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Patent Searching and Data


Title:
METHOD AND DEVICE FOR CASTING A CAST PART FROM A METAL MELT
Document Type and Number:
WIPO Patent Application WO/2010/058003
Kind Code:
A1
Abstract:
The invention relates to a method and a device for casting a cast part G from a metal melt M. During the method according to the invention, a casting mold F comprising a mold cavity H that shapes the cast part G, a feed system 10 and a pouring channel 13, said casting mold being mounted in a bogie, is rotated to a fill position and filled with a metal melt. As a consequence of the effect of gravity, the melt flows through the pouring channel, wherein the main flow direction of the melt makes an angle relative to the acting direction of the force of gravity. The filling is continued until the casting mold F and the pouring channel 13 are completely filled with metal melt M. Then, the casting mold F is sealed by a stopper 18 placed in the fill opening 14 of the pour channel 13, and is rotated to a solidification position in which the melt M present in the feed system 10 is pushed against the melt M present in the mold cavity H. The casting mold G is held in the solidification position until the metal melt M present in the casting mold F has reached a state of solidification in which the cast part G can be de-molded.

Inventors:
SMETAN, Herbert (Auf der Hardt 34, Rehlingen-Siersburg, 66780, DE)
LELLIG, Klaus (Im Steinecken 11, Wallerfangen, 66798, DE)
Application Number:
EP2009/065627
Publication Date:
May 27, 2010
Filing Date:
November 23, 2009
Export Citation:
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Assignee:
NEMAK DILLINGEN GMBH (Industriepark Staustufe, Dillingen, 66763, DE)
SMETAN, Herbert (Auf der Hardt 34, Rehlingen-Siersburg, 66780, DE)
LELLIG, Klaus (Im Steinecken 11, Wallerfangen, 66798, DE)
International Classes:
B22D23/00; B22D27/08
Attorney, Agent or Firm:
COHAUSZ & FLORACK (Bleichstraße 14, Düsseldorf, 40211, DE)
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Claims:
P A T E N T AN S P R Ü C H E

1. Verfahren zum Gießen eines Gussteils (G) aus einer Metallschmelze (M) umfassend folgende Arbeitsschritte :

a) Bereitstellen einer in einem Drehgestell gelagerten Gießform (F), die einen das Gussteil (G) abbildendenden Formhohlraum (H) , ein Speisersystem (10) zum Speisen des Formhohlraums (H) mit Metallschmelze (M) sowie einen Ängusskanal (13) umfasst, über den das Speisersystem (10) mit Metallschmelze befullbar ist, wobei das Speisersystem (10) in Bezug auf den Formhohlraum der Gießform (F) derart angeordnet ist, dass bei in eine Fullstellung gedrehter Gießform (F) die Füllung des Formhohlraums (H) mit der Metallschmelze (M) über das Speisersystem entgegen der Wirkrichtung der Schwerkraft erfolgt, und wobei die zum Einfüllen der Metallschmelze (M) vorgesehene Einfulloffnung (14) des Angusskanals (13) an einer Seitenflache der Gießform (F) derart entfernt zu seiner Einmündung (15) in das Speisersystem (10) angeordnet ist, dass die Einfulloffnung (14) des Angusskanals (13) in der jeweiligen Fullstellung der Gießform (F) oberhalb seiner Einmündung (15) in das Speisersystem (10) angeordnet ist, b) Ausrichten der Gießform (F) in eine Fullstellung, in der in den Angusskanal (13) gefüllte Metallschmelze (M) in Folge der Wirkung der Schwerkraft durch den Angusskanal (13) fließt, wobei die Hauptfließrichtung (SR) der Metallschmelze (M) mit der Wirkrichtung (WK) der Schwerkraft einen Winkel einschließt, c) Befullen der in der Fullstellung ausgerichteten Gießform (F) mit der Metallschmelze (M), bis die Gießform (F) einschließlich des Angusskanals (13) vollständig mit Metallschmelze (M) gefüllt ist, d) Verschließen der Gießform (F) durch einen in die Einfulloffnung (14) des Angusskanals (13) gesetzten Stopfen (18), e) Drehen der verschlossenen Gießform (F) in eine Erstarrungsstellung, in der in Folge der Wirkung der Schwerkraft die in dem Speisersystem (10) vorhandene Schmelze (M) auf die im Formhohlraum

(H) vorhandene Schmelze (M) druckt, f) Halten der Gießform (F) in der Erstarrungsstellung, bis die in der Gießform (F) vorhandene Metallschmelze (M) einen bestimmten Erstarrungszustand erreicht hat, g) Entformen des Gussteils (G) .

