HOLLE, Ludger (Neefstr. 10, Hamm, 59071, DE)
SIGMUND, Peter (Tattenbachstr. 19, Augsburg, 86179, DE)
WEICHMANN, Josef (Brandhub 2, Pleiskirchen, 84568, DE)
ZUERN, Siegfried (Bgm.-Völk-Str. 10, Eurasburg, 86495, DE)
SCHEELE, York (Feuerdornstrasse 126, Hamm, 59071, DE)
BECKER, Uwe (Caldenhofer Weg 145, Hamm, 59063, DE)
QUITTMANN, Juergen (Alte Dorfstr. 24, Helle, 16932, DE)
SEMLINGER, Thomas (Bahnhofstrasse 109, Kissing, 86438, DE)
HOLLE, Ludger (Neefstr. 10, Hamm, 59071, DE)
SIGMUND, Peter (Tattenbachstr. 19, Augsburg, 86179, DE)
WEICHMANN, Josef (Brandhub 2, Pleiskirchen, 84568, DE)
ZUERN, Siegfried (Bgm.-Völk-Str. 10, Eurasburg, 86495, DE)
SCHEELE, York (Feuerdornstrasse 126, Hamm, 59071, DE)
BECKER, Uwe (Caldenhofer Weg 145, Hamm, 59063, DE)
QUITTMANN, Juergen (Alte Dorfstr. 24, Helle, 16932, DE)
| Patentansprüche 1. Mehrschichtige Baufertigplatte mit einer geschäumten Kernschicht, auf welche sich beidseitig nach außen in der folgenden Reihenfolge mindestens α) ein Gittergewebe anschließt, sowie darauf mindestens ß) eine Gewebe- oder Vliesschicht, dadurch gekennzeichnet, dass die geschäumte Kernschicht, die Schicht α) und die Schicht ß) durch ein anorganisches Bindemittel verbunden sind, wobei das anorganische Bindemittel die Schicht ß) zumindest teilweise penetriert. 2. Baufertigplatte nach Anspruch 1 dadurch gekennzeichnet, dass das anorganische Bindemittel zumindest teilweise die äußerste Schicht der Baufertigplatte bildet. 3. Baufertigplatte nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass es sich bei dem anorganische Bindemittel um ein hydraulisches Bindemittel handelt. 4. Baufertigplatte nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Kernschicht aus geschäumtem Kunststoff besteht. 5. Baufertigplatte nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass das Gittergewebe α) Glasfasern enthält oder daraus besteht. 6. Baufertigplatte nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Gewebe- oder Vliesschicht ß) aus einem Vliesstoff, einem Textilgewebe, einem feinmaschigen Gewebe oder einem feinmaschigen Gestrick besteht. 7. Baufertigplatte nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Gewebe- oder Vliesschicht ß) einzelne Kunststofffasern oder Kunststoffgarn enthält oder daraus besteht. 8. Baufertigplatte nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Vliesschicht ß) ein Struktur-Vlies aus Polyester, Polypropylen, Polystyrol oder Glasfasern ist. 9. Baufertigplatte nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass die mit dem anorganischen Bindemittel verbundenen Schichten α) und ß) je Plattenseite gemeinsam eine Dicke von 0,5 bis 5 mm aufweisen. 10. Verfahren zur Herstellung einer Baufertigplatte nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Kernschicht gleichzeitig von beiden Seiten beschichtet wird, wobei das anorganische Bindemittel jeweils zwischen die Kernschicht und die Gewebe- oder Vliesschicht ß) eingebracht wird, alle Schichten zusammengeführt und unter Druck miteinander verbunden werden, wobei das anorganische Bindemittel in die Gewebe- oder Vliesschicht ß) eindringt. 1 1. Verfahren zur Herstellung einer Baufertigplatte nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, dass das Gittergewebe α) durch ein Reservoir des anorganischen Bindemittels geführt wird, dabei das anorganische Bindemittel aufnimmt und anschließend mit der Kernschicht und der Gewebe- oder Vliesschicht ß) zusam- mengeführt wird. 12. Verfahren zur Herstellung einer Baufertigplatte nach einem der Ansprüche 10 oder 11 , dadurch gekennzeichnet, dass das Verfahren kontinuierlich und/oder automatisiert durchgeführt wird. 13. Verfahren zur Herstellung einer Baufertigplatte nach einem der Ansprüche 10 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass die geschäumte Kernschicht eine Dicke von 100 mm bis 0,8 mm hat. 14. Verfahren zur Herstellung einer Baufertigplatte nach einem der Ansprüche 10 bis 13, dadurch gekennzeichnet, dass vor und/oder nach dem Verbundvorgang ein Bindemittelbeschleuniger mit dem anorganischen Bindemittel in Kontakt gebracht wird. 15. Verwendung der Baufertigplatte nach einem der Ansprüche 1 bis 9 als Träger für eine Flächenbekleidung aus Fliesen, Platten oder einem Putz. |
HERSTELLUNG
Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist eine mehrschichtige Baufertigplatte mit einer geschäumten Kernschicht, auf welcher sich beidseitig nach außen mehrere wei- tere Schichten befinden, wobei die Schichten mit einem anorganischen Bindemittel verbunden sind. Es werden Verfahren zur Herstellung einer derartigen Baufertigplatte sowie deren Verwendung offenbart.
