AMSLER, Bruno (Riedmattstr. 10b, 6052 Hergiswil NW, CH)
| PATENTANSPRüCHE
1 Verfahren zur Herstellung eines bebilderten Gewebes (1 ) welches folgende Verfahrensschritte aufweist:
a. Herstellen eines Games (1 1 ) mittels einer Spinnmaschine (1 0), wobei das Garn (1 1 ) Garneffekte (5) und Positionsmarkierungen (6) aufweist und wobei die Garneffekte (5) eine definierte Position mit Bezugnahme auf die Positionsmarkierungen (6) aufweisen;
b. Einbringen des Garnes (1 1 ) in eine Webmaschine (32) welche einen Sensor (33) zur Erfassung der Positionsmarkierungen (6) des Garnes (1 1 ) auf- weist;
c. Verarbeiten des Garnes (1 1 ) zu einem bebilderten Gewebe (1 ), wobei die Positionsmarkierungen (6) mittels dem Sensor (33) erfasst werden und das vom Sensor (33) gelieferte Signal zur Steuerung der Webmaschine (32) dient, derart, dass die Schussfäden (2) präzise mit Bezugnahme auf die Kettenfäden (3) in das Gewebe (1 ) eingebracht und positioniert werden, so dass am Ende das vordefinierte Bild (4) im Gewebe (1 ) resultiert.
2 Verfahren gemäss Patentanspruch 1 , dadurch gekennzeichnet, dass das Garn (1 1 ) auf eine Schussspule (26) aufgewickelt wird, welche eine Zuordnung des aufgewickelten Garns (1 1 ) zumindest zu einem vordefinierten Bereich eines zu erzeugenden be- bilderten Gewebes (1 ) ermöglicht. Verfahren gemäss Patentanspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Zuordnung mittels einem der Schussspule (26) und/oder der Spinnhülse (1 6) zugeordneten Iden- tifikator (30) direkt oder indirekt erfolgt.
Verfahren gemäss Patentanspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass auf dem Identifi- kator (30) für die Herstellung des bebilderten Gewebes (1 ) relevante Daten gespeichert werden.
Verfahren gemäss Patentanspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass der Identifikator (30) zur Identifizierung von für die Herstellung des bebilderten Gewebes relevanten Daten dient, welche in einer über eine Datenverbindung mit der Prozesssteuerung (34) der Webvorrichtung (32) wirkverbundenen Datenbank (39) gespeichert sind.
Spinnvorrichtung (1 0) zur Herstellung eine Garnes (1 1 ) zur Verwendung in einem der vorangehenden Patentansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Spinnvorrichtung (10) Mittel (1 2) zur Herstellung von Garneffekten (5) und von Positionsmarkierungen (6) aufweist.
Webvorrichtung (32) zur Herstellung eines Garnes (1 1 ) gemäss einem der Patentansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Webvorrichtung (32) Mittel (33) zur Erfassung von Positionsmarkierungen auf einem Garn (1 1 ) aufweist.
Schussspule (26) zum Aufwickeln eines Garnes (1 1 ) gemäss einem der Patentansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass der Schussspule (26) ein Identifikator (30) zugeordnet ist, welcher der Zuordnung des aufgewickelten Garnes (1 1 ) zu einem Bereich eines bebilderten Gewebes (1 ) dient. Spinnhülse (1 6) zum Aufwickeln eines Games (1 1 ) gemäss einem der Patentansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass der Spinnhülse (1 6) ein Identifikator (30) zugeordnet ist, welcher der Zuordnung des aufgewickelten Games (1 1 ) zu einem Bereich eines bebilderten Gewebes (1 ) dient. |
VERFAHREN ZUR HERSTELLUNG EINES BEBILDERTEN GEWEBES
Die Erfindung hegt auf dem Gebiet des Spinnens und Webens von Garn.
