitzen des Gießschiickers bei einer Temperatur höher als 400 °C zur Zersetzung des Opferpolymers bei Ausbildung mikroskaliger Nanostachel.

11. Verfahren nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, dass das den Abstand der Mik- ropartikel voneinander bestimmende Mischungsverhältnis bei der durch die Opferpolymerzersetzung bestimmten Dauer des Stachelwachstums derart gewählt ist, das sich durch ein Ineinanderwachsen der überwiegenden Zahl von Stacheln ein makrosko- pisch elastisches Material mit einer Elastizität von 5 - 20 vol% Kompressibilität bei manueller vollflächiger Druckbelastung ergibt.

12. Verfahren nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, dass das Mischungsverhältnis von Partikel zu Opferpolymer aus dem Intervall 1:1 bis 1:5 gewählt wird.

13. Verfahren zur Herstellung eines elastischen Materials, gekennzeichnet durch die Schritte:

- Vermischen von Mikropartikel mit einem sich bei Erhitzung rückstandsfrei bis rückstandsarm zersetzenden Opferpolymer in einem Mischungsverhältnis zur Erzeugung eines Schlickers,

- Entzünden des Schlickers bei Temperaturen höher als 400 °C und Verbrennenlassen des Opferpolymers in einer offenen Flamme, und

- Auffangen der im Gasstrom der offenen Flamme aufsteigenden Nanopartikel auf Substraten unter Ausbildung mikroskaliger Nanostachel im Kondensat.

14. Verwendung des elastischen Materials als hitzebeständiger, thermisch zyklierfahiger Klebstoff zwischen zwei Materialien mit unterschiedlichen Wärmeausdehnungskoeffi- zienten.

Description:
Elastisches Material mit einem auf Partikelebene durch Nanobrücken

zwischen Partikeln überbrückten Porenraum Die Erfindung betrifft ein Material mit einem auf Partikelebene durch Nanobrücken zwischen Partikeln überbrückten Porenraum nach dem Oberbegriff des Hauptanspruches. Neben diesem flexiblen und hitzebeständiges Material, werden eine Schicht aus diesem Material und eine Anzahl Verfahren zur Herstellung angegeben. Flexible Materialien sind gewöhnlich organische oder siliziumorganische Verbindungen mit großen molekularen Kettenlängen. Wird neben Flexibilität auch Hitzebeständigkeit gefordert, so verwendet man gemeinhin Poly(organo)siloxane, besser bekannt als Silikone, z.B. in einer stärker vernetzten Form, dem Silikonharz. Silikonharze zeigen Elastizität bis hin zu einigen 100 °C und können bis etwa 600 °C stabil bleiben. Bei höheren Temperaturen erfolgt jedoch die Zersetzung unter Bildung von Kieselsäure.

Die WO 2009/054995 AI lehrt, dass bestimmte Mixturen aus Silikonharz und Keramikpartikeln geeignet sind, sowohl Elastizität als auch Hitzebeständigkeit im so genannten„red heat" Bereich (600 - 1000 °C) zu gewährleisten. Allerdings geht dabei die Flexibilität der Kompo- site bei Temperaturen oberhalb von 600 °C dauerhaft verloren. Das Komposit wird dann durch Pyrolyse in eine feste Keramik überführt.

Ein Material, das eine in etwa gleich bleibende Flexibilität im Bereich zwischen Raumtemperatur und 1000 °C und mehr aufweist und diese auch bei mehrfachem Erwärmen und Abküh- len beibehält, ist dem Stand der Technik anscheinend noch nicht bekannt.

Die Materialwissenschaften kennen indes Mikro- und Nanostrukturen, die vollständig anorganisch sind, aber zugleich elastische Eigenschaften besitzen, die sie auch bei sehr hohen Temperaturen nicht einbüßen. Insbesondere sind Mikropartikel bekannt, bei denen es zur Ausbildung anorganischer (kristalliner oder amorpher) Strukturen aus der Partikeloberfläche kommt, die man als„Stacheln" oder "Whisker" bezeichnen kann.

