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Title:
METHOD FOR PREPARING AN AQUEOUS POLYMER DISPERSION
Document Type and Number:
WIPO Patent Application WO/2009/153162
Kind Code:
A1
Abstract:
Method for preparing an aqueous polymer dispersion using RAFT compounds.

Inventors:
VENKATESH, Rajan (Lange Rötterstr. 90, Mannheim, 68167, DE)
RAMAN, Vijay, Immanuel (Rennershofstrasse 12, Mannheim, 68163, DE)
Application Number:
EP2009/056766
Publication Date:
December 23, 2009
Filing Date:
June 03, 2009
Export Citation:
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Assignee:
BASF SE (67056 Ludwigshafen, DE)
VENKATESH, Rajan (Lange Rötterstr. 90, Mannheim, 68167, DE)
RAMAN, Vijay, Immanuel (Rennershofstrasse 12, Mannheim, 68163, DE)
International Classes:
C08F2/38; C08F2/22; C08F4/00; C08F293/00; C08F2/18
Domestic Patent References:
2003-07-10
2006-11-23
1998-01-15
2008-01-24
Foreign References:
US6569969B22003-05-27
EP0771328B11998-10-07
DE19839199A12000-03-02
Attorney, Agent or Firm:
BASF SE (67056 Ludwigshafen, DE)
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Claims:

Verfahren zur Herstellung einer wässrigen Polymerisatdispersion

Patentansprüche

1. Verfahren zur Herstellung einer wässrigen Polymerisatdispersion durch radikalisch initiierte Polymerisation von ethylenisch ungesättigten Monomeren in Anwesenheit wenigstens eines Radikalinitiators und wenigstens einer RAFT- Verbindung in einem wässrigen Polymerisationsmedium, wobei zur Polymerisation

> 1 und < 80 Gew.-% wenigstens eines ethylenisch ungesättigten Monomeren mit einer Löslichkeit > 200 g pro 1000 g entionisiertem Wasser bei 20 0 C und 1 atm (absolut) [Monomere A], und > 20 und < 99 Gew.-% wenigstens eines ethylenisch ungesättigten Monomeren mit einer Löslichkeit < 100 g pro 1000 g entionisiertem Wasser bei 20 0 C und 1 atm (absolut) [Monomere B]

eingesetzt werden und sich die Monomeren A und B zu 100 Gew.-% (Gesamt- monomerenmenge) addieren, wobei

> 0,1 und < 5 Gew.-% wenigstens einer RAFT-Verbindung, und

> 0,01 und < 5 Gew.-% wenigstens eines Radikalinitiators, jeweils bezogen auf die Gesamtmonomerenmenge, eingesetzt werden,

dadurch gekennzeichnet, dass im wässrigen Polymerisationsmedium zuerst lediglich

> 50 Gew.-% der Gesamtmenge der wenigstens einen RAFT-

Verbindung,

> 10 Gew.-% der Gesamtmenge des wenigstens einen Monomeren A, < 5 Gew.-% der Gesamtmenge des wenigstens einen Monomeren B, und

< 5 Gew.-% der Gesamtmenge des wenigstens einen Radikalinitiators

vorgelegt und daran anschließend die gegebenenfalls verbliebene Restmenge der wenigstens einen RAFT-Verbindung, die gegebenenfalls verbliebene Restmenge des wenigstens einen Monomeren A, die Gesamtmengen bzw. die gegebenenfalls verbliebenen Restmengen des wenigstens einen Monomeren B und des wenigstens einen Radikalinitiators unter Polymerisationsbedingungen zugegeben und polymerisiert werden.

2. Verfahren nach Anspruch 1 , dadurch gekennzeichnet, dass die gegebenenfalls verbliebene Restmenge der wenigstens einen RAFT-Verbindung, die gegebenenfalls verbliebene Restmenge des wenigstens einen Monomeren A, die Gesamtmengen bzw. die gegebenenfalls verbliebenen Restmengen des wenigstens einen Monomeren B und des wenigstens einen Radikalinitiators unter Polymerisationsbedingungen kontinuierlich zugegeben werden.

3. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Gesamtmenge der wenigstens einen RAFT-Verbindung vorgelegt wird.

4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass das wässrige Polymerisationsmedium zusätzlich noch > 0,1 und < 20 Gew.-% eines organischen Lösungsmittels mit einer Löslichkeit > 200 g pro 1000 g entionisiertem Wasser bei 20 0 C und 1 atm (absolut), bezogen auf die Gesamtwassermen- ge der wässrigen Polymerisatdispersion enthält.

5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Dosierzeit der gegebenenfalls verbliebenen Restmenge des wenigstens einen Monomeren A < 50 % der Dosierzeit der Gesamtmenge bzw. der gegebenenfalls verbliebenen Restmenge des wenigstens einen Monomeren B beträgt.

6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Gesamtmenge des wenigstens einen Monomeren A vorgelegt wird.

7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Monomeren A ausgewählt sind aus der Gruppe umfassend Acrylsäure, Methac-

rylsäure, Acrylamid, 4-Styrolsulfonsäure, 2-Dimethylaminoethylacrylat, 2- Hydroxyethylacrylat und/oder 2-Acrylamido-2-methylpropansulfonsäure.

8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Monomeren B ausgewählt sind aus der Gruppe umfassend Methylacrylat, Ethy- lacrylat, n-Butylacrylat, tert.-Butylacrylat, 2-Ethylhexylacrylat, 2- Propylheptylacrylat, Methylmethacrylat, Ethylmethacrylat, n-Butylmethacrylat, tert.-Butylmethacrylat, 2-Ethylhexylmethacrylat, 2-Propylheptylmethacrylat, 2- Phenoxyethylacrylat, Styrol, Vinyltoluol, 2-Methylstyrol, 4-Methylstyrol, 2-n- Butylstyrol, 4-n-Butylstyrol, 4-n-Decylstyrol, Vinylacetat, Vinylpropionat, Acrylnitril und Methacrylnitril.

9. Wässrige Polymerisatdispersion erhältlich nach einem Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1 bis 8.

10. Polymerisatpulver erhältlich durch Trockung einer wässrigen Polymerisatdispersion gemäß Anspruch 9.

1 1. Verwendung einer wässrigen Polymerisatdispersion gemäß Anspruch 9 oder eines Polymerisatpulvers gemäß Anspruch 10 zur Herstellung von Klebstoffen,

Dichtmassen, Kunststoffputzen, Papierstreichmassen, Faservliesen, Anstrichmitteln und Beschichtungsmitteln für organische Substrate sowie zur Modifizierung von mineralischen Bindemitteln und Kunststoffen.

