CRAMER, Janina (Lindenstraße 28, Hilden, 40723, DE)
| Patentansprüche 1. Verfahren zur Reinigung von Biomo lekülen oder zur Analyse, ob eine wässrige Phase Biomo leküle enthält, wobei aus einer wässrigen Phase, die magnetische Partikel und gegebenenfalls Biomoleküle enthält, die Partikel mit einem magnetischen Stab abgetrennt werden, dadurch gekennzeichnet, dass die wässrige Phase mit einer organischen Phase über- schichtet ist, und dass der magnetische Stab bei dem Abtrennen der Partikel aus der wässrigen Phase durch die organische Phase geführt wird. 2. Verfahren nach Anspruch 1, wobei die Biomo leküle beim Abtrennen der magnetischen Partikel mit dem magnetischen Stab nicht an die magnetischen Partikel gebun- den sind und in der wässrigen Phase verbleiben. 3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, wobei in einem vorhergehenden Schritt aus einer ersten wässrigen Phase die Biomo leküle gebunden an die magnetischen Partikel mit dem magnetischen Stab abgetrennt wurden. 4. Verfahren nach Anspruch 1, wobei die Biomo leküle bei der Abtrennung der magnetischen Partikel an die magnetischen Partikel gebunden sind und mit den magnetischen Partikeln aus der wässrigen Phase abgetrennt werden. 5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die Biomoleküle Nukleinsäuren, Proteine oder Zucker sind oder enthalten. 6. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die wässrige Phase ein Zell-, Bakterien- oder Gewebelysat, eine Körperflüssigkeit, ein in vitro Reaktionsan- satz oder eine Fraktion einer dieser Lösungen, oder ein Eluat ist. 7. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die organische Phase Kohlenwasserstoffe und/oder Silikonöl enthält. 8. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die magnetischen Partikel Silica-Partikel sind. 9. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die organische Phase die wässrige Phase vollständig überschichtet. 10. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei nach der Zugabe der magnetischen Partikel zu der wässrigen Phase und/oder nach der Überschichtung der wässrigen Phase mit der organischen Phase und vor der Abtrennung der Partikel mit dem magnetischen Stab keine chemische, insbesondere keine enzymatische, Reaktion durchgeführt wird. 11. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei das Verfahren automatisiert durchgeführt wird. 12. Verfahren zur Reinigung von Biomo lekülen aus einer wässrigen Phase oder zur Analyse, ob eine wässrige Phase Biomoleküle enthält, umfassend die Schritte: (a) Bereitstellen einer ersten wässrigen Phase, die gegebenenfalls Biomoleküle enthält, in einem ersten Reaktionsgefäß, (b) Zugabe magnetischer Partikel, (c) Abtrennen der magnetischen Partikel mit daran gebundenen Biomo lekülen aus der ersten wässrigen Phase mit einem magnetischen Stab, (d) Überführen der magnetischen Partikel mit den daran gebundenen Biomolekülen in ein zweites Reaktionsgefäß, (e) Elution der Biomo leküle von den magnetischen Partikeln in dem zweiten Reaktionsgefäß in eine zweite wässrige Phase, (f) Abtrennen der magnetischen Partikel mit dem magnetischen Stab aus dem zweiten Reaktionsgefäß, wobei die Biomoleküle in der wässrigen Phase verbleiben, dadurch gekennzeichnet, dass vor Schritt (c) die erste wässrige Phase mit einer organischen Phase überschichtet wird und der magnetische Stab bei dem Abtrennen der Partikel aus der ersten wässrigen Phase durch die organische Phase geführt wird, und/oder dass vor Schritt (f) die zweite wässrige Phase mit einer organischen Phase überschichtet wird und dass der magnetische Stab bei dem Abtrennen der Partikel aus der zweiten wässrigen Phase durch die organische Phase geführt wird. 13. Verwendung einer organischen Flüssigkeit, die nicht mit Wasser mischbar ist, zur Verbesserung der Genauigkeit eines Verfahrens, bei dem Biomo leküle, die an magnetische Partikel gebunden sind, mit einem magnetischen Stab aus einer wässrigen Phase abgetrennt werden. 14. Vorrichtung zur Reinigung von Biomo lekülen aus einer wässrigen Phase oder zur Analyse, ob eine wässrige Phase Biomoleküle enthält, umfassend mindestens ein Reaktionsgefäß, enthaltend eine wässrige Lösung, Biomoleküle und magnetische Parti- kel, wobei die wässrige Lösung mit einer organischen Phase überschichtet ist, die mit Wasser nicht mischbar ist, wobei die Vorrichtung einen magnetischen Stab aufweist. 15. Kit zur Reinigung von Biomo lekülen mit einem magnetischen Stab aus einer wässrigen Phase oder zur Analyse, ob eine wässrige Phase Biomo leküle enthält, umfassend eine wässrige Lösung, Biomoleküle, magnetische Partikel und eine organischen Flüssigkeit, die nicht mit Wasser mischbar ist. |
Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren zur Reinigung von Biomo lekülen oder zur Analyse, ob eine wässrige Phase Biomo leküle enthält, wobei aus einer wässrigen Phase, die magnetische Partikel und gegebenenfalls Biomo leküle enthält, die Partikel mit einem magnetischen Stab abgetrennt werden, dadurch gekennzeichnet, dass die wässrige Phase mit einer organischen Phase überschichtet ist, und dass der magnetische Stab bei dem Abtrennen der Partikel aus der wässrigen Phase durch die organische Phase geführt wird. Die Erfindung betrifft auch Verwendungen, Vorrichtungen und Kits, die das erfindungsgemäße Verfahren betreffen.
Nach dem Stand der Technik sind biochemische Reinigungsverfahren bekannt, bei denen Biomo leküle an magnetische Partikel binden. Es werden verschiedene Methoden eingesetzt, um anschließend die magnetischen Partikel mit den daran gebundenen Biomo lekülen aus der wässrigen Lösung abzutrennen.
