Liebermann, Johannes (Hühnerberg 16 Lichtenfels-Schönsreuth, D-96215, DE)
SIEMENS AKTIENGESELLSCHAFT (Postfach 22 16 34 München, D-80506, DE)
| 1. | Verfahren zur Herstellung eines Porzellans, wobei calci nierter Bauxit (CB), Ton (T) mit einem Anteil von mehr als 5 Gew.% an eingelagerten Fremdmetalloxiden, Kaolin (K) mit ei nem Anteil von mehr als 5 Gew.% an eingelagerten Fremdme talloxiden, Feldspat (F), Magnesiumsilikat (M) gemischt, ge mahlen und zu einer Aufschlämmung verarbeitet werden, die Aufschlämmung zu einer formbaren Ausgangsmasse weiterverar beitet wird und die Ausgangsmasse getrocknet und abschließend zum Porzellan gesintert wird. |
| 2. | Verfahren nach Anspruch 1, wobei die Fremdmetalloxide aus gewählt sind aus der Gruppe, die aus Fe203, MgO, K20, Na20 und CaO besteht. |
| 3. | Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, wobei ein calciniertes Bauxit (CB) mit einem Anteil zwischen 80 und 90 Gew.% A1203 verwendet wird. |
| 4. | Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei ein illitischer Ton (T) und/oder ein Ton (T), welcher reich an WechsellagenTonmineralien ist, verwendet wird. |
| 5. | Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei ein illitreicher Kaolin (K) und/oder ein Kaolin (K), welcher reich an WechsellagenTonmineralien ist, verwendet wird. |
| 6. | Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei, bezogen auf das Gesamtgewicht, 48 bis 58 Gew.% calci niertes Bauxit (CB), 10 bis 20 Gew.% eines Tons (T), welcher reich an WechsellagenTonmineralien ist, 4 bis 12 Gew.% il litischer Ton (T), 7 bis 15 Gew.% Feldspat (F), 0.5 bis 3 Gew.% Magnesiumsilikat (M), 8 bis 16 Gew.% eines Kaolins (K), welcher reich an WechsellagenTonmineralien ist, und 8 bis 16 Gew.% illitreicher Kaolin (K) miteinander vermischt : werden. |
| 7. | Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei als Feldspat (F) ein NephelinSyenit verwendet wird. |
| 8. | Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei als Magnesiumsilikat (M) Speckstein verwendet wird. |
| 9. | Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei der calcinierte Bauxit (CB) separat oder zusammen mit einem Anteil des Tons (T) vorgemahlen wird. |
| 10. | Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die Ausgangsmasse bei einer Temperatur zwischen 1150 und 1300 °C gesintert wird. |
| 11. | Verfahren nach Anspruch 10, wobei die Ausgangsmasse bei einer Temperatur zwischen 1190 und 1220 °C gesintert wird. |
| 12. | Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei der Abkühlprozess nach dem Sintern durch Verwendung von Kalt luft beschleunigt wird. |
| 13. | Porzellan, erhältlich durch ein Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1 bis 12. |
| 14. | Porzellan nach Anspruch 13, umfassend 12 bis 21 Gew.% Mullit (A1), 30 bis 46 Gew.% Korund (B), 40 bis 50 Gew.% Glasphase (A2) und 0 bis 2 Gew.% Quarz (D). |
| 15. | Porzellan nach Anspruch 14, umfassend 12 bis 15 Gew.% Mullit (A1), 38 bis 46 Gew.% Korund (B), 44 bis 47 Gew.% Glasphase (A2) und 0 bis 1 Gew.% Quarz (D). |
| 16. | Porzellan nach Anspruch 14 oder 15, wobei die Korngröße der eingelagerten Quarzpartikel (D) 20 bis 40 Wm beträgt, und wobei in einem Querschnitt weniger als 10 Quarzpartikel (D) pro mm2 vorliegen. |
| 17. | Keramischer Isolator (40), insbesondere zur Isolation von Hochspannung, mit einer Isoliermasse aus einem Porzellan (41) gemäß einem der Ansprüche 13 bis 16. |
Als technische Keramik für den Einsatz in der elektrischen Isoliertechnik wird heute üblicherweise Tonerde-Porzellan verwendet. Unter einem Tonerde-Porzellan wird hierbei eine gesinterte Mischung von Tonerde, Ton, Kaolin, Feldspat sowie gegebenenfalls Sinterhilfsmitteln und Flußmitteln verstanden.
Dabei bezeichnet Tonerde hochreines Aluminiumoxid und wird nach dem Bayer-Verfahren in aufwendiger Art und Weise aus dem Rohstoff Bauxit gewonnen. Tonerde darf insbesondere nicht mit Ton verwechselt werden, worunter üblicherweise das an sekun- därer Lagerstätte abgelagerte Verwitterungsprodukt von feld- spathaltigen Gesteinen verstanden wird. Kaolin wiederum be- zeichnet das an primärer Lagerstätte verbliebene Verwitte- rungsprodukt von feldspathaltigen Gesteinen.
Insbesondere für festigkeitsbeanspruchte Hochspannungsisola- toren werden Tonerde-Porzellane eingesetzt, die eine hohe Zugfestigkeit, Biegefestigkeit und Innendruckfestigkeit auf- weisen. Hochfeste Tonerde-Porzellane weisen dabei Biegefe- stigkeiten, gemessen an einem genormten, glasierten Biegestab aus dem Tonerde-Porzellan von tuber 170 N/mm2 auf. Je nach ge- wünschter Biegefestigkeit bewegt sich hierbei die Menge an einzubringender Tonerde zwischen 27 und 55 Gew.-%, wobei die Festigkeit mit steigendem Tonerde-Anteil zunimmt.
Hochfeste Tonerde-Porzellane sind beispielsweise aus der EP 0 189 260 A3, der GB 2056431 A, der US 4,183,760 und der EP 0 522 343 B1 bekannt.
