HARTMANN, Dirk (Bruchloh 18, Hamburg, 22589, DE)
SCHÜTTE, Christoph (Schulstr. 1, Winsen, 21423, DE)
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HINTZE, Wolfgang (Stubbenberg 10, Hamburg, 21077, DE)
HARTMANN, Dirk (Bruchloh 18, Hamburg, 22589, DE)
SCHÜTTE, Christoph (Schulstr. 1, Winsen, 21423, DE)
| Ansprüche: 1. Verfahren zum Fräsen von langfaserverstärkten Verbundkunststoffen mit mindestens einer unidirektionalen Decklage unter Verwendung eines rotierenden Fräswerkzeugs, wobei Werkstück und Werkzeug in einer Vorschubbewegung parallel zur Werkstückschnittfläche relativ zueinander bewegt werden, dadurch gekennzeichnet, dass • ein Kantenfasertrennwinkel am Werkstück von 0° < 9Kante < 90° vorliegt, und • die Schneide des Werkzeugs die Bauteilkante im Gleichlauf fräst. 2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Fräsen unter Zugabe eines Kühlmittels erfolgt. 3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Kühlmittel flüssig und/oder gasförmig zugegeben wird. 4. Verfahren nach Anspruch 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, dass das Kühlmittel in Form von Nebel zugegeben wird. 5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass für eine zu fräsende Werkstückkante Bereiche unterschieden werden derart, dass an den Übergängen der Bereiche der Kantenfasertrennwinkel 90° beträgt, und für jeden Bereich die Schnittrichtung und die Vorschubrichtung so gewählt werden, dass der Kantenfasertrennwinkel Oj ante stets 0° < θ εαηε - 90° beträgt und die Werkstückkante im Gleichlauf gefertigt wird. 6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass ein rechtsdrehendes Werkzeug und ein linksdrehendes Werkzeug in einer Werkzeugspindel angeordnet sind, wobei die Schnittrichtung und die Vorschubrichtung derart ausgewählt werden, dass für Werkstückkanten mit Bereichen unterschiedlicher Faserorientierung jeweils das Werkzeug mit der geeigneten Drehrichtung eingesetzt wird, durch die der zulässige Bereich des Kantenfasertrennwinkels eingehalten wird, und die Werkstückkante stets im Gleichlauf gefräst wird. 7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass für eine zu fräsende Werkstückkante Bereiche unterschieden werden derart, dass an den Übergängen der Bereiche der Kantenfasertrennwinkel 90° beträgt, und dass für jeden Bereich die Schnittrichtung und die Vorschubrichtung so gewählt werden, dass der Kantenfasertrennwinkel Θ stets 0° < 0 ante < 90° beträgt, indem die Spindelanordnung oder das Bauteil zwischen den Bereichen gewendet wird, und dass die Werkstückkante im Gleichlauf gefertigt wird. |
Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zum Fräsen von langfaserverstärkten Verbundkunststoffen mit mindestens einer unidirektionalen Decklage.
Bei der mechanischen Bearbeitung von langfaserverstärkten Verbundkunststoffen an Umrisskanten oder Schultern tritt bei intakter, scharfkantiger Schneide keine Delamination am Bauteil auf. Die Fasern werden vollständig an der Bauteildecke getrennt und die Bauteiloberfläche weist keine Abplatzungen oder Absplitterungen auf. Mit zunehmendem Werkzeugverschleiß, der sich bei der Zerspanung von Faserverbundkunststoffen vor allem durch eine ansteigende Schneidenverrundung auszeichnet, kann Delamination auftreten. Ebenfalls kann Bauteildelamination auftreten, wenn die Werkzeugschneide im arbeitsscharfen Zustand eine Schneidenverrundung aufweist, wie es zum Beispiel bei (diamant-) beschichteten Werkzeugen der Fall ist. Delamination verursacht Nacharbeit und höhere Bauteilkosten und beeinträchtigt die mechanischen Eigenschaften des Faserverbundbauteils. Zusätzliche Decklagen zur Vermeidung von Delamination, wie beispielsweise Gewebe oder GFK-Lagen, sind aus Gründen des Leichtbaus unerwünscht.
