ELSTERER, Stefan (Hallemannstr. 1, Fürth, 90762, DE)
HOCK, Christian (Erhard-Segitz-Str. 42, Fürth, 90763, DE)
PESCHKE, Jörn (Arnulfstraße 4, Nürnberg, 90489, DE)
VOLKMANN, Frank (Preysingstr. 15, Nürnberg, 90475, DE)
DEIRETSBACHER, Karl-Heinz (Kirchhölzer 1, Effeltrich, 91090, DE)
ELSTERER, Stefan (Hallemannstr. 1, Fürth, 90762, DE)
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| Patentansprüche 1. Verfahren zum Austausch von Daten zwischen zwei Geräten (8, 8a, 8b) eines Netzwerkes (26), welches sich zum Austausch der Daten eines Kommunikationsprotokolls (11) mit einer Schnittstelle (13) nach dem OPC-UA Standard bedient, dadurch gekennzeichnet, dass das Kommunikationsprotokoll (11) eine Schnittstelle (18) nach dem Stream Reservation Protocol (SRP) Standard oder Multiple Stream Registration Protocol (MSRP) Standard gemäß IEEE 802.1Qat umfasst, so dass die Daten zwischen den zwei Geräten (8, 8a, 8b) über beide Schnittstellen (13, 18) in einer vorgegebenen Zeitspanne austauschbar sind. 2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Kommunikationsprotokoll (11), insbesondere nach dem Open Systems Interconnection Reference Model, mehrschichtig aufgebaut ist, wobei jeder Schicht eine Schnittstelle (13, 15, 16, 17, 18) zugeordnet ist, und wobei für eine erste Art von Daten eine Schichtfolge (12, 13, 15, 16, 17) gemäß dem OPC-UA Standard durchlaufen wird (Wl) und für eine zweite Art von Daten beim Durchlauf von der Schichtfolge (12, 13, 15, 16, 17) gemäß dem OPC-UA Standard dergestalt abgewichen wird (W2), dass die SRP- bzw. MSRP-Schnittstelle (18) genutzt wird und die zweite Art von Daten zwischen den zwei Geräten (8, 8a, 8b) in der vorgegebenen Zeitspanne ausgetauscht wird. 3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Kommunikationsprotokoll (11) eine Applikationsschicht (12), eine OPC-UA Schnittstelle (13), eine TCP/IP Schnittstelle (15), eine Ethernet Schnittstelle (16) und eine Physikalische Schnittstelle (17) umfasst, welche für die erste Art von Daten durchlaufen werden (Wl), wobei für die zweite Art von Daten zumindest die TCP/IP Schnittstelle (18) umgangen wird (W2) . 4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass ein durch die SRP- bzw. MSRP- Schnittstelle (18) bereitgestelltes Datenfenster (25) in mehrere zeitlich aufeinanderfolgende Teildatenfenster (24) untergliedert wird. 5. Verfahren nach Anspruch 2 und 4 oder nach Anspruch 3 und 4, dadurch gekennzeichnet, dass die zweite Art von Daten in Teildatenfenstern (24) übertragen wird, durch welche eine erste Teilmenge von Teildatenfenstern (24) gebildet wird, und eine zweite Teilmenge von Teildatenfenstern (24), welche zur ersten Teilmenge disjunkt ist, für die Übertragung der ersten Art von Daten genutzt wird. 6. Vorrichtung zum Austausch von Daten zwischen zwei Geräten (8, 8a, 8b) eines Netzwerkes (26), welche sich zum Austausch der Daten eines Kommunikationsprotokolls (11) mit einer Schnittstelle (13) nach dem OPC-UA Standard bedient, dadurch gekennzeichnet, dass das Kommunikationsprotokoll (11) eine Schnittstelle (18) nach dem Stream Reservation Protocol (SRP) Standard oder Multiple Stream Registration Protocol (MSRP) Standard gemäß IEEE 802.1Qat umfasst, so dass die Daten zwischen den zwei Geräten (8, 8a, 8b) über beide Schnittstellen (13, 18) in einer vorgegebenen Zeitspanne austauschbar sind. 7. Netzwerk (26) mit zumindest zwei Geräten (8, 8a, 8b) mit einer Vorrichtung nach Anspruch 6. |
Verfahren und Vorrichtung zum Austausch von Daten sowie
Netzwerk
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Austausch von Daten zwischen zwei Geräten eines Netzwerks, welches sich zum
Austausch der Daten eines Kommunikationsprotokolls mit einer Schnittstelle nach dem OPC-UA Standard bedient. Die Erfindung betrifft auch eine Vorrichtung zum Austausch von Daten zwischen zwei Geräten sowie ein Netzwerk mit zumindest zwei Geräten und einer solchen Vorrichtung.