Tonerde ist jedoch ein vergleichsweise teurer Rohstoff, der- wie angegeben-erst in aufwendiger Art und Weise aus natür- lichen Aluminiumoxid-Vorkommen, wie z. B. Bauxit, gewonnen werden muß. Aus diesem Grund ist ein insbesondere hochfestes Tonerde-Porzellan vergleichsweise teuer, was sich gerade bei Massenfertigung für Anwendungen in der elektrischen Isolier- technik nachteilig bemerkbar macht. Durch den Preis der Ton- erde werden die Herstellungs-und Produktkosten erheblich be- lastet.
Aufgabe der Erfindung ist es, ein günstiges Verfahren zur Herstellung eines Porzellans anzugeben, welches sich insbe- sondere für mechanisch stark beanspruchte Komponenten der elektrischen Isoliertechnik verwenden läßt. Weiter ist es Aufgabe der Erfindung, ein Porzellan anzugeben, welches bei gleichen mechanischen Eigenschaften gegenüber dem Stand der Technik günstiger ist. Ferner ist es Aufgabe der Erfindung, einen keramischen Isolator anzugeben, der gegenüber herkömm- lichen Isolatoren des Standes der Technik bei gleichen mecha- nischen Eigenschaften günstiger ist.
Die erstgenannte Aufgabe wird erfindungsgemäß gelöst durch ein Verfahren zur Herstellung eines Porzellans, wobei calci- nierter Bauxit, Ton mit einem Anteil von mehr als 5 Gew.-% an eingelagerten Fremdmetalloxiden, Kaolin mit einem Anteil von mehr als 5 Gew.-% an eingelagerten Fremdmetalloxiden, Feld- spat, Magnesiumsilikat gemischt, gemahlen und zu einer Auf- schlämmung verarbeitet werden, die Aufschlämmung zu einer formbaren Ausgangsmasse weiterverarbeitet wird und die Aus- gangsmasse getrocknet und abschließend zum Porzellan gesin- tert wird.
Gegebenenfalls können bei Bedarf übliche Hilfsstoffe zuge- mischt werden.
Mit anderen Worten wird bei dem angegebenen Verfahren voll- ständig auf den Einsatz von Tonerde verzichtet. Anstelle der Tonerde wird auf einen calcinierten Bauxit zurückgegriffen, der wesentlich kostengünstiger erhältlich ist als Tonerde.
Calcinierter Bauxit ist bis auf den Calcinierungsvorgang ein naturbelassener Rohstoff. Durch das Calcinieren wird ein Teil des im Bauxit enthaltenen Aluminiumhydrats in Aluminiumoxid umgewandelt. Durch den Einsatz von calciniertem Bauxit gegen- über Tonerde lassen sich die Herstellungskosten drastisch senken.
Die Erfindung geht nun von der Erkenntnis aus, dal3 Korund (a-Al203), welcher beim Brennen des Porzellans aus der Ton- erde oder dem Bauxit entsteht, ein wesentlicher Garant für die mechanische Festigkeit des Porzellans ist. Da Tonerde mehr Korund liefert als calcinierter Bauxit (Bauxit enthält noch Verunreinigungen) muß zum Erzielen gleicher mechanischer Festigkeit beim Ersatz von Tonerde durch calcinierten Bauxit entsprechend mehr Bauxit eingebracht werden. Der erforderli- che höhere Anteil an calciniertem Bauxit führt jedoch dazu, daß gegenüber einem Tonerde-Porzellan der Anteil der plasti- schen Komponenten Kaolin und Ton sowie des Glasphase-bilden- den Feldspats zurückgenommen werden muß. Dies wiederum ist jedoch mit einschneidenden Veränderungen der mechanischen Ei- genschaften des Porzellans verbunden.
Umfangreiche Untersuchungen haben nun ergeben, daß sich der negative Einfluß der Verringerung von Feldspat und plasti- schen Komponenten auf die mechanische Festigkeit des Porzel- lans kompensieren läßt, wenn als plastische Komponenten ein Ton und ein Kaolin mit jeweils einem Anteil von mehr als 5 Gew.-% an eingelagerten Fremdmetalloxiden verwendet wird und zusätzlich Magnesiumsilikat den Ausgangsstoffen beigemengt wird.
Bei Tonen und Kaolinen sind dabei die Fremdmetalloxide in so- genannte Tonmineralien eingelagert. Tonminerale sind bei- spielsweise Schichtsilikate wie Kaolinit, Illit oder Montmo- rillonit.
Es hat sich überraschend gezeigt, daß die in Ton oder Kaolin eingelagerten Fremdmetalloxide (Verunreinigungen) bei der Sinterung des Porzellans die Ausbildung eutektischer Schmelz- phasen begünstigen. Die Schmelzphase der Mischung tritt bei niedrigeren Temperaturen auf, als die Schmelzphase der ein- zelnen Komponenten. Die Sintertemperatur des Porzellans kann gesenkt werden, was wiederum die Herstellungskosten senkt.
Das Besondere ist dabei, daß die in das Gitter der Tonmine- rale eingebauten Fremdmetalloxide einen besonders günstigen Einfluß auf die Bildung der günstigen oder aggressiven Schmelzphase haben.
Durch die bei niedrigeren Temperaturen entstehende aggressive Schmelzphase kann ein nahezu vollständiges Lösen und Sberfüh- ren des Quarzes aus Feldspat und Kaolin in die Glasphase er- zielt werden. In herkömmlichen Tonerde-Porzellanen hingegen ist stets ein gewisser Anteil an Restquarz enthalten. Da Quarzeinschlüsse Störstellen im Gefüge des Porzellans dar- stellen, tritt ein Bruch des Porzellans häufig an Stellen eingelagerter Quarzpartikel auf. Quarzpartikel sind daher als solche im Gefüge des Porzellans unerwünscht. Ein vollstardi- ges Überführen des schädlichen Quarzes in die Glasphase führt daher zu einer erheblichen Steigerung der mechanischen Fe- stigkeit des Porzellans. Durch die besseren Gefügeeigenschaf- ten wird die Streuung der Festigkeitswerte enger. Diese hö- here Schadenstoleranz macht das Gefüge auch stabiler im Lang- zeitverhalten, was für Hochspannungsisolatoren besonders wichtig ist.
