NASIOU, Thomas (Hohfurenstrasse 9, Uster, CH-8610, CH)
| PATENTANSPRÜCHE 1. Verfahren zur Optimierung eines textilen Produktionsprozesses (101), in dem aus mindestens einem Ausgangmaterial ein textiles Endprodukt produziert wird, wobei der Produktionsprozess (101) in einem mathematischen Modell (102), das eine Parametermenge ({xi, x„}) mit mindestens einem Parameter (xi, xn) als Element enthält, abgebildet wird, dadurch gekennzeichnet, dass mindestens ein auf das mindestens eine Ausgangsmaterial, ein Zwischenprodukt, das Endprodukt und/oder den Produktionsprozess (101), nicht aber auf im Produktionsprozess (101) eingesetzte Maschinen bezogener Variationsparameter (x,) aus der Parametermenge ({xl5 xn}) im Modell (102) um jeweils eine Variation (Axj) variiert wird (106) und eine Auswirkung der mindestens einen Variation (Δχ;) auf einen finanziellen Wert (P) des Endproduktes bewertet wird (108). 2. Verfahren nach Anspruch 1, wobei abhängig vom Ausgang der Bewertung (108) die mindestens eine Variation (Δχ in den Produktionsprozess (101) übernommen wird (109). 3. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei der textile Produktionsprozess (101) Spinnen oder Spulen von Garn ist und der mindestens eine Variationsparameter (Δχ aus der folgenden Menge ausgewählt wird: Anzahl Schnitte pro Garnlänge oder pro Zeiteinheit, Anteil an Kämmlingen beim Kämmen, Anzahl Endbrüche beim Ringspinnen, Auswechselzeit des Ringläufers beim Ringspinnen, Liefergeschwindigkeit der Strecke, Qualität der Rohbaumwolle, Anteil an Ausreissern im Garn. 4. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei nebst dem finanziellen Wert (P) weitere Aspekte wie Qualität des Endproduktes und/oder Produktionszeit ein die Bewertung einfliessen. 5. Verfahren nach Anspruch 4, wobei eine Wahl (103) des Variationsparameters (xj), eine Wahl der Parameterwerte (xi, ..., x„) und/oder eine Wahl (106) der Variation (ÄXj) so getroffen werden, dass die Qualität des Endproduktes ungefähr gleich bleibt oder zumindest nicht wesentlich vermindert wird. 6. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei die Wahl (106) der mindestens einen Variation (Δχ,) von einer Bedienungsperson durch eine Eingabe auf einem Eingabegerät getroffen wird. 7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1-5, wobei eine Wahl (103) des mindestens einen Variationsparameters (xj) und/oder die Wahl (106) der mindestens einen Variation (ÄXj) automatisch von einem Rechner ausgeführt wird. 8. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei nach der mindestens einen Variation (106) die Auswirkung der mindestens einen Variation (ÄXj) auf den finanziellen Wert (P) auf einer Ausgabeeinheit ausgegeben wird und die Bewertung (108) von einer Bedienungsperson vorgenommen wird. 9. Verfahren nach den Ansprüchen 6 und 8, wobei nach jeder Eingabe die Auswirkung der eingegebenen mindestens einen Variation (Δχ,) auf den finanziellen Wert (P) berechnet und sofort ausgegeben wird. 10. Verfahren nach einem der Ansprüche 1-7, wobei die Bewertung (108) automatisch von einem Rechner ausgeführt wird. 11. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei auf einer elektronischen Anzeigeeinheit eine Benutzeroberfläche (2) mit Feldern (211-215, 221-224, 231, 232, 241, 251, 260) für Eingaben und Ausgaben zur Verfügung gestellt wird. 12. Verfahren nach Anspruch 11, wobei die Benutzeroberfläche (2) auf einer einzigen Bildschirmseite angezeigt wird. 13. Compute rogrammprodukt mit auf einem maschinenlesbaren Träger gespeichertem Programmcode zur Durchführung des Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 12, wenn das Programmprodukt auf einem Rechner abläuft. 14. Textilbetrieb, der zur Ausfuhrung eines textilen Produktionsprozesses (101) eingerichtet ist, wobei der Textilbetrieb einen Rechner beinhaltet, auf dem ein Computerprogrammprodukt nach Anspruch 13 abläuft. |
PRODUKTIONSPROZESSES
FACHGEBIET
Die Erfindung liegt auf dem Gebiet der textilen Produktion, insbesondere des Spinnens. Sie betrifft ein Verfahren zur Optimierung eines textilen Produktionsprozesses, ein Computerprogrammprodukt zur Durchführung des Verfahrens und einen Textilbetrieb gemäss den unabhängigen Patentansprüchen.