FIG 1 zeigt eine schematische Darstellung eines
Automatisierungsnetzwerks. Auf der so genannten Feldebene einer automatisierungstechnischen Anlage befinden sich mehrere Geräte 8, die Daten von Sensoren 10 empfangen und geeignete Steuerdaten an Aktoren 9 ausgeben. Die Geräte 8 können hierbei als eigenständige Rechner mit den Sensoren 10 und Aktoren 9 in Wirkkontakt stehen, oder es kann sich bei den Geräten 8 um eingebettete Systeme handeln. Die Geräte 8 können insbesondere über ihre jeweils eigene
steuerungstechnische Firmware verfügen. Daneben ist
exemplarisch ein Rechner 7 dargestellt, welcher in der
Steuerungsebene (SPS) vorliegt. Der Rechner 7 und die Geräte 8 werden zur Steuerung oder Regelung zugeordneter Maschinen einer Anlage eingesetzt. Innerhalb des
automatisierungstechnischen Netzwerks liegen sie auf den Teilnetzen des so genannten Field Networks 4 bzw. Plant Floor Networks 3 vor.
Zwischen dem Plant Floor Network 3 und einem Automation
Network 2 wird eine Verknüpfung über einen Rechner 6 mit einem Supervisory Control and Data Acquisition (SCADA) System gebildet. Der Rechner 6 ist damit Teil der Prozessleitebene, durch welche technische Prozesse im Plant Floor Network 3 bzw. Field Network 4 überwacht und gesteuert werden. Auf einer übergeordneten Ebene des
automatisierungstechnischen Netzwerks kann als Teil eines Enterprise Networks 1 ein Rechner 5 vorgesehen sein. Dieser kann ein Manufacturing Execution System (MES) enthalten und damit Teil der Betriebsleitebene sein. Alternativ kann vorgesehen sein, dass der Rechner 5 als Teil der
Unternehmensebene mit einem Enteprise Resource Planning (ERP) System ausgerüstet ist. Dieses in der Büroebene eingesetzte ERP-System stellt eine komplexe Software zur Unterstützung der Ressourcenplanung eines Unternehmens bereit (z.B. SAP- System) .
Für die Netzwerkskommunikation auf der Büroebene ist es üblich, nicht echtzeitfähige Sternsysteme einzusetzen. Als neuer Standard in der Netzwerkkommunikation hat sich hierbei zwischen dem SCADA-System des Rechners 6 und dem ERP-System des Rechners 5 das so genannte OPC Unified Architecture (OPC- UA) System gemäß den Spezifikationen der OPC Foundation etabliert. In der Datenkommunikation gemäß OPC-UA werden Daten (Werte) mit einer Qualität belegt, zu der auch die Rate gehört, mit der der Wert aktualisiert werden soll. Es werden nur solche Daten übertragen, die sich geändert haben, und deren Eigenschaften auslösen, dass der jeweilige Wert
übertragen werden muss. OPC-UA bietet damit eine
ereignisbasierte Kommunikation. OPC-UA basiert hierbei auf einem Remote Procedure Call (RPC) Mechanismus, wie er
beispielsweise in Standard Ethernet, TCP/IP (Transmission Control Protocol / Internet Protocol) oder auch http- basierten Netzen bekannt ist. Gemäß dem RPC-Mechanismus führt eine Anfrage eines Clients auf einem Server zum Aufruf einer Prozedur auf diesem Server, welche die Anfrage bearbeitet. Erst wenn die Bearbeitung der Anfrage abgeschlossen ist und vom Server eine Antwort an den Client gesendet wurde, kann dieser den Prozess fortsetzen, der durch die Anfrage
unterbrochen wurde. Es handelt sich um die klassische
Kommunikationsarchitektur der Interprozesskommunikation
( Interprocess Communication, IPC) in verteilten Systemen. Nebenläufige Prozesse sind kausal voneinander abhängig. OPC-UA kennt dagegen den Mechanismus der so genannten
Subscriptions . Dabei abonniert ein Empfänger von einem Sender eine bestimmte Auswahl von Informationen bzw. Daten. Kommt es zu einer Änderung in dieser Informationsmenge bzw.