Durch den Einsatz von Tonen und Kaolinen mit einem Anteil von mehr als 5 Gew.-% an eingelagerten Fremdmetalloxiden entsteht also eine aggressive Schmelzphase, welche dazu führt, daß im
fertigen Porzellan nahezu keine Quarzpartikel mehr vorhanden sind. Das enthaltene Siliziumdioxid liegt nahezu ausschließ- lich in Form einer Glasphase vor. Auf diese Weise läßt sich in den Ausgangssubstanzen der Anteil an Bauxit, welches der Hauptlieferant für Korund und damit für mechanische Festig- keit ist, erheblich steigern, ohne daß die Verringerung der Anteile an plastischen Komponenten und Feldspat, welches der Hauptlieferant für Quarz ist, einen negativen Einfluß auf die mechanische Festigkeit des Porzellans hat. Als wichtiger Ne- beneffekt tritt dabei eine Absenkung der Sintertemperatur auf, was zusätzlich-wie oben bereits angegeben-die Her- stellungskosten senkt und teuere Ofenanlagen und Brennhilfs- mittel schont.
Entgegen dem bisherigen Urteil der Fachwelt weist die Erfin- dung einen Weg, wie zur Herstellung eines Porzellans mit ho- her mechanischer Festigkeit Tonerde durch ein wesentlich gün- stigeres calciniertes Bauxit ersetzt werden kann. Die Erfin- dung zeigt dabei auf, wie der Anteil des Bauxits, welcher Hauptlieferant für Korund ist, erhöht werden kann, ohne daß die hierzu erforderlich werdende Verringerung der Anteile der plastischen Komponenten und des Feldspats einen negativen Einfluß auf das Gefüge des Porzellans hat.
Als besonders günstig für die Ausbildung der aggressiven Schmelzphase haben sich die Fremdmetalloxide Eisenoxid Fe203, Magnesiumoxid MgO, Kaliumoxid K20, Natriumoxid Na20 und Kal- ziumoxid CaO erwiesen. Es ist daher vorteilhaft, wenn die Summe der Anteile dieser Fremdmetalloxide in dem Ton oder in dem Kaolin mehr als 5 Gew.-% beträgt.
In einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung wird ein calciniertes Bauxit mit einem Anteil zwischen 80 und 90 Gew.-% Aluminiumoxid A1203 verwendet. Auf diese Weise läßt sich besonders viel des Hauptfestigkeitsträgers Korund in das Porzellan bei vergleichsweise niedrigem Bauxit-Anteil ein-
bringen. Ein solches Bauxit ist frei erhältlich und wird z. B. von Fa. Frank und Schulte, Essen, vertrieben.
Für die Ausbildung der aggressiven Schmelzphase und für eine Absenkung der Sintertemperatur ist es besonders vorteilhaft, wenn zur Herstellung ein illitischer Ton und/oder ein Ton, welcher reich an Wechsellagen-Tonmineralien ist, verwendet wird. Dabei wird unter einem illitischen Ton ein Ton verstan- den, welcher einen hohen Anteil des Tonminerals Illit auf- weist. Unter einem Wechsellagen (mixed-layer)-Tonmineral wird dabei ein solches Tonmineral verstanden, welches gegenüber Kaolinit keine geordnete Gitterstruktur ausbildet, sondern sich vielmehr durch Fehlordnungen auszeichnet und in dessen Gitterstruktur erhöhte Mengen Alkali-und Erdalkaliionen ein- gebaut sind, die eine Flußmittelwirkung ausüben. Als Handels- name für illitischen Ton ist Illit selbst gebräuchlich. Ein Ton, welcher reich an Wechsellagen-Tonmineralien ist, ist beispielsweise der unter der Bezeichnung Ball Clay Hymod KC erhältliche Ton.
Ebenso wie bei Ton hat es sich auch als besonders vorteilhaft für die Ausbildung einer aggressiven Schmelzphase erwiesen, wenn zur Herstellung ein illitreicher Kaolin und/oder ein Ka- olin, welcher reich an Wechsellagen-Tonmineralien ist, ver- wendet wird. Ein illitreicher Kaolin ist beispielsweise der an der Lagerstätte Oberwinter, Deutschland, abgebaute Kaolin.
Ein Kaolin, welcher reich an Wechsellagen-Tonmineralien ist, wird beispielsweise an der Lagerstätte Seilitz, Deutschland, gewonnen. Die Summe der Anteile von Eisenoxid, Magnesiumoxid, Kaliumoxid und Natriumoxid beträgt bei Illit 11,7 Gew.-% bei Ball Clay Hymod KC 6,1 Gew.-%, beim Kaolin Oberwinter 6,4 Gew.-% und beim Kaolin Seilitz 5,7 Gew.-%. Die Zusammensetz- ung im einzelnen ist der Tabelle 1 zu entnehmen, welche die Anteile der angesprochenen eingelagerten Fremdmetalloxide für verschiedene Kaoline und Tone aufzeigt. Tab. 1 : Verschiedene plastische Rohstoffe und ihr Gehalt an Fremdmetalloxiden mit Flußmittelwirkung (Gew.-%). Oxide Kaol in Kaolin Kaolin Kaolin Kaolin Kaolin Meka BZ Zettliz Osmose Seilitz Oberw. Fe203 0,5 0,3 0, 9 1,1 1,5 1,0 MgO0,2 0,2 0, 4 0, 5 1, 3 0,6 K20 0,4 0,2 1, 2 1, 1 2, 8 4,1 NaO0, 40, 20, 70, 10,7 Summe1,5 0,7 2,7 3,4 5,7 6,4 Oxide Kaolin Illit Ton Ton Podersam KC 307S Fe203 1, 0 0,9 1,3 1,5 MgO0, 71,5 0,6 0,5 K2O 0,9 9, 2 2,9 1,8 Na20 0, 4 0,1 1,3 0,7 Summe 3,0 11,7 6,1 4,5 In einer besonders vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung werden als Ausgangsmaterialien für das Herstellungsverfahren, bezogen auf das Gesamtgewicht, 48 bis 58 Gew.-% calciniertes Bauxit, 10 bis 20 Gew.-% eines Tons, welcher reich an Wech- sellagen-Tonmineralien ist, 4 bis 12 Gew.-% illitischer Ton, 7 bis 15 Gew.-% Feldspat, 0,5 bis 3 Gew.-% Magnesiumsilikat, 8 bis 12 Gew.-% eines Kaolins, welcher reich an Wechsellagen- Tonmineralien ist, und 8 bis 16 Gew.-% illitreicher Kaolin verwendet. Mit dieser Zusammensetzung der Ausgangsmaterialien (man spricht bei Porzellanen auch von einem"Versatz") läßt sich ein Bauxit-Porzellan herstellen, welches hinsichtlich seiner dauerhaften alterungsfreien mechanischen Eigenschaften und Wärmedehnung hohen Anforderungen gerecht wird und sich insbesondere für mechanisch stark beanspruchte großformatige und temperaturwechselbeanspruchte Isolatoren eignet. Die me-
chanische Festigkeit läßt sich dabei durch den Anteil an cal- ciniertem Bauxit steuern. Insbesondere kann durch den angege- benen Versatz ein hochfestes Bauxit-Porzellan hergestellt werden.
