RAHE, Hans-Ulrich (Waldstrasse 1, Bad Salzdetfurth, 31162, DE)
Ansprüche
Verfahren zur Reduzierung der Schallweiterleitung zwischen Bauteilen von
Musikinstrumenten, wobei an Verbindungsstellen zwischen Bauteilen eine
Zwischenlage aus einem die Schallweiterleitung reduzierenden Material angeordnet wird, dadurch gekennzeichnet, dass dieses Schallweiterleitung reduzierende Material eine Dichte von mindestens 2,0 g/cm 3 , insbesondere mehr als 2,4 g/cm 3 , und eine Schallgeschwindigkeit von weniger als 150 m/s aufweist.
Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass dieses
Schallweiterleitung reduzierende Material eine Dichte von 2,45 g/cm 3 bis 2,7 g/ cm 3 aufweist.
Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das die Schallweiterleitung reduzierende Material an Verbindungsstellen zwischen aktiven, also für die Klangerzeugung unmittelbar erforderlichen, und passiven, also nicht unmittelbar für die Klangerzeugung benötigten, Bauteilen des Musikinstrumentes angeordnet wird.
Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das die Schallweiterleitung reduzierende Material an Verbindungsstellen zwischen einem mit mechanisch bewegbaren Elementen bestückten Bauteil und einem angrenzenden Bauteil angeordnet wird.
Verwendung eines Materials mit einer Dichte von mehr als 2,4 g/cm 3 und einer
Schallgeschwindigkeit von weniger als 150 m/s als Zwischenlage an
Verbindungsstellen zwischen Bauteilen eines Musikinstrumentes.
Verwendung nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass das Material eine
Dichte von 2,45 g/cm 3 bis 2,7 g/cm 3 aufweist.
Verwendung eines Materials mit einer Dichte von mehr als 2,4 g/cm 3 und einer
Schallgeschwindigkeit von weniger als 150 m/s in mindestens einer
Zwischenlage bei einem mehrschichtigen Aufbau eines Bauteils eines
Musikinstruments zur akustischen Ruhigstellung desselben.
Verwendung nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass das Material eine
Dichte von 2,45 g/cm 3 bis 2,7 g/cm 3 aufweist.
Musikinstrument mit wenigstens zwei Bauteilen, wobei an Verbindungsstellen zwischen den Bauteilen ein Material mit einer Dichte von mehr als 2,4 g/cm 3 und einer Schallgeschwindigkeit von weniger als 150 m/s zwischengelegt ist.
Musikinstrument nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass das Material eine Dichte von 2,45 g/cm 3 bis 2,7 g/cm 3 aufweist. ) |
Beschreibung
Verfahren zur Verbesserung des Klanges von Musikinstrumenten
Technisches Gebiet
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Verbesserung des Klanges von Musikinstrumenten. Sie betrifft insbesondere ein Verfahren zur Reduzierung der Schallweiterleitung zwischen Bauteilen von Musikinstrumenten. Schließlich wird mit der Erfindung auch ein neuartiges Musikinstrument angegeben.
Unter „passivem Bereich" eines Musikinstrumentes sind im Sinne dieser Erfindung solche Bauteile oder Bereiche von Bauteilen zu verstehen, die nicht unmittelbar für die Klangerzeugung benötigt sind. Beispiele solcher Bauteile sind z.B. bei einem Flügel oder Klavier die Gussplatte, auf der die Saiten aufgespannt sind, bei einer Violine der Hals, bei einer Pauke der Korpus, auf den die Membran aufgezogen ist usw.
Im Gegensatz hierzu sind unter dem „aktiven Bereich" eines Musikinstrumentes im Sinne dieser Erfindung diejenigen Bauteile bzw. Bereiche von Bauteilen zu verstehen, die für die Klangerzeugung unmittelbar erforderlich sind, wie z.B. die Saiten eines Klaviers/Flügels oder einer Violine, das Rohrblatt einer Klarinette usw.