Ein prominentes Beispiel ist ein Mikropartikel aus Zink, von dem ausgehend Stacheln aus Zinkoxid von der Partikeloberfläche weg wachsen (Fig. 1). Die Stacheln sind monokristallin, dabei aber durchaus flexibel aufgrund ihrer Aspektverhältnisse, vergleichbar etwa mit Glasfa-

BESTÄTIGUNGSKOPIE sern. Man kann die Stacheln in entsprechender Weise bewegen und durchbiegen, ohne dass sie abbrechen (M. Riaz, A. Fulati, G. Amin, N. H. Alvi, O. Nur, M. Willander, "Bückling and elastic stability of vertical ZnO nanotubes and nanorods " J. Appl. Phys. 034309 (2009) und Özgür et al., comprehensive review of ZnO materials and devices", J. Appl. Phys. 98, 041301 (2005)).

Weitere Kern-Stachel-Partikel können nach der Erfindung aus Eisen, Wismut, Aluminium oder Gallium gebildet werden, was aber keine abschließende Aufzählung sein soll. Bei Metallpartikeln lassen sich gewöhnlich leicht Stacheln aus Metalloxid (z.B. Fe 2 0 3 , Bi0 2 , A1 2 0 3 ) erzeugen, es kommen aber auch Nitride in Betracht, z.B. GaN. Der erforderliche Sauerstoff oder Stickstoff kann u. a. der Raumluft entzogen werden.

Kern-Stachel-Partikel sind immer dann zu erwarten, wenn ein schnelles Kristallwachstum stattfinden kann. Eine Möglichkeit, die Erzeugung von Kern-Stachel-Partikeln für nahezu jedes metallische oder halbleitende Material zu forcieren, liegt in der Beschichtung mit Katalysator-Partikeln (typisch: Edelmetalle, vorzugsweise Gold). Beim so genannten Vapour- Liquid-Solid (VLS) Prozess (siehe ht^://en.wikipedia.org/wiki/Vapor-Liquid-Solid_method) bilden sich dann kristalline Strukturen an der Unterseite eines flüssigen Katalysator-Tropfens, der dabei vom Substrat, auf dem er zuvor platziert wurde, abgehoben wird (Dae-Ho Rho, Jae-Soo Kim,Dong-Jin Byun, Jae-Woong Yang,Jae-Hoon Lee, Na-Ri Kim, "Growth and Characteri- zation of SiOx nanowires by VLS and SLS growth mechanism" Mater. Res. Soc. Symp. Proc. 832, F7.17.1 (2005)). Man kann insbesondere Metallmikropartikel mit katalytisch wirksamen Nanopartikeln versehen, um Stacheln auf den Mikropartikeln wachsen zu lassen. Die Aufgabe der Erfindung ist es, ein flexibles und hitzebeständiges Material anzugeben und ein Verfahren zu seiner Herstellung vorzustellen.

Die Aufgabe wird gelöst durch ein Material mit den Merkmalen des Hauptanspruchs. Die Unteransprüche geben Ausgestaltungen an. Ein Nebenanspruch ist auf ein Verfahren zur Her- Stellung des Materials gerichtet.

Das erfindungsgemäße Material ist dadurch gekennzeichnet, dass es aus Kernen besteht, die jeweils in verschiedene Raumrichtungen vom Kern ausgehende, anorganische, flexible, längliche Strukturen (i. F. Stachel) aufweisen, wobei die Kerne durch die Stachel voneinander separiert und miteinander flexibel verbunden sind. Ein Stachel ist im Sinne der Erfindung flexibel, wenn sein Aspektverhältnis (Länge/Maximaldurchmesser) größer als 10 ist. Das erfindungsgemäße Material umfasst ausdrücklich keine Matrix, in der die Kerne eingebettet sind. Der Porenraum des Materials wird durch den Zwischenraum zwischen den Kernen gebildet, lediglich von den flexiblen Stacheln unterbrochen bzw. gestützt und ist vollständig zusammenhängend. Unter Druckbeaufschlagung ist der Porenraum kompressibel, er kehrt jedoch in seinen Ausgangszustand zurück, sobald die Beaufschlagung endet. Dies macht die Flexibilität des Materials aus, die auch im Bereich zwischen 600 °C und 1000 °C oder sogar darüber erhalten bleibt. Vorzugsweise beträgt der Porenraum in Abwesenheit einer Druckbeaufschlagung (bei Normaldruck) mindestens 50 % des Materialvolumens.