Aus dem Stand der Technik sind Verfahren und Vorrichtungen bekannt, die zur Erzeugung von örtlichen Verdickungen im Garn, so genannten Grundflammen, geeignet sind. Diese Grundflammen dienen ausschliesslich zur Charakterisierung der Garnstruktur und um dem Gewebe/Gestrick ein natürliches leinenartiges modisches Aussehen zu geben. Die Verteilung und Proportionen der Flammen wird dementsprechend willkürlich gewählt, um möglichst keinen künstlichen Emfluss sichtbar zu machen. Das heisst, die Effektverteilung darf nicht „bildern", auch nicht bei Verwendung von variablen Gewebebreiten und Schuss- respektive Kettfadenwechsel. Dieses Ziel wird durch möglichst effiziente beeinflussbare Zufallsgeneratorsteuerungen erreicht. Ebenfalls besteht die Möglichkeit, ein entsprechendes Gewebe mit einer stochastischen Verteilung vorgangig mittels einer Computersimulation darzustellen. Da die Effektverteilung an und für sich stochastisch reproduzierbar (d.h. nicht exakt, jedoch vom Gesamteindruck her identisch) sein soll, werden die ganzen Rapporte der Effektverteilung in einem Speicher einer Steuerung abgelegt und nach bestimmten Rezepten und Parametern repetiert, d.h. in den Streckwerksteuerungen abgearbeitet.
DE4041 301 wurde 1 992 publiziert und geht auf denselben Erfinder zurück. DE4041 301 zeigt eine verbesserte Ringspinnvorrichtung zur Erzeugung von Effektgarn, das zur Herstel- lung von Gewebe der oben beschriebenen Art geeignet ist. Eine weitere Vorrichtung zur Herstellung eines Effektgarnes wird in EPl 602756 beschrieben. Bei den aus dem Stand der Technik bekannten Verfahren zur Erzeugung von Effektgarnen auf Ringspinnmaschinen werden in der Regel die Einzugswalzen eines Streckwerkes beschleunigt, was temporar zu einer Erhöhung der verarbeiteten Fasermenge fuhrt und so eine Verdickung (Flamme) im Garn resultiert. Die Ablieferzylmder, sprich Ausgangswalzen, des Streckwerks können gleichzeitig
mit der Umfangsgeschwindigkeit gesteuert werden, was die gesteuerte Veränderung der Garndrehung bewirkt. Die aus dem Stand der Technik bekannten flammartigen Garneffekte sind immer unter Verzug und deshalb parallelisiert, was eine Minimallänge im Bereich der verwendeten Faserstapellänge ergibt. Neben den am häufigsten eingesetzten Ringspinnma- schinen sind weitere Typen von Spinnvorrichtungen zur Herstellung von Effektgarnen bekannt.
Garne werden während dem Spinnprozess typischerweise zur Lagerung und zum Transport auf Spinnhülsen aufgewickelt. Da die Anzahl der anfallenden Spinnhülsen, insbesondere bei grossen Spinnmaschinen, beträchtlich ist und zudem häufig auf ein und derselben Spinnma- schine gleichzeitig unterschiedliche Garne hergestellt werden, kommt der Logistik und dem Handling der Spinnhülsen eine besondere Bedeutung zu. Aus dem Stand der Technik sind verschiedene Spinnhülsen bekannt, die sich zur Speicherung von Daten in digitaler (binärer) Form eignen. Beispielsweise DE3732367 wurde am 25. September 1 987 im Namen der W. Schlafhorst & Co. hinterlegt (Prioritätsdatum 1 6. Mai 1 987) und beschreibt einen Garnträ- ger (Spinnhülse), der zur Speicherung von für nachfolgende Behandlungsvorgänge relevante Informationen in binärer Form geeignet ist. Zu diesem Zweck weist der Garnträger einen mit der Textilspule oder deren Hülse verbundenen, ladbaren, beziehungsweise kodier-, les- und löschbaren, elektronischen Speicherchip auf. In CH41071 8 wird beschrieben, wie auf einer Spulenhülse ein Magnetband anzubringen ist, das als Codeträger dient und beispielsweise Informationen in Form eines Magnetisierungsmusters aufgeprägt enthalten kann. Ebenso DE4038970, welche am 6. Dezember 1 990 im Namen der W. Schlafhorst & Co. hinterlegt wurde und beschreibt, wie eine einer Textilmaschine zugeordnete Schreib-Leseeinrichtung zur Speicherung von Daten auf einem Transportmittel dient. Die Daten, z.B. Herkunft, Bestimmung, Produktbeschaffenheit und dergleichen eines textilen Produktes, werden auf eine Trägerfrequenz moduliert und so drahtlos auf einen Chip übertragen, der beispielsweise auf dem Transportmittel des textilen Produktes angeordnet ist.
Bis heute ist kein Verfahren bekannt, das zur Herstellung eines Gewebes mit exakt vordefinierten und reproduzierbaren Gewebebildern, die aus Garneffekten (lokalen Verdickungen) bestehen, geeignet ist.