Weiter werden zur Erläuterung der Erfindung die Begriffe „primäres Schallereignis" und „sekundäres Schallereignis" nachfolgend verwendet und sollen wie folgt verstanden werden: Ein primäres Schallereignis ist ein solches, welches durch die Schwingungen bzw. Vibrationen der Bauteile des aktiven Bereiches bzw. des aktiven Bereiches eines Bauteiles ausgelöst wird, mit anderen Worten also das eigentlich im Vordergrund für den Klang des Musikinstrumentes gewollte Schallereignis. Als sekundäres Schallereignis wird hier dagegen das durch Schwingungen bzw. Vibrationen der Bauteile des passiven Bereiches des Musikinstrumentes erzeugte Schallereignis verstanden, welches durch überlagerung mit dem primären Schallereignis den Gesamtklang mitbestimmt.
Stand der Technik
Im traditionellen Instrumentenbau wird der Einfluss von sekundären Schallereignissen auf das primäre Schallereignis als ein im Wesentlichen unvermeidbarer Bestandteil des Gesamtklanges verstanden.
Am Beispiel von Klavieren und Flügeln (vergleiche Fign. 1 und 2) erläutert bedeutet dies: Der Resonanzboden 13 ist Schall leitend mit dem Rest des Korpus (Flügelzarge 6 und -wand 7), und auf diese Weise mit allen Bauteilen des Instruments verbunden. Dies bedeutet, dass alle Teile des Instrumentes durch das primäre Schallereignis, d.h. durch die Schwingungen des aktiven Bereiches, bestehend aus Saiten, Steg 14 und Resonanzboden 13, zum Mitschwingen angeregt werden.
Das gleiche Grundprinzip gilt überwiegend für alle anderen Musikinstrumente ebenfalls: z.B. bei Streich- und Zupfinstrumenten durch die Schall leitende Verbindung der Resonanzdecke mit der Zarge und dem Instrumentenhals, bei Blasinstrumenten durch die Schall leitende Verbindung des Mundstückes mit dem Korpus (Rohr), bei Schlaginstrumenten durch die Aufspannung der Membran auf einen Rahmen, der wiederum Schall leitend mit dem Korpus verbunden ist, usw.
Hierdurch kommt es zu sehr komplexen Interferenzmustern und Phasenverschiebungen, bedingt durch die Laufzeitunterschiede und unterschiedlichen Resonanzcharakteristika der einzelnen Bauteile. Das Endergebnis ist ein Gesamtklang, der zwar durch das beim Flügel z.B. vom Resonanzboden 13 abgestrahlte primäre Schallereignis dominiert wird, dessen unverfälschte Reinheit, Klarheit und Dynamik jedoch durch die zahllosen, komplexen Interferenzen verzerrt, überdeckt und verwischt wird.
Es hat insbesondere im Klavier- und Flügelbau in der Vergangenheit immer wieder Versuche gegeben, störende Schallereignisse zu reduzieren. So wurde die Gussplatte 5 beispielsweise mit großen Schallöffnungen versehen, und es wurden Gussplattenspreizen versuchsweise eliminiert. Flügelrollen 11 oder Untersetzer wurden speziell konzipiert (meist als Feder- oder Luftkissensysteme), um den Flügel vom Fußboden zu entkoppeln. Dabei bleiben jedoch bis dato alle Komponenten des Klaviers oder Flügels grundsätzlich Schall leitend miteinander verbunden. Maßnahmen zur Entkoppelung desjenigen Bereiches eines Musikinstruments, der das primäre Schallereignis produziert, von all jenen Bauteilen, die nicht der Erzeugung des primären Schallereignisses dienen, so dass diese nicht in Schwingung versetzt werden, wurden und werden in Musikinstrumenten bislang regelmäßig nicht durchgeführt. Material- und Gehäuseresonanzen gelten in Expertenkreisen als charakteristischer Bestandteil des Gesamtklanges eines jeden Musikinstruments.
Nebengeräusche, z.B. hervorgerufen durch sich bewegende Tasten und Mechanikteile, wurden und werden bislang regelmäßig nur dort, wo sie entstehen, bekämpft. Klassische Maßnahmen zur Reduzierung von Mechanikgeräuschen sind die Verwendung von weicheren oder dickeren Filzpuffern, weicheren oder dickeren Lederpolstern o.a. Das dann noch vorhandene Restgeräusch gilt als unvermeidbarer Bestandteil des Klanges.