Der Zusammenhalt des erfindungsgemäßen Materials entsteht während der Herstellung durch das Ineinanderwachsen oder Durchdringen von Stacheln während des Kristallwachstums. Die Verbindungen zwischen den Kernen sind sehr stabil, das Material ist kratz- und abriebfest. Der Zusammenhalt ist dadurch gekennzeichnet, dass die flexiblen, länglichen Stacheln, die von verschiedenen - meist direkt benachbarten - Kernen ausgehen, durch Durchdringung während des Kristallwachstums miteinander verbunden sind. Ebensogut kann es vorkommen, dass der Stachel eines Kerns direkt in den nächsten Kern eingewachsen ist.

Das erfindungsgemäße Material kann mit einem Kettenhemd auf Mikroskala verglichen werden. Starre Kettenglieder (hier: die Kerne) sind über die länglichen Stacheln gegeneinander beweglich aber zugleich zugfest mit ihren Nachbarn verbunden. Auf den Durchmesser der Kerne kommt es im Prinzip nicht an, solange die Stachel lang genug sind (insbes. Aspektverhältnis größer als 10), um eine flexible Separierung der Kerne sicherzustellen. So können die Kerne beispielsweise Mikropartikel aus einem Metalloxid (ggf. mit einem metallischen Kern) von 5 μπι Durchmesser sein, oder aber die Kerne sind in ihrem Durchmesser auf den der Stacheln reduziert. Einen Kern zeichnet aus, dass mehrere flexible Stacheln aus verschiedenen Raumrichtungen in ihm zusammenlaufen bzw. von ihm ausgehen.

Das erfindungsgemäße Material zeigt für Kerne mit dem Durchmesser der Stacheln die größte Flexibilität. In diesem Fall weist die Mehrzahl der Kerne genau vier Stacheln auf, die jeweils paarweise denselben Winkel miteinander einschließen (Tetrapods). Zur Verdeutlichung der Erfindung dienen die nachfolgenden Elektronenmikroskop- Aufhahmen. Dabei zeigt:

Fig.1 eine Aufnahme eines Kern-Stachel-Partikels aus ZnO. Die abstehenden Fäden sind kristalline ZnO-Stachel, die sich bruchfrei biegen lassen;

Fig. 2 zwei Aufnahmen von ZnO-Lamellen auf einem Zink-Substrat in verschiedenen Vergrößerungen. Das gegenseitige Durchdringen ist bei den mit Pfeilen markierten Lamellen zu erkennen. Die Lamellen wurden mit einem VLS Verfahren erzeugt;

Fig. 3 eine Schicht aus dem neuen Material in drei Vergrößerungen. Die Kerne aus ZnO berühren einander nicht, der Zwischenraum wird von Stacheln aus ZnO gestützt;

Fig. 4 einen Ausschnitt aus einem Material, bei dem die Kerne denselben Durchmesser wie die Stacheln aufweisen. Dieses Material formt ein sich über mehrere Millimeter erstreckendes Netzwerk. Der Draht im Bild hat einen Durchmesser von 100 μιη und ist für die Elastizitätstests verwendet worden;

Fig. 5 schematische Darstellungen zu ,core spike particles' (CSP, Kern-Stachel- Partikeln);

Fig. 6 eine schematische Darstellung bei Partikeln, deren Durchmesser die Dicke der Nanobrücken selbst um das fünf- bis 15fache übersteigt,

Fig. 7 eine Prinzipskizze der Erzeugung mittels ,flame transport synthesis' (Flam- mentransport-Snthese);

Fig. 8 nagelartige Strukturen mit sechseckigen , Köpfen' erzeugt mittels ,flame transport synthesis'; und

Fig. 9 eine Struktur aus ZnO-Tetraponden. Bei der Erzeugung des erfindungsgemäßen Materials Stacheln benachbarter Partikel können einander während ihres Wachstums ohne weiteres durchdringen, wie Fig. 2 am Beispiel von ZnO-Lamellenstrukturen zeigt. Im Bereich der Durchdringungsstellen teilen sich die beiden einander durchdringenden Lamellen das dort befindliche Material, d.h. es ist der Kristallstruktur beider Lamellen zuzurechnen. Eine weitere Möglichkeit ist, dass annährend parallel verlaufende Strukturen„zusammenwachsen".

