KIFFMEYER, Thekla, Katharina (Renteilichtung 73, Essen, 45135, DE)
TÜRK, Jochen (Meisenstrasse 25, Duisburg, 47228, DE)
ROHM, Geord (Stoffeler Strasse 12, Düsseldorf, 40227, DE)
KIFFMEYER, Thekla, Katharina (Renteilichtung 73, Essen, 45135, DE)
TÜRK, Jochen (Meisenstrasse 25, Duisburg, 47228, DE)
Patentansprüche
1. Verfahren zur Immobilisierung von Kontaminaten auf Oberflächen, insbesondere auf Fußbodenbelägen,
gekennzeichnet durch,
die Verwendung von Sorbentien, welche durch eine Matrix auf der Oberfläche gebunden werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
gekennzeichnet durch,
die Verwendung von mindestens einem oder mehreren polymeren Stof- fen als Sorbens.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
gekennzeichnet durch,
die Verwendung eines Polymers als Sorbens ausgesucht aus der Gruppe bestehend aus: Agar, Natrium-Carboxymethylcellulose, Polyvi- nylalkohol, Pektin, mikrochristalline Cellulose, synthetisches Polysaccha- rid und Polypropylenglykol.
4. Verfahren nach Anspruch 1 ,
gekennzeichnet durch
die Verwendung von mindestens einem oder mehreren zur chemischen Ein- oder Anlagerung fähigen Substanzen als Sorbens, ausgesucht aus der Gruppe bestehend aus: pulverisiertem Zeolith, insbesondere synthe- tisches Molsieb mit einem Porendurchmesser von 1-10 A , bevorzugt 2- 8ä , besonders bevorzugt von etwa 4A 1 modifiziertes und nanodisperses Titandioxid, vorzugsweise in partikulärer Form mit einem mittleren Teilchendurchmesser von weniger als 1μm, besonders bevorzugt mit einem mittleren Teilchendurchmesser von weniger als 300nm und besonders bevorzugt mit einem mittleren Teilchendurchmesser von weniger als 10nm, gefälltes Bariumsulfat oder Schwerspat, Calcium-Carbonat oder Calcium-Sulfat, Aluminiumoxid, Siliziumdioxid, Silikagel, α-Cyclodextrin (Cyclohexaamylose), ß-Cyclodextrin (Cycloheptaamylose), γ~ Cyclodextrin (Cyclooctaamylose) und Polysaccharose aus Galactose und Mannose.
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
gekennzeichnet durch,
die Verwendung mindestens eines Stoffes oder einer beliebigen Mischung von Stoffen ausgesucht aus der Gruppe bestehend aus: ioni- sehen Tensiden, Wachsen, wasserquellbaren Polymeren, Acrylat-
Copolymere, chemisch Metall-vemetzte Polymere als Matrix.
6. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
gekennzeichnet durch,
die Verwendung eines handelsüblichen Bodenpflegemittels als Matrix.
7. Verfahren nach Anspruch 6,
gekennzeichnet durch,
die Verwendung von handelsüblichen Bodenpflegemitteln ausgesucht aus der Gruppe bestehend aus: Megla-Pol (Tana), Gliz Metallic (Ecolab), Wokamer (Kahl), Neocryl SR270 und/oder Neocryl SR 288 (Zeneca), Permanol N95 (Dick Peters), Lodan Star (Ecolab), Super Last Metallic (Budich GmbH), Trigomat (Budich GmbH), Hospital Polymer (Budich GmbH).
8. Verfahren nach Anspruch 6 oder 7,
gekennzeichnet durch,
die Verwendung einer Konzentration von 0,1°/ oo bis 50% des Sorbens bezogen auf das Gesamtgewicht in der anwendungsfertigen Bodenpflegemischung.
9. Verfahren nach Anspruch 6, 7 oder 8,
gekennzeichnet durch,
die Verwendung einer Konzentration von 0,1 o / oo bis 50% des Sorbens bezogen auf die nicht flüchtigen Bestandteile der Bodenpflegemischung in den auf der Oberfläche verbleibenden Stoffgemisch aus Matrix und Sorbens.
