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Title:
METHOD FOR OPERATING AN INDUSTRIAL SCALE INSTALLATION AND GUIDANCE SYSTEM FOR SAME
Document Type and Number:
WIPO Patent Application WO/2008/040562
Kind Code:
A1
Abstract:
The invention relates to a method for operating an industrial scale installation, especially a power plant installation, according to which a number of installation operating parameters characterising the operating state of the technical installation, and a number of component operating parameters respectively relevant to a number of selected components of the technical installation, are monitored and stored in a memory device (2). A fatigue characteristic value characterising the current fatigue state of each component is determined for the or each selected component as required, on the basis of the stored installation operating parameters and/or the stored associated component operating parameters. The aim of the invention is to especially develop an operation of the installation which especially protects resources. To this end, an associated fatigue prognosis value is determined from the fatigue characteristic value characterising the current fatigue state for the or each selected component, on the basis of guiding parameters characterising a planned change of state.

Inventors:
KUNZE, Ulrich (Gartenfeld 8a, Bubenreuth, 91088, DE)
RÖMPKE, Arno (Ermreuther Hauptstr. 15b, Neunkirchen A. Br., 91077, DE)
Application Number:
EP2007/052012
Publication Date:
April 10, 2008
Filing Date:
March 02, 2007
Export Citation:
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Assignee:
SIEMENS AKTIENGESELLSCHAFT (Wittelsbacherplatz 2, München, 80333, DE)
KUNZE, Ulrich (Gartenfeld 8a, Bubenreuth, 91088, DE)
RÖMPKE, Arno (Ermreuther Hauptstr. 15b, Neunkirchen A. Br., 91077, DE)
International Classes:
G05B19/042; G07C3/00
Foreign References:
US5311562A1994-05-10
US20040030524A12004-02-12
EP1205830A12002-05-15
Other References:
See also references of EP 2067080A1
Attorney, Agent or Firm:
SIEMENS AKTIENGESELLSCHAFT (Postfach 22 16 34, München, 80506, DE)
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Claims:

Patentansprüche

1. Verfahren zum Betreiben einer großtechnischen Anlage, insbesondere einer Kraftwerksanlage, bei dem eine Anzahl von für den jeweiligen Betriebszustand der technischen Anlage charakteristischen Anlagenbetriebsparametern und für eine Anzahl ausgewählter Komponenten der technischen Anlage jeweils eine Anzahl von für die jeweilige Komponente relevanten Kom ¬ ponentenbetriebsparametern überwacht und in einer Speicher- einrichtung (2) hinterlegt werden, wobei für die oder jede ausgewählte Komponente bedarfsweise anhand der gespeicherten Anlagenbetriebsparameter und/oder der gespeicherten zugeordneten Komponentenbetriebsparameter ein für den aktuellen Ermüdungszustand der jeweiligen Komponente charakteristischer Ermüdungskennwert ermittelt wird, dadurch gekennzeichnet, dass ausgehend vom für den aktuellen Ermüdungszustand charakteris ¬ tischen Ermüdungskennwert für die oder jede ausgewählte Kom ¬ ponente unter Zugrundelegung von für einen vorgesehenen Zu- Standswechsel charakteristischen Führungsparametern jeweils ein zugeordneter Ermüdungs-Prognosewert ermittelt wird.

2. Verfahren nach Anspruch 1, bei dem die Komponentenbetriebsparameter Kennwerte für Umgebungsdruck, Umgebungstem- peratur und/oder Umgebungsfeuchte der jeweiligen Komponente umfassen .

3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, bei dem die Anlagenbetriebsparameter Kennwerte für einen Anlagenschaltungszu- stand und/oder eine Sollleistung umfassen.

4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, bei dem bei der Ermittlung des jeweiligen Ermüdungskennwerts und/oder des jeweiligen Ermüdungs-Prognosewerts für die jeweilige Kompo- nente charakteristische Komponentenparameter berücksichtigt werden .

5. Verfahren nach Anspruch 4, bei dem die Komponentenparame ¬ ter Werkstoffdaten, geometrische Abmessungen der jeweiligen Komponente und/oder Positionsdaten der für die Ermüdungsberechnung relevanten Temperatur- und/oder Druckmessstellen umfassen.

6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, bei dem zur Ermittlung des jeweiligen Ermüdungs-Prognosewerts Trendverläufe für Temperatur- und/oder Druckwerte innerhalb der je- weiligen Komponente berücksichtigt werden.