STAND DER TECHNIK
In Textilbetrieben werden in einem textilen Produktionsprozess Rohmaterialien oder Zwischenprodukte zu einem Endprodukt des Produktionsprozesses verarbeitet. Eine Spinnerei zum Beispiel verarbeitet Rohbaumwolle in mehreren Bearbeitungsschritten über Zwischenprodukte wie Faserband zu einem Garn. Dabei durchlaufen die Rohbaumwolle und die Zwischenprodukte in verschiedenen Arbeitsstationen verschiedene
Bearbeitungsschritte wie Öffnen, Putzen, Kardieren, Kämmen, Verstrecken, Vorspinnen, Feinspinnen und schliesslich Spulen.
Die WO-2005/054551 AI beschreibt ein Verfahren und eine Vorrichtung zur
Auftragssteuerung eines Herstellungsprozesses für ein Faserprodukt. Um einen dem Herstellungsprozess zugrunde gelegten Produktionsauftrag zu steuern und zu überwachen, wird eine Ist-Soll- Auswertung zwischen einer durch den Produktionsauftrag
vorbestimmten Soll- Vorgabe und einem Ist-Zustand des Herstellungsprozesses durchgeführt. Die dabei ermittelte Abweichung von der Soll- Vorgabe wird angezeigt. Dadurch wird eine Planung zur Ausführung von Produktionsaufträgen ermöglicht. Die Lehre der WO-2005/054551 AI befasst sich wohl mit der Produktionszeit und der Produktionsmenge, nicht aber mit dem finanziellen Wert und der Qualität des
Endproduktes. Die EP-0'415'290 AI stellt sich die Aufgabe, die Arbeitsgeschwindigkeit einer
Ringspinnmaschine so zu regeln, dass ihre Produktionsausbeute nahe am Maximum der erreichbaren wirtschaftlichen Ausbeute liegt. Zur Lösung wird die tatsächlich vorhandene Fadenbruchbehebungskapazität ermittelt, und eine Sollvorgabe für die Drehzahl der Spindel wird in Abhängigkeit von der Anzahl der ermittelten Fadenbrüche pro Zeiteinheit und der tatsächlich vorhandenen Fadenbruchbehebungskapazität ermittelt. Die Ermittlung der Sollvorgabe für die Drehzahl erfolgt dadurch, dass ein fest vorgegebenes
Drehzahlsollwertprofil, das einen Grundwert für die Drehzahl als Funktion des
Spinnkopsaufbauzyklus darstellt, mit Korrekturwerten korrigiert wird. Die Korrekturwerte werden in einem Optimierungsverfahren automatisch ermittelt. Dabei kann der Gewinn als Funktion der Drehzahlen in verschiedenen Bereichen der Kopsbildung maximiert werden. Dieses Optimierungsverfahren ist bloss für eine bestimmte Ringspinnmaschine oder eine bestimmte Kategorie für Ringspinnmaschinen gültig. Ausserdem läuft das ganze
Optimierungsverfahren automatisch, ohne dass eine Bedienungsperson die Möglichkeit hätte, es gemäss eigenen Vorstellungen zu beeinflussen.
