GERUNG, Michael (Oytalstraße 30, Augsburg, 86163, DE)
SCHREIBER, Günter (Alte Bergstraße 18, Friedberg, 86316, DE)
GERUNG, Michael (Oytalstraße 30, Augsburg, 86163, DE)
| Patentansprüche 1. Verfahren zur Montage eines Bauteils (6), das einen Ein¬ führungsabschnitt (9) und einen Halteabschnitt (7) auf¬ weist, in eine Öffnung (10) eines Werkstücks (11) mit¬ tels eines Industrieroboters (1), der einen Endeffektor (3) aufweist, welcher das Bauteil (6) an dem Halteab¬ schnitt (7) führt, mit den folgenden Schritten: — Annähern (Sl) des Einführungsabschnitts (9) des Bau¬ teils (6) an die Öffnung (10) durch Bewegen des Industrieroboters (1); — Erhöhen von Prozesskräften (S2) mittels des Industrieroboters (1) nach einem Kontakt des Einführungsab¬ schnitts (9) des Bauteils (6) mit dem Werkstück (11) bis zum Erreichen einer Prozesskraftschwelle (P) , wo¬ bei die Prozesskräfte insbesondere in Form von Mate¬ rialspannungen gespeichert werden; — Erhöhen der Nachgiebigkeit (S3) des Industrieroboters (1) bei Erreichen der Prozesskraftschwelle (P) ; und — Ausführen einer passiven Zentrierbewegung (S4) des Industrieroboters (1) aufgrund der durch eine Materi¬ alentspannung frei werdenden Prozesskräfte. 2. Verfahren nach Anspruch 1, bei dem ein Erhöhen der Nachgiebigkeit (S3) des Industrieroboters (1) durch eine sprunghafte Änderung der Nachgiebigkeit erfolgt. 3. Verfahren nach Anspruch 2, bei dem die sprunghafte Änderung der Nachgiebigkeit von einem Anfangsnachgiebig¬ keitswert zu einem Endnachgiebigkeitswert innerhalb ei- nes Zeitfensters zwischen 100 Mikrosekunden und 12 Mil lisekunde erfolgt, insbesondere von 1 Millisekunde. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, bei dem ein Erhöhen der Nachgiebigkeit (S3) des Industrieroboters (1) durch sprunghafte Änderung eines Regelparameters, insbesondere Nullsetzen eines Verstärkungsfaktors, des zum Erhöhen der Prozesskräfte wirkenden Regelkreises erfolgt . Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, bei dem ein Erhöhen der Nachgiebigkeit (S3) des Industrieroboters (1) durch ein Umschalten des Industrieroboters (1) von einem positionsgeregelten Betrieb in einen kraft- und/oder momentengeregelten Betrieb erfolgt. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, bei dem die Prozesskräfte in Form von Materialspannungen in dem Bauteil (6) und/oder Werkstück (11) gespeichert wird. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, bei dem die Prozesskräfte in Form von Materialspannungen in einem federelastischen Glied (12) des Industrieroboters (1) gespeichert werden. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, bei dem die Prozesskräfte in Form von Materialspannungen in einem federelastischen Glied (12) und/oder einem federelasti sehen Endeffektor (3) des Industrieroboters (1) gespei chert wird. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8, bei dem die Prozesskräfte dadurch gespeichert werden, dass eine Fe dersteifigkeit des Industrieroboters (1) durch einen kraft- und/oder momentengeregelten Betrieb des Industrieroboters (1) nachgebildet wird. 10. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 9, aufweisend den weiteren Schritt: — Wiederholen der Schritte des Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 8, wenn die Ist-Position des Bau¬ teils (6) bezüglich der Öffnung (10) des Werkstücks (11) von einer Soll-Position des Bauteils (6) bezüg¬ lich der Öffnung (10) des Werkstücks (11) um mehr als einen vorgegebenen Toleranzwert abweicht. 11. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 10, bei dem zumindest der Einführungsabschnitt (9) des Bauteils (6) im Querschnitt kreisförmig ausgebildet, die Öffnung (10) eine Kreisöffnung ist, so dass die passive Zent¬ rierbewegung des Industrieroboters (1) in Richtung des Zentrums ausgeführt wird. |
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Montage eines Bau- teils, das einen Einführungsabschnitt und einen Halteab ¬ schnitt aufweist, in eine Öffnung eines Werkstücks mittels eines Industrieroboters, der einen Endeffektor aufweist, welcher das Bauteil an dem Halteabschnitt führt.
