Login| Sign Up| Help| Contact|

Patent Searching and Data


Title:
FIBREBOARD WITH INCREASED RESISTANCE TO FUNGAL ATTACK AND METHOD FOR PRODUCING THE SAME
Document Type and Number:
WIPO Patent Application WO/2017/194420
Kind Code:
A1
Abstract:
The invention relates to a fibreboard obtainable by compressing lignocellulose-containing fibres coated with binder, wherein at least one polymeric monoguanidine compound is concentrated in the region of at least one of the two surfaces of the fibreboard. The invention also relates to a method for producing the fibreboard according to the invention, comprising the steps a) providing a fibre mat containing coated, lignocellulose-containing fibres, b) treating at least one of the two surfaces of the fibre mat from step a) with a polymeric monoguanidine compound and c) compressing the surface-treated fibre mat obtained from step b) to form a fibreboard. A further subject of the invention is a roof member or wall member containing or consisting of the fibreboard according to the invention, wherein the fibreboard is a DHF board having two different surfaces, and wherein the surface of the DHF board on the inside in relation to the building structure has been treated with a polymeric monoguanidine compound using a method indicated in the claims. The invention also relates to the use of a polymeric monoguanidine compound in fibreboard production, to increase the resistance of the fibreboard to fungal attack.

Inventors:
KUNCINGER, Thomas (Ospelgasse 1-9/3/25, 1200 Wien, 1200, AT)
Application Number:
EP2017/060813
Publication Date:
November 16, 2017
Filing Date:
May 05, 2017
Export Citation:
Click for automatic bibliography generation   Help
Assignee:
FRITZ EGGER GMBH & CO. OG (Weiberndorf 20, 6380 St. Johann in Tirol, 6380, AT)
International Classes:
B27N1/00; B27K3/34; B27N3/06; B27N3/16; E04B1/92
Attorney, Agent or Firm:
COHAUSZ & FLORACK (Bleichstraße 14, Düsseldorf, 40211, DE)
Download PDF:
Claims:
Patentansprüche

L. Faserplatte erhältlich durch Verpressen von mit Bindemittel beleimten,

lignocellulosehaltigen Fasern dadurch gekennzeichnet, dass mindestens eine polymere Mono-Guanidin-Verbindung im Bereich mindestens einer der beiden Oberflächen der Faserplatte konzentriert ist.

I. Faserplatte nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die polymere Mono- Guanidin-Verbindung ausgewählt ist aus der Gruppe, bestehend aus einer polymeren Mono-Guanidin-Verbindung, deren Salz und einer Mischung daraus. i. Faserplatte nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die polymere Mono-Guanidin-Verbindung Polyhexamethylenguanidin (PHMG) ist.

4. Faserplatte nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass sich der Bereich mindestens einer der beiden Oberflächen der Faserplatte, in dem die polymere Mono-Guanidin-Verbindung konzentriert ist, ausgehend von der

Oberfläche der Faserplatte, mindestens 0,01, 0,05, 0,1, 0,5, 1, 2, 3 oder 5 mm in das Innere der Faserplatte erstreckt. i. Faserplatte nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass zwischen mindestens einer Oberfläche der Faserplatte und ihrem Mittelpunkt ein Konzentrationsgefälle an polymerer Mono-Guanidin-Verbindung besteht und die Faserplatte dabei insbesondere in ihrem Kern einen Bereich aufweist, der weniger als 0,3, 0,1, 0,05 oder 0,01 Gew-%, bezogen auf die Trockenmasse (atro) des lignocellulosehaltigen Materials, und insbesondere bevorzugt keine polymere Mono-Guanidin-Verbindung in ihrem Kern enthält. i. Faserplatte nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die

Faserplatte die polymere Mono-Guanidin-Verbindung im Bereich mindestens einer der beiden Oberflächen der Faserplatte in einer Flächenkonzentration von 2 bis 200 g/m2, bevorzugt von 4 bis 80 g/m2 und insbesondere bevorzugt von 6 bis 30 g/m2, bezogen auf jeweilige Oberfläche der Faserplatte, aufweist.

7. Faserplatte nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass die

Faserplatte eine Rohdichte von 500 bis 700 kg/m3, bevorzugt 550 bis 650 kg/m3 und insbesondere bevorzugt 580 bis 625 kg/m3 und/oder eine Dicke von 6 bis 30 mm, bevorzugt von 10 bis 22 mm und insbesondere bevorzugt von 12 bis 20 aufweist.

8. Faserplatte nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass die

Faserplatte eine DHF-, UDF-, LDF-, MDF- oder HDF-Platte ist.

9. Faserplatte nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass die lignocellulosehaltigen Fasern Holzfasern sind.

10. Verfahren zur Herstellung einer Faserplatte nach einem der Ansprüche 1 bis 9, umfassend die Schritte:

a) Bereitstellen einer Fasermatte enthaltend beleimte, lignocellulosehaltige

Fasern,

b) Behandeln mindestens einer der beiden Oberflächen der Fasermatte aus

Schritt a) mit einer polymeren Mono-Guanidin-Verbindung,

c) Verpressen der aus Schritt b) erhaltenen, oberflächenbehandelten Fasermatte zu einer Faserplatte .

11. Verfahren nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, dass die in Schritt b) eingesetzte polymere Mono-Guanidin-Verbindung in einer Flüssigkeit in einer Konzentration von 10 bis 85 Gew.-%, bevorzugt 20 bis 70 Gew.-% und besonders bevorzugt 25 bis 55 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht der Flüssigkeit, eingesetzt wird.

12. Verfahren nach einem der Ansprüche 10 oder 1 1 , dadurch gekennzeichnet, dass die Menge der bei der Behandlung in Schritt b) aufgetragenen polymeren Mono- Guanidin-Verbindung 2 bis 200 g/m2, bevorzugt 4 bis 80 g/m2 und besonders bevorzugt 6 bis 30 g/m2, bezogen auf die in Schritt b) behandelte Oberfläche der Fasermatte, beträgt.

Verfahren nach einem der Ansprüche 10 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass das Behandeln in Schritt b) durch Aufsprühen der polymeren Mono-Guanidin- Verbindung oder der Flüssigkeit, die die polymere Mono-Guanidin-Verbindung enthält, erfolgt.

Verfahren nach einem der Ansprüche 10 bis 13, dadurch gekennzeichnet, dass die Zeit zwischen dem Behandeln mit der polymere Mono-Guanidin-Verbindung in Schritt b) und dem Verpressen in Schritt c) 1 bis 40 Sekunden, vorzugsweise 2 bis 30 Sekunden und insbesondere bevorzugt 2 bis 20 Sekunden beträgt.

Verfahren nach einem der Ansprüche 10 bis 14, dadurch gekennzeichnet, dass die in Schritt a) bereitgestellten, beleimten lignocellulosehaltigen Fasern mit einem auf einem Isocyanat-basierenden Bindemittel, insbesondere einem PMDI- basierenden Bindemittel, beleimt wurden.

16. Verfahren nach einem der Ansprüche 10 bis 15, dadurch gekennzeichnet, dass in

Schritt b) beide Oberflächen der Fasermatte behandelt werden. 17. Verfahren nach einem der Ansprüche 10 bis 16, dadurch gekennzeichnet, dass das Verpressen in Schritt c) bei einer Temperatur von 150 °C bis 250 °C, bevorzugt von 160 °C bis 240 °C, insbesondere bevorzugt von 180 °C bis 230 °C und/oder einem Pressfaktor von 2 bis 15 s/mm, bevorzugt 2 bis 12 s/mm und insbesondere bevorzugt 4 bis 12 s/mm erfolgt.

18. Faserplatte, hergestellt nach dem Verfahren gemäß einem der Ansprüche 10 bis 17.

19. Dach- oder Wandbauteil enthaltend oder bestehend aus der Faserplatte nach

einem der Ansprüche 1 bis 9 oder nach Anspruch 18.

20. Dach- oder Wandbauteil nach Anspruch 19, wobei es sich bei der Faserplatte um eine DHF-Platte mit zwei unterschiedlichen Oberflächen handelt, dadurch gekennzeichnet, dass in der bezogen auf den Hausbau innenliegende Oberfläche der DHF-Platte mindestens eine polymere Mono-Guanidin-Verbindung im Bereich mindestens einer der beiden Oberflächen der DHF-Platte konzentriert ist.

21. Verwendung einer polymeren Mono-Guanidin-Verbindung bei der

Faserplattenherstellung zur Erhöhung der Beständigkeit der Faserplatte nach einem der Ansprüche 1 bis 9 gegenüber Pilzbefall.

22. Verwendung einer polymeren Mono-Guanidin-Verbindung nach Anspruch 21, dadurch gekennzeichnet, dass die polymere Mono-Guanidin-Verbindung bei der Oberflächenbehandlung einer Fasermatte in der Faserplattenherstellung zur Erhöhung der Beständigkeit der Faserplatte gegen Pilzbefall eingesetzt wird.

Description:
Faserplatte mit erhöhter Beständigkeit gegen Pilzbefall sowie Verfahren zu deren Herstellung

Die Erfindung betrifft eine Faserplatte mit erhöhter Beständigkeit gegenüber

Pilzbefall sowie ein Verfahren zu deren Herstellung. Ein weiterer Gegenstand der Erfindung ist ein Dach- oder Wandbauteil, welches aus einer solchen Faserplatte besteht oder diese enthält. Ferner betrifft die Erfindung die Verwendung einer polymeren Mono-Guanidin-Verbindung bei der Faserplattenherstellung zur Erhöhung der Beständigkeit der Faserplatte gegen Pilzbefall.

Faserplatten werden vielseitig im Hausbau, insbesondere im Innen- und Dachausbau, sowie im Möbelbau eingesetzt, beispielsweise als Wandelement für den Außen- oder Innenbereich, als Trägerplatte für Laminatfußböden, für Vorder- und Rückfronten von Möbeln oder zur Unterbeplankung und Dämmung von Dachaufbauten.

Unterschiedliche Typen von Faserplatten sind dem Fachmann bekannt. Diese sind beispielsweise im„Taschenbuch der Holztechnik" von A. Wagenführ und F. Scholz, Hanser Verlag, 2012, auf den Seiten 146 bis 149 beschrieben. Wenn hier oder anderer Stelle von„Platte" die Rede ist, dann ist damit ein quaderförmiges Flachprodukt gemeint, welches durch sechs Oberflächen definiert ist: Vier Kantenflächen sowie eine Ober- und Unterseite, wobei die Oberseite und die Unterseite hier zusammen und in Abgrenzung zu den Kantenflächen als„Hauptseiten" oder„Oberflächen der Platte" bezeichnet werden.

Im Baubereich werden vorzugsweise DHF-Platten (diffusionsoffene und

feuchtebeständige Faserplatten) als Unterdeckplatten zur Beplankung von Dächern und Wänden eingesetzt. Hier ist eine gute Feuchtebeständigkeit bzw. ein guter Schutz gegen mikrobiellen Befall gewünscht, da DHF-Platten über längere Zeiträume Wasser oder Feuchtigkeit ausgesetzt sein können. Beispielsweise kann sich diese Belastung durch äußere Witterungsbedingungen oder durch verdunstendes Wasser in . -

Innenräumen, insbesondere in Neubauten, ergeben. So ist in Neubauten nach dem Verputzen der Wände noch Restfeuchte vorhanden, die mit der Zeit verdunstet und Richtung Dachstuhl aufsteigt. Hier kommt es in der Praxis zu einer Kondensation von Feuchtigkeit an den DHF-Platten, die im Dachstuhl verbaut sind, und es kann innerhalb kurzer Zeit zu einer Schimmelbildung, insbesondere an der nach innen gerichteten Oberfläche der DHF-Platte kommen. Dieses Problem tritt auch bei ungenügend abgedichteten oder beschädigten Dächern (dann können auch die nach außen gerichteten Oberflächen der DHF-Platte betroffen sein) sowie unbelüfteten, kalten Dachböden auf.

Eine erhöhte Schimmelbildungsgefahr kann ebenso bei Faserplatten auftreten, die in Wänden im Innen- und Außenbereich sowie als Rückfronten von Möbelstücken, die zu einer Außenwand gerichtet sind, verbaut worden sind. Deshalb ist es erstrebenswert verbesserte Holzfaserplatten, insbesondere DHF-Platten, bereitzustellen, bei denen mindestens eine der beiden Hauptseiten der Faserplatte eine erhöhte Beständigkeit gegenüber Pilzbefall aufweist.