Teildatenauswahl, so sendet der Sender diese Änderungen selbstständig an den Empfänger. Dieser Mechanismus ist parametrierbar, da zum Beispiel vorgegeben werden kann, in welchem Zeitabstand frühestens Änderungen gesendet werden sollen.
Mit OPC-UA steht der Industrie ein Standardprotokoll zur Verfügung, mit dessen Hilfe es möglich ist,
unterschiedlichste Informationen (Alarme, Prozesswerte etc.) einerseits in einem Informationsmodell zu modellieren und andererseits auch zu transportieren. Hierzu gibt es die so genannten Service Sets und Services, welche die
entsprechenden Funktionalitäten zur Verfügung stellen.
Erstmals ist es mit OPC-UA möglich, diese komfortable
Informationsübertragung auch im Embedded Sector zu verwenden.
Dies macht OPC-UA zu einem mächtigen Werkzeug im Bereich der
Informationsmodellierung .
Während OPC-UA heute hauptsächlich im Automation Network 2, zum Beispiel bei SCADA-Systemen, eingesetzt wird, sind an die Kommunikationsprotokolle im Plant Floor Network 3 bzw. Field Network 4 gänzlich andere Anforderungen zu stellen. In der Automatisierung ist es erforderlich, mehrere Geräte 8 über Kommunikationsstrecken hinweg zu synchronisieren. Die
Anforderungen an diese Synchronisation sind sehr vielfältig. Sie reichen bis zu harten EchtZeitanforderungen, zum Beispiel bei der Synchronisation von Antriebsachsen einer
Papierfabrik. Insbesondere im Plant Floor, wo die Feldebene auf die Büroebene trifft, werden häufig bereits Ethernet- TCP/IP-basierte Infrastrukturen eingesetzt, zum Beispiel zur Kommunikation zwischen Kopfsteuerungen und/oder SCADA/MES- Systemen . In diesen Fällen ist es üblich, so genannte getaktete
Protokolle einzusetzen. Das bedeutet, dass die Zeit in
Zeitscheiben zerlegt wird und genau vorgeplant wird, welches Gerät wie und wie viel innerhalb eines Zeittakts senden darf. Es werden zyklische Prozessabbilder (Tabellen mit Input- Output-Werten) zwischen den Kommunikationspartnern
ausgetauscht. Hierbei gilt die Regel: Je kürzer der Zyklus (höherer Takt) , desto besser ist die
Synchronisationsfähigkeit und desto mehr Daten müssen
permanent übertragen werden. Eine Verdopplung der Taktrate führt zur Verdopplung des gesamten Kommunikationsaufkommens. In jedem Zyklus werden immer alle Daten gesendet, unabhängig davon, ob für alle Werte dieselben Zeitanforderungen gelten oder ob sich Werte geändert haben. Auf der Feldebene ist dieses Kommunikationsprinzip in der Automatisierungstechnik üblich, um die dort herrschenden harten EchtZeitanforderungen erfüllen zu können.
Im Bereich der dezentralen Peripherie kann
Echtzeitkommunikation hierbei beispielsweise über das
Kommunikationsprotokoll Profinet 10 erfolgen. Es ermöglicht den Datenaustausch zwischen Ethernet-basierten Feldgeräten 8. Ein weiterer Ethernet-basierter Ansatz für die
Automatisierungstechnik ist Industrial Real Time Ethernet (IRTE) . Gemäß IRTE ist die Kommunikation auf dem Netzwerk vollständig vorgeplant, sodass unerwünschte Datenkollisionen ausgeschlossen werden. Dieses Modell ist jedoch sehr
statisch, da es nicht ohne neue Planung auf Änderungen reagieren kann. Die Planung ist sehr komplex und kann nur mithilfe eines Tools erfolgen, da Zeitverläufe zum Beispiel durch Kabellängen ebenfalls mit berücksichtigt werden müssen. Mit IRTE werden primär Linienstrukturen geplant. Der Vorteil besteht darin, dass strenger Determinismus gegeben ist. Damit sind die Büro- bzw. Leitebene und die Feldebene
hinsichtlich der in ihren Teilnetzwerken verwendeten
Kommunikationsprotokollen getrennt. Die jeweils eingesetzten Kommunikationsprotokolle genügen unterschiedlichen Anforderungen. Gegebenenfalls sind die EchtZeitanforderungen, die auf der Feldebene herrschen, für die Büroebene
unerheblich. Unter dem Ausdruck „vertikale Integration der Automatisierungstechnik" versteht man das Bestreben, die verschiedenen Teilnetzwerke zu integrieren und eine
einheitliche Kommunikationsstruktur von der Unternehmensebene bis hinab in die Feldebene zu schaffen.