Von der Firma Promega wird ein Reinigungssystem zur Isolierung von DNA aus PCR- Ansätzen unter der Markenbezeichnung "Wizard MagneSil PCR-Clean up System" angeboten. Dabei werden magnetische Partikel zu einem PCR-Ansatz gegeben. Die magnetischen Partikel werden mit einem Magneten, der das Probengefäß von außen kontaktiert, an einer Gefäßseite fixiert. Der wässrige Überstand wird abgetrennt, wobei die Partikel in dem Gefäß verbleiben. Anschließend werden Waschschritte durchgeführt und die DNA in demselben Probengefäß von den Partikeln eluiert.
Auf dem gleichen Prinzip beruht ein Reinigungssystem für DNA aus PCR- Ansätzen, das von Macherey-Nagel unter der Markenbezeichnung "NucleoMag 96 PCR" angeboten wird. Auch hier werden die magnetischen Beads an eine Gefäßwand gebunden, während der Überstand mit einer Pipette abgetrennt wird. Ein weiteres Verfahren zur Isolierung von Nukleinsäuren aus biologischen Proben unter Verwendung magnetischer Teilchen wird bei einem Verfahren eingesetzt, das in einem Kit, beispielsweise einem QIAsymphony virus/bacteria Kit oder einem QIAsymphony DNA oder RNA Kit etc., von der Firma QIAGEN angeboten wird. Dabei wird eine biolo- gische Probe, die Nukleinsäuren enthält, mit magnetischen Partikeln versetzt, die Nukleinsäure binden. Die Partikel werden anschließend mit einem magnetischen Stab abgetrennt. Der magnetische Stab wird dabei in das Probengefäß getaucht und auf und ab bewegt, um die Partikel vollständig zu binden. Danach wird der Stab mit den daran gebundenen Partikeln und der daran gebundenen Nukleinsäure aus dem Probengefäß gezogen und in ein zweites Probengefäß überführt. In dem zweiten Reaktionsgefäß erfolgt die Elution der Nukleinsäure mit geeigneten wässrigen Lösungen. Anschließend wird der magnetische Stab aus dem Eluat entfernt.
Bei dem bekannten Verfahren der Abtrennung der magnetischen Partikel und der daran gebundenen Biomo leküle mit einem magnetischen Stab besteht das Problem, dass der magnetische Stab in unerwünschter Weise die wässrige Lösung verschleppt. So wird mit dem Stab ein unregelmäßiger Anteil der wässrigen Phase abgetrennt, der den Stab und die daran gebundenen Partikel benetzt. Diese Verschleppung eines Anteils der wässrigen Lösung mit den Beads und dem Magnetstab beruht im Wesentlichen auf physikalischen Phä- nomenen. Bei der Abtrennung des magnetischen Stabs sammelt sich wässrige Lösung an dem Magnetstab an, bis ein unregelmäßiger Abriss eines Tropfens erfolgt. Weitere Unge- nauigkeiten können entstehen, wenn je nach Applikation die Partikel vor der Elution einige Minuten an der Luft getrocknet werden.
Problematisch ist vor allem, dass die Menge der überführten wässrigen Phase unregelmäßig ist. Auf diese Weise werden gleichzeitig unregelmäßige Mengen von weiteren, unerwünschten Bestandteilen aus einer wässrigen Phase abgetrennt. Bei der Elution der zu isolierenden Biomo leküle und der anschließenden Analyse kann das Ergebnis dadurch nicht nur quantitativ sondern auch qualitativ verändert werden. Auch Folgereaktionen oder dia- gnostische Ergebnisse können verändert und verfälscht werden. Gerade bei sensitiven Applikationen, wie beispielsweise dem Nachweis von Viren und Pathogenen, können die beschriebenen Ungenauigkeiten dazu führen, dass solche Verfahren mit einem magnetischen Stab Schwankungen und Einbußen in der Sensitivität nach sich ziehen. Dies betrifft insbe- sondere Verfahren bei denen zur möglichst hohen Konzentrierung der Biomo leküle geringe Elutionsvolumen gewählt werden.
Insbesondere bei der Verwendung von Proben mit einer hohen Konzentration von Verun- reinigungen, beispielsweise bei Zelllysaten, besteht die Gefahr, dass sich unerwünschte Bestandteile, wie Zellwände, Nukleinsäuren oder Proteine, unspezifisch an die magnetischen Beads anlagern/anhaften bzw. daran binden und in unerwünschter Weise transferiert bzw. verschleppt werden.
Das Problem der Verschleppung eines Teils der wässrigen Lösung stellt sich insbesondere bei der Entfernung des magnetischen Stabs mit daran gebundenen magnetischen Partikeln aus Eluaten, in denen ein vorher mit den magnetischen Partikeln isoliertes Biomo lekül enthalten ist. Solche Eluate weisen oft ein relativ geringes Flüssigkeitsvolumen auf, so dass die Verschleppung eines Teils der wässrigen Phase die Konzentration des isolierten Bio- moleküls im Eluat deutlich verfälscht.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren bereitzustellen, das die beschriebenen Probleme überwindet. Die Genauigkeit der bekannten Verfahren zur Abtrennung von Biomo lekülen soll verbessert werden. Insbesondere soll bei einer Vielzahl von Proben eine hohe Reproduzierbarkeit erreicht werden. Erfindungsgemäße Verfahren zur Isolierung von Biomolekülen und zur Analyse, ob Biomoleküle in einer Probe enthalten sind, sollen so wenig wie möglich durch Ungenauigkeiten, beispielsweise der Flüssigkeitsvolumen, beeinträchtigt werden. Die Erfindung soll es ermöglichen, die bekannten Verfahren zu vereinfachen und effizienter durchzuführen.
Das der Erfindung zugrunde liegende Problem wird überraschenderweise gelöst durch Verfahren und Verwendungen mit den Merkmalen der Ansprüche 1 bis 15.
Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren zur Reinigung von Biomo lekülen oder zur Analyse, ob eine wässrige Phase Biomoleküle enthält, wobei aus einer wässrigen Phase, die magnetische Partikel und gegebenenfalls Biomo leküle enthält, die Partikel mit einem magnetischen Stab abgetrennt werden, wobei die wässrige Phase mit einer organischen Phase überschichtet ist, und der magnetische Stab bei dem Abtrennen der Partikel aus der wässrigen Phase durch die organische Phase geführt wird.
