LOSEHAND, Christian (Mühlenstr. 10, Waren, 17192, DE)
| Ansprüche 1. Verfahren zur Herstellung einer Platte aus nachwachsenden Rohstoffen, mit den Verfahrensschritten - Mischen einer Masse zur Herstellung einer Platte aus nachwachsenden Rohstoffen, - Auftragen der Masse auf ein Förderband, - Beseitigen hervorstehender Materialien oder Unebenheiten mit einer Vorrichtung, vorzugsweise einem einfachen Rakel, - erstes Trocknen der Masse auf dem Förderband, - Auftrennen der so entstandenen Endlosplatte in Abschnitte, - Endtrocknung in einer Lagervorrichtung, - Abtrennen von Randbereichen der Abschnitte, die durch das Auftrennen der Endlosplatte in Mitleidenschaft gezogen worden sind, - Verarbeitung der Randbereiche zu Häckseln und - Einbringen dieser Häcksel in die Masse zur Herstellung einer Platte aus nachwachsenden Rohstoffen in den weiteren Produktionsprozess. 2. Verfahren nach Anspruch 1 , dadurch gekennzeichnet, dass die gehäckselten Randbereiche erst zu einem Granulat verarbeitet werden, bevor sie in die Masse zur Herstellung einer Platte eingebracht werden. 3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass eine Dekorschicht auf das Förderband aufgelegt wird, auf die die Masse zur Herstellung einer Platte aufgetragen wird und mit der sich die Masse verbindet. 4. Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass nach dem Beseitigen hervorstehender Materialien oder Unebenheiten mit einer Vorrichtung, vorzugsweise einem einfachen Rakel, eine weitere Dekorschicht aufgelegt wird, die sich mit der Masse verbindet, bevor es zum Auftrennen der Endlosplatte in Abschnitte kommt. 5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass nach dem Aufbringen der Masse zur Herstellung einer Platte und dem Beseitigen hervorstehender Materialien oder Unebenheiten mit einer Vorrichtung, vorzugsweise einem einfachen Rakel, mindestens eine weitere Schicht aus einer Masse zur Herstellung einer Platte aufgetragen wird, wobei diese und jede weitere Schicht abermals von hervorstehenden Materialien oder Unebenheiten mit Hilfe einer Vorrichtung, vorzugsweise einem einfachen Rakel, befreit wird. 6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass nach dem Aufbringen der Masse zur Herstellung einer Platte weitere Schichten aufgebracht werden, bevor die Masse von hervorstehenden Materialien oder Unebenheiten mit Hilfe einer Vorrichtung, vorzugsweise einem einfachen Rakel, befreit wird. 7. Verfahren nach einem der Ansprüche 5 oder 6, dadurch gekennzeichnet, dass die aufgetragenen Schichten unterschiedliche Materialzusammensetzungen aufweisen. 8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass Armierungen in die Masse zur Herstellung einer Platte eingebracht werden, wobei diese Armierungen vorzugsweise aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen. 9. Platte aus nachwachsenden Rohstoffen, hergestellt nach dem Verfahren gemäß der Ansprüche 1 bis 8 und umfassend nachwachsende Rohstoffe sowie ein Bindemittel aus Magnesiumcarbonat, Magnesiumoxid, Magnesiumchlorid und Wasser, dadurch gekennzeichnet, dass zusätzlich Glaskugeln beigemischt werden. 10. Platte nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass der Anteil der Glaskugeln 10 bis 50% an der Masse zur Herstellung einer Platte beträgt, vorzugsweise jedoch 10 bis 30% und in einer besonders bevorzugten Form 10 bis 20 %. 11. Platte nach Anspruch 9 oder 10, dadurch gekennzeichnet, dass zusätzlich ein Granulat beigemischt wird. 12. Platte nach Anspruch 11 , dadurch gekennzeichnet, dass das Granulat aus den gehäckselten Randbereichen hergestellt wird, die bei der Herstellung nach dem Verfahren gemäß der Ansprüche 1 bis 8 anfallen. 13. Platte nach einem der Ansprüche 11 oder 12, dadurch gekennzeichnet, dass als weitere Beimengung Holzschnitzel bzw. -späne, Holzabfälle oder Textilabfälle in der Masse zur Herstellung einer Platte enthalten sind. |
Beschreibung
[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von Platten aus
nachwachsenden Rohstoffen im Endlosverfahren, das sich gegenüber bisher bekannten Verfahren durch einen wesentlich geringeren
Energiebedarf abhebt.