Abgesehen von den Hauptseiten, kann auch bei den Kantenflächen der Faserplatten eine Erhöhung der Pilzbeständigkeit wünschenswert sein. Dieser Aspekt tritt jedoch meistens in den Hintergrund, da die Kanten üblicherweise eine viel geringere

Oberfläche im Vergleich zu den Hauptseiten der Faserplatte aufweisen. Zudem stehen beim Verbau die Kanten der Faserplatten typischerweise miteinander in Kontakt, wodurch die Kanten nicht direkt der Feuchtigkeit ausgesetzt sind. Zur Vermeidung von Schimmelbildung bei Faserplatten wurden im Stand der Technik bereits der Versuch unternommen verschiedene Substanzen mit biozider bzw.

fungizider Wirkung bei der Faserplattenherstellung einzusetzen. Chemikalien, die den Befall durch holzzerstörende und -verfärbende Pilze oder Insekten verhindern (vorbeugender Holzschutz) bzw. im Falle eines bereits eingetretenen Befalls

Schadorganismen abtöten (bekämpfender Holzschutz) sollen, enthalten in der Regel - - stets Biozide als wirksame Bestandteile. Biozide sind in der Biozid-Verordnung (EU) Nr. 528/2012 klassifiziert.

Eine überzeugende Lösung, die sich in der Praxis bei der Herstellung von Faserplatten auch durchgesetzt hätte, ist bislang jedoch noch nicht vorgeschlagen worden.

Nachteilig an den bislang vorgeschlagenen Bioziden ist, dass diese zu einem stark gesundheitsschädlichen sind und sich zum andern schlecht in die bei der

Faserplattenherstellung verwendeten Harze integrieren lassen und/oder mit diesen inkompatibel sind.

Beispiele für Biozid-Holzschutzmittel sind Steinkohlenteeröle (Kreosole),

wasserlösliche/wasserbasierte Schutzmittel (Borate) oder lösemittelhaltige

Schutzmittel (Triazole). Die Teeröle zeigen zwar eine gute antimikrobielle

Wirksamkeit. Jedoch ist zu bedenken, dass diese gesundheitsschädlich sind, einen starken Geruch aufweisen sowie schlecht überstreichbar und verklebbar sind. Die wasserlöslichen Schutzmittel stellen vielfach Kombinationen anorganischer Salze mit meist wasserunlöslichen organischen Wirkstoffen dar. Letztere werden mit Hilfe von Emulgatoren bzw. Dispergiermittel wasseremulgierbar/dispergierbar und somit wasserverdünnbar gemacht (deshalb„wasserbasiert"). Wasserbasierte bzw.

wasserlösliche Holzschutzmittel sind unter anderem in der EP 2 146 571 Bl und EP 1 813 402 A2 beschrieben.

Die EP 2 146 571 Bl beschreibt ein Möbel- und/oder Innenausbauteil, welches durch Imprägnierung mit einer Harzzusammensetzung antimikrobiell behandelt wird. Die Harzzusammensetzung enthält eine biozide Zusammensetzung

aus einer organischen bioziden Verbindung (Isothiazolinone) und einem nanoskaligen Metalloxid (ZnO, MgO oder A1203). Ein Nachteil einer solchen Kombination ist jedoch, dass Emulgatoren als Lösungsvermittler zugesetzt werden, die durch ihre

emulgierende Wirkung die Quellung der Faserplatte zusätzlich fördern können. . .

Die EP 1 813 402 A2 beschreibt eine Faserplatte für den Dach- und Wandbau, die in ihrer Deckschicht Borate als Schimmelpilzschutz enthält. Die Borverbindungen scheinen grundsätzlich gegen Pilze wirksam zu sein, jedoch sind diese Verbindungen wasserlöslich und nicht im Fasermaterial fixiert. Dadurch bleiben diese selbst bei Zusatz fixierender Mittel leicht auswaschbar und ihre Wirkung geht im Laufe der Anwendungsdauer verloren.

Aufgrund der oben beschriebenen Nachteile können viele Holzschutzmittel, die biozide Substanzen enthalten, deshalb nicht optimal im Dach- oder Innenausbau verwendet werden. Weiterhin können die Biozide aufgrund ihrer potentiellen

Emission durch Verdunstung, Abrieb oder durch anderweitige Freisetzung die Gesundheit von Menschen beeinträchtigen. Oftmals verlieren Biozide aber auch durch allmählichen (natürlichen) Abbau ihre Wirkung. Die wasserlöslichen oder

wasserbasierten Holzschutzmittel können beispielsweise mit der Zeit aus der

Faserplatte ausgewaschen werden, wodurch einerseits die antimikrobielle

Wirksamkeit nachlässt und andererseits eine erhöhte Umweltbelastung auftreten kann.

Weiterhin herrschen bei der Faserplattenherstellung extreme

Verarbeitungstemperaturen, beispielsweise beim Trocknen der Vor- oder

Zwischenprodukte der Faserplatte und/oder beim Verpressen. Die bisher

vorgeschlagenen Holzschutzmittel können beispielsweise schon während des

Herstellungsprozesses aus dem Zwischenprodukt der Faserplatte ausgewaschen oder aufgrund der der mechanischen und/oder thermischen Behandlung teilweise oder gänzlich unwirksam gemacht werden. Auch muss die Komptabilität zu den weiteren in der Herstellung von Faserplatten eingesetzten Substanzen berücksichtigt werden. Reaktionen der Komponenten untereinander können nicht nur zur Instabilität, sondern auch zu unerwünschten Verfärbungen des Endprodukts führen. Die wenigsten Biozide sind daher zur Verarbeitung in einer Faserplatte geeignet. - -

Außerdem gilt es im Sinne einer nachhaltigen Rohstoffnutzung, ein Biozid zu finden, das sich nicht negativ auf die Qualität recyclingfähiger Materialien auswirkt. Biozide auf Basis von Metallen wie Silber, Kupfer oder Zink erscheinen daher ungeeignet. Deren Akkumulation stellt ein gravierendes Problem bei der Aufbereitung von Abwässern in kommunalen Kläranlagen und der Einhaltung von Grenzwerten nach deren thermischer Nutzung dar.

Das Biozid soll weiterhin über einen langen Zeitraum aktiv bleiben. Eine ausreichende Fixierung des Biozids in der Oberfläche der Faserplatte wäre daher wünschenswert.

Ausgehend von dem vorstehend erläuterten Stand der Technik und dessen Nachteilen bestand eine Aufgabe der Erfindung darin, eine Faserplatte mit erhöhter

Beständigkeit gegen Pilze herstellen zu können ohne eine instabile, auswaschbare oder risikobehaftete Substanz verwenden zu müssen. Ein weiterer Aspekt der der Erfindung zugrunde liegenden Aufgabe bestand darin, ein umweltfreundliches Produkt herzustellen, welches sich durch eine langanhaltende Pilzbeständigkeit auszeichnet.

Ferner war es eine weitere Aufgabe der Erfindung, eine Faserplatte und ein Verfahren zu ihrer Herstellung aufzuzeigen, durch die ein ausreichender Schutz vor Pilzbefall mit geringem Aufwand, insbesondere durch geringen Eintrag von Fremdstoffen in die Faserplatte und geringer bis keiner Erhöhung der Kosten für die Herstellung der Faserplatte, erreicht wird. Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch die Faserplatte nach Anspruch 1, das

Verfahren nach Anspruch 10, das Dach- oder Wandbauteils nach Anspruch 19, sowie die Verwendung gemäß Anspruch 21 gelöst. Besondere Ausgestaltungen der

Erfindung sind in den abhängigen Ansprüchen wiedergegeben. Die Erfindung betrifft eine Faserplatte, die durch Verpressen von mit Bindemittel beleimten, lignocellulosehaltige Fasern erhältlich ist, wobei mindestens eine polymere - -

Mono-Guanidin-Verbindung im Bereich mindestens einer der beiden Oberflächen der Faserplatte konzentriert ist.

Überraschenderweise wurde festgestellt, dass durch den Einsatz einer polymeren Mono-Guanidin-Verbindung die oben aufgeführten, aus dem Stand der Technik bekannten Probleme weitestgehend vermieden oder reduziert werden können. In praktischen Versuchen hat sich gezeigt, dass durch die Konzentration der polymeren Mono-Guanidin-Verbindung im Bereich mindestens einer der beiden Oberfläche der Faserplatte Faserplatten erhalten werden können, die eine erhöhte Beständigkeit gegenüber Pilzbefall aufweisen.

Polymere Mono-Guanidin-Verbindungen sind hauptsächlich als desinfizierend wirkende Zusatzkomponenten zur Desinfektion der Haut- oder Schleimhaut-, in der Wundantiseptik, in Händedesinfektionsmitteln, zur reinen Oberflächendesinfektion, beispielsweise durch Auftragen und Abwischen einer Guanidin-haltigen Lösung, im medizinischem Bereich zur Bekämpfung von Bakterien oder zur Wasserdesinfektion, beispielsweise in Schwimmbädern, bekannt. Polymere Mono-Guanidin-Verbindungen können auch als Zusatz in Dispersionsfarbe eingesetzt werden. Die WO 2010/106002 AI beschreibt eine Polymermischung, die eine polymere Mono-Guanidin-Verbindung enthält. Hierbei wird die polymere Mono-Guanidin-Verbindung in ein bereits fertiges Polymer eingebracht und zu einem Pulver weiterverarbeitet. Dieses Pulver kann in handelsübliche Dispersionsfarbe eingebracht und als antimikrobielle Farbe auf Metalloberflächen aufgebracht werden. Die Anwendung von polymeren Mono-Guanidin-Verbindungen im Bereich von Faserplatten bzw. deren Herstellung ist bisher nicht bekannt. In der

Desinfektionsmittel-Liste des VAH (mhp Verlag 2015), welche alle von der

Desinfektionsmittel-Kommission zertifizierten Präparate enthält, ist zu

Guanidinderivaten beispielsweise folgendes ausgeführt„Guanidine werden aufgrund ihres schmalen Wirkungsspektrums [...] bei günstigen humantoxikologischen

Eigenschaften bevorzugt für die Schleimhaut- und Wundantiseptik eingesetzt. . .

Aufgrund ihrer Remanenzwirkung sind sie als Zusatzkomponenten in Hautantiseptika und Händedesinfektionsmitteln anzutreffen, oder sie werden in Kombination mit anderen Wirkstoffen eingesetzt." Vor diesem Hintergrund war es für den Fachmann nicht naheliegend, dass die polymere Mono-Guanidin-Verbindung eine ausreichende antimikrobielle Wirkung gegenüber den Pilzen, die typischerweise Holz befallen, entfaltet. Die zu

bekämpfenden Mikroorganismen in der Haut- oder Oberflächendesinfektion unterscheiden sich grundlegend in ihrem Spektrum von denen, die typischerweise Holz befallen. Bei der Humananwendungen und der medizinischen

Oberflächendesinfektion stehen vor allem Bakterien im Vordergrund. Bei den

Mikroorganismen, die Holz bzw. Faserplatten typischerweise befallen, handelt es sich vor allem um Pilze. Überdies war es für den Fachmann nicht absehbar, dass die polymeren Mono- Guanidin-Verbindungen mit den in der Faserplattenherstellung herrschenden

Prozessbedingungen sowie den darin eingesetzten Chemikalien kompatibel sein würden. In praktischen Versuchen zeigten die erfindungsgemäß eingesetzten polymeren Mono-Guanindin-Verbindungen überraschenderweise eine ausreichende Temperaturbeständig gegenüber hohen Trockner- und Presstemperaturen.

Der erfindungsgemäße Einsatz von polymeren Mono-Guanindin-Verbindungen hat ferner auch den Vorteil, dass diese eine sehr geringe Toxizität aufweisen und sich in praktischen Versuchen auch keine Ausbildung von Resistenzen gegenüber den holzbefallenden Mikroorganismen gezeigt hat. Weiterhin kann durch den Einsatz von polymeren Mono-Guanidin-Verbindungen, wie beispielsweise

Polyhexamethylenguanidin, ein umweltfreundliches und/oder unbedenkliches Produkt erhalten werden, da diese weder ein Schwermetall enthalten, noch Biozide im Sinne der Biozidverordnung sind. . .

Überraschenderweise wurde zudem festgestellt dass die antimikrobielle Wirkung der polymeren Mono-Guanidin-Verbindungen bei Faserplatten wahrscheinlich auf einem rein physikalischen Wirkprinzip basiert. Bei Interaktionen mit den Mikroorganismen scheint es bei den polymeren Mono-Guanidin-Verbindungen zu keiner chemischen Reaktion, Verstoffwechselung oder Aufnahme durch die Mikroorganismen zu kommen. Ohne an eine bestimmte wissenschaftliche Theorie gebunden sein zu wollen, scheint das physikalische Wirkprinzip der polymeren Mono-Guanidin-Verbindungen auf einer ionischen Wechselwirkung zwischen der kationisch modifizierten

Faserplattenoberfläche und den negativ geladenen Zellwände der Mikroorganismen zu beruhen.

Solche physikalischen Wirkprinzipien fallen jedoch nicht unter die Biozid- Verordnung (EU) Nr. 528/2012. Diese definiert Artikel 3 Absatz 1 a) Biozidprodukte als„jeglichen Stoff oder jegliches Gemisch in der Form, in der er/es zum Verwender gelangt, und der/das aus einem oder mehreren Wirkstoffen besteht, diese enthält oder erzeugt, der/das dazu bestimmt ist, auf andere Art als durch bloße physikalische oder mechanische Einwirkung Schadorganismen zu zerstören, abzuschrecken, unschädlich zu machen, ihre Wirkung zu verhindern oder sie in anderer Weise zu bekämpfen". Weiterhin wurde gefunden, dass allein schon die Konzentration der erfindungsgemäß einsetzbaren polymeren Mono-Guanidin- Verbindung im Bereich mindestens einer der beiden Oberflächen der Faserplatte ausreicht, um ein Produkt zu erhalten, welches beständig gegen Pilzbefall ist. Erfindungsgemäß hat sich nämlich gezeigt, dass bereits schon geringe Mengen im Bereich mindestens einer der beiden Oberflächen der Faserplatte ausreichen, um die gewünschte Pilzbeständigkeit zu erreichen.