In einer Ausführungsform der Erfindung sind die Biomo leküle bei Abtrennung der magne- tischen Partikel mit dem magnetischen Stab nicht an die magnetischen Partikel gebunden und verbleiben in der wässrigen Phase. Bei dieser Ausführungsform wurden die Biomoleküle bevorzugt in einem vorhergehenden Schritt gebunden an die magnetischen Partikel mit dem magnetischen Stab aus einer ersten wässrigen Phase abgetrennt. Die Biomo leküle wurden dann in die zweite wässrige Phase überführt, in der sie von den magnetischen Par- tikeln getrennt (eluiert) werden. Diese (zweite) wässrige Phase, die mit der Ölphase überschichtet ist oder wird, ist somit ein Eluat.
In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung sind die Biomo leküle bei der Abtrennung der magnetischen Partikel an die magnetischen Partikel gebunden und werden mit den magnetischen Partikeln aus der wässrigen Phase abgetrennt. Bei dieser Ausführungsform ist die wässrige Phase bevorzugt ein Lysat oder ein Reaktionsansatz, aus dem ein freigesetztes Biomolekül oder ein Reaktionsprodukt abgetrennt werden soll.
Das erfindungsgemäße Verfahren kann sowohl zur Isolierung von Biomo lekülen als auch zur Analyse, ob eine Probe Biomoleküle aufweist, eingesetzt werden. Häufig ist bei biochemischen Verfahren, insbesondere Diagnostikverfahren, anfangs nicht bekannt, ob eine Probe das gesuchte Biomo lekül enthält oder nicht. Erfindungsgemäß werden auch Verfahren, bei denen das (auf-) zu reinigende Biomolekül nicht erhalten wird, als Verfahren "zur Isolierung" dieses Biomo leküls angesehen, da die anfängliche Intention bei der Durchfüh- rung des Verfahrens die Isolierung ist. Erfindungsgemäße Verfahren zur Analyse sind insbesondere diagnostische Verfahren, beispielsweise um zu ermitteln, ob eine Probe Viren, Bakterien oder sonstige Pathogene oder deren Bestandteile, oder Marker, die auf Erkrankungen hindeuten, enthält. Der Ausdruck, dass eine Probe "gegebenenfalls Biomoleküle enthält", bedeutet erfindungsgemäß, dass eine Probe "Biomo leküle enthält oder im Ver- dacht steht, Biomoleküle zu enthalten".
Der magnetische Stab wird beim Abtrennen der Partikel aus der wässrigen Phase durch die organische Phase geführt. Bei diesem Schritt sind die magnetischen Partikel, gegebenen- falls mit daran gebundenen zu isolierenden Biomolekülen, an den magnetischen Stab gebunden.
Die organische Phase verdrängt bei dem Passieren des magnetischen Stabs die wässrige Phase und verhindert so das "Verschleppen" der wässrigen Phase.
Wenn an die magnetischen Partikel Biomoleküle angelagert bzw. gebunden sind und aus der Lösung abgetrennt werden, wird durch die organische Phase verhindert, dass Verunreinigungen aus der wässrigen Phase mit den an die magnetischen Partikel gebundenen Bio- molekülen isoliert werden. Dass anstelle der wässrigen Phase ein geringer Anteil der organischen Phase mit dem Magnetstab überführt wird, stört nachfolgende Reaktionen nicht. Zum einen sammelt sich die organische Flüssigkeit nach Überführung der Partikel in eine andere wässrige Phase auf deren Oberfläche an und kann auf einfache Weise abgetrennt werden, zum anderen enthält die organische Flüssigkeit selbst üblicherweise keine stören- den Verunreinigungen. Durch das erfindungsgemäße Verfahren wird die unerwünschte Überführung von wässriger Lösung und Verunreinigungen mit dem magnetischen Stab deutlich verringert. Der Anteil der in der Ausgangslösung verbleibenden wässrigen Phase ist bei mehreren Proben sehr gleichmäßig und deutlich größer als bei herkömmlichen Verfahren. Darüber hinaus werden bei direkter Isolierung von Biomo lekülen aus Reaktionsan- sätzen und Lysaten erfindungsgemäß Eluate höherer Reinheit erhalten. Daher können mit dem erfindungsgemäßen Verfahren unter Verwendung einer organischen Phase im Gegensatz zu bekannten Verfahren zusätzlich Waschschritte eingespart werden.
Ein weiterer Vorteil des erfindungsgemäßen Verfahrens ist es, dass unmittelbar nach Ab- trennung der zu isolierenden Biomoleküle mit dem Magnetstab durch eine organische Phase keine weiteren Reaktionen zwischen diesen Molekülen und Bestandteilen einer mitgeschleppten wässrigen Phase möglich sind. Wenn, wie bei bekannten Verfahren, mit dem Magnetstab Reste einer wässrigen Phase verschleppt werden, können dagegen bis zur Elution der Biomo leküle noch Wechselwirkungen oder Reaktionen, beispielsweise zwischen zu isolierenden Nukleinsäuren und mitgeschleppten Proteinen, stattfinden, die die Ergebnisse verfälschen. Wenn magnetische Partikel mit einem magnetischen Stab aus einem Eluat abgetrennt werden, und dabei eine organische Phase passieren, wird gewährleistet, dass die Menge des Eluats nicht oder nur unwesentlich verändert wird. So werden auch keine Biomo leküle in unerwünschter Weise entfernt.
Mit "Biomoleküle" werden erfindungsgemäß Moleküle bezeichnet, die identisch oder auch ein Gemisch sein können, wie beispielsweise Nukleinsäuren, insbesondere eine DNA oder RNA Fraktion, Proteine, Zucker oder Metabolite. In bevorzugten Ausführungsformen der Erfindung sind die Biomo leküle freie oder gebundene Biopolymere, insbesondere Nuklein- säuren, die bevorzugt natürlich oder in vitro behandelt sind, oder Proteine oder Zucker. Unter Biopolymeren werden im Sinne der vorliegenden Erfindung natürlich vorkommende Makromoleküle - wie Nukleinsäuren, Proteine oder Polysaccharide - wie auch synthetisch hergestellte - wie z.B. in Fermentationsprozessen erzeugte - Polymere, die gleiche oder ähnliche Bausteine enthalten wie natürliche Makromoleküle, verstanden. Die Biomoleküle können erfindungsgemäß auch Bestandteile von Komplexen, wie Proteinkomplexen, Viren oder Nukleinsäure/Proteinkomplexen, sein, und als solche isoliert werden.