DARSTELLUNG DER ERFINDUNG
Es ist eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein Verfahren anzugeben, welches es erlaubt, einen komplexen textilen Produktionsprozess zu optimieren. Die Resultate sollen von möglichst allgemeiner Gültigkeit und von den jeweils eingesetzten Maschinentypen unabhängig sein. Das Verfahren soll die Möglichkeit bieten, verschiedene Szenarien auszuprobieren und miteinander zu vergleichen, ohne dass die neuen Einstellungen gleich in den Produktionsprozess übernommen werden müssen.
Diese und andere Aufgaben werden durch das Verfahren, das Computerprogrammprodukt den Textilbetrieb gelöst, wie sie in den unabhängigen Patentansprüchen definiert sind. Vorteilhafte Ausführungsformen sind in den abhängigen Ansprüchen angegeben.
Der Erfindung setzt auf einer höheren Ebene als die EP-0'415'290 AI an. In einem mathematischen Modell des zu optimierenden textilen Produktionsprozesses werden solche Variationsparameter variiert, die sie auf das Ausgangsmaterial, ein Zwischenprodukt, das Endprodukt und/oder den Produktionsprozess selbst, nicht aber auf die im
Produktionsprozess eingesetzten Maschinen beziehen. Dadurch erlangt das
erfindungsgemässe Verfahren eine Allgemeinheit, die es erlaubt, in einer Vielzahl verschiedener textiler Produktionsanlagen angewendet zu werden, unabhängig davon, welche konkreten Maschinen in der betreffenden Anlage verwendet werden. Ferner wird im erfindungsgemässen Verfahren eine Auswirkung der Variation auf einen finanziellen Wert des Endproduktes bewertet. Die Bewertung, in die möglicherweise weitere Aspekte wie die resultierende Qualität des Endproduktes und/oder die Produktionsdauer einfliessen, führt zur Entscheidung darüber, ob die Variation in den Produktionsprozess übernommen wird oder nicht. Vorzugsweise kann eine Bedienungsperson eingreifen, um die Variation vorzugeben und/oder um die Bewertung vorzunehmen. Das Ausprobieren verschiedener Szenarien führt zu einem tieferen Verständnis des Produktionsprozesses, welcher demzufolge optimiert werden kann. Alternativ kann das Verfahren automatisch, ohne den Eingriff einer Bedienungsperson, ablaufen.
Dementsprechend wird im erfindungsgemässen Verfahren zur Optimierung eines textilen Produktionsprozesses, in dem aus mindestens einem Ausgangmaterial ein textiles
Endprodukt produziert wird, der Produktionsprozess in einem mathematischen Modell, das eine Parametermenge mit mindestens einem Parameter als Element enthält, abgebildet. Mindestens ein auf das mindestens eine Ausgangsmaterial, ein Zwischenprodukt, das Endprodukt und/oder den Produktionsprozess, nicht aber auf im Produktionsprozess eingesetzte Maschinen bezogener Variationsparameter aus der Parametermenge wird im Modell um jeweils eine Variation variiert. Eine Auswirkung der mindestens einen
Variation auf einen finanziellen Wert des Endproduktes wird bewertet.
Die entsprechenden Modelle, Algorithmen und Formeln, die für die Berechnungen gebraucht werden, sind an sich bekannt, z. B. aus den folgenden Veröffentlichungen:
• W. Klein, "The Technology of Short-staple Spinning", The Textile Institute, 2 nd ed., 1998
• „Rieter Spinning Documentation", Rieter Marketing, 1999
• „Short-staple Spinning", Bräcker AG, 2008. Sie brauchen hier daher nicht weiter ausgeführt zu werden.
In einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemässen Verfahrens wird abhängig vom Ausgang der Bewertung die mindestens eine Variation in den Produktionsprozess übernommen. Der textile Produktionsprozess ist z. B. Spinnen oder Spulen von Garn, und der mindestens eine Variationsparameter wird aus der folgenden Menge ausgewählt:
Anzahl Schnitte pro Garnlänge oder pro Zeiteinheit, Anteil an Kämmlingen beim
Kämmen, Anzahl Endbrüche beim Ringspinnen, Auswechselzeit des Ringläufers beim Ringspinnen, Liefergeschwindigkeit der Strecke, Qualität der Rohbaumwolle, Anteil an Ausreissern im Garn. Nebst dem finanziellen Wert können weitere Aspekte wie Qualität des Endproduktes und/oder Produktionszeit in die Bewertung einfliessen. Dabei werden vorzugsweise eine Wahl des Variationsparameters, eine Wahl der Parameterwerte und/oder eine Wahl der Variation so getroffen, dass die Qualität des Endproduktes ungefähr gleich bleibt oder zumindest nicht wesentlich vermindert wird.