Description:

Verfahren zur Herstellung einer wässrigen Polymerisatdispersion

Beschreibung

Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist ein Verfahren zur Herstellung einer wässrigen Polymerisatdispersion durch radikalisch initiierte Polymerisation von ethylenisch ungesättigten Monomeren in Anwesenheit wenigstens eines Radikalinitiators und wenigstens einer RAFT-Verbindung in einem wässrigen Polymerisationsmedium, wobei zur Polymerisation

> 1 und < 80 Gew.-% wenigstens eines ethylenisch ungesättigten Monomeren mit einer Löslichkeit > 200 g pro 1000 g entionisiertem Wasser bei 20 0 C und 1 atm (absolut) [Monomere A], und

> 20 und < 99 Gew.-% wenigstens eines ethylenisch ungesättigten Monomeren mit einer Löslichkeit < 100 g pro 1000 g entionisiertem

Wasser bei 20 0 C und 1 atm (absolut) [Monomere B]

eingesetzt werden und sich die Monomeren A und B zu 100 Gew.-% (Gesamtmonome- renmenge) addieren, wobei

> 0,1 und < 5 Gew.-% wenigstens einer RAFT-Verbindung, und

> 0,01 und < 5 Gew.-% wenigstens eines Radikalinitiators, jeweils bezogen auf die

Gesamtmonomerenmenge, eingesetzt werden,

welches dadurch gekennzeichnet ist, dass im wässrigen Polymerisationsmedium zuerst lediglich

> 50 Gew.-% der Gesamtmenge der wenigstens einen RAFT-

Verbindung, > 10 Gew.-% der Gesamtmenge des wenigstens einen Monomeren A,

< 5 Gew.-% der Gesamtmenge des wenigstens einen Monomeren B, und

< 5 Gew.-% der Gesamtmenge des wenigstens einen Radikalinitiators

vorgelegt und daran anschließend die gegebenenfalls verbliebene Restmenge der wenigstens einen RAFT-Verbindung, die gegebenenfalls verbliebene Restmenge des wenigstens einen Monomeren A, die Gesamtmengen bzw. die gegebenenfalls verblie-

benen Restmengen des wenigstens einen Monomeren B und des wenigstens einen Radikalinitiators unter Polymerisationsbedingungen zugegeben und polymerisiert werden.

Gegenstand der vorliegenden Erfindung sind ebenfalls die nach dem erfindungsgemäßen Verfahren zugänglichen wässrigen Polymerisatdispersionen, die aus diesen wäss- rigen Polymerisatdispersionen zugänglichen Polymerisatpulver und die Verwendung der wässrigen Polymerisatdispersionen und der Polymerisatpulver in unterschiedlichsten Anwendungen.

Polymerisationsverfahren unter Verwendung von RAFT-Verbindungen sind Fachmann geläufig (siehe hierzu beispielsweise J. Kristina et al., Macromolecules 1995, 28, Seiten 5381 bis 5385; MJ. Monteiro, J. Polym. Sei., Part A: Polym. Chem. 2005, 43, Seiten 3189 bis 3204 oder Moad et al., Aust. J. Chem. 2005, 58, Seiten 379 bis 410). RAFT-Verbindungen fungieren allgemein als reversible Radikalkettenregler, mit denen das mittlere Molekulargewicht der Polymerisate gezielt eingestellt werden kann (siehe hierzu beispielsweise Ch. Barner-Kowollik, Handbook of RAFT Polymerization 2008, Wiley-VCH, Seite 190). Darüber hinaus weisen die erhaltenen Polymerisate in der Regel eine enge Molekulargewichtsverteilung auf. Verfahren zur Herstellung wässriger Polymerisatdispersionen aus wasserlöslichen und wasserunlöslichen ethylenisch ungesättigten Monomeren unter Verwendung von RAFT-Verbindungen sind hinlänglich bekannt (siehe beispielsweise CJ. Fergusson et al., Macromolecules 2002, 35, Seiten 9243 bis 9245; CJ. Fergusson et al., Macromolecules 2005, 38, Seiten 2191 bis 2204 oder WO 03/55919). Dabei wird in der Regel in einer ersten Polymerisationsstufe zu- erst ein wasserlösliches ethylenisch ungesättigtes Monomer in Anwesenheit der RAFT- Verbindung radikalisch polymerisiert und daran anschließend in einer zweiten Polymerisationsstufe ein wasserunlösliches ethylenisch ungesättigtes Monomer in Anwesenheit des Polymerisats der ersten Polymerisationsstufe ebenfalls radikalisch polymerisiert. Dabei entstehen Blockcopolymerisate mit einem hydrophilen Polymerisatblock (aus den wasserlöslichen Monomeren) und einem hydrophoben Polymerisatblock (aus den wasserunlöslichen Monomeren) sowie den Fragmente der RAFT-Verbindung an beiden Enden des Blockcopolymerisats. Durch die Wahl der Art und der Menge der wasserlöslichen und der wasserunlöslichen Monomeren lassen sich die Hydrophilie- /Hydrophobieeigenschaften der Blockcopolymerisate gezielt einstellen. Die erhaltenen Blockcopolymerisate lassen sich aufgrund der gezielt einstellbaren Hydrophilie-

/Hydrophobieeigenschaften vorteilhaft als Dispergiermittel bei der radikalisch wässri-

gen Emulsionspolymerisation oder bei der radikalisch wässrigen Suspensionspolymerisation einsetzen. Nachteilig an den Verfahren des Standes der Technik ist, dass die Herstellung der entsprechenden Blockcopolymerisate sehr zeitaufwändig ist, da zuerst der hydrophile Polymerisatblock und daran anschließend der hydrophobe Polymeri- satblock polymerisiert wird.

Aufgabe der vorliegenden Erfindung war die Bereitstellung eines alternativen Verfahrens zur Herstellung von Copolymerisaten mit gezielt einstellbaren Hydrophilie- /Hydrophobieeigenschaften in einem wässrigen Medium.

überraschender Weise wurde die Aufgabe durch das eingangs definierte Verfahren gelöst.

Erfindungsgemäß wird klares Wasser, bevorzugt Trinkwasser und insbesondere be- vorzugt entionisiertes Wasser eingesetzt, dessen Gesamtmenge so bemessen wird, dass sie 30 bis 90 Gew.-% und vorteilhaft 40 bis 80 Gew.-%, jeweils bezogen auf die nach dem erfindungsgemäßen Verfahren erhaltenen wässrige Polymerisatdispersion, beträgt. Wesentlich ist, dass wenigstens eine Teilmenge, vorteilhaft > 40 Gew.-% und insbesondere vorteilhaft > 70 Gew.-% der Gesamtmenge an Wasser als Bestandteil des wässrigen Polymerisationsmediums im Polymerisationsgefäß gemeinsam mit der RAFT-Verbindung vorgelegt wird. Die gegebenenfalls verbliebene Restmenge an Wasser kann dem Polymerisationsmedium während der Polymerisationsreaktion diskontinuierlich in einer oder mehreren Portionen oder kontinuierlich mit gleich bleibenden oder sich ändernden Mengenströmen, häufig als Bestandteil einer wässrigen Lö- sung des Radikalinitiators zugeführt werden.