Bei einem Flügel ist z.B. die Hauptfunktion des Stuhlbodens 9 (Spieltisch) die Sicherstellung einer formstabilen Auflage für das Spielwerk. Statische Aspekte dominieren die verschiedenen Ausführungen, die ungewünschte Verstärkung von Mechanikgeräuschen (bzw. vielmehr deren Verhinderung) spielt bislang keine Rolle. Gleiches gilt für den Flügeldeckel 8: Die Formstabilität der Plattenoberfläche prägt den Schichtaufbau, um eine gute Basis für den hochglanzpolierten Polyesterlack zu
erhalten. Die Sekundärschallabstrahlung eines schalltechnisch mit dem restlichen Instrument gekoppelten und daher zum Mitschwingen angeregten Deckels spielt bislang beim Schichtaufbau keine Rolle. Die aus dem Eigenschwingungsverhalten des Deckels resultierenden Interferenzen mit dem primären Schallereignis einerseits sowie der Einfluss des unerwünscht schwingenden Deckels auf das vom Resonanzboden abgestrahlte und vom aufgestellten Deckel zum Zuhörer reflektierte primäre Signal werden bislang wissentlich oder unwissentlich in Kauf genommen. Es gibt bis dato keinen Flügel, bei dem dieses in ähnlicher Weise, wie nachfolgend im Zusammenhang allgemein mit Musikinstrumenten beschrieben, verhindert wird. Ausnahmen von dieser Regel sind vereinzelt beschrieben. Dabei werden zur
Reduzierung der Schallweiterleitung, also zur Entkopplung, Materialien mit niedrigen Schallkennimpedanzen, also niedrigen Schallgeschwindigkeiten und niedrigen Dichten, verwendet. So kommen beispielsweise federnd elastische Materialien, wie beispielsweise Moosgummi zum Einsatz.
So ist aus der US 4607559 (ARMIN RICHARD (CA)). 1986-08-26. eine Geige bekannt, deren Resonanzdecke durch STYROFOAM vom Geigenkörper entkoppelt ist. Hier wird die Schallweiterleitung fachgemäß durch die Verwendung von unangepasstem Material reduziert Dementsprechend kommt ein Material mit niedrigerer Schallkennimpedanz, also ein Material mit niedriger Schallgeschwindigkeit und niedriger Dichte, zum Einsatz.
Analog verwendet die GB 2285848 (BOOSEY & HAWKES MUSICAL INSTR (GB)). 1995-07-26. lose eingelegte, federnd elastische Materialien mit dünnen Lippen, um Vibrationen der Rückstellfedern in Blechinstrumenten zu dämpfen.
Dem Fachmann ist somit bekannt, eine Entkopplung verschiedener Teile - sofern überhaupt in Erwägung gezogen - durch die Ausnutzung des Schallkennimpedanzunterschiedes zwischen zur Entkopplung eingebrachten Materialien und den ursprünglichen Teilen eines Musikinstruments zu erreichen. Dazu werden Materialien mit niedriger Schallkennimpedanz, also niedriger Schallgeschwindigkeit und niedriger Dichte, wie beispielsweise STYROFOAM (Dichte ca. 4x10 8 g/cm 3 ) verwendet.
Die genannten Ansätze haben jedoch zu keiner wesentlichen Verbesserung des Klangs der vorbekannten Musikinstrumente geführt.
Darstellung der Erfindung
Aufgabe der Erfindung ist es daher, um eine wesentliche Verbesserung des Klangs von Musikinstrumenten zu erreichen, ein Verfahren anzugeben, mit dem der störende
Einfluss von sekundären Schallereignissen, die durch innerhalb des Musikinstrumentes zwischen verschiedenen Bauteilen weitergeleitete Schallleitung erzeugt werden, auf das primäre Schallereignis zu reduzieren.