Eine Aufgabe der Erfindung besteht darin, ein Verfahren und eine Vorrichtung zu zeigen, die es ermöglichen, vordefinierte und reproduzierbare Bilder in einem Gewebe zu erzeugen.
Die Aufgabe wird durch die in den Patentansprüchen definierte Erfindung gelöst.
Im Unterschied zum Stand der Technik ermöglicht es die Erfindung, Gewebe mit einem exakt vordefinierten, nicht-stochastischen Webbild/Webmuster herzustellen, das durch Webeffekte der Schuss- und/oder Kettfäden gebildet wird. Unter Webeffekten versteht man dabei in der Regel lokale Verdickungen, z.B. in Form einer oder mehrerer Flammen unterschiedlicher Länge oder Farbveränderungen. Die Flammen können dabei in Farbe oder Material dem Grundmaterial des Trägerfadens entsprechen oder aus anderen Farben und/oder einem anderen Material bestehen, z.B. mit anderen Eigenschaften. Ebenfalls besteht die Möglichkeit, Flammen im Wesentlichen mit konstanter Dicke oder einem variablen Drehungsverlauf zu verwenden.
Um ein Webbild in ein Gewebe einzubringen, wird vorgegebenes Bild/Muster in Streifen unterteilt, die im fertigen Gewebe einem oder mehreren Schussfäden, respektive Kettfäden, entsprechen. Abhängig vom darzustellenden Bild/Muster werden den Streifen Webeffekte zugeordnet, z.B. in Form von Flammen mit konstanter oder variabler Dicke, welche im end- gültigen Gewebe nebeneinander angeordnet das Gesamtbild ergeben. Die Aufbereitung des Webbildes erfolgt vorzugsweise automatisiert mittels einer Software, in welche ein Bild/Muster eingelesen oder erzeugt wird. Anschliessend werden bei Bedarf weitere Parameter eingegeben. Hierzu gehören Garndicke und Art, Gewebetyp, Webart, Typ und Geometrie der verwendeten Spinn- und Webmaschine, usw. Aus diesen Daten errechnet die Software
eine optimale Aufteilung des Bildes/Musters auf die einzelnen Schuss- und/oder Kettfäden des Gewebes. Zudem können Positionsmarkierungen definiert werden, welche während dem Webprozess für die exakte Positionierung der Schussfäden bezüglich der Kettfäden und der parallel verlaufenden Schussfäden verwendet werden. Die Informationen werden vorzugs- weise auf dem Garn selber, z.B. in Form von Positionsmarkierungen, und/oder auf dem Träger des Garns (z.B. Spinnhülse und/oder Spinnhülse) gespeichert. Die Informationen können z.B. in Form einer speziellen Positionsmarkierung gespeichert werden. Bei den Positionsmarkierungen kann es sich um eine spezielle (kodierte) Abfolge von Garneffekten und/oder eine chemische oder farbliche oder elektronische Markierung (z.B. RFID) handeln, die z.B. später wieder entfernt werden kann.
Ein Aspekt der Erfindung besteht darin, ein Verfahren und ein System zu zeigen, welches selbst bei sehr hohen Verarbeitungsgeschwindigkeiten spezielle Positionsmarkierungen auf einem Garn, z.B. kodierte Garneffekte in Form einer speziellen Abfolge von Flammen und/oder chemischen, farblichen Markierungen, als lesbare Signale erfassen und auswerten kann, dass Garneffekte beim Webprozess zumindest relativ zueinander positionierbar sind, so dass sie ein vordefiniertes Bild/Muster im Gewebe ergeben. Zu diesem Zweck wird vorzugsweise im Nachlauf einer Serie von zueinander beabstandeten Flammen und in definiertem Abstand zu diesen eine mittels einem Sensor identifizierbare Markierung angebracht. Diese Markierung dient zur Steuerung der Webmaschine und damit zur Positionierung des Garnes im Gewebe. Zu diesem Zweck weist die Webmaschine ein Sensorsystem auf, das zur Detektion der Markierungen auf dem Garn dient. Dieses Sensorsystem (Sensor) wiederum steuert eine Positionierungsvorrichtung, die derart ausgestaltet ist, dass sie den jeweiligen Schussfaden relativ zu den Kettenfäden in einem gewissen Bereich präzise positioniert.