Die Wahl der mindestens einen Variation kann von einer Bedienungsperson durch eine Eingabe auf einem Eingabegerät getroffen werden. Alternativ können eine Wahl des mindestens einen Variationsparameters und/oder die Wahl der mindestens einen Variation automatisch von einem Rechner ausgeführt werden.
Vorzugsweise wird ach der mindestens einen Variation die Auswirkung der mindestens einen Variation auf den finanziellen Wert auf einer Ausgabeeinheit ausgegeben und die Bewertung von einer Bedienungsperson vorgenommen. Diesfalls ist es vorteilhaft, wenn nach jeder Eingabe die Auswirkung der eingegebenen mindestens einen Variation auf den finanziellen Wert berechnet und sofort ausgegeben wird. Alternativ kann aber die
Bewertung automatisch von einem Rechner ausgeführt werden.
Auf einer elektronischen Anzeigeeinheit wird vorzugsweise eine Benutzeroberfläche mit Feldern für Eingaben und Ausgaben zur Verfügung gestellt, welche mit Vorteil auf einer einzigen Bildschirmseite angezeigt wird. Das erfindungsgemässe Computerprogrammprodukt beinhaltet auf einem maschinenlesbaren Träger gespeicherten Programmcode zur Durchführung des erfindungsgemässen Verfahrens, wenn das Programmprodukt auf einem Rechner abläuft.
Der erfindungsgemässe Textilbetrieb ist zur Ausführung eines textilen
Produktionsprozesses eingerichtet und beinhaltet einen Rechner, auf dem das
erfindungsgemässe Computerprogrammprodukt abläuft.
AUFZÄHLUNG DER ZEICHNUNGEN
Die Erfindung und eine vorteilhafte Ausführungsform werden nun anhand von
Zeichnungen näher beschrieben.
Figur 1 zeigt ein Flussdiagramm mit dem erfindungsgemässen Verfahren.
Figur 2 zeigt eine Ausführungsform einer Benutzeroberfläche, wie sie im
erfindungsgemässen Verfahren zur Optimierung eines Garnspulproze!
Verfügung gestellt werden kann.
AUSFÜHRUNG DER ERFINDUNG
Die Figur 1 zeigt in einem Flussdiagramm den Grundgedanken des erfindungsgemässen Verfahrens. Ausgangspunkt ist ein Textilbetrieb, in dem ein textiler Produktionsprozess 101 ausgeführt wird. Dabei handelt es sich bspw. um eine Spinnerei, die aus in Ballen angelieferter Rohbaumwolle als Ausgangsmaterial ein Garn als Endprodukt herstellt. Zwischenprozesse in diesem Produktionsprozess 101, die von verschiedenen
Arbeitsstationen ausgeführt werden, sind z. B.: Öffnen, Reinigen, Mischen, Kardieren, Doublieren, Kämmen, Verstrecken, Verspinnen und/oder Aufspulen. Jeder dieser Zwischenprozesse kann durch verschiedene Parameter charakterisiert werden, die sich auf das Ausgangsprodukt, ein Zwischenprodukt, das Endprodukt, die Arbeitsstationen und/oder Umgebungsbedingungen während des Produktionsprozesses 101 beziehen können. Diese Parameter oder eine Teilmenge davon charakterisieren letztlich den gesamten Produktionsprozess 101.