10. Oberflächenpflegemittel, welches neben reinigungsaktiven Stoffen, Stoffe zum Verbleib auf der Oberfläche enthalten,
dadurch gekennzeichnet,
dass ein Sorbens enthalten ist.
11. Oberflächenpflegemittel nach Anspruch 10,
dadurch gekennzeichnet,
dass mindestens ein polymerer Stoff als Sorbens enthalten ist.
12. Oberflächenpflegemittel nach Anspruch 10 oder 11 ,
dadurch gekennzeichnet,
dass als Sorbens mindestens ein polymerer Stoff ausgesucht aus der Gruppe bestehend aus: Agar, Natrium-Carboxymethylcellulose, Polyvi- nylalkohol, Pektin, mikrochristalline Cellulose, synthetisches Polysaccha- rid und Polypropylenglykol enthalten ist.
13. Oberflächenpflegemittel nach einem der Ansprüche 10 bis 12,
dadurch gekennzeichnet,
dass mindestens eine zur chemischen Ein- oder Anlagerung fähige Substanz als Sorbens, ausgesucht aus der Gruppe bestehend aus: pulverisiertem Zeolith, insbesondere synthetisches Molsieb mit einem Po- rendurchmesser von 1-10 A , bevorzugt 2-8A , besonders bevorzugt von etwa 4ä, modifiziertes und nanodisperses Titandioxid, vorzugsweise in partikulärer Form mit einem mittleren Teilchendurchmesser von weniger als 1μm, besonders bevorzugt mit einem mittleren Teilchendurchmesser von weniger als 300nm und besonders bevorzugt mit einem mittleren Teilchendurchmesser von weniger als 10nm, gefälltes Bariumsulfat oder
Schwerspat, Calcium-Carbonat oder Calcium-Sulfat, Aluminiumoxid, Siliziumdioxid, Silikagel, α-Cyclodextrin (Cyclohexaamylose), ß-Cyclodextrin (Cycloheptaamylose), γ-Cyclodextrin (Cyclooctaamylose) und Polysac- charose aus Galactose und Mannose enthalten ist.
14. Oberflächenpflegemittel nach einem der Ansprüche 10 bis 13,
dadurch gekennzeichnet,
dass neben dem Sorbens mindestens ein Stoff ausgesucht aus der Gruppe bestehend aus: ionischen Tensid, Wachs, wasserquellbares Po- lymer, Acrylat-Copolymer, Diethylenglykolmonobutylether, chemisch Me- tall-vemetztes Polymer enthalten ist.
15. Oberflächenpflegemittel nach einem der Ansprüche 10 bis 14,
dadurch gekennzeichnet,
dass als Pflegestoff ein Bodenpflegemittel ausgesucht aus der Gruppe bestehend aus: Megla-Pol (Tana), Gliz Metallic (Ecolab), Wokamer
(Kahl), Neocryl SR270 und/oder Neocryl SR 288 (Zeneca), Permanol N95 (Dick Peters), Lodan Star (Ecolab), Super Last Metallic (Budich GmbH), Trigomat (Budich GmbH), Hospital Polymer (Budich GmbH) vorgesehen ist.
16. Oberflächenpflegemittel nach einem der Ansprüche 10 bis 15,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Konzentration des Sorbens 0,1°/ O o bis 50% in der anwendungsfertigen Bodenpflegemischung beträgt.
17. Oberflächenpflegemittel nach einem der Ansprüche 10 bis 16,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Konzentration des Sorbens 0,1 o / oo bis 50% im auf der Oberfläche verbleibenden Stoffgemisch beträgt.
18. Verwendung eines Stoffgemisches gemäß einem der Ansprüche 10 bis 17 zur Immobilisierung von Antibiotika und/oder Chemotherapeutika auf Oberflächen.
19. Verwendung eines Stoffgemisches gemäß einem der Ansprüche 10 bis 17 zur Herstellung eines Bodenpflegemittels mit immobilisierender Wirkung auf Antibiotika und/oder Chemotherapeutika auf Oberflächen.