Diese Durchdringung oder ein Aneinanderwachsen verbindet die Nanobrücken oder Lamellen dauerhaft und ist sehr beständig, auch gegen mechanische Kräfte. Die Lamellen sind elastisch biegbar, insbesondere auch bei hohen Temperaturen, soweit diese unter jener Temperatur bleiben, bei denen Zinkoxid thermisch zerfallt.

Das gegenseitige Durchdringen von Nanobrücken oder Stacheln ist auch bei anderen Materialien, z.B. GaN, zu beobachten. Es kann beispielsweise auftreten, wenn homoepitaktische Bedingungen vorliegen, d.h. wenn die Wachstumsrichtungen der Stacheln unter Winkeln aufeinander treffen, die den Einbau der Kristallstruktur des einen in die Rristallstruktur des anderen verträglich mit der Kristallorientierung zulassen.

Gemessen an der Häufigkeit der Beobachtung solcher Durchdringungen scheint es hier allerdings Toleranzen zu geben, die das Durchdringen begünstigen. Es ist insbesondere möglich, dass es während des kristallinen Wachstums bei Kontakt zu geeigneten Richtungsänderungen kommt. Das kristalline Wachstum und der Durchbringungsprozess sind schwer zu beobachten und derzeit Forschungsgegenstand. Die Durchdringung findet bei verschiedenen Formen der Auswüchse (Lamellen, Stacheln, Fäden etc.) statt, ist aber nicht immer leicht zu erkennen.

Weiterhin ist zu erwarten, dass auch Stacheln ohne feste Kristallstruktur (amorphe Stacheln, Gläser, o. ä.) einander während des Wachstums durchdringen können. Es ist aber noch nicht geklärt, ob dies wahrscheinlicher als die homoepitaktische Durchdringung ist.

Es ist denkbar, dass einzelne Stacheln aus einem Kern bis zu einem benachbarten Kern vordringen und dort direkt in die Kernoberfläche hineinwachsen. Dies konnte bislang nicht direkt beobachtet werden, was aber allein an den Beschränkungen der Beobachtung liegen könnte. In jedem Fall steigt die Wahrscheinlichkeit dafür, dass ein Stachel eines Kerns den Stachel eines Nachbarn kontaktiert und durchdringt, wenn er sich diesem Nachbarn annähert.

Ungeachtet der vorgenannten physikalischen Prozesse, die schwierig zu beobachten sind, ist das Erzielen eines stabilen Endproduktes unproblematisch. Das Endprodukt weist stets eine sehr große Zahl an Kern-Stachel-Partikeln auf, wobei die flexiblen Stacheln benachbarter Keme die beschriebene Durchdringung zeigen und die Kerne selbst einander nicht berühren. Die Kerne können deshalb unter Verbiegung der Stacheln gegeneinander bewegt werden. Sie lassen sich aber nur begrenzt auseinander ziehen, da die mikromechanische Verbindung nur durch ein Abreißen der Stacheln gelöst werden kann.

Eine Schicht des erfindungsgemäßen Materials zeigt Fig. 3 in drei verschiedenen Vergrößerungen. Insbesondere die beiden rechten Bilder erinnern an eine Ansammlung von Kletten, allerdings geht hier die Verbindung der Kerne untereinander über das bloße„Verhaken" der erzeugten Stacheln hinaus (entsprechende„Haken" werden nicht gebildet). Die Durchdrin- gung der gewachsenen Stacheln bewirkt den Zusammenhalt.

Eine relativ dicke Schicht (mehrere Millimeter, praktisch eine Volumenprobe) ist in zwei Vergrößerungen in Fig. 4 zu sehen. Mit der ebenfalls dort gezeigten Nadel kann das Material gedrückt werden. Es gibt dem mechanischen Druck nach und verteilt die Kraft auf eine größe- re Umgebung um die Nadelspitze herum. Die Bewegungen der Strukturen sind vergleichbar mit denen eines Domenbuschs, der mit einem Stock gedrückt wird. Die Struktur in Fig. 4 ist aus Kernen gebildet, deren Durchmesser denen der Stacheln entspricht.