Die Nukleinsäuren sind bevorzugt natürliche, insbesondere lineare, verzweigte oder zirkuläre Nukleinsäuren, wie DNA und/oder RNA. Die DNA kann beispielsweise genomische DNA oder Plasmid-DNA sein. Die DNA kann auch ein Produkt enzymatischer Reaktionen, beispielsweise amplifizierte DNA aus einem PCR- Ansatz oder Fragmente aus einem Enzymverdau sein. Die RNA kann beispielsweise mRNA oder nichtcodierte RNA, wie z.B. miRNA, rRNA, siRNA, snRNA, snoRNA, piRNA, tRNA, hnRNA oder Ribozyme sein.
Allgemein können Biomoleküle nach bekannten Methoden an die magnetischen Partikel angelagert bzw. gebunden werden, wobei beispielsweise ionische Wechselwirkungen, Wasserstoffbrückenbindungen, hydrophile oder hydrophobe Bindungen Affinitätsbindungen oder kovalente Bindungen genutzt werden können. Zur Vereinfachung wird im Weite- ren und im Rahmen dieser Anmeldung für jegliche Art der Anlagerung oder Bindung der Begriff „Binden" verwendet. AIs wässrige Phase kann jede wässrige Lösung eingesetzt werden, die in biochemischen oder diagnostischen Verfahren und Assays eingesetzt wird und Biomo leküle enthält. Die wässrige Lösung kann beispielsweise ein Zell-, Bakterien- oder Gewebelysat, eine Körperflüssigkeit, ein in vitro Reaktionsansatz oder eine Fraktion einer dieser Lösungen sein. AIl- gemein können die wässrigen Lösungen auch durch Reinigungs- und Trennungsschritte aus den genannten Quellen erhalten werden. Geeignete wässrige Lösungen sind auch solche, in denen bekannte biochemische Reaktionen, insbesondere enzymatische Reaktionen, durchgeführt wurden. In einer bevorzugten Ausführungsform ist die wässrige Phase ein Eluat, insbesondere ein solches, das bei Zugabe einer Elutionslösung zu magnetischen Par- tikeln erhalten wird.
Als organische Phase eignen sich grundsätzlich Flüssigkeiten oder Gemische von Flüssigkeiten, die im Wesentlichen nicht mit Wasser mischbar sind und bei Zugabe zu Wasser eine obere Phase mit einer deutlichen Phasengrenze ausbilden. In bevorzugten Ausfüh- rungsformen der Erfindung enthält die organische Phase Kohlenwasserstoffe, insbesondere gesättigte Kohlenwasserstoffe, oder besteht daraus. Geeignete Kohlenwasserstoffe sind verzweigte oder unverzweigte, substituierte oder nicht substituierte, acyclische oder cycli- sche Kohlenwasserstoffe mit 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 14, 15, 16, 17, 18, 19 oder 20 Kohlenstoffatomen. Bevorzugt werden verzweigte oder unverzweigte substituierte acycli- sehe oder cyclische Kohlenwasserstoffe mit 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 14, 15 oder 16 Kohlenstoffatomen. Besonders bevorzugt werden unsubstituierte, acyclische verzweigte oder unverzweigte Kohlenwasserstoffe mit 8 9, 10, 11 oder 12 Kohlenstoffatomen, worunter n- Octan, n-Nonan, n-Decan und Mineralöle ganz besonders bevorzugt werden. Unter Mineralölen werden im Sinne der vorliegenden Erfindung die aus mineralischen Rohstoffen - wie Erdöl, Braun- und Steinkohlen, Holz oder Torf - gewonnen flüssigen Destillationsprodukte verstanden, die im wesentlichen aus Gemischen von gesättigten Kohlenwasserstoffen bestehen (vgl. Römpp, Lexikon Chemie, Thieme Verlag, Stuttgart).
Die organische Phase kann auch Silikonöl enthalten oder daraus bestehen. Siliconöle sind geeignet, da sie in hohem Maße inert gegenüber anderen Substraten sind und ein hohes Spreitungsvermögen zeigen, dass mit der die Ausbildung besonderer Eigenschaften, beispielsweise der Hydrophobie, einhergeht. Geeignete Siliconölen sind insbesondere Syntheseöle auf Basis halborganischer Polymere und Copolymere aus Silicium-Sauerstoff- Einheiten mit organischen Seitenketten. Bevorzugt sind Polymere oder Copolymere aus unverzweigten, wechselweise aus Silicium- und Sauerstoffatomen aufgebauten Ketten. Die Polymere weisen insbesondere Kettenlängen von 10 bis 1000, bevorzugt von 30 bis 500, besonders bevorzugt von 50 bis 150 Siliciumatomen auf.
Die Überschichtung von wässrigen Phasen mit organischen Phasen wurde im Stand der Technik im Bereich der Biochemie bereits beschrieben. Dabei erfolgte die Überschichtung jedoch zu unterschiedlichen Zwecken und in unterschiedlichen Verfahren als bei der vorliegenden Erfindung. Insbesondere war ein Einsatz einer organischen Phase bei Reini- gungsverfahren mit magnetischen Beads nicht bekannt. So offenbart die europäische Patentanmeldung EP 1 559 478 Al den Einsatz von Kohlenwasserstoffen als Kontaminationsbarriere. Durch das Überschichten wässriger Lösungen mit Kohlenwasserstoffen wird bei Verarbeitung von hohen Probenanzahlen, wie beim Hochdurchsatz-Screening, vermieden, dass Verunreinigungen durch Verschleppungen oder Aerosolbildungen entstehen.
Die europäische Patentanmeldung EP 1 256 627 Al betrifft die Verwendung von Kohlenwasserstoffen zur Vermeidung von Kreuzkontaminationen. Dabei wird bei dem Einsatz von Probengefäßen, die an der Bodenseite eine Auslassöffnung aufweisen, durch die Überschichtung einer Probe mit Alkanen eine gleichmäßigere und vollständigere Abtrennung der wässrigen Phase durch die Auslassöffnung erreicht.
In einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung sind die magnetischen Partikel SiIi- ca-Partikel. Diese werden nach dem Stand der Technik insbesondere zur Bindung von Nukleinsäuren eingesetzt. Magnetische Silica-Partikel zur Bindung von Nukleinsäuren sind kommerziell erhältlich und werden beispielsweise von der Firma QIAGEN in Kits der Markenbezeichnung "MagAttract" angeboten. Solche Partikel werden auch als "Teilchen" oder "Beads" bezeichnet. Erfindungsgemäß können jedoch alle bekannten magnetischen Partikel eingesetzt werden, die in der Lage sind, Biomoleküle zu binden.
Als magnetischer Stab ist erfindungsgemäß jede längliche Vorrichtung einsetzbar, die geeignet ist, bei Einführung in ein Probengefäß magnetische Partikel aus dem Probengefäß abzutrennen. Die Bindung der magnetischen Partikel an den magnetischen Stab kann an einem Magnetstabschutz erfolgen, der auf den Magnetstab aufgesetzt ist. In einer Ausführungsform der Erfindung wird der Stab durch die wässrige und die organische Phase geführt. In einer weiteren Ausführungsform wird der Stab nur durch die organische Phase geführt, ohne mit der flüssigen Phase in Kontakt zu treten. In einer weiteren Ausführungsform wird der Stab durch die organische Phase und den Grenzbereich der Phasen geführt, wobei er die flüssige Phase in der Eintauchrichtung zu nicht mehr als 2 %, 3 %, 4 %, 5%, 6 %, 10 %, 15 % oder 20% durchläuft. Es wurde beobachtet, dass die Verschleppung der wässrigen Phase verringert werden kann, wenn die flüssige Phase nicht vollständig durchlaufen wird.
Erfindungsgemäß erfolgt nach der Entfernung der magnetischen Partikel mit daran gebundenen Biomo lekülen aus der Lösung bevorzugt die weitere Aufreinigung, Analyse oder Verarbeitung nach bekannten Methoden. Diese umfassen Elution der Biomo leküle, Wasch- und Reinigungsschritte, Analyse der Art und Menge, und Durchführung weitere Reaktio- nen. Nach der Abtrennung (Elution) der Biomo leküle von den magnetischen Partikeln folgen erfindungsgemäß bevorzugt die weitere Aufreinigung, Analyse oder Verarbeitung nach bekannten Methoden. Diese umfassen Wasch- und Reinigungsschritte, Analyse der Art und Menge, und Durchführung weitere Reaktionen.
Die wässrige Phase liegt beispielsweise in einem Probengefäß vor, das ein Leervolumen von 100 μl bis 3000 μl aufweist. Besonders bevorzugt sind Leervolumen zwischen 500 μl und 1500 μl. Dies entspricht üblichen Probengefäßen, die im Labormaßstab zur Untersuchung oder Bearbeitung einer Vielzahl von Proben eingesetzt werden. Das Volumen der wässrigen Phase in der Probe liegt beispielsweise zwischen 10 μl und 1000 μl, insbesonde- re zwischen 50 μl und 750 μl.
In bevorzugten Ausführungsformen der Erfindung wird die organische Phase in einer Menge von 100 μl bis 500 μl eingesetzt. Bevorzugt wird die Menge an organischer Phase so ausgewählt, dass die wässrige Phase vollständig überschichtet ist. Bei der Verwendung üblicher Probengefäße im Labormaßstab ("Eppendorf-Cups") sind insbesondere mehr als 200μl oder mehr als 250μl geeignet. Bevorzugt ist insbesondere die Verwendung einer Menge zwischen 200 μl und 400 μl oder zwischen 250 μl und 350 μl. Die Dicke der orga- nischen Phase ist bevorzugt an der dünnsten Stelle mindestens 1 mm, 2 mm, 3 mm, 4 mm oder 5 mm.
In einer Ausfuhrungsform der Erfindung wird nach der Zugabe der magnetischen Partikel zu der wässrigen Phase und/oder der Überschichtung der wässrigen Phase mit der organischen Phase und vor der Abtrennung der Partikel mit dem magnetischen Stab keine chemische, insbesondere keine enzymatische Reaktion, wie beispielsweise eine PCR-Reaktion, durchgeführt. Dies bedeutet, dass chemische Reaktionen in diesem Zeitraum nicht initiiert werden, beispielsweise durch Zugabe von Reagenzien wie Enzymen. Es kann natürlich nicht ausgeschlossen werden, dass vor diesem Zeitraum eingeleitete Reaktionen noch in geringem Maße weiter erfolgen. Allerdings kann eine Reaktion aktiv durchgeführt werden, welche die Ablösung der Biomo leküle von den magnetischen Partikeln auslöst oder unterstützt.
In einer Ausführungsform der Erfindung wurde in der wässrigen Phase vor Durchführung des Verfahrens keine PCR-Reaktion durchgeführt und/oder das zu isolierende Biomo lekül ist kein PCR-Produkt. Bei der bekannten PCR-Reaktion erfolgt die Überschichtung von Proben mit Mineralöl, um das Verdampfen der wässrigen Lösungen bei den eingesetzten hohen Temperaturen zu verhindern. Nach der Durchführung einer PCR-Reaktion nach dem Stand der Technik wird das Amplifikat jedoch nicht mit einem Magnetstab durch das Mineralöl transferiert, sondern die wässrige Phase wird zunächst unter der organischen Phase abpipettiert und das Mineralöl verworfen.
Erfmdungsgemäß können zu der wässrigen Phase zunächst die magnetischen Partikel ge- geben werden und anschließend die Probe mit der organischen Phase überschichtet werden. Erfindungsgemäß ist es jedoch auch möglich, die wässrige Phase zunächst mit der organischen Phase zu überschichten und erst anschließend die magnetischen Partikel hinzuzufügen, beispielsweise durch pipettieren direkt in die wässrige Phase.