RAFT (reversible addition fragmentation chain transfer)-Verbindungen sind dem Fachmann hinlänglich bekannt (siehe beispielsweise WO 98/01478, WO 03/55919, US-B 6596899, US-B 6569969 sowie Chiefari et al., Macromolecules 2003, 36, Seiten 2273 bis 2283). Bei RAFT-Verbindungen handelt es sich in der Regel um Verbindungen, welche folgende prinzipielle Struktur aufweisen:

Z-(C=S)-S-R

Durch radikalische Polymerisation einer Anzahl n ethylenisch ungesättiger Monomereinheiten X in Anwesenheit einer RAFT-Verbindung werden Polymerisate folgender Struktur erhalten:

Z-(C=S)-S-[X] n -R

Erfindungsgemäß können alle RAFT-Verbindungen eingesetzt werden. Insbesondere können erfindungsgemäß die in der WO 98/01478 gemäß der Formeln (C) und (D) offenbarten RAFT-Verbindungen, insbesondere die Verbindungen (3) bis (29) sowie die in der WO 03/55919 gemäß Formel (5) mit den Struktureinheiten Z und R 1 , wie auf Seite 12, Zeile 13 bis Seite 17, Zeile 16 definiert, offenbarten RAFT-Verbindungen, insbesondere Verbindungen (15) bis (25), sowie die in der US-B 6596899, insbesondere die in Spalte 2, Zeilen 38 bis 64 offenbarten RAFT-Verbindungen, eingesetzt werden, welche durch ihre ausdrückliche Bezugnahme Bestandteil dieser Schrift sein sollen. Insbesondere bevorzugt werden im erfindungsgemäßen Verfahren 2-(1-Carboxy- 1-methylethylsulfanylthiocarbonylsulfanyl)-2-methylpropions ure [CAS Nr.: 355120-40- 0, Formel I] , 2-Butylsulfanylthiocarbonylsulfanylpropionsäure [CAS Nr.: 480436-46-2, Formel II] und/oder 3-(Carboxyethylsulfanylthiocarbonyl)propionsäure [CAS Nr.: 15238- 06-9, Formel III] als RAFT-Verbindungen eingesetzt

HOOC COOH Formel (I)

Formel (II)

Formel (III)

Bezogen auf die Gesamtmonomerenmenge, beträgt die erfindungsgemäß eingesetzte Menge an RAFT-Verbindungen > 0,1 und < 5 Gew.-%, bevorzugt > 0,5 und < 4 Gew.- % und insbesondere bevorzugt > 1 ,5 und < 3 Gew.-%.

Als Monomere A kommen prinzipiell alle diejenigen ethylenisch ungesättigten Monomere in Betracht, die bei 20 0 C und 1 atm (absolut) eine Löslichkeit > 200 g, bevorzugt > 300 g und insbesondere bevorzugt > 500 g pro 1000 g entionisiertem Wasser aufweisen. Häufig weisen die Monomeren A eine unbegrenzte Löslichkeit mit entionisier- tem Wasser auf. Als Monomere A kommen insbesondere solche ethylenisch ungesättigten Monomere in Betracht, welche wenigstens eine Säuregruppe, insbesondere eine Carbonsäure- oder Sulfonsäuregruppe, eine Hydroxyalkylgruppe, eine Amidgruppe, eine Aminogruppe, eine Ethylenharnstoffgruppe, eine Acetoacetoxygruppe aufweisen. Mit besonderem Vorteil sind die Monomeren A ausgewählt aus der Gruppe umfassend Acrylsäure, Methacrylsäure, 4-Styrolsulfonsäure, 2-Dimethylaminoethylacrylat, 2- Dimethylaminoethylmethacrylat, 2-Acrylamido-2-methylpropansulfonsäure (AMPS), Vinylsulfonsäure, Acrylamid, Methacrylamid, N-(2-

Methacryloyloxyethyl)ethylenharnstoff (UMA), N-(2-Acryloyloxyethyl)ethylenharnstoff, 2-Acetoacetoxyethylacrylat, 2-Acetoacetoxyethylmethacrylat (AAEM), Diacetonacryla- mid (DAAM), 2-Hydroxyethylacrylat, 2- bzw. 3-Hydroxypropylacrylat, 2-

Hydroxyethylmethacrylat und 2- bzw. 3-Hydroxypropylmethacrylat. Insbesondere bevorzugt sind Acrylsäure, Methacrylsäure, Acrylamid, 4-Styrolsulfonsäure, 2- Dimethylaminoethylacrylat, 2-Hydroxyethylacrylat und/oder 2-Acrylamido-2- methylpropansulfonsäure. Selbstverständlich umfassen die Monomeren A auch die Alkalimetal- oder Ammoniumsalze der vorgenannten Monomeren mit einer Säure-, insbesondere einer Carbon- oder Sulfonsäuregruppe.

Als Monomere B kommen alle diejenigen ethylenisch ungesättigten Monomere in Betracht, die bei 20 0 C und 1 atm (absolut) eine Löslichkeit < 100 g, bevorzugt < 60 g und insbesondere bevorzugt < 20 g pro 1000 g entionisiertem Wasser aufweisen.

Als Monomere B kommen insbesondere in einfacher Weise mit den Monomeren A radikalisch copolymerisierbare ethylenisch ungesättigte Verbindungen in Betracht, wie beispielsweise Olefine, wie Ethylen oder Propylen, vinylaromatische Monomere, wie Styrol, α-Methylstyrol, o-Chlorstyrol oder Vinyltoluol, Vinylhalogenide, wie Vinylchlorid oder Vinylidenchlorid, Ester aus Vinylalkohol und 1 bis 18 C-Atome aufweisenden Mo- nocarbonsäuren, wie Vinylacetat, Vinylpropionat, Vinyl-n-butyrat, Vinyllaurat und Vi- nylstearat, Ester aus vorzugsweise 3 bis 6 C-Atome aufweisenden α,ß- monoethylenisch ungesättigten Mono- und Dicarbonsäuren, wie insbesondere Acryl- säure, Methacrylsäure, Maleinsäure, Fumarsäure und Itaconsäure, mit im allgemeinen 1 bis 12, vorzugsweise 1 bis 8 und insbesondere 1 bis 4 C-Atome aufweisenden Alka-

nolen, wie besonders Acrylsäure- und Methacrylsäuremethyl-, -ethyl-, -n-butyl-, -iso- butyl-, pentyl-, -hexyl-, -heptyl-, -octyl-, -nonyl-, -decyl- und -2-ethylhexylester, Fumar- und Maleinsäuredimethylester oder -di-n-butylester, Nitrile α,ß-monoethylenisch ungesättigter Carbonsäuren, wie Acrylnitril, Methacrylnitril, Fumarsäuredinitril, Maleinsäure- dinitril sowie C4-8-konjugierte Diene, wie 1 ,3-Butadien (Butadien) und Isopren. Die genannten Monomere bilden in der Regel die Hauptmonomeren, die, bezogen auf die Gesamtmenge an Monomeren B, einen Anteil von > 70 Gew.-%, bevorzugt > 90 Gew.- % und insbesondere bevorzugt > 95 Gew.-% auf sich vereinen oder sogar die Gesamtmenge der Monomeren B bilden.

