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Patent Searching and Data


Title:
METHOD FOR PREVENTING ERRORS AND REJECTS DURING THE OPERATION OF A PRODUCTION MACHINE
Document Type and Number:
WIPO Patent Application WO/2012/048700
Kind Code:
A1
Abstract:
Errors occur regularly on production machines as a result of small variations in the production process. At present, these can only be effectively completely eliminated by means of the costly Six Sigma method. The aim of the invention is to automatically eliminate said errors in primary shaping machines and in processing or assembly machines supplied by primary shaping machines in a traceable manner, using corrected adjustment data. This is achieved with sufficient measurement of the process values by means of a 5-step method consisting of the steps of definition, measurement, classification, improvement and prediction.

Inventors:
BAUER HEIKO (DE)
Application Number:
DE2011/075222
Publication Date:
April 19, 2012
Filing Date:
September 15, 2011
Export Citation:
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Assignee:
HBF FERTIGUNGSSTEUERUNGSSYSTEME DR BAUER KG (DE)
BAUER HEIKO (DE)
International Classes:
B29C45/76; G05B19/418
Domestic Patent References:
WO2007096248A12007-08-30
Foreign References:
EP0522061B11997-07-02
DE19801881C11999-05-27
DE19834797C22002-04-25
DE69126700T21998-01-29
EP0522061B11997-07-02
Attorney, Agent or Firm:
GEITZ TRUCKENMÜLLER LUCHT (DE)
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Claims:
P A T E N T A N S P R Ü C H E

Verfahren zum Betrieb einer Fertigungsmaschine in der rückverfolgbaren Wechselfließfertigung, in welcher die Transport lose oder die einzelnen Teile oder Baugruppen elektronisch identifizierbar sind, und welcher ein Prozessrechner zugeordnet ist, der einer Maschinensteuerung Einstelldaten bereitstellt und Prozesswerte erfasst, wo¬ bei eine Einteilung in Gut und Ausschuss erfolgt,

dadurch gekennzeichnet, dass einem Ausschussteil seine Schussnummer eindeutig zugeordnet wird und anhand der Einteilung in Gut und Ausschuss und der erfassten, jeweils einer Schussnummer zugeordneten Prozesswerte eine Klassifikation der zu Gutmengen führenden Prozesswerte und der zu Ausschussmengen führenden Prozesswerte vorgenommen wird, anhand der Klassifikation eine Bestimmung von Zielprozesswerten erfolgt und schließlich unter Verwendung eines Vorhersageverfahrens aus den Zielprozess¬ werten neue Einstelldaten errechnet werden; dabei können auch die beiden letzten Schritte gemeinsam erfolgen.

Verfahren gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, Ausschussgründe und gegebenenfalls Ausschussorte de niert werden.

Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass eine Zuordnung zwischen Ausschuss¬ teil und Fehler bzw. Ausschussgrund aufgrund einer selbsttätigen Messung oder aufgrund einer manuellen Eingabe erfolgt. Verfahren gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Prozessrechner zu jedem Werkstück unter Verwendung einer Schussnummer und/oder Losnummer sämtliche ermittelten Prozesswerte speichert.

Verfahren gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass als Klassifikationsverfahren das SVM-Verfahren (Support Vector Machines) mit dem Hinge Loss oder dem logistischen Loss eingesetzt wird.

Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass ein Werkstück ein anonymer Bestandteil eines Loses ist, wobei eine Ausschusserkennung innerhalb eines Loses in vier Schritten abläuft, nämlich

•Ausschluss derjenigen Prozesswerte aus der weiteren Un¬ tersuchung, die durch Fehler der Sensoren oder während eines Maschinenstillstandes entstanden sind,

•Normalisierung, der Prozesswerte mittels der Z- Transformation,

•Selbsttätiges Heraussuchen starker Variationen der Prozesswerte, und

• Klassifikation durch Bestimmung möglicher Ausschusskegel anhand dieser stark abweichenden Prozesswerte, wonach alle innerhalb der Ausschusskegel liegenden Pro¬ zesswerte als zu Ausschussteilen gehörig angesehen werden .

7. Verfahren gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass an der Fertigungsmaschine bei laufender Maschine Ausschuss erkannt werden kann, indem die Prozessdaten online erfasst werden und mit Hilfe der errechneten Klassifikationsfunktion bestimmt wird, ob es sich um Ausschussteile oder Gutteile handelt. Verfahren gemäß einem der Ansprüche 6 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass im Rahmen der Bestimmung neuer Zielprozesswerte zunächst die Lage eines Prozesswertes in Be¬ zug auf die Randfläche des Ausschussbereichs bestimmt und dann ein Zielprozesswert ermittelt wird, welcher einen größeren Abstand von der Randfläche aufweist oder kürzere Zykluszeiten hat.

Verfahren gemäß Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass der Zielprozesswertvektor μ in Richtung des Normalenvektors einer Tangentialebene der Randfläche, im dem Pro¬ zesswert am nächsten liegenden Punkt der Abbruchkante, vorzugsweise im Abstand von 6σ, also um die sechsfache Standardabweichung entfernt, gewählt wird.

Verfahren gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die einem Werkstück zugehörigen Einstelldaten und Prozesswerte diesem über die

Schussnummer eindeutig zugeordnet sind.

Verfahren gemäß Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, dass mit einem Vorhersageverfahren eine Funktion f : X -

> Y bestimmt wird, die jedem Einstellsatz die erwarteten mittleren Prozesswerte zuordnet.

Verfahren gemäß Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, dass das SVM-Verfahren verwendet wird, um eine optimale Funk¬ tion f : X -> Y zu finden. 13. Verfahren gemäß Anspruch 11, so dass zusätzlich eine Dimensionsreduktion z. B. durch eine Hauptkomponentenanaly¬ se durchgeführt wird. Verfahren gemäß Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, dass ein Einstelldatensatz x e X bestimmt wird, so dass f (x) = μ , d.h. dass bei diesem Einstelldatensatz kein bisher klassifizierter Ausschuss auftreten kann mit einer Sicherheit von 6σ.

Verfahren gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass es sich bei der Fertigungsma¬ schine um eine Urformmaschine handelt.

Verfahren gemäß Anspruch 15, dadurch gekennzeichnet, dass der Prozessrechner eine Auftragsplanung realisiert und Einstelldaten eines in der Auftragsplanung gebuchten Auftrags an die Maschinensteuerung übermittelt, woraufhin diese aufgrund der Einstelldaten Steuerbefehle für die Urformmaschine generiert, wobei der Prozessrechner je¬ weils einen Indikator für das verwendete Werkzeug, die Farbe und die Zusammensetzung des dem Werkzeug zur Herstellung eines Werkstücks zugeführten Materials ermit¬ telt, und anhand dieser Indikatoren den Auftrag auswählt, dessen Einstelldaten an die Maschinensteuerung übermittelt werden.

Verfahren gemäß Anspruch 16, dadurch gekennzeichnet, dass der Urformmaschine das Material von einer Dosieranlage zugeführt wird, welche das Material durch Vermischung verschiedener Komponenten, insbesondere von Farbe, Regra- nulat und Masterbatch, herstellt, die Dosierung der einzelnen Komponenten des Materials erfasst und diese an den Prozessrechner weiterleitet.

Verfahren gemäß Anspruch 17, dadurch gekennzeichnet, dass die Dosieranlage von einer automatischen Materialzufüh- rung versorgt ist, welche dem Prozessrechner die einzel¬ nen Komponenten des Materials mitteilt.

19. Verfahren gemäß Anspruch 17, dadurch gekennzeichnet, dass die Dosieranlage von einer manuellen Materialzuführung versorgt ist und die Dosierung über ein Einlesen von Tags, insbesondere von RFID-Tags oder Barcodes, erfasst wird, welche den manuell hinzugefügten Komponenten zugeordnet sind.

Verfahren gemäß einem der Ansprüche 16 bis 19, dadurch gekennzeichnet, dass der Prozessrechner, vorzugsweise über die Maschinensteuerung, den Indikator für das verwendete Werkzeug, etwa durch Auslesen eines am Werkzeug angeordneten Tags, insbesondere eines RFID-Tags oder ei¬ nes Barcodes, ermittelt.

Verfahren gemäß einem der Ansprüche 16 bis 20, dadurch gekennzeichnet, dass die Maschinensteuerung das Werkzeug anhand der Einstelldaten plausibilisiert .

Verfahren gemäß einem der Ansprüche 16 bis 21, dadurch gekennzeichnet, dass die Werkstücke über einen Stetigför¬ derer oder einen Robot vom Werkzeug wegtransportiert und im Bedarfsfalle verpackt werden.