Es wird ein mathematisches Modell 102 des Produktionsprozesses 101 aufgestellt, das Parameter des Produktionsprozesses 101 enthält. Das Modell 102 liefert eine
Produktionsmenge
M = M(x i ,..., x n ) , worin {xi, x n } eine Menge der ins Modell 102 eingehenden Parameter ist und n eine natürliche Zahl ist, welche die Anzahl berücksichtigter Parameter angibt. Die
Produktionsmenge M bezieht sich vorzugsweise auf das Endprodukt. Sie kann sich z. B. auf eine Zeiteinheit oder auf eine bestimmte Menge des Endproduktes beziehen.
Mindestens ein Variationsparameter Xj, der variiert werden soll, wird aus der
Parametermenge {xi, x n } ausgewählt 103, wobei 1 < i < n. Dabei handelt es sich um einen solchen Parameter, der sich auf das Ausgangsmaterial, ein Zwischenprodukt, das Endprodukt und/oder den Produktionsprozess 101, nicht aber auf im Produktionsprozess 101 eingesetzte Maschinen bezieht. Der Variationsparameter Xj sollte auch im realen Produktionsprozess 101 innerhalb gewisser Grenzen variiert werden können. Die Auswahl 103 des Variationsparameters Xj kann manuell durch eine Bedienungsperson oder automatisch in einem Rechner erfolgen.
In einem nächsten Schritt werden die Werte der Parameter x l5 x„ festgelegt 104. Das sind vorzugsweise diejenigen Werte, die aktuell im zu optimierenden Produktionsprozess 101 eingestellt sind. Auch ein Preis p pro Menge M des Endproduktes, auf den sich die Produktionsmenge M bezieht, wird eingegeben 105. Ein finanzieller Wert P - oder ein Gesamtpreis, der sich mit der Produktionsmenge M (pro Zeiteinheit, pro Menge des Ausgangsproduktes etc.) erzielen lässt -, beträgt demnach
P = p - M Der ausgewählte Variationsparameter Xj wird variiert 106. Zu diesem Zweck wird eine Variation Δχ; oder ein neuer Variationsparameterwert
A' ( . ' = x t + Δχ ( . gewählt.
Aus dem Modell 102 und den oben beschriebenen Eingaben 103-106 wird nun eine Wertdifferenz oder Wertänderung ΔΡ zwischen dem finanziellen Wert P', der mit der variierten Parametermenge {xi, Xj + Δχ;, x n } erzielt wird, und dem finanziellen Wert P, der mit der ursprünglichen Parametermenge {x l 5 .. . , Xj, ..., x n } erzielt wird, automatisch berechnet 107:
AP = F-P = p ■ [ (x, ,. + Δχ, ,..., x - M(x l x, ,..., x n )] oder, in differenzieller Schreibweise,
AP = F-P = p . Ax. ~ M(x } ,..., x n ) .
OXj
Die Wertdifferenz ΔΡ kann positiv, negativ oder null sein. Eine positive Wertdifferenz (ΔΡ > 0) bedeutet, dass mit einer Übernahme der Variation Δχ; in den Produktionsprozess 101 ein höherer Preis erzielt werden könnte als mit dem ursprünglichen Variationsparameter Xj, und umgekehrt.
Die Wertdifferenz ΔΡ geht in eine Bewertung 108 der Variation Δχ; ein. Sie kann, muss aber nicht die einzige Grösse sein, die in der Bewertung 108 berücksichtigt wird. Weitere Grössen, die in die Bewertung 108 einfliessen können, sind z. B. eine Qualität des
Endproduktes oder eine Produktionszeit, bzw. die entsprechenden Differenzen des variierten Modells gegenüber dem unvariierten Modell. Die Qualität kann aus Erfahrungen abgeschätzt oder numerisch durch einen oder mehrere Qualitätsindikatoren beziffert werden. Die Bewertung 108 kann von einer Bedienungsperson oder automatisch von einem Rechner vorgenommen werden.