2. Verfahren nach Anspruch 1, d a d u r c h g e k e n n z e i c h n e t, d a s s die Gießform (F) nach Erreichen eines bestimmten Füllstandes der

Metallschmelze (M) wahrend ihrer weiteren Befüllung so gedreht wird, dass die Hauptfließrichtung (SR) der durch den Angusskanal (13) fließenden Metallschmelze (M) sich zunehmend an die Wirkrichtung der Schwerkraft annähert.

3. Verfahren nach Anspruch 2, d a d u r c h g e k e n n z e i c h n e t, d a s s die wahrend des Fullvorgangs durchgeführte Drehung beendet wird, wenn die Hauptfließrichtung der durch den Angusskanal (13) fließenden Metallschmelze (M) mit der Wirkrichtung (WK) der Schwerkraft übereinstimmt.

4. Verfahren nach Anspruch 2 oder 3, d a d u r c h g e k e n n z e i c h n e t, d a s s mit der Drehung der Gießform (F) frühestens begonnen wird, wenn die Einmündung (15) des Angusskanals (13) in das Speisersystem (10) unterhalb des Spiegels der in die Gießform (F) eingefüllten Metallschmelze (M) liegt .

5. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, d a d u r c h g e k e n n z e i c h n e t, d a s s die Metallschmelze (M) mittels eines Gießloffels (17) in die Gießform (F) gefüllt wird.

6. Verfahren nach Anspruch 5 und einem der Ansprüche 2 bis 4 oder 3, d a d u r c h g e k e n n z e i c h n e t, d a s s der Gießloffel (17) der Drehung der Gießform (F) nachgefuhrt wird.

7. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, d a d u r c h g e k e n n z e i c h n e t, d a s s mindestens ein Abschnitt der Gießform (F) vor dem Einfüllen der Metallschmelze (M) thermisch behandelt wird.

8. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, d a d u r c h g e k e n n z e i c h n e t, d a s s das Gussteil (G) ein Motorblock für einen Verbrennungsmotor ist.

9. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, d a d u r c h g e k e n n z e i c h n e t, d a s s die Drehachse (X) der Gießform (F) horizontal ausgerichtet ist.

10. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, d a d u r c h g e k e n n z e i c h n e t, d a s s der Angusskanal (13) der Gießform (F) linear verlauft .

11. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, d a d u r c h g e k e n n z e i c h n e t, d a s s die Einfulloffnung (14) des Angusskanals (13) der Unterseite der Gießform (F) zugeordnet ist.

12. Vorrichtung zum Gießen eines Gussteils (G) aus einer Metallschmelze (M) , umfassend eine Halterung zum Halten einer Gießform (F), einen Drehantrieb zum Drehen der Gießform (F) um eine Drehachse (X) und eine Fulleinrichtung (17) zum Einfüllen von Metallschmelze (M) in eine Einfulloffnung (15) der Gießform (F) , g e k e n n z e i c h n e t d u r c h eine Nachfuhreinrichtung (T) , die die Fulleinrichtung (17) wahrend des Einfullens der Metallschmelze (M) einer durch eine Drehbewegung der Gießform (F) verursachten Lageanderung der Einfulloffnung (15) der Gießform (F) nachfuhrt.

13. Vorrichtung nach Anspruch 12, d a d u r c h g e k e n n z e i c h n e t, d a s s die Fulleinrichtung ein Gießloffel (17) ist.

14. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 12 oder 13, d a d u r c h g e k e n n z e i c h n e t, d a s s der Drehantrieb dazu vorgesehen ist, die Gießform (F) um einen Winkel von mehr als 180 ° frei zu drehen.

15. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 12 bis 13, d a d u r c h g e k e n n z e i c h n e t, d a s s die Drehachse (X) der Gießform (F) horizontal ausgerichtet ist.

Description:
Verfahren und Vorrichtung zum Gießen eines Gussteils aus einer Metallschmelze

Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Gießen eines Gussteils aus einer Metallschmelze sowie eine zur Durchfuhrung eines solchen Verfahrens geeigneten Vorrichtung. Bei der erfindungsgemaß verarbeiteten Metallschmelze handelt es sich insbesondere um eine Leichtmetallschmelze, vorzugsweise eine auf Aluminium oder einer Aluminiumlegierung basierenden Schmelze.

Die Eigenschaften eines Gussstucks werden stark vom Verlauf der Erstarrung der Schmelze in der Gießform und der zur Kompensation der Volumenschwindung erforderlichen Nachspeisung beeinflusst. So zeigt sich eine besonders gleichförmige Eigenschaftsverteilung, wenn die Formfullung mit Schmelze in einem kontinuierlichen Vorgang unter Vermeidung größerer Schmelzenstromungen in der Gießform durchgeführt wird und die Erstarrung anschließend gleichmaßig verteilt, an der dem Speiser gegenüberliegenden Seite der Gießform, einsetzt.