Erfindungsgemäß einsetzbare polymere Mono-Guanidin-Verbindungen setzten sich aus verbrückten Mono-Guanidin-Verbindungen zusammen. Mono-Guanidin- Verbindungen können auch als Iminoharnstoffe oder als Carbamidine bezeichnet werden. Ein Beispiel für eine Mono-Guanidin-Verbindung ist Guanidin, auch

bezeichnet als Iminomethandiamin, mit der Summenformel CH5N3. In den polymeren - -

Mono-Guanidin-Verbindungen kann die Verbrückung der Mono-Guanidin- Verbindungen, wie zum Beispiel Guanidin, beispielsweise durch Alkylenketten erfolgen. Mono-Guanidin-Verbindungen bzw. polymere Mono-Guanidin-Verbindungen sind dem Fachmann allgemein bekannt. Die Eigenschaften und Darstellung von Mono- Guanidin-Verbindungen bzw. polymeren Mono-Guanidin-Verbindungen sind beispielsweis in„Ulimanns Enzyklopädie der technischen Chemie - Band 12", Verlag Chemie, GmbH, 1976, Seiten 411-419 beschrieben. Bekannte Beispiele für Mono- Guanidin-Verbindungen sind Guanidin und Guanidin Hydrochlorid. Ein bekanntes Beispiel für eine polymere Mono-Guanidin-Verbindungen ist

Polyhexamethylenguanidin.

Polymere Mono-Guanidin-Verbindungen weisen als Strukturelement eine Guanidin- Gruppe auf, welche nachfolgend beispielhaft dargestellt ist. Hierbei handelt es sich insbesondere um ein Mono-Guanidin-Strukturelement.

Eine beispielhafte polymere Mono-Guanidin-Verbindung ist schematisch in Formel (I) dargestellt,

wobei

R 1 und R 2 unabhängig voneinander eine lineare oder verzweigte

Kohlenwasserstoffkette mit 1 bis 16 Kohlenstoffatomen oder eine mit mindestens einem Heteroatom substituierte lineare oder verzweigte

Kohlenwasserstoffkette mit 1 bis 16 Kohlenstoffatomen bedeuten, wobei das mindestens eine Heteroatom ausgewählt ist aus Sauerstoff und/oder Stickstoff; - - x = 0, 1 oder eine ganze Zahl zwischen 2 und 10 bedeuten kann und

n eine ganze Zahl größer oder gleich 2 bedeutet.

Gemäß einer Ausführungsform ist x = 0 und R 1 ist ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Alkylen, Oxyalkylen, Alkylendiamin und Oxyalkylendiamin.

Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform ist x = 0 und R 1 ein Alkylen-Rest der allgemeinen Formel (II)

-(CH 2 ) m - (II), wobei m eine ganze Zahl zwischen 1 und 16, bevorzugt zwischen 1 und 12, besonders bevorzugt zwischen 1 und 8 und insbesondere gleich 6 ist.

Gemäß einer alternativen bevorzugten Ausführungsform ist x=0 und R 1 ein

Alkylendiamin der allgemeinen Formel (III),

-NH-[(CH 2 )-(CHR)] n -NH- (III), in welcher n eine ganze Zahl zwischen 1 und 10, insbesondere 1, 2 oder 3, ist und R Wasserstoff oder ein Methylrest bedeutet. Bevorzugte, erfindungsgemäß einsetzbare Alkylendiamine der Formel (III) sind ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Ethylendiamin, Trimethylendiamin, Propylendiamin, Hexamethylendiamin und Mischungen davon. Gemäß einer weiteren bevorzugten Ausführungsform ist x=0 und R 1 ein Oxyalkylen, der allgemeinen Formel (IV),

-CHR-[0-CH 2 -CHR] (IV), - - in welcher n 1, 2, 3, 4 oder 5 bedeutet und R Wasserstoff oder ein Methylrest bedeutet. Bevorzugte Beispiele für die erfindungsgemäß einsetzbaren Oxyalkylene sind

Oxyethylen, insbesondere Triethylenglykol und/oder Oxypropylen. Gemäß einer weiteren bevorzugten Ausführungsform ist x=0 und R 1 ein

Oxyalkylendiamin der allgemeinen Formel (V),

-NH-CH 2 -CHR-[0-CH 2 -CHR]„-NH- (V] in welcher n 1, 2, 3, 4 oder 5 bedeutet und R Wasserstoff oder ein Methylrest bedeutet. Bevorzugte Beispiele für die erfindungsgemäß einsetzbaren Oxyalkylendiamine sind Oxyethylendiamin, insbesondere Triethylenglykoldiamin und/oder

Oxypropylendiamin. Die in den polymeren Mono-Guanidin-Verbindungen enthaltenen Guanidingruppen können auch in geladener Form vorliegen, insbesondere als Kationen in einem Salz mit Gegenanion.

Die erfindungsgemäß einsetzbaren polymeren Mono-Guanidin-Verbindungen sind vorzugsweise polymere Mono-Guanidin-Verbindungen, deren Salze oder eine

Mischung daraus.

Polymere Mono-Guanidin-Verbindungen weisen als Guanidin-Strukturelemente nur Mono-Guanidin-Strukturelemente auf. Ein Beispiel für eine erfindungsgemäß einsetzbare polymere Mono-Guanidin-Verbindung ist Polyhexamethylenguanidin (PHMG), dargestellt in Formel (VI). - -

Erfindungsgemäß gut einsetzbare polymere Mono- Guanidin-Verbindungen sind Verbindungen aus der Gruppe, bestehend aus Polyalkylenguanidinen, insbesondere Polyhexamethylenguanidin, Polyalkylendiaminguanidinen, Polyoxyalkylenguanidinen, Polyoxyalkylendiaminguanidinen und deren Salzen.

Bezogen auf die allgemeine Formeln (I) bedeutet dies für die erfindungsgemäß gut einsetzbaren Polyalkylenguanidine, Polyalkylendiaminguanidine,

Polyoxyalkylenguanidine, Polyoxyalkylendiaminguanidine, dass R 1 und/oder R 2 ein Alkylen, Alkylendiamin, Oxyalkylen und/oder Oxyalkylendiamin ist.

In einer besonders bevorzugten Ausführungsform wird als polymere Mono-Guanidin- Verbindung Polyhexamethylenguanidin (PHMG) eingesetzt.

Wenn hier oder an anderer Stelle von polymeren Mono-Guanidin-Verbindungen oder deren speziellen Ausführungsformen, beispielsweise PHMG, die Rede ist, dann sind damit auch jegliche Salze oder sonstigen Derivate davon gemeint.

Das Salz der polymeren Mono-Guanidin-Verbindung kann ausgewählt sein aus der Gruppe, bestehend aus Hydrochlorid, Chlorid, Hydroxid, Phosphat, Fluorid, Bromid, Jodid, Formiat, Acetat, Diphosphat, Sulfat, Sulfid, Nitrat, Thiocyanat, Thiosulfat, Carbonat, Maleat, Fumarat, Tartrat, Mesylat, Glukonat und Toluolsulfonat, wobei Hydrochlorid, Chlorid, Hydroxid, Phosphat, Diphosphat, Acetat und Carbonat bevorzugt sind. Besonders bevorzugt ist Hydrochlorid und/oder Chlorid. Die Salze der polymeren Mono-Guanidin-Verbindungen zeigen eine geringere korrosive Wirkung, sodass die bei der Herstellung der Faserplatten eingesetzten metallischen Geräte geschont werden und sich auch das Anwendungsspektrum verbessert. Unabhängig - - von der geringeren Korrosivität erhöht sich durch die bevorzugten Ionen die Umweltverträglichkeit des Produktes bzw. seiner Abbauprodukte.

Die erfindungsgemäß einsetzbare polymere Mono-Guanidin-Verbindung kann zusammen mit oder in einer Mischung mit einem weiteren Zusatzstoff eingesetzt werden. Dieser Zusatzstoff kann ausgewählt sein aus der Gruppe, bestehend aus anderen Bioziden, quarternären Ammonium-Verbindungen und Mischungen hiervon.

In einer Ausführungsform ist dieser Zusatzstoff eine quaternäre Ammonium- Verbindung. Die quaternäre Ammonium-Verbindung kann ausgewählt sein aus der Gruppe, bestehend aus Didecyldimethylammoniumchlorid (DDAC),

Dimethyloctadecyl[3-(trimethoxysilyl)propyl]ammonium, Dimethyltetradecyl[3- (trimethoxysilyl)propyl]ammoniumchlorid, Alkyl (Ci2-is)

dimethylbenzylammoniumchlorid (ADBAC(Ci2-i8)), Alkyl (C12-16) dimethylbenzyl ammoniumchlorid (ADBAC/BKC(Ci2-ci6)), Didecyldimethylammoniumchlorid

(DDAC(Cs-io)), Alkyl(Ci2-i4) dimethylbenzylammoniumchlorid (ADBAC(Ci 2 -i4)), Alkyl (C12-14) ethylbenzylammoniumchlorid (ADEBAC(Ci2-i4)), Dialkyl (Cs-io)

dimethylammoniumchlorid, Alkyl (C12-14) dimethyl(ethylbenzyl)ammoniumchlorid. Wie bereits erwähnt, reichen schon geringere Konzentrationen der polymeren Mono- Guanidin-Verbindungen im Bereich der mindestens einer der beiden Oberflächen der Faserplatte aus, um die gewünschte antimikrobielle Wirkung zu erreichen. Wenn die polymere Mono-Guanidin-Verbindung im Bereich der Oberfläche der Faserplatte konzentriert ist, kann der Kern der Faserplatte sogar im Wesentlichen frei von der polymeren Mono-Guanidin-Verbindung gehalten werden. Dadurch können die

Mengen der polymeren Mono-Guanidin-Verbindung, die zur Erhöhung der

Beständigkeit gegenüber Pilzen eingesetzt werden muss, erheblich verringert werden. Dies hat den Vorteil, dass der Eintrag von Fremdstoffen so gering wie möglich gehalten werden kann und dadurch auch Materialkosten gespart werden können. Die erfindungsgemäße Faserplatte weist mindestens eine polymere Mono-Guanidin- Verbindung, die im Bereich mindestens einer der beiden Oberflächen der Faserplatte konzentriert ist, auf. Insbesondere kann die polymere Mono-Guanidin-Verbindung im Bereich beider Oberflächen der Faserplatte konzentriert sein. Wenn hier oder anderer Stelle von„konzentriert",„im Bereich mindestens einer der beiden Oberflächen der Faserplatte konzentriert" oder„in der/den Oberflächen konzentriert" die Rede ist, dann ist damit gemeint, dass die Konzentration der polymeren Mono-Guanidin- Verbindung im Bereich der Oberfläche oder an der Oberfläche der Faserplatte höher ist, als in deren Kern. Insbesondere besteht in dem Bereich oder an der Oberfläche der Faserplatte die höchste Konzentration der polymeren Mono-Guanidin-Verbindung in der erfindungsgemäßen Faserplatte. Es besteht also erfindungsgemäß ein

Konzentrationsgefälle in Bezug auf die polymere Mono-Guanidin-Verbindung von mindestens einer Oberfläche ausgehend in Richtung des Faserplattenkerns, wo die Konzentration der polymeren Mono-Guanidin-Verbindung niedriger ist als im Bereich von oder an der Oberfläche der Faserplatte.

Faserplattenkern, wie hier verwendet, umfasst den Mittelpunkt der Faserplatte, der sich durch die Quaderform der Faserplatte als Schnittpunkt der Raumdiagonalen ergibt. Gemäß einer Ausführungsform ist mit Faserplattenkern die Mittelschicht um den Mittelpunkt der Faserplatte herum gemeint, wobei diese Schicht im Wesentlichen parallel zu der Oberfläche der Faserplatte verläuft und eine mittlere Schichtdicke von 1, 2, 3, 4 oder 5 mm aufweist. Gemäß einer Ausführungsform ist mit Faserplattenkern der Mittelpunkt der Faserplatte gemeint oder ein im Wesentlichen kugelförmiges Volumen um den Mittelpunkt der Faserplatte herum, wobei dessen Radius 1, 2, 3, 4 oder 5 mm betragen kann.