Baufertigplatten sind im Bauwesen weit verbreitet. Diese flächigen Elemente werden auch als Hartschaumträgerplatten oder Hartschaumträgerelemente bezeichnet. Baufertigplatten bestehen in der Regel aus einem Kern mit geringer Dichte, z. B. aus geschäumten Kunststoffen wie Polystyrol oder Polyurethan. Zum Schutz gegen Beschädigung, zur Stabilisierung und Erhöhung der Biegefestigkeit und zur besseren Haftung von weiteren Beschichtungsmaterialien werden diese Kerne mit verschieden gearteten Beschichtungen versehen. Diese Art von Konstruktionselement wird insbesondere auch im Bauwesen zur Isolation gegen Wärme- und/oder Lärm, als Unterbauelement und als Trägerelement, zum Ausgleich von Unebenheiten in Neu- und Altbauten und als Bauelement für vielfältige Gestaltungsideen im Innenausbau und Trockenbau verwendet. Als Beschichtung bzw. Armierung für den Kern solcher Konstruktionselemente werden u. a. auch Gewebe und vliesartige Materialien verwendet. Diese Materialien werden dabei auf unterschiedliche Weise mit dem Kern verbunden.
Die WO94/08767 beschreibt ein kontinuierliches Verfahren zur Herstellung von Verbundplatten, wobei ein Schaumstoffkern, welcher insbesondere aus Polystyrol beste- hen kann, und ein Gewebe, wobei es sich um Glasfaser aber auch ein Polyester-Vlies handeln kann, mit einem Mörtel verbunden werden. Die Platten können ein- oder beidseitig beschichtet sein. Hierbei ist jedoch nachteilig, dass bei einer zweiseitigen Beschichtung zunächst nur eine Seite der Platte beschichtet werden kann. Erst nach dem Trocknen und Erhärten des Mörtels ist es möglich, die zweite Seite zu bearbeiten. Dies führt zu einer langen Anlagenbelegung und somit zu hohen Kosten. Nachteilig bei diesem Verfahren ist weiter, dass beim ersten Schritt des Verfahrens, nämlich der einseitigen Beschichtung mit Bindemittel, bedingt durch den Trocknungs- und Erhärtungs- prozess, Schwindvorgänge des Bindemittels auftreten können. Diese Schwindvorgänge des Bindemittels bei einseitigem Auftrag können zu nicht erwünschten Verwin- dung/Verbiegung der Platte führen. Derartige Schwindvorgänge müssen deshalb bei den bekannten Verfahren durch aufwändige Maßnahmen beim Erhärtungsprozess, z. B. durch Abdeckung oder Lagerung bei speziellen Bedingungen (Nachbehandlung), oder durch den Einsatz spezieller, schwundreduzierter Bindemittelsysteme oder Mörtel minimiert werden. Beides ist sehr Zeit und/oder kostenintensiv. Weiterhin ist es nachteilig, dass die Stabilität und Eigenfestigkeit der vorgeschlagenen Platten nicht optimal ist. Aufgrund der mechanischen Labilität der zum Einsatz kommenden geschäumten Kernschichten ist es nach dem Stand der Technik bisher nur sehr bedingt möglich, eine Platte mit einer dünnen Kernschicht, insbesondere 5 mm und dünner, in einem kontinuierlichen, automatisierten Verfahren herzustellen.
Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung bestand deshalb darin, eine mehrschichtige Baufertigplatte mit einer geschäumten Kernschicht zur Verfügung zu stellen, die eine sehr hohe Biegefestigkeit aufweist, wobei deren Herstellung in einem kontinuierlichen, automatisierten Verfahren auch für eine dünne Kernschicht möglich sein sollte. Weiter bestand die Aufgabe eine solche Platte möglichst kostengünstig, d. h. ohne aufwändige Nachbehandlungsmaßnahmen und ohne die Verwendung eines speziellen schwundarmen Bindemittels oder einer speziellen Mörtelmischung zu Verfügung zu stellen. Die Bauplatte sollte dabei so aufgebaut sein, dass sie für den Anwender leicht verarbeitbar ist und sich auch noch auf der Baustelle bspw. mit einem Cuttermesser in die gewünschte Form bringen lässt. Weiterhin sollte die Platte eine mineralische und möglichst glatte Oberfläche aufweisen, die z.B. beim Auftragen eines Anstriches oder dem Aufkleben einer Tapete als abschließende Maßnahme zu einem optisch zufriedenstellenden Ergebnis führt.
Gelöst wurde diese Aufgabe durch die Bereitstellung einer mehrschichtigen Baufertigplatte mit einer geschäumten Kernschicht, auf weiche sich beidseitig nach außen in der folgenden Reihenfolge mindestens α) ein Gittergewebe anschließt, sowie darauf mindestens ß) eine Gewebe- oder Vliesschicht, wobei die geschäumte Kernschicht, die Schicht α) und die Schicht ß) durch ein anorganisches Bindemittel verbunden sind, wobei das anorganische Bindemittel die Schicht ß) zumindest teilweise penetriert.
Abgesehen davon, dass die Aufgabenstellung in Bezug auf sämtliche Vorgaben voll- ständig erfüllt werden konnte, hat sich überraschenderweise herausgestellt, dass auch Baufertigplatten mit einer sehr geringen Dicke der geschäumten Kernschicht kontinuierlich und automatisiert hergestellt werden können. Durch den speziellen Schichtaufbau der Baufertigplatte ist eine gleichzeitig beidseitige Beschichtung möglich, wodurch die Maschinenbelegzeiten minimiert werden, auf Nachbehandlungsmaßnahmen ver- ziehtet werden kann und der Einsatz eines speziellen Bindemittels nicht notwendig ist. Die erfindungsgemäße Baufertigplatte kann hierdurch zu sehr niedrigen Kosten hergestellt werden.
Die Kernschicht der Baufertigplatte umfasst bevorzugt einen geschäumten Kunststoff, vorzugsweise aus Polyurethan, Polyethylen, Polypropylen, polymeren oder copolyme- ren aromatischen Vinylverbindungen, insbesondere Polystyrol und ganz besonders bevorzugt aus extrudiertem Polystyrol. In einer bevorzugten Ausführungsform besteht die Kernschicht aus geschäumtem Kunststoff, insbesondere extrudiertem Polystyrol. Die Kernschicht kann auch mehrere miteinander verklebte oder verschweißte Schichten umfassen.
Bei dem anorganischen Bindemittel handelt es sich insbesondere um ein hydraulisches Bindemittel, bevorzugt um Zement, insbesondere Portlandzement. Weiterhin kommen als Bindemittel auch Geopolymere in Frage. Hierbei handelt es sich um alkaliaktivierte Alumosilikatbindemittel, also um mineralische Materialien, die durch Umsetzung von mindestens zwei Komponenten gebildet werden. Bei der ersten Komponente handelt es sich um eine oder mehrere hydraulische, reaktive Feststoffe, welche SiO 2 und AI 2 O 3 enthalten, z. B. Flugasche und/oder Metakaolin und/oder Zement. Die zweite Komponente ist ein alkalischer Aktivator, z.B. Natrium-Wasserglas oder Natriumhydroxid. In Gegenwart von Wasser kommt es durch den Kontakt der beiden Komponenten zur Erhärtung durch Bildung eines alumosilikatischen, amorphen bis teilkristallinen Netz- werkes, welches wasserbeständig ist. Weiterhin kann als anorganisches Bindemittel auch hydraulischer Kalk eingesetzt werden.
Bevorzugt wird das Bindemittel vor dem Auftragen auf die Platte bereits mit Füllstoffen zu einem Mörtel gemischt und/oder nach Applikation mit Füllstoffen durch Auftragen und/oder Besprühen versehen. In einer weiteren Ausführungsform umfasst das anorganische Bindemittel Polymere, insbesondere polare Polymere und redispergierte Polymerpulver, vorzugsweise Homo- oder Copolymere aus der Reihe Vinylacetat, Styrol, Butadien, Ethylen, Versatinsäure-Vinylester und/oder Harnstoff-Formaldehyd- Kondensationsprodukte und/oder Melamin-Formaldehyd-Kondensationsprodukte. Wei- terhin kann das Bindemittel Verdicker, Wasserretentionsmittel, Dispergiermittel, Rheologieverbesserer, Entschäumer, Verzögerer, Beschleuniger, Zusatzstoffe, Pigmente sowie organische oder anorganische Fasern enthalten.