Qualitativ besonders hochwertige Gusserzeugnisse lassen sich durch das so genannte "Rotationsgießen" erzeugen. Eine in der Praxis für die Erzeugung von qualitativ hochwertigen Gussteilen bewahrte Ausgestaltung dieses Gießverfahrens ist in der DE 100 19 309 Al vorgeschlagen worden. Demnach wird ein Metallschmelze enthaltender Schmelzenbehalter mit seiner nach oben ausgerichteten Öffnung an eine nach unten weisende Einfulloffnung einer Gießform angedockt. Anschließend wird die Gießform gemeinsam mit dem fest mit ihr verbundenen Schmelzenbehalter um ca. 180° gedreht. Im Zuge der Drehung gelangt die Schmelze von dem Schmelzenbehalter in die Gießform. Wenn die Endstellung der Drehung erreicht ist, wird der Schmelzenbehalter von der Gießform entfernt. Die heiße, nun oben befindliche Restschmelze im Speiserbereich kann dann unter Wirkung der Schwerkraft weiterhin wirksam bleiben und den mit der Erstarrung der Schmelze einhergehenden Volumenverlust wirkungsvoll ausgleichen.

Durch die Rotation der Gießform mit dem Schmelzenbehalter wird eine vollständige Füllung der Gießform mit Metallschmelze erreicht. Die Schmelze gelangt bei der Rotation dadurch, dass im Zuge der Formdrehung die in die Gießform eingefüllte Metallschmelze gleichmaßig der Schwerkraft ausgesetzt ist, sicher in alle Bereiche des Formhohlraums der Gießform, der das zu gießende Gussteil abbildet. Zudem wird das Gefuge des Gussteils in Folge der gerichteten Erstarrung optimiert, die durch die mit der Rotation einhergehenden Ausrichtung der Gießform bewirkt wird.

Probleme ergeben sich beim in der voranstehend erläuterten Weise durchgeführten Rotationsgießen allerdings dann, wenn bei zylindrischen Innengeometrien besonders homogene Erstarrungsmorphologien gefordert sind. Indem die Gießform zunächst entgegen der Schwerkraft gefüllt und anschließend zum Abkühlen gedreht wird, kann zwar eine ruhigere Formfullung und damit einhergehend besseres Erstarrungsergebnis erzielt werden. Allerdings kann es bereits vor dem Drehen zu Gussfehlern kommen, welche sich zumeist durch Blasen oder Kaltlaufe im Gussteil zeigen. Diese Gussfehler werden darauf zurückgeführt, dass die Schmelze bereits vor der Drehung der Gießform in der Gießform so stark abkühlt, dass sich unkontrollierte Erstarrungsfronten bilden ("Kaltlaufe") oder die Schmelze unter Einschluss von Gas in die Gießform zurucksackt.

Vor diesem Hintergrund bestand die Aufgabe der Erfindung darin, ein Verfahren und eine Vorrichtung zu schaffen, mit denen sich mit hoher Betriebssicherheit auf besonders wirtschaftliche Weise hochwertige, komplex geformte Gießteile erzeugen lassen.

In Bezug auf das Verfahren ist diese Aufgabe dadurch gelost worden, dass ein solches Verfahren erfindungsgemaß die in Anspruch 1 genannten Maßnahmen umfasst. Vorteilhafte Ausgestaltungen des erfindungsgemaßen Verfahrens sind in den auf Anspruch 1 ruckbezogenen Ansprüchen genannt .

In Bezug auf die Vorrichtung ist die oben angegebene Aufgabe erfindungsgemaß dadurch gelost worden, dass eine solche Vorrichtung die in Anspruch 12 angegebenen Merkmale aufweist. Vorteilhafte Ausgestaltungen einer erfindungsgemaßen Vorrichtung sind in den auf Anspruch 12 ruckbezogenen Ansprüchen angegeben. Gemäß der Erfindung wird zum Gießen eines Gussteils aus einer Metallschmelze zunächst eine in einem Drehgestell gelagerte Gießform bereitgestellt (Arbeitsschritt a) . Diese Gießform umfasst einen das Gussteil abbildendenden Formhohlraum, ein Speisersystem zum Speisen des Formhohlraums mit Metallschmelze sowie einen Angusskanal, über den das Speisersystem mit Metallschmelze befullbar ist. Dabei ist das Speisersystem in Bezug auf den Formhohlraum der Gießform derart angeordnet, dass bei in eine Fullstellung gedrehter Gießform die Füllung des Formhohlraums mit der Metallschmelze über das Speisersystem entgegen der Wirkrichtung der Schwerkraft erfolgt. Gleichzeitig ist die zum Einfüllen der Metallschmelze vorgesehene Einfulloffnung des Angusskanals an einer Seitenflache der Gießform derart entfernt zu seiner Einmündung in das Speisersystem angeordnet, dass die Einfulloffnung des Angusskanals in der jeweiligen Fullstellung der Gießform oberhalb der Einmündung in das Speisersystem angeordnet ist.

