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Title:
REPLICATION-DEFICIENT RNA VIRUSES AS VACCINES
Document Type and Number:
WIPO Patent Application WO/2006/084746
Kind Code:
A1
Abstract:
The invention relates to a genome replication-deficient and transcription-competent negative strand RNA virus which can be used for expressing transgenes and especially for developing vaccines. The viral genome contains a mutation in at least one of the genes N, L, or P.

Inventors:
Neubert, Wolfgang J. (Bahnhofstrasse 7b, Greifenberg, 86926, DE)
Bossow, Sascha (Obstmarkt 11, Augsburg, 86152, DE)
Schlecht, Sabine (Pilarstr.8, München, 80638, DE)
Application Number:
PCT/EP2006/001251
Publication Date:
August 17, 2006
Filing Date:
February 10, 2006
Export Citation:
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Assignee:
Max-planck V, Gesellschaft Zur Förderung Der Wissenschaften E. (Hofgartenstrasse 8, München, 80539, DE)
Neubert, Wolfgang J. (Bahnhofstrasse 7b, Greifenberg, 86926, DE)
Bossow, Sascha (Obstmarkt 11, Augsburg, 86152, DE)
Schlecht, Sabine (Pilarstr.8, München, 80638, DE)
International Classes:
C07K14/115; A61K48/00; C12N15/86
Domestic Patent References:
WO2004113517A22004-12-29
Foreign References:
EP1437593A12004-07-14
Other References:
CORTESE CASE K ET AL: "Mutations in domain V of the Sendai virus L polymerase protein uncouple transcription and replication and differentially affect replication in vitro and in vivo", VIROLOGY, vol. 277, no. 2, 25 November 2000 (2000-11-25), pages 387 - 396, XP004435822, ISSN: 0042-6822
KHATTAR SUNIL K ET AL: "Deletion and substitution analysis defines regions and residues within the phosphoprotein of bovine respiratory syncytial virus that affect transcription, RNA replication, and interaction with the nucleoprotein", VIROLOGY, vol. 285, no. 2, 5 July 2001 (2001-07-05), pages 253 - 269, XP002382075, ISSN: 0042-6822
MYERS TINA M ET AL: "An amino-terminal domain of the Sendai virus nucleocapsid protein is required for template function in viral RNA synthesis", JOURNAL OF VIROLOGY, vol. 71, no. 2, 1997, pages 918 - 924, XP002382076, ISSN: 0022-538X
CURRAN JOSEPH: "Reexamination of the Sendai virus P protein domains required for RNA synthesis: A possible supplemental role for the protein", VIROLOGY, vol. 221, no. 1, 1996, pages 130 - 140, XP002382077, ISSN: 0042-6822
Attorney, Agent or Firm:
WEICKMANN & WEICKMANN (Postfach 860 820, München, 81635, DE)
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Claims:
Ansprüche
1. Rekombinantes Negativstrang RNAVirus , enthaltend ein virales Genom mit einer Mutation in mindestens einem der Gene N, L und P, die zum Verlust der Replikationsfähigkeit ohne Verlust der sekundären Transkriptionsfähigkeit führt.
2. Virus nach Anspruch 1 , dadurch gekennzeichnet, dass es ein Paramyxovirus ist.
3. Virus nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass es ein Sendaivirus ist.
4. Virus nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass es eine Mutation im Gen P aufweist.
5. Virus nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Mutation die Nterminale Teilsequenz des vom Gen P kodierten Proteins betrifft.
6. Virus nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Mutation umfasst: eine Deletion von (a) den Aminosäuren 277 des vom Gen P kodierten Proteins oder (b) einer zum Verlust der Replikationsfähigkeit ausreichenden Teilsequenz von (a).
7. Virus nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass das virale Genom mindestens ein für ein heterologes Genprodukt kodierende Sequenz enthält.
8. Virus nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass das heterologe Genprodukt ein Protein, ein Ribozym, ein AntisenseMolekül oder ein siRNAMolekül ist.
9. Virus nach Anspruch 7 oder 8, dadurch gekennzeichnet, dass das heterologe Genprodukt ein Reporterprotein, ein Antigen oder ein therapeutisches Protein ist.
10. Virus nach einem der Ansprüche 7 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass das heterologe Genprodukt ein Antigen eines heterologen Pathogens, ausgewählt aus Viren, Bakterien und Protozoen, ist.
11. Virus nach einem der Ansprüche 7 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass das heterologe Genprodukt ein virales Antigen ist.
12. Virus nach Anspruch 11 , dadurch gekennzeichnet, dass das virale Genom für mehrere heterologe Antigene aus gleichen oder verschiedenen Viren kodiert.
13. Virus nach einem der Ansprüche 7 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass die für mindestens ein heterologes Genprodukt kodierende Sequenz in das virale Genom inseriert ist oder/und für ein homologes Genprodukt kodierende Sequenzen substituiert.
14. Virus nach einem der Ansprüche 1 bis 13, dadurch gekennzeichnet, 5 dass das Virus im Vergleich zum Wildtyp eine um höchstens den Faktor 20 verringerte Transkriptionsfähigkeit aufweist.
15. Nukleokapsid eines Negativstrang RNAVirus nach einem der Ansprüche 1 bis 14.
16. Genom eines Negativstrang RNAVirus nach einem der Ansprüche 1 bis 14.
17. DNAMolekül, das für das Genom oder/und Antigenom eines 5 rekombinanten Negativstrang RNAVirus nach einem der Ansprüche 1 bis 14 kodiert.
18. DNAMolekül nach Anspruch 17, dadurch gekennzeichnet, o dass es in operativer Verknüpfung mit einem Transkriptionssignal steht.
19. DNAMolekül nach Anspruch 18, dadurch gekennzeichnet, dass das Transkriptionssignal ein Bakteriophagenpromotor, z.B. ein T7 5 oder SP6Promotor, ist.
20. Zelle, die ein Virus nach einem der Ansprüche 1 bis 14, ein Nukleokapsid nach Anspruch 15, ein Genom nach Anspruch 16 oder ein DNAMolekül nach einem der Ansprüche 17 bis 19 enthält.
21. Zelle nach Anspruch 20, dadurch gekennzeichnet, dass sie eine VektorVermehrungszelle ist.
22. Zelle nach Anspruch 20, dadurch gekennzeichnet, dass sie eine VirusHerstellungzelle ist.
23. Zelle nach Anspruch 22, dadurch gekennzeichnet, dass sie weiterhin ein für eine heterologe DNAabhängige RNA Polymerase kodierendes DNAMolekül enthält, welches die Transkription des für das rekombinante Negativstrang RNAVirus kodierenden DNAMoleküls bewirkt.
24. Zelle nach Anspruch 20, dadurch gekennzeichnet, dass sie eine VirusVermehrungszelle ist.
25. Zelle nach einem der Ansprüche 20 bis 24, dadurch gekennzeichnet, dass sie weiterhin für das virale L, N oder/und PProtein kodierende DNAMoleküle enthält.
26. Verfahren zur Herstellung eines Negativstrang RNAVirus nach einem der Ansprüche 1 bis 14, umfassend die Schritte: (a) Bereitstellen einer Zelle, die mit einem DNAMolekül transfiziert ist, das für das Genom eines Negativstrang RNAVirus kodiert, enthaltend eine Mutation in mindestens einem der Gene N, L und P, die zum Verlust der viralen GenomReplikationsfähigkeit ohne Verlust der sekundären Transkriptionsfähigkeit führt, und gegebenenfalls mindestens eine für ein heterologes Genprodukt kodierende Sequenz, und (b) Kultivieren der Zelle unter Bedingungen, dass eine Transkription der DNA gemäß (a) erfolgt und das rekombinante Negativstrang RNA Virus gebildet wird.
27. Verfahren nach Anspruch 26, weiterhin umfassend das Gewinnen des Nukleokapsids oder des viralen Genoms aus dem Negativstrang RNAVirus.
28. Verfahren zur Vermehrung eines Negativstrang RNAVirus nach einem der Ansprüche 1 bis 14, umfassend die Schritte: (a) Bereitstellen einer Zelle, die mit einem Negativstrang RNAVirus infiziert ist, enthaltend eine Mutation in mindestens einem der Gene N, L und P, die zum Verlust der viralen GenomReplikationsfähigkeit ohne Verlust der sekundären Transkriptionsfähigkeit führt, und gegebenenfalls mindestens eine für ein heterologes Genprodukt kodierende Sequenz, und (b) Kultivieren der Zelle unter Bedingungen, dass eine Vermehrung des Virus erfolgt.
29. Pharmazeutische Zusammensetzung, dadurch gekennzeichnet, dass sie ein rekombinantes Negativstrang RNAVirus nach einem der Ansprüche 1 bis 14, ein Nukleokapsid nach Anspruch 15 oder ein virales Genom nach Anspruch 16 als Wirkstoff sowie gegebenenfalls pharmazeutisch übliche Träger oder/und Hilfsstoffe enthält.
30. Pharmazeutische Zusammensetzung nach Anspruch 29 zur Anwendung als Impfstoff.
31. Pharmazeutische Zusammensetzung nach Anspruch 30 als mono oder polyvalenter Impfstoff.
32. Pharmazeutische Zusammensetzung nach Anspruch 30 oder 31 als Impfstoff gegen virale Infektionen, beispielsweise als Impfstoff gegen Infektionen mit pathogenen Negativstrang RNAViren.
33. Pharmazeutische Zusammensetzung nach Anspruch 29 zur Anwendung für die AntiTumorTherapie.
34. Pharmazeutische Zusammensetzung nach einem der Ansprüche 29 bis 33 zur Anwendung bei Risikopatienten.
35. Pharmazeutische Zusammensetzung nach einem der Ansprüche 29 bis 34, umfassend das Nukleokapsid in der nativen viralen Hülle.
36. Verwendung einer Zelle, die konstitutiv oder induzierbar die Proteine N, L oder/und P eines Negativstrang RNAVirus stabil exprimiert, zur Herstellung oder Vermehrung von rekombinanten Negativstrang RNA Viren nach einem der Ansprüche 1 bis 14, von Nukleokapsiden nach Anspruch 15 oder von viralen Genomen nach Anspruch 16.
37. Verwendung nach Anspruch 36, dadurch gekennzeichnet, dass die Zelle eine Säugerzelle ist.
38. Verwendung nach Anspruch 36 oder 37, dadurch gekennzeichnet, dass die Zelle ausgewählt ist aus der Zelle H29 (DSM ACC2702) oder einer davon abgeleiteten Zelle.
Description:
Replikationsdefiziente RNA-Viren als Impfstoffe

Beschreibung

Die vorliegende Erfindung betrifft ein replikationsdefizientes und transkriptionskompetentes Negativstrang RNA-Virus, welches zur

Expression von Transgenen und insbesondere für den Bereich der Impfstoffentwicklung eingesetzt werden kann.

Immunisierungen mit Lebend vakzinen ahmen die natürliche Infektion nach und erzeugen eine umfassende Immunantwort. Bei der Impfung werden abgeschwächte, aber vermehrungsfähige Viren eingesetzt. Die Vermehrung der Impfviren muss so langsam erfolgen, dass eine immunologische Antwort und damit Kontrolle der Vermehrung bzw. Eliminierung des Virus gewährleistet ist. Das Konzept der Lebendvakzine hat sich bei verschiedenen Altersgruppen vielfach bewährt. Allerdings gibt es wichtige Zielgruppen, bei denen Immunisierungen mit Lebendvakzinen problematisch sind und zusätzliche Sicherungsmaßnahmen erfordern: Maternale Antikörper schützen Säuglinge in den ersten Lebensmonaten. Sie stellen gleichzeitig eine Barriere dar, die bei der Lebendimmunisierung überwunden werden muss, ohne dass es dabei andererseits zu einer überschießenden Vermehrung des Impfvirus und den damit verbundenen Impfschäden kommen darf. Eine weitere Zielgruppe stellen ältere Menschen dar, deren Immunsystem nicht mehr so leistungsfähig ist, so dass es zu einer Überlastung durch die Impfung und zu Impfschäden durch erhöhte Vermehrung des Impfvirus kommen kann. Es ergibt sich also das Problem, die immunologisch hervorragende Lebendimpfung für die Anwendung in bestimmten Zielgruppen noch sicherer zu machen, aber auch für die allgemeine Anwendung das Sicherheitsprofil zu erhöhen.