Vorteilhafterweise wird als Feldspat ein Nephelin-Syenit ver- wendet. Nephelin-Syenit ist ein Feldspatoid-Mineral der Sum- menformel KNa3 (AlSiO4) 4 mit schwankenden Anteilen an Kalium und Natrium. Nephelin-Syenit wirkt sich besonders günstig auf die Absenkung der zur Dichtsinterung erforderlichen Tempera- tur aus.
Weiter von Vorteil ist es, wenn bei dem Herstellungsverfahren für Magnesiumsilikat Speckstein verwendet wird. Speckstein zeigt gegenüber anderen bekannten Magnesiumsilikaten (z. B.
Talkum) zur Herstellung des Bauxit-Porzellans die günstigsten Eigenschaften.
Da calciniertes Bauxit in der Regel in grober Körnung käuf- lich zu erwerben ist, ist es von Vorteil, das calcinierte Bauxit separat vor der Mischung mit den anderen Komponenten vorzumahlen. Es hat sich dabei als weiter vorteilhaft ge- zeigt, wenn das calcinierte Bauxit zusammen mit einem Anteil des Tons vorgemahlen wird. Zur Mahlung werden üblicherweise Kugelmühlen verwendet, wobei die Mahlung des calcinierten Bauxits insbesondere solange durchgeführt wird, bis die Kör- nung der üblicherweise verwendeten Tonerde erzielt ist.
Der Korund-Gehalt und damit die mechanische Festigkeit des fertigen Porzellans wird maßgeblich durch die Sintertempera- tur beeinflußt. Es hat sich als vorteilhaft hinsichtlich der mechanischen Eigenschaften des Porzellans gezeigt, wenn bei einer Temperatur zwischen 1150 und 1300 °C, insbesondere zwi- schen 1190 und 1220 °C, gesintert wird. Dies ist eine niedri- gere Sintertemperatur als bei herkömmlichen Tonerde-Porzella- nen üblich.
Als weiter vorteilhaft für die Erfindung hat es sich gezeigt, wenn der Abkühlprozeß nach dem Sintern durch Verwendung von Kaltluft beschleunigt wird. Auf diese Art und Weise wird im Sinterofen ein rasches Abkühlen des Porzellans erzielt. Durch das rasche Abkühlen wird eine Umwandlung von Korund in Mullit unterbunden und die Mullitkristalle werden klein gehalten.
Solche Gefüge sind wiederum vorteilhaft für die mechanischen Eigenschaften des Porzellans.
Die Aufgabe hinsichtlich des Porzellans wird erfindungsgemäß durch ein Porzellan gelöst, welches mit dem oben angegebenen Herstellungsverfahren erhältlich ist. Ein solches Bauxit-Por- zellan unterscheidet sich von einem Tonerde-Porzellan durch die Porengröße und die Porenverteilung. So weist das Bauxit- Porzellan gegenüber einem Tonerde-Porzellan mehr Poren auf, wobei jedoch die Porengröße weniger stark schwankt und die Poren homogener verteilt sind. Dies ist offensichtlich gün- stig für das Bruchverhalten und für die Festigkeit des Bau- xit-Porzellans. Weiter weisen die Korund-Kristalle im Bauxit- Porzellan eine andere Form auf als im Tonerde-Porzellan. Die Korund-Kristalle im Tonerde-Porzellan haben eine längliche, plättchenförmige Gestalt, im Bauxit-Porzellan dagegen eine im wesentlichen runde Gestalt. Darüber hinaus sind die Korund- Kristalle im Bauxit-Porzellan nahezu doppelt so groß wie im Tonerde-Porzellan und teilweise durchsetzt mit Einschlüssen, wie z. B. Titanoxid. Diese Unterschiede lassen sich durch ei- nen Gefügevergleich mittels elektronenmikroskopischer Aufnah- men leicht feststellen. Darüber hinaus ist das Bauxit-Porzel- lan nahezu frei von Restquarz-Anteilen und deshalb im Lang- zeitverhalten dem Tonerde-Porzellan überlegen.
Die Aufgabe hinsichtlich des Porzellans wird weiter erfin- dungsgemäß durch ein Porzellan gelöst, welches 12 bis 21 Gew.-% Mullit, 30 bis 46 Gew.-% Korund, 40 bis 50 Gew.-% Glasphase und 0 bis 2 Gew.-% Quarz umfaßt. Ein derartiges Porzellan läßt sich durch das oben angegebene Verfahren unter Verwendung von calciniertem Bauxit herstellen und ist damit
gegenüber einem herkömmlichen Tonerde-Porzellan eine preis- werte Alternative. Durch den geringen Quarzanteil erhält ein solches Porzellan sehr gute mechanische Eigenschaften und ein stabiles Langzeitverhalten. Bei herkömmlichen Tonerde-Porzel- lanen liegt der Quarzanteil mit bis zu 6 Gew.-% höher.
Ein hochfestes Porzellan mit einer Biegefestigkeit, gemessen am glasierten Biegestab gemäß DIN IEC 60672 von größer 170 N/mm2 bis über 200 N/mm2 weist ein Porzellan auf, welches vorteilhafterweise 12 bis 15 Gew.-% Mullit, 38 bis 46 Gew.-% Korund, 44 bis 47 Gew.-% Glasphase und 0 bis 1 Gew.-% Quarz umfaßt.
In einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung beträgt die Korngröße der eingelagerten Quarzpartikel 20 bis 40 um, wobei in einem Querschnitt des Porzellans weniger als 10 Quarzpartikel pro mm2 vorliegen. Ein solches Porzellan läßt sich ebenfalls leicht durch das oben angegebene Herstel- lungsverfahren erzielen. Dadurch, daß dieses Porzellan nahezu frei ist von Quarzeinschlüssen, erklärt sich seine hohe me- chanische Festigkeit und Stabilität im Langzeitverhalten. Ein derartiges Porzellan genügt besonders hohen Anforderungen für mechanisch extrem belastete und großformatige Isolatoren.
Die Aufgabe hinsichtlich des keramischen Isolators wird er- findungsgemäß durch einen Isolator gelöst, dessen Isoliermas- se aus dem angegebenen Porzellan besteht.
Ausführungsbeispiele der Erfindung werden im folgenden anhand einer Zeichnung näher erläutert. Es zeigen dabei : FIG 1 schematisch das Herstellungsverfahren für ein Bauxit- Porzellan, FIG 2 eine elektronenmikroskopische Aufnahme eines chemisch geätzten Tonerde-Porzellans,
FIG 3 eine elektronenmikroskopische Aufnahme eines chemisch geätzten Bauxit-Porzellans, FIG 4 eine graphische Darstellung der Weibull-Verteilung bezüglich der Bruchwahrscheinlichkeit eines hochfes- ten Bauxit-Porzellans, FIG 5 ein Röntgenspektrum zum Vergleich eines Tonerde-und eines Bauxit-Porzellans, FIG 6 ein weiteres Röntgenspektrum zum Vergleich eines Ton- erde-und eines Bauxit-Porzellans und FIG 7 einen keramischen Hochspannungsisolator mit einer An- zahl von charakteristischen Schirmen.
In Figur 1 ist schematisch ein Herstellungsverfahren für ein Bauxit-Porzellan, insbesondere für einen keramischen Hoch- spannungsisolator aus einem Bauxit-Porzellan, gezeigt. Als Ausgangsmaterialien 1 werden hierzu calciniertes Bauxit CB, Ton T, Kaolin K, Feldspat F und Magnesiumsilikat M verwendet.
Es wird hierbei ein calciniertes Bauxit mit einem Aluminium- oxid-Gehalt von etwa 85 Gew.-% verwendet. Das Bauxit wurde bei einer Temperatur von etwa 1500 °C calciniert. Als Ton wird Ball Clay Hymod KC sowie ungarischer Illit eingesetzt.
Des weiteren wird Feldspat sowie Nephelin-Syenit eingesetzt.
Als Kaolin wird Osmose Kaolin, Seilitzer Kaolin sowie Ober- winterer Kaolin verwendet. Als Magnesiumsilikat wird Speck- stein eingebracht.
Der Gewichtsanteil der eingebrachten Materialien kann der Ta- belle 2 entnommen werden. Die Gewichtsanteile werden dabei durch entsprechendes Einwiegen den Vorratsbehältern entnom- men.
Tab. 2 : Rezeptur für den Versuchsversatz : Anteil in Bezeichnung Anteil in Bezeichnung Gew.-8 Gew.-% 52 Bauxit 2 Speckstein 14 Ball Clay Hymod KC 4 Osmose Kaolin 10 Ung. Illit 4 Seilitzer Kaolin I 5 Nephelin-Syenit 4 Oberwinterer Kaolin 5 Feldspat
Das Herstellungsverfahren umfaßt insgesamt das Verarbeiten 2 der Ausgangsmaterialien 1 zu einer formbaren Ausgangsmasse, Formen 3 der Ausgangsmasse zu einem Formstück in Gestalt ei- nes mit Schirmen versehenen Hohlzylinders, Sintern 4 des Formstücks und Endbearbeiten 5 des gesinterten Formstücks zu dem fertigen Hochspannungsisolator aus Bauxit-Porzellan.
Das Verarbeiten 2 der Ausgangsmaterialien 1 zu einer formba- ren Ausgangsmasse geschieht über die einzelnen Schritte Mi- schen 7 der Ausgangsmaterialien, Mahlen 11A und 11B der Mate- rialien in einer mit Mahlkugeln versehenen Trommelmühle unter Wasserzugabe zu einem Schlicker oder Aufschlämmung und Fil- terpressen 13 des Schlickers und Abpressen des zugegebenen Wassers. Das calcinierte Bauxit CB wird hierbei separat unter Zugabe eines Anteils von 4 Gew.-% des Ball Clay Hymod KC 15 Stunden lang mit Wasser vorgemahlen. Anschließend werden alle Rohstoffe zusammengemischt und weitere 2,5 Stunden gemahlen.
Nach dem Filterpressen 13 liegt eine formbare Ausgangsmasse der Rohmaterialien 1 vor, welche durch den anschließenden Prozeß des Formens 3 zu einem Formkörper verarbeitet wird.
Das Formen 3 umfaßt hierbei ein Strangpressen 15 zur Pressung von hohlzylindrischen Rohlingen aus der Rohmasse, ein daran anschließendes Trocknen 17 der Rohlinge und ein Formdrehen 19, wodurch durch Abdrehen die hohlzylindrischen Rohlinge mit
tellerförmigen Schirmen versehen werden, so daß ein Hochspan- nungsisolator aus dem Bauxit-Porzellan erhalten wird.
Das Sintern 4 des beim Formdrehen 19 erhaltenen Formkörpers umfaßt das erneute Trocknen 22 des Formkörpers, das Glasieren 24 des getrockneten Formkörpers und daran anschließend das Brennen 25 des glasierten Formstücks in einem geeigneten Brenn-oder Sinterofen. Es wird dabei bei einer Temperatur zwischen 1150 bis 1300 °C gesintert.