Diese Aufgabe wird in einem verfahrensmäßigen Aspekt überraschend gelöst durch ein Verfahren, bei dem gemäß Anspruch 1 Materialien mit einer Dichte von mehr als 2,4 g/cm 3 und einer Schallgeschwindigkeit von weniger als 150 m/s zur Reduzierung der Schallweiterleitung eingesetzt werden. Vorteilhafte Weiterbildungen des Verfahrens sind in den abhängigen Ansprüchen 2 bis 4 angegeben. Die innerhalb der Erfindung liegende Verwendungen eines Materials mit einer Dichte von mehr als 2,4 g/cm 3 und einer Schallgeschwindigkeit von weniger als 150 m/s sind Gegenstand der Ansprüche 5 bis 8. In den Ansprüchen 9 und 10 sind schließlich erfindungsgemäße Musikinstrumente beansprucht.
Die kinetische Entkoppelung also wird bewirkt durch den gezielten Einsatz von Materialien mit einer Schallgeschwindigkeit, die deutlich geringer als die Luftschallgeschwindigkeit von 340 m/s ist, insbesondere mit einer Schallgeschwindigkeit von weniger als 150 m/s und mit einer Dichte von mehr als 2,4 g/cm 3 . Das für die kinetische Entkopplung eingesetzte Material muss stets eine geringere Schallgeschwindigkeit haben als die voneinander zu entkoppelnden Bauteile.
Im Gegensatz zu dem aus dem Stand der Technik bekannten Vorgehen beschreibt die vorliegende Erfindung konkrete Maßnahmen und den Einsatz bestimmter Materialien, die dazu führen, dass das primäre Schallereignis unverzerrt und unverfälscht durch Interferenzen abgestrahlt wird, indem das Einleiten der Schallenergie in die Bauteile, deren Mitschwingen und Schallabstrahlung nicht erforderlich oder erwünscht ist, durch Entkopplung auf ein Minimum reduziert wird. Weiterhin können Schallereignisse, die von sekundären Schallquellen ausgehen (z.B. Tasten- und Mechanikgeräusche) ebenfalls in ihrer Ausbreitung auf das Bauteil begrenzt werden, in dem sie entstehen.
Die erfindungsgemäße kinetische Entkopplung der Bauteile durch Zwischenlage des die Schallweiterleitung unterbindenden Materials, die im Rahmen dieser Anmeldung als „kinetische Entkopplung" bezeichnet werden soll, bewirkt eine Begrenzung des ursprünglichen, durch den primären Schwingungserzeuger hervorgerufenen primären Schallereignisses auf einen eindeutig definierten lokalen Bereich, der in diesem Zusammenhang als aktiver Bereich mit den aktiven Bauteilen bezeichnet werden soll. Dem gegenüber stehen die passiven Bauteile und Komponenten eines Musikinstrumentes. Der Bereich dieser passiven Bauteile soll in Abgrenzung zum klangerzeugenden, aktiven Bereich als passiver Bereich bezeichnet werden, da passiven Bauteile und Komponenten andere Funktionen zu erfüllen haben (Statik, Spielart, Optik u.a.).
Die erfindungsgemäß bewirkte kinetische Entkopplung bedeutet somit, dass kein
übertritt des primären Schallereignisses aus dem aktiven Bereich in die anderen, passiven Bereiche des Instrumentes erfolgt. Weiterhin wird bei einem auf dem Boden des jeweiligen Raumes (Konzertsaal, Podium und dergleichen) aufgestellten Instrumenten die schalltechnische Ankopplung des Instrumentes über die Füße, Rollen, Stützen oder ähnliches an den Boden vermieden. Auch können solche Bauteile eines Musikinstrumentes, in denen grundsätzlich den angestrebten Klang störende Schallereignisse erzeugt werden (z.B. Mechanikgeräusche im Spieltisch eines Flügels oder Klaviers), von den restlichen Bauteilen schalltechnisch isoliert werden, um die Abstrahlung des störenden Schallereignisses und damit dessen Einfluss auf den Gesamtklang des Instrumentes zu minimieren.