Verfahren gemäß Anspruch 22, dadurch gekennzeichnet, dass der Prozessrechner die in einen Behälter oder ein Gebinde geförderten Werkstücke abzählt, Informationen über den Füllstand des Behälters aus den Prozessdaten der Maschinensteuerung und bedarfsweise des Stetigförderers ablei¬ tet und diese Informationen optisch oder akustisch bereitstellt .

24. Verfahren gemäß Anspruch 22, dadurch gekennzeichnet, dass der Prozessrechner eine optimale Transportbelegung zum Abtransport der gefüllten Behälter, insbesondere über ein FIFO- oder ein ε-Näherungsverfahren errechnet.

25. Verfahren gemäß Anspruch 23, dadurch gekennzeichnet, dass ein Los dadurch definiert wird, dass der Behälter bzw. das Gebinde mit einem automatisch erzeugten, das Los ein- deutig kennzeichnenden Tag versehen wird.

26. Verfahren gemäß Anspruch 25, dadurch gekennzeichnet, dass zu jedem Los Prozessdaten sämtlicher Werkstücke, vorzugsweise zentral, im Zusammenhang mit einer Loskennung ge- speichert werden.

27. Verfahren gemäß einem der Ansprüche 24 oder 25, dadurch gekennzeichnet, dass die Loskennung einem Mittel zur Her¬ stellung eines Tags zugeführt wird, welche ein die Los- kennung enthaltendes Tag, vorzugsweise ein RFID-Tag oder einen Barcode, herstellt und dieses mit dem Los verbin¬ det .

28. Verfahren gemäß Anspruch 26, dadurch gekennzeichnet, dass dem Stetigförderer bzw. dem Robot ein Gebindeverteiler zugeordnet ist, an welchen der Prozessrechner Informationen über den Beginn und das Ende der Bearbeitung eines Auftrags übermittelt. 29. Verfahren gemäß Anspruch 15, wobei zusätzlich durch Sensoren im Werkzeug Kurven des Werkzeuginnendrucks und ggf. der Werkzeuginnentemperatur erfasst werden.

30. Verfahren gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass es sich bei der Fertigungsma¬ schine um eine Bearbeitungsmaschine handelt.

31. Verfahren, gemäß Anspruch 30, dadurch gekennzeichnet,

dass an einer Bearbeitungsmaschine mit Hostschnittstelle rückverfolgbare Eingangslose oder Werkstücke mit einem Tag-Leser identifiziert werden, ein NC-Programm über die Hostschnittstelle bestimmt oder übertragen wird, ein Auf¬ trag der Bearbeitungsmaschine automatisch bestimmt und gestartet wird und entstehende Ausgangslose der Bearbei¬ tungsmaschine wiederum mit Tags versehen werden.

32. Verfahren gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass es sich bei der Fertigungsma¬ schine um eine Montagemaschine handelt.

33. Verfahren, gemäß Anspruch 32, dadurch gekennzeichnet,

dass an einer Montagemaschine mit Hostschnittstelle rück- verfolgbare Eingangslose mit einem oder mehreren Tag- Lesern identifiziert werden, ein NC-Programm über die Hostschnittstelle bestimmt oder übertragen wird, ein Auf¬ trag der Montagemaschine automatisch bestimmt und gestar¬ tet wird und entstehende Ausgangslose der Montagemaschine wiederum mit Tags versehen werden.

34. Verfahren gemäß einem der Ansprüche 24 bis 29, dadurch gekennzeichnet, dass ein gekennzeichnetes Los selbsttätig einer Lagerverwaltung gemeldet und dieser zugeführt wird.

35. Verfahren gemäß einem der Ansprüche 30 oder 32, dadurch gekennzeichnet, dass Fehler an rückverfolgbar versorgten Bearbeitungsmaschinen oder Montagemaschinen dadurch klas- sifiziert und beseitigt werden, in dem man die Klassifi- kations- und Verbesserungs-Schritte im Produkt der betei¬ ligten Prozessräume durchführt oder diejenigen Prozess¬ schritte identifiziert, bei denen der Fehler aufgetreten ist .

Description:
VERFAHREN ZUR FEHLER- UND AUSSCHUSSVERMEIDUNG

BEIM BETRIEB EINER FERTIGUNGSMASCHINE

Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zum Betrieb einer Fertigungsmaschine, welcher ein Prozessrechner zugeordnet ist, der an der Maschinensteuerung Prozesswerte und Kur- ven erfasst, wobei eine Einteilung der produzierten Menge in Gut und Ausschuss erfolgt, neue Zielprozesswerte errechnet und verbesserte Einstelldaten zur Ausschussvermeidung bereitstellt . Ein derartiges Verfahren ist bereits aus der deutschen Pa ¬ tentschrift DE 198 34 797 C2 vorbekannt. Dieses Dokument lehrt, dass die Einhaltung von Maschinenprozessparametern zur Klassifizierung der Werkstücke in Gutteile und Ausschussteile nicht ausreicht. Vielmehr werden im Rahmen der Herstellung von Werkstücken Messungen der Prozessparameter mittels beispielsweise im Werkzeug der Fertigungsmaschine angeordneter Sensoren durchgeführt, die entstehenden Kurven mit vorgegebe ¬ nen Sollkurven verglichen und das Werkstück bei einer Abweichung von der jeweiligen Sollkurve als Ausschussteil klassi- fiziert .

Ein weiteres Verfahren, mithilfe dessen eine Sicherung der Materialqualität erreicht wird, ist aus der WO 2007/096248 AI bekannt. Gegenstand dieser Anmeldung ist ein Verfahren zur Einfärbung von Kunststoffen aus einer Dosiereinrichtung. Dabei werden Informationen der Farbbehälter in maschinenlesba- ren Speicherelementen gespeichert, um zu korrekten Farbwerten zu gelangen.

Ein beachtenswertes Verfahren zur Sicherung korrekten Fließ- Verhaltens der Schmelze stellt die Übersetzung DE 691 26 700 T2 der europäischen Patentschrift EP 0 522 061 Bl dar. Dieses Verfahren umfasst die Schritte einer Eingabe einer Kennlinie des plastischen Fließens des geschmolzenen Materials, einer Analyse der Kennlinie der vorangegangenen Schusses, eines Vergleichs mit dieser Bezugskennlinie, eine Berechnung eines neuen Einstellwertes und schließlich der Einstellung der Spritzgießmaschine mit diesem Einstellwert.

All diese Verfahren haben gemeinsam, dass sie sich auf nur jeweils einen Aspekt des Spritzgießens beschränken. Die ande ¬ ren Aspekte wirken aber trotzdem ungehindert weiter auf das verfolgte Ziel. Wenn also beispielsweise durch Variation des Prozesses Schlieren entstehen, so stimmt auch die Farbe nicht mehr. Zudem arbeiten alle genannten Verfahren mit sehr klei- nen, spezifischen Datenmengen.

Zum allgemeinen Stand der Technik, Einstelldaten zu bestimmen, gehören ergänzend zu den vorgenannten Verfahren die Verfahren nach Tagushi/Shahinin, das Evolutionsverfahren sowie das Verfahren "Advanced Process Control". Diese Verfahren können aufgrund des erforderlichen Eingriffs des Menschen bei der Auswertung der Daten nur bei kleinen Datenmengen eingesetzt werden. Eine moderne Spritzgießmaschine hat jedoch bei ¬ spielsweise mehr als einhundert Prozess- und Einstelldaten und würde mit den bekannten Verfahren eine zu große Anzahl von Versuchen benötigen, um zu vollständig optimierten Einstelldaten zu gelangen. Es gibt erhebliche Erfolge im Bereich der Fließfertigung, insbesondere im Karrosseriebau und den Endmontagelinien, die Qualität der Endprodukte zu verbessern. Dies geschieht durch aufwändige Qualitätskontrolle im Bereich der Endmontage; die im Bereich der Vorfertigung verursachten Probleme können mit dieser Methodik nicht beseitigt werden.

Der bisher einzig erfolgreiche Weg, Fehler umfassend zu be ¬ seitigen, ist das so genannte Six Sigma DMAIC-Verfahren . Die Abkürzung „DMAIC" steht hierbei für „Define (Definieren) , Measure (Messen) , Analyze (Analysieren) , Improve (Verbes ¬ sern) , Control (Kontrollieren)". Six Sigma lehrt, dass man Projekte neben der klassischen Qualitätssicherung durchführen soll, um Fehler zu beseitigen. Generelle Regel ist, dass ein Six Sigma Projekt durchgeführt werden soll, wenn man Fehler für mehr als 50.000€ pro Fehler beseitigen kann. Trotz der immens hohen Kosten erlebt Six Sigma einen Siegeszug. Die von Six Sigma verwendete Methodik ist Statistik, die von besonde ¬ ren Spezialisten anzuwenden ist. Bei Six Sigma-Proj ekten geht man in den oben angesprochenen fünf Schritten vor.