Negativstrang RNA-Viren, z.B. wie etwa das Tollwutvirus oder das Sendaivirus (SeV), können seit einigen Jahren durch reverse Gentechnik zielgerichtet verändert werden. EP-A-O 702 085 beschreibt die Herstellung

von rekombinanten, infektiösen, replizierenden nicht segmentierten Negativstrang RNA-Viren aus Monierter cDNA. EP-A-O 863 202 beschreibt ein rekombinantes Sendaivirus, in dessen Genom ein heterologes Gen inseriert oder ein Gen deletiert oder inaktiviert ist, dessen Genomreplikation aber noch intakt ist.

Als Vakzine-Rückgrat eignen sich Negativstrang RNA-Viren besonders, da ihre Vermehrung im Zytoplasma auf RNA-Niveau abläuft und Gene innerhalb des viralen Genoms einfach ausgetauscht werden können. So ist es bereits erfolgreich gelungen, rekombinante Viren mit Oberflächen proteinen verschiedener Virustypen herzustellen und als Vakzine in Tierversuchen einzusetzen (Schmidt et al., J. Viral. 75 (2001), 4594-4603 und WO 01/42445). Durch den rekombinanten Einbau von F- und HN-Proteinen des humanen Parainfluenzavirus Typ 3 (hPIV 3) und des G- oder F-Proteins des Respiratorischen Syncytial Virus (RSV) in einen Vektor auf Basis des bovinen Parainfluenzavirus Typ 3 (bPIV 3) konnte nach Applikation in Hamstern eine mukosale Immunantwort gegen hPIV 3 und RSV nachgewiesen werden. Eine bivalente Antigenität dieses im Tierversuch getesteten Lebendimpfstoffs ist somit bereits erreicht.

Wegen der Einschaltung der Speziesbarriere soll dieses bovine Parainfluenzavirus mit humanen PIV 3- und RSV-Oberflächenantigenen bereits für eine Anwendung im Humanbereich ausreichend attenuiert sein. Reversionen zum Wildtyp sind nicht zu erwarten, da komplette Gene für virale Oberflächenproteine ausgetauscht wurden. Es wurde bereits mit der klinischen Prüfung der Vakzine begonnen.

Da die beschriebenen Virus-Mutanten aber replikationskompetent sind, kommt es im Impfling sicher zu einer Virusvermehrung, deren Intensität zwar durch die Modifikation des Virus abgeschwächt, aber nicht vollständig ausgeschaltet ist. Die Stärke der zu erwartenden Virämie und damit die Belastung des Impflings mit Nebenwirkungen hängen dabei von individuellen Faktoren ab.

Im Rahmen der vorliegenden Erfindung sollte versucht werden, die Gefährdungen der Lebendvakzinierung, insbesondere die Gefährdung von Impflingen aus bestimmten Zielgruppen substanziell zu verringern.

Ein Ansatz hierzu besteht in der Unterdrückung der viralen Genomreplikation nach Applikation der Vakzine. Dadurch kann es unabhängig von der immunologischen Leistungsfähigkeit des Impflings nicht zu einer Vermehrung des Virus und entsprechenden Impfschäden kommen.

Bei diesem Ansatz besteht die prinzipielle Schwierigkeit, dass die virale RNA-Polymerase zwei Funktionen, die Synthese viraler mRNA und die Vermehrung der viralen Genome, durchführt. Diese Kopplung muss in der neuen Vakzine aufgehoben sein, da die Vakzine nur noch zur Synthese von viraler mRNA in der Lage sein darf.

Ein weiteres Problem besteht darin, dass das rekombinante Virus eine effiziente Synthese von viraler mRNA bewirken muss, um überhaupt als Lebendvakzine geeignet zu sein. Es bestehen somit zwei sich prinzipiell widersprechende Anfoderungen, welche erhebliche Schwierigkeiten bei der Herstellung von sicheren, aber effizienten Lebendvakzinen auf Basis von Negativstrang RNA-Viren erwarten lassen.

Shoji et al. (Virology 318 (2004), 295-305) beschreiben die Herstellung und Charakterisierung eines P-Gen defizienten Tollwutvirus. Die Herstellung des Virus erfolgt mittels P-Protein exprimierenden Helferzellen. Die Viren sind ohne cfe novo-Synthese von P-Protein nur zur Primärtranskription in der Lage. Die geringe virale Genexpression zeigt sich in einem sehr schwachen Signal für N-Protein in der Immunfluoreszenz und nur bei sehr wenigen Zellen, ein überzeugenderer Nachweis dieser geringen viralen Genexpression wird erst durch PCR-Analyse geführt. Der Einsatz dieser Virusmutante in einem Challenge-Versuch im Mausmodell soll eine Protektion zeigen, allerdings fehlt ein Kontrollexperiment mit transkriptions-

inaktivem Virus und das Intervall für den viralen Challenge ist zu kurz bemessen. Die Dauer der vermeintlichen Protektion wird nicht untersucht. Der Einsatz solcher Virusmutanten für die Entwicklung eines attenuierten Tollwutvakzins erscheint somit wenig erfolgversprechend.

Im Rahmen der zur vorliegenden Erfindung führenden Untersuchungen wurde gefunden, dass bei Paramyxoviren eine Entkopplung der Funktionen Replikation und Transkription dadurch erreicht werden kann, dass die Bestandteile der Polymerase, die für die Genomreplikationsfunktion essentiell sind, teilweise entfernt werden. Es kann sich hierbei um eines der viralen Proteine N, P und L handeln oder um eine spezielle funktionelle Domäne eines solchen Proteins.

Überraschenderweise wurde gefunden, dass durch Mutationen, bei denen die Funktion der von den viralen Genen N, L oder/und P kodierten Proteine nicht vollständig, sondern teilweise deletiert wird, replikationsdefiziente RNA-Viren hergestellt werden können, die eine ausreichende Transkriptionsfunktion besitzen, um zur Herstellung von Lebendvakzinen geeignet zu sein.

Ein Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist somit ein rekombinantes Negativstrang RNA-Virus, das replikationsdefizient und transkriptionskompetent ist. Das erfindungsgemäße Virus enthält ein virales Genom mit einer Mutation in mindestens einem der Gene N, L und P, wobei die Mutation zum Verlust der Genom-Replikation ohne Verlust der sekundären Transkriptionsfähigkeit führt.

Das erfindungsgemäße Virus ist eine Voraussetzung zur Herstellung von Lebendvakzinen, insbesondere zur Herstellung von Lebend vakzinen mit erhöhtem Sicherheitsprofil, die zur Anwendung bei Risikopatienten mit schwachem oder geschädigtem Immunsystem besonders geeignet ist.

Die Erfindung betrifft auch ein Nukleokapsid des rekombinanten Virus,

umfassend die virale Negativstrang RNA, komplexiert mit den Proteinen N, L und P sowie die Negativstrang RNA des rekombinanten Virus in isolierter Form.

Ein weiterer Gegenstand der Erfindung ist eine cDNA, die für eine erfindungsgemäße Negativstrang RNA, insbesondere eine virale RNA oder/und eine dazu komplementäre RNA, kodiert.

Noch ein weiterer Gegenstand der Erfindung ist eine Zelllinie zur Vermehrung des erfindungsgemäßen rekombinanten Negativstrang RNA- Virus.

Das erfindungsgemäße rekombinante Negativstrang RNA-Virus ist durch Mutation eines Ausgangsvirus in mindestens einem der Gene N, L und P erhältlich. Das Ausgangsvirus kann ein natürliches Negativstrang RNA- Virus, insbesondere aus den Familien Paramyxoviridae oder Rhabdoviridae oder rekombinanten Varianten davon sein. Besonders bevorzugte Vertreter sind Paramyxoviren, z.B. Sendaivirus, humanes oder bovines Parainfluenzavirus, z.B. humanes Parainfluenzavirus (hPIV) Typ 1, 2, 3, 4a oder 4b, Newcastle Disease-Virus, Mumpsvirus, Masemvirus oder humanes Respiratorisches Synctialvirus (hRSV) oder Rhabdoviren, z.B. Vesikuläres Stomatitis-Virus (VSV). Besonders bevorzugt ist das Virus ein Sendaivirus, z.B. der Stamm Fushimi (ATCC VR105). Weiterhin von der Erfindung erfasst wurden auch rekombinante Varianten der zuvor genannten Viren, wie sie z.B. in EP-A- 702 085, EP-A-O 863 202 oder WO 01/42445 beschrieben sind.

Weitere bevorzugte Negativstrang RNA-Viren sind Vertreter der Rhabdoviridae, Filoviridae, Bornaviridae, Arenaviridae oder Bunyaviridae, z.B. VSV.

Das Sendaivirus ist - ebenso wie andere Paramyxoviren - ein behülltes Virus mit helikalem Nukleokapsid (Abbildung 1). Die Hülle besteht aus einer

Lipidmembran, welche von der Plasmamembran der Wirtszelle stammt, aus welcher das Virus freigesetzt wurde. In die virale Hülle sind transmembrane Glycoproteine verankert, nämlich das Fusionsprotein (F) und die Hämagglutinin-Neuramidase (HN). Das Matrixprotein (M) kleidet die Innenseite der Membran aus. Das in der Hülle enthaltene Nukleokapsid besteht aus einzelsträngiger RNA im Komplex mit Nukleoprotein (N), wobei jeweils 6 Nukleotide der RNA von einem N-Protein gebunden werden, einer RNA-abhängigen RNA-Polymerase (L) und dem Cofaktor Phosphoprotein

(P).

Das Negativstrang RNA-Genom des Sendaivirus enthält die Gene der 6 Strukturproteine in der Reihenfolge: 3-N-P/C-M-F-HN-L-5 1 (Abbildung 2). Das P/C-Gen kodiert für insgesamt 8 Proteine, das strukturelle Phosphoprotein und alle bisher bekannten Nichtstrukturproteine.

Die Proteine P, N und L sind für eine funktionelle Transkription und Replikation wesentlich (Lamb et al., Paramyxoviridae: The Viruses and their Replication. Fields Virology, 4. Ausgabe (2001), Lippincott, Williams & Wilkins, Philadelphia, 1305-1340).

Das erfindungsgemäße rekombinante Negativstrang RNA-Virus enthält eine Mutation in mindestens einem der Gene N, L und P. Die Mutation kann eine Deletion, Substitution oder/und Insertion in einem der Gene N, L oder P sein, die eine Replikationsdefizienz des Virus bewirkt, die aber die Fähigkeit zur Transkription nicht zerstört. Die Mutation betrifft vorzugsweise eine Teilsequenz der von den Genen N, L oder/und P kodierten Proteine, die für die Replikation notwendig ist, während andere für die Transkription notwendige Teilsequenzen funktionell erhalten bleiben.

In einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung weist das rekombinante Virus eine Mutation in Gen P auf und zwar in einer N- terminalen Teilsequenz des Gens P. Die Mutation betrifft vorzugsweise zumindest den Bereich der Aminosäuren 33-41 des Proteins P, die für die

Replikationsfähigkeit wesentlich sind. Weiterhin ist bevorzugt, dass der C- terminale Bereich (ab Aminosäure 320) keine die Transkriptionsfunktion beeinträchtigende Mutationen aufweist. Besonders bevorzugt ist die Mutation eine zum Verlust der Replikationsfähigkeit führende Mutation im Bereich der Aminosäuren 2-77, beispielsweise eine Deletion von (a) den Aminosäuren 2-77 des vom Gen P kodierten Proteins oder (b) einer Teilsequenz zum Verlust der Replikationsfähigkeit ausreichenden Teilsequenz von (a). Entsprechende Mutationen können auch in P-Proteinen von anderen Negativstrang RNA-Viren, z.B. von anderen Paramyxoviren, z.B. hPIV3, erfolgen.