Es ist Aufgabe der Erfindung, ein Verfahren, eine Vorrichtung sowie ein Netzwerk bereitzustellen, mit denen es möglich ist, eine verbesserte Integration von Teilnetzwerken zu erzielen.
Diese Aufgabe wird durch ein Verfahren, welches die Merkmale des Patentanspruchs 1 aufweist, eine Vorrichtung, welche die Merkmale des Patentanspruchs 6 aufweist, sowie ein Netzwerk mit den Merkmalen des Patentanspruchs 7 gelöst.
Das erfindungsgemäße Verfahren dient zum Austausch von Daten zwischen zwei Geräten eines Netzwerks, welches sich zum
Austausch der Daten eines Kommunikationsprotokolls mit einer Schnittstelle nach dem OPC-UA Standard bedient. Hierbei umfasst das Kommunikationsprotokoll eine Schnittstelle nach dem Stream Reservation Protocol (SRP) Standard oder Multiple Stream Registration Protocol (MSRP) Standard gemäß IEEE
802.1Qat, sodass die Daten zwischen den zwei Geräten über beide Schnittstellen in einer vorgegebenen Zeitspanne
austauschbar sind.
OPC-UA (Object Linking and Embedding for Process Control Unified Architecture) ist eine OPC Spezifikation der OPC Foundation und auf www.opcfoundation.org beschrieben. Das Stream Reservation Protocol (SRP) bzw. Multiple Stream
Registration Protocol (MSRP) sind standardisierte
Schnittstellen der Audio-Video-Bridging Task Group und charakterisieren das Streaming von Audio- und Videodaten über Netzwerke. Der Erfindung liegt die Überlegung zugrunde, OPC- UA mittels Audio-Video-Bridging (AVB) so zu modifizieren, dass die eigentlich nicht echtzeitfähige OPC-UA Kommunikation EchtZeiteigenschaften aufweist. Dadurch, dass die Daten zwischen den zwei Geräten über beide Schnittstellen in einer vorgegebenen Zeitspanne austauschbar sind, genügen sie insbesondere EchtZeitanforderungen bzw. den Anforderungen eines Echtzeitsystems . Was unter Echtzeit zu verstehen ist, ist insbesondere in DIN 44300 definiert. Insbesondere kann es sich um eine so genannte harte Echtzeit handeln. Insbesondere kann vorgesehen sein, dass die RPC-ähnliche
Kommunikationsform von OPC-UA beibehalten wird, wobei jedoch der unterlagerte Transport auf AVB abgebildet wird.
Insbesondere kann vorgesehen sein, dass eine Protokollschicht von OPC-UA durch die SRP/MSRP-Schnittstelle modifiziert und/oder ausgetauscht wird.
Durch die Kombination einer OPC-UA- und SRP/MSRP- Schnittstelle in einem Kommunikationsprotokoll wird
echtzeitfähige Kommunikation ermöglicht, die selbst komplexen Anforderungen wie der Achssynchronisation gerecht wird. Das so realisierte Kommunikationsprotokoll lässt sich in Geräten der Feldebene einfach und unkompliziert implementieren. Zudem ist ein problemloser Datenaustausch mit OPC-UA-basierten Geräten höherliegender Ebenen, wie zum Beispiel des
Automation Networks oder Enterprise Networks sichergestellt. Es wird ein hohes Maß an Interkompatibilität zwischen
Teilnetzwerken einer automatisierungstechnischen Anlage erreicht und die vertikale Integration erheblich verbessert. Das Kommunikationsprotokoll zeichnet sich durch eine hohe Effizienz aus, da insbesondere aufgrund der OPC-UA Komponente überflüssiger Datenaustausch sicher vermieden wird.
Gleichzeitig stellt die MSRP/SRP-Komponente die
Echtzeitfunktionalität sicher.
