Graab, Gerhard (Nibelungenring 41 Mannheim, 68199, DE)
Platzer, Peter (Sandbuckelgasse 26 Birkenau, 69488, DE)
Möller, Ralf (Zur Rippersmühle 7 Rimbach, 64668, DE)
| 1. | Elektrisch leitfähiger Bodenbelag aus ersten Partikeln eines polymeren Werkstoffs, die mit elektrisch leitfähigen zweiten Partikeln umhüllt und in dem Zwischenraum zwischen der Oberund der Unterseite des Boden belags verpresst sind, wobei der Bodenbelag zumindest eine Schnitt fläche aufweist und die elektrisch leitfähigen zweiten Partikel Leitpfade bilden, die die Oberseite und die Unterseite des Bodenbelages elek trisch leitend verbinden, dadurch gekennzeichnet, dass die ersten Parti kel aus mindestens einem granulierten ElastomerMaterial bestehen und eine Matrix bilden, in der die zweiten Partikel entlang der Partikel grenzen der ersten Partikel elektrische Leitpfade bilden. |
| 2. | Bodenbelag nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass er 0,05 bis 0,8 Gew. % der elektrisch leitfähigen zweiten Partikel enthält. |
| 3. | Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass a) mindestens eine unvulkanisierte Elastomermischung granuliert, b) Granulatteilchen, die Siebe mit einer Maschenweite zwischen 2 bis 8 mm passieren, mit elektrisch leitfähigen zweiten Partikeln überzogen, c) in eine Form eingebracht und in einem ersten Pressvorgang bei einem spezifischen Druck von 5 bis 200 bar und einer Temperatur von 60 bis 120°C verdichtet und anvernetzt, d) in Bahnen oder Platten aufgespalten sowie e) in einem zweiten Pressvorgang vulkanisiert werden. |
| 4. | Verfahren zur Herstellung eines Bodenbelags nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass die elektrisch leitfähigen zweiten Partikel auf die granulierten Elastomere aufgetrommelt werden. |
| 5. | Verfahren nach Anspruch 3 oder 4, dadurch gekennzeichnet, dass die elektrisch leitfähigen zweiten Partikel in Form einer BindemittelDisper sion aufgebracht werden. |
| 6. | Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass ein wässri ges LatexBindemittel eingesetzt wird. |
| 7. | Verfahren nach einem der Ansprüche 3 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass verschiedenfarbige, gemusterte oder keilförmig gestreifte Granu latteilchen in statistisch gleichmäßiger Verteilung eingesetzt werden. |
| 8. | Verfahren nach einem der Ansprüche 3 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Vulkanisation im zweiten Pressvorgang bei Temperaturen von 150 bis 190°C bei einem spezifischen Druck von 100 bis 250 bar im Zeitraum von 2 bis 10 Minuten erfolgt. |
| 9. | Verfahren nach einem der Ansprüche 3 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass leitfähige Substanzen wie Ruße, Graphite, Metallpulver oder leit fähig dotierte mineralische Stoffe mit einer Korngröße < 15 um einge setzt werden. |
| 10. | Verfahren nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass leitfähig dotierte mineralische Füllstoffe wie mit Antimondotiertem Zinnoxid beschichtete Glimmer eingesetzt werden. |
Statische Aufladungen, die durch das Begehen oder Befahren von Kunststoff- Bodenbelägen, insbesondere bei geringen Luftfeuchtigkeiten hervorgerufen werden, stellen ein ernsthaftes Problem, insbesondere für empfindliche elek- tronische Bauteile, dar. Die elektronischen Bauteile können durch elektrostati- sche Entladungen beschädigt oder in ihrer Funktion beeinträchtigt werden.