Das erfindungsgemäße Material ist offensichtlich hoch porös. Der Anteil des Porenraums am Volumen beträgt wenigstens 50 % des Materialvolumens, sofern es nicht mit Druck (höher als Normaldruck) beaufschlagt wird. Dann jedoch kann der Porenraum erheblich verringert werden.

Die erzeugte keramische Struktur unterscheidet sich vom Stand der Technik durch ihre ein- dimensionalen flexiblen Verbindungen. Bisherige poröse Keramiken zeichnen sich durch ein blasenartiges freies Volumen aus, das aus flächigen und daher nicht in allen Raumrichtungen flexiblen Verbindungen besteht und somit keine nennenswert andere Elastizität als eine Halbleiter- oder Keramikvolumenprobe aufweist. Die bislang erreichten Schichtdicken auf Substraten aus Glas oder oxidierten Silizium- Wafern liegen bei mehreren Millimetern. Bei Entfernung des Substrats ist die Schicht somit ein freitragender, makroskopische Körper. Allerdings haften die Schichten hervorragend auf dem Substrat und lassen sich nur unter massivem Krafteinsatz von diesem abheben. Dabei werden sie leicht zerstört. Dickere Schichten wurden noch nicht realisiert, weil die Prozesskontrolle noch nicht befriedigend geglückt ist. Es werden hier jedoch keine prinzipiellen Hindernisse gesehen. Es folgt die Beschreibung eines Verfahrens zur Herstellung der Schicht aus Fig. 3.

Zinkpartikel (z.B. Durchmesser = 5 μπι) werden mit einem Opferpolymer (z.B. PVB, Polyvi- nylbutyral) in einem Lösungsmittel des Opferpolymers (z.B. Ethanol) gemischt, wobei verschiedene Mischungsverhältnisse möglich sind, bevorzugt 1:1 bis hin zu 1:5. Dabei wird die Zinkmenge so gewählt, dass ein Gießschiicker entsteht, der auf einem Substrat ausgebreitet oder gegossen werden kann. Das Polymer dient als Abstandshalter, um die Agglomeration der Zinkpartikel zu verhindern und Porenraum für Kompressionen des Materials zu schaffen. Un- ter Erhitzen in einem Ofen an Raumluft (bei über 400 °C, typischerweise 700 °C -900 °C für Zeiten von 20 Minuten bis 2 Stunden) zersetzt sich das Polymer nahezu rückstandsfrei, während aus den Zinkpartikeln mikroskalige Stacheln aus Zinkoxid (ZnO) herauswachsen, die sich mit den Stacheln benachbarter Partikel verbinden oder direkt in ein benachbartes Partikel wachsen. Das Material besteht danach aus ZnO Partikeln (ggf. mit metallischem Zink im In- nern), die durch ihre Stacheln fest miteinander verbunden sind.

Das Beimengen eines Sauerstofflieferanten, beispielsweise Ammoniumperchlorat, zum Opferpolymer kann die Reaktion beschleunigen und ist deshalb eine vorteilhafte Ausführungsform des Verfahrens. Im Extremfall kann sogar das Erwärmen des Materials aus der Reaktion selbst heraus betrieben werden, da die Oxidation von Zink exotherm verläuft.

Ob die Zinkpartikel vollständig in ZnO umgesetzt werden oder ob metallisches Zink im Innern der Partikel verbleibt, hängt hauptsächlich von der Verweildauer des Materials im Ofen ab. Diese kontrolliert insbesondere die Dauer des Kristallwachstums der Stacheln und somit die Stofrumsetzung. Sollte am Ende der Herstellung noch metallisches Zink im Partikel vorhanden sein, so liegt dieses ohnehin eingekapselt in einen ZnO-Mantel vor.