Vorzugsweise ist das Kommunikationsprotokoll mehrschichtig aufgebaut, wobei jeder Schicht eine Schnittstelle zugeordnet ist, und wobei für eine erste Art von Daten eine Schichtfolge gemäß dem OPC-UA Standard durchlaufen wird und für eine zweite Art von Daten beim Durchlauf von der Schichtfolge gemäß dem OPC-UA Standard dergestalt abgewichen wird, dass die SRP- bzw. MSRP- Schnittstelle genutzt wird und die zweite Art von Daten zwischen den zwei Geräten in der vorgegebenen Zeitspanne ausgetauscht wird. Besonders bevorzugt ist es hierbei, wenn das Kommunikationsprotokoll nach dem Open
Systems Interconnection Reference Model (OSI Schichtenmodell der internationalen Organisation für Normung) mehrschichtig aufgebaut ist. Bei den Daten der ersten Art kann es sich insbesondere um solche Daten handeln, die keinen
EchtZeitanforderungen genügen müssen. Bei den Daten der zweiten Art kann es sich insbesondere um solche Daten
handeln, die EchtZeitanforderungen genügen müssen. Diese Ausführungsform erlaubt es, dass nicht echtzeitkritische Daten die konventionelle OPC-UA Kommunikationsprotokoll- Architektur nutzen, während echtzeitrelevante Daten
dergestalt vom aus dem Stand der Technik bekannten OPC-UA Protokoll abweichen, als dass sie die neu vorgesehene
MSRP/SRP-Schnittstelle nutzen. Hierbei wird sowohl die
Mächtigkeit von OPC-UA hinsichtlich des Datenaustausches als auch die Stärke von AVB hinsichtlich seiner
Echtzeitcharakteristika gemäß der jeweiligen Datenart ideal genutzt .
Vorzugsweise umfasst das Kommunikationsprotokoll eine
Applikationsschicht, eine OPC-UA Schnittstelle, eine TCP/IP- Schnittstelle, eine Ethernet-Schnittstelle und eine
physikalische Schnittstelle. Diese werden für die erste Art von Daten durchlaufen, während für die zweite Art von Daten zumindest die TCP/IP-Schnittstelle umgangen wird. Unter Umgehen ist zu verstehen, dass die TCP/IP-Schnittstelle hinsichtlich der Verarbeitung von Daten nicht durchlaufen bzw. genutzt wird. Statt der TCP/IP-Schnittstelle wird vorzugsweise die SRP/MSRP-Schnittstelle durchlaufen. Es kann auch vorgesehen sein, dass eine der OPC-UA Schnittstelle nachgeordnete Unified Architecture Schicht für die
Verarbeitung der Daten der zweiten Art geeignet modifiziert wird. Insbesondere kann vorgesehen sein, dass zumindest die Applikationsschicht und die physikalische Schnittstelle gegenüber dem OPC-UA Standard vollständig unverändert bleiben. Diese Ausführungsform erlaubt eine erhebliche
Erweiterung des Funktionsumfangs eines auf OPC-UA basierenden Kommunikationsprotokolls bei gleichzeitig nur geringfügigen Änderungen innerhalb des dem Kommunikationsprotokoll
zugrundeliegenden Schichtensystems. Die programmtechnische Umsetzung wird erleichtert. Der Schnittstellenzugriff
gestaltet sich für einen Programmentwickler sehr einfach.
Vorzugsweise wird ein durch die SRP- bzw. MSRP-Schnittstelle bereitgestelltes Datenfenster in mehrere zeitlich
aufeinanderfolgende Teildatenfenster untergliedert. Diese Ausführungsform erlaubt eine sehr gute Organisation der
Übertragung von Daten zwischen den beiden Geräten. Die
Flexibilität hinsichtlich der Befüllung der Datenfenster mit Daten verbessert sich. Zudem kann potenziell die Taktrate bei der Datenübertragung verbessert werden.
Besonders bevorzugt ist es, wenn die zweite Art von Daten in Teildatenfenstern übertragen wird, durch welche eine erste Teilmenge von Teildatenfenstern gebildet wird, und eine zweite Teilmenge von Teildatenfenstern, welche zur ersten Teilmenge disjunkt ist, für die Übertragung der ersten Art von Daten genutzt wird. Insbesondere können dann
echtzeitkritische Daten in speziell hierfür vorgesehenen Teildatenfenstern übertragen werden, während verbleibende
Teildatenfenster für die Übertragung nicht echtzeitkritischer Daten zur Verfügung stehen. Freie Ressourcen für die
Datenübertragung können so sehr gut genutzt werden. Es besteht die Möglichkeit, große Datenmengen zu übertragen und dennoch Echtzeitfähigkeit zu gewährleisten.