Weiterhin besteht in Bereichen, in denen mit leicht entzündlichen Stoffen ge- arbeitet wird, die Gefahr, dass diese durch Funkenüberschlag bei statischen Entladungen entzündet werden. Insbesondere in Räumlichkeiten, die klimati- siert sind und damit eine geringe Luftfeuchtigkeit aufweisen, wie Rechen- zentren, Fertigungsstätten für elektronische Bauteile und elektronische Geräte, radiologische Einrichtungen, Operationssäle oder anderen Räumen, in denen auf eine staub-und partikelarme Atmosphäre geachtet wird, ist die Vermeidung von statischen Aufladungen wichtig.
Die typischerweise eingesetzten Bodenbeläge, beispielsweise auf der Basis von Polyvinylchlorid oder Gummimischungen, sind Isolatoren. Sie können leit- fähig gemacht werden, indem leitfähige Füllstoffe oder antistatische Agenzien eingemischt werden. Allerdings muss zur Erzielung einer ausreichenden Leit- fähigkeit eine relativ große Menge typischerweise zwischen 30 und 50 Volumenprozent eines leitfähigen Füllstoffs eingesetzt werden, um eine aus- reichende Leitfähigkeit zu erzielen. Als leitfähige Füllstoffe werden insbeson- dere metallische Materialien, Leitruße oder Graphite eingesetzt, die jedoch bei der notwendigen Menge zu schwarzen oder grauen Produkten führen. Bei der Verwendung von antistatischen Agenzien besteht der Nachteil, dass diese Stoffe sehr stark auf wechselnde Luftfeuchte reagieren und damit die Wirksam- keit stark von den Umgebungsbedingungen abhängig ist.
Aus dem Dokument EP-A 869 217 ist ein Verfahren zur Herstellung von hoch- verdichtetem, leitfähigem Belagsmaterial aus thermoplastischen Kunststoffen bekannt, bei dem Teilchen des thermoplastischen Kunststoffs, die mit einem eine leitfähige Substanz enthaltenden Überzug versehen sind, unter erhöhter Temperatur und hohem Druck zu einem Block mit leitfähigen Pfaden verpresst und anschließend quer zur Richtung der leitfähigen Pfade in Platten mit der gewünschten Dicke gespalten werden, wobei diese Platten leitfähige Pfade in Richtung ihrer Dicke besitzen. Auf diese Weise werden hellfarbige, leitfähige Bodenbeläge aus thermoplastischem Kunststoff erhalten.
Die Erfindung hat sich die Aufgabe gestellt, einen elektrisch leitfähigen Boden- belag anzugeben, der maximal 3 Gew. % leitfähige Substanzen enthält.
Erfindungsgemäß wird die Aufgabe durch einen elektrisch leitfähigen Boden- belag gelöst, bei dem die ersten Partikel aus mindestens einem granulierten Elastomer-Material bestehen und eine Matrix bilden, in der die zweiten Partikel entlang der Partikelgrenzen der ersten Partikel elektrische Leitpfade bilden.
Der erfindungsgemäße Bodenbelag gestattet die Herstellung von Boden- belägen mit einem unregelmäßigen Muster, welches aus den bei der Her- stellung angeschnittenen Leitpfaden besteht. Der erfindungsgemäße elektrisch leitfähige Elastomer-Bodenbelag weist einen elektrischen Durchgangswider- stand gemessen nach IEC 61340 im Bereich von 105 bis 107Q auf. Weiterhin zeichnet sich der erfindungsgemäße elektrisch leitfähige Elastomer-Boden- belag durch eine Oberflächengüte aus, die der nicht elektrisch leitfähiger Elastomer-Bodenbeläge entspricht.
Vorzugsweise ist der elektrisch leitfähige Elastomer-Bodenbelag einer, bei dem die Granulatteilchen Siebe mit einer Maschenweite zwischen 2 bis 8 mm passieren. Durch die Größe der Granulatteilchen und damit durch die Anzahl der Leitpfade je Flächeneinheit kann die Leitfähigkeit des Endproduktes einge- stellt werden.