Vor dem Befullen wird die so bereitgestellte Gießform in eine Fullstellung ausgerichtet, in der in den Angusskanal gefüllte Metallschmelze in Folge der Wirkung der Schwerkraft durch den Angusskanal fließt, wobei die Hauptfließrichtung der Metallschmelze mit der Wirkrichtung der Schwerkraft einen Winkel einschließt (Arbeitsschritt b) . "Hauptfließrichtung" der Metallschmelze meint in diesem Zusammenhang die Fließrichtung, in der die Schmelze unabhängig vom jeweiligen tatsachlichen Verlauf des Angusskanals fließen musste, um auf direktem Wege von der Einfulloffnung zur Einmündung des Angusskanals in das Speisersystem zu gelangen. Dabei ist es selbstverständlich, dass die Ausrichtung der Gießform in der erfindungsgemaß vorgegebenen Fullstellung jeweils in einem gesonderten Arbeitsgang vorgenommen werden kann, dass es aber genauso möglich ist, die Gießform im Zuge ihrer Bereitstellung bereits so auszurichten, dass sie den Anforderungen der erfindungsgemaßen Vorgehensweise genügt.

Die in Fullstellung ausgerichtete Gießform wird dann mit der Metallschmelze befullt, bis die Gießform einschließlich des Angusskanals vollständig mit Metallschmelze gefüllt ist (Arbeitsschritt c) .

Sobald die Gießform ausreichend gefüllt ist, wird sie durch einen in die Einfulloffnung des Angusskanals gesetzten Stopfen dicht verschlossen (Arbeitsschritt d) . Dann wird die Gießform in eine Erstarrungsstellung gedreht, in der in Folge der Wirkung der Schwerkraft die in dem Speisersystem vorhandene Schmelze auf die im Formhohlraum vorhandene Schmelze druckt (Arbeitsschritt e) . In dieser Stellung wird die Gießform gehalten, bis die in der Gießform vorhandene Metallschmelze einen bestimmten Erstarrungszustand erreicht hat (Arbeitsschritt f) . Anschließend wird das Gussteil entformt (Arbeitsschritt g) .

Durch die erfindungsgemaße Art und Weise der Füllung, das anschließende Verschließen und Verschlossenhalten der Gießform sowie die Drehung der Gießform derart, dass die im Speisersystem der Gießform enthaltene Metallschmelze auf die das Gussteil bildende Schmelze druckt, werden Gussfehler vermieden. Hierzu tragt neben dem besonders beruhigt ablaufenden Befullvorgang insbesondere bei, dass die in der Gießform enthaltene Metallschmelze ab dem Ende des Befullens und wahrend des gesamten Erstarrungsvorgangs unter metallostatischem Druck verbleibt. So wird durch die nach dem Verschließen im Angusskanal stehende Schmelzensaule dem Absacken der Schmelze im das Gussteil abbildenden Formhohlraum entgegengewirkt. Gleichzeitig erlaubt es der dichte Verschluss der Gießform, die Drehung der Gießform unmittelbar nach Beendigung des Fullvorgangs zu beginnen, ohne dass dazu die Fullvorrichtung selbst oder andere aufwandige Baugruppen mit der Gießform mitbewegt werden mussten .

Aufgrund der erfindungsgemaßen Ausrichtung der Gießform (Arbeitsschritt a) - c) ) und der damit einhergehenden, bezogen auf die Wirkrichtung der Schwerkraft schrägen Ausrichtung ihrer Hauptfließrichtung, strömt die Metallschmelze in Folge der sich entsprechend geringer auf die Fließgeschwindigkeit auswirkenden Erdanziehungskraft deutlich langsamer durch den Angusskanal, als dies der Fall wäre, wenn die Hauptfließrichtung der Schmelze und die Wirkrichtung der Schwerkraft übereinstimmen wurde. Dementsprechend ruhig lauft bei erfindungsgemaßer Vorgehensweise die Gießform von Beginn des Fullvorgangs an mit Metallschmelze voll.