7. Verfahren nach Anspruch 6, bei dem die Trendverläufe aus einer thermodynamischen Simulation der Anlage bestimmt werden .

8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, bei dem diejenige Komponente mit dem größten ermittelten Ermüdungs-Prog- nosewerte als führende Komponente identifiziert wird.

9. Verfahren nach Anspruch 8, bei dem der Ermüdungs-Progno- sewert der führenden Komponente als Kriterium für die Einlei ¬ tung von Reparatur- oder Wartungsmaßnahmen verwendet wird.

10. Verfahren nach Anspruch 8 oder 9, bei dem für eine Mehr- zahl vorgesehener Zustandswechsel jeweils ein Ermüdungs-Prog- nosewert der führenden Komponente ermittelt wird, wobei an ¬ hand der ermittelten Ermüdungs-Prognosewerte einer der Zu ¬ standswechsel ausgewählt und veranlasst wird.

11. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 9, bei dem für eine Mehrzahl vorgesehener Zustandswechsel jeweils ein Satz von Ermüdungs-Prognosewerten ermittelt wird, wobei anhand der ermittelten Ermüdungs-Prognosewerte einer der Zustandswechsel ausgewählt und veranlasst wird.

12. Leitsystem (1) für eine großtechnische Anlage, insbesondere eine Kraftwerksanlage, mit einer Speichereinrichtung (2), in der eine Anzahl von für den jeweiligen Betriebs-

zustand der technischen Anlage charakteristischen Anlagenbetriebsparametern und eine Anzahl von für eine Anzahl ausgewählter Komponenten der technischen Anlage relevanten Komponentenbetriebsparametern hinterlegt werden und die datensei- tig mit einer Auswerteeinheit (6) verbunden ist, die für die bedarfsweise Ermittlung jeweils eines für den aktuellen Ermü ¬ dungszustand der oder jeder ausgewählten Komponente charakte ¬ ristischen Ermüdungskennwerts anhand der gespeicherten Anla ¬ genbetriebsparameter und/oder der gespeicherten zugeordneten Komponentenbetriebsparameter ausgelegt ist, dadurch gekennzeichnet, dass die Auswerteeinheit (6) für die oder jede ausgewählte Kompo ¬ nente für eine Ermittlung eines zugeordneten Ermüdungs-Prog- nosewerts ausgehend vom für den aktuellen Ermüdungszustand charakteristischen Ermüdungskennwert unter Zugrundelegung von für einen vorgesehenen Zustandswechsel charakteristischen Führungsparametern ausgelegt ist.

Description:

Beschreibung

Verfahren zum Betreiben einer großtechnischen Anlage sowie Leitsystem für eine großtechnische Anlage

Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zum Betreiben einer großtechnischen Anlage, insbesondere einer Kraftwerks ¬ anlage, bei dem eine Anzahl von für den jeweiligen Betriebszustand der technischen Anlage charakteristischen Anlagenbe- triebsparametern und für eine Anzahl ausgewählter Komponenten der technischen Anlage jeweils eine Anzahl von für die jewei ¬ lige Komponente relevanten Komponentenbetriebsparametern überwacht und in einer Speichereinrichtung hinterlegt werden, wobei für die oder jede ausgewählte Komponente bedarfsweise anhand der gespeicherten Anlagenbetriebsparameter und/oder gespeicherten zugeordneten Komponentenbetriebsparameter ein für den aktuellen Ermüdungszustand der jeweiligen Komponente charakteristischer Ermüdungskennwert ermittelt wird. Sie be ¬ trifft weiterhin ein Leitsystem für eine großtechnische An- läge, insbesondere eine Kraftwerksanlage, das hinsichtlich seiner Komponenten wie beispielsweise Speichereinrichtungen, Auswerteeinheiten und dergleichen für die Ermittlung von Ermüdungswerten für die Anlagenkomponenten geeignet ausgelegt und somit zur Durchführung des genannten Verfahrens geeignet ist.

In der Industrie sind in den verschiedensten Bereichen technische oder großtechnische Anlagen anzutreffen, die bei ¬ spielsweise zur Herstellung eines bestimmten Erzeugnisses, zur Weiterverarbeitung oder Veredelung von Rohstoffen, zur automatisierten Durchführung von ehemals manuellen Tätigkeiten oder zur Erzeugung von insbesondere elektrischer Energie verwendet werden. Fertige großtechnische Anlagen wie insbe ¬ sondere Kraftwerksanlagen bestehen im Allgemeinen aus einer Vielzahl von Anlagenkomponenten, die die einzelnen Funktionen der jeweiligen großtechnischen Anlage realisieren. Viele dieser Anlagenkomponenten unterliegen während ihrer Betriebsdauer einem mechanischen oder betriebsbedingten Verschleiß. Wäh-

rend der Lebensdauer der technischen Anlage stellt der Verschleiß der Anlagenkomponenten bereits während der Auslegung der Anlage einen bedeutsamen Aspekt dar, da bei überschreiten einer Verschleißgrenze die Funktion der technischen Anlage oder zumindest der betroffenen Komponente nicht mehr gewährleistet ist.