20. Verwendung eines Stoffgemisches gemäß einem der Ansprüche 10 bis 17 zur Immobilisierung von 5-Fluorouracil, Cytarabin, Chlorambucil, Me- thothrexat, Cyclophosphamid, Etoposid, Ifosfamid.
21. Verwendung eines Stoffgemisches gemäß einem der Ansprüche 10 bis 17 zur Immobilisierung von Virustatika.
22. Verwendung eines Stoffgemisches gemäß einem der Ansprüche 10 bis 17 zur Immobilisierung von Hormonen.
23. Verwendung eines Stoffgemisches gemäß einem der Ansprüche 10 bis 17 zur Immobilisierung von Kontrastmitteln.
24. Verwendung eines Stoffgemisches gemäß einem der Ansprüche 10 bis 17 zur Immobilisierung von radioaktiven Stoffen.
25. Verwendung eines Stoffgemisches gemäß einem der Ansprüche 10 bis 17 zur Immobilisierung von toxischen Substanzen.
26. Verwendung eines Stoffgemisches gemäß einem der Ansprüche 10 bis 17 zur Immobilisierung von diagnostischen Hilfsstoffen.
27. Verwendung eins Stoffgemisches gemäß einem der Ansprüche 10 bis 17 zur Immobilisierung von Mikroben. |
Verfahren zur Immobilisierung von Kontaminaten auf Oberflächen
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Immobilisierung von Kontaminaten auf Oberflächen, ein Pflegemittel für Oberflächen mit immobilisierender Wirkung auf Kontaminate und die Verwendung eines Stoffgemisches zur Immobilisierung von ausgewählten Kontaminaten.
Eine Vielzahl verschiedener Substanzen, unter anderem toxische, radioaktive und auch pharmazeutisch wirksame Substanzen oder Mikroben, wie Pilze, Bakterien und Viren haben bereits in geringsten Mengen eine Auswirkung auf biologische Materialien, insbesondere auch auf den Menschen, sodass eine Ausbreitung dieser Substanzen, im folgenden Text Kontaminate genannt, in der Umgebung, wo mit diesen Kontaminaten gearbeitet wird, verhindert werden muss. Problematisch bei der Kontrolle der Ausbreitung von Kontaminaten ist, dass die Kontaminate für die Sinnesorgane, speziell bei den geringen Dosierungen, nicht wahrnehmbar sind und so können sich die Kontaminate unbemerkt über einen großen Raum verteilen. Die Folge der unbemerkten Verteilung von Kontaminaten kann im Falle von radioaktiven Substanzen eine radioaktive Verseuchung des Umfeldes sein, bei der Kontamination mit Hormonen eine gegebenenfalls hormonelle Wirkung auf Mensch und Tier und bei der Verwendung von pharmazeutisch aktiven Substanzen beispielweise eine Resistenzbildung von Mikroorganismen. Die Resistenzbildung von Mikroorganismen führt insbesondere zur Ausbildung von sogenannten resistenten Krankenhauskeimen. Resistente Krankenhauskeime sind Pilze, Sporen, Viren und Bakterien, die auf eine antimikrobielle Behandlung im Körper nicht mehr ansprechen und so zu einer lebensbedrohlichen Gefahr für Patienten werden können. Darüber hinaus kann die Verbreitung von Chemotherapeutika, beispielweise zur Behandlung von Krebs, dazu führen, dass das Behandlungspersonal in der Umgebung von krebskranken Patienten einer ständigen Exposition von Chemotherapeutika ausgesetzt ist, was seinerseits erst zur Krebsbildung beim Pflegepersonal führen kann. Denn Krebsbehand- lungsmittel können bei dauerhafter Exposition in geringen Mengen Krebs auslösen, obwohl sie in höheren Dosen bei kurzzeitiger Anwendung dieser Krankheit entgegenwirken. Aber nicht nur Pharmazeutika, sondern auch Diagnostika können gegebenenfalls erhebliche gesundheitliche Risiken für
Mensch und Tier darstellen, beispielweise bei der Verwendung von radioaktiv markierten Substanzen.