Ist der Ausgang der Bewertung 108 zufrieden stellend, so wird der neue
Variationsparameterwert
im realen Textilbetrieb übernommen 109. Dadurch wird der Produktionsprozess 101 optimiert. Andernfalls werden eine oder mehrere der oben beschriebenen Eingaben 103- 106 geändert, z. B. ein neuer Variationsparameter Xj und/oder eine neue Variation Axj gewählt, und damit erneut die Wertdifferenz ΔΡ berechnet 107. Die Übernahme 109 kann manuell durch eine Bedienungsperson oder automatisch erfolgen. Im letzteren Fall kann man zu einem geregelten textilen Produktionsprozess 101 gelangen, in welchem der Variationsparameter Xj die Regelgrösse ist.
Die Reihenfolge einzelner Schritte 103-106 im beispielhaften Verfahren gemäss Figur 1 kann vertauscht werden. So ist es z. B. möglich, die Wahl 103 des Variationsparameters x; nach der Eingabe 105 des Preises p pro Menge vorzunehmen, usw.
Wie oben mehrfach erwähnt, können bestimmte Schritte 102-109 des erfindungsgemässen Verfahrens von einer Bedienungsperson oder automatisch von einem Rechner ausgeführt werden. Beide Varianten können ihre Anwendungen haben. Besonders vorteilhaft könnte es aber sein, insbesondere die Wahl 103 des Variationsparameters xj und/oder die Wahl 106 der Variation ÄXj automatisch von einem Rechner vornehmen zu lassen. Ein Rechner ist nämlich besonders gut in der Lage, diese Auswahlvorgänge durchzuführen. Er kann aus der vorgegebenen Funktion M(xi, x„) numerisch ihre partiellen Ableitungen für alle i = 1, n berechnen. An denjenigen Stellen, wo die partiellen Ableitungen gross sind, lässt sich mit einer Variation Axj die grösste Wirkung erzielen. Deshalb bringt eine solche Variation Δχ; die wirksamste Optimierung mit sich.
Es können gleichzeitig mehrere Variationsparameter XÜ , Xß, ... aus der Parametermenge {xi, x„} ausgewählt 103 und variiert 106 werden. Die obige Beschreibung bezieht sich der Einfachheit halber auf einen einzigen Variationsparameter Xj, was jedoch die
Allgemeinheit der Erfindung nicht einschränken soll.
Figur 2 zeigt ein Beispiel einer Benutzeroberfläche 2, wie sie für das erfindungsgemässe Verfahren auf einer elektronischen Anzeigeeinheit, z. B. einem Computerbildschirm, zur Verfügung gestellt werden kann. Das Ausführungsbeispiel bezieht sich auf den Einfluss von Schnittzahlen beim Spulen von Garn. Auf der Benutzeroberfläche 2 befinden sich Felder für Eingaben und Ausgaben sowie, fakultativ, weitere Information. Die Eingaben können über eine elektronische Eingabeeinheit, z. B. eine Computermaus oder eine Tastatur, vorgenommen werden. Die Anzeigeeinheit und die Eingabeeinheit können in einem Sensorbildschirm (Touchscreen) zusammengefasst werden. Besonders übersichtlich, einfach und daher vorteilhaft ist es, die Benutzeroberfläche 2 auf einer einzigen
Bildschirmseite anzuzeigen. Das heisst, dass alle Felder für Eingaben und Ausgaben gleichzeitig auf der Anzeigeeinheit sichtbar sind.
Im Ausführungsbeispiel von Figur 2 befinden sich Eingabefelder 21 1-215 für Eingaben 104 (siehe Figur 1) von fünf Parameterwerten x l5 ..., X5 in einem oberen Teil 21 der Benutzeroberfläche. Die Eingaben 104 erfolgen mittels Schieberegler oder mittels numerischer Einträge in Eingabekästchen, die links oben angebracht sind. Die fünf Parameter sind die folgenden:
Rechts oben in Figur 2 befinden sich weitere Eingabefelder 221-224 für Eingaben 104, 106 von zwei Variationsparametern x 6 , x 7 bzw. ihren Variationen. Diese Eingaben können mittels Zeiger oder mittels numerischer Einträge in entsprechende Eingabekästchen erfolgen. Die zwei Variationsparameter in diesem Beispiel sind die folgenden:
Zur Eingabe 106 der Variationen Δχ 6 , Δχ 7 sind unterhalb der Eingabefelder 221, 222 für die ursprünglichen Parameterwerte x 6 , x 7 Eingabefelder 223, 224 für neue oder angestrebte Werte χ 6 ', x 7 ' der Variationsparameter angebracht. Die beispielhaften neuen Werte sind: x 6 ' = 22 Schnitte/100 km,
x 7 ' = 33 Schnitte/100 km.