Die EP 1 405 690 AI beschreibt einen Industrieroboter und ein Verfahren zur Montage eines Ventils in eine dazu be ¬ stimmte Bohrung einer Radfelge von Kraftfahrzeugen. Zur Lagerichtigen Montage des Ventils in die Bohrung ist ein Kame ¬ rasystem vorgesehen, welches die genaue Lage der Bohrung an der Radfelge bestimmt und an ein Steuersystem übermittelt, welches zur Ansteuerung des Industrieroboter mit diesem verbunden ist.
Die JP 07-088730 A beschreibt eine Montagezelle mit zwei In ¬ dustrierobotern. Eine Instrumententafel eines Kraftfahrzeugs bildet ein Werkstück, das eine Öffnung aufweist, an der ein Bauteil montiert werden soll. Dazu weist die Instrumententa ¬ fel Markierungen auf. Einer der beiden Industrieroboter trägt ein Kamerasystem, um die Öffnung und die Markierungen der Instrumententafel aufnehmen zu können. Aus den mittels des Kamerasystems aufgenommenen Lagen der Öffnung und der Markierungen wird eine Montageposition und Montageorientie ¬ rung für das Bauteil bestimmt und der andere Industrierobo ¬ ter, der das Bauteil hält, entsprechend angesteuert, um das Bauteil lagerichtig bezüglich des Werkstücks zu seiner Mon ¬ tage zu positionieren. Die JP 04-348885 A beschreibt ein Verfahren zum Einführen eines Bauteils in eine Öffnung eines Werkstücks, bei dem das Bauteil von einem Roboter bewegt an die Öffnung herangeführt wird. Wenn das Bauteil an einem Rand der Öffnung des Werkstücks ansteht, wird das Bauteil durch den Roboter gedreht und eine Veränderung der Kontaktkraft aufgenommen und ge ¬ speichert. Auf Grundlage der Veränderung der Kontaktkraft wird eine Bewegungsrichtung ermittelt, in die der Roboter das Bauteil bewegt, um es lagerichtig in die Öffnung einfüh ¬ ren zu können.
Aufgabe der Erfindung ist es, ein verbessertes Verfahren zur Montage eines Bauteils in eine Öffnung eines Werkstücks an- zugeben.
Die Aufgabe der Erfindung wird gelöst durch ein Verfahren zur Montage eines Bauteils, das einen Einführungsabschnitt und einen Halteabschnitt aufweist, in eine Öffnung eines Werkstücks mittels eines Industrieroboters, der einen Endef ¬ fektor aufweist, welcher das Bauteil an dem Halteabschnitt führt, mit den Schritten:
— Annähern des Einführungsabschnitts des Bauteils an die
Öffnung durch Bewegen des Industrieroboters;
— Erhöhen von Prozesskräften mittels des Industrieroboters nach einem Kontakt des Einführungsabschnitts des Bauteils mit dem Werkstück bis zum Erreichen einer Prozesskraftschwelle, wobei die Prozesskräfte insbesondere in Form von Materialspannungen gespeichert werden;
— Erhöhen der Nachgiebigkeit des Industrieroboters bei Er ¬ reichen der Prozesskraftschwelle; und
— Ausführen einer passiven Zentrierbewegung des Industrieroboters aufgrund der durch eine Materialentspannung frei werdenden Prozesskräfte. Das Bauteil kann insbesondere ein gummielastisches Bauteil sein. Das Bauteil kann beispielsweise Elastomere, Gummis d.h. vulkanisierter Naturkautschuk, Kautschuk und/oder Silikonkautschuk aufweisen. Daneben kann das Bauteil auch andere Materialen aufweisen, wie beispielsweise Metalle, die in ge ¬ wissem Umfang auch über elastische Eigenschaften verfügen. Weist das Bauteil selbst, also inhärent, elastische Eigen ¬ schaften auf, so können die Prozesskräfte in Form von Mate- rialspannungen in dem Bauteil gespeichert werden. Alternativ oder ergänzend können die Prozesskräfte in Form von Materialspannungen auch in federelastischen Gliedern und/oder einem federelastischen Endeffektor des Industrieroboters gespeichert und/oder durch einen Kraft- bzw. Momenten- geregelten Betrieb des Industrieroboters nachgebildet wer ¬ den .