In Colligan K. et al„Delamination in surface plies of graphite/epoxy caused by the edge trimming process", veröffentlicht in Processing and manufacturing of composite materials, vol. 27, 1991 ist beschrieben, dass unterschiedliche Formen von Delamination entstehen können. Insbesondere werden Faserüberstände, Ausbrüche der Decklagen, sowie lose, regellos angeordnete überstehende Fasern unterschieden.
BESTÄTIGUMGS OPIE Aus Hocheng, H. et al„Preliminary study on milling of unidirectional carbon fibre- reinforced plastics" veröffentlicht in Composites manufacturing, vol. 4, No. 2, 93, Seiten 103-108 ist bekannt, dass die Faserorientierung Einfluss auf die Entstehung von Delamination ausübt. Während beim Umrissfräsen einer 0°-Orientierung keine Delamination auftritt und ebene Schnittflächen entstehen, werden die Fasern bei 90°- und 135°-Orientierung nicht vollständig getrennt. Durch einen gezielten Schichtaufbau kann der Entstehung von Delamination vorgebeugt werden. Es sollte ein symmetrischer Aufbau gewählt und stark unterschiedliche Kontraktionszahlen vermieden werden.
Aus Ramulu M. „Machining and surface integrity fibre-reinforced plastic composites", Sadhana, vol. 22, part 3, Seiten 149-772, 1997 ist bekannt geworden, dass die Decklage für die Entstehung von Delamination entscheidend ist.
Aus DE 10 2007 027 461 AI ist ein Verfahren zum Bearbeiten eines Werkstücks aus einem Faserverbundwerkstoff, insbesondere aus einem Faser-Kunststoff- Verbund bekannt. Bei der Bearbeitung wird zur Vermeidung von Beschädigungen der Fasern vorgeschlagen, einen Schnittwinkel von < 10° zu verwenden.
Eine besondere Problematik beim Fräsen von langfaserverstärkten Kunststoffen mit unidirektionaler Decklage tritt auf, wenn eine Umrissbearbeitung erfolgen soll. Die bekannten Ansätze zur Verbesserung der Bauteilqualität in einem zweistufigen Prozess aus Schrupp- und Schlichtbearbeitung versagen dann, wenn Delamination aufgetreten ist. Es hat sich gezeigt, dass beim Schruppen gelöste Fasern durch einen nachgeschalteten Schlichtprozess nicht oder nur unzureichend beseitigt werden können. Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren bereitzustellen, um Werkstücke aus langfaserverstärktem Kunststoff mit unidirektionaler Decklage delaminationsfrei und ohne Faserüberstände zu besäumen und aufwendige Nacharbeit an der gefertigten Werkstückkante zu vermeiden.
Erfindungsgemäß wird die Aufgabe durch ein Verfahren mit den Merkmalen aus Anspruch 1 gelöst.
Das Verfahren betrifft die Bearbeitung von faserverstärkten Verbundkunststoffen mit mindestens einer unidirektionalen Decklage. Ein solches Werkstück besitzt in mindestens einer Decklage Fasern, die sich gemeinsam in einer Richtung erstrecken. Die Bearbeitung erfolgt erfindungsgemäß durch Fräsen unter Verwendung eines rotierenden Werkzeugs, wobei Werkstück und Werkzeug durch eine Vorschubbewegung parallel zur zu fertigenden Werkstückkante relativ zueinander bewegt werden. Die zu fertigende Werkstückkante ist diejenige Kante, die an dem Werkstück durch den Fräsvorgang entsteht. Erfindungsgemäß ist das Verfahren durch zwei Bedingungen gekennzeichnet. Die erste Bedingung betrifft den Kantenfasertrennwinkel an der zu fertigenden Werkstückkante. Erfindungsgemäß soll der Kantenfasertrennwinkel während des gesamten Fräsvorgangs zwischen 0° und 90° liegen. Die zweite Bedingung, um die Delamination der Decklage zu vermeiden, besteht darin, dass die Schneide des Werkzeugs sich an der zu fertigenden Werkstückkante in Richtung des Vektors der Werkstückvorschubrichtung bewegt. In der Fachsprache wird eine solche Bewegung der Schneide des Werkzeugs auch als„Gleichlauffräsen" bezeichnet.