Der elektrisch leitfähige Elastomer-Bodenbelag enthält als elektrisch leitfähige zweite Partikel Substanzen wie Ruße, Graphite, Metallpulver oder leitfähig dotierte mineralische Stoffe mit einer Korngröße < 15 um.
Besonders bevorzugt ist ein elektrisch leitfähiger Elastomer-Bodenbelag, der leitfähig dotierte mineralische Füllstoffe wie mit Antimon-dotiertem Zinnoxid beschichtete Glimmer enthält. Diese Ausführungsform gestattet die Ausbildung farbiger Leitpfade je nach Pigmentierung, im Gegensatz zu den schwarzen Leitpfaden bei der Verwendung von Ruß oder Graphit.
Besonders bevorzugt ist ein elektrisch leitfähiger Elastomer-Bodenbelag, der 0,05 bis 0,8 Gew. % der elektrisch leitfähigen zweiten Partikel enthält. Trotz dieses sehr niedrigen Gehalts an leitfähigen Substanzen werden damit elek- trisch leitfähige Elastomer-Bodenbeläge erhalten, die einen elektrischen Durchgangswiderstand in dem vom Anwender gewünschten Bereich besitzen.
Somit sind elektrisch leitende Elastomer-Bodenbeläge mit schwarzen Leit- pfaden bei Verwendung von Ruß oder Graphit oder mit bunten Leitpfaden bei Verwendung von beschichteten Glimmern möglich, wie auch dunkel gefärbte Elastomer-Beläge, bei denen die Leitpfade aus optischen Gründen bunt abge- setzt sind durch Verwendung der beschichteten Glimmer und entsprechender Pigmente.
Der erfindungsgemäße elektrisch leitfähige Elastomer-Bodenbelag wird in der Weise hergestellt, dass a) eine oder mehrere unvulkanisierte Elastomermischungen granuliert, b) Granulatteilchen, die Siebe mit einer Maschenweite von 2 bis 8 mm passieren, mit leitfähigen Substanzen überzogen, c) in eine Form eingebracht und in einem ersten Pressvorgang bei einem spezifischen Druck von 5 bis 200 bar und einer Temperatur von 60 bis 120° C verdichtet und anvernetzt, d) in Bahnen oder Platten aufgespalten sowie e) in einem zweiten Pressvorgang vulkanisiert werden.
Das erfindungsgemäße Verfahren gestattet die Herstellung von elektrisch leit- fähigen Elastomer-Bodenbelägen, die in ihren Oberflächeneigenschaften mit denen elektrisch nicht leitfähiger Elastomer-Bodenbeläge vergleichbar sind.
Vorzugsweise erfolgt die Herstellung des elektrisch leitfähigen Elastomer- Bodenbelags in der Weise, dass die leitfähigen Substanzen auf die Granu- latteilchen aufgetrommelt werden. Dieses Verfahren gestattet eine effektive Belegung der Granulatteilchen mit leitfähigen Substanzen, bei der mit einem geringen Einsatz von leitfähigen Substanzen die von den Anwendern gefor- derte Leitfähigkeit des Endprodukts erreicht wird.
Vorzugsweise werden die leitfähigen Substanzen in Form einer Bindemittel- Dispersion aufgebracht. Dadurch können zum einen Staubbelastungen ver- mieden und zum anderen die Festigkeitswerte des Endprodukts verbessert werden.
Besonders bevorzugt wird dazu ein wässriges Latex-Bindemittel eingesetzt.
Der Einsatz eines Latex-Bindemittels reduziert durch den Verzicht auf organi- sche Lösungsmittel den Aufwand an Sicherheitsvorkehrungen und die entspre- chenden Umweltbelastungen.
Vorteilhafterweise werden verschiedenfarbige, gemusterte oder keilförmig ge- streifte Granulatteilchen in statistisch gleichmäßiger Verteilung eingesetzt.
Besonders bevorzugt werden dabei hellfarbige Granulatteilchen eingesetzt.