Als Beispiel für ein für die kinetische Entkopplung im Sinne der Erfindung geeignetes Material sei eine biegeweiche schwere Kunststoffmatte mit anorganischen Füllstoffen, wie sie von der Firma Stankiewicz GmbH in Adelheidsdorf, Deutschland unter der Bezeichnung „Bary-X" angeboten wird, genannt, die eine Schallgeschwindigkeit von ca. 60 m/s und bei 3 mm Stärke ein Flächengewicht von 8 kg/m 2 (bzw. bei 6 mm Stärke 16 kg/m 2 ) hat. „Bary-X" besitzt gemäß dem öffentlich zugänglichen EG-Sicherheitsdatenblatt eine Dichte zwischen 2,45 g/cm 3 und 2,7 g/cm 3 und somit eine Schallkennimpedanz zwischen ca. 147000 Ns/m 3 und ca. 162000 Ns/m 3
Eine solche Platte kann z.B. bei einem Klavier oder Flügel an einer Verbindungsstelle zwischen ein aktives und ein passives Bauteil eingefügt (bspw. eingeklebt) werden, um eine vollständige kinetische Entkopplung der jeweiligen Bauteile bzw. Bereiche zu erreichen.
Eine wie in Anspruch 7 angegebene erfindungsgemäße Verwendung des eine Schallweiterleitung unterdrückenden Materials in einer Zwischenlage bei einem mehrschichtigen Aufbau eines Bauteils eines Musikinstrumentes führt zu einer „akustischen Ruhigstellung" desselben. Das heißt, das Bauteil wird weder durch über den Instrumentenkörper eingeleiteten, noch durch eintreffenden Luftschall zu Eigenschwingungen angeregt und kann so kein das primäre Schallereignis störendes sekundäres Schallereignis auslösen. Z. B. kann ein solcher Aufbau für den Deckel eines Flügels gewählt werden, um dessen grundsätzlich störende Resonanz zu unterbinden.
Nachfolgend wird die Erfindung mit ihren Vorteilen und Merkmalen anhand eines Ausführungsbeispieles und unter Bezugnahme auf die anliegenden Figuren noch einmal ausführlicher beschrieben. Dabei zeigen:
Kurze Beschreibung der Abbildungen der Zeichnungen
Fig. 1 eine dreidimensionale Darstellung eines Flügels als mögliches Musikinstrument zur Anwendung des erfindungsgemäßen Verfahrens;
Fig. 2 eine Darstellung des Korpus des in Fig. 1 gezeigten Flügels;
Fig. 3 in einer Schnittdarstellung eine mögliche konstruktive Variante zur
Entkopplung des Resonanzbodens von dem Korpus;
Fig. 4 in einer Darstellung analog zu Fig. 3 eine konstruktive Variante mit zwischengelegtem Resonanzbodenlager;
Fig. 5 in einer Darstellung analog zu Fig. 3 eine konstruktive Möglichkeit zur Entkopplung eines Verbindungselementes;
Fig. 6 in einer schematischen Darstellung eine konstruktive Möglichkeit zu Entkopplung des Spieltisches vom sonstigen Korpus; und
Fig. 7 eine Möglichkeit der erfindungsgemäßen Entkopplung des Stuhlbodens vom sonstigen Gehäuse in einem mehrschichtigen Aufbau.
Weg(e) zur Ausführung der Erfindung
In den Figuren 1 und 2 ist ein Flügel bzw. isoliert sein Korpus als ein mögliches Musikinstrument für die Anwendung des erfindungsgemäßen Verfahrens dargestellt.
Der Flügel besteht aus einem zentralen Hauptbauteil, dem Rim, bestehend aus der Wand 7 und der Zarge 6, der auf Füßen 10 mit daran angeordneten Rollen 11 aufgestellt und mit einem Deckel 8 oberseitig verschlossen wird. An der Vorderseite des Rim befindet sich unterseitig der Stuhlboden bzw. Spieltisch 9, auf welchem sich das zum Anschlagen der Saiten benötigte Spielwerk, bestehend aus einer Klaviatur (Tastatur) und einer Mechanik befindet. In dem Rim befindet sich als zentrales Bauteil der auf die Zarge 6 aufgeleimte Resonanzboden 13, üblicherweise aus Fichte bestehend, mit darüber liegender Gussplatte 5, üblicherweise aus Grauguss bestehend, auf der die Saiten aufgespannt sind, und darunter liegenden, den Korpus aussteifenden Spreizen. Die Verbindung zwischen Spreizen und Gussplatte 5 besteht aus einem Kasten winkel 4, die Verbindung von Saiten und Resonanzboden 13 erfolgt durch den mit dem Resonanzboden 13 fest verbundenen Steg 14. Im vorderen oberen Teil des Flügels befindet sich das Notenpult 12.
