Berger, Johann (Obere Schlossstrasse 114, Alfdorf, 73553, DE)
| 1. | Verfahren zum Weben von einund/oder mehrlagigen Geweben, insbesondere von AirbagGeweben, dadurch gekennzeichnet, daß von wenigstens zwei Kettbäumen (8, 10) gelieferte Kettfäden verwebt werden. |
| 2. | Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Kettbäume (8,10) spannungsseitig unabhängig voneinander gesteuert werden. |
| 3. | Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Kettbäume (8, 10) mit unterschiedlichen Kettfadenmaterialien bestückt sind. |
| 4. | Verfahren nach Anspruch 1, 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, daß es auf einer mit einer Jacquardmaschine ausgerüsteten Webmaschine durchgeführt wird. |
| 5. | Webmaschine, insbesondere zur Durchführung des Verfahrens nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß sie mindestens zwei Kettbäume (8, 10) aufweist. |
Bei herkömmlichen Verfahren zum Weben von Geweben entstehen durch unterschiedliche Einarbeitungen von Kettfäden nach einem Bindungswechsel lockere Kettfäden, die sich nachteilig betreffend die Gewebedurchlässigkeit und Optik auswirken. Es sind daneben Herstellungsverfahren zum Weben von Doppelgeweben aus einer von nur einem Kettbaum gelieferten Kettschar bekannt, bei denen u. a. aufgrund der Fachgeometrie Spannungsunter- schiede zwischen Ober-und Untergewebe auftreten können, die insofern nachteilig sind als die physikalischen Eigenschaften zwischen Unter-und Obergewebe dadurch differieren. Da jedoch bei der Herstellung von Geweben und im besonderen bei der Herstellung von Airbag- Geweben, also Sicherheitsteilen, größte Bedeutung auf die Prozeßsicherheit der physikalischen Eigenschaften innerhalb von Luftsäcken gelegt werden muß, die aus den entsprechenden Geweben hergestellt sind, sind diese Differenzen zwischen oberer und unterer Gewebelage als äußerst kritisch einzustufen. Dies gilt in besonderer Weise dann, wenn die Gewebe unbe- schichtet zum Einsatz kommen. Im unbeschichteten Bereich ist nämlich die Gleichmäßigkeit der physikalischen Eigenschaften der verschiedenen Gewebelagen von herausragender Bedeu- tung, da hier definierte Luftdurchlässigkeiten in ihrer Gleichmäßigkeit die Funktion eines Luftsacks wesentlich beeinflussen.
Daneben sind die herkömmlichen Verfahren auch noch aus weiteren Gründen zu bemängeln.
Beispielsweise entstehen durch die Zusammenfassung der Kettfadenschar auf dem Kettbaum Nachteile bei der Kettfertigung, da beim Schlichtprozeß durch die hohe Fadenbelegung auf dem Kettbaum eine vollständige Ummantelung jedes einzelnen Fadens mit Schlichte nicht gewährleistet werden kann. Die Schlichte wird auf den Kettfaden aufgebracht, um den Kettfaden im Schlichtprozeß widerstandsfähiger für den Webprozeß zu machen. Dement- sprechend treten bei nicht vollständiger Ummantelung des Fadens mit Schlichte enorme Qualitätseinbußen aufgrund hierdurch verursachter Fehler wie Kapillarbrüche, aufgeschobene Flusennester, Fadenbrüche auf. Diese Fehler könnten bei ausreichender und gleichmäßig aufgetragener Schlichte vermieden werden. Es kann im Schlichteprozeß auch vorkommen, daß aufgrund der hohen Fadenbelegung pro Kettbaum Verklebungen von mehreren Fäden über eine größere Kettstrecke auftreten. Auch diese Verklebungen führen in der späteren Weberei zu den genannten Qualitätseinbußen.
Im sogenannten Hinterfach der Webmaschine ist insbesondere bei der Herstellung zwei-oder mehrlagiger Gewebe von nur einem Kettbaum die Fadendichte sehr hoch. Auch unter Voraus- setzung einer theoretisch optimalen Beschlichtung kann es durch die Enge im Hinterfach zu den genannten Web-und Qualitätseinbußen kommen.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zum Weben von Geweben, ins- besondere von Airbag-Geweben vorzuschlagen, bei dem die aus der Stand der Technik bekannten Nachteile vermieden oder zumindest stark verringert werden.
Die Aufgabe wird gelöst mit einem Verfahren gemäß Anspruch 1. Wenn die für ein Gewebe benötigte Gesamtkettfadenschar auf wenigstens zwei Kettbäume verteilt wird, kann wesentlich besser geschlichtetes Kettfadenmaterial eingesetzt werden als bei herkömmlichen Verfahren.