Die insbesondere bei den bekannten Rotationsgießverfahren gerade am Anfang des Befullens problematischen Verwirbelungen und Stromungsungleichformigkeiten der Schmelze sind bei erfindungsgemaßer Vorgehensweise deutlich minimiert. Schon diese einfache Maßnahme tragt zu einer signifikanten Erhöhung der Gussqualitat bei.

Indem die Gießform nach Erreichen eines bestimmten Füllstandes der Metallschmelze wahrend ihrer weiteren Befüllung so gedreht wird, dass die Hauptfließrichtung der durch den Angusskanal fließenden Metallschmelze sich zunehmend an die Wirkrichtung der Schwerkraft annähert, lasst sich die Schwerkraftwirkung im weiteren Verlauf des Befullvorgangs voll ausnutzen. Die zu diesem Zeitpunkt bereits im Speisersystem bzw. im Angusskanal vorhandene Schmelzenmenge bremst dabei die neu in die Gießform einströmende Schmelze ab, so dass auch bei zunehmend in Richtung der Schwerkraftwirkung verschwenktem Angusskanal weiterhin eine weitestgehend beruhigte, gleichmaßige Formfullung gewahrleistet ist.

Zusatzlich wird durch die wahrend der Befüllung durchgeführte Drehung der Gießform in Richtung der Schwerkraftwirkung eine optimale Wirksamkeit des metallostatischen Drucks zum Zeitpunkt des Verschließens der Gießform sichergestellt. Daher sieht eine praxisgerechte Ausgestaltung der Erfindung vor, dass die wahrend des Fullvorgangs durchgeführte Drehung beendet wird, wenn die Hauptfließrichtung der durch den Angusskanal fließenden Metallschmelze mit der Wirkrichtung der Schwerkraft übereinstimmt.

Besonders effektiv lassen sich die Vorteile, die durch die bei Beginn der Befüllung schräg ausgerichtete Hauptfließrichtung einerseits und die anschließend wahrend des Fullvorgangs durchgeführte Drehung andererseits erzielten Vorteile dann nutzen, wenn mit der Drehung der Gießform frühestens begonnen wird, wenn die Einmündung des Angusskanals in das Speisersystem unterhalb des Spiegels der in die Gießform eingefüllten Metallschmelze liegt. Auf diese Weise ist bei gleichzeitig optimaler Nutzung der Vorteile einer mit der Wirkrichtung der Schwerkraft weitestgehend übereinstimmenden Ausrichtung der Hauptfließrichtung die Gefahr einer übermäßigen Wirbelbildung und der Entstehung von Gasblasen in dem Gussteil auf ein Minimum reduziert.

Im Ergebnis lassen sich mit dem erfindungsgemaßen Verfahren auf besonders wirtschaftliche Weise bei gegenüber den bekannten Gießverfahren deutlich reduzierter Ausschussquote Gussteile erzeugen, die auch strengsten Qualitatsanforderungen gerecht werden.

Der voranstehend zu dem erfindungsgemaßen Verfahren erläuterten Arbeitsweise entsprechend weist eine erfindungsgemaße Vorrichtung zum Gießen von Gussteilen aus einer Metallschmelze eine Halterung zum Halten einer Gießform, einen Drehantrieb zum Drehen der Gießform um eine Drehachse und eine Fulleinrichtung zum Einfüllen von Metallschmelze in eine Einfulloffnung der Gießform auf, wobei bei einer solchen Vorrichtung erfindungsgemaß eine Nachfuhreinrichtung vorgesehen ist, die die Fulleinrichtung wahrend des Einfullens der Metallschmelze einer durch eine Drehbewegung der Gießform verursachten Lageanderung der Einfulloffnung der Gießform nachfuhrt.

Für die Befüllung der Gießform kann ein konventioneller Gießloffel verwendet werden, der mittels einer geeigneten Nachfuhreinrichtung in einer der jeweiligen Fullstellung der Einfulloffnung der Gießform entsprechende Position gebracht und erforderlichenfalls der mit einer Drehung der Gießform einhergehenden Lageanderung der Einfulloffnung nachgefuhrt wird.