Im ersten Schritt, der Definition, werden aus Kundensicht Fehler- und Ausschussgründe definiert. Die Anzahl der Fehler werden, nach Gründen geordnet, manuell erfasst und statis- tisch ausgewertet. Es gilt, die häufig auftretenden Fehler zu beseitigen .

Während des Messens werden an ausgewählten Stellen möglichst alle relevanten Daten erfasst, die den Fehler möglicherweise verursachen könnten.

Die erfassten Messwerte werden im Rahmen der Analyse von einem Spezialisten statistisch untersucht, um einen Zusammen- hang zwischen dem Auftreten der Fehler und Variationen der Messwerte herzustellen.

Der Fehler soll nun bei der Verbesserung beseitigt werden, bevorzugtermaßen durch eine bessere Einstellung der Maschine. Dazu verwendet man die Ergebnisse der Analyse, um mögliche Fehler verursachende Stellgrößen zu identifizieren. Mit Hilfe von DOE („Design of Experiments") bestimmt man dann bessere Einstelldaten .

Die erreichte Verbesserung wird schließlich während der Kontrollphase überwacht.

Dieses Verfahren führt zu den gewünschten Ergebnissen, ist aber für bestimmte Fertigungsverfahren, insbesondere das Urformen, viel zu teuer. Sofern der Wert des Ausschusses die hohen, für ein Six Sigma-Verfahren anfallenden Kosten nicht übersteigt oder auch nur erreicht, muss der Ausschuss daher bislang hingenommen oder nach den zuvor genannten Verfahren unvollständig beseitigt werden.

Vor diesem Hintergrund liegt der vorliegenden Erfindung daher die Aufgabe zu Grunde, das bekannte Six Sigma-Verfahren so zu automatisieren, dass es an Urformmaschinen, Bearbeitungsma- schinen und Montagemaschinen mittels der zugehörigen Maschinensteuerung und einem Prozessrechner mit analytischen Fähigkeiten durchgeführt werden kann. Das Ziel ist eine automati ¬ sche Fehlerkorrektur durch neuberechnete Einstelldaten. Voraussetzung ist hierbei, dass die Maschinen so ausreichend mit Sensoren versehen sind, dass Variationen des Prozesses, die Ausschuss verursachen, tatsächlich erfasst werden, es sich also um merkmalsvollständige Maschinen handelt. Unter einer Wechselfließfertigung verstehen wir eine diskrete oder Semifließfertigung . Wichtige Fertigungsmaschinen in einer Wechselfließfertigung sind Urformmaschinen, Bearbeitungs- maschinen und Montagemaschinen.

Unter einer rückverfolgbaren Wechselfließfertigung verstehen wir eine Wechselfließfertigung, in der der Materialfluss mit Hilfe von Seriennummern und Tags, z. B. Barcode oder RFID, gesichert ist. In einer rückverfolgbaren Fertigung können also die Transportlose oder die einzelnen Teile oder Baugrup ¬ pen elektronisch identifiziert werden.

Auch das erfindungsgemäße Verfahren gliedert sich hierzu, wie bereits das Six Sigma-Verfahren, in fünf Schritte, nämlich das Definieren, das Messen, das Klassifizieren, das Verbessern und die Vorhersage. Im Wesentlichen unterscheidet sich das Verfahren also durch die Schritte 3 und 5 vom Six Sigma- Verfahren. Außerdem ist das Six Sigma Verfahren eine Anwei- sung an den Menschen bzw. die Pro ektgruppe, das erfindungs ¬ gemäße Verfahren erfolgt automatisch durch Berechnungen eines Prozessrechners in Kommunikation mit der Maschinensteuerung.

Erforderlich ist im Verfahren zunächst, dass definiert wird, wann ein Fehler auftritt, der ein Werkstück zu einem Ausschussteil macht, und wann ein Werkstück als Gutteil anzuse ¬ hen ist.

Fehler können automatisch durch Messinstrumente bestimmt wer- den, oder durch Personen klassifiziert werden. Da verschiede ¬ ne Messinstrumente verschieden kalibriert sein können oder verschiedene Personen eine unterschiedliche Auffassung über gut und schlecht haben, sind die Informationen, woher das attributive Merkmal stammt, durchaus wesentlich.

Gewünscht sind bei der Definition zunächst Informationen über den Fehlergrund, den Fehlerort, die Auftragsnummer, die

Schussnummer bzw. Losnummer, sowie das Messinstrument bzw. die Personalnummer der die Einschätzung vornehmenden Person.

In praktisch allen Fertigungsbetrieben werden Fehler in der Fehlersammelkarte erfasst. Dies geschieht entweder durch

Strichlisten auf Papier oder durch Eingabe in einen Rechner oder ein BDE-Gerät oder direkt in die Maschinensteuerung.

Der Unterschied zu der üblichen Fehlersammelkarte ist hierbei der Bezug zur Schussnummer bzw. zur Losnummer. Falls die Fehler an mehreren Orten des Teils auftreten können, ist eine zusätzliche Erfassung des Fehlerorts günstig.

Das Messen erfolgt sodann während des Abmusterungsprozesses und des Herstellungsprozesses. Der vollständige Satz aus

Messwerten der Fertigungsmaschine und dazugehörigen Parame ¬ tern, und der Messkurven aus den Messungen im Werkzeug wird im Prozessrechner zum Zwecke der Analyse mit Speicherung der Schussnummer bzw. Losnummer abgespeichert. Dies ist möglich, denn wir haben die RückVerfolgbarkeit mit Tags vorausgesetzt.

Bei üblichen Fertigungsverfahren, wie etwa dem Spritzgießen, kann es mitunter mehr als einhundert verschiedene Prozesswer ¬ te geben, also ist der Raum der Prozesswerte hochdimensional . Eine Prozessdatenkurve kann sogar die Dimensionalität deut ¬ lich erhöhen, denn eine Kurve kann aus Tausenden von Punkten bestehen. Für das Umformen ist es typisch, dass ein zeitlicher Versatz einer Prozessdaten-Kurve sich nicht auf die Qua- lität auswirkt, die einer Prozessdatenkurve zugrunde liegen ¬ den Werte müssen in diesem Fall also zeitlich normiert werden . Ausschuss entsteht durch eine Variation des Prozesses. Ist die Fertigungsmaschine eine Urformmaschine, so sind die mög ¬ lichen Prozesswerte nur die Prozesswerte der Urformmaschine. Bei einer Fertigung mit mehreren Arbeitschritten sind alle Prozesswerte zu beachten, die den Ausschuss verursacht haben können.

Aufgrund der Definition und der Messung liegt nunmehr ein Zusammenhang zwischen attributiven Merkmalen (Fehlergrund und ggf. Fehlerort) und der Schussnummer bzw. der Losnummer vor. Im Fall, dass eine Zuordnung zur Schussnummer möglich ist, kann das jeweilige Gutteil bzw. Ausschussteil direkt identi ¬ fiziert werden.

Im folgenden wird die folgende Notation verwendet werden: i Schussnummer bzw. Losnummer

γ± Vektor der Prozesswerte

Y Raum der möglichen Prozesswerte

X Raum der Einstelldaten

Wir wollen nun bestimmen, welche Prozesswerte welchen Aus- schuss verursachen.

Dazu müssen wir Bereiche A c Y und A c Y der Prozessdaten bestimmen, so dass für Prozessvektoren y genau dann Ausschuss auftritt, wenn y e A und genau dann Ausschussgrund j auf- tritt, wenn y e Aj. erweist sich als vorteilhaft, das Problem in der Sprache Funktionen zu beschreiben. Im folgenden wird mit

Z die Menge mit den Zahlen 0 und 1, d h. {0,1} bezeichnet. Es werden nun die Funktionen

f Y - > Z

gesucht, wobei

fj (Yi) = 1

falls Schuss i das Attribut j besitzt, also y± e A

fj (Yi) = 0

falls dies nicht zutrifft, also γ± £ A j .

Die Funktion

f : Y -> Z

soll die Gutteile im Raum der möglichen Prozesswerte von den Ausschussteilen trennen.

Als Hilfsmittel stehen hierbei Punkte (yi, z±) zur Verfügung, die angeben, ob bei Schuss i der Ausschussgrund j aufgetreten ist .

Zum Auffinden einer geeigneten Funktion auf der Basis gemessener Datenbestände D = ( (y lf zi) , ... (y n , z n ) ) können verschie ¬ dene Verfahren verwendet werden. Diese Verfahren nennt man Klassifikationsverfahren .