Das erfindungsgemäße rekombinante Virus ist replikationsdefizient und transkriptionskompetent. Der Verlust der Replikationsfähigkeit bedeutet, dass in einer Zielzelle (einer Zelle, die keine der durch Mutation deletierten Funktionen in trans bereitstellt) keine nachweisbare Virusgenom- Vermehrung gefunden wird, wobei im Unterschied zu einer verringerten bzw. konditionalen Replikationsdefizienz auch keine permissiven Bedingungen existieren, unter denen eine Replikation stattfinden kann. Die Bestimmung des Verlusts der Replikationsfähigkeit kann wie in Beispiel 8 beschrieben erfolgen. Das erfindungsgemäße Virus ist jedoch in der Lage, nach Infektion in einer Zielzelle die von ihm kodierten Genprodukte zu transkribieren, so dass eine Expression der viralen Proteine einschließlich eines oder mehrerer heterologer Genprodukte in der Zielzelle erfolgen kann. Wesentlich ist, dass das erfindungsgemäße rekombinante Virus die Fähigkeit zur sekundären Transkription besitzt, d.h. die viralen Genprodukte, die durch primäre Transkription mit den ursprünglich im Nukleokapsid enthaltenen Proteinkomponenten entstehen, sind in der Lage, selbst eine sekundäre Transkription zu bewirken oder/und zu unterstützen. Das Ausmaß der sekundären Transkription führt dabei zu einer Proteinsynthese von vorzugsweise mindestens 1 %, mindestens 2 %, mindestens 3 %, mindestens 4 % oder mindestens 5 % gegenüber einem entsprechenden Wildtypvirus, d.h. einem Virus ohne die Mutation in mindestens einem der Gene N, L und P. Die Fähigkeit zur sekundären Transkription kann

gegenüber dem entsprechenden Wildtypvirus verringert sein, vorzugsweise jedoch höchstens um den Faktor 20, besonders bevorzugt höchstens um den Faktor 10. Die Fähigkeit zur sekundären Transkription kann wie in Beispiel 7.1 oder/und 7.3 durch quantitative Bestimmung der Expression eines heterologen Genprodukts, z.B. eines Reporterproteins, ermittelt werden.

Neben der Mutation enthält das erfindungsgemäße rekombinante Virus vorzugsweise mindestens ein Transgen, d.h. mindestens eine für ein heterologes Genprodukt kodierende Sequenz. Das heterologe Genprodukt kann ein Protein, beispielsweise ein Reporterprotein, z.B. ein Fluoreszenzprotein wie etwa GFP oder ein Derivat davon, oder ein Antigen, gegen das eine Immunantwort erzeugt werden soll, oder ein therapeutisches Protein, z.B. ein Protein für die Virotherapie oder auch ein funktionelles RNA-Molekül, z.B. eine Antisense RNA, ein Ribozym oder ein zur RNA- Interferenz befähigtes siRNA-Molekül sein. Bevorzugt ist das heterologe Genprodukt ein Antigen, das von einem Pathogen, wie etwa einem Virus, einem Bakterium, einem Pilz oder einem Protozoon stammt, ein Tumorantigen oder ein Autoantigen. Besonders bevorzugt ist das Antigen ein virales Antigen, das von einem heterologen Negativstrang RNA-Virus, wie etwa einem humanen Parainfluenzavirus oder RSV stammt, z.B. hPIV3 F und HN bzw. hRSV F und G. Das erfindungsgemäße Virus kann ein oder mehrere, z.B. zwei oder drei, für ein heterologes Genprodukt kodierende Sequenzen enthalten.

Für heterologe Genprodukte kodierende Sequenzen können in das Genom des rekombinanten Virus inseriert werden. Andererseits können homologe Genprodukte kodierende Sequenzen, z.B. die Gene F oder/und HN, auch durch Sequenzen substituiert werden, die für heterologe Genprodukte, z.B. chimäre Genprodukte, kodieren. Auch Kombinationen von inserierten und substituierten Transgenen sind möglich.

So können beispielsweise Sequenzen eines Sendaivirus durch heterologe

Sequenzen anderer Negativstrang RNA-Viren vollständig oder teilweise ersetzt werden, z.B. durch Sequenzen von Parainfluenzaviren, z.B. hPIV3, oder/und durch Sequenzen von RSV. Besonders bevorzugt werden chimäre Sequenzen verwendet, d.h. Sequenzen, die aus Abschnitten des Basisvirusgenoms und aus Abschnitten eines heterologen Virusgenoms bestehen. Beispielsweise können chimäre Gene F oder/und HN in das Virusgenom eingesetzt werden, die aus Sequenzen des Basisvirusgenoms, z.B. Sendaivirus und aus heterologen Sequenzen, z.B. aus humanen Parainfluenzaviren wie etwa hPIV3, oder/und RSV bestehen.

Das rekombinante Virus kann eine oder mehrere verschiedene Transgene enthalten. Wenn mehrere Transgene vorhanden sind, können diese von gleicher oder verschiedener Herkunft sein, die z.B. aus einem einzigen oder aus mehreren verschiedenen Pathogenen, z.B. Viren, stammen können. So können Transgene aus mehreren, z.B. 2 oder 3 verschiedenen Pathogenen, vorzugsweise Viren, besonders bevorzugt Negativstrang RNA-Viren, vorhanden sein.

Der Einbau von Transgenen in Paramyxoviren ist beispielsweise bei Hasan et al. (J. Gen. Viral. 78 (1997), 2813-2820), Bukreyev et al., (J. Viral. 70 (1996), 6634-6641), Yu et al. (Genes CeIIs 2 (1997), 457-466), Masaki et al. (FASEBVB J. 15 (2001), 1294-1296), Shiotani et al. (Gene Therapy 8 (2001), 1043-1050) und Bitzer et al. (Mol. Therapy 7 (2003), 210-217) beschrieben. Vorzugsweise werden die Transgene in den 3'-Bereich des viralen Genoms inseriert. Die Insertion erfolgt beispielsweise in Form von Transkriptionskassetten, wobei auf Vektorebene (d.h. auf Ebene des Vektors, z.B. eines Plasmid-Vektors, der für die Negativstrang RNA kodiert) direkt nach dem leader-Bereich eine oder mehrere Transkriptionskassetten mit singulären Restriktionsschnittstellen für die Integration der jeweiligen Leserahmen eingebracht werden. Eine Integration von mehreren Transgenen erfolgt vorzugsweise in jeweils unabhängigen Transkriptionskassetten. Eine Transkriptionskassette enthält vorzugsweise die für das heterologe Genprodukt kodierende Sequenz in operativer

Verknüpfung mit einer Transkriptionsstartsequenz und einer Transkriptionsterminationssequenz und vorzugsweise Translationssignalen.

Ein weiterer Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist ein einzelsträngiges oder doppelsträngiges DNA-Molekül, z.B. ein cDNA-Molekül, das für ein erfindungsgemäßes rekombinantes Negativstrang RNA-Virusgenom oder eine Vorstufe davon oder das Virus-Antigenom oder einer Vorstufe davon kodiert. Der Begriff „Vorstufe" bedeutet in diesem Zusammenhang, dass das DNA-Molekül noch keine für ein heterologes Genprodukt kodierende Sequenz, sondern lediglich eine Klonierungsstelle zur Einführung einer solchen Sequenz enthält. Die Klonierungsstelle kann eine Restriktionsschnittstelle, beispielsweise eine singuläre oder nicht-singuläre Restriktionsschnittstelle in der DNA oder eine multiple Klonierungsstelle, enthaltend mehrere aufeinander folgende Restriktionsschnittstellen, vorzugsweise singuläre Restriktionsschnittstellen sein. Das für das Virusgenom oder/und die komplementäre Sequenz kodierende DNA-Molekül liegt vorzugsweise in operativer Verknüpfung mit geeigneten Expressionskontrollsequenzen vor.

Das DNA-Molekül ist vorzugsweise ein Vektor, beispielsweise ein Plasmid- Vektor, der zur Propagation in einer geeigneten Wirtszelle, d.h. in einer Vektor- oder Plasmid-Vermehrungszelle, vorzugsweise in einer prokaryontischen Zelle, aber auch in einer eukaryontischen Zelle, insbesondere in einer Säugerzelle, geeignet ist und die hierfür notwendigen genetischen Elemente, wie etwa Replikationsursprung, Integrationssequenzen oder/und Selektionsmarker-Sequenzen, aufweist.

Das DNA-Molekül enthält die für das rekombinante Virus oder die komplementäre Sequenz kodierende Sequenz, vorzugsweise unter Kontrolle eines Transkriptionssignals, so dass bei Transkription mit einer DNA- abhängigen RNA-Polymerase in einer zur initialen Herstellung des Virus geeigneten Wirtszelle, d.h. in einer Virus-Herstellungszelle, die virale Negativstrang RNA gebildet werden kann. Das Transkriptionssignal wird so

gewählt, dass es in der jeweils verwendeten Wirtszelle eine effiziente Transkription der DNA ermöglicht. Hierzu kann auch ein für die jeweilige Zelle heterologes Transkriptionssignal, z.B. ein Bakteriophagenpromotor, wie etwa der T7- oder SP6-Promotor, verwendet werden, wobei die Virus- Herstellungszelle dann auch eine entsprechende heterologe DNA- abhängigen RNA-Polymerase, z.B. der T7- oder SP6-RNA-Polymerase, enthalten muss, welche die Transkription bewirkt. Weiterhin enthält das DNA-Molekül neben dem Transkriptionssignal vorzugsweise am 3'-Ende der für das rekombinante Virus kodierenden Sequenz einen Transkriptionsterminator und eine Ribozymsequenz, die eine Spaltung des Transkripts am Ende der viralen Sequenz ermöglicht. Die Virus- Herstellungszelle ist vorzugsweise eine eukaryontische Zelle und insbesondere eine Säugerzelle.

Neben der für das replikationsdefiziente Paramyxovirus kodierenden DNA enthält die erfindungsgemäße Virus-Herstellungszelle darüber hinaus Helfersequenzen, deren Genprodukte eine Assemblierung des erfindungsgemäßen rekombinanten Virus-RNA in trans ermöglichen. Hierzu kann die Zelle z.B. weiterhin einen oder mehrere Vektoren enthalten, welche das N-Protein, das P-Protein oder/und das L-Protein in trans bereitstellen. Hierdurch wird eine Assemblierung von Nukleokapsiden des erfindungsgemäßen rekombinanten Virus in der Herstellungszelle ermöglicht.

Die Vermehrung des initial in der Virus-Herstellungszelle assemblierten rekombinanten Virus erfolgt in einer Virus-Vermehrungszelle, die mit dem erfindungsgemäßen Virus infiziert ist. Zusätzlich enthält die Virus- Vermehrungszelle Helfersequenzen wie oben genannt, zur Bereitstellung des N-Proteins, des P-Proteins oder/und des L-Proteins in trans. Vorzugsweise wird eine Virus-Vermehrungszelle verwendet, in der eine stabile Expression der Helfersequenzen, z.B. durch genomische Integration, erfolgt. Die Virus-Vermehrungszelle ist vorzugsweise eine Säugerzelle. Eine besonders bevorzugte Vermehrungszelle ist die von einer 293-Zelle, einer

humanen embryonalen Nierenfibroblasten-Zelllinie abgeleitete Zelle H29 oder eine davon abgeleitete Zelle. Die Zelle H29 wurde am 05.11.2004 (DSM ACC 2702) gemäß den Bestimmungen des Budapester Vertrags bei der Deutschen Sammlung für Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH, Braunschweig, Mascheroder Weg, hinterlegt. Weiterhin geeignet sind auch von Vero-Zellen, einer Nierenzelllinie aus der Afrikanischen Grünen Meerkatze, oder von LLCMK2-Zellen, einer Nierenzelllinie aus dem Rhesusaffen, abgeleitete Zellen, die stabil mit entsprechenden Helfersequenzen, z.B. SeV N- und P-Genen, transfiziert sind.

Ein weiterer Gegenstand der Erfindung ist daher eine Zelle, vorzugsweise eine eukaryontische Zelle und besonders bevorzugt eine Säugerzelle, die (i) ein DNA-Molekül, welches für das Genom des erfindungsgemäßen rekombinanten Virus oder/und die komplementäre Sequenz davon oder eine Vorstufe davon kodiert, oder/und (ii) ein RNA-Genom des erfindungsgemäßen Virus enthält. Die Zelle kann eine Vektor- Vermehrungszelle, eine Virus-Herstellungszelle oder eine Virus- Vermehrungszelle, wie zuvor erläutert, sein.

Wenn die Zelle eine Vektor-Vermehrungszelle, z.B. eine Plasmid- Vermehrungszelle, ist, kann jede beliebige zur Vermehrung des entsprechenden Vektors geeignete Zelle verwendet werden, z.B. auch eine prokaryontische Zelle wie etwa eine transformierte E. coli Zelle.