Besonders eignen sich das erfindungsgemaße Verfahren und eine erfindungsgemaße Vorrichtung zum Herstellen von Motorblocken für Verbrennungsmotoren. Bei diesen und vergleichbar komplex geformten Gussteilen kann es erforderlich sein, bestimmte Abschnitte der Gießform thermisch so vorzubehandeln, dass die in die Gießform gefüllten Schmelze bei Kontakt mit dem betreffenden Abschnitt das gewünschte Benetzungs- oder Erstarrungsverhalten zeigt. Ein typisches Beispiel für derartige Gießformabschnitte sind sogenannte "Zylinderliner" oder "Zylinderbuchen", die in einen Leichtmetall-Motorblock eingegossen werden, um im Bereich der Zylinderoffnungen des Motorblocks eine ausreichende Verschleißbestandigkeit zu gewahrleisten. Diese in der Regel aus einem Stahlwerkstoff bestehenden Liner bzw. Buchsen weisen ein deutlich höheres Wärmeleitvermögen auf, als der Sand, aus dem die Gießkerne oder Gießformteile der Gießform typischerweise bestehen. Indem die in das Gussteil einzugießenden Teile vorgewärmt werden, wird eine verbesserte Benetzung mit dem Gussmetall erzielt und der Gefahr der Entstehung von thermischen Spannungen und unerwünschten Gefugeausbildungen begegnet.

Die Lage der Drehachse, um die die Gießform bei der Durchfuhrung des erfindungsgemaßen Verfahrens gedreht wird, ist unerheblich, solange sichergestellt ist, dass sich durch die Drehung eine Positionierung der Gießform und ihres Angusskanals ergibt, bei der die Hauptfließrichtung der in die Gießform eingefüllten Metallschmelze in der erfindungsgemaßen Weise ausgerichtet ist. Eine besonders einfache und praxisgerechte Ausgestaltung einer zur Durchfuhrung des erfindungsgemaßen Verfahrens eingesetzten, erfindungsgemaßen Vorrichtung ergibt sich allerdings dann, wenn die Drehachse der Gießform horizontal ausgerichtet ist.

Ebenso lasst sich eine besonders einfache Gestaltung einer erfindungsgemaß ausgebildeten Vorrichtung dann erzielen, wenn der Angusskanal der Gießform linear verlauft .

Zusatzlich tragt es zu einer einfachen und damit einhergehend kostengünstigen Gestaltung einer erfindungsgemaßen Vorrichtung bei, wenn die

Einfullόffnung des Angusskanals an einer Unterseite der

Gießform angeordnet ist, die im Erstarrungszustand gegenüberliegend zu einer das Speisersystem begrenzenden

Oberseitseite der Gießform angeordnet ist.

Um eine weitestgehend freie, vielseitige Verwendbarkeit einer erfindungsgemaßen Vorrichtung zu erreichen, sollte ihr Drehantrieb die Gießform um einen Winkel von mehr als 180 ° drehen können. Nachfolgend wird die Erfindung anhand einer ein Ausfuhrungsbeispiel darstellenden Zeichnung naher erläutert .

Die Figuren 1 bis 10 zeigen jeweils schematisch zehn Betriebsstellungen einer in einer normal zu ihrer Langsachse geführten Schnittdarstellung gezeigten Vorrichtung 1 zum Gießen eines Gussteils G.

Bei dem Gussteil G handelt es sich hier um einen Motorblock für einen Vier-Zylinder-Verbrennungsmotor. Als Gießmetall wird beim vorliegend beschriebenen Ausfuhrungsbeispiel eine Aluminiumgusschmelze verwendet.

Die Vorrichtung 1 umfasst eine im in den Figuren gezeigten Querschnitt kreisrunde, auf zwei Rollen 2,3 gelagerte und mittels eines nicht dargestellten Antriebs drehangetriebene zylindrische Gießzelle Z auf, in der ein ebener Montageboden 4 und eine sich parallel und beabstandet zu dem Montageboden 4 ausgerichtete Fuhrungsplatte 5 befestigt sind.

Auf der der Fuhrungsplatte 5 zugeordneten Oberseite des Montagebodens 4 steht eine Basisplatte 6. Diese ist Teil der aus mehreren Formteilen und Formkernen zusammengesetzten Gießform F. Die Basisplatte 5 weist seitlich Aufnahmen auf, in denen jeweils ein Frontschieber 7,8 mit einem entsprechend geformten Absatz sitzt, so dass die Frontschieber 7,8 formschlussig auf der Basisplatte 6 sitzen. Von bei der Gießform G typischerweise vorhandenen Frontschiebern sind hier aus Gründen der Übersichtlichkeit nur die dem Umfang der Gießzelle Z zugeordneten, an den einander gegenüberliegenden Seiten der Basisplatte 5 angeordneten Schieber 7,8 gezeigt.

In der Fuhrungsplatte 5 ist eine sich parallel zur dem Montageboden 4 zugewandten Unterseite der Fuhrungsplatte 5 erstreckende Andruckplatte 9 so gelagert, dass sie in Richtung des Montagebodens 4 verstellt werden kann, um nach Abschluss der Montagearbeiten die Gießform F zu halten, und von dem Montageboden 4 wegbewegt werden kann, um nach Abschluss des Gießvorgangs die Gießform F zu demontieren und das fertige Gussteil G zu entformen.

