WEINGART, Andreas (Seenwenstrasse 12, Hochwald, CH-4161, CH)
A n s p r ü c h e:
1. Verfahren zur Gewinnung von Metallteilen aus Rückständen von Müllverbrennungsprozessen mit den folgenden Schritten:
• mit Hilfe eines Metall-Detektierverfahrens, insbesondere eines Induktiv- Meßverfahrens werden die Rückstände in metallfreie und Metall enthaltende Schlacke sowie freie Metalle getrennt,
• die Metall enthaltenden Schlacken und freie Metalle werden in den oberen Einlauf eines Schachtes einer Zerkleinerungsvorrichtung gegeben, in dem axial beabstandete, vorzugsweise aus Ketten bestehende Rotorelemente, um eine vertikale Achse drehend angetrieben werden, wobei das Material durch den Schacht von oben nach unten durchfällt, wobei
• mineralische Bestandteile der Schlacke zu feinem, körnigem Material zerkleinert und freie Metalle von anhaftender Schlacke befreit werden und die Metallteile im Wesentlichen unzerkleinert bleiben, und
• das frei aus dem Schacht herausfallende und aus einem unteren Auslauf der Zerkleinerungsvorrichtung austretende Material wird anschließend nach Metallteilen und dem übrigen Material sortiert
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Material von einer oberen Gruppe von Rotorelementen, die in einer ersten Drehrichtung angetrieben sind, bearbeitet und danach von mindestens einer zweiten Gruppe von Rotorelementen bearbeitet wird, die in der entgegengesetzten Drehrichtung angetrieben werden.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß vor dem Trennen metallhaltiger und metallfreier Schlacke von der Schlacke Unterkorn abgetrennt wird.
4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Größe des Unterkorns im Bereich von 0 bis 5 mm liegt.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß das Metallgemisch in NE- und FE-Metalle getrennt wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß die metallhaltige Schlacke von drei oder vier untereinander angeordneten Gruppen von Rotorelementen zerkleinert wird, wobei in benachbarten Gruppen die Rotorelemente gegengesetzten Drehsinn aufweisen.
7. Anlage zur Gewinnung von Metallteilen aus Rückständen von Müllverbrennungsprozessen mit den folgenden Merkmalen:
• Eine Aufkonzentrationsstufe durch die Rückstände mit Hilfe einer ersten Fördervorrichtung hindurchgeführt werden und die eine Metalldetektions- vorrichtung und eine Sortiervorrichtung für freie Metalle und metallhaltige Schlacke aufweist, wobei die Sortiervorrichtung nach Maßgabe der Signale der Detektionsvorrichtung freie Metalle und metallhaltige Schlacke zu einer zweiten Fördervorrichtung bewegt,
• eine Zerkleinerungsvorrichtung, nachgeordnet der zweiten Fördervorrichtung mit einem rohrförmigen Schacht, in dessen oberes Ende freie Metalle und metallhaltige Schlacke eingetragen werden und in dem mindestens eine Gruppe von horizontalen, um eine vertikale Achse angetriebenen Rotorelementen, vorzugsweise Ketten, angeordnet ist, und β eine dem Auslauf der Zerkleinerungsvorrichtung nachgeordnele Sortiervorrichtung, in der zerkleinerte Schlacke und im Wesentlichen un- zerkleinerte Metallteile getrennt werden.
8. Anlage nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß mindestens zwei Gruppen von Rotorelementen untereinander angeordnet sind, wobei die Drehrichtung der Rotorelemente der Gruppen entgegengesetzt ist.
9. Anlage nach Anspruch 7 oder 8, dadurch gekennzeichnet, daß der Sortiervorrichtung eine weitere Sortierstufe nachgeordnet ist, die FE- und NE- Metalle trennt.
10. Anlage nach Anspruch 7 oder 8, dadurch gekennzeichnet, daß zwei Gruppen von Rotorelementen von einer oberhalb des Schachtes angeordneten Antriebsvorrichtung über eine koaxiale Welle angetrieben sind.
11. Anlage nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, daß mindestens eine dritte Gruppe von Rotorelementen von einem unterhalb der Rotorelemente der dritten Gruppe angeordneten Antriebsvorrichtung angetrieben ist. |
Verfahren und Anlage zur Gewinnung von Metallteüen aus Rückständen von
Müllverbrennungsprozessen
Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur Gewinnung von Metallteilen aus Schlacken von Müllverbrennungsprozessen nach dem Patentanspruch 1.