Vorteilhafterweise erfolgt die Vulkanisation im zweiten Pressvorgang bei einer Temperatur von 150 bis 190° C, einem spezifischen Druck von 100 bis 250 bar im Zeitraum von 2 bis 10-Minuten. Die unter diesen Bedingungen vorgenom- mene Vulkanisation führt zu Endprodukten, deren Oberflächeneigenschaften denen herkömmlicher nicht leitfähiger Elastomer-Bodenbeläge vergleichbar sind.
Die Erfindung wird nachfolgend an zwei Beispielen und einem Vergleichsbei- spiel näher erläutert.
Beispiel 1 Ein Schnecken-Kurzextruder wird mit einer Rohgummimischung beschickt. Der Extruder ist mit einer Lochscheibe versehen, durch die die Rohgummimasse gedrückt und durch Abschlagen der Stränge granuliert wird. Das erhaltene Granulat wird mit einer elektrisch leitfähigen Substanz durch Auftrommeln beschichtet und anschließend in eine, dem Endprodukt entsprechend große,
aber um das zwei-oder mehrfach dickere Form gegeben, wobei die Menge an Granulat mit einem kleinen Überschuss von ca. 5 % auf das Volumen der Form abgestimmt ist und bei einer Temperatur von 80° C sowie einem Druck von ca.
100 bar während 0,5 Minuten/mm Enddicke verpresst wird. Danach wird das Material aus der Form entnommen, mittels eines Spaltvorgangs auf die gewünschte Enddicke aufgespalten und in einem zweiten Pressvorgang bei einer Temperatur von ca. 180° C und einem Druck von ca. 200 bar während 4 Minuten bei einer Enddicke von 2 mm in einer entsprechend dicken Form mit glatter oder leicht strukturierter Oberfläche zum Endprodukt verpresst und vul- kanisiert. Die Oberfläche des so erhaltenen elektrisch leitfähigen Elastomer- Bodenbelags ist porenarm und frei von Spaltriefen.
Vergleichsbeispiel Eine gemäß Beispiel 1 granulierte und beschichtete Rohgummimasse wird bei einer Temperatur von 180° C und einem Druck von ca. 200 bar verdichtet und bis zum Ende der Vulkanisation geführt. Die Aufspaltung der Platte auf das Enddickenmaß führt zu Produkten mit einer Oberfläche, die mit Spaltriefen ver- sehen ist und andere Oberflächenfehler, wie z. B. Poren, aufweist. Diese Ober- flächenfehler geben in der Anwendung als Bodenbelag Anlass zu vermehrter Anschmutzung.
Beispiel 2 Granulate aus einer Rohgummimischung, hergestellt durch Zerkleinern eines Walzfells in einer Schneidmühle bei Raumtemperatur und Begrenzung der Korngröße über einen Siebeinsatz von z. B. 15 mm Lochweite, werden mit einem Ruß-Latex-Gemisch versehen. Dabei werden je 1000 g Granulat, 50 g der Ruß-Latex-Mischung eingesetzt. Das Latex-Gemisch besteht aus 32,9 g eines Nitril-Butadien-Rubbers (NBR)-Latices mit einem Feststoffgehalt von
47,5 Gew. %, 15,6 g einer 25 Gew. % igen Dispersion eines elektrisch leitenden Rußes in Wasser und 1,5 g eines Gemischs bestehend aus Vernetzungs- chemikalien wie Schwefel, Zinkoxid, Stearinsäure und Cyclohexylbenzthiazyl- sulfenamid. Das Granulat und die Ruß-Latex-Dispersion werden sorgfältig mit- einander gemischt. Beispielsweise erfolgt die Durchmischung durch Auftrom- mein in einem genügend großen Gefäß. Nach dem Mischen wird das beschichtete Granulat bei Raumtemperatur oder Temperaturen bis 35° C getrocknet und dann gemäß Beispiel 1 zum erfindungsgemäßen elektrisch leitfähigen Elastomer-Bodenbelag verarbeitet.