Der gesinterte Formkörper aus dem Bauxit-Porzellan wird an- schließend endbearbeitet 5. Durch Schneiden 26 wird der Form- körper auf die gewünschte Länge gebracht und durch Armieren 28 mit geeigneten Anschlußstücken versehen. Damit liegt der fertige Hochspannungsisolator mit einem Isolierkörper aus Bauxit-Porzellan vor.
Figur 2 zeigt eine elektronenmikroskopische Aufnahme eines chemisch geätzten Tonerde-Porzellans bei einer Vergrößerung von 1000 : 1. Zur Orientierung ist maßstabsgerecht die Größe von 20 lim eingezeichnet. Das Tonerde-Porzellan wurde bei ei- ner Temperatur von 1230 bis 1250 °C gesintert, wobei der Ton- erdeanteil im Versatz 27 Gew.-% betrug. Die übrigen Anteile im Versatz waren 42 Gew.-% Ton und Kaolin sowie 27 % Feldspat und ein Rest an Sinterhilfsmitteln. Deutlich zu erkennen ist die Gefügematrix A, welche aus Mullit (Kristallnadeln) und Glasphase besteht. Auch die Poren C (schwarz) können leicht der Figur entnommen werden. Zusätzlich ist ein Korund-Parti- kel B sowie ein Quarz-Partikel D kenntlich gemacht.
Im Vergleich hierzu ist in Figur 3 eine elektronenmikroskopi- sche Aufnahme eines chemisch geätzten Bauxit-Porzellans eben- falls bei einer VergröBerung von 1000 : 1 dargestellt. Der Versatz wies hierbei einen Anteil von calciniertem Bauxit (85 Gew.-% Aluminiumoxid) von 52 Gew.-% auf. Die anderen Bestand- teile wurden entsprechend dem in Tabelle 2 angegebenen Ver- satz zugefügt. Die Sintertemperatur betrug 1230 °C. Auch in
Figur 3 ist die Gefügematrix A, bestehend aus Mullit Ai und Glasphase A2, deutlich zu erkennen. Weiter ist ein Korund- Partikel B sowie eine Pore C gekennzeichnet.
Im Vergleich der beiden Figur 2 und 3 wird deutlich sichtbar, daß das Bauxit-Porzellan gemäß Figur 3 keine Quarz-Partikel mehr enthält. Das herkömmliche Tonerde-Porzellan zeigt hinge- gen im Gefüge gemäB Figur 2 neben Korund, Mullit und Glas- phase einen für die mechanische Festigkeit insgesamt schädli- chen Restquarz D. Im Bauxit-Porzellan hingegen ist der Rest- quarz D vollständig aufgelöst und nicht mehr erkennbar.
Weiterhin zeigt sich deutlich, daß die Korund-Partikel E im Bauxit-Porzellan größer sind als im Tonerde-Porzellan. Ferner weisen die Korund-Partikel B im Bauxit-Porzellan eine im we- sentlichen runde Gestalt auf, wohingegen die Korund-Partikel B im Tonerde-Porzellan eher länglich ausgebildet sind.
In Figur 4 ist nun die Weibull-Verteilung bezüglich der Bruchwahrscheinlichkeit für ein hochfestes Bauxit-Porzellan dargestellt, welches wie für Figur 3 angegeben hergestellt wurde. Auf der Abszisse ist die Bruchspannung 30 in MPa auf- getragen. Die Bruchwahrscheinlichkeit 31 in % ist auf der Or- dinate aufgetragen. Unterschiedliche Gefügequalitäten von ke- ramischen Werkstoffen werden durch die Weibull-Statistik gut beschrieben. Der Weibull-Modul m ist dabei eine wichtige Ma- terialkonstante, weil er die Streubreite der ermittelten Ein- zelwerte charakterisiert. Die Streuung ergibt sich als Ergeb- nis der Materialeigenschaften und dabei als Funktion der Häu- figkeit und Verteilung von makroskopischen Fehlstellen. Je höher der Weibull-Modul m ist, um so geringer ist die Streu- breite. Figur 4 zeigt nun die Weibull-Verteilung des hochfe- sten Bauxit-Porzellans, woraus sich ein Weibull-Modul m von 45,1 errechnen läßt. Da die Weibull-Statistik als eine geeig- nete Methode zur qualitativen Beurteilung des Gefüges von Ke- ramiken herangezogen werden kann, bestätigt der vergleichs-
weise hohe Weibull-Modul m dem hochfesten Bauxit-Porzellan eine sehr gute Gefügegleichmäßigkeit.
In Figur 5 sind die Röntgenspektren eines Tonerde-Porzellans und eines Bauxit-Porzellans einander gegenüber gestellt. Das Tonerde-Porzellan wurde aus einem Versatz der Zusammensetzung 42 Gew.-% Ton und Kaolin, 14 Gew.-% Feldspat, 40 Gew.-% Ton- erde und einem Rest an Sinterhilfsmitteln hergestellt und bei einer Temperatur von 1230 bis 1250 °C gesintert. Das Tonerde- Porzellan wies dabei eine Biegefestigkeit am glasierten Bie- gestab von 209 N/mm2 auf. Das Bauxit-Porzellan wurde aus ei- nem Versatz der Zusammensetzung 35 Gew.-% Ton und Kaolin, 8 Gew.-% Feldspat, 52 Gew.-% calciniertes Bauxit und einem Rest an Sinterhilfsmitteln hergestellt und bei einer Temperatur von 1190 bis 1220 °C gesintert. Das Bauxit-Porzellan wies am glasierten Biegestab eine Biegefestigkeit von 199,6 N/mm2 auf.
Das Röntgenspektrum des Tonerde-Porzellans ist mit X, das Röntgenspektrum des Bauxit-Porzellans mit Y gekennzeichnet.
Die Korund B, Mullit Ai und Quarz D entsprechenden Röntgen- peaks sind gekennzeichnet.
Es wird deutlich sichtbar, daß das Bauxit-Porzellan bei glei- cher mechanischer Festigkeit gegenüber einem Tonerde-Porzel- lan einen verringerten Quarz-Anteil und einen erhöhten Mul- lit-Anteil aufweist.