Das Verfahren zur Erzeugung des Materials aus Fig. 4 geht von derselben Mischung wie für Fig. 3 aus. Hier wird die Mischung allerdings im Ofen bei ca. 400 °C in einem Tiegel entzün- det, so dass eine den Ofen nahezu ausfüllende Flamme entsteht. Werden seitlich oder oberhalb der Flamme Substrate ausgelegt, bilden sich auf diesen die beschriebenen flexiblen Netzwerke durch den Transport der Stachelpartikel im Gasstrom der Verbrennung und deren Zusammenwachsen bei Zuchttemperaturen. Zusammenfassend hat es sich als erstaunlich simpel erwiesen, die beschriebenen Strukturen mit einfachen Mitteln als Schichten herzustellen. Gleichwohl sind die physikalischen Vor- gänge, die das flexible und zugleich kristalline Netzwerk bilden sehr kompliziert und noch nicht vollständig untersucht. Dies bietet aber noch erheblichen Raum für zukünftige Prozessoptimierungen. Dem Fachmann dürfte offensichtlich sein, dass die wesentliche Idee der Erfindung nicht auf die hier genannten Substanzen begrenzt zu verstehen ist. Vielmehr wird hier von der Fähigkeit an sich bekannter Substanzen (oder auch solcher, die zukünftig gefunden werden) Gebrauch gemacht, unter definierten Bedingungen ein Stachelwachstum (insbesondere eines Metallsalzes) aus Kernen (insbesondere eines Metalls) zu zeigen. Sofern die Stacheln benach- barter Partikel einander durchdringen oder sich die Stacheln mit den benachbarten Kernen verbinden und zugleich mechanische Flexibilität sowie Hochtemperaturstabilität zeigen, lehrt die Erfindung, diese zu einem makroskopischen Körper (bzw. einer Dickschicht) zu„verketten", derart dass die Kerne gegeneinander beweglich mit ihren Nachbarn verbunden sind. Als Anwendungsmöglichkeiten des neuen Materials sind zwei Beispiele zu nennen:

Das Material haftet ausgezeichnet an Glas, weil es sich durch das Stachelwachstum selbst in mikroporösen Oberflächen (insbes. Keramiken) verankern kann. Zudem können sich Metallpartikel im flüssigen Zustand direkt mit dem Substrat verbinden, wenn sie beim Gießen des Schlickers direkt auf dem Substrat zu liegen kommen und dann im Ofen schmelzen. Es kann daher als hitzebeständiger Klebstoff verwendet werden. Beim Erhitzen von verklebten Mate- rialen treten oft Scherspannungen durch unterschiedliche Ausdehnungskoeffizienten auf. Dieser Kleber ist flexibel und kann die erheblichen Kräfte problemlos aufnehmen. Ferner können hochtemperaturstabile, elastische mechanische Teile oder Beschichtungen aus solchem Material realisiert werden. Beispielsweise zeigt eine Klemme oder eine Greifvorrichtung, deren Innenflächen mit dem erfindungsgemäßen Material beschichtet sind, einen guten Griff auch bei glatten Oberflächen, ohne diese zu zerkratzen. Die Beschichtung fühlt sich zwar wie Sandpapier an, gibt aber unter Andruck nach, sodass eine Anpassung an die mikro- skopische Oberflächenkontur des zu haltenden Objekts erfolgt.

Das erfindungsgemäße Elastisches Material mit einem auf Partikelebene durch Nanobrücken zwischen Partikeln überbrückten Porenraum, weist insbesondere einen überwiegende Teil an Nanobrücken auf, die Länge von mehr als dem Zehnfachen des Durchmessers der Nanobrü- cken aufweist, wobei sich die Partikel durch ein Verbinden der Nanobrücken zu einem makroskopisch elastischen, im ,red-heat' Bereich hitzebeständigen Material verketten, insbe- sondere weil beim initialen Kristallwachstum die Nanobrücken oder Whisker ineinander- wachsen.

Die einzelnen Partikel, die metallische Kerne aufweisen können, bilden Kerne, die eine Mehr- zahl von jeweils in verschiedene Raumrichtungen vom Kern ausgehende, anorganische, flexible, längliche Strukturen aufweisen, die die Kerne auf Abstand voneinander halten, wie Stacheln, wobei die Stacheln und/oder Nanobrücken die Partikel und/oder Kerne aber auch miteinander flexibel verbinden. Diese Verbindung erlaubt, dass die Stacheln und/oder Nanobrücken den Porenraum nach einer Druckbeaufschlagung, die den Porenraum komprimiert, bei Beendigung der Druckbeaufschlagung im Ursprungsvolumen wiederherstellen.