Insbesondere in Kraftwerksanlagen sind zudem Bauteile oder Anlagenkomponenten wie beispielsweise Kessel, Dampferzeuger, Sammler, Rohrleitungen wechselnden mechanischen Spannungen aufgrund von änderungen ihrer Umgebungsparameter wie beispielsweise Druck und Temperatur unterworfen. Diese wechselnden Belastungen, auch als Lastwechsel der Kraftwerksanlage bezeichnet, die üblicherweise mit einem Zustandswechsel der Kraftwerksanlage wie beispielsweise einer Leistungserhöhung oder -absenkung einhergehen, führen in der Regel zu möglicherweise beträchtlicher Materialbeanspruchung der betroffenen Komponente und zur so genannten Bauteilermüdung, die oberhalb einer gewissen Grenze auch zum Bauteilversagen füh- ren kann. Insbesondere ist durch eine derartige Ermüdung die betriebliche Lebensdauer oder maximal zulässige Betriebsdauer der jeweiligen Kraftwerkskomponente oder Anlagenkomponente begrenzt. Aus diesen Gründen wird die Bauteilermüdung ausgewählter Anlagenkomponenten bei der Planung einer großtechni- sehen Anlage und auch bei der Planung der Reparatur- und Wartungszyklen bereits berücksichtigt, um gegebenenfalls recht ¬ zeitig vor einem Bauteilversagen einen Austausch der jeweiligen Komponente gewährleisten zu können.

Für eine geeignete Berücksichtigung derartiger Ermüdungserscheinungen bei der Anlagenplanung werden üblicherweise während der Konstruktion oder Auslegung von Kraftwerksbauteilen zur Gewährleistung einer Mindestlebensdauer der jeweiligen Komponenten oder Bauteile ein vordefiniertes, aus einer begrenzten Anzahl von Typen von Lastwechseln bestehendes

Lastkollektiv unterstellt, das beispielsweise eine vorgegebe ¬ ne Anzahl von Heißstarts, Warmstarts und Kaltstarts mit je ¬ weils vordefinierten Fahrweisen der Kraftwerksanlage umfasst.

Für diese standardisierten Typen von Lastwechseln werden dann pro Lastwechseltyp die jeweiligen Ermüdungsbeiträge in den betroffenen Komponenten ermittelt, wobei üblicherweise ver ¬ gleichsweise aufwendige Rechenverfahren wie beispielsweise Finite-Elemente-Rechnungen eingesetzt werden. Unter Berücksichtigung der dabei erhaltenen Ergebnisse erfolgt die Ausle ¬ gung der jeweiligen Anlagenkomponente in der Regel dann derart, dass die aus den einzelnen Ermüdungsbeiträgen und der Anzahl der unterstellten Lastwechsel pro Typ ermittelte Ge- samtermüdung des jeweiligen Bauteils oder der jeweiligen Komponente einen vorgegebenen Grenzwert einer noch als zulässig erachteten Ermüdung nicht überschreitet.

Mit einer derartigen Berücksichtigung der Materialermüdung in den einzelnen Bauteilen oder Komponenten ist das tatsächliche Komponentenverhalten jedoch nicht in ausreichendem Maße prognostizierbar. Insbesondere ist üblicherweise die reale Be ¬ triebsweise einer großtechnischen Anlage oder insbesondere einer Kraftwerksanlage flexibler und variabler als während der Auslegung angenommen, da die Betriebsweise der Kraft ¬ werksanlage beispielsweise aktuellen Lastanforderungen oder dergleichen angepasst werden muss. Um daher die tatsächlich aufgetretene Ermüdung bei der Wartungs- und Revisionsplanung von Kraftwerksanlagen geeignet berücksichtigen zu können, wird in Kraftwerksanlagen oder anderen großtechnischen Anlagen üblicherweise die jeweilige Bauteilermüdung ausgewählter Anlagenkomponenten überwacht. Da sich dabei die Bauteilermü ¬ dung in der Regel nicht direkt messen lässt, werden üblicherweise entsprechende Druck- und Temperaturkennwerte zur Cha- rakterisierung der jeweiligen Umgebungsbedingungen der jeweiligen Komponente gemessen und überwacht, aus denen anschlie ¬ ßend die durch die Druck- und Temperaturänderungen verursachten wechselnden Spannungen in der jeweiligen Komponente errechnet werden. Die dabei erhaltenen Istwerte für die Span- nungen in den Komponenten werden sodann in Lastwechselzyklen zusammengefasst , wobei Höhe und Anzahl der jeweiligen Last ¬ wechsel mit bekannten Grenzwerten verglichen werden. Als Ergebnis wird schließlich ein für die Ermüdung des jeweiligen