Das primäre Schallereignis, d.h. das gewünschte Klangereignis, wird bei Klavieren und Flügeln z.B. durch schwingende Saiten erzeugt, durch den Steg 14 auf den Resonanzboden 13 übertragen und durch diesen verstärkt. Somit besteht der aktive Bereich bei Klavieren und Flügeln aus den Saiten, den Stegen 14 und dem Resonanzboden 13 samt all seinen sonstigen Bestandteilen (Rippen, Quer- und Kantenversteifungen u.a.). Der passive Bereich wird durch alle sonstigen Bauteilen gebildet, d.h. aus dem Instrumentenkorpus (Wand 7 und Zarge 6), der Gussplatte 5, dem Deckel 8, dem Notenpult 12 usw.
Die erfindungsgemäße kinetische Entkopplung des aktiven Bereiches kann am Beispiel des Flügels als eine umfassende Lagerung des Resonanzbodens 13 geschehen.
Die Lagerung des Resonanzbodens 13 kann direkt auf einem für die Entkopplung geeigneten Material 1 erfolgen (vergl. Fig. 3) oder aber durch Entkopplung eines Teilbereiches der Zarge 6, auf der der Resonanzboden 13 aufgeleimt ist (vergl. Fig. 4). Weiterhin werden sämtliche Verbindungen, Schrauben, Dübel oder sonstige Kontaktstellen zwischen aktivem und passivem Bereich in eine Manschette (einen „Dübel") 3 aus diesem Material eingelassen (vergl. Fig. 5), um eine ausreichende Entkopplung zu erreichen und eine eindeutige Trennung von aktivem und passiven Bereich vorzunehmen. Dies bedeutet, dass sämtliche Stellen des Instrumentes, durch die ein übergang des primären Schallereignisses in den passiven Bereich des Instrumentes möglich ist - unabhängig von der Lage und der Größe dieser Stellen - mittels eines geeigneten Materials entkoppelt werden.
Die Saitenspannung wird bei Klavieren und Flügeln durch eine Gussplatte 5 aufgenommen. Aufgrund dieser Funktion ist die Entkopplung von Saite und Gussplatte 5 nicht möglich. Da jedoch aufgrund dieser Kopplung Schallenergie von der Saite durch die Gussplatte 5 in alle sonstigen Bauteile des Instrumentes gelangen kann, muss auch die Gussplatte 5 von den restlichen passiven Bauteilen des Flügels entkoppelt werden (d.h. das bei der Gussplatte 5 nicht erwünschte, aber unvermeidbare Schallereignis wird ebenfalls auf einen möglichst kleinen, lokalen Bereich begrenzt). Dies geschieht analog zur Vorgehensweise zur Entkopplung des aktiven Bereiches durch umfassende Lagerung und Einbettung der Gussplatte 5 in ein Material 1, welches zur kinetischen Entkopplung geeignet ist (vergl. Fig. 5: Dort wird die Gussplatte 5 bzw. die Plattenrandschraube 4 nicht nur vom Resonanzboden 13 entkoppelt, sondern auch von der Zarge 6 und der Wand 7). Sollte die Gussplatte 5 ihrerseits untrennbar mit anderen Bauteilen verbunden sein (wie z.B. mit dem Stimmstock 15), so erfolgt die Entkopplung jeweils am nächstmöglichen Bauteil, um die Summe der schallenergetisch nicht entkoppelten Bauteile so gering wie möglich zu halten (siehe Fig. 6: Hier findet die Entkopplung zwischen Stimmstock 15 und Wand 7 und Zarge 6 statt, da eine Entkopplung von Gussplatte 5 und Stimmstock 15 aus konstruktiven Gründen nicht möglich ist).