Indem bei dem erfindungsgemäßen Verfahren beim Gleichlauffräsen die Bedingung für den Kantenfasertrennwinkel an der zu fertigenden Werkstückkante eingehalten wird, kann die Entstehung von Faserrückständen und eine Delamination der Decklage vermieden werden. Indem erfindungsgemäß die Schnittrichtung entlang der zu bearbeitenden Werkstückkontur so gewählt ist, dass die Faserorientierung und der Vektor der Schnittgeschwindigkeit an der zu fertigenden Werkstückkante der unidirektionalen Decklage stets entgegengerichtet sind oder zumindest senkrecht zueinander stehen, d.h. einen Kantenfasertrennwinkel Gi ante von 0° < 0Kante < 90° einschließen, können Faserüberstände vermieden werden. Um die erfindungsgemäßen Bedingungen einzuhalten, die zu fertigende Werkstückkante stets im Gleichlauf bei einem spitzen Kantenfasertrennwinkel 0° < Gj ante ^ 90° zu fräsen, kann es erforderlich sein, dass die Bearbeitung des Werkstücks bereichsweise zu erfolgen hat, insbesondere beim Umriss- oder Umfangsfräsen können geometrische Bedingungen auftreten, die lediglich eine bereichsweise Bearbeitung des Werkstücks erlauben. Der Kantenfasertrennwinkel 0Kante unterscheidet sich von dem Fasertrennwinkel dadurch, dass der Winkel zwischen Faserorientierung, also der Längsrichtung der Faser, und dem Vektor der Schnittgeschwindigkeit an der fertigenden Werkstückkante betrachtet wird, während der Fasertrennwinkel über den Schnittweg seinen Wert kontinuierlich verändert.
Bei der bevorzugten Ausgestaltung erfolgt während des Fräsvorgangs eine Zugabe von Kühlmittel. Hierbei ist es möglich, flüssiges oder gasförmiges Kühlmittel zuzusetzen. Alternativ ist es auch möglich, Kühlmittel in Form von Nebel bei dem Fräsvorgang zuzusetzen.
In einer weiteren bevorzugten Ausgestaltung werden für eine zu fräsende Werkstückkante unterschiedliche Bereiche definiert derart, dass an den Übergängen der Bereiche der Kantenfasertrennwinkel 90° beträgt. Für jeden Bereich werden nun die Schnittrichtung und die Vorschubrichtung so gewählt, dass der Kantenfasertrennwinkel Θ stets 0° < Gi ante < 90° beträgt und die Werkstückkante im Gleichlauf gefertigt wird. Eine solche Auswahl der Schnitt- und Vorschubrichtung erlaubt es, ein Werkzeug zur Bearbeitung der kompletten Werkstückkante einzusetzen, wobei zwischen den Bereichen eine Spindelanordnung oder das Werkstück gewendet werden kann.
In einer zweiten bevorzugten Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens werden ein rechtsdrehendes Werkzeug und ein linksdrehendes Werkzeug eingesetzt. Die Schnittrichtung und die Vorschubrichtung werden derart ausgewählt, dass für Werkstückkanten mit Bereichen unterschiedlicher Faserorientierung jeweils das Werkzeug mit der geeigneten Drehrichtung eingesetzt wird, durch die der zulässige Bereich des Kantenfasertrennwinkels eingehalten wird, und die Werkstückkante stets im Gleichlauf gefräst wird.
In einer weiteren Ausgestaltung sind beide Werkzeuge an einer Werkzeugspindel angeordnet und werden von dieser angetrieben. Gemäß dieser Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens, die besonders für den Einsatz von Robotern geeignet ist, erfolgt ohne Abbremsen der Werkzeugspindel das bereichsweise Fräsen der Werkstückkante durch Wechsel der entsprechenden Werkzeugschnittrichtung und Vorschubrichtung.
Das erfindungsgemäße Verfahren wird nachfolgend anhand eines Ausführungsbeispiels näher erläutert. Es zeigt:
Fig. 1 Delaminationen in Abhängigkeit des Werkzeugverschleißes,
Fig. 2 Delaminationen beim Fräsen mit verschlissenem Werkzeug,
Fig. 3 der Fasertrennwinkel beim Fräsen bei der Bearbeitung eines
Kantenfasertrennwinkels von Gi ante = 45°,
Fig. 4 Änderung des Trennwinkels an Einzelfaser mit dem
Vorschubweg, Fig. 5 Systematik zur Entstehung von Delaminationen für ausgewählte Kantenfasertrennwinkel 0Kante,
Fig. 6 Anpassung der Schnittrichtung durch die Spindelanordnung, Fig. 7 Anpassung des Fasertrennwinkels durch Wenden des Bauteils und
Fig. 8 Bearbeitung eines Werkstücks mit nicht symmetrischer
Orientierung von vorderer und hinterer Decklage.
