PEUCHERT, Ulrich (Türinger Strass 5A, Bodenheim, 55294, DE)
NATTERMANN, Kurt (Am Sportfeld 12, Ockenheim, 55437, DE)
PEUCHERT, Ulrich (Türinger Strass 5A, Bodenheim, 55294, DE)
| Patentansprüche Verfahren zur spannungsarmen Herstellung von gelochten Werkstücken aus Glas, Glaskeramik oder Halbleitern, mit folgenden Schritten: a) Bereitstellen des zu lochenden Werkstückes, welches die Eigenschaft hat, eine Transformationstemperatur aufzuweisen, bei welcher das Material des Werkstücks weich wird; b) Erwärmen des, vorzugsweise des gesamten Werkstücks bis in einen Bereich nahe der Transformationstemperatur; c) Perforieren des Werkstücks, basierend auf einem elektrischen Hochspannungsfeld geeigneter Frequenz oder Impulsform, bei welcher an der zu perforierenden Stelle zunehmend ein elektrischer Strom fließt, der das Lochmaterial erhitzt und verdampfen lässt; d) Abkühlen des gelochten Werkstücks vom Transformationstemperaturbereich auf Raumtemperatur mit einer Rate, bei der die durch den Perforationsprozess erzeugten mechanischen Spannungen relaxieren . Verfahren nach Anspruch 1, wobei die Erweichung des Werkstücks bis in einen Viskositätsbereich zwischen 1012 und 1014 decipascal.s getrieben wird. 3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, wobei die Abkühlungsrate im Bereich von -0,5 bis -5°C/min liegt. 4. Verfahren nach Anspruch 3, wobei die Abkühlungsrate für gelochte Glasplättchen als Werkstücke bei -2°C/min ± 50 % während der Abkühlung nahe des Transformationstemperaturbereichs liegt . 5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, wobei bei Werkstücken aus alkalifreien oder alkaliarmen Gläsern mit einer AufWärmtemperatur in einem Bereich von 650°C bis 730°C gearbeitet wird. 6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, wobei im Schritt d) das gelochte Werkstück wiedererhitzt wird, bevor es auf Raumtemperatur abgekühlt wird. 7. Verfahren nach Anspruch 6, wobei die Wiedererhitzung bis in einen Bereich nahe der Transformationstemperatur des Materials des Werkstücks erfolgt . |
Werkstücken
Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur
spannungsarmen Herstellung von gelochten Werkstücken aus Glas, Glaskeramik oder Halbleitern.
Folien oder dünne Platten aus dielektrischen Materialien, beispielsweise aus Kunststoffen, Halbleitern oder Gläsern, können dadurch perforiert werden, dass Löcher in dem
Dielektrikum durch lokale elektrothermische Aufheizung bis zum Verdampfen des Materials entstehen. An den
Perforationsstellen erfolgt eine lokale Aufheizung des Materials, um die Durchschlagfeldstärke lokal abzusenken. Wenn dann an dem Material ein elektrisches
Hochspannungsfeld mit geeigneter Frequenz oder Impulsform angelegt wird, erfolgt ein Durchschlag, und es fließt ein elektrischer Strom durch das Material. Falls das Material eine ausreichend starke Zunahme der elektrischen
Leitfähigkeit von der Temperatur aufweist, wie es bei
Halbleitern, Gläsern, Glaskeramiken und vielen Kunststoffen der Fall ist, entsteht in dem Material eine
„elektrothermische Selbstfokussierung" des
Durchschlagkanals: Wo das Material heißer ist, nimmt auch die Stromdichte zu und heizt das Material lokal weiter, bis es verdampft und der Dampf gewissermaßen die Perforation „freibläst" . Die Dokumente WO 2009/059768 AI und WO 2009/074338 AI beschreiben die Herstellung von Perforationen durch
elektrisch isolierende Substrate, indem der prospektierten Lochungsstelle gezielt Wärmeenergie zugeführt wird und ein
BESTÄTIGUNGSKOPIE elektrisches Feld angelegt wird, um einen Stromfluss zu bewirken, der durch ein ström- und leistungsmodellierendes Element bestimmt wird. Eine Erwärmung des Werkstückes insgesamt erfolgt nicht.
Aus DE 10 2007 062 979 AI ist ein Verfahren zur Herstellung eines Glasgegenstandes mit verbesserter
Thermoschockfestigkeit bekannt, nämlich einer Glasscheibe als Innenscheibe eines Gargerätes. Eine solche wannenförmig ausgebildete Glasscheibe wird direkt im Anschluss an ihre Formgebung oberflächlich auf ihrer Außenseite auf eine Temperatur im Bereich des Erweichungspunktes oder darüber hinaus rasch erwärmt, indem die betreffende Oberfläche mittels einer lokalen Heizquelle überstrichen wird. Zur Nachbehandlung der aufgeheizten Glasscheibe wird diese einem langsamen Abkühlungs- und Nachwärmeprozess in einem Kühlofen unterworfen.
Wenn Werkstücke aus Glas oder glasähnlichen Materialien elektrothermisch perforiert werden, können sehr hohe
Spannungszustände im Bereich der Lochränder auftreten.