Der Stuhlboden 9 (Spieltisch) ist primärer Verstärker des unerwünschten sekundären Schallereignisses „Mechanikgeräusche", welches durch die Bewegung der Tasten und der dahinter liegenden Mechanik entsteht. Zur lokalen Begrenzung dieses Schallereignisses, bzw. zur Vermeidung der Ausbreitung der Schallenergie der Mechanikgeräusche in das gesamte Instrument, wird auch hier eine lokale Begrenzung durch die kinetische Entkopplung des Stuhlbodens 9 von Zarge 6, Wand 7 und umgebender Luft durch einen mehrschichtigen Aufbau des Stuhlbodens vorgenommen, in dem eine oder mehrere Lagen des Materials 1 zur Entkopplung eingefügt werden (siehe Fig. 7). Weitere Möglichkeiten zur lokalen Begrenzung der
Mechanikgeräusche sind durch Einarbeiten eines Materials 1 zur Entkopplung in den Klaviaturrahmen, durch die Lagerung des Mechanikgestells oder des Klaviaturrahmens auf diesem Material o.a. möglich.
Die analoge Vorgehensweise ist möglich und aus klangtechnischen Gründen wünschenswert für weitere Gehäuseteile, bei denen es zu unerwünschten Koppelungen, Resonanzerscheinungen oder Verstärkungen von Nebengeräuschen kommen kann, wie z.B. Deckel 8, Notenpult 12, Ober- und Unterrahmen, Flügelwand 7 o.a.
In dem oben geschilderten Ausführungsbeispiel wurde die Erfindung anhand eines Klaviers bzw. Flügels als Musikinstrument beschrieben. Analog zur Vorgehensweise bei diesen Instrumenten lässt sich eine klangliche Optimierung jedoch auch bei prinzipiell allen anderen Musikinstrumenten durch Anwendung des Prinzips der kinetischen Entkopplung des aktiven Bereichs vom passiven Bereich erreichen.
Bei Blasinstrumenten, die ein Mundstück besitzen, wie z.B. Saxofon, Klarinette, Oboe sowie allen Instrumente mit Kesselmundstücken, lässt sich bspw. dieses Mundstück vom Instrumentenkorpus (Rohr) kinetisch entkoppeln. Diese Maßnahme bewirkt, dass der für das primäre Schallereignis erforderliche und gewünschte Luftstrom im Rohr durch Geschwindigkeitstransformation zwar eine Verstärkung erfährt, nicht jedoch das Gehäusematerial (d.h. der Korpus) des Blasinstruments zu sekundärem, interferierenden Schall angeregt wird.
Bei Streich- und Zupfinstrumenten, wie z.B. Geige, Cello oder Gitarre sind die z.B. Zarge und der Hals mit dem Griffbrett nur passive Bauteile, die der Spielfunktion bzw. der Stabilität des Instruments dienen. Die Verbindung des Resonanzbodens mit der Decke durch den Stimmstock ist der eigentliche, klanglich relevante Teil. Daher können Zarge und Hals vom Rest des Instruments in erfindungsgemäßer Weise kinetisch entkoppelt werden (bei Cello und Kontrabass auch die Führung des Stachels vom Instrument sowie das untere Ende des Stachels vom Fußboden), um das primäre Schallereignis auf den aktiven Teil zu begrenzen.
Diese Vorgehensweise lässt sich beliebig auf andere Musikinstrumente übertragen durch Identifikation und konsequente kinetische Entkoppelung des für die Erzeugung des primären Schallereignisses erforderlichen, aktiven Bereiches eines Instrumentes von allen Bauteilen, die keine unmittelbaren klanglichen Funktionen haben, mittels des nachfolgend beanspruchten Verfahrens.
Bezugszeichenliste
1 Material zur Entkopplung
2 Resonanzbodenlager
3 Dübel aus Material zur Entkopplung
4 Plattenrandschraube
Gussplatte Zarge Wand Deckel Stuhlboden (Spieltisch) Fuß Rolle Notenpult Resonanzboden Steg Stimmstock
Next Patent: METHOD FOR IMPROVING THE SOUND OF MUSICAL INSTRUMENTS