Kohlenstofffaserverstärkte Kunststoffe (CFK) werden zunehmend in der Luft- und Raumfahrtindustrie eingesetzt. Nach dem Aushärten wird die Maßhaltigkeit der Bauteile durch Besäumprozesse erzielt. Hierfür kommen vor allem Fräsprozesse zur Anwendung, bei denen die Bauteilkontur durch Umfangsfräsen hergestellt wird. Bei derartigen Fräsprozessen können Delaminationen in Form von Faserüberständen und Ausbrüchen an der Decklage der bearbeiteten Bauteilkanten auftreten. Dort werden die Fasern durch die Belastungen des Schneideneingriffs aus dem Verbund herausgelöst und infolge mangelnder Abstützung nicht definiert getrennt.
Bei den Ausführungsbeispielen zur Erläuterung der Erfindung werden Schlitze in unidirektional verstärkte CFK-Proben mit HT-Fasern und Epoxidharz-Matrix gefräst. Dieses Vorgehen liefert Auskunft sowohl über den Entstehungsort als auch über die Ausbreitung der Delaminationen, da das Schlitzende erhalten bleibt. Zur Bearbeitung der CFK-Proben wurde ein zweischneidiger, gerade genuteter PKD- Fräser in unterschiedlichen Verschleißzuständen eingesetzt. Die Proben wurden derart angeordnet, dass Kantenfasertrennwinkel von 0Kante = 0°, 45°, 90° und 135° vorlagen, wobei G ante der Kantenfasertrennwinkel der Decklage ist.
Allgemein ist bekannt, dass eine wesentliche Ursache für die Bildung von Delaminationen bei der spanenden Bearbeitung von Faserverbundwerkstoffen der Werkzeugverschleiß ist. Ein zunehmender Schneidenradius führt zu einem Anstieg der Zerspankräfte und erschwert die definierte Trennung der Fasern. Beschränken sich die Delaminationen bei beginnendem Verschleiß im Wesentlichen auf Faserüberstände, so treten bei weiter fortschreitendem Verschleiß auch Ausbrüche und Abplatzungen der Decklage auf. Bei kleiner Schneidenverrundung werden die Fasern hingegen vollständig getrennt.
Fig. 1 zeigt einen gefrästen Schlitz bei zunehmendem Verschleiß des Werkzeugs. Figur la zeigt für eine Schneidenverrundung r n von r n =9 μιιι bei einer Faserorientierung senkrecht zu den gefertigten Kanten (Kantenfasertrennwinkel öj ante = 90°) und einem rechtsdrehenden Werkzeug eine gute Qualität der bearbeiteten Kanten. Mit zunehmender Verrundung von r n = 45 μηι treten bereits am Schlitzende vorstehende Fasern auf. Bei einer weiter zunehmenden Verrundung des Werkzeugs von r„ = 90μπι ist entlang der linken bearbeiteten Kante deutlich der Effekt der Delamination zu erkennen.
Figur 2 zeigt die Delamination beim Fräsen mit verschlissenem Werkzeug (r n = 90μηι). Deutlich zu erkennen ist, dass bei einem Kantenfasertrennwinkel von 0Kante = 0°, 0 ante = 45°, Gicante = 90° und Gi ante = 135° mit dem verschlissenen Werkzeug jeweils Delamination und überstehende Faserenden auftreten. In Figur 2 ist die jeweilige Orientierung der Fasern an der linken oberen Ecke des Werkstücks durch Striche angezeigt.
Die Erfindung beruht auf der Erkenntnis, dass der Fasertrennwinkel Θ für das Auftreten der Delamination ein entscheidender Faktor ist. Der Fasertrennwinkel ist derjenige Winkel, der von der Schnittrichtung und der Orientierung der Fasern aufgespannt wird. Aufgrund der kreisförmigen Bewegung beim Fräsen ändert sich die Schnittrichtung während des Schneideneingriffs und damit auch der Fasertrenn winkel .