In einer bevorzugten Ausführungsform umfasst das Gittergewebe α) monofile Drähte oder Fasern, insbesondere Glasfasern oder Metallgitter. Vorteilhaft können korrosionsbeständige Edelstahle, insbesondere rostfreier Stahl eingesetzt werden. Es ist aber auch möglich, multifile Fäden aus Naturfasern, Synthesefasern oder Glasfasern zu verwenden. Bevorzugt enthält das Gittergewebe α) Glasfasern oder besteht daraus. Das Gittergewebe ist bevorzugt grobmaschig und kann insbesondere einen Abstand der Fasern zwischen 1 und 20 mm aufweisen. Das Gittergewebe ist dadurch fähig anorganisches Bindemittel in den durch das Gitter gebildeten Hohlräumen vermehrt aufzunehmen und verleiht der Bauplatte dadurch eine hervorragende Biegesteifigkeit, was sich insbesondere bei der Montage von größeren Bauplatten vorteilhaft auswirkt.
Die Gewebe- oder Vliesschicht ß) besteht bevorzugt aus einem Vliesstoff, einem Textilgewebe, einem feinmaschigen Gewebe oder einem feinmaschigen Gestrick. Die Schicht ß) umfasst somit einzelne Kunststofffasern oder Kunststoffgarn oder besteht daraus. Bei der Vliesschicht ß) handelt es sich bevorzugt um ein Struktur-Vlies aus Polyester, Polypropylen, oder Polystyrol. Weiterhin kann es sich um ein Glasfaservlies handeln. Unter Vliesstoffen werden textile Flächengewebe verstanden, welche als Wirrgelege einzelne Fasern oder Fäden umfassen. Im Gegensatz dazu werden Gewe- be, Gestricke und Gewirke aus regelmäßig angeordneten Fäden oder Garnen hergestellt. Die Vliesschicht ist so gestaltet, dass diese unter leichtem Druck zusammenge- presst werden kann. So kann beim Pressvorgang Bindemittel aufgenommen und die Vliesschicht gleichzeitig mit Bindemittel getränkt werden. Überschüssiges Bindemittel, das durch einen Abstreifprozess entfernt werden müsste, fällt somit, wenn überhaupt, nur minimal an. Gleichzeitig wird so die Vliesschicht auch an deren zur Kernschicht abgewandten Seite, also der späteren Oberfläche der Bauplatte, mit Bindemittel versehen.
Bevorzugt weisen die mit dem anorganischen Bindemittel verbundenen Schichten α) und ß) je Plattenseite gemeinsam eine Dicke von 0,5 bis 5 mm auf.
In einer bevorzugten Ausführungsform bildet das anorganische Bindemittel zumindest teilweise die äußerste Schicht der Baufertigplatte. Die Baufertigplatte erhält hierdurch einen besonders guten Haftgrund und kann somit vorteilhaft als Träger für eine mit zementärem Fliesenkleber verlegten Flächenbekleidung aus Fliesen, Platten oder einem Putz verwendet werden kann. Aufgrund der ebenen Oberfläche eignet sich die erfindungsgemäße Platte aber auch als Träger für eine Tapete oder kann direkt mit einem dünnen Farbanstrich versehen werden. Um die Haftungseigenschaften und die Stabilität der Platte noch weiter zu erhöhen, besteht auch die Möglichkeit nach dem Verbundvorgang ein Bindemittel auf mindestens einer Seite der Platte auf die Vliesschicht aufzubringen. Hierbei kann es sich wiederum um ein hydraulisches Bindemittel, bevorzugt um Zement, Geopolymere, hydraulischen Kalk und/oder Wasserglas handeln. Weiterhin ist es auch möglich, ggf. noch einen Beschleuniger einzusetzen.
Ein weiterer Aspekt der vorliegenden Erfindung ist ein Verfahren zur Herstellung der erfindungsgemäßen Baufertigplatte, wobei die Kernschicht gleichzeitig von beiden Seiten beschichtet wird. Hierbei wird das anorganische Bindemittel jeweils zwischen die Kernschicht und die Gewebe- oder Vliesschicht ß) eingebracht, alle Schichten zusammengeführt und unter Druck miteinander verbunden, wobei das anorganische Binde- mittel in die Gewebe- oder Vliesschicht ß) eindringt.