Vereinfacht dargestellt weist ein Verfahren zur Herstellung eines Webbildes/-musters ge- mäss der hier offenbarten Erfindung im Wesentlichen die folgenden Verfahrensschritte auf:
1 ) Herstellen eines Garns mittels einer Spinnmaschine, wobei das Garn Garneffekte, z.B. in Form von Flammen und Positionsmarkierungen, aufweist;
2) Kontrolliertes Aufwickeln des Garns auf eine Schussspule (Kone), welche eine sequentielle Zuordnung des aufgewickelten Garns zu einem zu erzeugenden Web- bild/-muster, resp. einer Serie von Garnträgern ermöglicht;
3) Einbringen der Schussspule in eine dafür ausgerüstete Webmaschine und Verarbeiten des mit Positionsmarkierungen versehenen Garns zu einem bebilderten Gewebe, wobei die Positionsmarkierungen mittels einem Sensor erfasst werden, der mit einer Garnpositionsvorrichtung der Webmaschine wirkverbunden ist und diese der- art steuert, dass die Schussfäden mit Bezugnahme auf die Kettenfäden und/oder sich selber präzise in das entstehende Gewebe eingebracht und positioniert werden.
Eine Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens weist im Wesentlichen die folgenden Komponenten auf:
1 ) Eine Spinnvorrichtung zur Erzeugung von Effektgarn, z.B. eine Ringspinnvorrichtung mit einem Streckwerk, das zur Herstellung von Effektgarn geeignet ist, wobei die Vorrichtung so ausgestaltet ist, dass die Flammen des Effektgarns einen definierten Abstand (gemäss einem Rapport) zueinander aufweisen.
2) Eine Vorrichtung zur Erzeugung von Positionsmarkierungen im Vor- und/oder Nachlauf einer Flamme oder einer definierten Abfolge von Flammen (gemäss einem Rapport) in einer Spinnmaschine.
3) Eine Prozesssteuerungseinheit, die gemäss einem vordefinierten Programm zur Steuerung der Flammenherstellung und der Herstellung der Positionsmarkierung
während dem Spinnprozess dient. Die Steuerung ist z.B. mit dem Antrieb der Rollen eines Streckwerks so wirkverbunden, dass die Flammen durch gezieltes Steuern der Menge der verarbeiteten Fasern entstehen.
4) Falls erforderlich, eine Vorrichtung zum Aufwickeln des Garns von einem oder meh- reren Kopsen (Spinnhülsen) auf eine Schussspule, so dass das Garn auf einer geeigneten Webmaschine verarbeitet werden kann. Bei Bedarf weist die Schussspule ein Speichermittel auf, das zur Aufnahme von Daten über das aufgewickelte Garn und seine relative Positionierung in einem Gewebemuster dienen. Alternativ oder in Ergänzung weist die Schussspule einen Identifikator (z.B. Strichcode, RFI D-Chip) auf, mittels dem das auf der Schussspule aufgewickelte Garn einem Datensatz mit produktionsspezifischen Daten in einer Datenbank zugeordnet werden kann. Der Datensatz kann in eine Prozesssteuerungseinheit einer Webmaschine eingelesen werden und dient zur Steuerung des Webprozesses. Dadurch kann vermieden werden, dass die Daten auf dem Spulenträger gespeichert werden müssen.
5) Eine Webmaschine die zur Verarbeitung eines Garnes mit Positionsmarkierungen und Garneffekten geeignet ist, wobei die Webmaschine in der Regel einen Sensor (Sensorsystem) zur Erfassung der Positionsmarkierungen und, falls vorhanden, für eine Auswerteeinheit zum Auslesen der auf oder der Schussspule zugeordneten Informationen geeignet ist. Z.B. besteht die Möglichkeit, die garnbezogenen Informa- tionen nicht auf der Schussspule selber, sondern in einer Datenbank abzulegen.
Die Schussspule selber ist in diesem Fall nur noch mit einem vorzugsweise maschinenlesbaren Identifikator (z.B. Strichcode) versehen.
6) Bei Bedarf sind in der Webmaschine mehr als eine Schussspule angeordnet. Eine
Prozesssteuerungseinheit bestimmt nach einem Rapport von welcher Schussspule bei einem Schusswechsel Garn für den nächsten Schuss abgezogen wird. Die
Schussspulen sind dabei bezüglich dem darauf gespeicherten Garn aufeinander abgestimmt, so dass beim Weben das gewünschte vordefinierte Garnbild entsteht.