In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung findet nach der Überschichtung der wässrigen Phase mit der organischen Phase und/oder der Hinzufügung der magnetischen Partikel eine Reaktion, beispielsweise eine enzymatische Reaktion wie eine PCR-Reaktion, statt. Beispielsweise kann eine PCR-Reaktion unter üblichen Bedingungen durchgeführt werden, wobei der PCR- Ansatz mit einer organischen Phase überschichtet ist. Nach Ab- schluss der Reaktion werden dem PCR- Ansatz die magnetischen Partikel hinzugefügt, um die DNA zu binden. Die Partikel mit der daran gebundenen DNA werden anschließend mit dem magnetischen Stab durch die organische Phase abgetrennt. Bei dieser Ausführungs- form der Erfindung dient die organische Phase sowohl als Verdampfungsbarriere bei der PCR-Reaktion als auch zur Verbesserung der Genauigkeit der Abtrennung der DNA aus der Lösung.
In einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung wird das Verfahren automatisiert durchgeführt.
Das erfindungsgemäße Verfahren zur Reinigung von Biomo lekülen aus einer wässrigen Phase oder zur Analyse, ob eine wässrige Phase Biomo leküle enthält, umfasst insbesondere folgende Schritte: (a) Bereitstellen einer ersten wässrigen Phase, die Biomo leküle enthält, in einem ersten Reaktionsgefäß,
(b) Zugabe magnetischer Partikel,
(c) Abtrennen der magnetischen Partikel mit daran gebundenen Biomo lekülen aus der wässrigen Phase mit einem magnetischen Stab, (d) Überführen der magnetischen Partikel mit den daran gebundenen Biomolekülen in ein zweites Reaktionsgefäß,
(e) Elution der Biomo leküle von den magnetischen Partikeln in dem zweiten Reaktionsgefäß in einer zweiten wässrigen Phase,
(f) Abtrennen der magnetischen Partikel mit dem magnetischen Stab aus dem zweiten Reaktionsgefäß, wobei die Biomoleküle in der (zweiten) wässrigen
Phase verbleiben, wobei vor Schritt (c) die erste wässrige Phase mit einer organischen Phase überschichtet wird und der magnetische Stab bei dem Abtrennen der Partikel aus der ersten wässrigen Phase durch die organische Phase geführt wird, und/oder vor Schritt (f) die zweite wässrige Phase mit einer organischen Phase überschichtet wird und dass der magnetische Stab bei dem Abtrennen der Partikel aus der zweiten wässrigen Phase durch die organische Phase geführt wird. Die Verfahrensschritte werden in der Reihenfolge (a) bis (f) durchlaufen. Die Zugabe magnetischer Partikel und das Überschichten der wässrigen Phase erfolgt nach bekannten Methoden, beispielsweise mit einer Pipette. Danach kann die wässrige Phase inkubiert werden. Nach Schritt (b) wird ein magnetischer Stab in die erste wässrige Phase eingeführt. Der Stab wird bevorzugt bewegt, um eine vollständige Bindung der magnetischen Partikel zu erreichen.
Vor Schritt (c) werden in dem ersten Reaktionsgefäß Bedingungen eingestellt, unter denen die Biomoleküle an die magnetischen Partikel binden (Schritt (bl)). Die Bindung erfolgt bevorzugt selektiv. In Schritt (c) und (d) wird der Stab mit den Partikeln und den daran gebundenen Biomo lekülen abgetrennt und in ein zweites Reaktionsgefäß überführt, in dem die Elution (e) der Biomoleküle erfolgt. Zur Elution (e) werden Bedingungen eingestellt, die die Wechselwirkung zwischen den magnetischen Partikeln und den daran gebundenen Biomo lekülen beeinträchtigen. Im Falle von an Silica-Partikel gebundenen Nukleinsäuren erfolgt die Elution beispielsweise durch Veränderung der Salzkonzentration. Vor der Elution der Biomo leküle (e) können einer oder mehrere Waschschritte durchgeführt werden.
Nach dem Stand der Technik sind Verfahren mit den Schritten (a) bis (f) ohne Überschichten einer wässrigen Lösung mit organischer Phase bekannt. Ein solches Verfahren wird beispielsweise bei dem Kit verwendet, der von der Firma QIAGEN unter der Bezeichnung "QIAsymphony DNA Kit " angeboten wird. Auf das in dem zugehörigen Handbuch (Mai 2008) beschriebene Verfahren wird hier ausdrücklich Bezug genommen. In mindestens einem nachgeschalteten Schritt (g) kann beispielsweise die Analyse folgen, ob die Biomoleküle im Eluat enthalten sind. Es können auch weitere Reinigungsschritte oder Folgereak- tionen folgen.
Gegenstand der Erfindung ist auch die Verwendung einer organischen Flüssigkeit, die nicht mit Wasser mischbar ist, zur Verbesserung der Genauigkeit eines Verfahrens, bei dem Biomo leküle, die an magnetische Partikel gebunden sind, mit einem magnetischen Stab aus einer wässrigen Phase abgetrennt werden. Das erfindungsgemäße Verfahren bewirkt insbesondere, dass gleichmäßige und nur sehr geringe Mengen von wässriger Lösung mit dem magnetischen Stab aus der Ausgangslösung abgetrennt werden. Die Verbesserung der Genauigkeit liegt somit in einem besonders gleichmäßigen Volumen der überschichte- ten wässrigen Lösung, insbesondere eines Eluats, und in der Verringerung des Anteils an Verunreinigungen.
Gegenstand der Erfindung ist auch eine Vorrichtung zur Reinigung von Biomo lekülen aus einer wässrigen Phase oder zur Analyse, ob eine wässrige Phase Biomoleküle enthält, umfassend mindestens ein Reaktionsgefäß, enthaltend eine wässrige Lösung, Biomoleküle und magnetische Partikel, wobei die wässrige Lösung mit einer organischen Phase überschichtet ist, die mit Wasser nicht mischbar ist, wobei die Vorrichtung einen magnetischen Stab aufweist. Die Vorrichtung ist beispielsweise ein Laborroboter oder eine automatisierte Einrichtung, die eine Vielzahl von Proben untersuchen kann.
Ein weiterer Gegenstand der Erfindung ist ein Kit zur Reinigung von Biomo lekülen mit einem magnetischen Stab aus einer wässrigen Phase oder zur Analyse, ob eine wässrige Phase Biomo leküle enthält, umfassend eine wässrige Lösung, Biomo leküle, magnetische Partikel und eine organischen Flüssigkeit, die nicht mit Wasser mischbar ist. Das Kit enthält bevorzugt einen magnetischen Stab.