Bevorzugt wird das anorganische Bindemittel zunächst mit dem Gittergewebe α) in Kontakt gebracht, wobei das Gittergewebe α) das anorganische Bindemittel aufnimmt und zusätzlich als Schichtdickenkontrolle für das anorganische Bindemittel dient. Die Schichtdicke des Bindemittels muss auf beiden Plattenseiten möglichst gleich sein, um ein Verbiegen der Platten durch die Schwindvorgänge beim Trocknen zu vermeiden. Das Gittergewebe α) kann hierzu beispielsweise durch einen Spalt zwi- sehen zwei gegenläufigen Walzen geführt und hierbei mit dem anorganischen Bindemittel beaufschlagt werden. Bevorzugt wird das Gittergewebe α) durch ein Reservoir des anorganischen Bindemittels geführt. Hierbei kann es sich beispielsweise um ein Tränkbecken handeln, welches mit dem anorganischen Bindemittel gefüllt ist. Die Menge an aufgenommenen Mörtel ist von der Viskosität des anorganischen Bindemittels aber auch insbesondere von der Schichtdicke und Struktur des Gittergewebes abhängig. Anschließend wird das Gittergewebe α) mit der Kernschicht und der Gewebeoder Vliesschicht ß) zusammengeführt.
Es ist aber auch möglich, das anorganische Bindemittel direkt zwischen die Kernschicht und die Gewebe- oder Vliesschicht ß) einzubringen. Insbesondere kann das Einbringen durch Einspritzen über eine Schlauchleitung geschehen.
Das Verfahren kann insbesondere kontinuierlich und/oder automatisiert durchgeführt werden. Hierbei hat sich gezeigt, dass das Verfahren sehr variabel bezüglich der Dicke der Kernschicht ist. Insbesondere lassen sich mit dem Verfahren auch sehr dünne Platten herstellen. Dies war bei den bisherigen Verfahren aufgrund der mechanischen Empfindlichkeit der Kernschicht problematisch, insbesondere bei Einsatz von extrudier- tem Polystyrol. Durch das gleichzeitige Beschichten der Kernschicht auf beiden Seiten werden dünne Platten besonders gut stabilisiert und auch ein Verwinden der Platten wird verhindert. Die geschäumte Kernschicht hat bevorzugt eine Dicke von 100 mm bis 0,8 mm, insbesondere 70 mm bis 1 mm und besonders bevorzugt 30 mm bis 5 mm.
Das Verbinden der Schichten unter Druck kann mit allen dem Fachmann hierfür be- kannten Verfahren durchgeführt werden. Insbesondere kann die mehrschichtige Baufertigplatte zwischen zwei gegenläufigen Walzen verpresst werden. Die Oberfläche der Walzen kann glatt sein. Je nach Verwendungszweck der Bauplatte kann es aber auch vorteilhaft sein, wenn die Walzen eine Oberflächenstruktur aufweisen und die Struktur sich nach dem Verbinden der Schichten auf der Oberfläche der Bauplatte abzeichnet. Hierdurch kann die Haftung einer nachfolgend aufgebrachten Flächenbekleidung verbessert werden.
In einer bevorzugten Ausführungsform wird vor und/oder nach dem Verbundvorgang ein Bindemittelbeschleuniger mit dem anorganischen Bindemittel in Kontakt gebracht. Hierbei ist es bevorzugt, dass der Beschleuniger kurz vor dem Verbinden der Schichten mit dem Bindemittel in Kontakt gebracht wird, was bevorzugt durch Besprühen geschieht. Es ist aber auch möglich, den Beschleuniger bereits in das anorganische Bindemittel einzuarbeiten. In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform wird der Beschleuniger erst aufgebracht, nachdem die Schichten der Baufertigplatte durch Druck miteinander verbunden wurden. Dies kann wiederum bevorzugt durch Besprühen geschehen. Bei dem Beschleuniger kann es sich beispielsweise um ein Sulfat, Nitrat, Nitrit, Formiat, Aluminat, Silikat oder Hydroxid oder deren Mischungen handeln. Be- sonders bevorzugt sind Aluminiumsalze wie Aluminiumsulfat und Aluminiumhydroxid, welche insbesondere als wässrige Lösungen eingesetzt werden.