Zur Vermeidung von Deponien ist bekannt, insbesondere Abfälle aus Haushalten zu verbrennen. Dies geschieht in sogenannten Müllverbrennungsanlagen. Es ist auch bereits bekannt, bei der Müllverbrennung Energie zu erzeugen. Dies erfordert eine geeignete Aufbereitung der Abfallstoffe.
Der Müll Verbrennung geht häufig keine Vorsortierung voraus, bei der etwa die im Müll befindlichen Metallteile separiert werden.
Bei der Müllverbrennung entsteht als Rückstand Schlacke. Metallteile, die noch in die Verbrennungsanlage eingetragen werden, werden zusammen mit der Schlacke aus der Verbrennungsanlage ausgetragen. Da die Temperatur in der Verbrennungsanlage üblicherweise nicht die Schmelztemperatur aller Metalle erreicht, verändern diese normalerweise nicht ihre Ursprungsform. Es ist daher möglich, eine Trennung von Metallteilen und Schlacken durch Magnete und Wirbelstromabscheider vorzunehmen. Allerdings befindet sich eine nicht unerhebliche Menge an Metall in Schlacke eingeschlossen. Außerdem sind noch freie Metalle, die im Wirbelstromabscheider oder durch Magnete nicht ausgeschieden werden, mit Schlacke behaftet, für die der Verwerter von Altmetall keine Verwendung findet.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur Gewinnung von Metallteilen aus Schlacken von Müllverbrennungsprozessen zu schaffen, bei dem auch in Schlacken eingeschlossene Metallteile und freie Metallstücke gewonnen werden können, im Wesentlichen ohne diese zu zerstören bzw. zu zerkleinern.
Diese Aufgabe wird durch die Merkmale des Patentanspruchs 1 gelöst.
Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren wird durch einen Magnet- und Wirbelstromabscheidungsprozeß weitgehend freies Metall von der Schlacke getrennt. Die Schlacke wird anschließend mit Hilfe eines weiteren Verfahrens, insbesondere eines Induktionsmeßverfahrens in metallfreie und Metall enthaltende Schlacke sowie freie Metalle getrennt. Ein solches Verfahren ist grundsätzlich bekannt, etwa aus Artikel „Kompakt, schnell und sauber" im RECYCLING- Magazin 05/2007. Es ist möglich, durch ein geeignetes Detektionsverfahren festzustellen, ob Schlackebrocken Metall in meßbarem Umfang enthalten. Durch eine geeignete Trennmethode, beispielsweise durch Ausblasen mit Druckluft, lassen sich die metallbehafteten Schlackenstücke sowie freie Metalle von den metallfreien trennen. Die Metall enthaltende Schlacke und freie Metalle werden in
den oberen Einlauf eines Schachtes einer Zerkleinerungsvorrichtung gegeben, in dem z.B. mindestens eine Gruppe von axial beabstandeten Rotorelementen um eine vertikale Achse drehend angetrieben ist. Vorzugsweise weisen Rotorelemente einer oberen Gruppe eine Drehrichtung auf, die entgegengesetzt zur Drehrichtung von Rotorelementen einer darunter angeordneten Gruppe ist. Die Rotorelemente, beispielsweise Ketten oder dergleichen, wirken schlagend auf die Schlacke ein und schleudern sie außerdem gegen die Wandung des Schachtes. Besonders wirksam ist der gegenläufige Schlagimpuls, wenn die Schlacke von der einen Gruppe der Rotorelemente in die andere übertritt. Dieses Verfahren bewirkt, daß die Schlacke zu körnigem oder pulverförmigem Material zerkleinert wird, während das Metall im Wesentlichen unzerkleinert bleibt. Freie Metallteile werden von anhaftender Schlacke befreit. Schließlich wird das aus dem Auslaß der Zerkleinerungsvorrichtung austretende Material in einem weiteren Schritt separiert, indem die zerkleinerte Schlacke von den Metallteilen getrennt wird. Dies kann über ein Sieb, einen Windsichter oder dergleichen Trennvorrichtungen erfolgen.