Je nach Ausführungsform besteht die Möglichkeit, zumindest gewisse Positionsmarkierungen nicht mehr auf dem Garn anzubringen, sondern diese zu virtualisieren. Dabei werden die Positionsmarkierungen nicht direkt auf dem Garn angebracht, sondern in digitaler Form auf einem Speichermedium gespeichert oder in Form eines zugeordneten Datensatzes in Form einer Datenbank abgelegt. Zur Initialisierung des Prozesses können bei Bedarf gewisse Informationen in kodierter Form (z.B. Informationen über den Garnanfang) auf dem Garn selber angebracht werden. Dies weist den Vorteil auf, dass der ansonsten in der Regel nicht verwendete Bereich der Faser, welcher die Positionsmarkierung trägt, nicht erforderlich ist.
Bei Bedarf sind Schnittstellen vorgesehen um mehrfache Kopslängen (Länge der auf einem Kops, respektive einer Spinnhülse aufgewickelten Fasern) aneinanderzuhängen und somit kilometerlange Rapporte auf Schussspulen oder Kettenfäden zu erreichen. Ebenfalls besteht die Möglichkeit, die Garn-Codierung dazu zu verwenden, um im Webfach eine Synchronisie- rung mit dem Schusseintrag/Schusswechsel herzustellen. Das Garn kann in abgestimmter Weise auf mehr als einer Schussspule aufgewickelt sein. Eine Prozesssteuereinheit bestimmt beim Schusswechsel von welcher Schussspule das Garn für den nächsten Schuss stammt.
In einer Ausführungsform werden die Garneffekte im Spinnprozess (z.B. Open End, RSM, Jetspinner) mittels programmierter Fasermengensteuerung erzeugt. Z.B. kann der Vorgarn- verzug oder umgekehrt der Abzug der Ablieferwalzen kurzzeitig reduziert werden, um gezielte Dickstellen, (Dünnstellen) zu erzeugen. Dieses Verhältnis der Reduzierung zur Basis bestimmt die Effektdicke, die Länge und Abstände dieser Interruption/Aktion bestimmt die Distanzen zueinander.
Eine Steuerung (Prozesssteuerungseinheit) enthält den gewünschten Rapport, die Abfolge der Effekte. Diese werden in Synchronisation mit der Abliefergeschwindigkeit der Spinnmaschine schrittweise abgearbeitet. Nach dem Ende dieses so genannten Rapportes wiederholt sich dieser Vorgang, wobei Mehrfachrapporte gezielt gemischt werden können. Die Steuer- Signale werden über variable Servomotoren an die Streck/Abrollwalzen der Spinnmaschine übertragen, welche die Vorschubgeschwindigkeiten der faserführenden Walzen beinflussen.
Die Sequenz und Code-Darstellung kann beliebig sein, muss aber definierten Regeln entsprechen. Die Auswertung kann über optische (Durchmesser) oder kapazitive (Volumen) Sensoren erfolgen. Die Interpretation der Signalfolgen ist sinnvoller Weise der Effektgenera- torlogik und -ausbildungsform angepasst. Es sind Codes vorstellbar, die einzeln oder in Gruppen kontinuierlich ausgearbeitet sind. In der Regel sind mehr-dimensionale Codes sinnvoll: Dicke, Länge, Distanz und Sequenz, z.B. BCD Code in 4-er Satz.