Als Prozesskräfte werden insbesondere diejenigen Kontakt ¬ kräfte verstanden, die sich zwischen dem Bauteil und dem Werkstück aufbauen, wenn der Industrieroboter das Bauteil mit dem Werkstück in Berührung bringt.
Die Prozesskraftschwelle stellt eine Höchstkraft dar, bei deren Erreichung ein Maß an Prozesskräften insbesondere in Form von Materialspannungen in dem elastischen Bauteil, in dem federelastischen Glied und/oder dem federelastischen En- deffektor des Industrieroboters gespeichert und/oder durch einen Kraft- bzw. Momenten-geregelten Betrieb des Industrieroboters nachgebildet ist, welches Maß an Prozesskräften ausreichend ist, um den Industrieroboter bei Erhöhen seiner Nachgiebigkeit eine passive Zentrierbewegung ausführen zu lassen.
Eine Nachgiebigkeit d.h. Nachgiebigkeitsregelung des Indust ¬ rieroboters kann insbesondere mittels einer Impedanzregelung statt einer Admittanzregelung erreicht werden.
Eine Admittanzregelung basiert auf einer vorhandenen Positi- onsregelung des Industrieroboters auf Gelenkebene. Hier müs ¬ sen die von außen auf den Industrieroboter einwirkenden ver- allgemeinerten Kräften gemessen werden. Ausgehend von diesen Kräften wird eine, dem gewünschten dynamischen Verhalten entsprechende, Bewegung des Industrieroboters bestimmt, die über eine inverse Kinematik und die unterlagerte Positions- regelung an den Industrieroboter kommandiert wird.
Eine Impedanzregelung basiert im Gegensatz zur Admittanzre- gelung auf einer vorhandenen Drehmomentenregelung auf Gelenkebene. Es werden die Abweichung der tatsächlichen Lage von einer definierten Solllage gemessen und entsprechend des gewünschten dynamischen Verhaltens eine gewünschte verallge ¬ meinerte Kraft, bzw. Kräfte und Momente, bestimmt. Diese Kraft kann über die bekannte Kinematik des Industrieroboters auf entsprechende Gelenkdrehmomente abgebildet werden. Die Drehmomente können schließlich über die unterlagerte Drehmo- mentenregelung eingestellt werden.
Die Erzielung eines gewünschten kartesischen Verhaltens kann basierend auf einer unterlagerten Positions-, Drehmomentenoder Gelenk-Impedanzregelung erfolgen. Die Realisierung dieser Regelungen können durch die Integration von Momentensen- sorik in die Gelenke eines Industrieroboters erreicht wer ¬ den. Der Sensor erfasst dabei das am Abtrieb eines Getriebes wirkende eindimensionale Drehmoment. Diese Größe kann für die Regelung als Messgröße herangezogen werden und ermöglicht somit die Berücksichtigung der Elastizität der Gelenke im Rahmen der Regelung. Insbesondere werden durch eine Dreh- momentsensorik, im Gegensatz zur Verwendung eines Kraftmo- mentensensors am Endeffektor, auch diejenigen Kräfte gemessen, die nicht auf den Endeffektor, sondern auf die Glieder des Industrieroboters und/oder auf ein von dem Industriero- boter gehaltenes Bauteil ausgeübt werden.