Eine Zerkleinerungsvorrichtung, wie sie obenerwähnt ist, ist grundsätzlich bekannt, etwa aus WO 2007/036362. Sie wird zum Zerkleinern von Haufwerk eingesetzt. Mit ihr kann relativ heterogenes, schüttfähiges Material in ein relativ homogenes zerkleinertes Gemisch verwandelt werden. Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren wird diese Vorrichtung dazu verwendet, in Schlacke eingeschlossenes Metall und Metallteile von der Schlacke zu befreien und der Verwendung zugänglich zu machen.
Nach einer Ausgestaltung der Erfindung erfolgt in einer weiteren Stufe die Trennung des Metallgemisches durch Separierung von Nichteisen und Eisenmetallen.
Um das erfindungsgemäße Verfahren effizienter zu gestalten, sieht eine Ausgestaltung der Erfindung vor, daß vor dem Trennen von metallbehafteter Schlacke
und freien Metallen von metallfreier Schlacke Unterkorn abgetrennt wird. Das Unterkorn bewegt sich zum Beispiel in der Größe von 0 - 5 mm. Dabei wird von der Erkenntnis ausgegangen, daß sich Metallteile im Unterkorn kaum noch finden und es daher nicht effizient ist, dieses einem Detektions- und Zerkleinerungsprozeß zu unterwerfen. Bei der Entfernung des Unterkorns werden bis zu 40 Masseprozent der Schlacke entfernt.
Besonders vorteilhaft ist, wenn in der Zerkleinerungsvorrichtung mehr als zwei Gruppen von Rotorelementen nacheinander auf das Gut einwirken, wobei die Rotorelemente benachbarter Gruppen jeweils entgegengesetzten Drehsinn haben.
Mit der Erfindung wird der Vorteil erhalten, daß aus der Schlacke von Müllverbrennungsprozessen die Metalle weitgehend entfernt werden und dadurch einer Verwertung zugeführt werden können. Ein weiterer und möglicherweise noch größerer Vorteil besteht darin, daß die Schlacke in mehr oder weniger aufbereiteter Form einer weiteren Verwendung zugeführt werden kann, beispielsweise im Tiefbau, da der Anteil schädlicher Metalle, welche einem solchen Einsatz entgegenstehen, stark reduziert ist.
Die Erfindung wird nachfolgend anhand von Zeichnungen näher beschrieben.
Fig. 1 zeigt ein Fließschema zum erfindungsgemäßen Verfahren.
Fig. 2 zeigt eine Zerkleinerungsvorrichtung für die Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens.
Aus dem Fließschema ist zu erkennen, daß in einer Müllverbrennungseinrichtung als Rückstand gebildete Schlacke 10 einer Aufkonzentrierungs stufe 12 zugeführt wird, zum Beispiel über eine geeignete, nicht gezeigte Fördervorrichtung. In der Aufkonzentrierungs stufe befindet sich eine Detektionsvorrichtung, welche feststellt, in welchen Schlacketeilchen Metall enthalten ist. Die metallfreie Schlacke
wird entfernt, und freie Metalle und metallhaltige Schlacke werden einer Zerkleinerungsvorrichtung 14 zugeführt. Es versteht sich, daß zwischen dem Block 10 und der Aufkonzentrationsstufe 12 bereits eine Trennstufe für FE- und NE-Metalle geschaltet sein kann. Eine Trennung von Nichteisen- und Eisenmetallen kann auch bereits vorgenommen werden, bevor die Abfallstoffe in die Müllverbrennungsanlage gelangen. Eine solche Trennung ist jedoch nur bei separat vorliegenden Metallteilen möglich, nicht jedoch bei in der Schlacke eingeschlossenen Metallteilen.
In der Zerkleinerungsstufe 14 erfolgt ein Zerkleinern oder Pulverisieren der Schlacke, insbesondere deren Mineralstoffen und das Trennen dieser Stoffe von eingeschlossenen Metallteilen. Die Metallteile bleiben bei dieser Bearbeitung im Wesentlichen unverformt bzw. unzerkleinert. Der Austrag der Zerkleinerungsstufe 14 wird in eine Trenn- und Nachreinigungsstufe 16 gegeben, in der die zerkleinerten Schlacketeile entfernt werden. Die Metalle können dann anschließend in einer weiteren Stufe in Nichteisen- und Eisenmetalle getrennt werden.
In Figur 2 ist ein Gehäuse 10 zu erkennen, das aus mehreren untereinander angeordneten konischen Gehäuseabschnitten 12 besteht. Die Gehäuseabschnitte 12 sind im Durchmesser von oben gleich.