Unterhalb der Eingabefelder 223, 224 für die neuen Variationsparameter χ 6 ', x 7 ' befinden sich Eingabefelder 231, 232 für die Eingabe 104 zweier weiterer Parameterwerte x 8 , X9, nämlich:
Diese Eingaben 104 können mittels inkrementaler Knöpfe oder mittels numerischer Einträge in entsprechende Eingabekästchen erfolgen.
Unterhalb der Eingabefelder 231, 232 für die zwei weiteren Parameterwerte x 8 , X9 befindet sich ein Eingabefeld 241 für die Eingabe 105 eines Preises p pro gespulte Garnmenge, die im Ausführungsbeispiel von Figur 2 2.5 $/kg beträgt. Die Preiseingabe 105 kann auf dieselbe Weise erfolgen wie die Eingaben 104 der zwei weiteren Parameter x 8 , X9. Es versteht sich von selbst, dass die Eingaben der Parameterwerte xi, ..., X9 auf andere, an sich bekannte Weisen erfolgen können als oben beispielhaft beschrieben. Die Gesamtzahl der Parameter n kann sich vom beispielhaften Wert 9 unterscheiden.
Schliesslich ist rechts unten auf der Benutzeroberfläche 2 ein Ausgabefeld 251 für die Ausgabe 107 einer automatisch berechneten Wertdifferenz ΔΡ zwischen dem finanziellen Wert P', der mit der variierten Parametermenge {x l5 ..., χ 6 ', x 7 ', ..., xs > } erzielt wird, und dem finanziellen Wert P, der mit der ursprünglichen Parametermenge {xi, x 6 , x 7 , X9} erzielt wird. Gemäss dem Ausführungsbeispiel von Figur 2 können mit der eingegebenen Reduktion der Schnittzahlen 9 736 $ pro Jahr eingespart werden.
Ergänzend können im linken unteren Teil der Benutzeroberfläche 2 weitere Ausgaben vorgesehen sein. Im Ausführungsbeispiel von Figur 2 ist dies ein Säulendiagramm 260 für verschiedene Effizienzverluste, die in Prozenten angegeben werden. Eine erste Säule 261 gibt Effizienzverluste aufgrund von Spinnkopswechseln, bspw. 11 %, eine zweite Säule 262 Effizienzverluste aufgrund der ursprünglichen Schnittzahlen, bspw. 11 %, und eine dritte Säule 263 Effizienzverluste aufgrund der neuen Schnittzahlen, bspw. 9 %, an. Die berechnete Wertdifferenz ΔΡ resultiert aus der Effizienzsteigerung, wie sie aus dem Vergleich zwischen der zweiten 262 und der dritten 263 Säule ersichtlich ist.