Mit dem Merkmal einer Erhöhung der Nachgiebigkeit kann mit anderen Worten eine Erhöhung der Affinität des Industriero- boters verstanden werden, Störkräfte, die von außen auf ihn einwirken, zu verringern oder zu null werden zu lassen.
Mit dem Begriff einer passiven Zentrierbewegung kann jede Bewegung verstanden werden, die der Industrieroboter auf- grund eines Einwirkens einer äußeren Kraft ausführt, ohne dass die Gelenke des Industrieroboters zu seiner aktiven Be ¬ wegung angetrieben werden.
Die Öffnung kann insbesondere eine durchgehende Bohrung, ei ¬ ne Sackbohrung in dem Werkstück oder eine Ausstanzung aus dem Werkstück sein. Die Öffnung kann eine Kreisform aufweisen. Die Öffnung kann jedoch auch andere Konturen aufweisen. Die Öffnung kann insbesondere eine ganz allgemeine Kontur, insbesondere eine konkave Kontur aufweisen. So kann bei ¬ spielsweise die Kontur der Öffnung statt kreisförmig insbe- sondere eine ovale oder elliptische Form aufweisen.
Ein Erhöhen der Nachgiebigkeit des Industrieroboters kann durch eine sprunghafte Änderung der Nachgiebigkeit erfolgen. Einer Erhöhung der Nachgiebigkeit kann also in einem sehr kurzen Zeitintervall erfolgen, so dass die passive Bewegung des Industrieroboters mit annehmbar hohen Beschleunigungen stattfinden kann. So werden, beispielsweise aufgrund von Reibungseffekten, Energieverluste vermindert, so dass diese frei werdenden Energien für das passive Bewegen des Industrieroboters zur Verfügung stehen. Die sprunghafte Änderung der Nachgiebigkeit kann von einem Anfangsnachgiebigkeitswert zu einem Endnachgiebigkeitswert innerhalb eines Zeitfensters zwischen 100 Mikrosekunden und 12 Millisekunde erfolgen. Besonders vorteilhaft hat sich ein Zeitfenster von 1 Millisekunde herausgestellt. In allen erfindungsgemäßen Ausgestaltungen kann ein Erhöhen der Nachgiebigkeit des Industrieroboters durch sprunghafte Änderung eines Regelparameters, insbesondere Nullsetzen ei ¬ nes Verstärkungsfaktors, des zum Erhöhen der Prozesskräfte wirkenden Regelkreises erreicht werden.
Des Weiteren kann ein Erhöhen der Nachgiebigkeit des Indust ¬ rieroboters auch durch ein Umschalten des Industrieroboters von einem positionsgeregelten Betrieb in einen kraft- und/oder momentengeregelten Betrieb erfolgen. Mit anderen Worten kann eine Änderung des Regelgesetzes bzw. der Robo ¬ tereigenschaften erfolgen und zwar von einer Admittanzrege- lung in eine Impedanzregelung. Dieses Umschalten kann insbesondere schlagartig d.h. möglichst schnell erfolgen.
Erfindungsgemäß können die Prozesskräfte in Form von Materi ¬ alspannungen in dem Bauteil gespeichert werden. Alternativ oder ergänzend können die Prozesskräfte in Form von Materialspannungen in dem Werkstück gespeichert wird. Die Prozess ¬ kräfte können, alternativ oder ergänzend, auch in Form von Materialspannungen in einem federelastischen Glied und/oder einem federelastischen Endeffektor des Industrieroboters gespeichert wird. Statt einer tatsächlichen Speicherung in einem federelastischen Glied und/oder einem federelastischen Endeffektor des Industrieroboters kann eine Federsteifigkeit des Industrieroboters auch durch einen kraft- und/oder mo ¬ mentengeregelten Betrieb des Industrieroboters nachgebildet werden .