Bevorzugt können die Stacheln und/oder Nanobrücken den Porenraum nach einer Druckbeaufschlagung, die den Porenraum komprimiert, bei Beendigung der Druckbeaufschlagung bei einer Temperatur des elastischen Materials von 600 °C und 1000 °C elastisch in den Ur- sprungszustand rückverbringen, wobei in einer bevorzugten Güte des Materials der Porenraum in Abwesenheit einer Druckbeaufschlagung (bei Normaldruck) mindestens 50 % des Materialvolumens beträgt.

Dabei wird eine Ausbildung gerader Nanobrücken von Kern zu Kern bevorzugt, die mehr als einen Kern kontaktieren, so dass benachbarte Kerne, durch Durchdringung der Nanobrücken während des Kristallwachstums miteinander kratz- und abriebfest verbunden sind.

Die Mikropartikel (ggf. mit metallischem, z.B. Zn-Kern) bestehen aus im wesentlichen einem Metalloxid von 1 - 10 μπι Durchmesser, wobei die Brücken bei gleichem Material in ihrem Durchmesser geringer sind. Es hat sich gezeigt, dass eine bevorzugte Kategorie eine überwiegenden Teil an Kernen aufweist, die genau vier Stacheln aufweisen, und die jeweils paarweise denselben Winkel miteinander einschließen (Tetrapods).

Kerne und Stacheln können aus beliebeigen Verbindungen bestehen, insbesondere Metallen und deren Oxiden, oder aus einer der anorganischen Verbindung. Bevorzugt sind Zinkoxid (ZnO), Eisenoxid (Fe 2 0 3 ), Wismutoxid (Bi0 2 ), Aluminiumoxid (A1 2 0 3 ) oder Galliumnitrid (GaN).

Das Verfahren zur Herstellung eines elastischen Materials, beinhaltet im wesentlichen entwe- der die Schritte: - Vermischen von Mikropartikeln mit einem sich bei Erhitzung rückstandsfrei bis rückstandsarm zersetzenden Opferpolymer in einem Mischungsverhältnis zur Erzeugung eines Gießschiickers,

- Verbreiten des Gießschiickers auf einem Festkörper-Substrat, und

- Erhitzen des Gießschiickers bei einer Temperatur höher als 400°C zur Zersetzung des

Opferpolymers bei Ausbildung mikroskaliger Nanostachel, oder die alternativen Schritte - Vermischen von Mikropartikel mit einem sich bei Erhitzung rückstandsfrei bis rückstandsarm zersetzenden Opferpolymer in einem Mischungsverhältnis zur Erzeugung eines Schlickers,

- Entzünden des Schlickers bei Temperaturen höher als 400°C und Verbrennenlassen des Opferpolymers in einer offenen Flamme, und

- Auffangen der im Gasstrom der offenen Flamme aufsteigenden Nanopartikel auf Substraten unter Ausbildung mikroskaliger Nanostachel im Kondensat.

Dabei wird der Abstand der Mikropartikel voneinander bestimmende Mischungsverhältnis bei der durch die Opferpolymerzersetzung bestimmten Dauer des Stachelwachstums derart ge- wählt, das sich durch ein Ineinanderwachsen der überwiegenden Zahl von Stacheln ein makroskopisch elastisches Material mit einer Elastizität von 5— 20 vol% Kompressibilität bei manueller vollflächiger Druckbelastung ergibt.

Versuche haben dass das Mischungsverhältnis von Partikel zu Opferpolymer aus dem Inter- vall 1:1 bis 1:5 bezogen auf das Volumen als vorteilhaft gezeigt. Eine Verwendung des elastischen Materials als hitzebeständiger, thermisch zyklierfahiger Klebstoff zwischen zwei Materialien mit unterschiedlichen Wärmeausdehnungskoeffizienten wird ebenso vorgeschlagen.

Weitere Verwendungen, z.B. als Klammern für Hochtemperatur Greifzangen oder tempera- turbeständiger Faserverbundwerkstoff für die Raumfahrtindustrie sind auch möglich, insbesondere wenn kleine Partikeldurchmesser in der Größenordnung der Stacheldurchmesser vorhanden sind.