[0002] Daneben betrifft die Erfindung eine Platte, die nach dem
erfindungsgemäßen Verfahren hergestellt wird.
Stand der Technik
[0003] Bauelemente aus nachwachsenden Rohstoffen, insbesondere auch für den Innenausbau, werden von weiten Verbraucherkreisen verstärkt nachgefragt. Zumeist weisen sie geringere Preise gegenüber
Bauelementen aus künstlichen oder langsam wachsenden natürlichen Rohstoffen auf. Gegenüber den künstlichen Bauelementen werden sie auch deshalb vorgezogen, weil sie umweltverträglich hergestellt werden können und ein besseres Raumklima schaffen. Um der großen Nachfrage Herr zu werden bieten sich Herstellungsverfahren im Endlosverfahren an.
[0004] Herkömmliche Endlosverfahren - nicht nur zur Herstellung von Platten aus nachwachsenden Rohstoffen - sehen vor, dass ein Gemisch aus dem Grundmaterial und einem Bindemittel unter Einsatz von Druck und/oder Temperatur zu einer Platte verarbeitet werden.
[0005] Platten aus nachwachsenden Rohstoffen und Verfahren zu deren
Herstellung sind dabei bekannt. In der Schrift DE 28 41 172 A1 wird eine Vielzweckplatte offenbart, die aus pflanzlichen Materialien
landwirtschaftlichen Ursprungs und/oder Holzmaterial sowie weiteren Zusatzstoffen besteht. Für die Herstellung werden die genannten mit Bindemitteln versehenen Inhaltsstoffe in einer Plattenschüttung
zusammengefasst und unter Druck- und Temperaturzuführung zu einer Platte weiterverarbeitet. Als Bindemittel werden Zement, Gips oder vergleichbare Materialien verwendet.
[0006] Auch die Schrift DE 198 10 862 C2 offenbart ein Verfahren, mit dem
Dämmplatten aus nachwachsenden Rohstoffen - in diesem Fall teilweise sehr fein geschnittenes und aufgespleißtes Stroh - unter Einsatz von Druck und Temperatur hergestellt werden können. Die
Materialbehandlung ist sehr kostenintensiv. Beide zuvor genannten Verfahren benötigen außerdem sowohl Druck als auch Erwärmung, damit die damit hergestellten Platten einen Zustand erreichen, in dem sie weiterverarbeitet werden können. Bei der zuletzt genannten Dämmplatte muss sogar zusätzlich eine Vorverdichtung erfolgen. Das Beaufschlagen der Ausgangsmaterialien mit Druck ist durch den Einsatz von großen Pressen, die betrieben und gewartet werden müssen, sehr teuer. Auch das Zuführen von Wärme ist mit einem hohen Energieaufwand verbunden.
[0007] In der Schrift DE 198 11 807 A1 wird eine Herstellung eines
Dämmelements vorgestellt, bei der im diskontinuierlichen Verfahren die einzelnen Komponenten miteinander vermischt werden, und diese
Mischung dann in Formen gegeben und gepresst wird, bzw. im
kontinuierlichen Verfahren die Mischung in eine Band- oder Plattenpresse gegeben und unter Druck in Form gebracht wird. Auch wenn durch diese Art der Herstellung ohne Temperatureinwirkung schon eine Verringerung des Energieaufwandes erreicht wird, ist der Beaufschlagen mit Druck mit dem Betrieb einer Maschine und damit mit Energiekosten verbunden. Dieses ist als nachteilig zu beurteilen.
[0008] In der Schrift DE 198 29 261 A1 wird ein Verfahren offenbart, nach dem nachwachsende Rohstoffe wie z.B. Stroh oder Gras einer Zerkleinerung unterworfen und dann mit einem Bindemittel vermischt werden. Diese Masse wird anschließend auf ein Transportband mit Seitenbegrenzung aufgebracht und gegebenenfalls unter leichtem Druck und durch eine thermische Behandlung zum Endprodukt verarbeitet. Bei dieser Erfindung wird Wärme genutzt, um die Mischung bestehend aus nachwachsenden Rohstoffen und Bindemitteln zu einer Platte zu verfestigen. Für die Herstellung dieser Platte ist also ebenfalls mit hohen Energieverbräuchen zu rechnen, um die zur thermischen Behandlung benötigten Vorrichtungen zu betreiben.