Das Gehäuse 10 ist in einem Rahmen 24 aufgehängt. Der Rahmen lagert im oberen Bereich eine Welle 30, die von einem Elektroantrieb 28a angetrieben ist. Auf der Welle sitzt eine Hülse 32 drehfest, an der in sechs Ebenen Ketten 34 angelenkt sind. Die Ketten 34 befinden sich an den übergängen der Gehäuseabschnitte. Die Ketten 34 in den oberen Gehäuseabschnitten 12 werden von der Antriebsvorrichtung 28 angetrieben. Eine Kette 35 im unteren Gehäuseabschnitt 12 wird von dem unteren Antriebsmotor 28b angetrieben, auf dessen Welle eine Hülse 37 drehfest angeordnet ist. Ein oberer Antrieb kann beide Kettengruppen
34, 35 über eine Hohlwelle antreiben. Die Antriebsmotoren 28a, 28b haben entgegengesetzte Drehrichtungen.
Es ist auch denkbar, beide Wellen als Hohlwellenanordnung an der Unterseite des Gehäuses 10 anzuordnen. Schließlich ist auch denkbar, statt zwei Gruppen, drei oder vier Gruppen von Rotorelementen etwa in Form der Ketten vorzusehen, die jeweils untereinander angeordnet sind. Bei vier Gruppen kann eine obere Antrieb s Vorrichtung über eine Doppelwelle die Rotorelemente der oberen Gruppen antreiben und eine untere Antriebsvorrichtung die beiden unteren Gruppen Rotorelemente über eine Doppelwelle antreiben.
Ein Deckel 36 des Gehäuses 10 weist einen Einfülltrichter 38 für Rückstände der Müllverbrennung auf, die über eine Fördervorrichtung (nicht gezeigt) von oben eingetragen werden.
Wie erkennbar, fällt das Material zumindest auf die rotierenden Ketten 34 (z.B. vier Ketten pro Ebene) und wird schlagend getroffen. Die Enden der Ketten 34, 35 überdecken den Austrittsdurchmesser des jeweils darüber liegenden konischen Abschnitts, sodaß das von dem jeweils einen Gehäuseabschnitt in den nächsten Gehäuseabschnitt fallende Material immer auf Ketten trifft, damit es entsprechend wirksam zerkleinert wird.
Die von oben eingegebene und im Wesentlichen im freien Fall herunterfallende Schlacke wird durch die umlaufenden Ketten 34, 35 zerkleinert und gegen die Gehäusewandung geschleudert und dort mit einer nicht unerheblichen Umfangsgeschwindigkeit bewegt. Dabei bewegt sich die Schlacke zugleich nach unten. Dadurch trifft das an der Gehäusewand des oberen Gehäuseabschnitts 12 bewegte Material auf die Ketten der darunter liegenden Gehäuseabschnitte und wird dort erneut wirksam zerkleinert. Von besonderer Bedeutung ist, daß beim übergang von den Ketten 34 zu den Ketten 35 des unteren Gehäuseabschnitts eine Drehrich-
tungsumkehr des nach unten fallenden Materials stattfindet, wodurch die Zerkleinerungswirkung signifikant erhöht wird. Die Schlacke wird zerkleinert und zerbröselt zu einem feinen, körnigen Material, während das freie und das eingeschlossen gewesene Metall im Wesentlichen unzerkleinert bleibt. Dieses Merkmal ist von Bedeutung, insbesondere im Hinblick auf aus Aluminium bestehenden Teilen. Für die Wiederverwertung von Altaluminium ist wichtig, daß die Teile nicht in zu kleiner Form anfallen. Ist dies der Fall, ist eine Wiederverwertung problematisch.
Das freie, aus der Zerkleinerungsvorrichtung 10 austretende Material gelangt auf eine Fördervorrichtung und wird einer in der Figur nicht gezeigten Trennvorrichtung für Metall einerseits und zerkleinerter Schlacke andererseits zugeführt.
Die Metalle bleiben in stückiger Form, mindestens zu 95 %. Die Schwermetallbelastung wird stark reduziert und die Metallrückgewinnung aus den Rückständen gesteigert. Die Schlacke erhält eine gut verwertbare Konsistenz. Deponiekosten werden erhebliche gesenkt. Das Reaktionsverhalten der Schlacke ist deutlich reduziert.