Die Qualität dieser Verfahren kann man mit einer Loss- Funktion

L : Y x Z x R -> R

welche die Abweichung misst. Hierbei ist es die Aufgabe, Funktion

f : Y -> Z

mit minimalem Verlust zu finden. Das gegenwärtig beste Klassifikationsverfahren ist SVM, oder Support Vector Machines. Dieses Klassifikationsverfahren konvergiert sehr schnell und die Konvergenz zur richtigen Ziel ¬ funktion wurde schon unter schwachen Voraussetzungen bewie- sen .

Die Loss-Funktion wurde von den Zahlen 0,1 e Z auf die ganzen reellen Zahlen verallgemeinert. Hierzu kann im Falle der Klassifikation z. B. die Hinge Loss-Funktion

L(z,t) := max(0,l - z * t)

und die logistische Loss-Funktion

L(z,t) := ln(l + exp(-z * t))

verwendet werden. Das Klassifikationsverfahren SVM mit diesen Loss-Funktionen hat schon einen breiten Einsatz bis hin zur automatischen Erkennung von Buchstaben und Ziffern z.B. bei dem automatischen Einlesen der Bankbelege.

Gute Klassifikationsverfahren bieten zudem eine Dämpfung, die das mit Messfehlern einhergehende Problem der Ungenauigkeit mindert. Bei allfällig auftretenden Fehlklassifizierungen durch Mensch und Maschine dürfen diese Messfehler bei der Bestimmung der Klassifikation nicht abgebildet werden, sondern sollen vielmehr ausgeblendet werden. Dieses vorstehende Klassifikationsverfahren SVM kann, wie bereits erwähnt, eingesetzt werden, sofern einem Ausschuss ¬ stück seine Schussnummer eindeutig zugeordnet werden kann. Liegt für ein Ausschussteil jedoch lediglich die Losnummer zu einem Los vor, in welchem das Ausschussteil anonym enthalten ist, so wird stattdessen ein Rasterfahndungsverfahren angewendet. Die Rasterfahndung ist viel ungenauer, als die vorstehende Klassifikationsmethode. Das Rasterfahndungsverfahren verwendet die vier Schritte der Datenbereinigung, der Normalisierung, der Ausreißerdetektion und der Klassifikation. Im ersten Schritt, der so genannten Datenbereinigung, werden diejenigen Prozesswerte aus der weiteren Untersuchung ausgeschlossen, die durch Fehler der Sensoren oder während eines Maschinenstillstandes entstanden sind. Im zweiten Schritt, der Normalisierung, werden die Prozesswerte mittels der bekannten Z-Transformation in ihre Normalform gebracht. Die Z-Transformation ist eine lineare Trans ¬ formation, die den Mittelwert auf 0 und die Standardabwei ¬ chung auf 1 oder -1 verschiebt. Mittels dieser Transformation werden Prozesswerte also vergleichbar und Variationen, also mögliche Ausschussursachen, sichtbar.

Im dritten Schritt, der Ausreißerdetektion, werden starke Variationen automatisch herausgesucht. Das Ergebnis der Aus- reißerdetektion ist eine Liste möglicher Ausschussteile und entsprechender Ausschussursachen. Unter diesen Möglichkeiten muss die richtige Ursache ermittelt werden.

Ausschuss entsteht durch das Zusammenwirken von Varianzen einzelner Prozesse. Sofern Prozesswerte lediglich geringe Varianzen zu Sollwerten aufweisen, kann davon ausgegangen werden, dass es sich bei diesen Teilen nicht um die Ausschussteile handelt. Es verbleiben lediglich diejenigen Teile als mögliche Ausschussteile, welche eine große Varianz von den Sollwerten besitzen. Anhand statistischer Verfahren wird nun geprüft, welche Arten der Abweichung mit früheren Ausschussteilen übereinstimmen. Hieraus wird der Prozessrechner eine ernste Hypothese ableiten können. Mit dieser Hypothese werden sodann die Prozesswerte der Gut ¬ teile überprüft, ob hier gleichartige Variationen aufgetreten sind. Falls das nicht der Fall ist, so wird ein Zusammenhang zwischen den gefundenen Variationen der Prozesswerte und dem Ausschussgrund und den Ausschussort angenommen.

Dieses Verfahren kann vollautomatisch während einer Produktion ablaufen. Um Ausschuss zu minimieren, ist es wichtig, dass das Verfahren mit geringer Rechenzeit ohne menschliches Ein ¬ greifen zu Ergebnissen kommt.

Um selbsttätig das Ausschussteil und die Ausschussursache ermitteln zu können, muss ein Ausschusskegel der Dimension k definiert werden, wobei k die Anzahl der Prozesswerte des

Werkstücks ist. Ein k-dimensionaler Ausschusskegel ist durch die Konjunktion von k unabhängigen Bedingungen bestimmt.

Ausschuss mit definiertem Grund und Ort kann mehrere Ursachen haben. Jede dieser Ursachen ist beschrieben durch eine Hornformel, also durch eine Konjunktion von k unabhängigen Bedingungen der erfassten Messwerte. Jede der Bedingungen hat die Form

x(i) > G

oder

x(i) < G oder x(i) = G.

Ausschuss mit einer Ausschussursache kann man also in der Geometrie des Raums der Prozessvektoren beschreiben, es ist der k-dimensionale Kegel der Punkte im Raum der Messwerte, der die Konjunktion der k Bedingungen der Hornformel erfüllt. In einem weiteren Schritt des Verfahrens werden mögliche Aus ¬ schusskegel bestimmt. Zu jedem Los gehört dabei die Menge der Prozessvektoren jedes Teils. Unter Prozessvektoren wird, wie bereits oben erwähnt, die geordnete Folge der erfassten Pro- zesswerte verstanden. Diese werden normiert und dadurch vergleichbar, mit dem Effekt, dass die Ausschussteile anschlie ¬ ßend unter denjenigen normierten Prozessvektoren zu finden sind, bei denen absolut große Werte auftreten. Die betreffen ¬ den Prozessvektoren werden in kürzester Zeit vom Prozessrech- ner mittels mathematischer Verfahren ermittelt, hieraus kann wiederum ein Ausschusskegel bestimmt werden, in dem alle er ¬ mittelten Ausschussteile liegen und welche somit einen be ¬ stimmten Ausschussgrund an einem bestimmten Ausschussort kennzeichnen .

Auch das vorbeschriebene Rasterfahndungsverfahren ist ein Klassifikationsverfahren, mit den Ausschusskegeln werden Bereiche des Prozessdatenraums bestimmt, bei denen Ausschuss auftritt. Die dazu gehörende charakteristische Funktion ist eine Klassifikationsfunktion.

Mit Hilfe der Klassifikationsfunktion ist nun eine online Ausschuss-Diagnose möglich. An der Maschine werden online die Prozessdaten erfasst. Die Klassifikationsfunktion lässt sich in einigen Millisekunden auswerten und damit kann das Ausschussteil erkannt werden und automatisch aussortiert werden. Die automatische Klassifikationsfunktion kann gegebenenfalls mit einem Maschinenprüfplan kombiniert werden, der Prozesswerte in Grenzen überwacht.

Es reicht aber nicht aus, Ausschussteile auszusortieren, die Maschine soll so eingestellt werden, dass keine Ausschusstei ¬ le entstehen. Bei der nachfolgenden Verbesserungsphase werden auf Konzepte zurückgegriffen, welches auch gemäß Six Sigma eingesetzt wird. Grundsätzlich wird hierbei versucht, die Prozesswerte so zu beeinflussen, dass die Ausschussrate auf 6σ, also auf drei Ausschussteile je Million Werkstücke ge- senkt wird. Dies versucht man unter anderem dadurch zu errechnen, dass man den erwarteten Prozesspunkt μ so wählt, dass μ einen Abstand von 6σ von allen Prozesspunkten hat, an denen Ausschuss entsteht. Um einen solchen Punkt zu finden, müssen die Ausschussgründe analysiert werden. Vorraussetzung dabei ist, dass bei einer Produktion am Mittelwert die produzierten Teile ausschussfrei sind . Die führenden Klassifikationsverfahren trennen die verschiedenen Klassen ( hier Ausschuss und Gut) durch eine differenzierbare Fläche, also wir können hier Tangentialebenen und den Abstand zum Erwartungswert bestimmen. Hat beispielsweise ein betrachteter, normalisierter, mittlerer Prozesswertevek- tor von der Abbruchkante einen Abstand von 2σ, so soll dieser Abstand auf 6σ erhöht werden. Mit Abbruchkante bezeichnen wir einen Randpunkt des Ausschussbereichs.