Ein weiterer Aspekt der Erfindung betrifft die Handhabung der Garnträger, insbesondere die beim Spinnen resultierenden Garnträger (Spinnhülsen und dann Schussspulen), wie z.B. Kopse von Ringspinnmaschinen (RSM) oder Spulen von Openend-Spinnmaschinen (OE). Für eine erfolgreiche Umsetzung der Erfindung ist es nützlich, die Spinnposition und die dort dem Garn eingeprägte Musterung (Effektgarnrapport) zu kennen und in der Weiterverarbeitung der Garnträger, z.B. im Umspulprozess von einer oder mehreren Spinnhülsen auf eine oder mehrere Schussspulen, gezielt gleichartige Garne zu sammeln oder sogar exakt vorpro- grammierte Reihenfolgen von Garnlängen und entsprechende Effektrapporte aneinanderzu- hängen. So kann ein gewünschtes Aussehen und Bild im Endprodukt des Gewebes oder Gestrickes erzielt werden. Dazu werden die Garnträger vorzugsweise mittels einem Identifi- kator (z.B. RFID-Tag, Strichcode) markiert. Ein weiterer Grund für diese Markierung der Garnträger ist die Aufteilung einer heutzutage superlangen Spinnmaschine in mehrere Sektionen mit unterschiedlichen Effektgarnrapporten. Dies bedeutet, dass nicht die ganze Spinnmaschine dasselbe Muster spinnen muss, bei einer OE-Maschine 4 bis 5 Tonnen Garn am Tag,
sondern, dass kleinere Losgrössen flexibel möglich sind. Schon heute werden die Speisewalzen der OE-Maschinen mit über 240 Spinnpositionen mit 2 und mehr Antrieben ausgerüstet, ebenso bei Ringspinnmaschinen über 600 Spinstellen. Es liegt nahe, diese Segmentierung und Unterteilung der Zylinderstränge zu nutzen und gezielt individuelle Effektprogramme ablaufen zu lassen. Gewisse Basiseinstellungen müssen allerdings übereinstimmen, wie gemeinsame Spindel-, resp. Rotortourenzahl und Ringrahmenhub zum Kopsaufbau bei der Ringspinnmaschine. Ebenfalls sind in der Regel eine oder mehrere in ihrer Funktion aufeinander abgestimmte Prozesssteuereinheiten erforderlich.
Die Programmierung und übergeordnete gesteuerte Verwaltung der Effektprogramme wird in einer Ausführungsform zweckdienlich mittels dem Produktionsnetzwerk der Effektgeräte in einer Spinnerei erledigt. Grob gesagt, erhalten alle Garnträger, z.B. über ein RFID-System, oder einen Strichcode eine fixe Adressierung und beim Aufnehmen des Garnes eine variable Zuordnungsnummer (letztere read/writefähig), je nach Spinnposition und des dort aktuellen Effektprogrammes.
Beim Einsortieren der leeren Hülsen der Ringspinn-Copse und der OE Spulenhülsen, sind diese in der Regel bereits adressiert. Ebenso ist jede Spinnposition vorteilhafter Weise fix adressiert, womit die Information über die dort aktuelle programmierte Effektrapporte sichergestellt ist. Eine Vernetzung mit einer zentralen Recheneinheit ist vorteilhaft, um die Programmierung zu erleichtern. In einer Ausführungsform wird ein Wanderelement mit ü- berschreibkopf benötigt, welches längs der Spinnmaschine traversiert und während dem Spinnen den Hülsen die jeweilige Spinnposition und damit die Effektrapportinformation aus der Spinnpositionsnummer einprägt. Das Wanderelement kann bei der OE-Maschine der Spleisser resp. Spulenwechsler sein, bei der Ringspinnmaschine der Wanderbläser.
Beim Abtransportvorgang der vollen Garnträger von der Spinnmaschine liest eine RFI D- Leseeeinheit am Ausgang der Spinnmaschine die Hülseninformation und stellt entsprechend
die Transport-Weichen zur Spulmaschine in der gewünschten Kombination und Spulenzuordnung. Diese vorgängig beschriebene Garnträger-Codierung, verbunden mit der Markierung des Garnes selbst in der Längsrichtung, erlaubt eine exakte Orientierung und Positionierung einer jeden Garnposition in bisher unerreichter Länge und Menge.
Ausführungsformen der Erfindung werden anhand der nachfolgenden Figuren näher erläutert. Es zeigen schematisch und vereinfacht:
Fig. 1 die Schussfäden eines bebilderten Gewebes;
Fig. 2 die Herstellung eines Effektgarnes mit Positionsmarkierungen;
Fig. 3 die Herstellung eines bebilderten Gewebes mittels erfindungsgemässer Webma- schine.