Gemäß einer Ausführungsform ist mit „Oberfläche der Faserplatte" die gesamte oberflächliche Schicht gemeint, in der die polymere Mono-Guanidin-Verbindung konzentriert ist. Die Dicke dieser behandelten oberflächlichen Schicht ist abhängig von der Eindringtiefe der polymeren Mono-Guanidin-Verbindung. Die oberflächliche Schicht, in der die polymere Mono-Guanidin-Verbindung konzentriert ist, ist von der - -

Mittelschicht abzugrenzen, die den Kern der Faserplatte bildet oder umfasst und die vorzugsweise im Wesentlichen frei von polymeren Mono-Guanidin-Verbindungen ist. Typischerweise beträgt die Dicke der oberflächlichen Schicht, in der die polymere Mono-Guanidin-Verbindung konzentriert ist, ausgehend von der Oberfläche der Faserplatte, mindestens 0,01, 0,05, 0,1, 0,5, 1, 2, 3 oder 5 mm in das Innere der Faserplatte. Die oberflächliche Schicht, in der die polymere Mono-Guanidin- Verbindung konzentriert ist, verläuft dabei vorzugsweise im Wesentlichen parallel zu der Oberfläche der Faserplatte. Wenn hier von Dicke (z.B. Schichtdicke oder Plattendicke) die Rede ist, dann ist damit die mittlere Dicke gemeint, die sich z.B. als Durchschnitt von 5 Dickenmessungen an unterschiedlichen Positionen der Faserplatte ergibt.

Vorzugsweise ist der Kern der Faserplatte im Wesentlichen frei von polymeren Mono- Guanidin-Verbindungen, das heißt es gibt im Inneren der Faserplatte einen Bereich, der im Wesentlichen frei von der polymeren Mono-Guanidin-Verbindung ist.

In einer anderen Ausführungsform der Faserplatte besteht zwischen mindestens einer Oberfläche der Faserplatte und ihrem Mittelpunkt ein Konzentrationsgefälle an polymerer Mono-Guanidin-Verbindung. Die Faserplatte weist dabei insbesondere in ihrem Kern einen Bereich auf, der weniger als 0,3, 0,1, 0,05 oder 0,01 Gew-%

polymerer Mono-Guanidin-Verbindung, bezogen auf die Trockenmasse (atro) des lignocellulosehaltigen Materials, und besonders bevorzugt im Wesentlichen keine polymere Mono-Guanidin-Verbindung in ihrem Kern enthält.

Da die polymere Mono-Guanidin-Verbindung im Bereich mindestens einer der beiden Oberflächen der Faserplatte konzentriert ist, wird aus diesem Grund die Menge der polymeren Mono-Guanidin-Verbindung bei der erfindungsgemäßen Faserplatte auch als Flächenkonzentration, bezogen auf die Oberfläche, und nicht als

Volumenkonzentration, bezogen auf das Gesamtvolumen der Faserplatte, definiert.

Aufgrund der vergleichsweise geringen Gesamtmenge der polymeren Mono-Guanidin- . .

Verbindungen sind die Kosten für die erfindungsgemäße Faserplatte gegenüber einer Faserplatte ohne Biozid nur leicht erhöht. Es ist auch nicht notwendig, das Verfahren zu ihrer Herstellung wesentlich zu verändern. Letztlich ist der Eintrag an

Fremdstoffen in die Faserplatte so gering, dass diese ihre Unbedenklichkeit aus Umweltgesichtspunkten nicht verliert.

Die polymere Mono-Guanidin-Verbindung, die im Bereich mindestens einer der beiden Oberflächen der Faserplatte konzentriert ist, weist bevorzugt eine

Flächenkonzentration von 2 bis 200 g/m 2 , besonders bevorzugt von 4 bis 80 g/m 2 und insbesondere bevorzugt von 6 bis 30 g/m 2 , bezogen auf jeweilige Oberfläche der Faserplatte, auf.

Die erfindungsgemäßen Faserplatten zeigten in praktischen Versuchen zudem keine schlechteren mechanischen Eigenschaften als herkömmliche Faserplatten. Dies war überraschend, da der Fachmann aufgrund der mutmaßlichen Wirkung der polymeren Mono-Guanidin-Verbindungen (kationische Oberflächenmodifikation) eine

schädigende Wirkung auf die Zellwände der Fasern und damit eine Beeinträchtigung der mechanischen Eigenschaften des Endprodukts erwartet hätte. Da überdies die polymeren Mono-Guanidin-Verbindungen nur im Bereich mindestens einer der beiden Oberflächen der Faserplatte konzentriert sind und der Kern der Faserplatte im Wesentlichen frei davon bleiben kann, wird eine mögliche Faserstrukturschädigung vermieden und die mechanischen Eigenschaften, die wesentlich durch den

Plattenkern bestimmt werden, bleiben so weitestgehend unbeeinträchtigt. Ein weiterer Vorteil, der sich in der Praxis gezeigt hat, ist, dass die polymeren Mono- Guanidin-Verbindungen auch für eine Vielzahl von Faser-Bindemittel Kombinationen geeignet sind. Der Eintrag zusätzlicher Substanzen kann die Eigenschaften des Bindemittels beeinträchtigen und so zu ungenügenden Bindemittelwirkung und/oder mechanischen Eigenschaften des Endprodukts führen. Durch den erfindungsgemäß gewählten Faserplattenaufbau, der eine Konzentration der polymeren Mono- Guanidin-Verbindungen lediglich im Bereich mindestens einer der beiden Oberflächen - - der Faserplatte vorsieht, können derartige Probleme weitestgehend vermieden werden.

Weiterhin war überraschend, dass trotz der Wasserlöslichkeit der polymeren Mono- Guanidin-Verbindungen die bekannten Probleme üblicher wasserlöslicher

Holzschutzmittel vermieden werden können. So konnten in den erfindungsgemäßen Faserplatten keine gesundheitsschädlichen oder umweltschädlichen Rückstände oder Emissionen nachgewiesen werden. Durch die Einbringung der polymeren Mono- Guanidin-Verbindungen auf die Fasermatte scheint es bei der Verpressung zur Faserplatte zu einer Fixierung der polymeren Mono-Guanidin-Verbindungen zu kommen.

Außerdem wurde in praktischen Versuchen gefunden, dass die Pilzbeständigkeit im Laufe der Zeit erhalten bleibt, sich also keine gravierende Stabilitäts- oder

Auswaschproblematik zeigt. Dies war überraschend, da polymere Mono-Guanidin- Verbindungen in der Regel wasserlöslich sind. Der Fachmann würde bei einer wasserlöslichen Substanz, die in Faserplatten für den Außenbereich, wie

beispielsweise bei einer DHF-Platte, angewendet wird und regelmäßig in Kontakt mit Wasser bzw. Feuchtigkeit tritt, erwarten, dass diese mit der Zeit ausgewaschen und das Produkt mit der Zeit seine antimikrobiellen Eigenschaften verlieren würde.

Die erfindungsgemäße Faserplatte kann eine einschichtige oder mehrschichtige Faserplatte sein. Vorzugsweise besteht die erfindungsgemäße Faserplatte im

Wesentlichen aus lignocellulosehaltigen Fasern. Im„Wesentlichen" bedeutet hier bis zu 80, 85, 90, 95, 98 oder 99 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht der Faserplatte. Die Faserplatte kann weitere Zusatzstoffe beispielsweise Feuerschutzmittel,

Lösungsmittel, Lösungsvermittler, viskositätsangleichende Mittel, Benetzungsmittel, Emulgatoren, pH-angleichende Mittel, Fette, Fettsäuren, Biozide oder Stabilisatoren, enthalten. Wenn hier oder anderer Stelle von„lignocellulosehaltigen Fasern" die Rede ist, dann wird darunter jede Art von Faser verstanden, die Lignocellulose enthält.

Lignocellulose im Sinne der Erfindung enthält Lignin sowie Cellulose und/oder Hemicellulose.„Cellulose" ist ein unverzweigtes Polysaccharid, das aus mehreren hundert bis zehntausend Cellobiose-Einheiten besteht. Diese Cellobiose-Einheiten bestehen wiederum aus zwei Molekülen Glucose, die über eine ß-l,4-glykosidische Bindung verknüpft sind.„Hemicellulose" ist eine Sammelbezeichnung für

verschiedene Bestandteile pflanzlicher Zellwände. Bei den Hemicellulosen handelt sich um verzweigte Polysaccharide mit einer geringeren Kettenlänge - üblicherweise weniger als 500 Zuckereinheiten - welche aus verschiedenen Zucker-Monomeren aufgebaut sind. Hemicellulose ist im Wesentlichen aus verschiedenen Zucker- Monomeren, wie beispielsweise Glucose, Xylose, Arabinose, Galactose und Mannose, aufgebaut, wobei die Zucker Acetyl- sowie Methylsubstituierte Gruppen aufweisen können. Sie besitzen eine zufällige, amorphe Struktur und sind gut hydrolysierbar. Xylose bzw. Arabinose bestehen zum überwiegenden Teil aus Zucker-Monomeren mit fünf Kohlenstoffatomen (Pentosen). Mannose bzw. Galactose bestehen hauptsächlich aus Zucker-Monomeren mit sechs Kohlenstoffatomen (Hexosen).„Lignine" sind amorphe, unregelmäßig verzweigte aromatische Makromoleküle, welche in der Natur als Bestandteil von Zellwänden vorkommen und dort die Verholzung (Lignifizierung) der Zelle bewirken. Sie sind aus substituierten Phenylpropanol-Einheiten aufgebaut, zeigen einen lipophilen Charakter und sind bei Zimmertemperatur in neutralen Lösemitteln, wie beispielsweise Wasser, unlöslich. Vorläufersubstanzen von Lignin sind beispielsweise p-Coumaryl-Alkohol, Coniferyl-Alkohol und Sinapyl-Alkohol. Die Molmassen von Lignin liegen üblicherweise zwischen 10000 und 20000 g/mol.

Die lignocellulosehaltigen Fasern sind vorzugsweise Holzfasern. Diese Holzfasern können durch Zerfaserung von Holzpartikeln, Holzfasern, Hackschnitzel oder feinteiligem Holzmaterial hergestellt werden. Bevorzugte Holzarten für die

Herstellung einer durch das erfindungsgemäße Verfahren erhältlichen Faserplatte sind beispielsweise Nadelhölzer, insbesondere Kiefer- und/oder Fichtenholz. . .

Besonders bevorzugt ist die Faserplatte eine DHF, UDF-, LDF-, MDF-, oder HDF-Platte. In einer besonders bevorzugten Ausführungsform ist die Faserplatte eine DHF-Platte. Vorzugsweise entspricht die erfindungsgemäße DHF-Platte der Norm EN

14964:2007-01.

In einer Ausführungsform der Erfindung beträgt die Rohdichte der Faserplatte 500 bis 700 kg/m 3 , bevorzugt 550 bis 650 kg/m 3 und insbesondere bevorzugt 580 bis 625 kg/m 3 . Die Rohdichte kann gemäß EN 323:93-08 bestimmt werden. In einer weiteren Ausführungsform weist die Faserplatte eine Dicke von 8 bis 30 mm, bevorzugt von 10 bis 22 mm und insbesondere bevorzugt von 12 bis 20 mm auf.

In einer weiteren Ausführungsform weist die Faserplatte mindestens ein form- oder kraftschlüssiges Verbindungselement auf, insbesondere eine Nut und/oder Feder. Dafür kann mindestens eine der Kantenflächen der Faserplatte derart ausgestaltet sein, dass diese mit einer anderen Kantenfläche einer anderen Faserplatte verbunden werden kann. Vorzugsweise ist die Verbindung eine Nut-Feder- Verbindung oder Spundung. Besonders bevorzugt ist, wenn die Nut, Feder und/oder Spundung rund, oval, konisch oder eckig ausgebildet ist. Vorzugsweise ist die Verbindung zwischen den Faserplatten formschlüssig. Besonders bevorzugt ist die Verbindung

formschlüssig, senkrecht zur Faserplattenebene.

Dem Fachmann sind solche Nut-Feder- Verbindungen oder Spundungen grundsätzlich bekannt. Unter Nut-Feder-Verbindung oder Spundung werden Verbindungen verstanden, die an ihren Kantenflächen oder Rändern zusammengesteckt oder ineinandergelegt werden können. Bei der Nut-Feder-Verbindung können die beiden zu verbindenden Faserplatten an den Kantenflächen oder Rändern je eine Nut aufweisen, in die als verbindendes drittes Bauteil eine sogenannte Feder eingesteckt oder eingelegt wird. Es ist aber auch denkbar, dass bei den zusammenzusteckenden Faserplatten die eine Kantenfläche oder Rand mindestens eine Nut und die andere Kantenfläche oder Rand mindestens eine Feder aufweist. In einer besonderen - -

Ausführungsform weist die Faserplatte an mindestens einer Kantenfläche eine Nut und an mindestens einer anderen Kantenfläche eine Feder auf.

Bei der Spundung kann eine Feder in halber Breite an den Rand eines der beiden zu verbindenden Bauteile eingearbeitet sein.