Zunächst wird dazu im Prozessraum nach einem Punkt μ mit Ab- stand 6 o zur Abbruchkante gesucht; dazu gibt es eine Vielzahl von Methoden der klassischen mehrdimensionalen Geometrie. Eine einfache Methode verwendet die Tangentialebene der Randfläche des Ausschussbereichs und konstruiert dazu den Normalenvektor. Der Mittelwert soll von der Abbruchkante auf den Abstand 6 o verschoben werden, um gute Qualität sicherzustellen. Der gefundene Punkt kennzeichnet die Zielprozesswerte, welche sich anstelle des zu Ausschussteilen führenden Pro- zesswertevektors einstellen sollen. Bei der Berechnung ist zu beachten, dass ein Ausschussgrund mehrere Ursachen haben kann; das bedeutet, dass es mehrere nicht zusammenhängende Bereiche des Prozessraums geben kann, die den gleichen Ausschussgrund verursachen.

Wenn es nicht möglich ist, einen Abstand von 6o zur einem Gebiet, bei dem Ausschuss entsteht, herzustellen, so ist ent ¬ weder mit einer geringeren Qualität vorlieb zu nehmen, oder das Werkzeug oder das Produkt zu korrigieren. Das Berech ¬ nungsverfahren such in diesem Fall einen Punkt mit größt möglichen Abstand zu den Prozesswerten, die Ausschuss verursa ¬ chen . Es gibt zwei Alternativen zu dieser Verbesserungs-Berechnung

Die Zykluszeit des Herstellungsprozesses kann als zusätzli ¬ ches Ziel hinzugezogen werden. Eine solche Berechnung ist bei ausreichend Daten möglich, denn es handelt sich um konvexe

Optimierung. Im allgemeinen sind aber nicht ausreichend Daten zur Verfügung.

Es ist möglich, die Verbesserungsphase mit der folgenden Vor ¬ hersagephase zusammen durchzuführen oder zu vertauschen. Man wandelt dabei die Entfernung zur Randfläche und ggf. Zyklus ¬ zeiteinsparungen in Zielgrößen zur Auswahl eines Einstelldatensatzes um. Eine solche Vertauschung entspricht zwar der Ingenieursdenkweise, widerspricht aber allem, was wir über gute Berechnungsverfahren in der Theorie statistischen Ler- nens wissen. Ausgehend von den so ermittelten Zielprozesswerten wird abschließend eine Ermittlung der erforderlichen Einstelldaten vorgenommen . Während der Messphase sind mehrere Einstelldatensätze gespei ¬ chert worden und zu jedem Einstelldatensatz Xi mehrere Prozesswerte, zu denen wir Mittelwert und Standardabweichung bestimmt haben. Jedem Einstelldatensatz ordnen wir nun seinen Erwartungswert yi (d. h. seinen Mittelwert) und seine Stan- dardabweichung zu.

Aus den gemessenen Einstelldaten und Prozessdaten (xi, yi) wird nun möglichst genau eine Funktion

f : X -> Y bestimmt,

welche die gemessenen Werte möglichst gut annähert und ge ¬ dämpft ist, um die Messfehler möglichst weitgehend auszuglei ¬ chen .

Bevor ein solches Vorhersage-Verfahren genutzt wird, sollte geprüft werden, ob die Anzahl der Daten hierfür auch ausreichend ist. Bei einer hohen Anzahl von Dimensionen und kleinen Datenbeständen empfiehlt es sich, zunächst ein Verfahren zur Dimensionsreduktion zu verwenden. Danach wird ein Vorhersage-Verfahren verwendet, um den Zusammenhang zwischen Einstelldaten und Prozessdaten zu errechnen.

Schließlich wird mit Hilfe der errechneten Funktion f der gesuchte Einstelldatensatz bestimmt. Dies geschieht mit einem lokalen Verfahren.

Prof. Ingo Steinwart (Los Alamos) hat 2007 bewiesen, dass die einzige gültige Lossfunktion in einer aus Erwartungswerten entstandenen Fragestellung der euklidsche Abstand ist. Die mathematische Aufgabenstellung ist es nun, eine optimale Funktion f : X -> Y zu finden, die Σ I I f (x±) - Yi II 2 + λ I |f I | 2 minimiert. Der erste Summand misst den Abstand der Bildpunkte der Einstelldatensätze zu den gemessenen Mittelwerten der Prozessdaten, der zweite Summand ist ein Dämpfungsterm, um eine zu große Reaktion auf Messfehler zu verhindern. Anstelle der Ridge Dämpfung λ | |f | | 2 können eine Vielzahl anderer Dämpfungsterme verwendet werden, z.B. das Lasso, Teilmengen ¬ selektion oder das elastische Netz. Anstelle des euklidschen Abstands kann man auch andere Abstandsmessungen verwenden, aber mit schlechteren Ergebnissen.

Die Bestimmung einer optimalen Funktion f : X -> Y,

die eine Summe aus Abstand und Dämpfung minimiert, nennt man

Prediction oder Vorhersage.

Es gibt mehrere Vorhersageverfahren, die das obengenannte Optimierungsproblem lösen, das beste Verfahren ist SVM (Support Vector Machines) . Für SVM ist eine gleichmäßige Konver ¬ genz zu einer Optimalfunktion f : X -> Y bewiesen.

Mit den so genannten Gaußschen Kernen gelingt zudem eine explizite Darstellung einer Lösung auf Basis des gemessenen Datenbestandes D = { {x lr γ λ ) , ... , (x n , y n ) } . Die gefundene Lösung legt sich wie ein Gaußscher Schlauch um eine Teilmenge von D; diese Teilmenge nennt man Support Vektoren.

Das hier gefundene mathematische Ergebnis deckt sich perfekt mit den Erfahrungen der Ingenieure : Der Zusammenhang zwischen Einstelldaten und Prozessdaten weist eine Gaußsche Ungenauigkeit auf.

Der allgemeine Konvergenzbeweis des SVM-Verfahrens (Support Vector Machines) stellt dabei sicher, dass automatisch eine fehlerfreie Einstellung der Fertigungsmaschine errechnet wer ¬ den kann, sofern nur ein ausreichend großer Satz an Messdaten zu Verfügung steht . Ziel ist es nun, die Maschine so einzustellen, das der Mit ¬ telpunkt der Prozesswerte genau der mit dem Verbesserungsver ¬ fahren nach Six Sigma bestimmte Punkt μ ist.

Die Prozesswerte können zur Vereinfachung in normalisierter Form betrachtet werden, also durch eine Z-Transformation jedes Prozesswertes mit

Z = (w - μ) / o.

Die Z-Transformation bildet μ auf 0 ab. Es wird folglich ein Punkt xo gesucht, für den

f(xo) = 0

gilt. Ein schnell konvergierendes Verfahren ist der Robbins- Munro-Algorithmus . Die Idee dieses Verfahrens stammt von der Bestimmung des so genannten „Maximum likelyhood"-Mittelwerts ML (N) 1/N Σ χ ■n l/N (N-l) /N U L (N _D uML (N-i) + l/N - ( x N U L (N _i) )

Nach N-l Beobachtungen wird demnach μ abgeschätzt durch μΜΙ, (N-l)

Wird nunmehr der N-te Datenpunkt beobachtet, so kann eine neue Schätzung μΜ Ν) dadurch erhalten werden, dass die alte Abschätzung μΜ Ν-1) um einen schmalen Wert proportional zu 1/N in die Richtung des Fehlersignals

(x (N) - μΜΙ, (N-l) )

bewegt wird. Wenn N größer wird, so nimmt der Anteil späterer Datenpunkte ab.

Der Robbins-Munro Algorithmus schätzt den gesuchten Wert xo ab durch wobei die gewählten Koeffizienten folgende Voraussetzungen erfüllen müssen : lim a N = 0

Σ a N = unendlich

Σ a N 2 konvergiert . Die ersten beiden Bedingungen sichern, dass das Verfahren konvergiert, die dritte Bedingung sichert, dass das Rauschen der Messwerte das Ergebnis nicht stört.

Das vorstehende Verfahren nennen wir automatisiertes Six Sig- ma Verfahren, oder kurz A6o-Verfahren .

Die jetzt offene Fragestellung ist, für welche Fertigungsma ¬ schinen lässt sich das A6o-Verfahren anwenden. Am besten versteht man die Fragestellung, wenn man zuerst 3 Maschinen benennt, für die das Verfahren nicht anwendbar ist.

Wenn eine Maschine Apfelsaft presst und verwendet schlechte Äpfel, so kann das Ergebnis Ausschuss sein, ohne dass dafür Variationen des Prozesses verantwortlich sind. An diesem Beispiel lernt man, dass man das verwendete Material beachten muss und sich als erstes auf Urformmaschinen konzentrieren sollte .