Monomere B, die üblicherweise die innere Festigkeit der Verfilmungen einer Polymermatrix bzw. der Polymerpartikel erhöhen, weisen normalerweise wenigstens eine Epo- xygruppe oder wenigstens zwei nicht konjugierte ethylenisch ungesättigte Doppelbindungen auf. Beispiele hierfür sind zwei Vinylreste aufweisende Monomere, zwei Vinyl- idenreste aufweisende Monomere sowie zwei Alkenylreste aufweisende Monomere. Besonders vorteilhaft sind dabei die Di-Ester zweiwertiger Alkohole mit α,ß- monoethylenisch ungesättigten Monocarbonsäuren unter denen die Acryl- und Methac- rylsäure bevorzugt sind. Beispiele für derartige zwei nicht konjugierte ethylenisch ungesättigte Doppelbindungen aufweisende Monomere sind Alkylenglykoldiacrylate und - dimethacrylate, wie Ethylenglykoldiacrylat, 1 ,2-Propylenglykoldiacrylat, 1 ,3-

Propylenglykoldiacrylat, 1 ,3-Butylenglykoldiacrylat, 1 ,4-Butylenglykoldiacrylate und Ethylenglykoldimethacrylat, 1 ,2-Propylenglykoldimethacrylat, 1 ,3- Propylenglykoldimethacrylat, 1 ,3-Butylenglykoldimethacrylat, 1 ,4- Butylenglykoldimethacrylat sowie Divinylbenzol, Vinylmethacrylat, Vinylacrylat, AIIyI- methacrylat, Allylacrylat, Diallylmaleat, Diallylfumarat, Cyclopentadienylacrylat, Triallyl- cyanurat oder Triallylisocyanurat. Vorteilhaft werden die vorgenannten vernetzenden Monomeren B in Mengen von < 30 Gew.-%, bevorzugt jedoch in Mengen von < 10 Gew.-%, jeweils bezogen auf die Gesamtmenge an Monomeren B, eingesetzt. Häufig werden jedoch keinerlei derartige vernetzende Monomeren B eingesetzt.

Mit besonderem Vorteil sind die Haupt- bzw. die Gesamtmengen Monomeren B ausgewählt aus der Gruppe umfassend Methylacrylat, Ethylacrylat, n-Butylacrylat, tert- Butylacrylat, 2-Ethylhexylacrylat, 2-Propylheptylacrylat, Methylmethacrylat, Ethyl- methacrylat, n-Butylmethacrylat, tert.-Butylmethacrylat, 2-Ethylhexylmethacrylat, 2- Propylheptylmethacrylat, 2-Phenoxyethylacrylat, Styrol, Vinyltoluol, 2-Methylstyrol, 4-

Methylstyrol, 2-n-Butylstyrol, 4-n-Butylstyrol, 4-n-Decylstyrol, Vinylacetat, Vinylpropio- nat, Acrylnitril und Methacrylnitril.

Im erfindungsgemäßen Verfahren beträgt die Gesamtmenge an Monomeren A > 1 und < 80 Gew.-%, vorteilhaft > 15 und < 70 Gew.-% und insbesondere vorteilhaft > 25 und < 60 Gew.-% und dementsprechend die Gesamtmenge an Monomeren B > 20 und < 99 Gew.-%, vorteilhaft > 30 und < 85 Gew.-% und insbesondere vorteilhaft > 40 und < 75 Gew.-%, wobei sich die Mengen an Monomeren A und an Monomeren B zu 100 Gew.-% addieren.

Die Auslösung der radikalisch initiierten Polymerisationsreaktion erfolgt mittels eines radikalischen Polymerisationsinitiators (Radikalinitiator). Es kann sich dabei prinzipiell sowohl um Peroxide als auch um Azoverbindungen handeln. Selbstverständlich kommen auch Redoxinitiatorsysteme in Betracht. Als Peroxide können prinzipiell anorgani- sehe Peroxide, wie Wasserstoffperoxid oder Peroxodisulfate, wie die Mono- oder Di- Alkalimetall- oder Ammoniumsalze der Peroxodischwefelsäure, wie beispielsweise deren Mono- und Di-Natrium-, -Kalium- oder Ammoniumsalze oder organische Peroxide, wie Alkylhydroperoxide, beispielsweise tert.-Butyl-, p-Menthyl- oder Cumylhydrope- roxid, sowie Dialkyl- oder Diarylperoxide, wie Di-tert.-Butyl- oder Di-Cumylperoxid ein- gesetzt werden. Als Azoverbindung finden im wesentlichen 2,2 ' -Azobis(isobutyronitril), 2,2 ' -Azobis(2,4-dimethylvaleronitril) und 2,2 ' -Azobis(amidinopropyl)dihydrochlorid (Al- BA, entspricht V-50 von Wako Chemicals) Verwendung. Als Oxidationsmittel für Redoxinitiatorsysteme kommen im wesentlichen die oben genannten Peroxide in Betracht. Als entsprechende Reduktionsmittel können Schwefelverbindungen mit niedriger Oxi- dationsstufe, wie Alkalisulfite, beispielsweise Kalium- und/oder Natriumsulfit, Alkalihydrogensulfite, beispielsweise Kalium- und/oder Natriumhydrogensulfit, Alkalimetabisulfite, beispielsweise Kalium- und/oder Natriummetabisulfit, Formaldehydsulfoxylate, beispielsweise Kalium- und/oder Natriumformaldehydsulfoxylat, Alkalisalze, speziell Kalium- und/oder Natriumsalze aliphatische Sulfinsäuren und Alkalimetallhydrogensul- fide, wie beispielsweise Kalium- und/oder Natriumhydrogensulfid, Salze mehrwertiger Metalle, wie Eisen-(ll)-sulfat, Eisen-(ll)-Ammoniumsulfat, Eisen-(ll)-phosphat, Endiole, wie Dihydroxymaleinsäure, Benzoin und/oder Ascorbinsäure sowie reduzierende Sac- charide, wie Sorbose, Glucose, Fructose und/oder Dihydroxyaceton eingesetzt werden. Erfindungsgemäß beträgt die Menge des eingesetzten Radikalinitiators, bezogen auf die Gesamtmonomerenmenge, > 0,01 und < 5 Gew.-%, bevorzugt > 0,1 und < 4 Gew.- % und insbesondere bevorzugt > 0,3 und < 2 Gew.-%.