Figur 1 zeigt schematisch und stark vereinfacht ein bebildertes Gewebe 1 . Zu erkennen sind die Schussfäden 2, die im Wesentlichen parallel zueinander angeordnet sind und mit (hier nicht dargestellten) Kettfäden verwoben (vgl. Figur 3). Das Gewebe 1 weist ein Bild/Muster 4 auf, das hier durch Verdickungen (Flammen) 5 gebildet wird, die mittels einer Spinnma- schine (vgl. Figur 2) hergestellt werden. Bei Bedarf können auch die Kettfäden zum Gesamteindruck der Bebilderung beitragen. Das Gewebe 1 weist zudem Positionsmarkierungen 6 auf, die als Kodierungs- und Positionierungshilfe der Positionierung und gegenseitigen Ausrichtung der Schussfäden 2 beim Weben dienen. Bei der gezeigten Ausführungsform handelt es sich bei den Positionsmarkierungen um spezielle Verdickungen (Flammen), die hier einen definierten Abstand a zueinander und eine definierte Länge L aufweisen. Je nach Anwendungsgebiet weisen die Positionsmarkierungen eine andere Kodierung auf. Der Abstand a und die Länge L werden so gewählt, dass sie einerseits zuverlässig und präzise mittels einem Sensor einer Webmaschine (vgl. Figur 3) erfasst werden können und andererseits nicht in
Konflikt mit den die Bebilderung 4 bildenden Verdickungen 5 stehen. Die Positionsmarkierungen befinden sich in der Regel ausserhalb des nutzbaren Gewebes und werden nach dessen Herstellung, falls erforderlich, abgetrennt.
Figur 2 zeigt schematisch und stark vereinfacht eine Spinnvorrichtung 10, hier beispielhaft eine Ringspinnvorrichtung, zur Herstellung eines Effektgarnes 1 1 mit Flammen 5 und Positionsmarkierungen 6, das während dem Webprozess, z.B. in Form von Schussfäden 2 (vgl. Figur 3), Eingang in ein Gewebe 1 findet. Je nach Anwendungsgebiet besteht die Möglichkeit, ein geeignetes Effektgarn 1 1 mittels einem anderen Typ von Spinnvorrichtung zu erzeugen. Die Ringspinnvorrichtung 1 0 weist ein Streckwerk 1 2 auf, mittels dem ein Vorgarn 1 3 kontrolliert verstreckt wird, bevor es mittels einem auf einer Kreisbahn auf einem Ring 14 um eine Achse A rotierenden Läufer 1 5 versponnen und auf eine Spinnhülse 1 6 aufgewickelt wird. Das Streckwerk 1 2 weist verschiedene, paarweise angeordnete Walzen 1 7, 18, 1 9 und durch die Walzen 1 7, 1 8, 1 9 aufgespannte Riemen 20 auf, deren relative Geschwindigkeit mittels einer damit wirkverbundenen, schematisch dargestellt durch Pfeil 23, Pro- grammsteuerung 21 in einem gewissen Bereich veränderbar ist. Die Programmsteuerung 21 beinhaltet in der Regel einen wirkverbundenen Speicher 22 (vgl. Pfeil 24), aus dem Informationen über das gesamte oder Teile des herzustellenden Gewebes 1 für die Herstellung des Garnes 1 1 abgerufen werden können.
Bei Bedarf können mehrere Streckwerke 1 2 einer Spinnvorrichtung 10 direkt oder via einer Programmsteuerung 21 mittels einem Datenbus, schematisch dargestellt durch Pfeil 24, mit einem Speicher 22 einer entfernt angeordneten Datenbank und/oder einem Zentralrechner 22 verbunden sein. Der Zentralrechner 22 kann zur Aufteilung der Herstellung des Garnes 1 1 für ein bebildertes Gewebe 1 (vgl. Figuren 1 und 3) auf mehrere Spinnstellen 1 0 dienen.
In der gezeigten Ausführungsform werden sowohl die Flammen 5 als auch die Positionsmar- kierungen 6 mittels programmierter Fasermengensteuerung erzeugt, indem z.B. der Verzug
des Vorgarns 1 3 durch die Liefergeschwindigkeit der Walzen des Streckwerkes kurzzeitig reduziert wird. Alternativ oder in Ergänzung kann auch der Abzug der Ablieferwalzen 1 8 kurzzeitig verringert werden, um die gewünschten Dickstellen, respektive dazwischen liegende Dünnstellen, für die Flammen 5 und/oder Positionsmarkierungen 6 zu erzeugen. Dieses Verhältnis der Reduzierung zur Basis bestimmt die Effektdicke, die Länge und Abstände dieser Interruption/Aktion bestimmt die Distanzen zueinander. Die Positionsmarkierungen 6 weisen zu den Flammen 5 einen definierten Abstand auf, der mit dem später im Gewebe darzustellenden Bild/Muster korreliert. Die Positionsmarkierungen 5 können in Laufrichtung (vgl. Pfeil 25) des Garns 1 1 vor oder nach den bild-, resp. musterbildenden Flammen 6 an- geordnet sein. Alternativ oder in Ergänzung können die Positionsmarkierungen anderweitig erzeugt werden, beispielsweise, in dem chemische Positionsmarkierungen mittels Druckköpfen in definiertem Abstand zu den Flammen 6 aufgebracht werden.