Beim Glockenguss wird für jede Glocke eine neue Form erstellt und danach zerstört. Wir finden hier also keine Datenmenge D, bei der wir automatisch etwas über den Prozess lernen können. An diesem Beispiel lernt man, dass das Verfahren nur angewen- det werden kann, wenn die Maschine gleichartige Produkte in hoher Zahl herstellt.

An der Endmontagelinie eines Automobils entstehen so viel Daten, dass der Prozessraum viele tausend Dimensionen hat. Für unser SVM-Verfahren gilt der „Fluch der Dimensionalität" , bei zu vielen Dimensionen kann man nicht mehr klassifizieren oder vorhersagen. Das Toyota Problem mit den Gaspedalen wäre nicht zu lösen gewesen. Hätte aber jedes Pedal eine Serien ¬ nummer gehabt und wären die Prozessdaten einschließlich Werk- zeuginnendruckkurve zu dem Pedal verfügbar gewesen und hätte man sich auf Pedale beschränkt, so wäre das Problem früh lös ¬ bar gewesen. An diesem Beispiel lernt man, dass die Rückver- folgbarkeit und Dimensionsbeschränkung eine entscheidende Rolle spielt.

Wir können jetzt allgemein die Voraussetzungen benennen, unter denen das A6o-Verfahren zur Klassifikation und Vorhersage konvergiert : Α6σ1 : Merkmalsvollständigkeit

Zu jedem definierten Ausschussgrund eines produzierten Teils oder produzierten Baugruppe können Variationen des Prozesses oder Variationen von zugelieferten Materialien festgestellt werden .

Α6σ2 : RückVerfolgbarkeit

Die Fertigungsmaschine produziert in ausreichender Menge identifizierbare Teile bzw. Baugruppen, oder identifizierbare Lose. Die Eingangslose können automatisch erkannt werden.

Α6σ3 : Dimensionsbeschränkung

Die Anzahl der einen Fehler verursachenden Faktoren oder Di- mensionen ist wesentlich kleiner, als die Anzahl der gemessenen Teile.

Die Forderung der Dimensionsbeschränkung reduziert die Anwendung des Verfahrens auf lokale Probleme. Es stellt sich nun die Frage, sind die Forderungen der Merkmalsvollständigkeit und der RückVerfolgbarkeit bei üblichen Maschinen, wie z. B. Spritzgießmaschinen zur Herstellung technischer Teile, heute schon erfüllt? Die Antwort ist, im Prinzip ja, aber so wie die Betriebe heute arbeiten, sind die anfallenden Daten noch nicht nutzbar.

moderne Werkzeuge von Spritzgießmaschinen haben Werkzeuginnendrucksensoren, aber die Daten werden nicht gespeichert .

Moderne Spritzereien haben Materialversorgungs- Anlagen, aber deren Daten sind nicht abgeglichen mit der Spritzgießmaschine.

Moderne Spritzgießmaschinen können die Prozessdaten mit einer Hostschnittstelle bereitstellen, aber die Daten sind oft wegen eines Auftragsstarts zum fal ¬ schen Zeitpunkt unbrauchbar.

Ausschussgründe werden erfasst, aber ohne Bezug zu Los- und Schussnummer.

- Der identifizierende Tag des Transportloses wird

meist im Lager manuell erstellt und ist manchmal falsch und hat keinen Bezug zu den Prozessdaten.

Im folgenden beschreiben wir ein Verfahren zum Betrieb von Urformmaschinen, Bearbeitungs- und Montagemaschinen, die alle benötigten Daten für das Verfahren bereitstellen.

DIN 8580 bezeichnet alle Fertigungsverfahren, in denen aus formlosen Stoff ein Werkstück hergestellt wird, als Urformen. Für die wesentlichen Urformverfahren , wie z.B. Kunststoff- und Metallgießen, gilt, dass ein hergestelltes Teil eindeutig durch Werkzeug und Material bestimmt ist; die hierzu gehören ¬ den Maschinen mit Steuerung und Hostschnittstelle nennen wir Urformmaschinen .

Es gibt wenige Ausnahmen, die wir ausschließen, wie Glocken- guss, der individuell durch die Zerstörung des Werkzeugs ist, sowie Sprühkompaktieren, wobei das Verfahren beachtet werden muss .

Mit Werkzeug bezeichnen wir die Gesamtheit aller das Material formenden Teile. Insbesondere fassen wir das zweiteilige Werkzeug der Profilextrusion zu einem Gesamtwerkzeug zusammen .

Bei einer solchen Urformmaschine kann es sich beispielsweise um eine Spritzgießmaschine handeln, der von einer Materialzu ¬ führung das erforderliche Material zur Herstellung eines Werkstücks zugeführt wird und die dann mithilfe des Werkzeugs aus dem Material in einer vorgegebenen Farbe ein Werkstück herstellt. Dieses Werkstück, das als solches auch eine weiter zu bearbeitende Urform darstellen kann, ist durch die Farbe, das verwendete Material und das formende Werkzeug eindeutig definiert. Unabhängig davon, welcher Auftrag von der Auftragsplanung bereitgestellt wird, ist der Artikel somit durch diese drei Faktoren vorgegeben, so dass die Erfindung die grundsätzliche Erkenntnis verwirklicht, dass ausgehend von den tatsächlich vorhandenen Faktoren ein geeigneter Auftrag auszuwählen ist. Zum Begriff des Auftrags im Sinne der Erfindung ist das Folgende auszuführen.

Unterschiedliche Fertigungen haben unterschiedliche Auftrags- arten. Im Sinne dieses Textes definiert der Auftrag die zur betroffen Fertigungsart gehörende Auftragsart. Die gebräuch ¬ lichsten vier Auftragsarten sind die anonyme Fertigung, Kan- ban, die Serienfertigung und die Kundenauftragsfertigung. In der anonymen Fertigung werden mehrere Bedarfe zu Fertigungsaufträgen zusammengefasst . Fertigungsaufträge können auch aus Losgrößenstrategien entstehen. In der anonymen Fertigung gibt es zu jedem zu fertigenden Artikel einen eiligen Fertigungsauftrag .

Kanban-Aufträge sind Fertigungsaufträge mit Losnummern. Die Sequenz der Losnummer gibt die Reihenfolge der Abarbeitung vor . In der Serienfertigung arbeitet die Produktion nicht mit Aufträgen und meldet artikelbezogen zurück. Die Arbeitsvorberei ¬ tung verwendet Planaufträge zur Planung. Die Planaufträge können in der Wechselfließsteuerung wie normale Fertigungsaufträge verwendet werden.

Um Rüsten zu sparen, werden Kundenaufträge mit gleichem Werk- zeug und Material hintereinander gefertigt in einer vorgege ¬ benen Sequenz .

Um nunmehr zunächst einen geeigneten Auftrag auszuwählen, beginnt erfindungsgemäß das Herstellungsverfahren eines Werk- Stücks mit der Auswahl eines Werkzeugs sowie der Anlieferung des Materials in einer bestimmten Zusammensetzung und Farbe, in einer Weise, dass die Maschinensteuerung sowohl das Werkzeug als auch die Zusammensetzung des Materials und dessen Farbe vorab ermitteln kann. Diese tatsächlich vorhandenen Faktoren werden in einer Anfrage an den Prozessrechner, auf dem die Auftragsplanung läuft, zusammengefasst und an diesen gesendet. Der Prozessrechner wird nunmehr prüfen, welches Werkstück mit den vorhandenen Faktoren hergestellt werden kann und anhand dessen weiterhin prüfen, welcher Auftrag aus der Auftragsplanung hierfür in Frage kommt. Regelmäßig wird sich der Einrichter, der das Werkzeug an der Urformmaschine montiert, an den Vorgaben der Auftragsplanung orientieren, jedoch wird auf diese Weise ein möglicher Fehler des Einrichters, insbesondere bei der Auswahl des Werkzeugs, nicht dar- auf hinauslaufen, dass eine weitere Rüstzeit bis zum Beginn des Auftrags abzuwarten ist, sondern vielmehr, dass ein anderer Auftrag entsprechend der tatsächlichen Einrichtung vorgezogen wird, um die Rüstzeit für eine weitere Umrüstung zu sparen, jedoch gleichzeitig kein falsches Produkt zu produ- zieren und fehlerhaft der Lagerverwaltung zuzuführen.

Vielmehr wird der Prozessrechner den bestgeeigneten Auftrag auswählen und diesen der Maschinensteuerung der Urformmaschi- ne bereitstellen, so dass diese anhand der in dem Auftrag enthaltenen Einstelldaten den fraglichen Auftrag korrekt abwickeln kann. Somit ist gewährleistet, dass eine Optimierung der Abläufe im Hinblick auf die Rüstzeiten und gleichzeitig eine wirkungsvolle Vermeidung von Fehlern im Bereich der nicht werthaltigen Schritte der Auftragsanmeldung und Auftragsabmeldung stattfindet.