Verfahrenswesentlich ist, dass in einem wässrigen Polymerisationsmedium zuerst lediglich > 50 Gew.-% der Gesamtmenge der wenigstens einen RAFT-Verbindung, > 10 Gew.-% der Gesamtmenge des wenigstens einen Monomeren A, < 5 Gew.-% der Ge- samtmenge des wenigstens einen Monomeren B, und < 5 Gew.-% der Gesamtmenge des wenigstens einen Radikalinitiators vorgelegt und daran anschließend die gegebenenfalls verbliebene Restmenge der wenigstens einen RAFT-Verbindung, die gegebenenfalls verbliebene Restmenge des wenigstens einen Monomeren A, die Gesamtmengen bzw. die gegebenenfalls verbliebenen Restmengen des wenigstens einen Monomeren B und des wenigstens einen Radikalinitiators unter Polymerisationsbedingungen zugegeben und polymerisiert werden.

Vorteilhaft werden im wässrigen Polymerisationsmedium > 80 Gew.-%, insbesondere vorteilhaft > 90 Gew.-% der Gesamtmenge und bevorzugt die Gesamtmenge der we- nigstens einen RAFT-Verbindung, > 50 Gew.-%, insbesondere vorteilhaft > 90 Gew.-% der Gesamtmenge und bevorzugt die Gesamtmenge des wenigstens einen Monomeren A, < 5 Gew.-%, insbesondere vorteilhaft < 1 Gew.-% der Gesamtmenge des wenigstens einen Monomeren B, bevorzugt jedoch keinerlei Monomere B, und < 5 Gew.- %, insbesondere vorteilhaft < 1 Gew.-% der Gesamtmenge des wenigstens einen Ra- dikalinitiators, bevorzugt jedoch keinerlei Radilkalinitiator, vorgelegt. Wird Radikalinitiator ebenfalls im wässrigen Polymerisationsmedium vorgelegt, so werden die Art und die Menge des Radikalinitiators sowie Temperatur- bzw. Druckbedingungen in der Vorlage so gewählt, dass keine Polymerisationsreaktion initiiert wird (d.h. beispielsweise die Halbwertszeiten des Radikalinitiators > 5 Stunden betragen).

Daran anschließend wird die gegebenenfalls verbliebene Restmenge der wenigstens einen RAFT-Verbindung, die gegebenenfalls verbliebene Restmenge des wenigstens einen Monomeren A, die Gesamtmengen bzw. die gegebenenfalls verbliebenen Restmengen des wenigstens einen Monomeren B und des wenigstens einen Radikalinitia- tors unter Polymerisationsbedingungen zugegeben und polymerisiert werden. Dabei können der RAFT-Verbindungen, Monomeren A, der Monomeren B sowie die Radikalinitiatoren dem wässrigen Polymerisationsmedium jeweils diskontinuierlich in einer oder mehreren Portionen oder kontinuierlich mit gleich bleibenden oder sich ändernden Mengenströmen zugeführt werden. Mit Vorteil werden die gegebenenfalls verbliebene Restmenge der wenigstens einen RAFT-Verbindung, die gegebenenfalls verbliebene Restmenge des wenigstens einen Monomeren A, die Gesamtmengen bzw. die gege-

benenfalls verbliebenen Restmengen des wenigstens einen Monomeren B und des wenigstens einen Radikalinitiators unter Polymerisationsbedingungen kontinuierlich, insbesondere mit gleich bleibenden Mengenströmen zugegeben.

Wird dem wässrigen Polymerisationsmedium sowohl die gegebenenfalls verbliebene Restmenge wenigstens eines Monomeren A wie auch Gesamtmenge bzw. der gegebenenfalls verbliebenen Restmenge des wenigstens einen Monomeren B unter Polymerisationsbedingungen zugegeben, so erfolgt deren Zugabe vorteilhaft dergestalt, dass die Dosierzeit der gegebenenfalls verbliebenen Restmenge des wenigstens einen Monomeren A < 50 %, insbesondere vorteilhaft < 30 % der Dosierzeit der Gesamtmenge bzw. der gegebenenfalls verbliebenen Restmenge des wenigstens einen Monomeren B beträgt.

Dabei werden unter Polymerisationsbedingungen generell diejenigen Temperaturen und Drücke verstanden, unter denen die radikalisch initiierte wässrige Emulsionspolymerisation mit ausreichender Polymerisationsgeschwindigkeit verläuft. Sie sind insbesondere abhängig vom verwendeten Radikalinitiator. Vorteilhaft werden Art und Menge des Radikalinitiators, Polymerisationstemperatur und Polymerisationsdruck so gewählt, dass immer genügend Startradikale zur Verfügung stehen, um die Polymerisationsre- aktion zu initiieren bzw. aufrechtzuerhalten. Insbesondere werden die Polymerisationstemperatur und der Polymerisationsdruck so gewählt, dass die Halbwertszeit des eingesetzten Radikalinitiators < 3 Stunden, vorteilhaft < 1 Stunde und insbesondere vorteilhaft < 30 Minuten beträgt.

Als Reaktionstemperatur für die erfindungsgemäße radikalische wässrige Emulsionspolymerisation kommt der gesamte Bereich von 0 bis 170 0 C in Betracht. Dabei werden in der Regel Temperaturen von 50 bis 120 0 C, häufig 60 bis 1 10 0 C und oft 70 bis 100 0 C angewendet. Die erfindungsgemäße radikalische wässrige Emulsionspolymerisation kann bei einem Druck kleiner, gleich oder größer 1 atm [1 ,013 bar (absolut) Atmosphä- rendruck] durchgeführt werden, so dass die Polymerisationstemperatur 100 0 C übersteigen und bis zu 170 0 C betragen kann. Vorzugsweise werden leichtflüchtige Monomere, wie beispielsweise Ethylen, Butadien oder Vinylchlorid unter erhöhtem Druck polymerisiert. Dabei kann der Druck 1 ,2, 1 ,5, 2, 5, 10, 15 bar (absolut) oder noch höhere Werte einnehmen. Werden Emulsionspolymerisationen im Unterdruck durchgeführt, werden Drücke von 950 mbar, häufig von 900 mbar und oft 850 mbar (absolut) eingestellt. Vorteilhaft wird die erfindungsgemäße radikalische wässrige Emuslionspolymeri-

sation bei 1 atm unter Sauerstoffausschluß, beispielsweise unter Inertgasatmosphäre, wie beispielsweise unter Stickstoff oder Argon durchgeführt.

Das wässrige Reaktionsmedium kann vorteilhaft zusätzlich noch > 0,1 und < 20 Gew.- %, bevorzugt > 1 und < 15 Gew.-% und insbesondere bevorzugt > 3 und < 10 Gew.-% eines organischen Lösungsmittels mit einer Löslichkeit > 200 g pro 1000 g entionisiertem Wasser bei 20 0 C und 1 atm (absolut), bezogen auf die Gesamtwassermenge der wässrigen Polymerisatdispersion enthalten. Wesentlich bei der erfindungsgemäßen Verwendung eines organischen Lösungsmittels ist, dass wenigstens eine Teilmenge, vorteilhaft > 50 Gew.-% und insbesondere vorteilhaft > 80 Gew.-% der Gesamtmenge oder die Gesamtmenge an organischem Lösungsmittel als Bestandteil des wässrigen Polymerisationsmediums im Polymerisationsgefäß gemeinsam mit der RAFT- Verbindung vorgelegt wird. Die gegebenenfalls verbliebene Restmenge an organischem Lösungsmittel kann dem Polymerisationsmedium diskontinuierlich in einer oder mehreren Portionen oder kontinuierlich mit gleich bleibenden oder sich ändernden Mengenströmen während der Polymerisationsreaktion zugeführt werden.