In Figur 6 sind nun die Röntgenspektren X und Y gemäß Figur 5 noch einmal aus einer anderen Meßreihe dargestellt. Zusätz- lich ist ein Röntgenspektrum Z dargestellt, welches von einem Bauxit-Porzellan aufgenommen wurde, das aus einem Versatz mit 56 Gew.-% calciniertem Bauxit hergestellt wurde. Die übrige Zusammensetzung war dabei wie folgt 33,5 Gew.-% Ton und Kao- lin, 10,5 Gew.-% Feldspat und Speckstein. Die Sintertempera- tur betrug 1190 bis 1220 °C.
Wiederum sind die Röntgenpeaks für Korund B, Mullit Ai und Quarz D gekennzeichnet. Aus Figur 6 wird deutlich sichtbar, daß es mit einem Anteil von 56 Gew.-% an calciniertem Bauxit im Versatz gelingt, den Korund-Gehalt eines hochfesten Ton- erde-Porzellans zu überschreiten, wobei beide Massen hin- sichtlich der mechanischen Festigkeit vergleichbare Eigen- schaften aufweisen. Dies war bislang nicht vorstellbar.
In Figur 7 ist ein als Hochspannungsisolator ausgebildeter keramischer Isolator 40 in teilweise aufgebrochener Darstel- lung gezeigt. Der Isolator 40 weist einen Isolatorgrundkörper 42 aus einem Bauxit-Porzellan 41 sowie Anschlußkappen 44 zum Anschluß und/oder zur Führung von stromführenden Leitungen auf. Der Isolatorgrundkörper 42 ist als ein im wesentlichen zylindrischer Strunk 45 mit einer Anzahl von darauf aufge- brachten tellerförmigen Rippen 46 ausgebildet. Das Bauxit- Porzellan 41 ist, hier nicht näher dargestellt, mit einer Glasur oberflächlich überzogen. Der gezeigte Isolator 40 eig- net sich insbesondere als Bahnisolator gemäß DIN 48006.
Beispiel 1 : Es wird der äquivalente Austausch von Tonerde durch calci- niertes Bauxit untersucht. Hierzu werden die Massen I, II, III, IV und V einander gegenübergestellt.
Die Massen I und V sind Tonerde-Porzellane, wobei der Versatz einen Anteil von 27 Gew.-% bzw. von 40 Gew.-% Tonerde auf- wies. Der Versatz enthielt weiter für Masse I 43,5 Gew.-% Ton und Kaolin, 27,5 Gew.-% Feldspat sowie einen Rest an Sinter- hilfs bzw.-flußmitteln. Der Versatz für Masse V enthielt weiter 43,3 Gew.-% Ton und Kaolin, 12,1 Gew.-% Feldspat und einen Rest an Sinterhilfs und-flußmitteln. Die Sintertempe- ratur für Masse I und Masse V betrug 1230 bis 1250 °C.
Die Massen II und IV sind Bauxit-Porzellane, wobei in Masse II gegenüber dem Versatz von Masse 1 27 Gew. -% Tonerde qui- valent durch 27 Gew.-% calciniertes Bauxit ersetzt wurden. Im
Versatz für Masse IV wurde gegenüber der Masse V 40 Gew.-% Tonerde äquivalent durch 40 Gew.-% calciniertes Bauxit ausge- tauscht. Die Sintertemperatur betrug für Masse II und für Masse IV 1230 bis 1250 °C.
Die Masse III entspricht einem Tonerde/Bauxit-Porzellan, wo- bei im Versatz 13,5 Gew.-% Tonerde und 13,5 Gew.-% Bauxit enthalten sind. Die weitere Zusammensetzung des Versatzes der Masse III entspricht den Massen I bzw. II.
Die Zusammensetzung des verwendeten calcinierten Bauxits ist Tabelle 4 zu entnehmen. Dieses calcinierte Bauxit ist im Han- del frei erhältlich.
Tab. 4 : Chemische Analyse des calcinierten Bauxits Si028,85 A1203 84,32 Fe203 0,94 Ti02 4,11 CaO0,02 MgO 0,22 K20 1,0 NazO0, 47 GV0,24 Beim verwendeten calcinierten Bauxit liegt der lösliche Na20- Gehalt mit 0,03 Gew.-% sehr niedrig. y-Al203 konnte nicht nachgewiesen werden, das Aluminiumoxid liegt demnach als Ko- rund vor. Das Material als solches hat einen Siebrückstand von 9,1 % > 45 um und ist damit deutlich gröber als Tonerde mit maximal 1 % > 45 pm. Der Cilas-Dso-Wert oder die Korn- feinheit liegt mit 14,8 um doppelt so hoch wie bei Tonerde mit 6 bis 8 um. Der Bauxit wurde deshalb vor der Einwage des Versatzes 8 Stunden vorgemahlen, um die Feinheit der Tonerde zu erreichen.
In Tabelle 3 sind chemische Analysen und Meßwerte der Massen I bis V zusammengefaßt. Die Ermittlung der Meßwerte erfolgte gemäß DIN VDE 0335.
Tab. 3 : Chemische Analyse und Meßwerte der Versuchsmassen IIIIVVIII SiO2 43,18 45,26 44,25 36,90 32,58 A1203 45,62 41,97 43,79 50, 31 57, 18 Fe203 0, 74 0, 91 0, 82 0, 98 0,75 1,440,901,920,31TiO20,35 0,350,330,780,68CaO0,28 0,780,730,990,91MgO0,69 4,234,033,112,67K2O3,78 Na20 0, 44 0, 45 0, 50 0, 64 0,69 GV 4,91 4,61 4,64 4,37 4,22
Festigkeit aB (N/mm2) glasiert 1175 1155 1164 1172 1232 Durchbiegung (mm) 116 120 119 124,5 18, 5 Rohbruchfestigkeit (N/mm2) 4,44,96,55,64,8 WAK2o-oooX 10-6 5,75,56,05,75,5 Dilatometerknickpunkt(°C) 11340 11310 11325 11295 1 1350<BR> <BR> <BR> <BR> <BR> <BR> Brennschwindung (%) 9,08,48,859,18,6 Aus Tabelle 3 wird klar ersichtlich, daß die Festigkeit des Porzellans bei einer Substitution der Tonerde durch calci- niertes Bauxit im Verhältnis 1 : 1 deutlich absinkt. Dabei ist der Verlust an Festigkeit bei Verwendung von calciniertem Bauxit in Massen mit hohem Tonerde-Gehalt prozentual deutlich höher als bei Massen mit niedrigem Tonerde-Gehalt. So er-
reicht die Masse IV mit einem Anteil von 40 Gew.-% Tonerde bei Austausch durch calciniertes Bauxit 21,5 % weniger Fe- stigkeit. Die Masse II mit einem Anteil von 27 Gew.-% Tonerde erreicht bei Austausch durch calciniertes Bauxit 11,5 % weni- ger Festigkeit.