Zur Eindämmung der Kontamination der Umgebung mit den oben genannten Kontaminaten ist deshalb vorgesehen, bei einem Umgang mit derartigen Stoffen besondere Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen, insbesondere Anwendung umfangreicher Hygienemaßstäbe und besonderer Arbeitsanweisungen, die eine Verbreitung dieser Stoffe verhindern. Eine Maßnahme dabei ist, die Reinhaltung von Oberflächen und Fußböden in der Umgebung, wo derartige Kontaminate verwendet werden. Die Oberflächen werden hierzu meist versiegelt und mit einer Glanzschicht versehen, wobei der Glanz lediglich eine Oberflächenverringerung bedeutet, sodass sich die Kontaminate nicht in der Oberfläche einnisten können und nicht dauerhaft auf der Oberfläche verbleiben. Es hat sich aber herausgestellt, dass bei dieser Maßnahme der Kontaminate unter der Schuhsohle fortgetragen werden oder bei einer einfachen Unterhaltsreinigung durch Wischen verbreitet werden und so diese Art der Reinigung dem Ziel der Eindämmung von Kontaminaten entgegenwirkt. Eine unbemerkte Kontamination von Oberflächen in der Umgebung kann somit stattfinden.
Ziel der Erfindung ist es daher, die unbemerkte Verbreitung von Kontaminaten einzugrenzen.
Das erfindungsgemäße Ziel wird erreicht durch die Verwendung von Sorben- tien, welche durch eine Matrix auf der Oberfläche gebunden werden. Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung ergeben sich durch die Unteransprüche.
Entgegen der Lehre aus dem Stand der Technik, nach der die Oberflächen in einer Umgebung, wo Kontaminate gehandhabt werden, dadurch rein zu halten, dass diese versiegelt und durch polieren mit einer möglichst geringen Oberfläche versehen werden, wird erfindungsgemäß vorgeschlagen, die wirksame Absorptionsfläche der Oberflächen zu vergrößern oder das Sorptionspotential der Oberflächen möglichst groß zu gestalten. Dieses wird durch die Verwendung von Sorbentien in den Oberflächenpflegemitteln erreicht. In Oberflächenpflegemitteln sind häufig Stoffe enthalten, die als Opferschicht auf der zu pflegenden Oberfläche verbleiben. Diese Opferschicht wird bei jedem Reinigen teilweise abgetragen und eine erneute Opferschicht wird auf
die zu pflegende Oberschicht aufgebracht. Bei einer Grundreinigung wird die Opferschicht vollkommen entfernt und eine neue Opferschicht wird auf die Oberfläche aufgebracht. Im Stand der Technik hat die Opferschicht jedoch keine oder eine nur sehr geringe Sorptionsfähigkeit, sodass Kontaminate, die auf der Opferschicht verbleiben, beispielweise durch Austreten oder Wischverfahren verbreitet werden können. Hierdurch können beispielweise Krankenhauskeime an Stellen entstehen, in denen ein ideales Habitat für die Krankenhauskeime existiert und wo eine Reinigung seltener stattfindet, beispielweise in Ecken oder an schwer zugänglichen Stellen, wo erfahrungsgemäß weniger häufig und intensiv gereinigt wird.
Die Sorbentien immobilisieren die Kontaminate, sodass die Kontaminate an Ort und Stelle verbleiben und sich von dort nicht ausbreiten können. Bei einer Grundreinigung werden die durch die Sorbentien gebundenen Stoffe mit dem Reinigungsprozess aufgenommen und so vollkommen von der Oberfläche entfernt. Bei der regelmäßigen und weniger intensiven Unterhaltsreinigung der Oberflächen wird das Kontaminat hingegen nicht aufgenommen, sondern durch die Sorbention immobilisiert, sodass dies durch diesen Reinigungsprozess in Form von einfachem Wischen nicht verteilt wird.