Als geeignete organische Lösungsmittel seien beispielhaft aliphatische d- bis Cs- Alkohole, wie Methanol, Ethanol, n-Propanol, iso-Propanol, n-Butanol sowie dessen isomeren Verbindungen, n-Pentanol sowie dessen isomere Verbindungen etc., aliphatische C3- bis C4-Ketone, wie Aceton oder Ethylmethylketon sowie cyclische Ether, wie Tetrahydrofuran oder Dioxan genannt.

Erfindungsgemäß können optional auch übliche Dispergiermittel, wie Emulgatoren und/oder Schutzkolloide in Mengen von 0,1 bis 10 Gew.-%, bezogen auf die Gesamt- monomerenmenge, verwendet werden. Vorteilhaft wird jedoch das erfindungsgemäße Verfahren ohne die entsprechenden Dispergiermittel durchgeführt.

Mit besonderem Vorteil erfolgt das erfindungsgemäße Verfahren dergestalt, dass die Monomeren A und B unter Polymerisationsbedingungen bis zu einem Umsatz von > 95 Gew.-%, vorteilhaft > 98 Gew.-% und insbesondere vorteilhaft > 99 Gew.-% umgesetzt werden. Häufig ist es vorteilhaft, wenn die nach Abschluss der Polymerisation erhaltene wässrige Polymerisatdispersion einer Nachbehandlung zur Reduzierung des Rest- monomerengehalts unterzogen wird. Dabei erfolgt die Nachbehandlung entweder chemisch, beispielsweise durch Vervollständigung der Polymerisationsreaktion durch Einsatz eines effektiveren Radikalinitiatorensystems (sogenannte Nachpolymerisation)

und/oder physikalisch, beispielsweise durch Strippung der wässrigen Polymerisatdispersion mit Wasserdampf oder Inertgas. Entsprechende chemische und/oder physikalische Methoden sind dem Fachmann geläufig [siehe beispielsweise EP-A 771328, DE-A 19624299, DE-A 19621027, DE-A 19741 184, DE-A 19741 187, DE-A 19805122, DE-A 19828183, DE-A 19839199, DE-A 19840586 und 19847115]. Dabei bietet die Kombination aus chemischer und physikalischer Nachbehandlung den Vorteil, dass neben den nicht umgesetzten ethylenisch ungesättigten Monomeren, auch noch andere störende leichtflüchtige organischen Bestandteile (die sogenannten VOCs [volatile organic Compounds]) aus der wässrigen Polymerisatdispersion entfernt werden.

Durch gezielte Variation von Art und Menge der Monomeren A und B ist es dem Fachmann erfindungsgemäß möglich, wässrige Polymerisatdispersionen herzustellen, deren Polymerisate eine Glasübergangstemperatur bzw. einen Schmelzpunkt im Bereich von -60 bis 270 0 C aufweisen. Selbstverständlich können auch Stufen- oder Mehrphasenpolymerisate mit mehreren Glasübergangstemperaturen hergestellt werden. Abhängig vom geplanten Einsatzzweck der wässrigen Polymerisatdispersionen werden Polymerisate hergestellt, welche wenigstens eine Polymerphase aufweisen, deren Glasbübergangstemperatur > -60 und < 10 0 C (Klebstoffe), > 10 und < 100 0 C (Bindemittel für Beschichtungsformulierungen) oder > 80 0 C (harte Lackfilme) beträgt.

Mit der Glasübergangstemperatur T 9 , ist der Grenzwert der Glasübergangstemperatur gemeint, dem diese gemäß G. Kanig (Kolloid-Zeitschrift & Zeitschrift für Polymere, Bd. 190, S. 1 , Gleichung 1 ) mit zunehmendem Molekulargewicht zustrebt. Die Glasübergangstemperatur bzw. der Schmelzpunkt wird nach dem DSC-Verfahren ermittelt (Dif- ferential Scanning Calorimetry, 20 K/min, midpoint-Messung, DIN 53765).

Nach Fox (T.G. Fox, Bull. Am. Phys. Soc. 1956 [Ser. II] 1 , Seite 123 und gemäß LJII- mann's Encyclopädie der technischen Chemie, Bd. 19, Seite 18, 4. Auflage, Verlag Chemie, Weinheim, 1980) gilt für die Glasübergangstemperatur von höchstens schwach vernetzten Mischpolymerisaten in guter Näherung:

1 /Tg = XVTg 1 + X 2 /T g 2 + .... X n /T g ",

wobei x 1 , x 2 , .... x n die Massenbrüche der Monomeren 1 , 2, .... n und T 9 1 , T 9 2 , .... T 9 " die Glasübergangstemperaturen der jeweils nur aus einem der Monomeren 1 , 2, .... n aufgebauten Polymerisaten in Grad Kelvin bedeuten. Die T 9 -Werte für die Homopolymeri-

säte der meisten Monomeren sind bekannt und z.B. in Ullmann's Ecyclopedia of Indus- trial Chemistry, Bd. 5, Vol. A21 , Seite 169, VCH Weinheim, 1992, aufgeführt; weitere Quellen für Glasübergangstemperaturen von Homopolymerisaten bilden z.B. J. Brandrup, E.H. Immergut, Polymer Handbook, 1 st Ed., J. Wiley, New York 1966, 2 nd Ed. J.Wiley, New York 1975, und 3 rd Ed. J. Wiley, New York 1989).

Die erfindungsgemäß erhaltenen wässrigen Polymerisatdispersionen weisen üblicherweise Polymerisatfeststoffgehalte von > 10 und < 70 Gew.-%, häufig > 15 und < 65 Gew.-% und oft > 20 und < 60 Gew.-%, jeweils bezogen auf die wässrige Polymerzu- sammensetzung, auf.

Der über quasielastische Lichtstreuung (ISO-Norm 13 321) ermittelte zahlenmittlere Teilchendurchmesser der erhaltenen Polymerisatdispersionen (cumulant z-average) liegt in der Regel zwischen 5 und 1000 nm, häufig zwischen 10 und 500 nm und oft zwischen 15 und 200 nm. In Ausnahmefällen (hoher Anteil an Monomeren A und niedriger Anteil an Monomeren B) können die nach dem erfindungsgemäßen Verfahren zugänglichen Polymerisate auch im wässrigen Polymerisationsmedium gelöst vorliegen. Die entsprechenden Polymerisatlösungen sollen ebenfalls unter dem Begriff „wässrige Polymerisatdispersion" subsummiert sein.