Figur 3 zeigt die Änderung des Fasertrennwinkels am Beispiel des Fräsens bei einem Kantenfasertrennwinkel von Θ = Bjiante = 45°. Deutlich zu erkennen ist, dass bei 9 Uhr ein Kantenfasertrennwinkel von 45° vorliegt. Bei 12 Uhr tritt ein Fasertrennwinkel von 135° auf, der allerdings kein Kantenfasertrennwinkel ist. Bei 3 Uhr liegt wieder ein Fasertrennwinkel von 45° vor.
Bei Betrachtung von Figur 2 wird deutlich, dass bei der Bearbeitung bei einem Kantenfasertrennwinkel von 0Kante = 90° Delaminationen nur dort auftreten, wo die Fasern unter einem Fasertrennwinkel zwischen Θ = 90° und Θ = 180° getrennt wurden. Gleichzeitig treten Bereiche auf, die delaminationsfrei sind. Das Gleiche ist für die übrigen Faserorientierungen zu beobachten. Hiernach kann, wenn auf den Fasertrennwinkel abgestellt wird, gefolgert werden, dass Delaminationen nur in einem Fasertrennwinkelbereich zwischen 90° und 180° entstehen.
Bei einer genaueren Analyse der Figur 2 stellt man aber bei der Faserorientierung von Gj ante = 45° fest, dass Delaminationen auch außerhalb des kritischen Bereichs auftreten können. So ist die bearbeitete linke Kante sowie das Schlitzende durch abstehende Fasern beschädigt. Andererseits ist bei einer Faserorientierung unter dem Faserkantentrennwinkel von 9icante = 135° festzustellen, dass ein Bereich des Schlitzendes frei von Delaminationen ist, während sowohl die im Gegenlauf als auch die im Gleichlauf bearbeiteten Kanten Delaminationen mit vorstehenden Fasern zeigen. Die Erfindung beruht daher auf der zweiten Erkenntnis, dass neben dem Kantenfasertrenn winkel, wie er in Figur 3 dargestellt ist, die Ausbreitung der Delamination in dem Werkstück entscheidend für die Güte der Kante ist.
Die Mechanismen zur Entstehung und Ausbreitung von Delaminationen können in Figur 4 näher betrachtet werden. In dem dargestellten Ausfuhrungsbeispiel wird die intakte Faser zuerst bei ungefähr 2 Uhr und einem Fasertrennwinkel von 180° getroffen. Dies bedeutet, dass die Fasern im Schlitzende in einem Winkelbereich von ungefähr 10 Uhr bis 2 Uhr mit einem Fasertrenn winkel von mehr als 90° bearbeitet werden. Erfindungsgemäß wurde nun erkannt, dass diese erste Bearbeitung der Fasern zu Schädigungen der Fasern in der Matrix führt, die sich auch auf eine nachfolgende Bearbeitung der Fasern auswirken. Wie Figur 4 im Bereich des Schlitzendes zeigt, treten auch unter einem Kantenfasertrennwinkel von Ö ante = 45° an der im Gegenlauf bearbeiteten Kante vorstehende Fasern auf.
Die bisherigen Ausführungen sind in Figur 5 für die Kantenfasertrennwinkel 9Kante = 0°, 6i ante = 45°, 9Kante = 90° und 6](ante = 135° systematisch zusammengefasst. Hierbei kennzeichnet der Bereich A den kritischen Fasertrennwinkelbereich, in dem Delaminationen entstehen können. Im Bereich C können aufgrund des Fasertrennwinkels keine Delaminationen auftreten.
Bei der Faserorientierung unter dem Kantenfasertrennwinkel von 9Kante = 45° erfolgt im Winkelbereich B die Ausbreitung von Delaminationen, die zeitlich vorher in einem Bereich A entstanden sind. Deutlich ist hierbei aber, dass der kritische Bereich B, in dem die Ausbreitung der Delamination erfolgt, nur an der im Gegenlauf bearbeiteten Kante auftritt und bei der im Gleichlauf bearbeiteten Kante entfällt. Ebenso können bei der Faserorientierung unter dem Kantenfasertrennwinkel von ÖKante = 90° im Bereich A Delaminationen an der im Gegenlauf bearbeiteten Kante auftreten während die im Gleichlauf bearbeitete Kante frei von Delaminationen ist.