Die Verwendung eines Beschleunigers hat den Vorteil, dass die Baufertigplatte nach sehr kurzer Zeit eine hohe Festigkeit aufweist. Die Platten können auch ohne die Verwendung eines Beschleunigers direkt nach der Herstellung gestapelt werden. Insbesondere hydraulische Bindemittel erhalten hierdurch optimale Bedingungen beim weiteren Aushärten, da es nicht zu einem vorzeitigen Wasserverlust kommt. Ein Trocknen der Bauplatten in einem Ofen ist hierbei nicht notwendig. Das erfindungsgemäße Ver- fahrens ist somit besonders Ressourcensparend und führt weiterhin zu einer deutlichen Kosten red u ktion und einer verbesserten Steifigkeit der Platte, bezogen auf die eingesetzte Menge an anorganischem Bindemittel.
Es ist auch möglich, dass die erfindungsgemäße Baufertigplatte weitere Schichten um- fasst, insbesondere kann es sich hierbei um eine Papier- oder Kunststoffschicht handeln. In einer bevorzugten Ausführungsform handelt es sich bei der Kunststoffschicht um einen Thermoplasten aus der Reihe Polystyrol, Acrylnitril-Butadien-Styrol, PoIy- ethylen, Polypropylen, Polyamid, Polymethylmethacrylat und Polycarbonat, besonders bevorzugt Polystyrol. Hierbei hat es sich für die Biegefestigkeit und die Undurchlässig- keit gegenüber Feuchtigkeit der Bauplatte als besonders vorteilhaft erwiesen, wenn die Kunststoffschicht aus einer gereckten Kunststofffolie besteht. Besonders bevorzugt ist die Papier- oder Kunststoffschicht feuchtigkeitsdicht. In einer bevorzugten Ausführungsform befindet sich diese zusätzliche Schicht zwischen der geschäumten Kernschicht und dem Gittergewebe α).
Insgesamt wird eine mehrschichtige Baufertigplatte vorgeschlagen, welche sich durch eine hohe Steifigkeit auszeichnet. Aufgrund des Aufbaus der Baufertigplatte kann diese auch mit einer sehr dünnen geschäumten Kernschicht in einem automatisierten, kontinuierlichen Verfahren herstellt werden. Durch das gleichzeitige Beschichten beider Seiten wird weiterhin vermieden, dass es zu einem Verziehen oder Verwinden der Platte kommt. Es werden somit sehr ebene Baufertigplatten erhalten, welche einen problemlosen planparallelen Einbau am jeweiligen Einsatzort erlauben und einen sehr guten Untergrund für die weitere Bearbeitung darstellen.
Das nachfolgende Beispiel verdeutlicht die Vorteile der vorliegenden Erfindung. Beispiel
Fig. 1 zeigt den schematischen Aufbau einer Vorrichtung zur Herstellung einer erfindungsgemäßen mehrschichtigen Baufertigplatte gemäß nachfolgendem Beispiel.
Ein Gittergewebe (2) aus Glasfasern mit einer Gesamtschichtstärke von 2 mm und einer Maschenweite von 0,5 cm wird über Rollen in ein Mörtelbad (1) geführt. Nach Aufnahme des Mörtels wird das mörtelgetränkte Gittergewebe dem Hartschaumkern (4) aus extrudiertem Polystyrol (Schichtdicke 3 cm) zugeführt. Gleichzeitig wird ein Polyestervlies (3) bestehend aus einem Gewirke von Polyesterfasern mit einem Durchmesser von 0,1 mm und einer Schichtstärke von 3 mm ebenfalls über Rollen dem Gittergewebe zugeführt und über eine Anpressrolle mit dem Gittergewebe (2) und dem Hartschaumkern (4) verbunden. Ein Messer (5) schneidet die so hergestellten mehrschichtigen Baufertigplatten (6) in die gewünschte Endlänge. Die so hergestellten mehrschichtigen Baufertigplatten können sofort gestapelt und zur Trocknung und Erhärtung des Mörtels zwischengelagert werden.
Mörtelzusammensetzung:
Quarzsand bis 0,3 mm 49 Gew.-% Kalksteinmehl 27 Gew.-%
Anhydrit 3,5 Gew.-%
Portlandzement CEM I 52,5 R 14 Gew.-%
Dispersionspulver (Vinylacetat-Ethylen-Copolymer) 2,0 Gew.-%
Tonerdezement 3,5 Gew.-% Celluloseether (Tylose MH 2000 YP 2 der Clariant AG) 0,5 Gew.-%
Zitronensäure 0,5 Gew.-% Anmachwassermenge: 260 g Wasser auf 1 kg Mörtel.
