Pollaert, Jo-mathieu (Tannenweg 11, Nordrach, 77787, DE)
| 1. | Verfahren zur Herstellung eines Produktes durch Mehrfachanspritzung, bei dem die Abtrennung des Produktes vom Anguss nach jedem Spritzvorgang im Werkeug bzw. in der Spritzform erfolgt. |
| 2. | Verfahren nach Anspruch 1, bei dem die Abtrennung vor dem Öffnen des Werkzeuges bzw. der Spritzform erfolgt. |
| 3. | Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, bei dem die Abtrennung aufgrund einer Trennbewegung erfolgt, durch die die relative räumliche Anordnung des Produktes zum Anguss verändert wird. |
| 4. | Verfahren nach Anspruch 3, wobei die Trennbewegung eine Hub, Dreh und/oder Hubdrehbewegung ist. |
| 5. | Verfahren nach Anspruch 3 oder 4, wobei die Trennbewegung durch einen Kern oder eine Hülse, oder durch den düsen oder auswerferseitigen Formeinsatz ausgeübt wird. |
| 6. | Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, bei dem die Trennbewegung durch hydraulische, pneumatische, elektrische und/oder mechanische Mittel erzeugt wird. |
| 7. | Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 6. |
| 8. | Vorrichtung zur Herstellung eines Produktes durch Mehrfachanspritzung, welche mindestens ein wirksames Mittel zum Abtrennen des gespritzten Teils vom Anguss innerhalb des Werkzeuges oder der Spritzgießform einschließt. |
Die vorliegende Erfindung betrifft allgemein das Gebiet der Herstellung von Produkten durch Spritzgießen. Insbesondere betrifft die Erfindung ein verbessertes Spritzgießverfahren, bei dem die Abtrennung des gespritzten Teils vom Anguss innerhalb der Spritzgießform erfolgt.
Der im Rahmen der vorliegenden Erfindung verwendete Begriff „Produkt" umfasst sämtliche Erzeugnisse, die durch Spritzgießen von flüssigen bzw. verflüssigten Stoffen oder Mischungen unterschiedlicher Stoffe hergestellt werden können. Dem Fachmann ist klar, dass zahlreiche Stoffe wie insbesondere Kunststoffe durch geeignete Behandlung wie z.B. durch Erwärmung und/oder Erhöhung des Druckes in einen zum Spritzgießen geeigneten flüssigen Zustand überführt und in die Spritzgießform eingebracht werden können, wo sie durch Abkühlen erstarren und die der Hohlform der Spritzgießform entsprechende gewünschte feste Gestalt annehmen.
Üblicherweise werden Produkte, die in einer Spritzgießform hergestellt werden, bei oder nach dem Öffnen der Form durch sogenannte Auswerfer oder Ausstoßer aus dieser Form entfernt und ggf- weiteren Bearbeitungsschritten zugeführt. Das Entfernen des Produktes erfordert stets eine wirksame Abtrennung desselben vom Anguss, wobei mit Anguss erfindungsgemäß der Teil bezeichnet wird, der durch den Spritzprozess entsteht und sich zwischen dem Produkt und der bzw. den gegebenenfalls beheizten Düsen befindet.
In Anwendungsfällen, bei denen der Anguss gleichzeitig die Funktion eines Kaltverteilers als Mehrfachanguss oder Schirmanguss für eine Anspritzung eines Produktes in der Werkzeugtrennung darstellt, erfolgt die Abtrennung gewöhnlich außerhalb der Spritzgießform, da diese Trennung innerhalb der Form bisher technisch nicht realisierbar war. Hierdurch entstehen insbesondere bei der Herstellung von Produkten, für die mehrere, aufeinander folgende Spritzgießschritte durchgeführt werden müssen, eine Reihe von zusätzlichen Bearbeitungsschritten, da das Produkt nach jedem Spritzgießen erst von dem Anguss des vorhergehenden Spritzgießens abgetrennt werden muss, sodass eine weitgehend kontinuierliche Herstellung eines Produktes unter Anwendung mehrstufiger Spritzgießverfahren bisher nicht vorstellbar war.
Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung liegt daher in der Bereitstellung eines Verfahrens, mit dem die Nachteile des Standes der Technik in Bezug auf die Mehrfachanspritzung bzw. Schirmanspritzung eines Teiles beseitigt werden können, sowie in der Bereitstellung von Vorrichtungen zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens.