Weiter ist Tabelle 3 zu entnehmen, daß bei Austausch der Ton- erde durch calciniertes Bauxit die Werte der Durchbiegung steigen. Weiter wirkt Bauxit offensichtlich erniedrigend auf den Sinterbeginn, auf die Brennschwindung und den Wärme-Aus- dehnungs-Koeffizient (WAK).
Beispiel 2 : Es wird eine Masse VI gemäß der Versatzrezeptur nach Tabelle 2 hergestellt. Tabelle 5 zeigt die Zusammensetzung des ver- wendeten calcinierten Bauxits gemäß einer chemischen Analyse und einer Korngrößenbestimmung.
Tab. 5 : Chemische und physikalische Werte des verwendeten Bauxits Chem.Analyse Korngröße Fe2O3TiO2CaOMgOK2ONa2OGVSRD50-CilasSiO2Al2O3 % % % % % % % % % 63 pm pm 8,74 84,84 1,35 4,020,18 0,26 0,47 0,05 0,11 16,3 24,3 Da das calcinierte Bauxit wesentlich gröber ist als Tonerde wurde es in der Kugelmühle 15 Stunden lang mit Wasser und 4 % des Ball Clay Hymod KC vorgemahlen. Damit wurde ein Cilas- D50-Wert von 9,7 pm erreicht. Anschließend wurden die restli- chen Rohstoffe zugegeben und weitere 2,5 Stunden gemahlen.
Damit stellte sich ein Siebrückstand SR > 63 um von 0,26 % und ein Cilas-Dso-Wert von 7,4 um ein. Die Sintertemperatur betrug 1220 °C.
Tabelle 6 zeigt nun die chemische Zusammensetzung des Bauxit- Porzellans Masse VI.
Tab. 6 : Chem. Analyse des Bauxit-Porzellans Masse VI Fe2O3TiO2CaOMgOK2ONa2OGV%SiO2Al2O3 1,132,270,211,092,740,752,73%31,3457,73 An Bruchstücken von Biegestäben der Masse VI wurde gemäß DIN VDE 0335 T. 2 die Prüfung auf Fuchsinporosität durchgeführt.
In keines der Bruchstücke drang während der Prüfung Farbstoff ein. Das Bauxit-Porzellan ist demnach fuchsindicht.
Die Rohdichte der Masse Vi, ermittelt nach DIN 51065 mit der Auftriebsmethode, beträgt 2,74 g/cm3. Zum Vergleich beträgt die Rohdichte der Masse 1 2,69 g/cm3 und die Rohdichte der Masse V 2,77 g/cm3.
In Tabelle 7 sind weitere Eigenschaften des Bauxit-Porzellans Masse VI gegenüber den Tonerde-Porzellanen Masse V und Masse I gegenübergestellt.
Tab. 7 : Schwindung/Festigkeiten : Masse VI Masse V Masse I Dil.-Knickpunkt °C 1315 1340 1325 SR > 63 pm (%) 0,26 1, 8 0,7 Ziehfeuchte19,419,019,8 Trockenschw.(%) 7, 74 7, 0 6,8 Brennschw. (%) 9,52 8, 9 8,7 Gesamtschw.16,616,118,0 Rohbruchf. (N/mm2) 4,6 6, 2 6,2 Durchbiegung (mm) 20,5 16, 0 18,5 Biegefestigk. un-163,2 174 138 glasiertN/mm2 Biegefestigkeit 199,6 209 173 glasiertN/mm2 Brennfarbe in-mittelbraun/braune Pkte./weiß/weiß nen/außen grau weiß
Es wird klar ersichtlich, daß das Bauxit-Porzellan Masse VI eine mechanische Festigkeit von vergleichbaren Tonerde-Por- zellanen erreicht.
In Tabelle 8 werden die kristallinen Anteile im Gefüge der Massen VI, I und V gegenübergestellt.
Tab. 8 : Vergleich der kristallinen Anteile im Gefüge in % : Quarz Mullit Korund MasseI 3 10 24 MasseV 2 9 34 -1530MasseVI
Das Bauxit-Porzellan Masse VI zeigt einen hohen Gehalt an kristallinem Mullit und Korund, obwohl keine Tonerde verwen- det wurde. Der Quarz ist vollständig in der aggressiven
Schmelzphase in Lösung gegangen. Durch Röntgenspektroskopie war kein Quarz mehr nachweisbar.
Beispiel 3 : Es wird der Einfluß der Sintertemperatur auf die Gefügezusam- mensetzung des Bauxit-Porzellans Masse VI untersucht. Die Er- gebnisse sind in Tabelle 8 zusammengestellt.
Tab. 9 : Quantitative Phasengehalte von Bauxit-Porzellan mit 56,8 % Bauxit (Masse VI) bei unterschiedlicher Brenntempera- tur Probe Gehalte, Gew.-% Glasphase Quarz Korund Mullit Bauxit 1190°c 44 2 0,8 + 0,5 43 1 12 1 Bauxit 1225°C 46 2 0,5 0,5 39 1 14,5 1 Bauxit 1340°C 46,5 2 < 0, 4 32 # 1 21,5 1 Es wird klar ersichtlich, daß die Sintertemperatur einen maß- geblichen Einfluß auf den Korund-Gehalt im Gefüge und darit auf die mechanische Festigkeit des Porzellans hat. So nimmt der Korund-Gehalt bei einer Erhöhung der Sintertemperatur von 1190 °C auf 1340 °C von 43 Gew.-% auf 32 Gew.-% ab.