Ein Abwandlung des erfindungsgemäßen Verfahrens sieht ein Wiederholen der Schritte eines der beschriebenen Verfahren vor, wenn die Ist-Position des Bauteils bezüglich der Öff- nung des Werkstücks von einer Soll-Position des Bauteils be ¬ züglich der Öffnung des Werkstücks um mehr als einen vorgegebenen Toleranzwert abweicht. Mit anderen Worten wird das erfindungsgemäße Verfahren gegebenenfalls so oft wiederholt, bis das Bauteil in die Öffnung des Werkstücks eingefügt wer ¬ den kann. D.h. es wird gegebenenfalls zwischen einem positi ¬ onsgeregelten Betrieb und einem kraft- bzw. momentengeregel- ten Betrieb mehrmals hin und her geschalten.
In allen erfindungsgemäßen Ausführungsformen kann zumindest der Einführungsabschnitt des Bauteils im Querschnitt kreis ¬ förmig ausgebildet sein, die Öffnung eine Kreisöffnung sein, so dass die passive Zentrierbewegung des Industrieroboters genau in Richtung des Zentrums ausgeführt wird.
Somit stellt je nach Ausführungsform die Erfindung ein Verfahren bereit, mit dem ein Bauteil in eine Öffnung eines Werkstücks eingefügt werden kann, ohne dass aufwändige Sen- sorik zur Bestimmung und/oder Vermessung der Lage der Öff- nung benötigt wird. Auch bedarf es keiner speziellen Programmierung der Steuerungsvorrichtung des Industrieroboters zur aktiven Nachverfolgung der Lage der Öffnung des Werkstücks .
In einem beispielhaften Anwendungsfall aus der Kraftfahr- zeugfertigung geht es um Gummiformteile, wie beispielsweise Stopfen, die in eine noch unbehandelte Karosserie eines Kraftfahrzeugs automatisiert eingebracht werden sollen, um die Karosserie mit verschlossenen Hohlräumen lackieren zu können. Vor allem auf der Unterseite der Karosserie stellt diese Montageaufgabe eine Tätigkeit dar, die bisher manuell schwierig durchführbar ist und deshalb unter Einsatz eines Industrieroboters automatisiert werden kann.
Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren geht es insbesondere um eine spezielle Strategie, die Mittel einer Öffnung, insbe- sondere den Lochmittelpunkt einer kreisförmigen Öffnung zu finden . Beim Fügen besteht ein Problem darin, dass aufgrund von Bauteiltoleranzen des Werkstücks, wie beispielsweise einer Roh ¬ karosserie und Zuführeinheiten am Produktionsband, die Ein ¬ fügeposition nicht exakt bekannt ist. Daher muss bisher der Industrieroboter eine Suchfahrt durchführen, um das vom idealisierten Modell bekannte Loch exakt zu bestimmen. Danach startet erst der eigentliche Fügevorgang. Eine solche Such ¬ fahrt kostet Zeit, d.h. Taktzeit. Die Erfindung zielt darauf ab, zumindest für eine bestimmte Klasse von technisch rele- vanten Bauteilen die Suchzeit zu minimieren. Insbesondere sollen die Eigenschaften der Bauteile, die eine eigene Fe ¬ dersteifigkeit haben, wie z.B. Gummi, geschickt genutzt wer ¬ den .
So genannte Leichtbauroboter verfügen über verschiedene Re- gelungsbetriebsarten . Diese werden im Fügevorgang genutzt. Der Roboter fährt beispielsweise in einer Suchphase mit ge ¬ griffenen Bauteil auf das ideal bekannte Loch, bis er einen Andruck spürt. Während dieser Suchfahrt ist der Roboter selbst steif geschaltet, d.h. er wird positionsgeregelt be- trieben. Sobald der Roboter eine Gegenkraft spürt, wird der Roboter selbst schlagartig weich geschaltet, d.h. er wird kraft-/ momentengeregelt betrieben. Bei dem Leichtbauroboter des Typs KUKA LBR III kann dies mittels des Befehls
„TRIG_BY_CONTACT" ausgelöst werden. Im Augenblick des Umschaltes von positionsgeregelten Betrieb in kraft-/ momentengeregelten Betrieb drückt das Bauteil aufgrund seiner eigenen Federsteifigkeit den Roboter weg, da sich die Feder des Bauteils entspannt. Dabei kann die Feder- steifigkeit des Roboters geeignet klein gewählt werden. Ein Wegdrücken durch das Bauteil geschieht jedoch bei Öff ¬ nungen bzw. konkaven Konturen wie beispielsweise kreisförmige Bohrungen stets in Richtung Zentrum bzw. Kreismittel- punkt. Damit steht nach dem Wegdrücken der Roboter an einer günstigeren Einfügeposition, um das Bauteil mit minimiertem Aufwand einfügen zu können.