Wenn die Zelle eine Virus-Herstellungs- oder Vermehrungszelle ist, enthält sie Helfersequenzen zur Herstellung der Virusproteine N 1 P oder/und L in Irans. Die in eine Virus-Herstellungszelle eingeführte DNA steht vorzugsweise unter Kontrolle eines heterologen Transkriptionssignals, wobei die Zelle günstigerweise weiterhin eine DNA enthält, die für eine heterologe DNA-abhängige RNA-Polymerase kodiert, welche das heterologe Transkriptionssignal erkennt und die Transkription der für das rekombinante Negativstrang RNA-Virus kodierenden DNA bewirkt.

Wenn die Zelle eine Virus-Vermehrungszelle ist, ist sie mit einem genomischen viralen RNA-Molekül, z.B. in Form eines Nukleokapsids, infiziert und enthält die Helfersequenzen in stabil exprimierbarer Form.

Noch ein weiterer Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist ein Verfahren zur Herstellung eines erfindungsgemäßen rekombinanten Negativstrang RNA-Virus, umfassend die Schritte: (a) Bereitstellen einer Virus- Herstellungszelle, die mit einem DNA-Molekül transfiziert ist, das für das Genom eines Negativstrang RNA-Virus kodiert, enthaltend eine Mutation in mindestens einem der Gene N, L und P, die zum Verlust der Genom- Replikationsfähigkeit ohne Verlust der Transkriptionsfähigkeit führt, und gegebenenfalls mindestens eine für ein heterologes Genprodukt kodierende Sequenz, und (b) Kultivieren der Wirtszelle unter Bedingungen, dass eine Transkription des DNA-Moleküls gemäß (a) erfolgt und das rekombinante Negativstrang RNA-Virus initial gebildet wird. Die Wirtszelle ist vorzugsweise in der Lage, das N-Protein, das P-Protein und/oder das L-Protein in trans bereitzustellen, z.B. durch Transfektion mit den entsprechenden Helferplasmiden, die für die Proteine N, P oder/und L kodierende Sequenzen enthalten.

Zur Herstellung großer Mengen der Nukleokapside bzw. der Viruspartikel wird vorzugsweise eine Zelle verwendet, welche konstitutiv oder induzierbar die Proteine N, L oder/und P, vorzugsweise zumindest das Protein P eines Negativstrang RNA-Virus stabil exprimiert. Die Erfindung betrifft somit auch ein Verfahren zur Vermehrung eines erfindungsgemäßen rekombinanten Negativstrang RNA-Virus, umfassend die Schritte: (a) Bereitstellen einer Virus-Vermehrungszelle, die mit dem Genom eines Negativstrang-RNA- Virus infiziert ist, enthaltend eine Mutation in mindestens einem der Gene N, L und P, die zum Verlust der Genom-Replikationsfähigkeit ohne Verlust der Transkriptionsfähigkeit führt, und gegebenenfalls mindestens eine für ein heterologes Genprodukt kodierende Sequenz, und (b) Kultivieren der Wirtszelle unter Bedingungen, dass eine Vermehrung des Virus erfolgt.

Noch ein weiterer Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist eine pharmazeutische Zusammensetzung, die ein rekombinantes replikationsdefizientes und transkriptionskompetentes Negativstrang RNA- Virus, wie zuvor angegeben, oder dessen Nukleokapsid als Wirkstoff sowie gegebenenfalls als pharmazeutisch übliche Träger- oder/und Hilfsstoffe enthält. Die pharmazeutische Zusammensetzung ist für Anwendungen in der Human- und Veterinärmedizin geeignet. Sie kann insbesondere als Impfstoff oder für die Anti-Tumortherapie, insbesondere zur Anwendung bei Risikopatienten, wie etwa Kindern, älteren Personen oder/und Personen mit geschädigtem oder schwachem Immunsystem, verwendet werden. Die pharmazeutische Zusammensetzung kann dabei das Negativstrang RNA- Virus in seiner nativen viralen Hülle enthalten.

Besonders bevorzugt ist die Anwendung als Impfstoff, z.B. als Impfstoff gegen Pathogene, wie Viren, Bakterien oder Protozoen. Wenn das rekombinante Virus ein Transgen oder mehrere Transgene gleicher Herkunft, z.B. aus einem einzigen Pathogen, enthält, handelt es sich um eine monovalente Vakzine. Wenn das rekombinante Virus Transgene verschiedener Herkunft enthält, kann es auch als polyvalente Vakzine, z.B. als bivalente oder trivalente Vakzine, eingesetzt werden. Beispielsweise kann eine polyvalente Vakzine gegen mehrere pathogene Viren, z.B. gegen mehrere pathogene Negativstrang RNA-Viren, wie etwa humanes Parainfluenzavirus und RSV, erzeugt werden.

Ein erfindungsgemäßer Impfstoff ist in der Lage eine humorale Immunantwort, vorzugsweise die Bildung neutralisierender Antikörper, oder/und eine T-Zell-Immunantwort auszulösen. Besonders bevorzugt werden eine humorale Immunantwort und eine T-Zell-Immunantwort ausgelöst.

Die pharmazeutische Zusammensetzung kann in Form einer Lösung, Suspension, eines Lyophilisats oder in jeder anderen geeigneten Form vorliegen. Neben dem Wirkstoff kann die Zusammensetzung Mittel zur

Einstellung des pH-Werts, Puffer, Mittel zur Einstellung der Tonizität, Netzmittel und dgl. sowie Adjuvanten enthalten. Die Verabreichung kann auf üblichem Weg, z.B. oral, topisch, nasal, pulmonal etc. in Form von Aerosolen, Flüssigkeiten, Pulvern etc. erfolgen. Dabei wird eine therapeutisch wirksame Dosis des Virus an den Patienten verabreicht, wobei diese Dosis von der jeweiligen Anwendung (z B. Virotherapie oder Vakzine), von der Art der Erkrankung, dem Gesundheitszustand und Gewicht des Patienten, der Art der Verabreichung und der Formulierung etc. abhängt. Üblicherweise werden pro Applikation 10 3 bis 10 7 Viruspartikel, besonders bevorzugt etwa 10 4 bis 10 6 Viruspartikel verabreicht. Gegebenenfalls können mehrere unterschiedliche Viruspartikel gemeinsam verabreicht werden, z.B. im Fall von Kombinationsimpfungen. Die Verabreichung kann ein- der mehrfach, je nach Bedarf erfolgen.

Bevorzugte Anwendungsgebiete sind z.B. die Vorbeugung bzw. Behandlung von respiratorischen Viruserkrankungen

Weiterhin soll die Erfindung durch die nachfolgenden Abbildungen und Beispiele erläutert werden.

Beispiele

1. Allgemeines

Abbildung 1 zeigt die Morphologie eines Sendaivirus (SeV) nach Fields (Virology. Lippincott, Williams und Wilkins (2001), 4. Auflage; modifiziert). Das Genom besteht aus einer einzelsträngigen RNA, die mit den Proteinen N, P und L in Form eines Nukleokapsids vorliegt. Das Nukleokapsid ist von einer Membranhülle umgeben, in welche die Proteine HN und F (bestehend aus jeweils einer F 1 - und F 2 -Untereinheit) eingelagert sind. Mit der Innenseite der Membran ist das Protein M assoziiert, das gleichzeitig auch in Bindung mit den Nukleokapsidkomponenten vorliegt.

Das einzelsträngige negativ orientierte RNA-Genom des Sendaivirus- Wildtyp besteht aus 15384 Nukleotiden. Die Gene der 6 Strukturproteine liegen darauf in der Reihenfolge S'-N-P/C-M-F-HN-L-δ 1 vor (Abbildung 2). Zwischen den Genen liegen Übergänge aus 50-80 Nukleotiden, die jeweils eine stark konservierte Region von 22 Nukleotiden enthalten: das Terminationssignal des vorangegangenen Gens, eine intergenische Sequenz und das Startsignal für das folgende Gen. Eine Einheit aus Startsignal, offenem Leserahmen (ORF), gegebenenfalls nicht-translatierten Regionen und Terminationssignal wird als Transkriptionskassette bezeichnet. Vor dem N-Gen befindet sich eine 55 Nukleotide lange Leader- Sequenz (Id), die transkribiert, allerdings nicht translatiert wird. Hinter dem L-Gen befindet sich die 54 Nukleotide lange Trailersequenz (tr). Die Id- und tr-Region fungieren als genomische und antigenomische Promotoren für die Replikation von Genom bzw. Antigenom. Die durch Transkription gebildeten mRNA-Moleküle sind mit Ausnahme der P/C-RNA monocistronisch.

Der Vermehrungszyklus des Sendaivirus umfasst den Eintritt in die Wirtszelle, die Transkription und Translation sowie die Replikation und Virusreifung mit anschließender Ausschleusung neu produzierter Viren. Am Vorgang der Transkription sind insbesondere die Proteine N, P und L beteiligt, wobei L die virale RNA-abhängige RNA-Polymerase mit allen katalytischen Aktivitäten darstellt. Da das Genom des Sendaivirus in Negativstrang-Orientierung vorliegt, kann die virale RNA nicht direkt in Proteine übersetzt werden. Zunächst erfolgt eine primäre Transkription zu mRNAs durch RNA-Polymerase, die mit dem Nukleokapsid assoziiert in die Zelle gebracht wird.

Abbildung 3 zeigt eine schematische Darstellung des Transkriptionsmodus des Sendaivirus. Dabei wandert der Polymerase-Komplex, bestehend aus einem L-Protein und einem Homotetramer aus P-Proteinen, auf der mit N- Proteinen verpackten RNA in Richtung des 5'-Endes entlang. Dabei wird die genetische Information auf der genomischen Negativstrang RNA abgelesen und in Positivstrang mRNA transkribiert.

Die Replikation des Genoms umfasst die Herstellung neuer Virusgenome mit negativer Polarität. Hierzu werden zunächst Antigenome gebildet, die dann als Matrizen für die Bildung der Genome dienen. Da die Transkription am 3'-Ende des Genoms (Id) beginnt, ist eine Umschaltung vom Transkriptions- in den Replikationsmodus erforderlich. Dieses Umschalten wird von der Menge an freiem N-Protein in der Zelle bestimmt. Erst wenn ausreichend N-Protein nach der Translation von mRNA-Molekülen gebildet worden ist, kann eine Replikation erfolgen. Nachdem ein Antigenom, das über seine ganze Länge mit N-Proteinen komplexiert ist, vorliegt, kann dieses als Matrize zur Herstellung von weiteren Genomen dienen. Diese werden ebenfalls direkt mit N-Proteinen verpackt. Für den Prozess der Replikation sind wiederum die Proteine N, P und L verantwortlich (Abbildung 4).

Während der Virusreplikation werden durch die steigende Anzahl an mRNA- Molekülen auch zunehmend virale Proteine synthetisiert. Dann werden Komplexe aus viraler RNA und viralen Proteinen (Nukleokapside) in Form von sekretorischen Vesikeln zur Zytoplasmamernbran transportiert, wo es zur Umhüllung mit viralen Oberflächenproteinen und Knospung von Viruspartikeln kommt.

Im Rahmen der vorliegenden Erfindung werden rekombinante Virusmutanten bereitgestellt, bei denen die Funktionen der Transkription und Replikation entkoppelt sind, d.h. die Viren sind transkriptionskompetent, aber replikationsdefizient. Die fehlende Genomreplikationsfunktion muss für die Herstellung von Viruspartikeln bzw. deren Nukleokapsiden durch Helferzellen kompensiert werden, die das fehlende oder funktionsdefiziente virale Protein in trans komplementieren. Eine bevorzugte solche Helferzelle ist die Zelllinie H29 (Willenbrink und Neubert, J. Viral. 68 (1994), 8413- 8417). Diese Zelllinie wurde im Rahmen der vorliegenden Anmeldung gemäß den Bestimmungen des Budapester Vertrags unter dem Aktenzeichen DSM ACC2702 am 05.11.2004 hinterlegt. Zur Herstellung von

replikatioπsdefizienten, aber transkriptionskompetenten Viren wurde das für das P-Protein kodierende Gen nicht vollständig entfernt, sondern nur eine für die Genomreplikation essentielle Domäne. So war aus früheren Arbeiten (Curran, Virology 221 (1996), 130-140; Curran et al. J. Viral. 69 (1995), 849- 855) bekannt, dass in einem in vitro System bei Deletion der Aminosäuren 2-77 des Proteins P die Genomreplikation inhibiert wird, während die virale Transkription aktiv bleibt.