Bei der vor dem erfindungsgemäßen Verfahren durchzuführenden Kettherstellung kann dann bei gleichsam doppeltem Kettabstand aufgrund der reduzierten Gesamtkettfadenzahl pro Kettbaum eine vollständige Ummantelung der Einzelfäden beim Schlichten erfolgen. Auf- grund der durch das erfindungsgemäße Verfahren möglichen reduzierten Fadenbelegung pro Kettbaum wird auch das Risiko des Verklebens einzelner Kettfäden auf ein Minimum redu- ziert, wobei sowohl verklebte Kettfäden als auch flusige Kettfäden (gebrochene Kapillare aufgrund ungenügender Schlichteummantelung) nahezu vermieden werden. Die Fehlerrate beim Weben läßt sich drastisch senken.
Das erfindungsgemäße Verfahren hat daneben weitere Vorteile, insbesondere wenn in mehr- lagigen Geweben, beispielsweise zweilagigen Geweben, jede Gewebelage separat mit einer Kettfadenschar eines eigenen Kettbaumes produziert werden kann. Dadurch wird eine Span- nungsvergleichmäßigung über die Gewebebreite erreicht, die mit der Herstellung von markt- üblichen einlagigen Flachgeweben vergleichbar ist. Es lassen sich also durch das erfindungs- gemäße Verfahren die erforderliche, sehr hohe Gewebequalität erreichen und in den einzelnen Gewebelagen nahezu identische technische Werte erreichen. Außerdem werden durch die beschriebene Verfahrensweise Spannungsunterschiede beim Übergang von einlagigem P3/3- Bereich auf eine zweilagige Webart auf ein Minimum beschränkt.
In einer vorteilhaften Weiterbildung des erfindungsgemäßen Verfahrens werden die Kett- bäume spannungsseitig unabhängig voneinander gesteuert. Dies führt insbesondere bei zweilagigen Geweben zu einer weiteren Steigerung der Vergleichmäßigung der Gewebe.
In einer anderen vorteilhaften Weiterbildung des erfindungsgemäßen Verfahrens werden die Kettbäume mit unterschiedlichen Kettfadenmaterialien bestückt. Soll ein derartiges Gewebe beispielsweise für einen Seitenairbag in einem Pkw eingesetzt werden, dann kann für die (im Einbauzustand im Pkw) zum Passagier zeigende Lage des Gewebes ein Kettfadenmaterial gewählt werden, das eine den Kopf des Passagiers schonende Airbag-Oberfläche ergibt. Die zum Fenster zeigende andere Lage des Gewebes kann ein Kettfadenmaterial enthalten, das besonders widerstandsfähig ist gegen Glasscherben oder dergl. Es ergibt sich zur diese Weiterbildung der Erfindung auch die Möglichkeit, für die Kettfäden der beiden Lagen Materialien unterschiedlicher Qualität und Preisklasse einzusetzen, wobei auf der"Kopfseite" zum Schutz des Passagiers höherwertige, bzw. besonders zweckmäßige (evtl. feinere) Mate- rialien eingesetzt werden, wogegen auf der"Fensterseite"rauhe billigere Materialien zum Einstz kommen. Hierdurch lassen sich auch die Herstellungskosten senken. Je nach Bedarf können in den zwei oder mehr Lagen Kettfäden unterschiedlicher Festigkeit, Textur, Elastizi- tät, Feinheit oder Werkstoffbeschaffenheit verwendet werden. Es ist auch der Einsatz von elastischen Kettfäden auf einem Kettbaum und unelastischen Kettfäden auf einem anderen Kettbaum denkbar. Die Vorteile dieser Verfahrensweise sind sehr zahlreich.
Zur Veranschaulichung des erfindungsgemäßen Verfahrens wird dieses beispielhaft anhand einer schematischen Zeichnung kurz beschrieben.
Die Figur zeigt in sehr schematischer Darstellung eine Anordnung einer Webmaschine von der Seite. Von Kettbäumen 8 und 10 werden Kettfadenscharen 9 zur Webstelle geliefert, wobei im Bereich eines Harnischpakets 5 einer (stilisiert dargestellten) Jacquardmaschine 7 aufgrund der Auf-und Abbewegungen der einzelnen Kettfäden das Hinterfach 6 und das Webfach 3 gebildet werden. Im Bereich des linken Endes des Webfachs 3 ist das Webblatt 4 zu erkennen. Von hier wird ein und/oder mehrlagiges Gewebe 2 von einer Warenabzugswalze 1 aufgewickelt.
Die erfindungsgemäße Verwendung von zwei oder mehr Kettbäumen beim Verweben von ein und/oder mehrlagigen Geweben bringt nebenher noch einen beachtlichen Kostenvorteil. Durch den Einsatz mehrerer Kettbäume verringern sich die Kettwechselhäufigkeit und auch die Rüstzeiten.