Durch die Wahl von Art und Mengen der Monomeren A und B lassen sich die Hydro- philie-/Hydrophobieeigenschaften der nach dem erfindungsgemäßen Verfahren zugänglichen Polymerisate gezielt einstellen. Diese Polymerisate eignen sich daher in vorteilhafter weise als maßgeschneiderte Dispergiermittel bei der radikalischen wäss- rigen Emulsionspolymerisation oder bei der radikalisch wässrigen Suspensionspolymerisation.

Selbstverständlich können die nach dem erfindungsgemäßen Verfahren zugänglichen erfindungsgemäßen wässrigen Polymerisatdispersionen als Komponente bei der Her- Stellung von Klebstoffen, Dichtmassen, Kunststoffputzen, Papierstreichmassen, Faservliesen, Anstrichmitteln und Beschichtungsmitteln für organische Substrate sowie zur Modifizierung von mineralischen Bindemitteln und Kunststoffen eingesetzt werden.

Ferner sind aus den erfindungsgemäßen wässrigen Polymerisatdispersionen in einfa- eher Weise (beispielsweise Gefrier- oder Sprühtrocknung) die entsprechenden Polymerisatpulver zugänglich. Diese erfindungsgemäß zugänglichen Polymerisatpulver

lassen sich ebenfalls als Komponente bei der Herstellung von Klebstoffen, Dichtmassen, Kunststoffputzen, Papierstreichmassen, Faservliesen, Anstrichmitteln und Be- schichtungsmitteln für organische Substrate sowie zur Modifizierung von mineralischen Bindemitteln und Kunststoffen einsetzen.

Die Herstellung der wässrigen Polymerisatdispersionen nach dem erfindungsgemäßen Verfahren weist darüber hinaus den Vorteil auf, dass die Polymerisationszeiten deutlich kürzer sind als bei den bekannten Verfahren zur Herstellung der entsprechenden Blockcopolymeren. Darüber hinaus weisen die nach dem erfindungsgemäßen Verfah- ren zugänglichen wässrigen Polymerisatdispersionen einen deutlich geringeren Anteil an löslichen Komponenten auf.

Die Erfindung soll anhand nachfolgender nicht einschränkender Beispiele erläutert werden.

Beispiele

Beispiel 1

In einem 2 I-Vierhalskolben, ausgerüstet mit einem Anker-Rührer, Rückflusskühler und Dosiereinrichtungen wurden bei 20 bis 25 0 C (Raumtemperatur) und unter Stickstoffatmosphäre 1035 g entionisiertes Wasser, 113 g Acrylsäure, 7,5 g 2-(1-Carboxy-1- methylethylsulfanylthiocarbonylsulfanyl)-2-methylpropionsäu re, 60 g Aceton vorgelegt und unter Rühren auf 85 0 C aufgeheizt. Nach Erreichen von 83 0 C wurden 4,0 g einer 7 gew.-%igen wässrigen Lösung von Natriumpersulfat sowie 4,5 g entionisiertes Wasser zugegeben und die erhaltene Lösung 20 Minuten bei 85 0 C gerührt. Danach wurde der Monomerzulauf, bestehend aus 263 g Styrol und der Initiatorzulauf, bestehend aus 26 g entionisiertem Wasser und 23 g einer 7 gew.-%igen wässrigen Lösung von Natrimpersulfat, zeitgleich beginnend gestartet und der Monomerenzulauf in 3 Stunden und der Initiatorzulauf in 4 Stunden kontinuierlich mit gleichmäßigen Mengenströmen zudosiert. Anschließend ließ man die erhaltene wässrige Polymerisatdispersion noch 2 Stunde bei 85 0 C nachreagieren. Die erhaltene wässrige Polymerisatdispersion wies einen Feststoffgehalt von 25 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht der wässrigen Dispersion, auf. Die mittlere Teilchengröße der Polymerisatpartikel betrug 39 nm. Der Gehalt an wasserlöslichen Bestandteilen in der wässrigen Polymerisatdispersion betrug 1 ,1 Gew.-%, bezogen auf die wässrige Polymerisatdispersion.

Der Feststoffgehalt wurde generell bestimmt, indem ca. 1 g der wässrigen Polymerisatdispersion in einem offenen Aluminiumtigel mit einem Innendurchmesser von ca. 3 cm in einem Trockenschrank bei 150 0 C bis zur Gewichtskonstanz getrocknet wurde. Zur Bestimmung des Feststoffgehalts wurden jeweils zwei separate Messungen durchgeführt und der entsprechende Mittelwert gebildet.

Die Bestimmung der mittleren Teilchengröße der Polymerisatpartikel erfolgte generell nach der Methode der quasielastischen Lichtstreuung (DIN-ISO 13321) mit einem High Performance Particle Sizer (HPPS) der Fa. Malvern Instruments Ltd.

Der Gehalt an wasserlöslichen Bestandteilen in der wässrigen Polymerisatdispersion wurde generell bestimmt, indem ca. 40 g der wässrigen Polymerisatdispersion für 180 Minuten bei 50000 Umdrehungen in der Minute zentrifugiert wurden, danach ca. 2 g der klaren, über dem Polymerisat befindlichen wässrigen Lösung entnommen und diese in einem offenen Aluminiumtigel mit einem Innendurchmesser von ca. 3 cm in einem Trockenschrank bei 150 0 C bis zur Gewichtskonstanz getrocknet wurden.

Beispiel 2

Die Herstellung von Beispiel 2 erfolgte analog Beispiel 1 mit dem Unterschied, dass lediglich 5,5 g 2-(1-Carboxy-1-methylethylsulfanylthiocarbonylsulfanyl)-2- methylpropionsäure sowie 44 g Aceton vorgelegt und 2,0 g 2-(1-Carboxy-1- methylethylsulfanylthiocarbonylsulfanyl)-2-methylpropionsäu re, gelöst in 16 g Aceton parallel zum Monomerenzulauf mit gleich bleibendem Mengenstrom zudosiert.

Die erhaltene wässrige Polymerisatdispersion wies einen Feststoffgehalt von 24,8 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht der wässrigen Dispersion, auf. Die mittlere Teilchengröße der Polymerisatpartikel betrug 60 nm. Der Gehalt an wasserlöslichen Bestandteilen in der wässrigen Polymerisatdispersion betrug 1 ,5 Gew.-%, bezogen auf die wässrige Polymerisatdispersion.

Beispiel 3

Die Herstellung von Beispiel 3 erfolgte analog Beispiel 1 mit dem Unterschied, dass anstelle von 7,5 g 2-(1-Carboxy-1-methylethylsulfanylthiocarbonylsulfanyl)-2-

methylpropionsäure 7,5 g 2-Butylsulfanylthiocarbonylsulfanylpropionsäure eingesetzt wurden.