Als Sorbentien in einer auf der Oberfläche verbleibenden Matrix eignen sich polymere Stoffe als Sorbens. Diese polymeren Stoffe können ausgesucht sein aus der Gruppe bestehend aus: Agar, Natrium-Carboxymethylcellulose, Polyvinylalkohol, Pektin, das beispielweise aus Pflanzen gewonnen wird, mikrochristalline Cellulose, synthetisches Polysacharid oder Polypropylenglykol. Daneben gibt es eine Vielzahl weiterer Polymere, die ein hohes Absorptionsvermögen für Kontaminate aufweisen. Es wird darauf verwiesen, dass die chemischen Eigenschaften der zu bindenden Kontaminate zu bestimmten Idealkombinationen Kontaminat/Sorbens führen, die zu einer hohen Sorption des Kontaminats an dem Sorbens führen. Beispielweise werden unpolare chemische Substanzen üblicherweise bevorzugt von unpolaren Sorptionsmedien aufgenommen, hingegen werden polare chemische Substanzen üblicherweise von polaren Sorbentien gebunden. Darüber hinaus gibt es amphiphile Stoffe, die sowohl polare wie auch unpolare Regionen auf der Moleküloberfläche aufweisen und daher beide Stoffe oder bevorzugt einen Stofftyp binden. Der Fachmann ist frei, hier die geeigneten Kombinationen aus Sorbens und Kontaminat durch entsprechende Experimente herauszusuchen.
Neben Polymeren sind aber weitere zur physiko-chemischen Ein- oder Anlagerung fähigen Substanzen als Sorbens verwendbar. Hierzu sind beispielhaft genannt: ein pulverisiertes Zeolith, insbesondere ein synthetisches Molsieb mit einem Porendurchmesser von 1-1 OA, bevorzugt von 2-8ä, besonders bevorzugt von etwa 4ä, modifiziertes und nanodisperses Titandioxid, wobei unter nanodispers solche Körnungen verstanden werden, die partikulär sind und Korngrößen von weniger als 1 μm aufweisen und bevorzugt wenige Nanometer, also weniger als 10nm, im Durchmesser aufweisende Partikelgrö- ßen besitzen. Partikel mit einem Durchmesser von weniger als 300nm sind bevorzugt, weil diese keinen Pigmenteffekt zeigen und transparent in dem Bodenpflegemittel erscheinen. E kommen auch in Betracht: gefälltes Bariumsulfat oder Schwerspat, Calcium-Carbonat oder Calcium-Sulfat, Aluminiumoxid, Siliziumdioxid, Silikagel, α-Cyclodextrin (Cyclohexaamylose), ß-Cyclodextrin (Cycloheptaamylose), γ-Cyclodextrin (Cyclooctaamylose) und Polysaccharose aus Galactose und Mannose und andere bekannte modifizierte Stärken.
Als Matrix eignen sich Stoffe oder Mischungen aus Stoffen, ausgesucht aus der Gruppe von: Tenside, ionisch oder nicht ionisch, Wachse, wasserquellbare Polymere, Acrylat-Copolymere, Diethylenglykolmonobutylether und chemisch Metall-vernetzte Polymere. Aber auch Silikone eignen sich hier als Matrixstoff.
Dabei hat sich gezeigt, dass auch viele handelsübliche Bodenpflegemittel als Matrix geeignet sind, um die Sorbentien aufzunehmen. Dabei hat es sich als vorteilhaft erwiesen, wenn in den Bodenpflegemitteln weitere Stoffe enthalten sind, welche die Diffusion der Kontaminate in das Bodenpflegemittel unterstützen. Dieses können beispielweise handelsübliche Cotenside sein.
Als handelsübliche Bodenpflegemittel eignen sich Bodenpflegemittel ausge- sucht aus der Gruppe: Megla-Pol (Tana), Gliz Metallic (Ecolab), Wokamer (Kahl), Neocryl SR270 und/oder Neocryl SR 288 (Zeneca), Permanol N95 (Dick Peters), Lodan Star (Ecolab), Super Last Metallic (Budich GmbH), Trigomat (Budich GmbH) und Hospital Polymer (Budich GmbH).