Eine erfindungsgemäße Vorrichtung dient zum Austausch von Daten zwischen zwei Geräten eines Netzwerks, welche sich zum Austausch der Daten eines Kommunikationsprotokolls mit einer Schnittstelle nach dem OPC-UA Standard bedient. Das
Kommunikationsprotokoll umfasst erfindungsgemäß eine
Schnittstelle nach dem Stream Reservation Protocol (SRP) Standard oder Multiple Stream Registration Protocol (MSRP) Standard gemäß IEEE 802.1Qat, sodass die Daten zwischen den zwei Geräten über beide Schnittstellen in einer vorgegebenen Zeitspanne austauschbar sind. Ein erfindungsgemäßes Netzwerk umfasst zumindest zwei Geräte sowie eine erfindungsgemäße Vorrichtung.
Die mit Bezug auf das erfindungsgemäße Verfahren
dargestellten bevorzugten Ausführungsformen und deren
Vorteile gelten entsprechend für die erfindungsgemäße
Vorrichtung sowie das erfindungsgemäße Netzwerk.
Anhand von Ausführungsbeispielen wird die Erfindung im
Folgenden näher erläutert. Es zeigen:
FIG 1 eine schematische Darstellung eines mehrschichtigen
Netzwerks einer automatisierungstechnischen Anlage;
FIG 2 eine schematische Darstellung eines Datenaustauschs
zwischen zwei Geräten eines Netzwerks, welcher durch ein Kommunikationsprotokoll gemäß einem
Ausführungsbeispiel des erfindungsgemäßen Verfahrens geregelt wird; und FIG 3 eine schematische Darstellung der Untergliederung von Datenfenstern in einem AVB Stream in Teildatenfenster.
In den Figuren sind gleiche oder funktionsgleiche Elemente mit den gleichen Bezugszeichen versehen.
Die Erfindung erlaubt es, OPC-UA im Bereich der
Echtzeitkommunikation (deterministische Kommunikation) einzusetzen. OPC-UA, das bisher hauptsächlich im Automation Network 2 (zum Beispiel im Rechner 6 mit dem SCADA-System) eingesetzt wurde, kann jetzt bis in das Plant Floor Network 3 bzw. Field Network 4 vordringen. Innerhalb der
Automatisierungspyramide wird unter Einsatz des
vorgeschlagenen Verfahrens der Anwendungsbereich von OPC-UA nach unten in der Pyramide erweitert. Da es Bestrebungen gibt, OPC-UA auch bis zum Rechner 5 mit dem ERP- bzw. MES- System im Enterprise Network 1 hin einzusetzen, erhält man folglich eine durchgängige Kommunikation und einheitliche Sicht auf die Prozessdaten von der untersten Ebene bis hin zur ERP-Ebene. Es wird dieselbe Technik durchgehend
eingesetzt, was die vollständige Interoperabilität
sicherstellt, ohne dass zusätzliche Hardware (Mapper oder Wandler) notwendig wären.
Eine Stärke von OPC-UA ist seine Mächtigkeit in der
Informationsmodellierung, die gleichzeitig dazu verwendet wird, die Interoperabilität von Komponenten zu verbessern bzw. zu ermöglichen. Alle beteiligten Geräte 8 liefern nicht nur ihre Prozesswerte, sondern darüber hinaus im
Informationsmodell auch semantische Information über diese Werte. Dieser Vorteil wirkt jetzt - ohne Mehraufwand - bis in das Plant Floor Network 3. Eine Grundidee besteht darin, die RPC-ähnliche
Kommunikationsform von OPC-UA beizubehalten und dabei den unterlagerten Transport auf AVB abzubilden. AVB stellt priorisierbare Datenströme (Streams) zur Verfügung, deren Bandbreite vorbestimmbar ist und deren Bandbreite dann auch garantiert wird. AVB dient im Stand der Technik der
Übertragung von Audio- und Video-Streams . Hier besteht die Grundanforderung darin, viele Daten (Bildinformationen) zuverlässig und schnell zu übertragen. Würde AVB diese
Grundanforderung nicht erfüllen, würde es so genannte Freezer und Ruckler im Bild geben. Diese Grundanforderung deckt sich jedoch genau mit den EchtZeitanforderungen in der
Automatisierungstechnik. Eine Idee besteht deshalb darin, OPC-UA mittels AVB zu modifizieren und es auf diese Weise echtzeitfähig zu machen.