Diese Verbindbarkeit ist vor allem bei den DHF-Platten, die durch das

erfindungsgemäße Verfahren erhältlich sind, vorteilhaft, da durch sie zusätzlich zu der erhöhten Pilzbeständigkeit auch eine hinreichend befestigte Außenbeplankung bei Dachbauten erreicht werden kann. Überdies kann durch den Nut-Feder-Formschluss oder die Spundung, aber auch die hydrophobierte Oberfläche ein verbesserter

Wasserablauf über die Oberfläche der DHF-Platte ermöglicht werden und die unbehandelten Kantenflächen werden geschützt. Die erfindungsgemäße Faserplatte lässt sich besonders praxisgerecht durch ein Verfahren herstellen, welches die folgenden Schritte umfasst: a) Bereitstellen einer Fasermatte enthaltend beleimte, lignocellulosehaltige Fasern, b) Behandeln mindestens einer der beiden Oberflächen der Fasermatte aus Schritt a) mit einer polymeren Mono-Guanidin-Verbindung,

c) Verpressen der aus Schritt b) erhaltenen, oberflächenbehandelten Fasermatte zu einer Faserplatte .

Das erfindungsgemäße Verfahren basiert auf aus dem Stand der Technik bekannten Verfahren zur Faserplattenherstellung, wobei zusätzlich zu den üblichen

Verfahrensschritten eine Oberflächenbehandlung der Fasermatte mit einer polymeren Mono-Guanidin-Verbindung vor dem Verpressen zu einer Faserplatte durchgeführt wird. Dem Fachmann sind grundsätzlich verschiedene Methoden zur Herstellung von

Faserplatten durch Verpressen von mit Bindemittel beleimten, lignocellulosehaltigen . -

Fasern, insbesondere zu DHF-, HDF- oder MDF-Platten, bekannt. Aufgrund der oben beschriebenen Vorteile, kann die Behandlung mit der polymeren Mono-Guanidin- Verbindung problemlos bei einer Vielzahl von Produktionsprozessen, wie

beispielsweise bei einem üblichen Prozess zur Herstellung von DHF-, HDF- oder MDF- Platten, integriert werden. Die Herstellung von Faserplatten nach dem Trocken- oder Nassverfahren sowie weiteren Verfahren ist beispielsweise in„Holzwerkstoffe und Leime" von M. Dunky und P. Niemz, Springer Verlag, 2002 Seite 149 bis 152

beschrieben. Eine Beschreibung der Eigenschaften der unterschiedlichen Arten von Faserplatten, Verfahrensschritte zur Herstellung dieser und dafür benötigte Geräte und Materialien sind auch im„Taschenbuch der Holztechnik" von A. Wagenführ und F. Scholz, Hanser Verlag, 2012, auf den Seiten 225 bis 245 beschrieben.

Die üblichen Verfahren zur Herstellung einer ein- oder mehrschichtigen Faserplatte haben die folgenden Schritte gemein: Zunächst wird das Holzmaterial in einem Kocher behandelt und anschließend zerfasert. Die Zerkleinerung oder Zerfaserung des Holzmaterials erfolgt hierbei oft in einem Refiner. Typische, in der Industrie gebräuchliche Prozessbedingungen bei der Zerkleinerung oder Zerfaserung sind Prozesstemperaturen von 160 bis 200 °C und Drücke bis zu 10 bar. Danach werden die Fasern ggf. getrocknet und anschließend beleimt. Das Beieimen der Fasern kann in einer Beleimtrommel durch Aufsprühen erfolgen. Bei der Herstellung von

Faserplatten können verschiedenste Bindemittel eingesetzt werden. Üblicherweise werden dem Bindemittel in der Faserplattenherstellung keine Härter zugesetzt. Die beleimten Fasern werden schließlich zu einer Fasermatte, die der Fachmann auch als „Faserkuchen" bezeichnet, gestreut, ggf. vorgeformt und zu einer Faserplatte verpresst.

Grundsätzlich wäre es auch denkbar die Fasern vor der Bereitstellung der Fasermatte, z.B. bereits bei der Zerfaserung, im Kocher oder im Refiner mit der polymeren Mono- Guanidin-Verbindung zu behandeln. In diesem Fall müssten die behandelten Fasern jedoch einem zusätzlichen thermischen Schritt unterzogen werden. Dies kann zu einer Schädigung der Faserstruktur führen. Im Gegensatz dazu, sieht das erfindungsgemäße - -

Verfahren die Behandlung der Fasern erst nach deren Beleimung im Stadium der Fasermatte, d.h. im Schritt b), vor. Da durch diese Vorgehensweise die behandelten Fasern nur noch einem thermischen Schritt, nämlich dem Verpressen zu einer Faserplatte, unterzogen werden, ist das erfindungsgemäße Verfahren besonders schonend für die Fasern und die dabei verwendeten polymeren Mono-Guanidin- Verbindungen.

Praktische Versuche haben ergeben, dass eine Behandlung der Oberfläche bzw. der Decklage der Fasermatte kurz vor Presseneintritt bereits ausreichend für die erfindungsgemäß erzielte erhöhte Beständigkeit gegenüber Pilzen ist. Da nur eine Oberflächenbehandlung stattfindet, sind in dem erfindungsgemäßen Verfahren bereits geringe Konzentrationen der polymeren Mono-Guanidin-Verbindung, bezogen auf das Gesamtgewicht der Fasermatte, ausreichend, um eine erhöhte Beständigkeit gegenüber Pilzen zu gewährleisten.

Ein weiterer Vorteil der erfindungsgemäßen Behandlung mit der polymeren Mono- Guanidin-Verbindung ist, dass sich ihr Einsatz auf einfache Weise in übliche Verfahren der Holzindustrie zur Herstellung von Faserplatten integrieren lässt. Die

Wasserlöslichkeit der polymeren Mono-Guanidin-Verbindung, die in dem

erfindungsgemäßen Verfahren eingesetzt wird, ist von besonderem Vorteil. Wässrige Lösungen oder Suspensionen lassen sich gut in die üblichen Verfahrensschritte und Anlagen, die bei der Faserplattenherstellung Einsatz finden, integrieren. Es sind keine aufwändigen Zwischenschritte oder Verfahrensunterbrechungen erforderlich. Die polymere Mono-Guanidin-Verbindung kann beispielsweise über eine Blowline aufgetragen werden. Aufgrund der Wasserlöslichkeit der polymeren Mono-Guanidin- Verbindung müssen keine organischen Lösungsmittel eingebracht werden, die zum einen eine Brandgefahr und zum anderen eine zusätzliche, potentiell

gesundheitsschädliche Emissionsquelle darstellen. Ein weiterer Vorteil gegenüber den üblichen wasserbasierten, nicht reaktiven

Holzschutzmitteln ist, dass keine weiteren Zusatzstoffe, wie beispielsweise - -

Emulgatoren, erforderlich sind, um die polymere Mono-Guanidin-Verbindung zu lösen und auf die Fasermatte aufbringen zu können. Dadurch kann auch eine zusätzliche Quellung der Faserplatte vermieden werden. Das erfindungsgemäße Verfahren eignet sich besonders gut zur Herstellung von Faserplatten und ist auf keinen bestimmten Faserplattentyp beschränkt. Die durch das Verfahren erhältlichen Faserplatten können ein- oder mehrschichtig sein.

Das erfindungsgemäße Verfahren hat sich als besonders praxisgerecht für die

Herstellung von diffusionsoffenen Faserplatten für den Dach- und Wandausbau

(nachfolgend„DHF-Platten" genannt) erwiesen. Insbesondere die hier beschriebenen Ausführungsformen ermöglichen die unkomplizierte Erhöhung der Pilzbeständigkeit mindestens einer Oberfläche bzw. Hauptseite der DHF-Platte. Besonders vorteilhaft hieran ist, dass sich so eine DHF-Platte mit erhöhter Beständigkeit gegen Pilzbefall ohne aufwändige Zwischenschritte, sich an die Herstellung anschließende,

aufwändige Tränkverfahren oder weitere chemische Nachbehandlung erhalten lässt.

Für das erfindungsgemäße Verfahren gilt das bereits zu der erfindungsgemäßen Faserplatte Gesagte. Entsprechend den aus dem Stand der Technik bekannten

Verfahren sieht das erfindungsgemäße Verfahren zunächst vor, dass in Schritt a) eine Fasermatte, die beleimte, lignocellulosehaltige Fasern enthält, bereitgestellt wird.

Die Bereitstellung erfolgt in üblichen Verfahren zur Herstellung von Faserplatten, z.B. durch Streuen von lignocellulosehaltigen, beleimten Fasern zu einer Fasermatte. Typischerweise werden die Fasern zuerst beleimt und dann auf ein Formband zu einer Fasermatte gestreut. Die Fasermatte kann in einem weiteren Schritt zusätzlich geformt und/oder an ihrer nach oben zeigenden Oberfläche geglättet werden.

Vorzugsweise besteht die Fasermatte im Wesentlichen aus lignocellulosehaltigen

Fasern. Im„Wesentlichen" bedeutet hier bis zu 80, 85, 90, 95, 98 oder 99 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht der Fasermatte. Dabei kann die Fasermatte bzw. die

Faserplatte weitere Zusatzstoffe, beispielsweise Feuerschutzmittel, Lösungsmittel, - -

Lösungsvermittler, Viskositätsangleichende Mittel, Benetzungsmittel, Emulgatoren, pH-angleichende Mittel, Fette, Fettsäuren oder Stabilisatoren, enthalten.

Typischerweise werden die lignocellulosehaltigen Fasern mit einem Bindemittel beleimt bevor, während und/oder nachdem diese zu einer Fasermatte gestreut werden. Wenn hier von„Beieimen" die Rede ist, dann kann darunter das ganze oder teilweise Benetzen mit einer Zusammensetzung, die ein Bindemittel enthält, verstanden werden. Derartige Zusammensetzungen werden vom Fachmann auch als „Leimflotte" bezeichnet. Beieimen kann insbesondere auch das gleichmäßige Verteilen der bindemittelhaltigen Zusammensetzung auf den lignocellulosehaltigen Fasern bedeuten. Das Auftragen der bindemittelhaltigen Zusammensetzung kann

beispielsweise durch Tränken oder Aufsprühen, insbesondere in einer Blowline erfolgen. In der Blowline können neben den zugesetzten Bindemitteln und

Hydrophobierungsmitteln optional auch noch Oberflächen-modifizierende Agenzien aufgesprüht werden, welche die Oberfläche neutralisieren und/oder die Faser verkapseln. Das Beieimen der lignocellulosehaltigen Fasern kann aber auch in einer Trommel oder durch Aufsprühen auf dem Fließband erfolgen.

Die Menge des beim Be- oder Verleimen eingesetzten Bindemittels beträgt

vorzugsweise 0,1 bis 20 Gew.-%, insbesondere 1,0 bis 16 Gew.-%, noch bevorzugter 2,0 bis 14,0 Gew.-% oder 2,0 bis 10,0 Gew.-%, bezogen auf das Holztrockengewicht (Festharz/atro). Für viele Anwendungen ist es besonders praxisgerecht, wenn das Bindemittel in einer Menge von 0,1 bis 15 Gew.-% bezogen auf das

Holztrockengewicht (Festharz/atro) eingesetzt wird. Das Auftragen des Bindemittels kann beispielsweise in der dem Fachmann bekannten Blowline erfolgen.

Grundsätzlich ist das erfindungsgemäße Verfahren für eine Vielzahl von Bindemittel- Holzfaser-Kombinationen geeignet. Beispiele für erfindungsgemäß einsetzbare Bindemittel sind Aminoplaste, Phenoplaste, Vinylacetate, Isocyanate, Epoxidharze und/oder Acrylharze, insbesondere auch Harnstoff-Formaldehyd-Harz (UF), Melamin- - -

Formaldehyd-Harz, Phenol-Formaldehyd-Harz (PF), Polyvinylacetat und/oder

Weissleim.

Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung wird als Bindemittel für die Verleimung ein System auf Basis von Harnstoff-Formaldehyd-Harzen (UF),

Melamin verstärkten Harnstoff-Formaldehyd-Harzen (MUF), Melamin-Harz, Melamin- Formaldehyd-Harz, Melamin-Harnstoff-Phenol-Formaldehyd-Harzen (MUPF], Phenol- Formaldehyd-Harzen (PF), polymere Diisocyanaten (PMDI) und/oder Isocyanaten eingesetzt. Vorzugsweise ist das Bindemittel ein Isocyanat-basiertes Bindemittel. Weiter bevorzugt enthält das Bindemittel ein Isocyanat oder besteht zu 80, 90, 95, 99 oder 100 Gew.-% daraus. Besonders gute Ergebnisse stellen sich ein, wenn das Isocyanat ein Polyisocyanat, insbesondere polymeres Diisocyanat (PMDI) ist.

Insbesondere kann als polymeres Diisocyanat polymeres Diphenylmethandiisocyanat eingesetzt werden.

In einer Ausführungsform werden die Fasern der Faserplatte mit einem Isocyanat- basierendem Bindemittel, vorzugsweise einem PMDI basiertem, verleimt. Bei diesen Bindemitteln kann auf die Zugabe eines Härters verzichtet werden. Das erfindungsgemäße Verfahren sieht weiterhin vor, dass in Schritt b) mindestens eine der beiden Oberflächen der Fasermatte aus Schritt a) mit einer polymeren Mono- Guanidin-Verbindung behandelt wird.