In vorteilhafter Weise weist das Sorbens eine Konzentration von 0,1 o / oo bis 50% bezogen auf das Gesamtgewicht in der anwendungsfertigen Bodenpflegemischung auf. Dabei kann das Sorbens als Lösung in dem Bodenpflegemittel
vorhanden sein, als gequollenes Polymer, also in Gelform und/oder auch als Dispersion, wobei Additive dem Bodenpflegemittel beigefügt sein können, um die Dispersion zur Lagerung zu stabilisieren.
Je nach Sorptionsfähigkeit des Sorbens ist eine Konzentration von 0,1°/ O o bis 50% bezogen auf die nicht flüchtigen Bestandteile der Bodenpflegemischung in dem auf der Oberfläche verbleibenden Stoff als Matrix vorgesehen. Bei hochgradig spezifisch wirkenden Sorbentien oder bei ausgesuchten Sor- bens/Kontaminat-Kombinationen reichen bereits geringe Mengen des Sorbens in der auf der Oberfläche verbleibenden Substanz des Bodenpflegemittels zur Wirksamkeit aus. Bei weniger spezifischen oder bei weniger wirksamen Sorbentien sind entsprechend höhere Konzentrationen des Sorbens im Bodenpflegemittel oder in dem auf der Oberfläche verbleibenden Rest des Bodenpflegemittels vorgesehen.
Es hat sich dabei gezeigt, dass eine höhere Menge Sorbens in dem Bodenpflegemittel zu einer höheren Bindungsfähigkeit des Kontaminates führt. Ein weiterer Parameter zur Bestimmung des idealen Sorbens ist die chemische Konsistenz des Sorbens aber auch die physiko-chemische Konsistenz, beispielweise Teilchengröße, Porendurchmesser oder Oberflächenpolarität des Sorbens.
Die erfindungsgemäßen Oberflächenpflegemittel eignen sich zur Immobilisierung von Antibiotika und/oder Chemotherapeutika auf Oberflächen. Hierdurch ist gewährleistet, dass sich bei der Immobilisierung von Antibiotika beispielweise auf Krankenhausböden, die Antibiotika nicht ausbreiten und somit an weniger frequentierten Stellen des Krankenhausbodens keine Antibiotika- resistente Mikroorganismen bilden, die zu einer lebensbedrohlichen Gefahr für immungeschwächte Patienten werden können. Bei der Verwendung von Chemotherapeutika hat sich gezeigt, dass die Chemotherapeutika auf der Oberfläche durch die Sorbentien gebunden werden und somit eine Kontaminationsgefahr des Krankenhauspersonals verringert wird, wodurch die canceroge- ne Wirkung dieser Chemotherapeutika beim Krankenhauspersonal reduziert wird. Dies hat einen wünschenswerten Schutz des Krankenhauspersonals vor der nachteiligen Wirkung der Chemotherapeutika zur Folge. Speziell die Immobilisierung von 5-Fluorouracil, Cytarabin, Chlorambucil, Methothrexat, Cyclophosphamid, Etoposid und Ifosfamid ist durch das erfindungsgemäße
Verfahren und durch das erfindungsgemäße Oberflächenpflegemittel mit den Sorbentien möglich, sodass die unerwünschte Verbreitung dieser Substanzen verhindert werden kann.
Aber nicht nur die Immobilisierung von Chemotherapeutika und/oder Antibiotika ist durch das erfindungsgemäße Verfahren möglich, sondern auch die unerwünschte Verbreitung von Virustatika oder die unerwünschte Verbreitung von Hormonen oder immunsuppresiver Substanzen, welche bei geringster Exposition unerwünschte Wirkungen auf Mensch und Tier haben können, kann durch das erfindungsgemäße Verfahren deutlich reduziert, wenn nicht, sogar vollkommen unterbunden werden.