Bauteils oder der jeweiligen Komponente charakteristischer Kennwert, ein so genannter Ermüdungskennwert, ermittelt, der beispielsweise einen prozentualen Anteil der Bauteillebens ¬ dauer spezifizieren kann. Mit derartigen Konzepten kann für die ausgewählten Kraftwerks- oder Anlagenkomponenten die über ihren gesamten betrieblichen Einsatz hinweg bislang eingetretene Ermüdung ermittelt und bei der Wartungs- und Revisions ¬ planung berücksichtigt werden. Entsprechende Konzepte sind beispielsweise in der DIN EN 12952-4:2001-10 „Wasserrohrkes- sei und Anlagenkomponenten, Teil 4: Betriebsbegleitende Be ¬ rechnung der Lebensdauererwartung, deutsche Fassung EN 12952- 4:2000" erfasst.

Allerdings ist beim Betrieb derartiger großtechnischer AnIa- gen wie insbesondere Kraftwerksanlagen aus Sicherheitsgründen zwar einerseits zwingend darauf zu achten, dass eine Wartung und gegebenenfalls ein Austausch verschleißender oder von Ermüdung betroffener Komponenten oder Bauteile in jedem Fall rechtzeitig vor dem Ausfall oder dem Versagen der jeweiligen Komponente vorgenommen wird. Andererseits besteht aber das

Bestreben, derartige Wartungs- oder Reparatureingriffe in die großtechnische Anlage zur Vermeidung unnötiger Anlagenstill ¬ standszeiten und für eine besonders wirtschaftliche Betriebs ¬ weise besonders bedarfsgerecht vorzunehmen, so dass Bauteile tatsächlich auch erst dann ausgetauscht werden, wenn sie nur noch eine vergleichsweise geringe Restlebensdauer haben. Zu ¬ dem sollte für einen besonders effektiven und wirtschaftli ¬ chen Anlagenbetrieb die Fahrweise der jeweiligen Anlage der ¬ art ressourcenschonend gewählt werden, dass Verschleiß und Ermüdung in Komponenten und Bauteilen möglichst gering gehalten werden.

Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zum Betreiben einer großtechnischen Anlage der oben genannten Art, bei dem charakteristische Ermüdungskennwerte für ausge ¬ wählte Anlagenkomponenten ermittelt werden, derart weiterzu ¬ bilden, dass unter Einhaltung vorgegebener Sicherheitsstandards eine besonders lange betriebliche Lebensdauer einzelner

Bauteile oder Komponenten besonders begünstigt und eine be ¬ sonders bedarfsgerechte Revisions- und Wartungsplanung ermög ¬ licht wird. Außerdem soll ein für die Durchführung des Verfahrens besonders geeignetes Leitsystem für eine großtechni- sehe Anlage angegeben werden.

Bezüglich des Verfahrens wird diese Aufgabe erfindungsgemäß dadurch gelöst, dass ausgehend vom für den aktuellen Ermü ¬ dungszustand charakteristischen Ermüdungskennwert für die oder jede ausgewählte Komponente unter Zugrundelegung von für einen vorgesehenen Zustandswechsel charakteristischen Führungsparametern jeweils ein zugeordneter Ermüdungs-Prognose- wert ermittelt wird.