Wenn hier oder anderer Stelle von der„Oberfläche der Fasermatte" die Rede ist, dann ist damit die Oberfläche einer der beiden Hauptseiten der Fasermatte bzw. der späteren Oberflächen (bzw. Hauptseiten) der Faserplatte wie weiter oben definiert gemeint. Diese Oberflächen sind von den Kantenflächen der Fasermatte zu unterscheiden. Gemäß einer Ausführungsform bedeutet„Oberfläche der Fasermatte", wie hier verwendet, die sogenannte„Deckschicht" der Fasermatte bzw. der späteren Faserplatte. Bei der Deckschicht handelt es sich um die oberflächlichste Faserschicht der Fasermatte bzw. der späteren Faserplatte. Die Deckschicht kann die - - oberflächlichste Schicht einer daraus erhaltenen einschichtigen oder mehrschichtigen Faserplatte sein. Gemäß einer anderen Ausführungsform ist mit „Oberfläche der Fasermatte" die gesamte oberflächliche Schicht gemeint, die mit einer Mono- polymeren Guanidin-Verbindung behandelt wurde bzw. in der die polymere Mono- Guanidin-Verbindung konzentriert ist. Diese wurde oben bereits für die Faserplatte definiert und entsprechendes gilt auch für die oberflächliche Schicht der Fasermatte. Die Dicke dieser behandelten oberflächlichen Schicht ist abhängig von der Eindringtiefe der polymeren Mono-Guanidin-Verbindung. Die behandelte oberflächliche Schicht ist von der Mittelschicht abzugrenzen, die den Kern der Fasermatte bildet und die nicht mit der polymeren Mono-Guanidin-Verbindung in Kontakt kommt. Typischerweise beträgt die Dicke der behandelten oberflächlichen Schicht (und damit auch die Eindringtiefe der polymeren Mono-Guanidin-Verbindung in die Fasermatte) mindestens 0,01, 0,05, 0,1, 0,5, 1, 2, 3 oder 5 mm in das Innere der Fasermatte bzw. der späteren Faserplatte, betrachtet von der Oberfläche der Fasermatte bzw. der späteren Faserplatte.

Im Übrigen gilt für die Fasermatte, die im erfindungsgemäßen Verfahren verwendet wird, das oben zur erfindungsgemäßen Faserplatte bereits Gesagte. Gemäß einer Ausführungsform wird nur eine der beiden Oberflächen der Fasermatte behandelt. Dabei handelt es sich vorzugsweise um die Oberseite der Fasermatte. Diese ist von der Unterseite, auf der die Fasermatte aufliegt, zu unterscheiden. Gemäß einer anderen Ausführungsform wird nur die Unterseite der Fasermatte oder beide

Oberflächen (d.h. Ober- und Unterseite) der Fasermatte behandelt.

Wenn hier oder an anderer Stelle von„Behandeln",„Behandlung" oder„Behandeln mit der polymeren Mono-Guanidin-Verbindung" die Rede ist, dann ist damit das gänzliche oder teilweise In-Kontakt-Bringen mindestens einer der Oberflächen der Fasermatte mit der polymeren Mono-Guanidin-Verbindung gemeint. Durch die Behandlung lediglich der Oberfläche der Fasermatte mit der polymeren Mono-Guanidin- Verbindung, wird die erfindungsgemäße Konzentration der polymeren Mono- - -

Guanidin-Verbindung im Bereich mindestens einer der beiden Oberflächen der Fasermatte automatisch erreicht, da sich die polymere Mono-Guanidin-Verbindung nicht gleichmäßig innerhalb der Fasermatte verteilt. Die Eindringtiefe und damit die Dicke des Bereichs, in der die polymere Mono-Guanidin-Verbindung konzentriert ist, kann der Fachmann beispielsweise durch Variation der Menge der zur Behandlung eingesetzten polymeren Mono-Guanidin-Verbindung oder durch Variation der Einwirkzeit, d.h. der Zeit, die zwischen dem Behandeln mit der polymeren Mono- Guanidin-Verbindung in Schritt b) und dem Verpressen zur Faserplatte in Schritt c) vergeht, einstellen.

Wenn hier von„polymerer Mono-Guanidin-Verbindung" im Singular die Rede ist, so schließt dies den Plural mit ein, insbesondere mehrere gleiche polymere Mono- Guanidin-Verbindungen sowie mehrere unterschiedliche polymere Mono-Guanidin- Verbindungen und Mischungen hiervon.

Die polymere Mono-Guanidin-Verbindung kann dabei als Feststoff oder als Teil einer festen Zusammensetzung aufgestreut werden. Vorzugsweise wird die der polymeren Mono-Guanidin-Verbindung jedoch in Form einer oder als Teil einer Flüssigkeit eingesetzt.

„Flüssigkeit", wie hier verwendet, kann eine verdünnte Lösung der polymeren Mono- Guanidin-Verbindung bedeuten (d.h. die Flüssigkeit umfasst dann die polymere Mono- Guanidin-Verbindung sowie ein Lösungs- bzw. Verdünnungsmittel). Zum anderen kann„Flüssigkeit", wie hier verwendet, auch ganz allgemein eine flüssige

Zusammensetzung bedeuten, welche die polymere Mono-Guanidin-Verbindung, und ggf. weitere Komponenten, enthält. Diese Flüssigkeit kann zusätzlich weitere

Zusatzstoffe, insbesondere eine quaternäre Ammonium-Verbindung, enthalten.

Zur Oberflächenbehandlung wird in Schritt b) des erfindungsgemäßen Verfahrens eine polymere Mono-Guanidin-Verbindung eingesetzt. Für die polymere Mono- Guanidin-Verbindung gilt das oben bereits Gesagte. Vorzugsweise liegt die polymere - -

Mono-Guanidin-Verbindung dabei als (ggf. verdünnte) Flüssigkei d.h. in flüssiger Form, vor. Bevorzugt liegt die polymere Mono-Guanidin-Verbindung in der Flüssigkeit in einer Konzentration von 10, 15, 20, 25, 35, 40, 50, 60, 70, 75, 80, 85, 90, 95, 98 oder 99 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht der Flüssigkeit vor. Bei einer

Konzentration von 10 Gew.-% bedeutet dies, dass 10 g der reinen polymeren Mono- Guanidin-Verbindung eingewogen und mit der Flüssigkeit auf 100 g ergänzt werden. Insbesondere bevorzugt wird als Behandlungsflüssigkeit in Schritt b) eine wässrige Lösung der polymeren Mono-Guanidin-Verbindung verwendet. Die Flüssigkeit kann ferner weitere Zusatzstoffe, beispielsweise Trennmittel und/oder quaternäre

Ammonium-Verbindungen, enthalten.

Vorzugsweise wird die polymeren Mono-Guanidin-Verbindung in Schritt b) des erfindungsgemäßen Verfahrens als Teil einer flüssigen Zusammensetzung und/oder in einer Flüssigkeit in einer Konzentration von 10 bis 85 Gew.-%, besonders bevorzugt von 20 bis 70 Gew.-% und insbesondere bevorzugt von 25 bis 55 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht der Flüssigkeit eingesetzt, insbesondere handelt es sich bei der Flüssigkeit um eine wässrige Lösung der polymeren Mono-Guanidin- Verbindung, die auch noch andere Zusatzstoffe enthalten kann. Unter den hier angegebenen Konzentrationen der polymeren Mono-Guanidin-Verbindung in„Gew.- %" bzw.„Gew.-%ige", wird der Massenanteil verstanden. Das heißt, dass damit die Masse der polymeren Mono-Guanidin-Verbindung bezogen auf die Gesamtmasse der Flüssigkeit gemeint ist.

Die polymere Mono-Guanidin-Verbindung kann als solche, als Salz oder als eine Mischung davon verwendet werden. Für die polymere Mono-Guanidin-Verbindung und ihre Salze gilt das bereits oben Gesagte.

Die bevorzugte Menge der polymeren Mono-Guanidin-Verbindung, welche in Schritt b) aufgetragen wird, beträgt 2 bis 200 g/m 2 , besonders bevorzugt 4 bis 80 g/m 2 und insbesondere bevorzugt 6 bis 30 g/m 2 , bezogen auf die in Schritt b) behandelte Oberfläche der Fasermatte. Behandelte Oberfläche meint dabei beispielsweise die _ - gesamte Oberfläche der Oberseite, selbst wenn Teile davon ausgespart werden, nicht jedoch die Gesamtsumme aller Oberflächen der Fasermatte, d.h. der Oberseite, der Unterseite und der Kantenflächen. Gemäß einer Ausführungsform wird die polymere Mono-Guanidin-Verbindung dabei gleichmäßig über die Oberfläche der Oberseite und/oder der Unterseite verteilt. Bei Einsatz von verdünnten Zubereitungen, die die polymere Mono-Guanidin-Verbindung enthalten, beziehen sich die obigen g/m 2 Angaben auf g reine polymere Mono-Guanidin-Verbindung pro m 2 behandelte Oberfläche. Wird beispielsweise in Schritt b) 50 g einer 50 Gew.-%igen Lösung der polymeren Mono-Guanidin-Verbindung auf 1 m 2 Oberfläche aufgesprüht, so beträgt die Menge an polymerer Mono-Guanidin-Verbindung wie hier verwendet 25 g/m 2 .

In einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung ist die polymere Mono- Guanidin-Verbindung, PHMG, deren Salz und/oder eine Mischung daraus. Besonders bevorzugt ist PHMG, insbesondere PHMG*HC1.

In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung wird PHMG als 10 bis 85 Gew.- %ige, insbesondere 20 bis 70 Gew.-%ige Lösung in Wasser eingesetzt. Besonders gute Ergebnisse haben sich bei der Behandlung mit einer 25 bis 55 Gew.-%igen PHMG- Lösung in Wasser eingestellt. Diese Lösungen können dabei optional noch weitere Zusatzstoffe enthalten.

Es hat sich gezeigt, dass sich die Behandlung mindestens einer der Oberflächen der Fasermatte in Schritt bj des erfindungsgemäßen Verfahrens auf einfache und kostengünstige Weise in bereits übliche Herstellungsprozesse zur

Faserplattenherstellung integrieren lässt. Die Bereitstellung der Fasermatte kann durch Aufstreuen von beleimten Fasern auf ein Formband erfolgen. Üblicherweise liegt hierbei eine der beiden Oberflächen der Fasermatte auf dem Formband auf (hier „Unterseite" genannt], während die andere der beiden Oberflächen der Fasermatte nach oben zeigt. Die Behandlung mit der polymeren Mono-Guanidin-Verbindung aus Schritt b) kann auf der Oberseite und/oder auf der auf dem Formband aufliegenden Unterseite erfolgen. . .

Die Behandlung in Schritt b) mit der polymeren Mono-Guanidin- Verbindung oder der polymere Mono-Guanidin-Verbindung enthaltenden Flüssigkeit kann beispielsweise durch Aufstreichen oder Aufsprühen erfolgen. Vorzugsweise erfolgt das Behandeln durch Aufsprühen, z.B. mittels einer Blowline. Weiterhin kann die Behandlung derart erfolgen, dass erst die polymere Mono-Guanidin-Verbindung aus Schritt b) vorgelegt und dann die Fasermatte aus Schritt a) bereitgestellt und darauf appliziert wird. Das Vorlegen kann z.B. durch Aufsprühen erfolgen. Es ist aber auch möglich, dass erst die Fasermatte aus Schritt a) bereitgestellt und dann mindestens eine der beiden

Oberflächen mit der polymeren Mono-Guanidin-Verbindung aus Schritt b] behandelt wird.

In einer Ausführungsform der Erfindung wird erst die Fasermatte auf einem

Formband bereitgestellt und dann die nach oben zeigende Oberfläche der Fasermatte mit der polymeren Mono-Guanidin-Verbindung aus Schritt b) behandelt.

Vorzugsweise wird hierbei die polymere Mono-Guanidin-Verbindung bzw. die sie enthaltende Flüssigkeit aufgesprüht.

In einer anderen Ausführungsform wird erst die polymere Mono-Guanidin- Verbindung bzw. die sie enthaltende Flüssigkeit auf dem Formband vorgelegt und dann die Fasermatte bereitgestellt. Das Vorlegen der polymeren Mono-Guanidin- Verbindung bzw. die sie enthaltende Flüssigkeit erfolgt vorzugsweise durch

Aufsprühen. In einer besonderen Ausführungsform wird zusätzlich die nach oben zeigende Oberfläche mit der polymeren Mono-Guanidin-Verbindung bzw. die sie enthaltende Flüssigkeit behandelt. Dadurch kann eine Fasermatte bzw. Faserplatte, die an beiden Oberflächen behandelt wurde, erhalten werden.

In einer weiteren Ausführungsform, vorzugsweise in einem kontinuierlichen

Verfahren zur Herstellung von Faserplatten, werden beide Oberflächen der

Fasermatte mit der polymeren Mono-Guanidin-Verbindung behandelt, wobei die

Unterseite zuerst behandelt wird. Hierbei kann die Behandlungszeit der Unterseite 1 - - bis 40 Sekunden, vorzugsweise 2 bis 30 Sekunden und insbesondere 2 bis 20 vor der Behandlung der Oberseite der Fasermatte erfolgen.