Darüber hinaus ist es möglich, mit den erfindungsgemäßen Oberflächenpflegemitteln oder mit dem erfindungsgemäßen Verfahren auch Diagnostika zu immobilisieren, die beispielweise im Labor oder bei der Anwendung am Patienten durch eine unerwünschte Verbreitung beispielweise auf Oberflächen oder Fußböden gelangen können. Speziell, wenn die Kontrastmittel radioaktiv sind oder Schwermetalle enthalten, können die Kontrastmittel so an Ort und Stelle gebunden werden und bei einer späteren Grundreinigung vollkommen aufgenommen werden, ohne dass sich diese Kontrastmittel in unerwünschter Weise, speziell bei der einfachen Unterhaltsreinigung durch wischen, durch Austreten und durch Haftung auf Schuhsohlen verbreiten, wodurch sich die radioaktiven Substanzen auch außerhalb des Labors oder außerhalb des Anwendungsgebietes des Kontrastmittels verbreiten können. Auch Mikroben können durch das erfindungsgemäße Verfahren immobilisiert werden.
Somit ist es möglich, mit den Sorbentien in Oberflächenpflegemitteln und mit dem erfindungsgemäßem Verfahren nicht nur Krankenhausräume, sondern gegebenenfalls auch chemische Laboratorien oder kerntechnische Laboratorien zu schützen, wodurch die Verbreitung dieser Stoffe, die bereits in geringsten Mengen hochgradig wirksam sein können, unterbunden wird.
Die Erfindung wird anhand der folgenden Beispiele näher erläutert.
Zur qualitativ analytischen Untersuchung wurden zunächst folgende Vorexperimente durchgeführt:
Ein 20 x 20 cm großes Stück Bodenbelag aus PVC, Linoleum und Kautschuk wird mit einem Rakel mit einer Mischung aus Polymerdispersion und eingearbeiteten Adsorbentien nebst Cotensiden aus verschiedenen Alkylethoxylaten bestrichen. Beispielhaft wurden Marlipal von Hüls AG gewählt, wie auch Cocoamphopolycarboxyglycinat, ein Amphotensid von AKZO NOBEL, ein Alkylpolyglycosid von Cognis und ein Dinatriumsalz von Laurylsulfosuccinat von ZSCHIMMER & SCHWARZ. Diese üblichen Bodenpflegemittel wurden mit unterschiedlichen Konzentrationen von Sorbentien beschickt und diese so bestrichenen Bodenbelagsplatten wurden nach der Filmhärtung beziehungs- weise Trocknung mit einem Farbstoff, nämlich Carminsäure von der Cochenille- Laus, welche eine molekular strukturelle ähnlichkeit zu einigen Chemothera- pentika aufweist, betupft. Nach dem Trocknen wurden unterschiedliche Konzentrationen unterschiedlicher Sorbentien auf ihre sorbierende Wirkung hin untersucht.
In Figur 1 wurden mit unterschiedlicher Konzentration von nanodispersem Titandioxid mit einer Körnchengröße von etwa 20nm und einer spezifischen Oberfläche von cirka 60 qm/g (nano-Titandioxid) in den oben genannten Bodenpflegemitteln beschickte Bodenbelagsflächen auf ihre Sorptionsfähigkeit untersucht. Bei einem Gehalt von 0,15% nano-Titandioxid in der auf der Oberfläche verbleibenden Substanz wurde eine noch mäßige Sorptionsfähigkeit festgestellt, was an einem Ausbleichen der Farbstofftupfer nach einfachem Wischen erkennbar ist. Bereits bei einer Konzentration von 1 ,5% nano- Titandioxid in der auf der Oberfläche verbleibenden Substanz wurde eine bessere Sorptionsfähigkeit festgestellt, was durch die verblichenen Tupfstellen durch Sichtprobe festgestellt werden kann. Deutlich ist zu erkennen, wie durch Reinigen von den Farbtupfen abgewischter Farbstoff in der nachbarlichen Umgebung in Wischrichtung aufgenommen und immobilisiert wird. Ab einer Konzentration von 3,7% nano-Titandioxid wird eine gute Sorptionsfähigkeit der Oberflächebeschichtung festgestellt, was an dem geringeren Ausbleichen der Farbtupfer erkennbar ist. Aber auch bei einer Beschichtung mit 14,8% nano- Titandioxid in der Matrix des Oberflächenpflegemittels wurde eine hervorragende Sorptionsfähigkeit festgestellt, was durch die nicht ausgeblichenen Farbtupfer festgestellt werden konnte. Der nicht am Ort des Farbtupfers gebundene Feststoff wird durch Wischen in die nachbarliche Umgebung des Farbtupfers transferiert und dort immobilisiert.