Abbildung 5 zeigt eine schematische Darstellung des P-Proteins mit seinen N- und C-terminalen Domänen (PNT, PCT), der Tetramerisierungsdomäne (Aminosäuren 320-446), der P:L-Domäne (Aminosäuren 411-445) und der P:RNP-Bindedomäne (Aminosäuren 479-568). Für eine Abschaltung der viralen Genomreplikationsfunktion bei gleichzeitiger Beibehaltung der Fähigkeit zur viralen mRNA-Synthese wurde eine Deletion der ersten 77 Aminosäuren des Proteins P ausgewählt. Dabei wurde erstmals eine entsprechende Sendaivirus-Mutante (SeV-PΔ2-77) erzeugt, bei der der 5-terminale Bereich des P-ORF deletiert wurde. Von diesen Viren können nur N-terminal verkürzte P-Proteine kodiert werden. Infektionsstudien zeigten, dass die Virusmutante in Zellkultur nicht vermehrungsfähig ist. Mit Hilfe der Helferzelllinie H29 (DSM ACC2702), die unter anderem das erforderliche Wildtyp-P-Protein bereitstellt, kann eine Vermehrung der Virusmutante erreicht werden. Die Effizienz der Virusvermehrung beträgt ca. 45 % im Vergleich zu Wildtyp-Sendaiviren.

Nach Infektion ist die erfindungsgemäße Virusmutante in der Lage, viruskodierte Transgene in infizierten Zellen zu exprimieren. Das von der Virusmutante bereitgestellte verkürzte Protein P unterstützt ausreichend die sekundäre virale mRNA-Synthese. Die Synthese viruskodierter Proteine erstreckt sich in den infizierten Zellen über mehrere Tage und ist nur um den Faktor von ca. 10 gegenüber dem Viruswildtyp reduziert, so dass beim Einsatz der Mutante als Vakzine eine ausreichende Immunantwort sicher erwartet werden kann.

2. Herstellung von Basiskonstrukten für replikationsdefiziente Sendaivirus-Vektoren (SeW)

2.1 Herstellung eines cDNA-Konstrukts pSeV-X

Es wurde eine kodierende Transkriptionskassette in den 3'-Bereich von SeV, Stamm Fushimi (ATCC VR105), eingefügt Bei allen Manipulationen des Genoms muss unbedingt beachtet werden, dass die Gesamtzahl der Nukleotide des rekombinanten SeV Genoms durch sechs teilbar ist („rule of six").

Ausgehend von der als Matrize verwendeten cDNA pSeV wurden zwei PCR- Fragmente PCR X I und PCR X Il für die Herstellung von pSeV-X bereitgestellt (Abbildung 6).

PCR X I (370 bp) besteht aus der Sequenz des T7-Promotors (T7-Prom.), der leader (Id)-Sequenz, dem N-Genstart mit 5 ' -NTR bis vor das Start- Codon des N-ORF (Open Reading Frame). Über den reverse-Primer X I (+) (Tabelle 3) wurden eine singuläre Λ/of/-Restriktionsschnittstelle und 24 Nukleotide der N-Genstoppsequenz angefügt. Die 24 Nukleotide der N- Genstoppsequenz von PCR X I, eingefügt durch den mutagenen Primer X I (+), dienen im darauf folgenden Fusionsschritt als der mit PCR X Il überlappende Bereich.

PCR X Il (970 bp) besteht aus der Sequenz des N-Genstarts und des ersten Drittel des N-ORF. Über den forward-Pπmer X Il wurde die Sequenz der 3 ' -NTR N und die Genstopp-Sequenz von N, wie auch die intergene Region (IR) angefügt. Der reverse Primer XII (+) bindet im ersten Drittel des N-ORF kurz hinter der im SeV Genom singulären Sphl Schnittstelle. Das Amplikon PCR X I war im 3'-Bereich komplementär zum 5'-Bereich von PCR X II. Durch diesen überlappenden Bereich konnten die beiden PCR-Fragmente X I und X Il fusioniert werden. Nach erfolgter PCR konnte das Fusions-Produkt (1310 bp) durch Restriktionsspaltung mit den Enzymen MIuI und Sphl in den

ebenfalls mit MIuI und Sphl behandelten Vektor pSeV eingefügt werden. Aus den erhaltenen Klonen wurde durch Plasmid-Präparation Plasmid-DNA isoliert und durch Restriktionsanalyse und Sequenzierung auf die korrekte Insertion der Transkriptionskassette überprüft. Es stand somit das cDNA Konstrukt pSeV-X zur Verfügung.

Um die Erzeugung von rekombinanten Viren leicht verfolgen zu können, wurde nun das Gen für das enhanced green fluorescent protein (eGFP) in die leere Kassette von pSeV-X eingefügt. Der eGFP-ORF wurde durch PCR aus dem Expressionsplasmid pEGFP-N1 (Fa. Clontech) amplifiziert, wobei durch mutagene Primer die Einhaltung der „rule ofsix" und das Anfügen von zwei flankierenden Λ/oW-Schnittstellen erreicht wurde. Das entstandene 771 bp große PCR-Fragment wurde mit dem Restriktionsenzym Notl gespalten und ein 738 bp großes Fragment durch Gelelution isoliert, das über die Notl- Schnittstelle von pSeV-X in dessen „leere" Transkriptionskassette pSeV-X eingesetzt wurde. Nach Transformation von E.coli, Plasmid-Präparation und anschließender Sequenzierung des über PCR eingefügten eGFP- Leserahmens stand das cDNA Konstrukt pSeV-eGFP zur Verfügung.

2.2 Herstellung des cDNA-Konstrukts pSeV-X-X

Durch das Konstrukt pSeV-X-X sollten zwei zusätzliche Transkriptionskassetten zur Verfügung gestellt werden, in welche zwei Transgene eingebaut werden können. Die Verwendung von pSeV-X-X als Basisvektor für die Herstellung der replikationsdefizienten Vektoren sollte es ermöglichen, den Vektor mit multivalenten, z.B. trivalenten, Eigenschaften auszustatten.

pSeV-X-X wurde über eine PCR-Reaktion hergestellt, bei der pSeV-X als Template diente (Abbildung 7). Der Primer XK-forward hybridisiert mit pSeV-X im Bereich der /Votf-Schnittstelle und dem 3'-NTR der zu integrierenden, zweiten Transkriptionskassette. Eine singuläre SgrAI- Restriktionsschnittstelle wurde mit Hilfe des XX- forward Primers zwischen

der Λfof/-Schnittstelle und dem 3'-NTR eingeführt. Sie dient als singuläre Restriktionsschnittstelle für die spätere Insertion des ORFs eines Transgens. Im PCR-Produkt XX folgen Genstopp, intergene Region (IR), Genstart und 5'-NTR. Durch den Primer XX (+), der mit dem 5'-NTR hybridisiert, wurden die singulären Restriktionschnittstellen Fsel und Nru I eingefügt. Die Fsel- Schnittstelle dient dem Einbau des ORFs eines zweiten Transgens. Die singuläre Nru /-Schnittstelle wurde vorausschauend einkloniert, um bei Bedarf eine dritte Transkriptionskassette integrieren zu können. Der Primer XX (+) hybridisiert im 3'-Bereich mit der Sequenz der Λ/of/-Schnittstelle von pSeV-X. Das PCR-Produkt XX (220 bp) wurde mit dem Restriktionsenzym Notl behandelt und ein Fragment von 144 bp durch Gelextraktion isoliert. Dieses Fragment, konzipiert unter Einhaltung der „rule of six", konnte dann in das ebenfalls mit Λ/of/-behandelte Plasmid pSeV-X eingebaut werden. Nach Überprüfung der korrekten Orientierung des Notl PCR-Fragments XX und Verifizierung der Sequenz stand das Plasmid pSeV-X-X bereit. In die singulären Schnittstellen SgrAI und Fsel können beliebige Transgene integriert werden.

Für die Untersuchungen in dieser Arbeit wurden die beiden Transkriptionskassetten (X) von pSeV-X-X mit Leserahmen von zwei verschiedenen fluoreszierenden Proteinen versehen. Zum einen wurde der Leserahmen für das fluoreszierende Protein eGFP aus dem Expressionsplasmid pEGFP-N1 durch PCR-Reaktion unter Einhaltung der „rule of six" amplifiziert, wobei mit Hilfe mutagener Primer zwei flankierende Sgr/">A/-Schnittstellen angefügt wurden. Nach Restriktionsspaltung mit SgrAI und Gelelution konnte das etwa 738 bp große Fragment in die erste Transkriptionskassette von pSeV-X-X eingebaut werden (pSeV-eGFP-X). Auf gleiche Weise wurde zum anderen der ORF des fluoreszierenden Proteins DsRed (aus Plasmid „pDsRed", Fa. Clontech) unter Einhaltung der „rule of six" über PCR-Reaktion mit den Restriktionsschnittstellen von Fsel versehen, die DNA gespalten, geleluiert und dieses Fragment (702 bp) anschließend in die zweite Transkriptionskassette im 3'-Bereich von pSeV- eGFP-X einkloniert. Es entstand das genomische SeV cDNA Konstrukt

pSeV-eGFP-DsRed.

3. Herstellung replikationsdefizienter Sendaivirus-Vektoren (SeW)

Es wurden cDNA Konstrukte pSeW-eGFP-ΔN, -ΔP und -ΔL hergestellt, die für replikationsdefiziente Sendaiviren kodieren, in denen jeweils das Gen für das Protein N, P und L deletiert ist. Hierzu musste unter Einhaltung der rule of six jeweils ein Leserahmen der Gene N, P oder L deletiert werden, wobei eine nicht-kodierende Transkriptionskassette an der entsprechenden Position erhalten bleiben sollte (Abbildung 8A).

Durch Einbau einer Restriktionsschnittstelle anstelle des deletierten ORF sollte in jedem cDNA Konstrukt pSeW-eGFP-ΔN, -ΔP und -ΔL für spätere Anwendungen eine weitere funktionelle Transkriptionskassette zur Verfügung stehen, in die bei Bedarf ein weiteres Transgen eingesetzt werden kann.

Als weitere Variante eines replikationsdefizienten SeW wurde die Deletionsmutante pSeW-eGFP-PΔ2-77 hergestellt, die für ein N-terminal verkürztes P Protein kodiert, dem die Aminosäuren 2 bis 77 fehlen (Abbildung 8B).

Die Klonierungen pSeW-eGFP-ΔN, -ΔP und -ΔL wurden alle nach demselben Prinzip durchgeführt. Exemplarisch soll die Klonierung von pSeW-eGFP-ΔP im folgenden Absatz ausführlich beschrieben werden. Im Anschluss daran werden nur die Unterschiede in den Klonierungen von pSeW-eGFP-ΔN und -ΔL tabellarisch zusammengefasst.

3.1 Klonierung der cDNA-Konstrukte pSeVV-eGFP-ΔP und pSeW- eGFP-PΔ2-77

Der ORF des P-Proteins wurde aus dem cDNA Konstrukt des

replikationskompetenten Virus pSeV-eGFP entfernt, um die neue cDNA pSeW-eGFP-ΔP, kodierend für den replikationsdefizienten Vektor, herzustellen. Anstatt des P-ORF wurde eine X/7θ/-Restriktionsschnittstelle eingesetzt.

Für die Klonierung von pSeW-eGFP-ΔP wurden zwei PCR-Fragmente namens PCR ΔP I und PCR ΔP Il hergestellt und anschließend fusioniert. Als Template für die beiden PCR-Reaktionen diente pSeV-eGFP. Beim Fragment PCR ΔP I (1272 bp) wurde über den fo/warcf-Primer ΔP I (= N-578; Tabelle 3) eine Hybridisierung mit dem Template im Bereich des N ORF vor einer singulären SpW-Stelle erreicht. Der rei/erse-Primer ΔP I (+) hybridisiert mit dem Template im 5 ' -NTR Bereich des P-Gens bis vor das ATG-Codon von P und fügt dort die Restriktionsschnittstelle Xhol ein.

Das Fragment PCR ΔP Il besteht aus 1938 bp, als Template dient auch hier pSeV. Der fo/ward-Primer ΔP Il hybridisiert mit einem Teil der 5'-NTR P Sequenz und hängt eine XΛσ/-Schnittstelle an. Der reverse-Primer von PCR ΔP Il (+) bindet im ORF des F Gens hinter einer singulären Eco47lll Stelle und weist zusätzlich eine artifizielle M/ι/l-SteIIe auf.