Hierbei werden typischerweise die Subscriptions (genauer: die Änderungsmeldungen einer Subscription) mittels der AVB- Technik transportiert, die ihrerseits eine geforderte Übertragungsqualität zusichert. Durch diese Kombination wird erreicht, dass eine echtzeitfähige Kommunikation auf Basis OPC-UA ermöglicht wird. Das Kommunikationsprinzip zwischen zwei Geräten 8a und 8b ist beispielhaft in FIG 2 dargestellt. Beide Geräte 8a und 8b umfassen einen Rechner, in welchem das
Kommunikationsprotokoll 11 ablauffähig installiert ist. Das Kommunikationsprotokoll 11 umfasst hierbei mehrere Schichten mit zugehörigen Schnittstellen. Im einzelnen sind dies eine Applikationsschicht 12, ein Unified Architecture (UA) Stack 14 mit einer OPC-UA Schnittstelle 13, eine TCP/IP- Schnittstelle 15, eine Ethernet-Schnittstelle 16 sowie eine physikalische Schnittstelle 17. Zudem ist nunmehr eine
MSRP/SRP-Schnittstelle 18 vorgesehen, welche eine AVB-
Funktionalität 20 bereitstellt. Parallel zum TCP/IP-Layer ist nunmehr ein Real Time Unified Architecture (RT-UA) Layer 19 vorgesehen . Die beiden Geräte 8a und 8b sind über eine Datenleitung 22 und einen Switch oder Router 21 miteinander verbunden. Im Ausführungsbeispiel handelt es sich bei der Datenleitung 22 um ein Ethernet-Kupferkabel . Alternativ kann jedoch jede beliebige Art der Datenleitung 22 vorgesehen sein, die beispielsweise drahtgebunden, auf Glasfaser basierend oder auf Funk basierend (zum Beispiel WLAN) ausgebildet sein kann. Der Router 21 muss insbesondere so ausgebildet sein, dass er das Kommunikationsprotokoll 11 unterstützt. An den Router 21 ist ferner ein Rechner 23 angeschlossen. Ist auf dem Rechner 23 Programmcode ablauffähig installiert, welcher
Kommunikation nach dem OPC-UA Standard ermöglicht, so kann dieser Rechner 23 problemlos mit den Geräten 8a und 8b kommunizieren. Im Rechner 23 müssen insbesondere keine Real Time Erweiterungen im Kommunikationsprotokoll 11 vorgesehen sein, um dennoch eine problemlose Kommunikation mit den
Geräten 8a und 8b zu ermöglichen. Das Gerät 8a tritt in Kommunikation mit dem Gerät 8b und übermittelt hierbei echtzeitkritische Daten sowie nicht echtzeitkritische Daten. Echtzeitkritische Daten betreffen beispielsweise Bewegungsabläufe von beweglichen Teilen des Geräts 8a. Beispielsweise darf das Gerät 8b erst dann einen spezifischen Bewegungsablauf ausführen, nachdem das Gerät 8a selbst einen Bewegungsablauf ausgeführt hat. Wird diese zeitliche Reihenfolge nicht eingehalten, so kollidieren die Geräte 8a und 8b miteinander. Dies gilt es zu vermeiden.
Deshalb ist eine enge Zeitspanne vorgegeben, innerhalb derer der Austausch der echtzeitkritischen Daten zwischen den
Geräten 8a und 8b erfolgen muss. Diese Daten werden im
Kommunikationsprotokoll 11 gemäß dem gestrichelt
eingezeichneten Weg W2 verarbeitet. Gemäß dem Weg W2
durchlaufen die Daten die einzelnen Schichten bzw.
Schnittstellen des Kommunikationsprotokolls 11 dergestalt, dass die MSRP/SRP-Schnittstelle Anwendung findet. Die
echtzeitrelevanten Daten werden dann über AV Streams
transportiert und erfüllen so die Echtzeitanforderungen . Es wird also der RT-UA-Layer 19 durchlaufen. Selbiges ist im Kommunikationsprotokoll 11 des Geräts 8b der Fall.