Die erfindungsgemäße Lösung der geschilderten Aufgabe besteht in der Bereitstellung eines verbesserten Verfahrens zur Herstellung eines Produktes durch Mehrfachanspritzung, bei dem die Abtrennung des gespritzten Teils (Produktes) vom Anguss nach jedem Spritzvorgang im Werkzeug bzw. innerhalb der Spritzgießform, d.h. vor dem tatsächlichen Auswerfen bzw. Ausstoßen des Spritzteils, erfolgt. Nach einer bevorzugten Ausführungsform erfolgt diese Abtrennung in Abhängigkeit des herzustellenden Produktes vor, während oder nach dem Öffnen, der Spritzgießform, wobei die Abtrennung im geschlossenen Werkzeug bzw. in der verschlossenen Spritzform besonders bevorzugt ist.
Das erfindungsgemäße Verfahren basiert auf der Erkenntnis, dass die Abtrennung des gespritzten Teils vom Anguss innerhalb des Werkzeuges bzw. der Spritzform erfolgen kann, sofern die räumliche Anordnung des Produktes oder Spritzteils zum Anguss innerhalb der Spritzgießform durch eine Trennbewegung verändert wird, wobei diese Bewegung vorzugsweise eine Hub-, Dreh- oder Hubdrehbewegung ist. Diese Bewegung bewirkt, dass sich das Produkt vom Anguss ablöst und weiteren Bearbeitungsschritten wie insbesondere weiteren Anspritzungen zugeführt werden kann.
Nach einer besonderen Ausführungsform der vorliegenden Erfindung erfolgt die Übertragung der Trennbewegung auf die Kombination aus Spritzteil und Anguss in Abhängigkeit von der Formgebung des gewünschten Produktes durch den Kern oder z.B. durch eine Hülse. Alternativ wird die Trennbewegung durch den düsen- oder auswerferseitigen Formeinsatz ausgeübt, wobei die Bewegung dann gegen einen feststehenden Kern oder ein funktionell gleichwertiges Bauteil wie z.B. eine feststehende Hülse ausgeübt wird.
Für den Fachmann ist klar, dass es eine Vielzahl von mechanischen Möglichkeiten gibt, bestehende Werkzeuge oder Spritzgießformen derart zu modifizieren, dass die zuvor beschriebene Trennbewegung erzeugt und übertragen wird. Vorzugsweise werden zur Erzeugung und Übertragung der Trennbewegung bekannte hydraulische, pneumatische, elektrische und/oder mechanische Mittel ausgewählt. Die Auswahl dieser Mittel unterliegt keinerlei Beschränkung, sofern sicherge¬ stellt ist, dass das oder die ausgewählten Mittel in der Lage sind, die räumliche Anordnung des Produktes oder Teils zum Anguss zu verändern. Dies bedeutet in der Praxis, dass entweder die Position des Angusses oder des Spritzteils, oder aber die relativen Positionen beider Komponenten zueinander derart verändert wird bzw. werden, dass eine wirksame Abtrennung des gespritzten Teils vom Anguss erfolgt.
Das erfindungsgemäße Verfahren kann sowohl zur Herstellung von Ein-Komponenten- wie auch von Mehrkomponentenprodukten und solchen Produkten angewendet werden, die mit Sandwichverfahren realisiert werden können.
Nach einem weiteren Aspekt werden Vorrichtungen zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens bereitgestellt. Diese Vorrichtungen entsprechen üblichen Vorrichtungen zum Spritzgießen mit der Abweichung, dass sie mindestens ein wirksames Mittel zum erfindungsgemäßen Abtrennen des gespritzten Teils vom Anguss innerhalb des Werkzeuges oder der Spritzgießform einschließen.
Die Figuren 1 und 2 zeigen Schnitte durch eine erfindungs¬ gemäße Vorrichtung und dienen der Erläuterung einer bevorzugten Abtrennung eines Spritzteiles 1 vom Schirmanguss 2 im Rahmen der vorliegenden Erfindung und sind nicht als Beschränkung zu verstehen. Während in Figur 1 und der im Verhältnis 2 : 1 vergrößerten Detailansicht des Bereiches X die Situation vor dem erfindungsgemäßen Trennvorgang dargestellt ist, zeigen Figur 2 und die ebenfalls im Verhältnis 2:1 vergrößerte Detailansicht des Bereiches Y die Situation nach der erfindungsgemäßen Trennung. Entsprechend der in den Zeichnungen dargestellten bevorzugten Ausführungsform erfolgt die erfindungsgemäße Trennbewegung werkzeugtechnisch durch relative Bewegung der Kerne 3 (auswerferseitig) und 5 (düsenseitig) zur Hülse 4 (düsenseitig) . Die Bezugszeichen 6 und 7 betreffen den auswerfer- bzw. düsenseitigen Formeinsatz. Die Ziffer 8 bezeichnet den Schneidhub. Wie insbesondere der Detailansicht des Bereiches Y in Figur 2 entnommen werden kann, ist der Anguss 2 dauerhaft vom Spritzteil 1 abgetrennt.