Abhängig von der Geometrie des Werkstückes (Größe und
Muster der Löcher, Dicke und Ausdehnung des Werkstückes) sowie der Art des Glases können schädliche Zugspannungen von 50 MPa und mehr entstehen, gern auch vergesellschaftet mit schädlichen tangentialen Zugspannungen. Wenn im
Werkstück der Abstand der Löcher sehr klein sein muss, ist die Gefahr der Verformung, des Splitterns oder des Reißens solcher Werkstücke besonders groß, vor allem, wenn weitere Bearbeitungsschritte nachfolgen, beispielsweise die
Werkstücke beschichtet werden sollen. Der Erfindung liegt deshalb die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur spannungsarmen Herstellung von gelochten Werkstücken aus Glas, Glaskeramik oder Halbleitern
anzugeben, die elektrothermisch perforiert werden.
Gemäß Erfindung wird das zu lochende Werkstück in einen Bereich nahe der Transformationstemperatur erwärmt, bei de das Material des Werkstücks weich wird, jedoch nicht so lange in diesem Temperaturbereich gehalten wird, dass die Gefahr der Formveränderung des Werkstücks auftreten würde. Basierend auf einem elektrischen Hochspannungsfeld
geeigneter Frequenz oder Impulsform wird das Werkstück perforiert. Bei diesem Vorgang fließt zunehmend ein elektrischer Strom, der das Lochmaterial erhitzt und verdampfen lässt. Das gelochte Werkstück, welches im
Randbereich der Perforationen eine höhere Temperatur als i sonstigen Bereichen aufweist, wird nunmehr so langsam abkühlen lassen, dass die durch den Perforationsprozess bedingten mechanischen Spannungen relaxieren.
Der Schritt des Abkühlens kann auch nach Art des
Pendelglühens erfolgen, bei dem das gelochte Werkstück wieder erhitzt wird, bevor es auf Raumtemperatur abgekühlt wird. Die Wiedererhitzung erfolgt zweckmäßig bis in einen Temperaturbereich um die Transformationstemperatur des Materials des Werkstücks.
Mit der Erfindung wird erreicht, dass die Bildung von thermisch induzierten Spannungszuständen weitgehend umgangen wird bzw. bereits gebildete Spannungszustände verringert oder sogar zum Verschwinden gebracht werden. Die Erfindung wird anhand der Zeichnung beschrieben.
Diese zeigt schematisch den Ablauf der Erzeugung von gelochten Werkstücken. Ein plattenförmiges Werkstück 1 aus Glas, Glaskeramik oder aus einem Halbleiter wird in einen Ofen 2 verbracht, um dort auf eine Temperatur nahe der Transformationstemperatur des Materials des Werkstücks aufgeheizt zu werden. Bei der Transformationstemperatur wird das Material weich, ohne dass jedoch das Werkstück in der Kürze der Verweilzeit bei dieser Temperatur seine Form verliert. Man bewegt sich in einem Viskositätsbereich zwischen 10 12 bis 10 14
decipascal . s , d.h. in einem Bereich knapp unterhalb bis knapp oberhalb der Transformationstemperatur.
Das so thermisch vorbehandelte Werkstück 1 wird in eine Perforationsapparatur 3 verbracht, die einen
Bearbeitungsraum 30 sowie Elektroden und Gegenelektroden 31, 32 aufweist. Ein Hochspannungsgenerator 33 erregt die Elektroden 31, 32 derart, dass das Werkstück 1 einem elektrischen Hochspannungsfeld mit geeigneter Frequenz oder Impulsform unterliegt. Das Hochspannungsfeld macht sich an einzelnen Stellen bemerkbar, die durch Pfeile 34 markiert sind. An diesen Stellen übersteigt das Hochspannungsfeld die Durchschlagfestigkeit des Materials des Werkstücks 1, so dass ein elektrischer Strom quer durch das Werkstück fließt, der das Material örtlich aufheizt, wodurch sich der Strom verstärkt und die erzeugte Wärme zunimmt, bis das Material an diesen Stellen verdampft. Es werden einzelne Löcher 10 sozusagen freigeblasen. Diese Löcher 10 entstehen im Wesentlichen senkrecht zur Werkstückoberfläche und weisen annähernd zirkuläre Kontur auf. Nach Herstellung der Löcher 10 wird das Werkstück 1 in den Ofen 2 zurück verbracht, der nunmehr als Kühlofen betrieben wird. Die Abkühlungsrate ist derart, dass die mechanischen Spannungen, welche durch den Perforationsprozess erzeugt worden sind, relaxieren. Die Abkühlungsrate kann im Bereich von -0,5 bis -5°C/min liegen, Bei Werkstücken aus Glas wird eine Abkühlungsrate mit etwa -2°C/min im Temperaturbereich nahe der Transformationstemperatur bevorzugt. Im
Temperaturbereich fernab von der Transformationstemperatur kann eine raschere Abkühlung betrieben werden, weil die Spannungsrelaxion bereits eingetreten ist. Im Falle von alkalifreiem oder alkaliarmem Glas liegt die
Transformationstemperatur bei etwa 700°C. Es wird mit einer AufWärmtemperatur in einem Bereich von 650°C bis 730°C gearbeitet .
Nach einer Weiterbildung der Erfindung kann der Ofen 2 als Pendelglühofen betrieben werden. Dies bedeutet, dass man das gelochte Werkstück erneut bis in einen Bereich nahe der Transformationstemperatur aufheizt und erneut abkühlen lässt, so dass vollständige Relaxion des Werkstücks
erwartet werden kann.