Erfindungsgemäß ist daher ein insbesondere schlagartiges Um- schalten der Steifigkeiten vorgesehen, sobald eine Gegenkraft aus dem Fügevorgang an den Robotergelenken oder am Endeffektor spürbar ist. Das Bauteil selbst wird dabei als Fe ¬ der und Energiespeicher genutzt, um den Fügevorgang zu unterstützen . Ein zielgenaues Einfügen von Bauteilen in Öffnungen von
Werkstücken kann somit unter Ausnutzung von Elastizitäten erfolgen und zwar von Elastizitäten, die in Form von Materialeigenschaften der Umgebung, Materialeigenschaften des zu fügenden Bauteils, Robotereigenschaften, wie Drehmomentsen- soren, Endeffektoreigenschaften vorliegen und/oder in Form eines Regelgesetzes virtuell in der Steuerung auftreten.
Ein erfindungsgemäßer Aspekt ist dabei das sprunghafte bzw. schlagartige Ändern der Robotereigenschaften bzw. des Regelgesetzes, wobei die in den Elastizitäten gespeicherten Ener- gien frei werden. Die freiwerdenden Energien bewirken Prozesskräfte, die positiv in Hinsicht auf Prozessstabilität und Reduktion der Taktzeit ausgenutzt werden können. Im Allgemeinen wirkt die Rückstellkraft, vor allem bei kreisförmigen Bauteilen und/oder Öffnungen oder zumindest konvexe Bau- teile und/oder konkave Öffnungen in die richtige Richtung d.h. zum Zentrum hin, um das zu fügende Bauteil korrekt aus ¬ zurichten .
Das Wegdrücken durch das Bauteil geschieht somit immer in Richtung Kreismittelpunkt. Damit steht der Roboter anschlie- ßend an einer günstigen Einfügeposition, um das Bauteil mit minimaler Suchzeit einzufügen. Bei geeigneter Wahl der Steifigkeitsparameter des Roboters kann die Rückstellkraftkomponente somit passiv genutzt wer ¬ den, um den Suchvorgang deutlich zu beschleunigen. Der genutzte Effekt basiert, wie bereits beschrieben, auf die im Material gespeicherten federartigen Spannungen. Der Roboter selbst stellt außerdem eine programmierbare d.h. virtuelle Feder dar, die schlagartig entspannt werden kann. Während des Entspannungsvorgangs wird der Roboter durch das Bauteil selbst in eine vorteilhafte Position gedrückt. Das Verfahren ist nicht auf das Setzen von Stopfen im Karosserierohbau beschränkt, sonder lässt sich auf alle Formteile ausweiten, die eine eigene signifikante Federkonstante d.h. Materialsteifigkeit besitzen. Die Lochform der Öffnung am Werkstück, beispielsweise als Kreis oder Ellipse unterstützt den Effekt vorteilhaft, ist jedoch auch nicht allein be ¬ schränkend, d.h. auch andere Klassen von Formen sind mit dem Verfahren behandelbar.