Beide PCR-Fragmente ΔP I und ΔP Il wurden über die XΛol-Stelle kombiniert. Das Fusionsprodukt - bestehend aus einer Teilsequenz des N ORF, der nicht-kodierenden P-Transkriptionskassette mit eingefügter Xho\- Restriktionsschnittstelle, dem M sowie einem Viertel des F ORF - wurde mit den Restriktionsenzymen Sph\ und Miu\ gespalten, zwischenkloniert und sequenzverifiziert. Aus einem Subklon mit korrekter Sequenz wurde ein 3006 bp großes SpΛI-Eco47lll Fragment geschnitten, welches in den identisch behandelten Vektor pSeV-eGFP ligiert wurde. Ein entsprechender pSeW-eGFP-ΔP Klon (genomische virale cDNA) stand nach Sequenzüberprüfung nun für die Herstellung des replikationsdefizienten SeW-eGFP-ΔP bereit (Abbildung 9).

Zur Konstruktion der Deletionsmutante pSeW-eGFP-PΔ2-77 wurde eine PCR mit zwei mutagenen Primern angewendet. Der forward Primer „Xhol PΔ2-77" enthält eine Xfrol-Stelle, gefolgt von einem ATG-Startcodon sowie Codons für die Aminosäuren 78 bis 86 des P Proteins. Der reverse Primer „PΔ2-77 (+) Xhol" enthält die letzten 10 Codons des P Proteins und eine XΛol-Stelle. Der Leserahmen des N-terminal um 76 Aminosäuren verkürzten P-Proteins wurde mittels PCR, ausgehend vom Template pSeV, unter Einhaltung der rule of six hergestellt. Das Xhol-gespaltene, 1488 bp große Fragment wurde über zwei Klonierungsschritte in die nicht-kodierende

Transkriptionskassette von pSeW-eGFP-ΔP an der Position des ursprünglichen P-ORF eingefügt. Nach Sequenzüberprüfung stand nun auch ein genomischer cDNA Klon für die Herstellung des replikationsdefizienten

SeW-eGFP-PΔ2-77 bereit.

Die Deletion der Codons 2 bis 77 im P ORF hat zur Folge, dass im Falle der Nichtstrukturproteine auch das V und W Protein N-terminal verkürzt sind und von der C-Familie nur noch C - ebenfalls trunkiert - kodiert bleibt; die Proteine C, Y1 und Y2 können aufgrund fehlender Startcodons nicht mehr von der verkürzten mRNA translatiert werden.

3.2. Klonierungen der cDNA-Konstrukte pSeW-eGFP-ΔN und -ΔL

Die Herstellung von pSeW-eGFP-ΔN und pSeW-eGFP-ΔL erfolgte nach einer analogen Strategie zur Klonierung von pSeW-eGFP-ΔP. Um die Klonierungsverfahren zusammenzufassen, wurden in Tabelle 1 alle entscheidenden Parameter dargestellt.

Durch die Herstellung jeweils zweier fusionierbarer PCR-Produkte PCR I und PCR Il wurde der ORF der Gene N oder L aus pSeV-eGFP unter

Berücksichtigung der rule ofsix entfernt und an dessen Stelle eine singuläre

>Apal-Restriktionsschnittstelle sowohl in pSeW-eGFP-ΔN als auch in SeW-

eGFP-ΔL eingebaut. Die Sequenzen der Primer zur Klonierung von pSeW- eGFP-ΔN, -ΔP und -ΔL sind unter Aufstellung der verwendeten DNA- Oligonukleotide aufgelistet (Tabelle 3). Die hergestellten PCR-Produkte PCR I und PCR Il wurden fusioniert und mit Hilfe des forwarαf-Primers von PCR I und des reverse-Primers von PCR Il amplifiziert. Anschließend wurden die Fusions-PCR-Produkte mit Restriktionsenzymen, die in pSeV- eGFP singulär vorkommen und die Insertion des entsprechenden Fusionsproduktes in pSeV-eGFP zulassen, gespalten (z.B.: Narl bei Klonierung pSeW-eGFP-ΔN, siehe Tabelle 1). Das gereinigte Spaltprodukt wurde durch Ligation in den ebenfalls mit den entsprechenden Enzymen verdauten Vektor pSeV-eGFP eingefügt.

Tabelle 1: Übersicht über die bei der Klonierung von pSeW-eGFP-ΔX verwendeten Primer und Restriktionsschnittstellen

pSeW-eGFP-ΔN pSeW-eGFP-ΔP pSeW-eGFP-ΔL

Primerpaar PCR I ΔN I 1 ΔN I (+) ΔP I, ΔP I (+) ΔL I 1 ΔL I ( + )

Primerpaar PCR Il ΔN II, ΔN Il (+) ΔP II ΔP Il (+) ΔL II, ΔL I l ( + )

RSSS der

Apal Xhol Apal Transkriptions-kassette

RSS 5 der Klonierung Narl Sphl + Eco47lll Eco47lll H - Ascl

§ RSS = Restriktionsschnittstelle

E.coli Zellen wurden mit einem Teil der Ligationsansätze transformiert und Plasmid-DNA der erhaltenen Klone durch Plasmid-Mini-Präparation isoliert. Nach Überprüfung der korrekten Sequenz durch Restriktionsanalyse und Sequenzierung wurde von je einem positiven Klon eine Plasmid-Präparation angefertigt (DNA Maxi Prep-Kit, Qiagen), und so standen die verschiedenen pSeW-eGFP-ΔX für die Herstellung von rekombinanten Deletionsmutanten bereit.

4. Herstellung von replikationsdefizienten Virusmutanten

Aus den cDNA-Konstrukten pSeW-eGFP-ΔN, -ΔP und -ΔL wurden in Zellkultur replikationsdefiziente SeV-Vektoren (SeW-eGFP-ΔX) hergestellt.

4.1 Initiale Herstellung von SeW-eGFP-ΔX

Für die Herstellung von rekombinanten SeV mit vollständigem Genom werden - entweder die Zelllinie „BSR-T7", die die T7 RNA-Polymerase stabil exprimiert (Buchholz et al. (1999) J. Virol. 73, 251-259) oder Zellkulturen mit dem rekombinanten Vaccinia-Virus MVA-T7, das die T7 RNA-Polymerase exprimiert (Sutter et al. (1995) FEBS 371 , 9-12) infiziert, und - mit der cDNA des viralen Genoms (pSeV) sowie den Plasmid-kodierten Genen N, P und L transfiziert (pTM-N, -P, -L; Elroy-Stein et al. (1989) PNAS 86, 6126-6130). Die T7-Polymerase transkribiert nun das virale Antigenom oder/und die komplementäre Sequenz und die Gene N, P und L. Das über pTM-N exprimierte N-Protein verpackt die synthetisierte virale antigenomische oder/und komplementäre RNA, und dieses

Nukleokapsid-Core (RNP) bildet zusammen mit den Proteinen P und L den Replikationskomplex, über den wiederum genomische RNA hergestellt und zu Nukleokapsiden verpackt werden kann (Leyrer et al., J. Virol. Meth. 75 (1998), 47-55). Im Anschluss daran erfolgt die Transkription aller viruskodierter Proteine und Replikation weiterer viraler Genome (Abbildung 10).

Im Unterschied zur beschriebenen Herstellung von rekombinanten SeV wt mit vollständigem Genom fehlt in der Plasmid-kodierten cDNA von pSeW- eGFP-ΔN, -ΔP und -ΔL die genetische Information je eines der Gene N, P oder L. Demzufolge sind die initial hergestellten Nukleokapside nur in der Lage, jeweils zwei der Gene N, P oder L zu exprimieren. Die zur

Vermehrung von SeW-eGFP-ΔN, -ΔP und -ΔL Nukleokapsiden benötigte Menge des fehlenden Proteins muss daher ausschließlich über die T7- Promotor-gesteuerte Expression der Plasmid-kodierten Gene N, P und L zur Verfügung gestellt werden.

Die Herstellung der replikationsdefizienten SeW-eGFP-ΔN, -ΔP und -ΔL erfolgte analog zur Herstellung von replikationskompetenten SeV Varianten in HeLa-Zellen (ATCC CCL2) oder BSR-T7-Zellen. Nach 48-stündiger Inkubation der HeLa-Zellen wurde untersucht, ob virale Partikel von SeW- eGFP-ΔN, -ΔP oder -ΔL in die Kulturüberstände abgegeben worden waren und wie viele initiale Deletionsmutanten entstanden sind.

4.2 Detektion initial hergestellter SeW-eGFP-ΔN, -ΔP oder -ΔL

Die Überstände von HeLa-Zellen oder BSR-T7-Zellen, in denen initial SeW- eGFP-ΔN, -ΔP oder -ΔL hergestellt worden sein sollten, wurden auf die Anwesenheit dieser viralen Vektoren untersucht. SeW-eGFP-ΔN, -ΔP oder

-ΔL haben, im Gegensatz zum rekombinanten SeV wt, im 3'-Bereich das Reportergen für eGFP integriert. Dieser Detektionsmarker wurde nun verwendet, um zu analysieren, wie viele SeW-eGFP-ΔX gebildet worden waren.

In parallelen Ansätzen wurden 5 x 10 5 Verozellen (ATCC CCL18) mit je 1 ml Zellkultur-Überstand der bei der initialen Herstellung von SeW-eGFP-ΔN, -ΔP, -ΔL transfizierten HeLa-Zellen und zeitgleich mit SeV wt (MOI = 3) zur Transkomplementation des fehlenden Proteins co-infiziert. Als Kontrolle wurden Verozellen entweder nur mit 1 ml initial hergestellten SeV-eGFP oder aber mit initial hergestellten SeV-eGFP und zeitgleich mit SeV wt (MOI = 3) infiziert.

Das Ergebnis der Koinfektion von Zellen mit Kultur-Überständen der

Herstellung von SeW-eGFP-ΔN, -ΔP oder -ΔL und SeV wt zeigt, dass alle drei Virusmutanten SeW-eGFP-ΔX initial herstellbar sind und nach initialer Herstellung auch in der Lage sind, Zellen zu infizieren, was sich durch eine nachweisbare eGFP-Transgenexpression detektieren lässt. Es können initial etwa 13 x 10 2 SeV-eGFP, 6,7 x 10 2 SeW-eGFP-ΔN, 3,2 x 10 2 SeW-eGFP- ΔP und 0,55 x 10 2 SeW-eGFP-ΔL Virusmutanten hergestellt werden.

5. Vermehrung von SeW-eGFP-ΔX

Es wurde untersucht, ob die Vektoren SeW-eGFP-ΔX vermehrbar, das heißt biologisch funktionell sind. Die Replikationsfähigkeit sollte zunächst durch Bereitstellung der Proteine der fehlenden Gene N, P oder L durch virale Transkomplementation mit SeV untersucht werden.

5.1 Nachweis der Vermehrbarkeit von SeW-eGFP-ΔX

Zunächst musste nachgewiesen werden, dass die Mutanten bei entsprechender Transkomplementation durch das SeV wt Virus in der Lage sind sich zu vermehren und dabei umliegende Zellen infizieren. Für die Untersuchung der Vermehrbarkeit von SeW-eGFP-ΔX bietet sich wiederum die Koinfektion von Zellen mit SeW-eGFP-ΔX und SeV wt an. Die Zellen wurden in diesem Versuch mit SeV wt in niedriger MOI infiziert, mit SeW- eGFP-ΔX coinfiziert und über mehrere Tage inkubiert, um so die

Ausbreitung der SeW-eGFP-ΔX Vektoren durch die zunehmende Anzahl fluoreszierender Zellen detektieren zu können.