Figur 1 zeigt die Ergebnisse der Ausführungsbeispiele 1 bis 12. Für jedes Beispiel zeigt der linke Balken (hellgrau) das Elutionsvolumen in μl ohne Ölüberschichtung, der mittlere Balken (dunkelgrau) das Elutionsvolumen in μl mit Ölüberschichtung und der rechte Balken (weiß) das eingesetzte Ausgangsvolumen in μl (Inputvolumen). Bei den Messergebnissen handelt es sich jeweils um Durchschnittswerte über 8 Proben eines Prozessgefäßes (Prozesstubes).
Beispiele 1-3: 10 μl, 50 μl bzw. 200 μl Öl mit Separation über die Ölschicht.
Beispiele 4-6: 10 μl, 50 μl bzw. 200 μl Öl mit Separation im Bereich der wässrigen Phase.
Beispiele 7-9: dreifache Bestimmung mit jeweils 300 μl Ölüberschichtung und Separation nur über die Ölschicht.
Beispiele 10 - 12: dreifache Bestimmung mit jeweils 300 μl Ölüberschichtung und Separa- tion über die gesamte Flüssigkeit. Ausführungsbeispiele
Durchführung
Die Ermittlung des Einflusses einer Ölüberschichtung bei der Trennung von magnetischen Partikeln von einer nukleinsäurehaltigen Lösung erfolgte halbautomatisch auf einem automatisierten Probenpräparationsmodul (QIAsymphony™ SP, Firma Qiagen). Hierzu wurde ein verkürzter Ablauf auf dem System wie folgt programmiert:
Zunächst wurden die auf dem Gerät eingesetzten 8er Prozessgefäße (Sample Prep Cartrid- ges, Firma QIAGEN) mit Hilfe der Pipettiereinheit mit jeweils 300 μl Puffer befüllt. Anschließend wurden die magnetischen Beads im entsprechenden Reservoir zum Erhalt einer homogenen Suspension gemischt und jeweils 40 μl der Suspension zu dem bereits vorgelegten AVE Puffer (einem handelsüblichen Wasch- und/oder Elutionspuffer, Firma QIA- GEN) hinzugefügt. Die so entstandene Suspension wurde mit Hilfe der Mischeinheit auf dem Gerät für 10 sec. gemischt und anschließend die magnetischen Partikel mit den in der Mischeinheit vorhandenen Magnetstäbe und dem aufgesetzten und zuvor gewogenem Magnetstabschutz (8-Rod Cover, Firma QIAGEN) durch mehrmaliges Durchfahren der Flüssigkeitssäule am Magnetstabschutz gesammelt und aus der Flüssigkeit gehoben. Die am Magnetstabschutz gesammelten magnetischen Partikel wurden durch 8-minütiges Verweilen an der Luft getrocknet. Parallel wurde ein weiteres, zuvor leer gewogenes Prozessgefäß mit dem eigentlichen Elutionspuffer AVE von 91 μl vorbereitet und zur Ermittlung des durchschnittlichen Vorlagevolumens gewogen. Nach der Trocknung wurden die magnetischen Partikel von dem Magnetstabschutz in den vorgelegten Elutionspuffer transfe- riert. Es erfolgte ein weiterer 3-minütiger Mischschritt mit Hilfe der Mischeinheit des Gerätes. Nach der so durchgeführten Elution wurden die magnetischen Partikel erneut an den Magnetstabschutz gesammelt (Separation) und das im Prozessgefäß verbliebene Eluat durch Wägung ermittelt. Anschließend wurden die zuvor am Magnetstabschutz gesammelten magnetischen Partikel wieder vollständig in das Eluat überführt. Danach wurde die Suspension manuell jeweils mit der gleichen Menge Mineralöl überschichtet, gewogen und erneut separiert. Nach der Separation wurde das Prozessgefäß zur Ermittlung der nun zurückgehaltenen Elutionsmenge gewogen. Der Magnetstabschutz mit den daran befindlichen magnetischen Partikeln wurde in ein frisches, zuvor gewogenes Prozessgefäß abge- worfen und ebenfalls gewogen. Um die im Prozessgefäß zurückgehaltene Eluatmenge mit Ölüberschichtung genau ermitteln zu können, wurden die Prozessgefäße in einem Tro- ckenschrank bei etwa 35°C gelagert. Nach vollständigem Abdampfen der wässrigen Phase erfolgte die Ermittlung des Gewichts bis zur Konstanz.
Zunächst sollte der Einfluss der Ölmenge auf das wiedergewonnene Eluat geprüft werden. Hierzu wurden 10 μl, 50 μl und 100 μl Mineralöl auf die jeweiligen Eluate eines Prozessgefäßes pipettiert. Die drei Prozessgefäße mit jeweils 8 Eluaten wurden simultan durch den oben beschriebenen Prozess geführt. Hierbei erfolgte die Separation der Beads, indem die Flüssigkeitssäule der wässrigen Phase (91 μl) vom Gefäßboden ausgehend vollständig durchfahren wurde. In einem weiteren Versuch wurde mit der gleichen Versuchsanordnung etwa die Hälfte der Flüssigkeitssäule der wässrigen Phase (50 μl) vom Gefäßboden ausgehend während der Separation durchfahren.
In einem dritten Versuch sollte der Einfluss der Art der Separation weiter untersucht werden. Hierzu erfolgte eine Veränderung des in der Software verankerten Ablaufs der Separation. Dabei sollte die Separation nicht wie üblich über die Flüssigkeitssäule vom Boden aus gesehen erfolgen, sondern nur über die Ölphase. Bei diesem Versuch wurde für die vollständige Überschichtung des eingesetzten Elutionsvolumen ein Ölvolumen von 300 μl eingesetzt und die Separation über die Flüssigkeitssäule des Öls mit einem Offset vom Boden von 96 μl (wässrige Phase) bis zu einer maximalen Füllhöhe von 421 μl durchgeführt. Des Weiteren verweilte der Magnetstabschutz mit den eingefahrenen Magnetstäben, für 3 sec. am oberen Punkt der Separation (421 μl) um möglichst viele der magnetischen Partikel aus der wässrigen Phase durch die gesamte Flüssigkeitssäule des Öls zu ziehen.