Daneben tauschen die Geräte 8a und 8b jedoch auch nicht echtzeitkritische Daten aus. Beispielsweise teilt das Gerät 8a dem Gerät 8b regelmäßig seine Betriebstemperatur mit.
Hierbei ist es unerheblich, ob diese Information am Gerät 8b innerhalb eines festgelegten Zeitfensters eintrifft. Für den Austausch dieser Daten wird der konventionelle, vom OPC-UA Standard vorgesehene Datenverarbeitungsweg Wl innerhalb des Kommunikationsprotokolls 11 gewählt. Die TCP/IP-Schnittstelle 15 wird im Gegensatz zum Weg W2 nicht umgangen; die MSRP/SRP- Schnittstelle 18 wird nicht genutzt.
Die AVB-Technologie zeichnet sich durch hohe Bandbreite bei vergleichsweise geringer Taktung aus. In der
Automatisierungstechnik ist das Anforderungsprofil jedoch gerade umgekehrt. Da gemäß der OPC-UA Subscriptions nur vergleichsweise geringe Datenmengen zu übertragen sind, ist eine geringere Bandbreite als von AVB üblicherweise zur
Verfügung gestellt ausreichend. Dagegen wäre eine höhere Taktung wünschenswert. Jedoch bietet AVB die Möglichkeit, eine höhere Taktung auf Kosten einer geringeren Bandbreite zu realisieren. Eine höhere Taktung kann zum Beispiel dadurch erreicht werden, dass die Zeit, die benötigt wird, um ein Video Frame zu übertragen (Video Frame Length T, in der Regel 1/25 s bei PAL), aufgeteilt wird in mehrere gleich große Zeitslots 24. Jeder dieser Slots 24 hat dadurch eine entsprechend kleinere Taktzeit bzw. Slot Length tl. Somit wird eine höhere Taktrate erreicht. Natürlich können in jedem dieser Slots 24 auch entsprechend weniger Daten übertragen werden. Dies ist aber in der Automatisierungstechnik kein Problem, da verglichen mit Video Stream Daten erheblich weniger Nutzdaten pro Slot 24 übertragen werden müssen.
Im Ausführungsbeispiel der FIG 3 wird ein Datenfenster 25 der Länge T=40 ms in vier gleich lange Slots 24 mit Slot Length tl=10 ms unterteilt. Durch die Synchronisierung der
Datenfenster 25 bzw. Frames werden diese Slots 24
entsprechend auch nur in dieser Rate (z.B. 1/25 s)
synchronisiert (vgl. Sync Point p2) . Dies ist jedoch
vollkommen ausreichend, da der Jitter bei den einzelnen Slots 24 (Pseudo Sync Point pl) klein genug ist, um innerhalb der Framerate in der Jittertoleranz zu bleiben. Durch die
garantierte Bandbreite von AVB ist es möglich, hinsichtlich der Subscriptions bzw. echtzeitrelevanten Daten Slots 24 ungenutzt zu lassen, wenn keine solchen Daten zu übertragen sind (z.B. weil es keine Werteänderung in der Subscription gab) . Diese freigewordene Bandbreite wird automatisch von AVB zur Übertragung anderer, nicht echtzeitrelevanter Daten verwendet. Die reservierte Bandbreite bzw. die ungenutzten Slots 24 stehen folglich für anderweitige Kommunikation zwischen den Geräten 8a und 8b zur Verfügung. Man spricht von so genannter „atmender" Kommunikation. Insgesamt werden innerhalb der Kommunikation auf dem Netzwerk 26 die durch OPC-UA und AVB bereitgestellten Vorteile optimal kombiniert. Das in OPC-UA verwendete Prinzip der
Subscriptions garantiert, dass alle relevanten Daten bei gleichzeitig geringer Datenmenge übertragen werden; durch AVB wird andererseits die Echtzeitfähigkeit und intelligente Bandbreitenverwaltung zur Verfügung gestellt.
Bandbreitenverwaltung und Echtzeitkommunikation sind damit dezentral verwaltet. Eine zentrale Vorplanung der
Kommunikation ist nicht mehr erforderlich. Dennoch steigt die übertragbare Datenmenge insgesamt. Daten für die
deterministische und nicht deterministische Kommunikation können von dem Kommunikationsprotokoll sehr gut verarbeitet werden. Daneben ist ein hohes Maß an Interoperabilität auf dem Netzwerk 26 sichergestellt.