Ausgeführt ist ein derartiges Verfahren vorliegend für Ur- formmaschinen, jedoch lässt sich ein derartiges Vorgehen mit einigen Anpassungen auch auf andere Bereiche übertragen, insbesondere auch auf Bearbeitungsmaschinen und Montagemaschinen . Die Ermittlung der erforderlichen Indikatoren für die drei

Faktoren Werkzeug, Materialzusammensetzung und Materialfarbe kann direkt von der Urformmaschine durchgeführt werden, je ¬ doch kann die Ermittlung dieser Faktoren auch über eine einfache Mitteilung von anderen Maschinen erfolgen. So kann bei- spielsweise eine Materialzuführung über eine Dosieranlage erfolgen, die ihrerseits Farbe und Materialzusammensetzung ermittelt und an die Maschinensteuerung weiterleitet. Mit Dosieranlage bezeichnen wir hierbei alle Aggregate, die zur Versorgung mit Material benötigt werden. Dabei kann unter Umständen mehr als eine Steuerung betroffen sein. Bei dem

Spritzgießen und der Extrusion ist die Steuerung der so genannten „blending line" eine andere als die Steuerung der „Storage line" oder „conveying line". Alle Linien werden be ¬ grifflich zu einer Anlage zusammengefasst .

Zur Erfassung der erforderlichen Indikatoren kann bei einer manuellen Materialzuführung ein Einlesen eines Tags, beispielsweise eines Barcodes, erfolgen, anhand dessen die Do- sieranlage die erforderlichen Informationen ermitteln kann. Bei einer automatischen Materialzuführung, die zunehmend üblich wird, können die Einstelldaten dieser automatischen Materialzuführung an die Dosieranlage weitergeleitet werden, welche die erforderlichen Indikatoren dann hieraus ermitteln kann. Die Dosieranlage vermischt die ihr zugeführten Materia ¬ lien, insbesondere die Farbe, das Regranulat und den Master- batch, und stellt hieraus den zu verwendenden Kunststoff her. Dieser wird der Urformmaschine, beispielsweise einer Spritz- gießmaschine, bereitgestellt, die den Kunststoff aufbereitet und mithilfe des Werkzeugs das Werkstück formt.

Der dritte Indikator, der zur eindeutigen Bestimmung eines herzustellenden Werkstücks benötigt wird, ist ein Hinweis auf das verwendete Werkzeug. Dieser Werkzeug-Indikator kann bei ¬ spielsweise durch das Auslesen eines mit dem Werkzeug verbun ¬ denen Tags, beispielsweise eines Barcodes oder eines RFID- Tags, realisiert werden, denkbar ist jedoch auch jede andere Identifikationsmöglichkeit, mit der das Werkzeug identifi- ziert werden kann. Hierbei ist nicht unbedingt eine ein ¬ eindeutige Identifizierung erforderlich, vielmehr genügt grundsätzlich die Art des Werkzeugs. Bei einer ein ¬ eindeutigen Kennung des Werkzeugs können eventuelle Eigenhei ¬ ten dieses Werkzeugs jedoch ebenfalls berücksichtigt werden, so dass dies sinnvoll erscheint. Erfordert beispielsweise ein Werkzeug das Einspritzen des Kunststoffs mit einem höheren Druck als ein anderes Werkzeug zur Herstellung des gleichen Werkstücks, so kann dies bei einer ein-eindeutigen Zuordnung der Kennung mit berücksichtigt werden und verbessert nochmals das Ergebnis des Herstellungsprozesses.

Der Werkzeug-Indikator wird also durch ein Verfahren ermittelt, bei dem die Urformmaschine das Werkzeug erkennt, oder auf Plausibilität überprüft. Der einfachste Fall ist die Werkzeugerkennung. Aus Kostengründen wird meist darauf verzichtet. Die Prüfung eines Werkzeugs läuft in folgenden

Schritten ab: Der Einrichter lädt einen Einstelldatensatz in die Steuerung der Urformmaschine. In dem Einstelldatensatz sind eine Vielzahl von Informationen enthalten, die das Werkzeug betreffen. Die Urformmaschine prüft nun, ob die Ein ¬ stelldaten und die von Werkzeug erfassten Daten zusammenpassen. Auf diese Art und Weise ist die Werkzeuginformation in der Urformmaschine fehlerfrei.

Üblicherweise teilen sich Herstellungsprozesse in so genannte werthaltige Schritte und nicht werthaltige Schritte, wobei beispielsweise die Kundenauftragsannahme, das Spritzgießen bzw. Herstellen des Werkstücks und dessen Verpackung werthaltige Arbeitsschritte darstellen, wohingegen die Auftragsanmeldung und -abmeldung, die Artikelerkennung oder die Einlagerung nicht werthaltige Schritte darstellen, also Schritte, die nicht am Produkt direkt ablesbar sind und damit dessen Wert für den Kunden nicht direkt bestimmen. Infolgedessen hat die Erfahrung gezeigt, dass nicht werthaltige Schritte oft schlampig und daher fehlerhaft ausgeführt werden. Bei übli ¬ chen Urformmaschinen erfolgt beispielsweise die Umrüstung des Werkzeugs, die Auftragsanmeldung und Auftragsabmeldung etc. manuell, so dass hierbei eine Reihe von Fehlern auftreten kann. Derartige Fehler sind beispielsweise fehlende oder ver ¬ spätete Auftragsanmeldung und Auftragsabmeldung, falsche manuelle Stückzahlbuchung oder auch die Fehlerkennung der tatsächlich produzierten Artikel.

Bei der Fehlbuchung von Artikeln läuft dies darauf hinaus, dass sich im Lager zunehmend falsch gebuchte oder falsch hergestellte Artikel ansammeln, die zwar Lagerkosten verursa- chen, aber auf Grund ihrer Fehlbuchung für die Disposition nicht verfügbar sind. Zudem erfordert dies eine neue Produk ¬ tion der hierdurch fehlenden Artikel, so dass nochmals Rüst ¬ kosten, Materialkosten und Arbeitszeit hinzutreten.

Es kann somit festgestellt werden, dass es ein großes Anlie ¬ gen der Hersteller ist, die Fehleranfälligkeit, insbesondere bei den nicht werthaltigen Schritten, dadurch zu senken, dass diese Schritte in hohem Grade automatisiert werden.

Im Rahmen eines Transports werden die Werkstücke zu Losen zusammengefasst ; für die RückVerfolgbarkeit ist es nötig, dass entweder die Werkstücke oder Lose identifiziert werden können .

Zu jedem Los werden mit einigem Vorteil Prozessdaten, die bei der Herstellung erfasst werden, gespeichert, wobei eine das Los eindeutig identifizierende Loskennung verwendet wird. Auf diese Weise werden die bei der Produktion anfallenden Pro- zessdaten dem jeweiligen Los virtuell anverbunden, so dass bei späteren Fehlern oder Beanstandungen Rückschlüsse auf die Ursachen für derartige Beanstandungen gezogen werden können.

Um auch menschliche Fehler bei der Kennzeichnung der einzel- nen Lose auszuschließen, wird eine Loskennung direkt im Prozessrechner oder auch in der Maschinensteuerung erstellt und direkt an ein Mittel zur Herstellung eines Tags, beispiels ¬ weise wiederum eines RFID-Tags oder eines Barcodes, weiterge ¬ leitet, so dass ein entsprechendes Tag für jedes Los erstellt werden kann. Nach der Herstellung des entsprechenden Tags wird das der darauf gespeicherten Loskennung entsprechende Los mit dem fraglichen Tag verbunden, so dass idealerweise ein Eingriff in den Herstellungsprozess nicht erfolgt, bevor eine Kennzeichnung des Loses mit der Loskennung erfolgt ist.

Um die Verbringung des jeweiligen Loses von der Urformmaschi- ne bis hin zum Anbringen des Tags ebenfalls möglichst ohne Eingriffe von außen zu gestalten, erfolgt der Transport bei ¬ spielsweise über einen Robot; alternativ oder ergänzend kann auch ein Transportband verwendet werden. Gegebenenfalls kön ¬ nen die Werkstücke auch auf diese Weise einer Endmontage zu- geführt werden, sowie eine losweise Verpackung der Werkstücke erfolgen. Anhand des verwendeten Tags, der dem Los nunmehr abschließend anverbunden ist, kann eine automatische Lager ¬ verwaltung mit den Daten des jeweiligen Loses dadurch gespeist werden, dass beim Eingang in das Lager das die Losken- nung enthaltende Tag als Lagereingang eingelesen wird.