In Figur 2 wird der gleiche Versuch mit Bariumsulfat wiederholt, wobei hierzu Bariumsulfat von Sachtleben verwendet wurde, das unter dem Markennamen Sachtoperse HU-N Aqua verkauft wird. Dieses weist eine Körnchengröße von weniger als 100nm als Medianwert d 50 auf und hat eine spezifische Oberflä- che von etwa 30 qm/g. Bei 8% suspendiertem Sachtoperse HU-N Aqua zeigt sich ein deutliches Ausbluten der Farbstoffflecken auf dem Bodenbelag, bei 10% Sachtoperse HU-N Aqua hingegen ist das Ausbluten schon deutlich reduziert, bei 13% Sachtoperse HU-N Aqua liegt kein Ausbluten des Fleckes mehr vor und bei 20% suspendierten Sachtoperse HU-N Aqua ist der Farbstoff vollkommen in der polymeren Opferschicht gebunden.
Der gleiche Versuch wurde in Figur 3 mit modifiziertem ß-Cyclodextrin (Cycloheptaamylose) wiederholt. Bei 0,15% modifizierter Cycloheptaamylose wird auch bei leichtem Wischen das Kontaminat nahezu vollständig entfernt, bereits bei 1 ,5% modifizierter Cycloheptaamylose wird durch leichtes Wischen das Kontaminat nicht mehr entfernt, wobei dieser Trend bei höheren Konzentrationen von 3,7% und 14,7% fortläuft.
Zur quantitativ analytischen Untersuchung der Sorptionsfähigkeit der erfin- dungsgemäß eingesetzten Sorbentien in den Bodenpflegemitteln wurde eine wie oben beschichtete Bodenbelagsfläche aus PVC mit verschiedenen antineoplatischen Stoffen (Chemotherapeutika) betupft und die Konzentration auf dem Bodenbelag wurde indirekt durch Differenzbildung mit der Konzentration des Chemotherapetikums im Reinigungswasser nach einer Unterhaltsreini- gung und nach einer Grundreinigung bestimmt.
Die Ergebnisse werden in Figur 4 am Beispiel von 5-FluorouraciI verdeutlicht.
In Figur 4 sind in einer Reihe abgebildet: Ausgewählte Ergebnisse von 24 Versuchen mit unterschiedlichen Sorbentien (1 bis 24). Ergebnisse bei Verwendung von herkömmlichen Bodenpflegemitteln (L1 , L2, G1 , G2, H1 , H2) und ein Ergebnis bei Verwendung keiner Opferschicht (Bl), dabei stellt die Höhe der jeweiligen Säule dar, wie hoch der Anteil des mit dem Reinigungswasser gelösten 5-Fluorouracils bei einer Unterhaltsreinigung ist.
Deutlich ist zu erkennen, wie bei Verwendung von keiner Opferschicht (Bl) der Anteil etwa um 80% beträgt und somit einer weiteren Verbreitung mit dem Reinigungswasser zur Verfügung steht.
Auch bei Verwendung von herkömmlichen Bodenpflegemitteln (L1 , L2, G1 , G2, H1 , H2) ist der mit dem Reinigungswasser zur Verbreiterung zur Verfügung stehende Anteil immer noch hoch.
Erst bei Verwendung von Sorbentien (1 bis 24) ist der Anteil im Reinigungswas- ser erheblich erniedrigt, bis auf Experiment 1 , 11 und 19, bei dem das ausgewählte Sorbens nur geringe Sorptionsfähigkeit gegenüber 5-Fluorouracil aufweist.
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