Die Schussspulen 1 6 sind vorzugsweise mit einem Identifikator 30 ausgerüstet, mittels dem das auf ihnen zwischengespeicherte Garn identifiziert und gezielt dem nachfolgenden Web- prozess zugeführt werden kann. Bei Bedarf handelt es sich beim Identifikator 30 um einen Strichcode, mittels dem der Spuleninhalt über eine Leseeinheit, einem Datensatz aus einer Datenbank eines über ein Netzwerk verbundenen Zentralrechners, zugeordnet werden kann. Alternativ oder in Ergänzung ist der Identifikator 30 zur Speicherung von Daten geeignet. In diesem Fall handelt es sich beispielsweise um einen RFID-Tag, auf dem berührungslos Daten gespeichert und wieder abgerufen werden können.
Mittels dem Identifikator 30 besteht die Möglichkeit, die für die Herstellung eines bemusterten Gewebes 1 notwendige Garnmenge auf mehrere Spinnhülsen 1 6.1 , 1 6.2 aufzuteilen und anschliessend beim Webprozess in der richtigen Reihenfolge, z.B. durch Umspulen auf eine oder mehrere Schussspulen 26 (vgl. Figur 3) wieder zusammenzuführen.
Figur 3 zeigt schematisch und vereinfacht die Herstellung eines bebilderten Gewebes 1 mittels einer erfindungsgemässen Webmaschine 32. Das Gewebe 1 besteht im Wesentlichen aus parallel angeordneten und in Längsrichtung verlaufenden Kettfäden 3, zwischen die in Querrichtung verlaufende Schussfäden 2 eingewoben werden. Während dem die Kettfäden 3 in der beschriebenen Ausführungsform eine konstante Dicke aufweisen, weisen die Schussfäden 2 einen variablen Dickeverlauf auf. Flammen 5 ergeben im eingewobenen und zueinander ausgerichteten Zustand das darzustellende Bild/Muster 4. Die Ausrichtung der einzelnen Schussfäden 2 erfolgt mittels den Positionsmarkierungen 6, welche während dem Einbringen des Garns 1 1 zwischen den Kettfäden 3 mittels einem Sensor 33 detektiert und erfasst werden. Um Produktionsfehler zu vermeiden sind die Positionsmarkierungen 6 so ausgestaltet, respektive angeordnet, dass sie eindeutig mittels dem Sensor 33 erfasst werden können. Der Sensor 33 liefert ein Signal an eine mit ihm wirkverbunden Programmsteuerung 34. Die Programmsteuerung 34 dient zur Auswertung des Sensorsignals. Die Programmsteuerung 34 ist wiederum mit einer Stellvorrichtung 35 und/oder einem Antrieb 36 für die Zuförderung des Garns 1 1 wirkverbunden, welche zur Steuerung und Kontrolle der (relativen) Position des Garnes 1 1 geeignet sind. In der gezeigten Ausführungsform ist die Stellvorrichtung als eine Anordnung von Führungsrollen 37 vereinfacht dargestellt, welche relativ zueinander verschiebbar sind und so eine sehr feine Positionierung des eingebrachten Garnes ermöglichen. Andere Ausführungsformen sind möglich.
Um für den Webprozess relevante Daten zu ermitteln, werden die mit der Schussspule 26 gespeicherten Informationen identifiziert. Um von der sich im Prozess befindlichen Schussspule 26 Daten zu empfangen, resp. auszutauschen, weist die gezeigte Ausführungsform ein Interface 38 auf, mittels dem die auf dem Identifikator 30 gespeicherten Informationen mittels einem zweiten Sensor 39 gelesen und an die Programmsteuerung 34 übermittelt werden können. Die Programmsteuerung 34 dient bei Bedarf zur Auswertung und/oder Weiterleitung der Daten an einen übergeordneten Prozessrechner 40, der z.B. für die überwachung und Koordination einer Vielzahl von Webprozessen dienen kann.
Next Patent: ENHANCED QUALITY REPORTING FOR TRANSMISSION SESSIONS
