QUADBECK-SEEGER, Hans-Jürgen (Heinrich-Bärmann-Str.5, Bad Dürkheim, 67098, DE)
| Patentansprüche
1. Verfahren zum Schneiden von offenzelligen Schaumstoffen auf Basis eines Aminoplasten, dadurch gekennzeichnet, dass man einen offenzelligen Schaumstoff mit einer Flüssigkeit tränkt und den getränkten Schaumstoff schneidet.
2. Verfahren zur Herstellung von Partikeln, dadurch gekennzeichnet, dass man einen offenzelligen Schaumstoff auf Basis eines Aminoplasten mit einer Flüs- sigkeit tränkt den getränkten Schaumstoff zu Partikeln mit einem mittleren
Durchmesser im Bereich von 0,1 bis 1000 μm zerteilt.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass man einen offenzelligen Melamin-Formaldehydharz-Schaumstoff verwendet.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3 , dadurch gekennzeichnet, dass der offenzellige Schaumstoff eine spezifische Dichte im Bereich von 5 bis 100 g/l aufweist.
5. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass der offenzellige Schaumstoff aus einem Melamin/Formaldehyd-Kondensationsprodukt mit einem Molverhältnis Melamin/Formaldehyd im Bereich von 1 : 1 und 1 : 5 hergestellt wurde.
6. Partikel oder Flocken, erhältlich nach den Verfahren der Ansprüche 1 bis 5.
7. Verwendung der Partikel oder Flocken nach Anspruch 6 zum Reinigen oder Polieren von Oberflächen.
8. Polierpaste, enthaltend Partikel nach Anspruch 6.
9. Verwendung der Polierpaste nach Anspruch 8 zum Polieren von Kunststoffen, Gläsern, lackierten Oberflächen, Metallen, magnetischen Datenträgern, elektronischen Schaltkreisen, Siliziumwafern oder Zähnen.
10. Verwendung der Flocken nach Anspruch 6 zur Aufnahme von organischen Stoffen auf Gewässeroberflächen. |
Verfahren zum Schneiden von offenzelligen Schaumstoffen auf Basis von Aminoplasten und zur Herstellung von Flocken oder Partikeln
Beschreibung
Die Erfindung betrifft verbessertes Verfahren zum Schneiden von offenzelligen Schaumstoffen auf Basis von Aminoplasten und zur Herstellung von Flocken oder fein- teiligen Partikeln, sowie deren Verwendung.
Offenzellige Schaumstoffe auf Basis eines Melamin/Formaldehyd-Kondensations- produktes sind für verschiedene wärme- und schalldämmende Anwendungen in Gebäuden und Fahrzeugen, sowie als isolierendes und stoßdämmendes Verpackungsmaterial bekannt.
Es ist bekannt, Partikel oder Flocken von offenzelligen Schaumstoffen auf Basis MeI- aminformaldehydharzen als Recyclat zu neuen Schaumstoffmatten zu verkleben (EP-B 451 535). Eine weitere Möglichkeit besteht in der Verwendung als Bodenverbesserungsmittel. Beim trockenen Schneiden des offenzelligen Schaumstoffes fällt jedoch Staub an.
In Schleif- und Polierpasten werden häufig Schleifkörper mit feiner Körnung und hoher Härte verwendet, welche jedoch während des Poliervorganges zu winzigen Kratzern auf der zu polierenden Oberfläche führen. Das deutsche Gebrauchsmuster DE 298 08 991 U1 schlägt vor, zum Polieren von Kunststoffoberflächen eine Polierpas- te zu verwenden, bei dem die Schleifmittel in einer Trägersubstanz dispergiert sind, bei der die Viskosität unter den Bedingungen des Poliervorgangs abnimmt.
Die DE-A 31 02 567 beschreibt eine Schleif- bzw. Polierpaste zum Polieren von Metalloberflächen, bei der in die Schmelze der Paste gleichmäßig verteilte Pulverteile ein- gebracht sind, deren Härte zwischen der Härte der Schleifkörper und der Härte der Schmelze liegt. Als Pulverteile werden Metallteile, wie Kupferpulver, Aluminiumpulver, Zinkpulver, Messingpulver oder dergleichen genannt.
Aufgabe der Erfindung war es, den genannten Nachteilen abzuhelfen und ein einfa- ches und staubfreies Verfahren zum Schneiden von offenzelligen Schaumstoffen auf Basis von Aminoplasten zu finden, sowie ein Verfahren zur Herstellung von Flocken oder feinteiligen Partikeln.