Die Erfindung geht dabei von der überlegung aus, dass für eine besonders ressourcenschonende und damit die Lebensdauer der eingesetzten Komponenten oder Bauteile begünstigende Betriebsweise der großtechnischen Anlage oder Kraftwerksanlage die ermittelten Ermüdungskennwerte über eine reine Bauteil- diagnose hinaus aktiv für die Betriebsweise der Anlage heran ¬ gezogen werden sollten. Dazu sollte ausgehend vom ermittelten Istwert für die aktuelle Ermüdung der jeweiligen Komponente oder des jeweiligen Bauteils in der Art einer Extrapolation unter Berücksichtigung der vorgesehenen Anlagenfahrweise ein Prognosewert für die Bauteilermüdung erstellt werden, der beispielsweise als Hilfsgröße für die Bedarfsermittlung von Reparatur- oder Wartungseingriffen genutzt werden kann. Ein derartiger Zustandswechsel ist dabei insbesondere ein Last ¬ wechsel eines Kraftwerks und kann insbesondere ein Abfahr- oder besonders auch ein Anfahrvorgang der Kraftwerksanlage sein .

Als Betriebsparameter, die zur Ermittlung der jeweiligen Ermüdungskennwerte berücksichtigt werden sollten, sind dabei vorzugsweise einerseits komponentenspezifische Betriebspara ¬ meter oder Komponentenbetriebsparameter vorgesehen, die vorteilhafterweise Kennwerte für Umgebungsdruck, Umgebungstempe ¬ ratur und/oder Umgebungsfeuchte der jeweiligen Komponente

oder des jeweiligen Bauteils umfassen. Alternativ oder zusätzlich werden vorteilhafterweise für den Zustand der groß ¬ technischen Anlage oder Kraftwerksanlage insgesamt relevante oder charakteristische Betriebsparameter oder Anlagen- betriebsparameter erfasst und ausgewertet, die vorteilhafterweise Kennwerte für einen Anlagenschaltungszustand und/oder eine Sollleistung umfassen. Aus der Gesamtheit dieser Parameter können sodann die auf die jeweilige Komponente oder das jeweilige Bauteil lokal einwirkenden Druck- und Temperatur- werte ermittelt werden, die letztlich die mechanischen Spannungen und somit die daraus resultierende Ermüdung im Bauteil induzieren .

Um dabei besonders zuverlässige Kennwerte für die Bauteil- ermüdung ermitteln zu können, werden in weiterer vorteilhafter Ausgestaltung bei der Ermittlung des jeweiligen Ermüdungskennwerts und/oder des jeweiligen Ermüdungs-Prognose- werts für die jeweilige Komponente charakteristische Kompo ¬ nentenparameter berücksichtigt. Als Komponentenparameter sind dabei insbesondere vorteilhafterweise Werkstoffdaten, geome ¬ trische Abmessungen und/oder die für die Ermüdungsberechnung maßgeblichen Druck- und Temperaturmessstellen in der jeweiligen Komponente vorgesehen.

Aufgrund der Komplexität der zur Ermüdung führenden grundle ¬ genden Prozesse ist üblicherweise unter Rückgriff auf bereit ¬ stellbare Ressourcen eine geschlossene Berechnung exakter Kennwerte oder Parameter nicht möglich oder nicht praktika ¬ bel. Um aber auch unter Rückgriff auf nur begrenzte Rechner- kapazitäten besonders zuverlässige Kennwerte oder Parameter bereitstellen zu können, werden vorteilhafterweise zur Ermittlung des jeweiligen Ermüdungs-Prognosewerts Trendverläufe für Temperatur- und/oder Druckwerte innerhalb der jeweiligen Komponente berücksichtigt. Die Trendverläufe werden dabei vorteilhafterweise aus einer thermodynamischen Simulation der Anlage bestimmt, wobei bedarfsweise ein Rückgriff auf hinter- legtes Erfahrungswissen oder bereitgehaltene Erfahrungswerte erfolgen kann.

Um den Ermittlungs- und Bearbeitungsaufwand besonders gering zu halten und somit auf besonders effektive Weise die Anla ¬ gendiagnose und -führung zu erleichtern, wird in zusätzlicher oder alternativer vorteilhafter Ausgestaltung gezielt der Erkenntnis Rechnung getragen, dass ein verschleißbedingter oder ermüdungsbedingter Ausfall von Komponenten oder Bauteilen in der Regel zuerst und ausschließlich bei der von Verschleiß oder Ermüdung am meisten betroffenen Komponente auftreten wird. Die Berücksichtigung des Verschleiß- oder Ermüdungs ¬ zustands der jeweiligen Komponente bei der Wartungs- und Re ¬ paraturplanung kann somit besonders wirkungsvoll vorgenommen werden, indem die entsprechenden Auswertungen auf die erwartungsgemäß von Ermüdung und Verschleiß am meisten betroffene Komponente konzentriert werden. Um dies zu ermöglichen, wird vorteilhafterweise diejenige Komponente oder dasjenige Bau ¬ teil als so genannte „führende Komponente" für die primäre Berücksichtigung bei der Anlagenprognose identifiziert, die den größten ermittelten Ermüdungs-Prognosewert sämtlicher ausgewerteter Komponenten aufweist. Vorteilhafterweise wird dieser Ermüdungs-Prognosewert der führenden Komponente als Kriterium für die Einleitung von Reparatur- oder Wartungsmaßnahmen verwendet .