5 x 10 5 Verozellen wurden zeitgleich mit durchschnittlich 100 initial hergestellten SeW-eGFP-ΔN, -ΔP oder -ΔL und SeV wt (MOI = 0,2) infiziert. Als Positivkontrolle diente die Koinfektion von Verozellen mit etwa 100 Partikeln des replikationskompetenten Virus SeV-eGFP und SeV wt. Während einer 48-stündigen Inkubationsphase konnte eine Vermehrung

aller drei Deletionsmutanten beobachtet werden: Zunächst fluoreszierten jeweils nur einzelne Verozellen, die mit SeW-eGFP-ΔX und SeV wt koinfiziert worden waren. Nach etwa 24 h wurden aus diesen Zellen neu synthetisierte Viruspartikel entlassen, die nun in der Lage waren, in nebenliegende Zellen einzudringen. Wurden diese Zellen wiederum zeitgleich mit SeW-eGFP-ΔX und SeV wt infiziert, kam es ebenfalls in solchen Zellen zu einer detektierbaren Fluoreszenz-Erscheinung. Die Vermehrung von SeW-eGFP-ΔN, -ΔP, und -ΔL in mit wt koinfizierten Zellen konnte durch diese „Schweifbildung" fluoreszierender Zellen 48 h p.i. und darüber hinaus detektiert werden.

Durch diesen Versuch wurde sichergestellt, dass die genomischen cDNA- Konstrukte, aus denen SeW-eGFP-ΔN, -ΔP, und -ΔL entstanden sind, in allen Bereichen funktionell sind. Weiterhin konnte gezeigt werden, dass eine Vermehrung der Virusmutanten bei Zugabe des fehlenden viralen Proteins möglich ist. Das ausschließlich von wt Virus bereitgestellte Protein (z.B. P) ist ausreichend, um beide, die Deletionsmutante und den wt, zu vermehren, das heißt auch eine möglicherweise suboptimale Menge an P-Protein führt zur Bildung funktioneller Nukleokapside von SeV wt und SeW-eGFP-ΔP. Durch die Bereitstellung des fehlenden Proteins durch den Transkomplementationspartner SeV wt konnte eine sichtbare Vermehrung von allen SeW-eGFP-ΔX, gemessen durch die Zunahme fluoreszierender Zellen in den Kulturansätzen, erreicht werden.

5.2 Bestimmung der erforderlichen Proteine zur Vermehrung von SeW-eGFP-ΔX

Als nächstes wurde untersucht, welche Proteine in jedem einzelnen Fall der Vermehrung von SeW-eGFP-ΔN, -ΔP und -ΔL durch eine Helferzelle zur Verfügung gestellt werden müssen, sollten die SeV Proteine N, P und L unabhängig voneinander synthetisiert werden können. Für eine unabhängige Synthese der SeV Proteine N, P und L standen die drei

rekombinanten Vaccinia Viren (W) W-N, W-P, W-L zur Verfügung, welche die SeV Proteine N, P oder L rekombinant exprimieren (Graef, H. (1994) Funktionelle Charakterisierung des rekombinanten Sendai-Virus Large (L) Proteins. Dissertation, Eberhard-Karls-Universität Tübingen).

Es wurden 1 x 10 6 Verozellen simultan mit SeW-eGFP-ΔX oder SeV-eGFP (MOI = 0,01) und W co-infiziert. W-N, -P und -L wurden dabei einzeln oder in Kombinationen eingesetzt (MOI = 0,5). Nach einer einstündigen Adsorptionszeit erfolgte ein Mediumwechsel mit DMEM + 10 % fötales Kälberserum (FKS) + Cytosin-Arabinosid (AraC) (100 μg/ ml) und die Zellen wurden für 72 h bei 33 0 C inkubiert, wobei das Medium täglich gewechselt wurde, um neues AraC zuzugeben.

Die Ausbreitung von SeW-eGFP-ΔX wurde über die eGFP-Expression nach 72 h analysiert. In dieser Zeit ergab sich in den positiven Ansätzen eine Vermehrung grün fluoreszierender Zellen von einer Initialzelle zu 10-30 benachbarten, fluoreszierenden Zellen.

Die .Ergebnisse der Untersuchung, welche SeV Proteine notwendig sind, um SeW-eGFP-ΔN, -ΔP oder -ΔL in Verozellen zu vermehren, sind in Tabelle 2 zusammengefasst. Die alleinige Expression von SeV N durch W-N führt nicht zur Vermehrung von SeW-eGFP-ΔN. SeW-eGFP-ΔN wird nur vermehrt, wenn die SeV Proteine N und P simultan mit Hilfe rekombinanter Vaccinia Viren W-N und W-P in der infizierten Zelle exprimiert werden. SeW-eGFP-ΔP kann allein durch die Expression von SeV P-Proteinen mit Hilfe von W-P in Verozellen vermehrt werden. Zur Vermehrung von SeW- eGFP-ΔL bedarf es der simultanen Synthese der Proteine P und L durch W. In einer SeW-eGFP-ΔL und nur W-L infizierten Verozelle findet keine Vermehrung von SeW-eGFP-ΔL statt.

Tabelle 2: Zur Vermehrung von SeW-eGFP-ΔX benötigte SeV Proteine

Zur Vermehrung von SeW-eGFP-ΔN muss eine Helferzelle die SeV Proteine N und P simultan exprimieren, zur Vermehrung von SeW-eGFP- ΔP reicht die Expression von SeV P-Protein in der Helferzelle aus, und die Amplifikation von SeW-eGFP-ΔL sollte durch eine zelluläre Expression der SeV Proteine P und L möglich sein.

5.3 Unterstützung der Amplifikation von SeW-eGFP-ΔX durch H29 Helferzellen

Für die Untersuchungen zur Vermehrung von SeW-eGFP-ΔX mit Hilfe der

H29 Zelllinie wurden 1 x 10 6 H29 Zellen in vier verschiedenen Ansätzen mit jeweils ca. 100 initial in HeLa-Zellen hergestellten SeW-eGFP-ΔN, -ΔP oder

-ΔL Viruspartikeln bzw. als Kontrolle für die erfolgreiche Vermehrung replikationsfähiger SeV in H29 Zellen mit etwa 100 SeV-eGFP Viruspartikeln infiziert. Im Zeitraum von 1 bis 10 d p.i. erfolgte die Untersuchung auf Vermehrung von SeW-eGFP-ΔX durch Nachweis einer schweifartigen Ausbreitung der fluoreszierenden Zellen (Spotbildung), ausgehend von einer initial infizierten H29 Zelle.

Im Kontrollansatz konnte eine Vermehrung von SeV-eGFP, ausgehend von singulär fluoreszierenden Zellen 1 d p.i. zu Spots mit bis zu 50 fluoreszierenden Zellen 3 d p.i. beobachtet werden. Damit war sichergestellt, dass es durch den gewählten Versuchsaufbau zu einer Vermehrung von SeV kommt.

In H29 Zellen infiziert mit SeW-eGFP-ΔN kam es ebenfalls zu einer Virusvermehrung. Neben H29 (einem Derivat von humanen 293- Nierenzellen) sind auch Derivate von Vero-Zellen (Nierenzellen der Afrikanischen Grünen Meerkatze) und Derivate von LLCMK2-Zellen (Nierenzellen des Rhesusaffen), stabil transfiziert mit SeV P- und N-Genen, zur Virusvermehrung geeignet.

Im Ansatz mit SeW-eGFP-ΔP konnten 1 d p.i. an die hundert initial infizierte Einzelzellen detektiert werden. 3 d p.i. hatten sich etwa 70 % der fluoreszierenden Einzelzellen zu Spots, mit bis zu 30 fluoreszierenden Zellen, entwickelt. Damit konnte eindeutig eine Verbreitung von SeW- eGFP-ΔP auf umliegende H29 Zellen beobachtet werden. Somit ist es erstmals möglich, einen viralen SeV Vektor, dessen P-ORF deletiert ist, zu vermehren. Auf die Charakterisierung der Vermehrung von SeW-eGFP-ΔP soll im folgenden Unterpunkt eingegangen werden.

5.4 Vermehrung von SeW-eGFP-ΔP auf H29-Zellen

SeW-eGFP-ΔP kann durch die von H29 Helferzellen produzierten SeV P- Proteine amplifiziert werden. Die freigesetzten P-Deletionsmutanten sind in der Lage, umliegende H29 Zellen zu infizieren. Die Ausbreitung von SeW- eGFP-ΔP sollte nun im Vergleich zu der Ausbreitung des replikationskompetenten SeV-eGFP analysiert werden.

Hierzu wurden 1 x 10 6 H29 Zellen mit durchschnittlich 100 SeW-eGFP-ΔP oder SeV-eGFP infiziert. 3, 5 und 10 Tage p.i. erfolgte die Detektion von grün fluoreszierenden Zellen mit Hilfe des Fluoreszenzmikroskopes.

Eine Vermehrung von SeW-eGFP-ΔP konnte erfolgreich durch die zelluläre Bereitstellung von SeV P-Proteinen durchgeführt werden. Zu allen untersuchten Zeitpunkten war erkennbar, dass sich SeW-eGFP-ΔP und SeV-eGFP auf H29 Zellen effizient vermehren.

Im Gegensatz dazu konnte eine Ausbreitung von SeW-eGFP-ΔP auf Zellen, die das fehlende P Protein nicht zur Verfügung stellen („Zielzellen", z.B. Verozellen), nicht beobachtet werden, was die Replikationsdefizienz von SeW-eGFP-ΔP bestätigt (siehe Punkt 8).

5.5 Genexpression von SeW-eGFP-ΔP in infizierten Zielzellen

Ein Ausbleiben der Vermehrung von SeW-eGFP-ΔP auf Zelltypen, die das P Protein nicht in trans bereitstellen, konnte verifiziert werden. Gleichzeitig blieb die Expressionsleistung weit hinter den Erwartungen zurück.

Ähnlich wie im Falle der Tollwutvirus ΔP Mutante (Shoji et al. (2004) Virology 318, 295-305) zeigten nur wenige infizierte Zellen eine schwache eGFP- Fluoreszenz (kleiner 5 %; siehe Abbildung 11), obwohl statistisch bei einer MOI = 1 tatsächlich ca. 70 % der Zellen mit je einem Viruspartikel infiziert sind. Auch bei einer höheren MOI = 5 sind nur vereinzelt grün leuchtende

Verozellen durch SeW-eGFP-ΔP zu beobachten (siehe Abbildung 12, oben links).

Dies bestätigt die Annahme, dass nach Infektion einer Zelle mit einem P Gen-defizienten Virus nur eine primäre Transkription über den mitgeführten

Polymerasekomplex aus dem Viruspartikel möglich ist. Im Falle der SeV ΔP- Mutante sind außerdem anscheinend nur wenige Prozent der infizierenden Partikel dazu in der Lage bzw. ist eine Genexpression nur zu beobachten, wenn mehrere transkribierbare Nukleokapside gleichzeitig in einer Zelle vorliegen.

Für eine therapeutische Anwendung dieses replikationsdefizienten SeW scheint die Expressionsleistung zu schwach bzw. es müssten unverhältnismäßig viele Partikel von SeW ΔP pro Patient appliziert werden. Daher ist es wünschenswert, eine replikationsdefiziente SeV Variante zu

verwenden, die auch eine sekundäre Transkription erfüllt. Dies führt zur Entwicklung weiterer modifizierter Polymerasekomplexe, die das virale Genom nicht replizieren können, aber zu einer gesteigerten Expression des therapeutischen Gens bzw. Antigens in der Lage sind.

6. Herstellung eines modifizierten SeW-eGFP-ΔP cDNA Konstrukts

Um die Transkriptionsleistung von P Gen-defizienten SeW in der Zielzelle eventuell zu verbessern, wurde ein weiteres rekombinantes Konstrukt hergestellt, das an der Position des ursprünglichen P-Leserahmens für eine um 76 Aminosäuren N-terminal verkürzte Form des P-Proteins kodiert („pSeW-eGFP-PΔ2-77"; siehe Punkt 3.1 und Abbildung 8B).

Die Generierung von SeW-eGFP-PΔ2-77 Partikeln und deren Vermehrung erfolgte analog zu Punkt 4.1 und 5.4.

6.1 Wachstumsverhalten von SeW-eGFP- PΔ2-77 in H29 Helferzellen

In SeW-eGFP-PΔ2-77 infizierten H29 Helferzellen wird das N-terminal um 76 Aminosäuren verkürzte, viral-kodierte PΔ2-77-Protein zusammen mit dem zellulär kodierten P-Protein synthetisiert.