Die Behandlung erfolgt vorteilhafterweise während oder nach der üblichen

Fasermattenstreuung und/oder Fasermattenformung. Vorzugsweise erfolgt die Behandlung nach der Fasermattenformung und/oder kurz vor dem Verpressen der Fasermatte zu einer Faserplatte.

Die Einwirkzeit bzw. die Zeit zwischen dem Behandeln mit der polymeren Mono- Guanidin-Verbindung in Schritt b) und dem Verpressen in Schritt cj kann

grundsätzlich variiert werden. In einer Ausführungsform beträgt die Zeit zwischen dem Behandeln mit der polymeren Mono-Guanidin-Verbindung in Schritt b) und dem Verpressen in Schritt c) mindestens 1, 2, 5, 10 oder 15 Sekunden. Die Obergrenze für die Zeit zwischen dem Behandeln mit der polymeren Mono-Guanidin-Verbindung in Schritt b) und dem Verpressen in Schritt c) kann 5 Minuten, 2 Minuten, 40 Sekunden, 30 Sekunden oder 20 Sekunden betragen, wobei die genannten Unter- und

Obergrenzen miteinander kombiniert werden können. Vorzugsweise beträgt die Zeit zwischen dem Behandeln mit der polymeren Mono-Guanidin-Verbindung in Schritt b) und dem Verpressen in Schritt c) 1 bis 40 Sekunden, besonders vorzugsweise 2 bis 30 Sekunden und insbesondere bevorzugt 2 bis 20 Sekunden.

Ferner ist im erfindungsgemäßen Verfahren vorgesehen, dass in Schritt c) die aus Schritt b) erhaltene, oberflächenbehandelte Fasermatte zu einer Faserplatte verpresst wird.

Grundsätzlich sind dem Fachmann verschiedene Methoden bekannt, beleimte lignocellulosehaltige Fasern zu einer Faserplatte zu verpressen. Vorzugsweise handelt es sich bei Schritt c) um eine Heißverpressung. Geeignete Temperaturen für das Verpressen in Schritt c) des erfindungsgemäßen Verfahrens oder einer seiner

Ausführungsformen sind Temperaturen von 150 °C bis 250 °C, bevorzugt von 160 °C bis 240 °C, insbesondere bevorzugt von 180 °C bis 230 °C. Bei Temperaturen in diesen - -

Bereichen kann das Verfahren besonders wirtschaftlich durchgeführt werden.

Optimale Ergebnisse können erzielt werden, wenn das Verpressen bei einer

Presstemperatur von mindestens etwa 150 °C durchgeführt wird. Der Pressfaktor beim Heißpressen beträgt vorzugsweise 2 bis 15 s/mm, bevorzugt 2 bis 12 s/mm und insbesondere bevorzugt 4 bis 12 s/mm. Unter Pressfaktor wird hier insbesondere die Verweilzeit der lignocellulosehaltigen Faserplatte in Sekunden je Millimeter Dicke oder Stärke der fertigen gepressten lignocellulosehaltigen

Faserplatte in der Presse verstanden.

Aus ökonomischen und verfahrenstechnischen Gründen hat es sich als vorteilhaft erwiesen, wenn beim Verpressen ein spezifischer Pressdruck (aktiver Druck auf der Plattenoberfläche) von 50 bis 300 N/cm 2 , verwendet wird. Derartige Drücke stellen eine besonders gute Verklebung der lignocellulosehaltigen Fasern miteinander sicher. Zudem kann mit einem solchen Pressdruck eine hohe Festigkeit der

lignocellulosehaltigen Faserplatte erreicht werden.

Die Erfindung stellt zudem Faserplatten bereit, die nach dem oben beschriebenen Verfahren erhältlich sind.

Ein weiterer Gegenstand der Erfindung ist ein Dach- oder Wandbauteil, insbesondere ein solches für den Hausbau. Dieses Dach- oder Wandbauteil enthält oder besteht aus mindestens einer erfindungsgemäßen Faserplatte. In dieser Faserplatte ist die mindestens eine polymere Mono-Guanidin-Verbindung vorzugsweise im Bereich der Oberfläche konzentriert, die, bezogen auf den Hausbau, nach Innen zeigt. Die

Faserplatte ist also innerhalb des Dach- oder Wandbauteils vorzugsweise so orientiert, dass die bezogen auf den Hausbau innenliegende Oberfläche zu dem

Bereich gehört, in dem die mindestens eine polymere Mono-Guanidin-Verbindung konzentriert ist. - -

Die Faserplatte kann beispielsweise nach dem erfindungsgemäßen Verfahren oder einer seiner Ausführungsformen hergestellt worden sein. Vorzugsweise handelt es sich bei der Faserplatte um eine DHF-Platte mit zwei unterschiedlichen Oberflächen. Vorzugsweise wurde bei dieser die, bezogen auf den Hausbau, innenliegende

Oberfläche der DHF-Platte mit einer polymeren Mono-Guanidin-Verbindung in Schritt b) behandelt.

Die polymere Mono-Guanidin-Verbindung ist, wie oben beschrieben, kompatibel mit dem Herstellungsprozess und den Faserplatten-Herstellungsbedingungen. Sie scheint insbesondere keine Reaktionen mit Komponenten der Faserplatte einzugehen, die zu einer unerwünschten Verfärbung des Produkts führen könnten. Durch den Einsatz der polymeren Mono-Guanidin-Verbindung werden also unerwünschte Verfärbungen des Produktes weitestgehend vermieden. Somit kann erfindungsgemäß ein Produkt mit einer gleichmäßigen Färbung der

Oberfläche erhalten werden. Werden nicht beide Oberflächen der Faserplatte bzw. des Dach- oder Wandbauteils behandelt, kann zur Unterscheidung der behandelten von der nicht-behandelten Oberfläche der Faserplatte bzw. des Dach- oder Wandbaüteils, eine der Seiten, insbesondere die behandelte Oberfläche, markiert werden. Die erfindungsgemäßen Faserplatten oder Dach- oder Wandbauteile können also eine solche Markierung enthalten.

Die Erfindung betrifft ferner auch allgemein die Verwendung einer polymeren Mono- Guanidin-Verbindung bei der Faserplattenherstellung zur Erhöhung der Beständigkeit der Faserplatte gegen Pilzbefall. Für die erfindungsgemäße Verwendung gelten die obigen Ausführungen zu der erfindungsgemäßen Faserplatte und zum

erfindungsgemäßen Verfahren entsprechend.

Polymere Mono-Guanidin-Verbindungen waren bislang nicht als Biozid in der

Faserplattenherstellung bekannt. Ihre Verwendungsmöglichkeit in der

Faserplattenherstellung war für den Fachmann überraschend. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund, dass Holz bzw. Faserplatten von einem anderen Spektrum von Mikroorganismen, insbesondere Pilzen, befallen werden, wohingegen die polymeren Mono-Guanidin-Verbindungen in ihrer bisherigen Verwendung vornehmlich gegenüber Bakterien eingesetzt wurden.

Wenn hier oder an anderer Stelle von„Pilz" oder„Pilzbefall" die Rede ist, dann ist mit „Pilz" die breite Definition für das Reich der„Fungi" aus der biologischen Taxonomie gemeint. Dies schließt neben Einzellern wie Bäckerhefe auch Vielzeller wie

Schimmelpilze oder Ständerpilze mit ein. Unter„Pilz" sind hier vor allem auch holzzerstörende und/oder holzverfärbende Pilze bzw. der Befall durch diese gemeint. Diese holzzerstörenden und/oder holzverfärbenden Pilze schädigen das Holz typischerweise durch beispielsweise Braunfäule, Weißfäule, Moderfäule, Schimmel, Bläue oder Rotstreifigkeit. Gemäß einer Ausführungsform handelt es sich bei den Pilzen um Schimmelpilze und/oder Bläuepilze. Die Pilze können weiterhin ausgewählt sein aus den Basomyceten, Ascomyceten und Deutomyceten. Unter„Erhöhung der Beständigkeit" wie hier verwendet, ist eine Verringerung des Pilzbefalls im Vergleich zu einer nicht-biozid, fungizid und/oder fungistatisch wirkende Referenz gemeint. Diese Beständigkeit der Faserplatten gegenüber Pilzbefall kann beispielsweise in Anlehnung an die Norm EN ISO 846:1997„Bestimmung der Einwirkung von

Mikroorganismen auf Kunststoffe" wie in den Ausführungsbeispielen beschrieben ermittelt werden.

Die Erfindung sieht insbesondere auch die Verwendung einer polymeren Mono- Guanidin-Verbindung bei der Oberflächenbehandlung einer Fasermatte in der

Faserplattenherstellung zur Erhöhung der Beständigkeit der Faserplatte gegen Pilzbefall, insbesondere die Verwendung in dem oben beschriebenen

erfindungsgemäßen Verfahren, vor. Besonders gute Ergebnisse stellen sich ein, wenn PHMG, ein Salz davon oder eine Mischung hiervon verwendet wird. Besondere Ausführungsformen der Erfindung werden nachfolgend an Hand von Figuren beispielhaft erläutert. Eine durch das erfindungsgemäße Verfahren - 3 - erhältliche Faserplatte ist beispielsweise in Figur 1 dargestellt. Ausführungsformen des erfindungsgemäßen Verfahrens sind schematisch in den Figuren 2a und 2b dargestellt. Figur 1 zeigt eine Faserplatte 1, die nach dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellt wurde. Die Faserplatte 1 weist zwei Hauptseiten 2 und 3 auf, wobei eine die Oberseite 2 und die andere die Unterseite 3 der

Faserplatte 1 bildet, die jeweils mit einer polymeren Mono-Guanidin- Verbindung in Schritt b) des erfindungsgemäßen Verfahrens behandelt wurden. Die Bereiche 2' und 3' skizzieren die oberflächlichen Schichten der beiden Hauptseiten, deren Beständigkeit gegenüber Pilzbefall durch die Behandlung mit der polymeren Mono-Guanidin-Verbindung erhöht wurde. In diesen Bereichen 2' und 3' ist die mindestens eine polymere Mono-Guanidin-Verbindung konzentriert. Der Kern der Faserplatte bleibt frei von der polymeren Mono-Guanidin-Verbindung. Die verbleibenden Flächen 4 stellen die Kanten der Faserplatte 1 dar.

Figur 2a zeigt schematisch die Herstellung einer Faserplatte 1' nach einer

Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens, bei der eine der beiden Hauptseiten mit einer polymeren Mono-Guanidin-Verbindung in

Schritt b) behandelt wird. Auf eine Fasermatte 5, die im Wesentlichen aus mit Bindemitteln beleimten lignocellulosehaltige Fasern besteht, wird eine Flüssigkeit 6 enthaltend eine polymere Mono-Guanidin- Verbindung von oben aufgesprüht. Danach wird die behandelte

Fasermatte 5 in einer Heißpresse 7 unter Einwirkung von erhöhtem

Druck und erhöhter Temperatur zu der Faserplatte 1' verpresst. Bei der Faserplatte 1', die im Anschluss an Heißpresse 7 dargestellt ist, ist die Oberseite 2 und die behandelte Deckschicht 2', die mit der polymeren Mono-Guanidin-Verbindung behandelt wurden, nach oben orientiert dargestellt. In dem Bereich 2' ist mindestens eine polymere Mono-

Guanidin-Verbindung konzentriert. - -

Figur 2b zeigt schematisch die Herstellung einer Faserplatte 1" nach einer

Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens, bei der beide Hauptseiten, d.h. die Oberseite 2 und die Unterseite 3, mit einer polymeren Mono-Guanidin-Verbindung in Schritt b) behandelt wurden. Eine Flüssigkeit 6 enthaltend eine polymere Mono-Guanidin- Verbindung wird durch Aufsprühen auf einem Formband 8 vorgelegt. Danach wird auf dieser vorgelegten Flüssigkeit 6 eine Fasermatte 5, die im Wesentlichen aus mit Bindemitteln beleimte lignocellulosehaltige Fasern besteht, bereitgestellt. Anschließend wird die Flüssigkeit 6 auf die nach oben zeigende Oberfläche der Fasermatte 5 von oben aufgesprüht. Zuletzt wird die von beiden Hauptseiten behandelte Fasermatte 5 in einer Heißpresse 7 unter Einwirkung von erhöhtem Druck und erhöhter Temperatur zu der Faserplatte 1" verpresst. Bei der Faserplatte 1", die im Anschluss an die Heißpresse 7 dargestellt ist, ist die Oberseite 2 (bzw. die Deckschicht 2"), die mit der polymeren Mono- Guanidin-Verbindung behandelt wurde, nach oben und die Unterseite 3 [bzw. die Deckschicht 3") nach unten orientiert dargestellt. In dem Bereich 2" und 3" ist mindestens eine polymere Mono-Guanidin- Verbindung konzentriert.

Nachfolgend wird die Erfindung beispielhaft anhand von Ausführungsbeispielen näher beschrieben.