Eine positive Wertdifferenz (ΔΡ > 0), wie sie im Ausführungsbeispiel von Figur 2 resultiert, muss nicht zwangsläufig zu einer Übernahme 109 der variierten
Parametermenge {xi, ..., χ ', χ 7 ', ..., X9} in den Produktionsprozess 101 führen. Vor einer solchen Übernahme 109 sollten noch weitere Berechnungen und/oder Überlegungen erfolgen. Diese können, nebst dem finanziellen Wert P, z. B. die folgenden Aspekte berücksichtigen :
• Qualität des Endproduktes. Durch die angestrebte Verminderung der Schnittzahlen kann sich auch die Qualität des produzierten Garns ändern. Möglicherweise hat die Qualitätsminderung auch eine Minderung des erzielbaren Preises p pro Kilogramm Garn zur Folge. Dies könnte im Modell 102 dadurch berücksichtigt werden, dass auf der Benutzeroberfläche 2 ein weiteres (nicht eingezeichnetes) Eingabefeld für den neuen Preis p' pro Kilogramm zur Verfügung gestellt wird. Alternativ könnte eine Tabelle oder eine Funktion in einem Speicher des ausführenden Rechners hinterlegt werden, die jeder Garnqualität (bzw. jeder eingestellten Schnittzahl) den entsprechenden Preis p' pro Kilogramm zuordnet. In einer bevorzugten
Ausführungsform der Erfindung werden jedoch die Wahl 103 des
Variationsparameters X;, die Wahl der Parameterwerte x l5 ..., x n und/oder die Wahl 106 der Variation Δχ; so getroffen, dass die Qualität des Endproduktes ungefähr gleich bleibt oder zumindest nicht wesentlich vermindert wird. Mit anderen Worten: Vorteilhafterweise wird das erfindungsgemässe Verfahren in einem Bereich ausgeführt, in dem die Variation Δχ; eine nur kleine Änderung AQ » 0 der Qualität, aber eine möglichst grosse Änderung ΔΡ » 0 des finanziellen Wertes hervorruft. Ein Rechner kann solche Bereiche besonders gut finden. In diesem bevorzugten Fall wirkt sich die Variation Axj nicht auf den Preis p pro Menge aus.
• Zeit, die für den Produktionsprozess 101 benötigt wird. Im Ausführungsbeispiel von Figur 2 ist die Zeit durch die Parameter x 4 und x 5 genügend berücksichtigt.
Resultate von Berechnungen zu solchen weiteren Aspekten können auf der
Benutzeroberfläche 2 in grafischer und/oder numerischer Form angezeigt werden.
Die Wahl 103 der Schnittzahlen x 6 , x 7 als Variationsparameter ist nur eine von vielen Möglichkeiten. Beispiele für weitere Variationsparameter Xj in einer Spinnerei sind die folgenden:
• Anteil an Kämmlingen beim Kämmen
• Anzahl Endbrüche beim Ringspinnen
• Auswechselzeit des Ringläufers beim Ringspinnen
• Liefergeschwindigkeit der Strecke
• Qualität der Rohbaumwolle
• Anteil an Ausreissern im Garn beim Spinnen und Spulen.
Je nach Wahl 103 des mindestens einen Variationsparameters x; kann die für das Modell 102 benötige Parametermenge {x 1? x n } unterschiedlich sein. Die Wahl 103 des mindestens einen Variationsparameters x; kann durch die Auswahl der entsprechenden Benutzeroberfläche 2 erfolgen. Alternativ kann eine einzige Benutzeroberfläche 2 zur Verfügung gestellt werden, auf welcher der mindestens eine Variationsparameter x, ausgewählt wird. Selbstverständlich ist die vorliegende Erfindung nicht auf die oben diskutierten
Ausführungsformen beschränkt. Bei Kenntnis der Erfindung wird der Fachmann weitere Varianten herleiten können, die auch zum Gegenstand der vorliegenden Erfindung gehören.
BEZUGSZEICHENLISTE
101 Produktionsprozess
102 Modell des Produktionsprozesses
103 Wahl des Variationsparameters
104 Eingabe der Parameterwerte
105 Eingabe eines Preises pro Menge
106 Wahl der Variation
107 Berechnung der Wertdifferenz
108 Bewertung
109 Übernahme der Variation in den Produktionsprozess
2 Benutzeroberfläche
211-215 Eingabefelder für Parameterwerte
221, 222 Eingabefelder für ursprüngliche Werte der Variationsparameter
223, 224 Eingabefelder für neue Werte der Variationsparameter
231, 232 Eingabefelder für weitere Parameterwerte
241 Eingabefeld für den Preis pro Menge
251 Ausgabefeld für die Wertdifferenz
260 Säulendiagramm
261-263 Säulen für Effizienzverluste
Next Patent: METHOD AND DEVICE FOR RELAYING