Demgemäß wurde ein Verfahren zum Schneiden von offenzelligen Schaumstoffen auf Basis eines Aminoplasten gefunden, wobei man den offenzelligen Schaumstoff mit einer Flüssigkeit tränkt und den getränkten Schaumstoff schneidet. Auf diese Weise
lassen sich staubfrei auch komplizierte Konturen zu Formen, beispielsweise Druckstempel schneiden.
Des weiteren wurde ein Verfahren zur Herstellung von feinteiligen Partikeln gefunden, wobei man einen offenzelligen Schaumstoff auf Basis eines Aminoplasten mit einer Flüssigkeit tränkt und den getränkten Schaumstoff zu Partikel mit einem mittleren Durchmesser im Bereich von 0,1 bis 1000 μm, bevorzugt im Bereich von 50 bis 500 μm, zerteilt.
Als offenzellige Schaumstoffe werden bevorzugt elastische Schaumstoffe auf Basis eines Melamin/Formaldehyd-Kondensationsproduktes mit einer spezifischen Dichte von 5 bis 100 g/l, insbesondere von 8 bis 20 g/l verwendet. Die Zellzahl liegt üblicherweise im Bereich von 50 bis 300 Zellen/25 mm. Die Zugfestigkeit liegt bevorzugt im Bereich von 100 bis 150 kPa und die Bruchdehnung im Bereich von 8 bis 20 %.
Zur Herstellung kann nach EP-A 071 672 oder EP-A 037 470 eine hochkonzentrierte, treibmittelhaltige Lösung oder Dispersion eines Melamin-Formaldehyd-Vorkondensates mit Heißluft, Wasserdampf oder durch Mikrowellenbestrahlung verschäumt und ausgehärtet werden. Derartige Schaumstoffe sind im Handel unter der Bezeichnung Baso- tect® der Firma BASF Aktiengesellschaft erhältlich.
Das Molverhältnis Melamin/Formaldehyd liegt im allgemeinen im Bereich von 1 : 1 bis 1 :5. Zur Herstellung besonders formaldehydarmer Schaumstoffe wird das Molverhältnis im Bereich von 1 : 1 ,3 bis 1 : 1 ,8 gewählt und ein sulfitgruppenfreies Vorkondensat eingesetzt, wie z. B in WO 01/94436 beschrieben.
Erfindungsgemäß wird der offenzellige Schaumstoff vor dem Schneiden oder Zerteilen mit einer Flüssigkeit, beispielsweise Alkohole, Ketone, flüssige Kohlenwasserstoffe oder Wasser getränkt. Bevorzugt wird Wasser verwendet.
Das Zerteilen kann mittels üblichen Zerkleinerungsmaschinen, welche rotierende Messer oder quetschende Teile aufweisen. Geeignete Zerkleinerungsmaschinen sind beispielsweise Mühlen, wie Kugelmühlen oder Ultraturax, Extruder.
Je nach Art der Zerkleinerungsmaschine bzw. Rotationsgeschwindigkeit der Messer können feinteilige Partikel (Pulver) oder watteähnliche Stücke (Flocken) erhalten werden. Ein Wasser oder Alkohol-getränktes Schaumstoffstück kann auf diese Weise besonders einfach und staubfrei zu einer Aminoplast-Partikel-Suspension verarbeitet werden. Falls gewünscht kann die Suspension anschließend filtriert oder zentrifugiert und das erhaltende Pulver anschließend getrocknet werden.
Das getrocknete Pulver oder die Flocken können beispielsweise als Zuschlagsstoff im Extruder zu Polymerschmelzen zugegeben werden oder aber auch als Bodenverbes- serungs- und feuchtigkeitsregulierendes Mittel in Gärtnereien oder der Landwirtschaft verwendet werden.
Neben der Möglichkeit zur Wiederverwertung von Produktionsabfällen oder Fehlchargen bei der Herstellung oder Weiterverarbeitung der offenzelligen Schaumstoffe, eignen sich die nach dem erfindungsgemäßen Verfahren erhältlichen Flocken oder feintei- ligen Pulver insbesondere als Reinigungs- oder Poliermaterialien für Oberflächen.