Beisp iel 1 : H erstellung von Faserplatten

In diesem Beispiel wurde eine Referenzplatte nach einem in der Holzindustrie gebräuchlichem MDF- Verfahren hergestellt. Die Versuchsplatten 1 und 2 wurden gemäß einer Ausführungsform der Erfindung, d.h. mit Behandlung beider Oberflächen der Fasermatte mit einer polymeren Mono-Guanidin-Verbindung, hergestellt. - -

1. Technische Parameter für die Referenzplatte 1 und Versuchsplatte 1:

Bindemittel: emulgierbare PMDI (eMDI) Type (IBOND MDF EN 4330 /Fa. Huntsman) 3 % Paraffinemulsion (w/w) - Type Pro A18 (Sasol)

Rohstoff: Fasermaterial als Nadelholz (Kiefer- und Fichtenholz)

Plattendicke: 8 mm

Plattendichte: 600 kg/m 3

Presstemperatur: 200 °C

Pressfaktor: 10 sec/mm 2. Herstellung der Referenzplatte:

Die Referenzplatte wurde in zweifacher Ausführung nach dem in der Holzindustrie gebräuchlichen MDF- Verfahren hergestellt. Die Referenzplatte wurde ohne

Behandlung mit PHMG hergestellt. 3. Herstellung der Versuchsplatten 1 und 2:

Die Versuchsplatten 1 und 2 wurden in zweifacher Ausführung nach einer

Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens hergestellt. Dadurch wurden Faserplatten erhalten, deren beide Hauptseiten bei der Herstellung mit PHMG behandelt worden waren.

Bei der Herstellung der Versuchsplatten 1 und 2 wurden die beleimten Fasermatten im Rahmen der Fasermattenformgebung und kurz vor Presseneintritt zusätzlich mit PHMG (25-%ige Lösung von PHMG*HC1 in Wasser) oberflächenbehandelt. Die Oberflächenbehandlung erfolgte in der unten angegebenen Reihenfolge:

- -

1. ) Vorlegen des PHMG auf dem Formband durch Aufsprühen der PHMG-Lösung,

2. ) Faserstreuung auf das behandelte Formband und Fasermattenformung,

3. ) Aufsprühen der PHMG-Lösung auf die nach oben zeigende Oberfläche der

Fasermatte,

4. ) Heißverpressen zu einer Faserplatte.

Die Menge des PHMG in Schritt 1) und 3) betrug für die Versuchsplatte 1 je Oberfläche 48 g/m 2 und für die Versuchsplatte 2 je Oberfläche 24 g/m 2

3. Zusammensetzung der Referenzplatte und der Versuchsplatten:

Die Zusammensetzung der Referenzplatte und der Versuchsplatten ist in Tabelle 1 zusammengefasst. Tab. 1 Zusammensetzung der Faserplatten

Anschließend wurden Quellung nach EN 317 und Zugfestigkeit nach EN 319 d

Referenzplatte und der Versuchsplatten 1 und 2 bestimmt.

Ouellprüfung nach EN 317 (Mittelwert aus 5 Einzelprüfungen)

Referenzplatte: 10,1 %

Versuchsplatte 1: 11,0 %

Versuchsplatte 2: 10,1 % - -

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Behandlung mit PHMG nicht negativ auf die Quellung auswirkte. Die Versuchsplatte 2 zeigte die gleiche Quellung wie die

Referenzplatte. Die Versuchsplatte 1 zeigte nur eine geringe Erhöhung der Quellung. Zugfestigkeit nach EN 319 fQuerzugsfestigkeit; Mittelwert aus 5 Einzelprüfungen) Referenzplatte: 0,42 N/m 2

Versuchsplatte 1: 0,49 N/m 2

Versuchsplatte 2: 0,48 N/m 2 Die Ergebnisse zeigen, dass die guten mechanischen Eigenschaften trotz der zusätzlichen Behandlung mit PHMG beibehalten wurden. Die Versuchsplatten 1 und 2 zeigten sogar eine leicht höhere Festigkeit, als die Referenzplatte. Insbesondere zeigte die Versuchsplatte 2 annähernd die gleichen mechanischen Eigenschaften wie die Versuchsplatte 1. Dies war überraschend, da die Versuchsplatte 1 eine leicht höhere Quellung aufwies, weshalb der Fachmann eine Abnahme der Zugfestigkeit erwartet hätte.

Beim Vergleich der Farbe der Referenzplatte und der Versuchsplatten 1 und 2 wurde festgestellt, dass die Versuchsplatten 1 und 2 keine Verfärbungen im Vergleich zur Referenzplatte aufwiesen.

Beispiel 2 : Bestimmung der Beständigkeit gegenüber Pilzbefall

Die Beständigkeit der Faserplatten aus Beispiel 1 gegenüber Pilzbefall wurde in Anlehnung an die Norm EN ISO 846:1997„Bestimmung der Einwirkung von

Mikroorganismen auf Kunststoffe" ermittelt.

Zur Prüfung der Beständigkeit gegenüber Pilzbefall wurden Testkörper der

Referenzplatte und der Versuchsplatte 1 aus Beispiel 1 über 4 Wochen mit einem Testorganismus auf unterschiedlichen Nährmedien (siehe Punkt 3, Versuche A, B und B')bebrütet. Nach Ende der Bebrütungszeit wurde der Bewuchs der Prüfkörper visuell - - beurteilt, um das Pilzwachstum (Versuch A) oder die fungistatische Wirksamkeit (Versuch B, B') zu bestimmen (siehe Punkt 4, Auswertung).

1. Geräte und Prüfmittel:

Prüfkörper: Nach einwöchiger Klimatisierung (20 °C, 65% RH) der

Referenzplatte und der Versuchsplatte 1 aus Beispiel 1 wurden neun Prüfkörper in der Dimension 5x5x0,8 cm herausgeschnitten. Testorganismus: Penicillum sp.

Stammmineralsalzlösung: 2 g NaN03

0,7 g KH 2 PO 4

0,5 g KCl

0,5 g MgS0 4 7H 2 0

in 1000 ml Leitungswasser gelöst (pH Wert 6 - 6,5)

Zu 1 L Stammmineralsalzlösung wurden ca. 0,1 g Tween 80 zugegeben, die Lösung wurde anschließend sterilisiert.

2. Kultivierung der Stammkultur und -lösungen:

Der Testorganismus wurde zunächst auf Malzextraktagarplatten vorkultiviert.

Nachdem die Agaroberflächen vollständig bewachsen waren, wurden die Pilzsporen mittels der Mineralsalzlösung unter Zuhilfenahme eines Drigalskispatels abgeerntet.

Auf die Oberfläche einer vollständig mit Luftmycel bewachsenen Nähragarplatte wurden 5 ml (in 4 Wiederholungen) dieser Lösung pipettiert. Insgesamt wurden 4 Platten eingesetzt. Die Lösungen wurden gepoolt. - -

Diese Lösung wurde anschließend durch ein Extraktionsröhrchen mit Watte (steril) filtriert. Die Keimzahl wurde mit der Thomakammer bestimmt. Als Endkeimzahl ergab sich eine CFU von 4 x 10 7 / ml. Diese Lösung wurde mit Mineralsalzlösung auf eine Dichte von 10 6 CFU/ml verdünnt und so die Sporensuspension für die Versuche erhalten.

Es wurden 200 μΐ dieser Sporensuspension für die Versuche A, B und B' eingesetzt. 3. Bestimmung der Widerstandsfähigkeit der Testkörper gegenüber Pilzen

3.1. Herstellung der Nährmedien für die Versuch A, B und B'

3.1.1. Unvollständiges Agar-Nährmedium für Versuch A:

Zu der Stammmineralsalzlösung wurde so viel Agar hinzugefügt, das eine Agar- Konzentration von 20 g/1 erhalten wurde. Dann wurden Gläser mit einem Volumen von 750 ml mit 150 ml Agar befüllt und mit einem Deckel, welcher mittig mit einem Wattepfropfen versehen wurde, verschlossen und dampfsterilisiert.

3.1.2. Vollständiges Agar-Nährmedium für Versuche B und B':

Zur Herstellung des vollständigen Agars wurde der unvollständige Agar aus Punkt 3.1.1. mit Glucose versehen, sodass eine Glucosekonzentration von 30 g/1 erhalten wurde. Dann wurden Gläser mit einem Volumen von 750 ml mit 150 ml Agar befüllt und mit einem Deckel, welcher mittig mit einem Wattepfropfen versehen wurde, verschlossen und dampfsterilisiert.

3.2 Beschreibung und Durchführung des Versuchs A: Pilz-Wachstumstest

In Versuch A wurden die Testkörper auf den unvollständigen Agar (siehe Punkt 3.1.1.), der zuvor mit einer Sporensuspension des Testorganismus beimpft wurde, aufgebracht. Enthält der Testkörper keine für die Pilze verwertbaren Bestandteile, können die Pilze kein Myzel entwickeln und den Prüfkörper bewachsen bzw. durch ihre Stoffwechselprodukte die Testkörper angreifen. Versuch A ist geeignet, die - - prinzipielle Resistenz der Testkörper gegen Pilzbefall bei Abwesenheit organischer Verunreinigungen zu beurteilen.

Durchführung:

Es wurden je drei Prüfkörper der Referenzplatte und der Versuchsplatte 1 aus

Beispiel 1 eingesetzt. Hierzu wurde der unvollständige Agar aus Punkt 3.1.1. mit 200 μΐ der Sporensuspension aus Punkt 2. beimpft. Der jeweilige Testkörper wurde unmittelbar auf den Agar aufgebracht und bei 24 °C/ 90% RH für 4 Wochen bebrütet. 3.3 Beschreibung und Durchführung der Versuche B und B': Fungistatische

Wirksamkeit

In den Versuchen B und B' wurden die Testkörper auf dem vollständigen Agar (siehe Punkt 3.1.2.), der zuvor mit einer Sporensuspension des Testorganismus beimpft wurde, aufgebracht. Versuche B und B' sind geeignet, die prinzipielle fungistatische Wirkung oder Eigenschaft der Testkörper gegen Pilzbefall bei Anwesenheit organischer Verunreinigungen zu beurteilen. Selbst wenn die Testkörper keinen Nährstoff enthalten, können die Pilze die Testkörper überwachsen und durch ihre Stoffwechselprodukte die Testkörper angreifen. Eine Wachstumshemmung auf dem Testkörper oder auf dem Nährboden (Hemmzone) zeigt eine fungizide oder fungistatische Aktivität oder Ausrüstung des Testkörpers an.

Durchführung:

Es wurden jeweils drei Prüfkörper der Referenzplatte und der Versuchsplatte 1 aus Beispiel 1 in den Versuchen B und Versuch B' eingesetzt. Hierzu wurde der

vollständige Agar aus Punkt 3.1.2. mit 200 μΐ der Sporensuspension aus Punkt 2.

beimpft.

In Versuch B wurde der jeweilige Testkörper unmittelbar auf den vollständigen Agar aufgebracht und bei 24 °C/ 90% RH für 4 Wochen bebrütet. - -

In Versuch B' wurde der vollständige Agar zunächst so lange bebrütet, bis seine Oberfläche vollständig mit dem Testorganismus bewachsen war. Danach wurde der jeweilige Testkörper auf den vollständigen Agar aufgebracht und bei 24 °C/ 90% RH für 4 Wochen bebrütet.

4. Auswertung der Versuche A. B und B':

Die Auswertung der bebrüteten Prüfkörper aus Versuchen A, B und B' erfolgte visuell. Die Ergebnisse sind in Tabelle 2 zusammengefasst.

- .

Tab. 2 Übersicht der Auswertung der Versuche A, B und B'. Bewuchs der

Oberfläche stark (++); mittel (+), wobei die Hauptseiten und die Kanten bewachsen waren; mittel (+/-), wobei nur die Kanten bewachsen waren; kein Bewuchs (-).

Jeder der in Tablle 2 angegebenen Werte stellt einen Mittelwert aus 3 unabhängigen, von 3 verschiedenen Personen durchgeführten visuellen Beurteilungen dar.

Bei den Prüfkörpern der Referenzplatte ergab sich vorwiegend ein starker bis mittlerer Pilzbewuchs. Bei den Prüfkörpern, die mit„mittel" bewertet wurden, estreckte sich der Pilzbewuchs auf die Fläche der nach oben zeigenden Hauptseite sowie auf die Kanten des jeweiligen Prüfkörpers.

Bei den Prüfkörpern der Versuchplatte ergab sich in allen Versuchen hauptsächlich kein bis mittlerer Pilzbewuchs. Bei dem Prüfkörper, der mit„mittel" bewertet wurde, estreckte sich der Pilzbewuchs nur auf die Kanten des jeweiligen Prüfkörpers. Die Fläche der nach oben zeigenden Hauptseite, die mit PHMG behandelt worden war, war nicht bewachsen.

Vergleicht man die Referenzplatte mit der Versuchsplatte 1 ist durch die

Oberflächenbehandlung mit PHMG bereits eine deutliche Reduktion des

Pilzbewuchses feststellbar.