Zwischen die Frontschieber 7,8 werden dann in an sich bekannter Weise die die Zylinderraume des zu gießenden Motorblock-Gussteils G in radialer Richtung umschließenden Zylinderbuchsen B sowie die Kerne K eingelegt, die innerhalb des Gussteils G diejenigen Kanäle und Hohlräume definieren, welche nicht von Gussmetall M gefüllt werden sollen.

Auf die der Andruckplatte 9 zugeordnete Oberseite der Gießform F wird daraufhin ein Sohlenkern 0 aufgelegt, der die Frontschieber 7,8 an ihrem oberen, der Fuhrungsplatte 5 zugeordneten Abschnitt formschlussig halt und mit der Basisplatte 6, den Frontschiebern 7,8, den Kernen K, den Zylinderbuchsen B und dem Sohlenkern O den Formhohlraum H der Gießform F umgrenzt.

Auf den Sohlenkern O wird schließlich noch ein Speiserkern S gelegt, der ein Speisersystem mit einem umlaufenden großvolumigen Speiserkanal 10 umfasst, der bei fertig montiertem Speiserkern S oberhalb der Frontschieber 7,8 verlauft. Der Speiserkern S umgrenzt dabei eine Öffnung 11, über die die von den Zylinderbuchsen B jeweils umschlossenen Zylinderoffnungen zuganglich sind. Der Speiserkanal 10 ist über verschiedene Anschnitte 12 mit dem Formhohlraum H der Gießform F verbunden.

In die Gießform ist ein in der Fachsprache auch als "Eingussstange" bezeichneter linear ausgebildeter Angusskanal 13 eingeformt, der sich durch den Frontschieber 7, den ihm zugeordneten, zwischen dem Frontschieber 7 und dem Montageboden 4 angeordneten, Seitenabschnitt der Grundplatte 4 sowie den Speiserkern 11 zieht und zum Montageboden 4 normal ausgerichtet ist und von einer in den Montageboden 4 trichterförmig eingeformten Einfulloffnung 14 auf direktem Wege geradlinig zum Speiserkanal 10 des Speiserkerns S fuhrt, in den er mit einer Einmündung 15 mundet.

Nachdem der Speiserkern S aufgesetzt ist, wird die Andruckplatte 9 auf die so bereitgestellte Gießform F abgesenkt, um die Montagestellung der formschlussig ineinandergreifenden Teile und Kerne der Gießform F zu sichern .

Nun wird die Gießzelle Z mit der in ihr gehaltenen Gießform F um 180° um eine mit Langsachse der Gießform F zusammenfallende, horizontal ausgerichtete Drehachse X gedreht, bis sich die Basisplatte 5 in Wirkrichtung WK der Schwerkraft gesehen oben und der Speiserkern S unten befindet. Dementsprechend befindet sich die Einfüllöffnung 14 des Angusskanals 13 an der nun oben liegenden Seite des Montagebodens 4.

Nachdem diese Stellung erreicht ist, wird jeweils ein Heizfinger einer Heizeinrichtung 16 zum induktiven Heizen in die Zylinderbuchsen B gefahren, um sie auf eine vorgeschriebene Temperatur zu heizen (Figuren 3,4) .

Nach der Erwärmung der Zylinderbuchsen B wird die Gießzelle Z erneut gegen den Uhrzeigersinn um einen Winkel von ca. 45° um die Drehachse X gedreht. In dieser "Einfüllstellung" ist der geradlinig verlaufende Angusskanal 14 dementsprechend ebenfalls um einen Winkel von ca. 45° zur Wirkrichtung WK geneigt.

Anschließend wird mittels einer als Gießlöffel ausgebildeten Gießeinrichtung 17 die zu vergießende Metallschmelze M in die Einfüllöffnung 14 des Angusskanals 13 gegossen. Aufgrund der Schrägstellung der Gießform F rinnt die Schmelze M vergleichbar langsam durch den Angusskanal 13 und tritt mit entsprechend geringer kinetischer Energie in den Speiserkanal 10 des Speiserkerns S ein. Ihre Hauptfließrichtung SR ist dabei gleich dem Angusskanal 13 ausgerichtet, so dass auch die Hauptfließrichtung SR der durch den Angusskanal 13 strömenden Schmelze M in einem Winkel von ca. 45° zur Wirkrichtung WK der Schwerkraft ausgerichtet ist.