Im Prinzip werden die vorhandenen d.h. echten Elastizitäten der Umgebung und des Roboters und die virtuellen Elastizitä- ten als Energiespeicher genutzt. Dazu wird der Roboter selbst zu Anfang steif geschalten. Dies kann in Form einer beschriebenen Positionsregelung geschehen. Dann wird mit dem Roboter auf Andruck gefahren, d.h. das Bauteil wird mit der Öffnung am Werkstück in Kontakt gebracht und die vorhandenen Feder-Energiespeicher werden geladen. Ein Roboterkommando, wie beispielsweise der Befehl „ RIG_BY_CONTACT" des Leicht ¬ bauroboters des Typs KUKA LBR III sorgt dann dafür, das bei Überschreitung einer Kraftschwelle der Roboter schlagartig weich geschalten werden kann. Die im Gesamtsystem vorhande- ne, insbesondere potentielle Energie kann damit schlagartig freigesetzt werden. Bei allen derartigen Fügevorgängen und Montageprozessen kann die frei werdende Kraft eine den Prozess unterstützende Richtung, wie am obigen Beispiel von kreisförmigen Objekten aufgezeigt. Im Allgemeinen genügt ein einmaliger Durchlauf einer solchen Abfolge. Der Durchlauf kann jedoch bei Bedarf wiederholt werden.
Der Energiespeichereffekt kann jedoch auch durch ein passi ¬ ves Federelement im Endeffektor, z.B. im Greifer oder als Zwischenstück zwischen Flansch und Greifer, realisiert wer- den. Derselbe programmatische Ablauf, wie oben beschrieben kann in einer solchen Ausführung realisiert werden.
Beim Fügen von steifen Bauteilen, wie beispielsweise Metallbolzen in Metallloch, kann die benötigte Federsteifigkeit auch aus dem Roboter selbst kommen, d.h. mittels mechani- scher Verspannung der Roboterglieder, oder die benötigte Federsteifigkeit kann sogar virtuell erzeugt werden, sofern die Umgebungssteifigkeit nicht ausreicht.
Ein erfindungsgemäßes Verfahren ist exemplarisch mit den beigefügten Figuren erläutert. Es zeigen: Fig. 1 einen Industrieroboter mit Endeffektor während eines Montagevorgangs; und
Fig. 2 ein Ablaufdiagramm als Beispiel eines erfindungsgemäßen Verfahrens .
In der Fig. 1 ist ein Industrieroboter 1 dargestellt. Beispielhaft handelt es sich in dem dargestellten erfindungsge ¬ mäßen Ausführungsbeispiel um einen Leichtbauroboter des Typs KUKA LBR III. Der Industrieroboter 1 weist an seinem Hand- flansch 2 einen Endeffektor 3 auf. Der Endeffektor 3 kann auch als Greifer bezeichnet werden. Der dargestellte Endef- fektor 3 weist zwei gegeneinander bewegliche Greiferbacken 4 und 5 auf. Zwischen den Greiferbacken 4 und 5 ist ein Bauteil 6 an einem Halteabschnitt 7 des Bauteils gehalten. Der Industrieroboter 1 weist Glieder 12 auf, die durch Gelenke 8 miteinander verbunden sind. Durch Bewegen der Gelenke 8 des Industrieroboters 1 wird der Endeffektor 3 und das Bauteil 6 bewegt. Das Bauteil 6 weist neben dem Halteabschnitt 7 einen Einführungsabschnitt 9 auf. Mittels des erfindungsgemäßen Verfahrens soll der Einführungsabschnitt 9 des Bauteils 6 in eine Öffnung 10 eines Werkstücks 11 mittels des Industriero ¬ boters 1 eingefügt werden.
In der Fig. 2 ist eine Ausführungsform eines erfindungsgemä ¬ ßen Verfahrens schematisch dargestellt. In einem ersten Schritt Sl einer Annäherungsfahrt erfolgt ein Annähern des Einführungsabschnitts 9 des Bauteils 6 an die Öffnung 10 durch Bewegen des Industrieroboters 1. Das Annähern kann in einem positionsgeregelten Betrieb des Industrieroboters 1 erfolgen .