Ein weiteres, im Rahmen der Erfindung gelöstes Problem betrifft den Transport der Werkstücke. In der Industrie ist eine Mehrmaschinenbedienung üblich, einem Maschinenbediener wird dabei eine Mehrzahl von Maschinen zugeordnet. Mehr als die Hälfte der Zeit läuft der Maschinenbediener durch die Halle und prüft, ob das Transportgebinde, also beispielsweise ein Wagen oder eine Kiste, voll ist. Mehr als die Hälfte des Aufwandes ist also Verschwendung.

Im Rahmen der vorliegenden Erfindung ist der Auftragsstart dem Prozessrechner bekannt. Danach wird beispielsweise das Werkstück vom Robot auf ein Förderband gelegt. Wenn das För ¬ derband mit konstanter Geschwindigkeit läuft, wie etwa bei Spritzgießmaschinen üblich, so kann mit der konstanten Geschwindigkeit die Anzahl der Teile auf dem Band errechnet werden. Falls das Band nicht mit konstanter Geschwindigkeit läuft, wie es üblicherweise bei Extrudern der Fall ist, so muss zusätzlich an einem Rad des Förderbandes dessen Ge ¬ schwindigkeit erfasst oder alternativ mit einer Lichtschranke gearbeitet werden. Beim ersten Transportgebinde ergibt sich die darin enthaltene Menge an Werkstücken aus der produzierten Menge, abzüglich der Menge auf dem Band. Die Sollmenge der Teile im Transport ¬ gebinde ist dem Prozessrechner oder auch einem eigens hierfür vorgesehenen Transportrechner eines Gebindeverteilers be- kannt, ebenso die Fertigungsgeschwindigkeit der Spritzgießma ¬ schine. Also kann der Rechner vorhersagen, wann die Sollmenge im Transportgebinde erreicht ist. Der Prozessrechner kennt zu jedem Zeitpunkt die Anzahl der Werkstücke im Behälter. Nun kann auf zwei alternative Arten weiter verfahren werden. Entweder tauscht der Maschinenbediener die Transportgebinde und bestätigt dies an einer Meldeeinheit. Dort wird dann ein Tag mit der richtigen Menge hergestellt. Der Maschinenbedie ¬ ner bringt das Tag auf. Alternativ tauscht der Maschinenbe- diener den vollen Behälter mit einem leeren und wiegt ihn mittels einer Waage. Die Waage errechnet aus dem Gewicht die Stückzahl im Behälter. Die Stückzahl der Waage wird vom Prozessrechner übernommen. Der Prozessrechner errechnet daraufhin die Menge im neuen Behälter.

Der Transport der Behälter soll geplant werden, um das unnö ¬ tige Herumlaufen des Maschinenbedieners einzusparen. Arbeits ¬ gänge dieses Typs erlauben eine automatische Optimalplanung. Damit kann der Prozessrechner anzeigen, wann welcher Maschi- nenbediener an welcher Maschine Transportgebinde abholen soll. Alternativ wird nur angezeigt, wo und wann ein Trans ¬ portgebinde abgeholt werden muss. Bei schweren Teilen kann der Maschinenbediener die Teile nur verpacken, aber nicht transportieren. Hier ist ein zusätzlicher Transport durch einen Unstetigförderer nötig, im allgemeinen ein Flurfahrzeug zum Transport einer Palette oder ei- nes Gestells. Auch dies kann nach gleichem Schema automati ¬ siert werden.

Zur Vollständigkeit sei erwähnt, dass der Prozessrechner nicht nur die Informationen hat, wann Material geholt werden muss, der Prozessrechner weiß auch, wo das Material hinge ¬ bracht werden muss.

Wenn eine Urformmaschine mit dem vorstehenden Verfahren betrieben wird, so entstehen zweifellos rückverfolgbare Daten.

Die Information, dass es sich bei einem Werkstück um ein Ausschussteil handelt, kann jedoch auch im Einzelfall nicht aus den Prozessdaten der Maschinensteuerung direkt ersichtlich sein, so dass dann zusätzliche Messungen direkt am Werkzeug nötig werden. Werkzeuginnendrucksensoren und Werkzeuginnentemperatursensoren werden zum Beispiel von Fa. Kistler angeboten und ein großer Anteil der Werkzeuge zur Herstellung technischer Teile ist mit Kistler Werkzeuginnendrucksensoren ausgestattet. Bei den meisten technischen Teilen reichen die Werkzeuginnendruckkurven alleine aus, um gute Teile und Aus ¬ schussteile zu unterscheiden. Die Werte von Werkzeuginnendruckkurven können wie normale Prozesswerte behandelt werden, wenn man die Kurven vorher zeitlich zentriert. Zur Analyse einer solchen Kurve eignet sich besonders kaskadierendes SVM, eine Variante von SVM für hohe Datenmengen.

Das vorbeschriebene Verfahren zur automatischen Auftragserkennung und Tag-Erzeugung nennen wir Wechselfließsteuerung. Vor Beschreibung der Wechselfließsteuerung haben wir als Beispiel dargestellt, dass eine normal betriebene Spritzgießma ¬ schine nicht den Anforderungen Α6σ1 : Merkmalsvollständigkeit und Α6σ2 : RückVerfolgbarkeit genügt. Wird eine Sprit zgießma- schine jedoch mit der Wechselfließsteuerung betrieben, so sind die Anforderungen der Merkmalsvollständigkeit und der RückVerfolgbarkeit erfüllt.

Das Αβσ-Verfahren und die Wechselfließsteuerung kann auch auf Gesamtsysteme aus Urformmaschinen, Bearbeitungsmaschinen und Montagemaschinen angewendet werden, wobei ein Materialfluss von der Urformmaschine zu möglicherweise mehreren Bearbei ¬ tungsmaschinen erfolgt und von dort zu Montagemaschinen. Un- ter Bearbeitungsmaschinen verstehen wir Maschinen mit Steuerung mit Hostschnittstelle und Tag-Lesern für ein- und ausge ¬ hende Teile oder Lose, die bearbeitende Tätigkeiten im Sinne von DIN 8580 Punkt 2-4 ausführt. Dabei wird vorausgesetzt, dass die Urformmaschine mit Tag gekennzeichnete Lose bereit- stellt. Von den Karosseriebaulinien der Automobilindustrie ist bekannt, dass die Bearbeitungsmaschinen dieser Linien so betrieben werden, dass das Tag der zu bearbeitenden Karosserie gelesen wird. Danach kann die Bearbeitungsmaschine mit den notwendigen Einstelldaten versorgt werden. Artikel und Auftrag können automatisch bestimmt werden. Voraussetzung ist nur, dass ein stabiler Tag am Eingangslos vorhanden ist. Genau das wird von der Urformmaschine bereitgestellt. Damit ist in Gesamtsystemen aus Urformmaschinen und Bearbeitungsmaschinen eine automatische Auftragsbestimmung möglich.

Ausschuss kann an einer Bearbeitungsmaschine auf 3 Arten ent ¬ stehen : Variationen des Bearbeitungsprozesses ohne Mängel des bearbeiteten Teils. Hier wird bei der Klassifikation der Prozessraum der Bearbeitungsmaschine zugrunde ge ¬ legt .

Fehler des bearbeitenden Teils. Hier wird der Fehler auf der vorhergehenden Prozess zurückverfolgt und dort klassifiziert.

Ein Zusammenwirken von Variationen der Herstellung des Eingangsteils und des Bearbeitens. In diesem Fall muss die Klassifikation des Fehlers im Produktraum der Prozessdatenräume und der Bearbeitungsmaschine erfolgen; hier ist eine erfolgreiche Klassifikation nur möglich, wenn der Fehler öfters auftritt. Das Αβσ-Verfahren kann an Montage-Maschinen angewendet werden, wenn sie die Bedingungen Α6σ1- Α6σ3 erfüllen. Wenn die Montagemaschine eine Hostschnitteile besitzt, sowie Tag-Leser für eingehendes und ausgehendes Material und das eingehende Material von Fertigungsmaschinen mit Αβσ-Verfahren herge- stellt wurde, so ist das Αβσ-Verfahren auch an der Montagema ¬ schine anwendbar. Dies gilt insbesondere für Montagemaschinen, die von Urform- und Bearbeitungsmaschinen beliefert werden .

B E Z U G S Z E I C H E N L I S T E

11 Sollwert

12 Unterer Grenzwert

13 Oberer Grenzwert

14 Ausschusskegel

15 Abbruchkante

t Zeit

Einstelldaten

y± Prozesswerte

0 Raumbereich mit Ausschussteilen

1 Raumbereich mit Gutteilen

2s Abstand 2o

6s Abstand 6o