In besonders vorteilhafter Ausgestaltung wird die gezielte

Auswertung der Ermüdungszustände der Bauteile oder Komponenten nicht nur für eine bedarfsgerechte Reparatur- oder Wartungsplanung, sondern auch für eine Optimierung der Betriebsweise der großtechnischen Anlage im Sinne einer besonders ressourcenschonenden und lebensdauerverlängernden Betriebsweise herangezogen. Dazu werden vorteilhafterweise ausgehend vom aktuellen Anlagenzustand in der Art einer Szenarioplanung verschiedenartige Zustands- oder Lastwechselszenarien analy ¬ siert, mit denen die Anlage in der nächsten Zukunft weiter betreibbar wäre. Beispielsweise kann dabei ausgehend vom ak ¬ tuellen Istzustand einer Kraftwerksanlage eine vergleichswei ¬ se schnelle, kurzfristige Leistungssteigerung mit einer vergleichsweise langsam angelegten, kontinuierlichen Leistungs-

Steigerung verglichen werden. Für derartige alternativ vorgesehene Zustandswechsel werden sodann vorteilhafterweise je ¬ weils Ermüdungs-Prognosewerte ermittelt und miteinander ver ¬ glichen, wobei anhand dieses Vergleichs derjenige der mögli- chen Zustandswechsel oder Lastwechselvorgänge ausgewählt wird, der zu der durch den geringsten Ermüdungs-Prognosewert gekennzeichneten geringsten Anlagenbelastung führt. Der Vergleich zwischen verschiedenen möglichen Zustands- oder Lastwechseln kann dabei anhand des Ermüdungs-Prognosewerts der jeweils führenden Komponente oder auch anhand eines Satzes von Ermüdungs-Prognosewerten für eine Mehrzahl betroffener Komponenten erfolgen.

Bezüglich des Leitsystems für eine großtechnische Anlage, insbesondere eine Kraftwerksanlage, mit einer Speicherein ¬ richtung, in der eine Anzahl von für den jeweiligen Betriebszustand der technischen Anlage charakteristischen Anlagenbetriebsparametern und eine Anzahl von für eine Anzahl ausgewählter Komponenten der technischen Anlage relevanten Kompo- nentenbetriebsparametern hinterlegt werden, und die datensei- tig mit einer Auswerteeinheit verbunden ist, die für die be ¬ darfsweise Ermittlung jeweils eines für den aktuellen Ermü ¬ dungszustand der oder jeder ausgewählten Komponente charakte ¬ ristischen Ermüdungskennwerts anhand der gespeicherten AnIa- genbetriebsparameter und/oder der gespeicherten zugeordneten Komponentenbetriebsparameter ausgelegt ist, wird die genannte Aufgabe dadurch gelöst, dass die Auswerteeinheit für die oder jede ausgewählte Komponente für eine Ermittlung eines zuge ¬ ordneten Ermüdungs-Prognosewerts ausgehend vom für den aktu- eilen Ermüdungszustand charakteristischen Ermüdungskennwert unter Zugrundelegung von für einen vorgesehenen Zustandswechsel charakteristischen Führungsparametern ausgelegt ist.

Zweckmäßigerweise ist dabei für eine besonders zuverlässige und genaue Auswertung in einer Speichereinheit ein thermody- namisches Modell der großtechnischen Anlage oder Kraftwerksanlage hinterlegt, anhand dessen Temperatur- und Druckbelas-

tungen in einzelnen Komponenten oder Bauteilen besonders zuverlässig abschätzbar sind.

Die mit der Erfindung erzielten Vorteile bestehen insbesonde- re darin, dass durch die Heranziehung der Ermüdungsanalyse zur Bereitstellung von entsprechenden Prognosewerten eine besonders bedarfsgerechte Wartungs- und Revisionsplanung der großtechnischen Anlage ermöglicht oder besonders begünstigt ist. Des Weiteren können durch eine gezielte Auswertung von Ermüdungsbeiträgen oder erwarteten Ermüdungsbeiträgen in einzelnen Komponenten oder Bauteilen der großtechnischen Anlage diejenigen Lastwechsel oder Zustandswechsel ausgewählt wer ¬ den, die im Hinblick auf extern vorgegebene Randbedingungen eine global gesehen besonders ressourcenschonende Betriebs- weise der Anlage ermöglichen.

Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung wird anhand einer Zeichnung näher erläutert. Darin zeigt die Figur schematisch ein Leitsystem für eine großtechnische Anlage, insbesondere eine Kraftwerksanlage.

Das schematisch dargestellte Leitsystem 1 umfasst dabei eine Vielzahl nicht näher dargestellter Module oder Komponenten, wie sie im Einsatz in großtechnischen Anlagen und insbesonde- re in Kraftwerksanlagen weit verbreitet und üblich sind. Ins ¬ besondere ist die Kraftwerksanlage mit einer Vielzahl von Messstellen oder Sensoren versehen, über die betriebsbegleitend Parameter von Komponenten und Bauteilen überwacht und gegebenenfalls archiviert werden. Unter diesen Sensoren und Messstellen sind eine Vielzahl von Sensoren und Messstellen enthalten, über die eine betriebsbegleitende Ermüdungsüberwa ¬ chung einzelner Komponenten oder Bauteile der Kraftwerksanlage durchgeführt wird.

Dazu umfasst das Leitsystem 1 neben anderen Komponenten eine Speichereinrichtung 2, die gezielt für die Archivierung und Bereithaltung der im Rahmen der Ermüdungsüberwachung ermittelten Messwerte und Parameter ausgelegt ist. Insbesondere

sind in der Speichereinrichtung 2 für die für die Ermüdungsüberwachung als besonders relevant ausgewählten Komponenten und Bauteile Komponentenparameter hinterlegt, wobei insbesondere jedem relevanten Bauteil oder jeder relevanten Komponen- te ein eigener Parametersatz zugeordnet ist, in dem Werkstoffdaten, geometrische Abmessungen und die für die Ermü ¬ dungsberechnung der jeweiligen Komponente maßgeblichen Druck- und Temperaturmessstellen oder die Positionierungsdaten hierzu enthalten sind. Des Weiteren werden in der Speicherein- richtung 2 bedarfsweise die überwachten Messwerte hinterlegt, wobei einerseits eine Anzahl von für den Betriebszustand der Kraftwerksanlage charakteristischen Anlagenbetriebsparametern wie beispielsweise Kennwerte für den Lastzustand, Solllasten oder dergleichen hinterlegt werden. Weiterhin werden für die ausgewählten Komponenten der Kraftwerksanlage auch noch relevante Komponentenbetriebsparameter hinterlegt, wobei in der Art einer Messwerterfassung kontinuierliche Umgebungsbedingungen wie beispielsweise Luftdruck, Lufttemperatur, Luftfeuchte der zu überwachenden Bauteile sowie deren Temperatu- ren und Drücke hinterlegt werden. Die hierfür charakteristi ¬ schen Messwerte M werden in einer Messwert-Erfassungseinheit 4, die ihrerseits dateneingangsseitig mit den entsprechenden Sensoren verbunden ist, ermittelt und bedarfsweise auf der Speichereinrichtung 2 abgespeichert.

Des Weiteren übergibt die Messwert-Erfassungseinheit 4 die ermittelten Daten aber auch an eine Auswerteeinheit 6, in der bedarfsweise Ermüdungskennwerte für die jeweiligen Bauteile oder Komponenten ermittelt werden. Die Auswerteeinheit 6 ist dabei aber nicht nur dafür ausgelegt, einen aktuellen Istzu ¬ stand für die jeweilige Bauteilermüdung zu ermitteln, sondern die Auswerteeinheit 6 ermittelt zusätzlich für die oder jede ausgewählte Komponente noch einen zugeordneten Ermüdungs-Pro- gnosewert, der unter Zugrundelegung eines vorgesehenen Zu- Standswechsels wie beispielsweise eines Lastwechselvorgangs oder dergleichen ausgehend vom aktuellen Ermüdungszustand der jeweiligen Komponente deren erwarteten Ermüdungszustand nach Durchführung des jeweiligen Zustandswechsels beschreibt.

Um eine derartige Prognose für eine erwartete Ermüdung der oder jeder Bauteile durchführen zu können, umfasst das Leitsystem 1 eine Eingabeeinheit 8, über die für die jeweils zu analysierenden Zustandswechsel charakteristische Zielparame ¬ ter E eingegeben werden können. Insbesondere wird bei der Analyse eines Lastwechsels dabei die einzustellende Kraft ¬ werksleistung und die für die Erreichung des vorgesehenen Leistungsniveaus zur Verfügung gestellte Zeitspanne eingege- ben.