Bei einer Faserorientierung unter dem Kantenfasertrennwinkel von 0 ame = 135° tritt zwar in dem Winkelbereich C keine Ausbreitung der Delamination auf, jedoch liegen beide Kanten im kritischen Fasertrennwinkelbereich, so dass sowohl an der im Gegenlauf als auch an der im Gleichlauf bearbeiteten Kante Delaminationen auftreten.
Zusammenfassend macht Figur 5 deutlich, dass neben der Bedingung des Kantenfasertrennwinkels im Bereich 0° < © ante < 90° die Bauteilkante auch im Gleichlauf gefräst werden muss, um delaminationsfrei zu sein. ,
Figur 6 zeigt an dem Beispiel eines rechteckigen Werkstücks, wie durch Änderung der Spindelanordnung, die erfindungsgemäße Bearbeitung des Werkstücks sichergestellt werden kann. Figur 6 zeigt im linken Teil ein Werkstück 10, in einer perspektivischen Ansicht. Die in Figur 6 hinten liegende Bearbeitungsseite des Werkstücks 10 wird durch ein sich mit v c rechts drehendes (im Uhrzeigersinn) arbeitendes Werkzeug 14 bearbeitet, wobei die Fasern 12 an der hinteren Werkstückkante unter 45° zur Schnittrichtung orientiert sind. Die zum Gleichauffräsen der gefertigten Werkstückkante gewählte Vorschubrichtung Vf ist in einem Vektor angedeutet. Im linken Teil der Figur 6 ist zu erkennen, dass bezogen auf die Kante der in der Figur dargestellten Decklage ein Kantenfasertrennwinkel von OKante = 45° vorliegt.
Für die Bearbeitung der mit 16 angedeuteten Fläche des Werkstücks 10 kann die Spindelanordnung gedreht werden, so dass entlang der Seitenkante 16 ebenfalls ein rechtsdrehendes Werkzeug eingesetzt wird. Auf diese Weise kann für die Kante des Werkzeugs 10 an der Seitenfläche 16 wieder die Bedingung eingehalten werden, dass der Kantenfasertrennwinkel < 90° ist. Zudem ergibt sich aus der in der rechten Seite von Figur 6 dargestellten Vorschubrichtung, dass wieder eine Bearbeitung im Gleichlauf erfolgt.
Figur 7 zeigt eine alternative Variante, bei der nicht die Spindelanordnung geändert wird, sondern bei der das Werkstück 10 gewendet wird. Auf der linken Seite der Figur 7 befinden sich die Fasern 12 der Decklage auf der Oberseite des Werkstücks 10, während auf der rechten Seite von Figur 7 das Werkstück 10 gewendet wurde, so dass die in Figur 7 oben liegende Decklage des Werkstücks 10 auf der rechten Seite von Figur 7 unten liegt.
In der Regel sind die zu bearbeitenden Werkstücke im Hinblick auf die Faserorientierung der Decklage symmetrisch aufgebaut. Dies bedeutet, dass die auf der einen Seite des Werkstücks vorliegende Faserorientierung auch auf der gegenüberliegenden Seite vorhanden ist. Bei einem symmetrisch ausgebildeten Werkstück braucht also im Hinblick auf eine Schnittfläche nicht zwischen den Kanten der oberen und unteren Decklage unterschieden werden. Wenn die Bedingungen für eine obere Decklage erfüllt sind, so ist dies automatisch auch für die untere Decklage der Fall.
Figur 8 zeigt ein Werkstück, das eine obere Decklage 18 und eine untere gestrichelt dargestellte Decklage 20 besitzt. Die Faserorientierungen der Decklagen 18 und 20 schließen einen 90° Winkel ein, so dass es nicht möglich ist, die obere Werkstückkante 22 gemeinsam mit der unteren Werkstückkante 24 zu bearbeiten. Das in Figur 8 dargestellte Ausfuhrungsbeispiel schlägt daher vor, die obere Werkstückkante 22 und die untere Werkstückkante 24 mit entgegen gesetzten Schnittrichtungen durch Wahl entgegen gesetzter Spindelanordnungen 26 bzw. 28 und entgegen gesetzten Vorschubrichtungen Vf zu bearbeiten.