[0009] Aus der Offenlegungsschrift DE 10 2007 026 638 A1 ist eine Platte
bekannt, die aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt wird und Hitzebeständigkeit aufweist. Bei dieser Platte werden die
nachwachsenden Rohstoffe aus einem Bindemittel bestehend aus
Magnesiumcarbonat, Magnesiumoxid, Magnesiumchlorid und Wasser vermengt und in Formen zum Aushärten gebracht. Nachteilig bei dieser Platte ist, dass sie vergleichsweise schwer ist und nicht in einem
Endlosverfahren hergestellt werden kann.
Darstellung der Erfindung
[0010] Aufgabe der Erfindung ist es daher, ein kontinuierliches
Herstellungsverfahren bereitzustellen, mit dem Platten aus
nachwachsenden Rostoffen kostengünstiger als nach herkömmlichen Verfahren hergestellt werden können.
[0011] Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe durch die kennzeichnenden
Merkmale des Anspruchs 1 gelöst. Besondere Ausgestaltungsformen des Verfahrens werden in den abhängigen Ansprüchen 2 bis 8 beansprucht.
[0012] Daneben betrifft die Erfindung gleichzeitig eine Platte aus
nachwachsenden Rohstoffen, die in einem kontinuierlichen Verfahren gemäß den Ansprüchen 1 bis 8 hergestellt wird und dabei hohe
Anforderungen bezüglich Stabilität, Verarbeitbarkeit und
Hitzebeständigkeit erfüllt.
[0013] Erfindungsgemäß wird diese zweite Aufgabe durch die kennzeichnenden Merkmale der Ansprüche 9 bis 13 gelöst.
[0014] Bei dem kontinuierlichen Herstellungsverfahren von Platten aus
nachwachsenden Rohstoffen wird zunächst eine Masse zur Herstellung der Platte aus nachwachsenden Rohstoffen, einem Bindemittel und Glaskugeln sowie gegebenenfalls weiteren Beimengungen gemischt. Das Bindemittel kann dabei aus Magnesiumcarbonat, Magnesiumoxid, Magnesiumchlorid und Wasser bestehen, damit brandhemmende
Eigenschaften erreicht werden.
[0015] Diese Masse wird auf ein Förderband verbracht, das seitliche
Begrenzungen aufweist, um eine gleich bleibend breite Platte zu erhalten. Die Dicke dieser Masse ist davon abhängig, welche Dicke die
herzustellende Platte letztlich aufeisen soll. So können Platten in Stärken von bis zu 10 Zentimetern nach dem Verfahren hergestellt werden. Nach oben über diese Masse überstehende Strohhäcksel oder unsaubere Massebeaufschlagungen auf das Förderband werden mit Hilfe eines Rakels eingeebnet. So entstehen auf der Unterseite durch das
Förderband und auf der Oberseite mit Hilfe des Rakels ebene Flächen. Nach einem längeren Trocknen an der Luft wird mit Hilfe eines Messers oder einer Säge diese Platte aufgetrennt. Die Trennstücke weisen nach dem Trennen der noch nicht vollständig getrockneten Platte Ränder auf, die durch das Messer oder die Säge aufgerissen und daher auch schlecht verwertbar sind. Mit diesen unebenen Rändern werden die Platten zur Endtrocknung an der Luft einer Lagerung zugeführt.
[0016] In einem nächsten Verfahrensschritt werden dann die nunmehr vollständig durchgetrockneten Platten entnommen und so konfektioniert, dass die unsauber geschnittenen Randbereiche der Platten als Reststücke abgetrennt werden. Bei geeigneter Wahl der Schnittabstände beim
Trennen kann davon ausgegangen werden, dass auch bei größeren abzutrennenden Bereichen Plattengrößen erreicht werden, die dem
Bedarf der Bauindustrie bzw. Vorschriften an Ausgangsmaterialien gerecht werden. Das Trennmaterial wird in einem nächsten Verfahrenschritt aufgebrochen und einer Granulierung unterzogen. Dieses Granulat wird in einem letzten Verfahrensschritt wiederum dem erfindungsgemäßen Herstellungsprozess der Platte aus nachwachsenden Rohstoffen zugeführt.
[0017] Je dünner die nach dem Verfahren hergestellte Platte ist, desto weniger Verschnitt muss befürchtet werden, da dünne Platte schon auf dem
Förderband gut abtrocknen und so ein Ausreißen der Platten beim Auftrennen vermieden werden kann. Je dicker die Platte wird, desto großer sind die Schnittabstände zu wählen.