Die erhaltene wässrige Polymerisatdispersion wies einen Feststoffgehalt von 25,1 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht der wässrigen Dispersion, auf. Die mittlere Teilchengröße der Polymerisatpartikel betrug 24 nm. Der Gehalt an wasserlöslichen Bestandteilen in der wässrigen Polymerisatdispersion betrug 1 ,1 Gew.-%, bezogen auf die wässrige Polymerisatdispersion.

Beispiel 4

Die Herstellung von Beispiel 4 erfolgte analog Beispiel 1 mit dem Unterschied, dass anstelle von 7,5 g 2-(1-Carboxy-1-methylethylsulfanylthiocarbonylsulfanyl)-2- methylpropionsäure 7,5 g 3-(Carboxyethylsulfanylthiocarbonyl)propionsäure eingesetzt wurden.

Die erhaltene wässrige Polymerisatdispersion wies einen Feststoffgehalt von 24,7 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht der wässrigen Dispersion, auf. Die mittlere Teilchengröße der Polymerisatpartikel betrug 35 nm. Der Gehalt an wasserlöslichen Bestandteilen in der wässrigen Polymerisatdispersion betrug 1 ,3 Gew.-%, bezogen auf die wässrige Polymerisatdispersion.

Beispiel 5

Die Herstellung von Beispiel 5 erfolgte analog Beispiel 1 mit dem Unterschied, dass lediglich 20 g Acrylsäure vorgelegt und 93 g Acrylsäure parallel mit dem Monomeren- zulauf zudosiert wurden.

Die erhaltene wässrige Polymerisatdispersion wies einen Feststoffgehalt von 24,9 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht der wässrigen Dispersion, auf. Die mittlere Teilchengröße der Polymerisatpartikel betrug 100 nm. Der Gehalt an wasserlöslichen Bestandteilen in der wässrigen Polymerisatdispersion betrug 3,5 Gew.-%, bezogen auf die wässrige Polymerisatdispersion.

Beispiel 6

Die Herstellung von Beispiel 6 erfolgte analog Beispiel 5 mit dem Unterschied, dass die 93 g Acrylsäure innerhalb von einer Stunde mit gleich bleibendem Mengenstrom zudosiert wurden.

Die erhaltene wässrige Polymerisatdispersion wies einen Feststoffgehalt von 25,2 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht der wässrigen Dispersion, auf. Die mittlere Teilchengröße der Polymerisatpartikel betrug 60 nm. Der Gehalt an wasserlöslichen Bestandteilen in der wässrigen Polymerisatdispersion betrug 2,1 Gew.-%, bezogen auf die wässrige Polymerisatdispersion.

Beispiel 7

Die Herstellung von Beispiel 7 erfolgte analog Beispiel 1 mit dem Unterschied, dass anstelle von 263 g Styrol eine Mischung aus 257 g Styrol und 6 g Divinylbenzol (Isome- rengemisch der Fa. Sigma-Aldrich) eingesetzt wurde.

Die erhaltene wässrige Polymerisatdispersion wies einen Feststoffgehalt von 25,3 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht der wässrigen Dispersion, auf. Die mittlere Teilchengröße der Polymerisatpartikel betrug 44 nm. Der Gehalt an wasserlöslichen Bestandteilen in der wässrigen Polymerisatdispersion betrug 1 ,3 Gew.-%, bezogen auf die wässrige Polymerisatdispersion.

Beispiel 8

Die Herstellung von Beispiel 8 erfolgte analog Beispiel 1 mit dem Unterschied, dass 263 g n-Butylacrylat anstelle von 263 g Styrol eingesetzt wurden.

Die erhaltene wässrige Polymerisatdispersion wies einen Feststoffgehalt von 24,8 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht der wässrigen Dispersion, auf. Die mittlere Teilchengröße der Polymerisatpartikel betrug 49 nm. Der Gehalt an wasserlöslichen Bestandteilen in der wässrigen Polymerisatdispersion betrug 1 ,1 Gew.-%, bezogen auf die wässrige Polymerisatdispersion.

Beispiel 9

Die Herstellung von Beispiel 9 erfolgte analog Beispiel 1 mit dem Unterschied, dass 113 g 4-Styrolsulfonsäure anstelle von 113 g Acrylsäure eingesetzt wurden.

Die erhaltene wässrige Polymerisatdispersion wies einen Feststoffgehalt von 24,9 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht der wässrigen Dispersion, auf. Die mittlere Teilchengröße der Polymerisatpartikel betrug 35 nm. Der Gehalt an wasserlöslichen Bestandteilen in der wässrigen Polymerisatdispersion betrug 1 ,0 Gew.-%, bezogen auf die wässrige Polymerisatdispersion.

Vergleichsbeispiel 1

Die Herstellung von Vergleichsbeispiel 1 erfolgte analog Beispiel 2 mit dem Unterschied, dass lediglich 0,5 g 2-(1-Carboxy-1-methylethylsulfanylthiocarbonylsulfanyl)-2- methylpropionsäure sowie 4 g Aceton vorgelegt und 7,0 g 2-(1-Carboxy-1- methylethylsulfanylthiocarbonylsulfanyl)-2-methylpropionsäu re, gelöst in 56 g Aceton parallel zum Monomerenzulauf mit gleich bleibendem Mengenstrom zudosiert.

Die erhaltene hochviskose wässrige Polymerisatdispersion wies einen Feststoffgehalt von 25,4 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht der wässrigen Dispersion, auf. Die mittlere Teilchengröße der Polymerisatpartikel lag außerhalb des regulären Messbereichs [dabei wurden uneinheitliche Angaben erhalten: 1 ,7 μm bzw. 3,0 μm]. Aufgrund der hohen Viskosität konnte der Gehalt an wasserlöslichen Bestandteilen in der wäss- rigen Polymerisatdispersion nicht ermittelt werden.

Vergleichsbeispiel 2

Die Herstellung von Vergleichsbeispiel 2 erfolgte analog Beispiel 2 mit dem Unterschied, dass lediglich 2,0 g 2-(1-Carboxy-1-methylethylsulfanylthiocarbonylsulfanyl)-2- methylpropionsäure sowie 16 g Aceton vorgelegt und 5,5 g 2-(1-Carboxy-1- methylethylsulfanylthiocarbonylsulfanyl)-2-methylpropionsäu re, gelöst in 44 g Aceton parallel zum Monomerenzulauf mit gleich bleibendem Mengenstrom zudosiert.

Die erhaltene wässrige Polymerisatdispersion wies einen Feststoffgehalt von 24,8 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht der wässrigen Dispersion, auf. Die erhaltene wässrige Polymerisatdispersion war multimodal und wies drei ausgewiesene Maxima (ca. 70 nm, ca. 320 nm sowie ca. 4,6 μm) auf. Der Gehalt an wasserlöslichen Bestand-

teilen in der wässrigen Polymerisatdispersion betrug 7,9 Gew.-%, bezogen auf die wässrige Polymerisatdispersion.