Aufgrund der Problematik eines Eingriffes in die regulären Abläufe der Separation wurde in einem weiteren Versuch mit einem Ölvolumen von 300 μl die komplette Flüssigkeitssäule vom Gefäßboden bis zu einem oberen Punkt der Flüssigkeitssäule von 421 μl durchfahren. Ergebnisse
Beispiele 1 bis 6
In einer ersten Versuchsreihe wurde der Einfluss der Ölmenge auf die Verdrängung der wässrigen Phase aus den magnetischen Partikeln analysiert (Fig. 1, Beispiele 1-3). Die Separation erfolgte dabei über die gesamte Flüssigkeitssäule bestehend aus wässriger Phase und Ölphase. Es konnte deutlich erkannt werden, dass das Öl in geringen Mengen von 10 μl oder 50 μl nur einen marginalen Einfluss auf die zurückgehaltene Eluatmenge (wäss- rige Phase) hat (mittlere dunkelgraue Säulen). Die zurückgehaltene Eluatmenge ohne Öl- schicht (linke hellgraue Säulen) entsprach den Elutionsmengen, die bei der nach dem Stand der Technik bekannten Elution ohne Ölschicht zu erwarten war. Größere Ölmengen bewirkten hingegen eine signifikante Erhöhung des zurückgehaltenen Volumens (s. insbesondere Fig. 1, Beispiele 3 / mittlere dunkelgraue Säule).
In einer zweiten Versuchsreihe wurden ebenfalls unterschiedliche Ölvolumen gewählt. Zudem wurde die Separation nur im Bereich der wässrigen Phase durchgeführt (Fig. 1, Beispiele 4-6). Hier zeigte sich tendenziell das gleiche Ergebnis, jedoch waren die Effekte weniger stark ausgeprägt.
Die beiden Versuchsreihen zeigten deutlich, dass dem Ölvolumen eine besondere Rolle zukommt. Beobachtungen der Abläufe während der Separation deuteten an dass eine geschlossene Öldecke über der wässrigen Phase einen sehr positiven Einfluss auf die Verdrängung der wässrigen Phase aus den magnetischen Partikeln hat. Bei geringer Ölmenge wird die wässrige Phase durch die Oberflächenspannung mit den magnetischen Partikeln beim Herausfahren des Magnetstabschutzes mit nach oben gerissen und das Öl verliert seinen positiven Effekt auf die Verdrängung der wässrigen Phase aus den magnetischen Partikeln. Beispiele 7 bis 9
In einer dritten Versuchsreihe wurde das Ölvolumen deutlich erhöht, um eine geschlossene Ölphase über der wässrigen Phase zu erhalten und um den Effekt auf die anschließende Separation der magnetischen Partikel durch die Ölschicht hindurch nutzen zu können. Um diesen Effekt besonders zu verstärken, sollte die Separation im Wesentlichen über die Ölschicht erfolgen. Hierzu wurde der Ablauf auf dem Gerät für die Separation so verändert, dass der Magnetstabschutz mit eingefahrenen Magnetstäben sich nur durch die Ölphase bewegt und nur geringen direkten Kontakt zur wässrigen Phase bekam. Darüber hinaus wurde auch der Magnetstabschutz mit eingefahrenen Magnetstäben vor der eigentlichen Separationsbewegung für 3 s an der Öloberfläche belassen, um ein erstes Ansammeln der magnetischen Partikel an der Grenze zwischen Öl- und wässriger Phase zu bewirken. Da die Messung nur über die Ölphase erfolgte, war bei diesem Versuch keine direkte Referenzmessung ohne Ölphase möglich. Das Ergebnis in (Fig. 1, Beispiele 7-9) zeigt einen signifikanten Anstieg der zurückgehaltenen Eluatmenge (etwa 91% des eingesetzten Eluti- onsvolumens). Nur ein geringer Anteil geht durch die Anhaftung an die magnetischen Partikel verloren. Im Vergleich zur herkömmlichen Elution ohne Ölüberschichtung konnte eine Steigerung von etwa 15 % beim wiedergefundenen Eluat verzeichnet werden.
Beispiele 10 bis 12
Aufgrund der Schwierigkeit, dass in den Beispielen 7 bis 9 spezielle Separationsbedingungen benötigt wurden, wurde in den weiteren Beispielen 10 bis 12 bei einer herkömmlichen Separation eine erhöhte Ölmenge (300 μl) eingesetzt. Wie bei den Beispielen 7 bis 9 wurde vor der eigentlichen Separationsbewegung eine Verweildauer des Magnetstabschutzes an der Öloberfläche von 3 s vorgesehen. Die Ergebnisse zeigen eine geringfügige Verringerung der zurückgehaltenen Eluatmenge (Fig. 1 : Beispiele 10-12). Es konnten etwa 90 % des Eluats zurückgehalten werden.
Die Versuche zeigen, dass die Überschichtung einer mit magnetischen Partikeln angereicherten wässrigen Phase mit Mineralöl dabei hilft, bei der Abtrennung der magnetischen Partikel mittels eines Magnetstabes die wässrige Phase weitestgehend aus den magnetischen Partikeln zu verdrängen. Hierbei spielen insbesondere zwei Effekte eine Rolle. Zum Einen verhindert die Ölschicht, dass Teile der wässrigen Phase durch die asymmetrische Ansammlung des magnetische Partikel (Beadpellet) nicht über Kapillarkräfte in der wässrigen Phase zwischen dem herausragendem Beadpellet und der Gefäßwand nach oben verschleppt werden und im ungünstigsten Fall einen Tropfenabriss bewirken, so dass die wässrige Lösung am Beadpellet verbleibt und somit verloren geht. Zum Anderen bewirkt die Ölschicht eine Verdrängung der wässrigen Phase aus den magnetischen Partikeln. Dieser positive Effekt ist besonders ausgeprägt, wenn die Ölmenge für eine geschlossene Überschichtung der wässrigen Phase ausreicht. Noch etwas bessere Resultate werden erzielt, wenn während der Separation der magnetischen Partikel durch die Ölschicht der Magnetstab nicht die wässrige Phase zum besseren Einsammeln der restlichen Partikel durchfährt.
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