Die feinteiligen Pulver können dabei getrocknet oder bevorzugt direkt als wässrige Suspension auf Schwämme oder Vliese und Gewebe direkt aufgetragen oder zusammen mit filmbildenden Polymeren beschichtet werden. Besonders bevorzugt werden Schaumstoffe, Vliese oder Gewebe aus Melaminharzen. Bei Verwendung eines VNe- ses oder Gewebes ist der Druck leicht steuerbar und die Reinigungswirkung kann den Erfordernissen angepasst werden.
Aufgrund der Schwerentflammbarkeit der offenzelligen Schaumstoffe, eigen sich die erfindungsgemäßen Flocken und Partikeln zusammen mit Wasser als hervorragendes Feuerlöschmittel.
Mit den erfindungsgemäßen Flocken können auch schnell und einfach organische Stoffe, beispielsweise öl bei einer Havarie von der Gewässeroberfläche aufgesaugt und durch Aufsammeln oder Abpumpen der getränkten Flocken entsorgt werden.
Ein weiterer Gegenstand der Erfindung ist eine Polierpaste, welche die nach dem oben beschriebenen Verfahren erhältlichen feinteiligen Partikel aus Aminoplasten als abrasi- ves Schleifmittel enthält. Da das Schleifmittel auf organischer Basis ist, weist es eine geringere Härte als die üblicherweise verwendeten Schleifkörper, wie Diamant, Korund oder Silikate auf.
Es kann daher in Polierpasten alleine oder gegebenenfalls zusammen mit weiteren üblichen stark abrasiven Schleifmittel, wie Aluminium-, Magnesium-, Chrom-, Zinn(IV)-, Eisenoxide, Siliciumcarbid, Kieselgur, Diamantenstaub, Cer- u./od. Zirconiumoxide verwendet werden.
Als Trägersubstanz für die Polierpaste eignen sich beispielsweise Wasser, Alkohole, Polyethylenglykol oder Wachse. Bevorzugt wird die Trägersubstanz für die Polierpaste bereits als Flüssigkeit zum Tränken des offenzelligen Schaumstoffes vor dem zerklei- nern verwendet.
Dem Poliermittel bzw. der Polierpaste können weitere übliche Additive, wie Suspensionsstabilisatoren, Antiabsetzmittel, Bentonite oder Geruchsstoffe zugegeben werden.
Das Poliermittel bzw. die Polierpaste eignet sich zum schonenden Reinigen und Polie- ren von Kunststoffen, Gläsern, Autoscheiben, lackierten Oberflächen, Metallen, magnetischen Datenträgeren, elektronischen Schaltkreisen, Siliziumwafern oder Zähnen, Zahnprothesen, Zahnfüllungen oder Kunstzähnen.
Das mechanische Polieren kann durch leichtes Andrücken des betreffenden Werk- Stücks, z. B. aus Metall, Glas, Holz, Kunststoff, oder Leder auf waagerechte, von einem Motor angetriebene u. mit einem Wolltuch oder Samt bespannte Scheiben, die mit dem erfindungsgemäßen Poliermittel oder Polierpaste bestrichen werden, erfolgen.
Beispiele:
Beispiel 1
Ein 2 cm x4 cm x10 cm großes Stück aus einem offenzelligen Melamin-Formaldehyd- schaumstoff mit einer Dichte von 15 g/m 3 (Basotect® der BASF Aktiengesellschaft) wurde mit Wasser getränkt und 5 Minuten in einem Haushaltsmixer (Typ Moulinex) zerkleinert. Hierbei entstand eine Suspension mit einem Feststoffgehalt von etwa 2 Gew.-%.
Beispiel 2
Die Suspension aus Beispiel 1 wurde nacheinander mit weiteren, trockenen Baso- tect®-Stücken versetzt und in einem Haushaltsmixer zerkleinert, bis der Feststoffgehalt 15 Gew.-% betrug.
Die Suspension wurde anschließend auf ein Haushaltstuch gegeben und durch leichten Druck eine verschmutze Tischoberfläche gereinigt.
Beispiel 3
Mehrere 1 cm x 1 cm x 1 cm große Würfel aus einem offenzelligen Melamin-Form- aldehydschaumstoff mit einer Dichte von 15 g/m 3 (Basotect® der BASF Aktiengesell- schaft) wurde mit Wasser getränkt mit einem Haushaltsmixer (Typ Zauberstag) zu Flocken zerkleinert. Anschließend wurden die Flocken im Mikrowellenofen getrocknet.
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