Die Befüllung der schräggestellten Gießform F mit der Metallschmelze M wird fortgesetzt, bis die Einmündung 15 des Angusskanals 13 unterhalb des Spiegels der im Speiserkanal 11 sich sammelnden Metallschmelze M liegt (Fig. 5) .

Ist dieser Zustand erreicht, wird die Gießzelle Z langsam in Uhrzeigerrichtung gedreht, bis der Angusskanal 13 von seiner Einfulloffnung 14 zur Einmündung 15 in den Speiserkanal 10 senkrecht nach unten weist.

Die Befüllung der Gießform F mit Metallschmelze M wird wahrend der Drehung laufend fortgesetzt. Dazu wird die Gießeinrichtung 17 mittels einer Nachfuhreinrichtung T, bei der es sich beispielsweise um einen Stellantrieb oder einen Kran handeln kann, an dem die Gießeinrichtung jeweils hangt, der mit der Drehung der Gießzelle Z einhergehenden Lageanderung der Einfulloffnung 14 nachgefuhrt. Ist die Endstellung dieser Drehung erreicht fallt die Hauptfließrichtung SR der Schmelze M mit der Wirkrichtung WK der Schwerkraft zusammen, so dass die Füllung der restlichen Abschnitte des Formhohlraums der Gießform F unter optimaler Ausnutzung der Schwerkraft ablauft (Figuren 7,8).

Sobald eine ausreichende Schmelzenmenge in die Gießform F gefüllt ist, wird ein Stopfen 18 in die Einfulloffnung 14 gesetzt, so dass diese dicht verschlossen ist (Fig. 8) .

Daraufhin wird die Gießzelle Z wiederum gedreht, bis der Ausgangszustand (Fig. 2) erreicht ist, in dem der Speiserkern S in Wirkrichtung WK der Schwerkraftrichtung gesehen oben und die Basisplatte 5 unten angeordnet sind. Der Stopfen 18 halt dabei die Gießform F weiterhin verschlossen, so dass ein Auslaufen von Schmelze M aus der Gießform F sicher verhindert ist.

In dieser Position wird die Gießform F gehalten, bis die Erstarrung des Gussteils G für die Entformung ausreichend weit fortgeschritten ist.

Im vorliegend beschriebenen Ausfuhrungsbeispiel ist die Gießform F somit so aufgebaut, dass der Speiser S der abzugießenden Form F zum Befullen zumindest zu einem großen Teil unterhalb des Formhohlraums H der Gießform F angeordnet ist, so dass der Formhohlraum H der Gießform F zunächst entgegen der Schwerkraft gefüllt wird. Vorzugsweise wird die gesamte Gießform F bereits wahrend des Fullvorgangs zum Anguss gekippt, um die Geschwindigkeit der Metallschmelze M bei der ersten Füllung zu reduzieren und einen gleichmaßigen Fullvorgang des Angusskanals 13 und des Speisers S zu erreichen. Zur Füllung dient eine als Gießloffel ausgebildete Gießeinrichtung 18, welche, wie dargestellt, wahrend des Gießvorgangs mit der Drehung der Gießform F mitgefuhrt werden kann.

Nach Beendigung des Fullvorgangs wird der vom Speiser S nach oben verlaufende Anguss 13 verschlossen und erzeugt metallostatischen Druck auf die in dem Speiser S und dem Formhohlraum vorhandene Schmelze M, welcher ein Zurucksacken der Schmelze M verhindert.

Im vorliegenden Ausfuhrungsbeispiel bewirkt bei der anschließenden Drehung die im Speiser S vorhandene Metallschmelze M die Aufrechterhaltung des metallostatischen Drucks der Metallschmelze M im Formhohlraum. Gussfehler, wie beispielsweise Blasen und Kaltverläufe, werden so ausgeschlossen.

BEZUGSZEICHEN

I Vorrichtung zum Gießen des Gussteils G 2,3 Rollen

4 Montageboden

5 Fuhrungsplatte

6 Basisplatte der Gießform F 7,8 Frontschieber

9 Andruckplatte

10 Speiserkanal des Speiserkerns S

II Öffnung des Speiserkerns S

12 Anschnitte

13 Angusskanal

14 Einfulloffnung

15 Einmündung des Angusskanals 13

16 Heizeinrichtung

17 Gießeinrichtung

18 Stopfen

B Zylinderbuchsen

F Gießform

G Gussteil

H Formhohlraum der Gießform F

K Kerne

M Metallschmelze

0 Sohlenkern

S Speiserkern

SR Hauptfließrichtung

T Nachfuhreinrichtung

WK Wirkrichtung der Schwerkraft

X Drehachse

Z Gießzelle