Die Messwert-Erfassungseinheit 4 und die Eingabeeinheit 8 sind datenausgangsseitig an ein erstes Simulationsmodul 10 der Auswerteeinheit 6 angeschlossen. Im ersten Simulations- modul 10 werden aus den gemessenen Umgebungsbedingungen und den Anlagenbetriebsparametern sowie den in der Eingabeeinheit 8 eingegebenen Zielparametern für den auszuwertenden Zu- stands- oder Lastwechsel zunächst das für das Erreichen der jeweiligen Zielparameter erforderliche Einsatzprogramm für die Kraftwerksanlage und ein Trendverlauf der relevanten Pro ¬ zessparameter wie beispielsweise Drücke, Temperaturen und Durchsätze vorausberechnet. Dabei wird eine thermodynamische Simulation und/oder ein thermodynamisches Modell des Kraft ¬ werks berücksichtigt, wobei das thermodynamische Modell im ersten Simulationsmodul 10 hinterlegt ist. Die thermodynami ¬ sche Simulation im ersten Simulationsmodul 10 liefert als Er ¬ gebnis dabei neben anderen Parametern insbesondere die Trend ¬ verläufe von Drücken und Medientemperaturen in den zu überwachenden Bauteilen oder Komponenten.

Die Ergebnisse werden an ein zweites Simulationsmodul 12 übergeben, in dem aus den Trendverläufen für Drücke und Temperaturen in der jeweiligen Komponente oder im jeweiligen Bauteil die Trendverläufe der Wandinnen- und Wandmittentempe- raturen für die zu überwachenden Bauteile bestimmt werden.

Dies erfolgt unter Rückgriff auf Konstruktions- und Material ¬ parameter, die in der Speichereinrichtung 2 bereitgehalten sind.

In einem nachfolgenden dritten Simulationsmodul 14 werden anhand der ermittelten Temperaturen und Drücke in den Bauteilen oder Komponenten die Spannungsverläufe in den Bauteilwänden ermittelt, wobei bedarfsweise ebenfalls ein Rückgriff auf in der Speichereinrichtung 2 hinterlegte bauteilspezifische Pa ¬ rameter oder Datensätze erfolgt.

In einem nachfolgenden vierten Simulationsmodul 16 wird aus den ermittelten Spannungsverläufen für jedes zu überwachende Bauteil oder jede zu überwachende Komponente ein zu erwarten ¬ der Ermüdungsbeitrag für den zu analysierenden Zustands- oder Lastwechsel ermittelt. In einem nachfolgenden fünften Simula ¬ tionsmodul 18 wird schließlich dasjenige Bauteil oder dieje- nige Komponente ermittelt, für das/die die Summe aus aktuel ¬ lem Ermüdungskennwert, der in der Speichereinrichtung 2 bereitgehalten wird, und dem im vorangegangenen vierten Simulationsmodul 16 ermittelten, auf den auszuwertenden Zustands- oder Lastwechsel zurückzuführenden zusätzlichen Ermüdungsbei- trag am größten ist. Dieses Bauteil oder diese Komponente wird als „führende Komponente" identifiziert und bei nachfol ¬ genden Auswertungen als relevantes Bauteil zugrunde gelegt. Der Ermüdungs-Prognosewert der führenden Komponente wird als erwarteter Ermüdungsbeitrag für die Anlage insgesamt angese- hen und beispielsweise in einer Ausgabeeinheit 20 für eine weitere Auswertung oder auch zur Information des Bedienpersonals ausgegeben.

Bei geeigneter Ermittlung verschiedenartiger Ermüdungs-Prog- nosekennwerte kann somit beispielsweise ein Wartungs- oder Reparatureingriff besonders bedarfsgerecht geplant werden, indem die erwartete Ermüdung der führenden Komponente mit den zugelassenen oder als zulässig erachteten Grenzwerten geeignet verglichen wird. Zusätzlich oder alternativ kann aber auch in der Art einer Szenarienplanung eine Mehrzahl verschiedenartiger Zustands- oder Lastwechsel simuliert werden, wobei anhand der ermittelten Ermüdungs-Prognosewerte dasje ¬ nige Lastwechselszenario ausgewählt und für den weiteren Be-

trieb der Anlage herangezogen wird, das zur geringsten Zusatzbelastung der Bauteile führt.