[0018] Es ist denkbar, dass diesem Herstellungsprozess weitere
Verfahrensschritte vorausgehen bzw. in ihn integriert werden. Als Beispiel kann hier ein Aufbringen einer Dekorschicht auf das Förderband genannt werden, auf die dann erst die Masse aufgetragen wird. So erhält man eine auf einer Seite mit einer Dekorschicht versehene Platte. Auch das
Auftragen einer weiteren Dekorschicht, nachdem die Platte mit dem Rakel behandelt worden ist, ist möglich. Daneben können auch Platten aus verschiedenen Schichten entstehen, bei denen die Schichten
unterschiedliche Materialzusammensetzungen aufweisen. So können für eine weiter außen liegende Schicht feinere Grundstoffe mit den
entsprechenden Bindemitteln zu einer Masse vermengt werden, während in einer Mittelschicht gröbere Rohstoffe Anwendung finden. Außerdem kann bei den einzelnen Schichten auf weitere Beimengungen wie z.B. Granulate verzichtet werden.
[0019] Nach dem Aufbringen jeder Schicht kann jeweils ein Rakel zur Glättung eingesetzt werden, es ist aber auch denkbar, dass nur die abschließende, letzte Schicht mit dem Rakel behandelt wird, bevor sie dem
Trocknungsprozess zugeführt bzw. mit einer Dekorschicht versehen wird. Außerdem ist es möglich zur Erhöhung der Stabilität der Platte
Armierungen einzubringen, wobei diese Armierungen vorteilhafterweise ebenfalls aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen sollten.
[0020] Von besonderem Vorteil bei einer Herstellung nach dem genannten
Verfahren ist, dass außer der Energie, die zum Aufbringen der Materialien und zum Transportieren und Konfektionieren benötigt wird, keine weiteren Energieeinträge notwendig werden, auch wenn bei einer kurzfristig erhöhten Anfrage zusätzlich die Trocknung durch Wärmezufuhr beschleunigt werden kann. Darüber hinaus können alle Abfallmaterialien, die beim Herstellungsprozess entstehen, problemlos wieder in den
Produktionskreislauf übernommen werden, so dass keine Produktionsabfälle entstehen, die gegebenenfalls sogar kostenpflichtig entsorgt werden müssten.
[0021] Die nach dem Verfahren hergestellte Platte weist den besonderen Vorteil auf, dass sie gegenüber der brandhemmenden Platte nach dem Stand der Technik durch das Einbringen von Glaskugeln, vergleichbare
brandhemmende Eigenschaften aufweisen, jedoch deutlich leichter ist. So wird der Einsatz einer solchen Platte variabler und die Handhabbarkeit verbessert. Dabei sind Glaskugelanteile in der Masse zur Herstellung einer Platte aus nachwachsenden Rohstoffen von bis zu 50 % denkbar, vorzugsweise sollen jedoch nur 10 bis 30 % und in einer besonders bevorzugten Ausgestaltung 10 bis 20 % der Masse aus Glaskugeln bestehen.
[0022] Die Randbereiche können - da sie brandhemmend sind - nicht oder nur schwer einer thermischen Verwertung zugeführt werden und finden in gehäckselter oder granulierter Form innerhalb der Platte als Beimengung eine Wiederverwertung. Damit wird der besonders umweltschonende Gedanke dieser Platte noch weiter unterstrichen.
[0023] Holzschnitzel bzw. -späne oder Holzabfälle, die selbst die Papierindustrie nicht mehr verwerten kann, und Textilindustrieabfälle können darüber hinaus ebenfalls in geringen Mengen innerhalb der Masse zur Herstellung einer Platte Verwendung finden.
[0024] Außerdem steht auch einer Anwendung des Taktverfahrens bei der
Herstellung von erfindungsgemäßen Platten ohne Druck- und
Temperaturbeaufschlagung nichts entgegen. Dieses Verfahren, das in der produzierbaren Menge hinter einem Endlosverfahren zurückbleibt, hat den Vorteil, dass keine Trennstücke entstehen, die granuliert werden müssen. So können andere Materialien, wie z.B. die zuvor genannten Abfälle aus der Papier-, Holz- oder Textilindustrie in höheren Anteilen in die Platte eingegeben werden.