Dann erfolgt in einem zweiten Schritt S2 nach Kontakt des Bauteils 6 bzw. des Einführungsabschnitts 9 mit dem Werk ¬ stück 11 bzw. einem Rand 13 der Öffnung 10 ein Erhöhen von Prozesskräften mittels des Industrieroboters 1 nach dem Kon ¬ takt des Einführungsabschnitts 9 des Bauteils 6 mit dem Werkstück 11 bis zum Erreichen einer Prozesskraftschwelle P, Dabei werden die Prozesskräfte insbesondere in Form von Ma ¬ terialspannungen in dem Bauteil 6, dem Endeffektor 3
und/oder dem Industrieroboter 1 gespeichert.
Anschließend erfolgt bei Erreichen der Prozesskraftschwelle, bzw. nach Überschreiten der Prozesskraftschwelle P, in einem dritten Schritt S3 ein Erhöhen der Nachgiebigkeit des In ¬ dustrieroboters 1. Die Erhöhung der Nachgiebigkeit des In ¬ dustrieroboters 1 kann durch eine sprunghafte Änderung der Nachgiebigkeit erfolgen. Die Änderung der Nachgiebigkeit kann ein Umschalten von einem positionsgeregelten Betrieb in einen kraft-/momentengeregelten Betrieb des Industrieroboters 1 sein. Nach dem Erhöhung der Nachgiebigkeit des Industrieroboters 1 bzw. dem Umschalten des Industrieroboters 1 von einem posi ¬ tionsgeregelten Betrieb in einen kraft-/momentengeregelten Betrieb führt der Industrieroboter 1 in einem vierten
Schritt S4 eine passive Zentrierbewegung aufgrund der durch eine Materialentspannung frei werdenden Prozesskräfte aus.
D.h. der Industrieroboter 1 wird nicht mittels Ansteuern von Antrieben der Gelenke 8 aktiv bewegt, sondern der Industrieroboter 1 wird durch die aufgrund der durch eine Material ¬ entspannung frei werdenden Prozesskräfte d.h. insbesondere durch äußere Kräfte, die auf die Struktur des Industrierobo ¬ ters 1 einwirken, passiv weggedrückt. In einer Variation der Erfindung erfolgt eine passive Zentrierbewegung durch ein Entspannen von Materialentspannungen der Roboterstruktur, also aufgrund innerer Kräfte des Industrieroboters 1
und/oder aufgrund einer Federsteifigkeit des Industrierobo ¬ ters 1, die durch einen kraft- und/oder momentengeregelten Betrieb des Industrieroboters 1 nachgebildet ist.
In einem optionalen weiteren Schritt S5 kann nach der Zentrierung des Bauteils 6 bezüglich der Öffnung 10 des Werk- Stücks 11 die Nachgiebigkeit des Industrieroboters 1 wieder verringert werden bzw. von einem kraft- und/oder momentenge ¬ regelten Betrieb des Industrieroboters 1 wieder in einen po ¬ sitionsgeregelten Betrieb zurück geschalten werden. Ist in einem Schritt S6 ein Fügen des Einführungsabschnitts 9 des Bauteils 6 in die Öffnung 10 möglich, so wird das Bauteil 6 fertig montiert und der Montagevorgang ist beendet. Ist ein Fügen des Einführungsabschnitts 9 des Bauteils 6 in die Öffnung 10 noch nicht möglich, so können die Schritte S2 bis S5 gemäß einer der Ausführungsformen der erfindungsgemäßen Verfahren einmal oder gegebenenfalls mehrmals wiederholt und/oder variiert werden.
Ein Wiederholen der Schritte S2 bis S5 des Verfahrens kann insbesondere dann durchgeführt werden, wenn die Ist-Position des Bauteils 6 bezüglich der Öffnung 10 des Werkstücks 11 von einer Soll-Position des Bauteils 6 bezüglich der Öffnung 10 des Werkstücks 11 um mehr als einen vorgegebenen Tole ¬ ranzwert abweicht.
Zumindest der Einführungsabschnitt 9 des Bauteils 6 kann im Querschnitt kreisförmig ausgebildet sein, bzw. die Öffnung 10 kann eine Kreisöffnung sein, so dass die passive Zent ¬ rierbewegung des Industrieroboters 1 genau in Richtung des Zentrums ausgeführt wird.
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