Um den Einfluss der Expression des verkürzten P-Proteins PΔ2-77 auf die virale Replikation zu untersuchen, wurde eine Infektion (MOI = 3) von H29 Zellen mit SeW-eGFP-PΔ2-77, SeV-eGFP-ΔP oder dem Kontrollvirus SeV- eGFP analog zu dem unter Wachstumskinetik von SeW-eGFP-ΔP beschriebenen Verfahren, durchgeführt. Die Überstände der einzelnen Ansätze wurden über einen Zeitraum von 120 h durch einen Zellinfektionsdosistest der Titer an Nachkommenviren bestimmt über die Zahl an eGFP-exprimierenden Zellen.

Aus einer SeV-eGFP infizierten H29-Zelle (Positivkontrolle) werden im

Zeitraum von 120 h durchschnittlich 80 Viruspartikel freigesetzt, wobei eine Transkomplementation des P-Proteins durch H29 Zellen in diesem Fall nicht benötigt wurde. SeW-eGFP-PΔ2-77 konnte im H29- Transkomplementationssystem mit etwa gleicher Effizienz wie SeW-eGFP- ΔP vermehrt werden: Aus infizierten H29 Zellen werden nach 120 h etwa

20 x 10 6 Viruspartikel von SeW-eGFP-ΔP oder SeW-eGFP-PΔ2-77 freigesetzt, dies entspricht einer Anzahl von etwa 40 freigesetzten Viruspartikeln der P-Mutanten pro H29 Zelle.

7. Vergleich der Genexpression von SeW-eGFP-ΔP und SeW- eGFP

-PΔ2-77 und Quantifizierung der Proteinsynthese in infizierten Zielzellen

Um zu untersuchen, ob der Vektor SeW-eGFP-PΔ2-77 eine verstärkte Transgenexpression - verglichen zu SeW-eGFP-ΔP - in infizierten Zielzellen zeigt, wurde die viruskodierte Expression des Reportergens eGFP sowie des HN Proteins detailliert charakterisiert.

5 x 10 5 Verozellen wurden mit SeW-eGFP-PΔ2-77 infiziert (MOI = 1), wobei am Tag 2 p.i. ca. 70% fluoreszierende Verozellen beobachtet werden konnten (nicht gezeigt). Dies bedeutet, dass nahezu jeder RNP-Komplex dieser viralen Vektorvariante in der Lage ist, eine messbare Transkription in der Zielzelle zu induzieren.

7.1 Quantifizierung der eGFP-Expression durch FACS-Analyse

Die Transkriptionskassette, in die das Reportergen eGFP in SeW-eGFP- PΔ2-77 eingesetzt wurde, soll in späteren Anwendungen im medizinischen Bereich das Antigen eines Pathogens, z.B. eines gewünschten Virus kodieren. Diese Antigenexpression muss ausreichend sein, um im Patienten eine protektive Immunantwort hervorzurufen.

Um sicherzustellen, dass jedes SeW-eGFP-PΔ2-77 Nukleokapsid, das eine Zielzelle infiziert, in der Lage ist, eine detektierbare Transgenexpression durchzuführen, sollte die gleiche Anzahl an H29 und Verozellen mit derselben Menge an Viruspartikeln infiziert werden und mittels FACS {fluorescent activated cell so/?/ng)-Analyse unter Verwendung eines FACS- Calibur Durchflusszytometers die Anzahl der eGFP-exprimierenden H29- bzw. Verozellen verglichen werden. Die Daten wurden per Computerhistogramm ausgewertet, indem die Fluoreszenzsignale infizierter Zellen gegen die Gesamtzellzahl aufgetragen wurden.

2,5 x 10 5 Verozellen oder H29 Zellen wurden mit SeW-eGFP-PΔ2-77 oder dem P Gen-defizienten Virus SeW-eGFP-ΔP mit einer MOI = 1 infiziert. Die FACS-Analyse der Proben erfolgte 24 h nach Infektion. Die infizierten Zellen wurden in PBS aufgenommen und durchflusszytometrisch die Anzahl fluoreszierender Zellen ermittelt. Das Ergebnis ist in Abbildung 11 als Anteil [%] fluoreszierender Vero- und H29 Zellen angegeben.

24 h nach Infektion von H29 Helferzellen mit SeW-eGFP-ΔP konnten 86 % eGFP-exprimierende H29 Zellen durch FACS-Analyse detektiert werden. Hier unterstützt die zelluläre Synthese des P-Proteins die Bildung neuer P:L- Komplexe und damit Produktion neuer mRNA, was zur Synthese von eGFP- Proteinen in der infizierten Zelle führt. Wurden dagegen Verozellen mit

SeW-eGFP-ΔP infiziert, konnte weder 24 h p.i. noch zu einem späteren Zeitpunkt in weiteren Versuchsansätzen eine Expression des eGFP-Proteins nachgewiesen werden. Die durch SeW-eGFP-ΔP Nukleokapside transferierten P:L-Komplexe sind bei einer Infektion mit MOl = 1 nicht in der Lage, eine detektierbare Expression in infizierten Verozellen herbeizuführen.

24 h nach SeW-eGFP-PΔ2-77 Infektion konnten dagegen durch FACS- Analyse knapp 80 % eGFP-exprimierende H29 Zellen und ebenso 75 % eGFP-exprimierende Verozellen identifiziert werden. Bei der Infektion von

H29 Zellen kann die Transkription der eGFP mRNA durch die zelluläre

Synthese des P-Proteins und damit durch neue P:L-Komplexe unterstützt werden. Bei der Infektion von Verozellen mit SeW-eGFP-PΔ2-77 wird die Transkription durch die Neusynthese des N-terminal verkürzten P-Proteins PΔ2-77 verstärkt.

Aus diesen Ergebnissen kann eine wichtige Aussage über die Anzahl transkriptionsfähiger SeW-eGFP-PΔ2-77 getroffen werden: H29 Zellen und Verozellen wurden mit einer MOI von 1 infiziert. Theoretisch auftretende Mehrfachinfektionen einer Zelle sind in beiden Ansätzen statistisch gleich wenig wahrscheinlich. 24 h p.i. konnten knapp 80 % eGFP-exprimierende H29 Zellen und etwa 75 % eGFP-exprimierender Verozellen identifiziert werden. Dadurch lässt sich ableiten, dass jeder RNP-Komplex mit der verkürzten P-Variante PΔ2-77, welcher zur Transgenexpression in einer P- Helferzelle fähig ist, ebenso eine Transgenexpression in der infizierten Zielzelle erbringt. Im Gegensatz dazu erfüllt die Variante SeW-eGFP-ΔP mit einer kompletten Deletion des P ORF diese Eigenschaft nicht.

7.2 Funktionstest des in infizierten Zielzellen exprimierten HN- Proteins

Mit Hilfe eines Hämadsorptions (HAD)-Tests wurde die Effizienz der Bindung humaner Erythrozyten und damit die Effizienz der Exposition viraler HN-Proteine auf einzelnen infizierten Zellen detektiert (Abbildung 12).

5 x 10 5 Verozellen wurden mit SeW-eGFP-PΔ2-77 bei einer niedrigen MOI = 0,5 infiziert. Im Gegensatz dazu mussten Verozellen im Falle von SeW- eGFP-ΔP mit einer 10fach höheren MOI = 5 infiziert werden, um überhaupt einzelne fluoreszierende Zellen beobachten zu können. Nach 1 -stündiger Adsorption erfolgte ein Mediumwechsel mit DMEM + 10 % FKS. Anschließend wurden die Zellen mehrere Tage bei 33 0 C inkubiert. Die Transgenexpression beider Vektorvarianten wurde zunächst wieder über die eGFP-Fluoreszenz verfolgt. Am Tag 5 und 9 p.i. wurden HAD-Testreihen

durchgeführt, um die Exposition der viralen HN-Proteine anhand der Bindung humaner Erythrozyten zu analysieren.

Obwohl im Falle von SeW-eGFP-ΔP bei einer MOI = 5 statistisch 99,3 % der Verozellen infiziert sein sollten, konnten nur 0,01 % eGFP-positive

Zellen unter dem Mikroskop beobachtet werden (Abbildung 12 oben links).

Dagegen ist mit SeW-eGFP-PΔ2-77 eine grüne Fluoreszenz bei einer MOI = 0,5 erwartungsgemäß in 40 % der Zellen zu sehen (Abbildung 12 unten links).

Zwei Tage nach Infektion mit SeW-eGFP-ΔP waren nur die Hälfte der eGFP-positiven Zellen (25 von 5x 10 5 infizierten) in der Lage, Erythrozyten an ihrer Oberfläche zu binden (Abbildung 12 oben mitte). Nach weiterer Inkubation und nochmaligem HAD-Test fand keine Erythrozyten-Adsorption mehr an infizierte Zellen statt. Mit der zweiten replikationsdefizienten SeW

Variante SeW-eGFP-PΔ2-77 konnten wiederum wesentlich bessere Ergebnisse erzielt werden: 5 Tage nach Infektion waren ca. 40 % der infizierten Zellen (MOI = 0,5) in der Lage, Erythrozyten an ihrer Oberfläche zu binden (Abbildung 12 unten mitte). Dabei konnte bei den einzelnen Zellen eine unterschiedliche Bindungsaktivität von 10 bis 70 komplexierten roten Blutkörperchen beobachtet werden. Damit war gezeigt, dass die mit

SeW-eGFP-PΔ2-77 infizierten Zellen 5 d p.i. in der Lage sind, HN-Proteine auf der Zelloberfläche zu exponieren, der funktionelle HAD-Test kann als positiv bewertet werden. Gleichzeitig konnte anhand der unterschiedlichen Menge gebundener Erythrozyten eine effiziente Expression des HN-Proteins in den infizierten Zellen ermittelt werden.

Die infizierten Zellen wurden bei 33 0 C weiter inkubiert, wobei die Neuraminidase-Aktivität des HN-Proteins das Ablösen der an infizierte Zellen gebundenen Erythrozyten bewirkt. Die Zellen wurden gewaschen, um die abgelösten Erythrozyten zu entfernen, und für weitere 4 d bei 33 0 C inkubiert. Am Tag 9 p.i. wurde wiederum ein HAD-Test durchgeführt. Es

konnten nun etwa 30 % HAD-positive Verozellen detektiert werden. Dabei ging die Anzahl gebundener roter Blutkörperchen auf 5 bis 20 Erythrozyten pro Zelle zurück.

Es wurde also 9 Tage i.p. immer noch genügend funktionelles HN durch die replikationsdefiziente Variante SeW-eGFP-PΔ2-77 synthetisiert. Im

Gegensatz dazu erfüllt die Variante SeW-eGFP-ΔP mit einer kompletten Deletion des P ORF diese Eigenschaften nicht.

7.3 Quantifizierung der eGFP-Expression durch Western Blot-Analyse

Es wurde eine semi-quantitative Abschätzung der eGFP-Expression des replikationsdefizienten SeV-Vektors im Vergleich zu dem replikationskompetenten SeV-eGFP durch eine Western Blot-Analyse mittels seriellen Verdünnungsreihen von zellulärem Gesamtprotein durchgeführt.

5 x 10 5 Verozellen wurden mit SeV-eGFP oder SeW-eGFP-PΔ2-77 infiziert (MOI = 3). 24 h p.i. erfolgte der Aufschluss der Zellen; die Zellextrakte wurden in seriellen Verdünnungsreihen (1:2) von 20 μg bis 2,5 μg- Gesamtmenge in einem SDS-PAGE aufgetrennt. Die Proteine wurden auf eine PVDF-Membran transferiert und zunächst das viral kodierte eGFP- Protein (26 kDa) durch Western Blot-Analyse nachgewiesen (Abbildung 13).

Das Fluoreszenzprotein eGFP konnte sowohl in SeV-eGFP als auch in SeW-eGFP-PΔ2-77 infizierten Verozellen mit Hilfe der Western Blot- Analyse nachgewiesen werden. Ein Vergleich der Intensitäten der eGFP- Signale lässt die Aussage zu, dass die Expression - vermittelt über den replikationsdefizienten SeW-eGFP-PΔ2-77 - um etwa Faktor 16 reduziert ist im Vergleich zum replikationskompetenten SeV-eGFP .

Eine Reduktion um Faktor 16 ist dabei gering und lässt die Aussage zu,

dass Se\Λ/-eGFP-PΔ2-77 trotz des modifizierten P-Proteins eine sehr effiziente sekundäre Transkription erbringen kann.

7.4 Abschätzung der HN-Expression durch Western Blot-Analyse

Das SeV HN-Protein ist, im Gegensatz zum eGFP-Protein, ein membranständiges Oberflächenprotein und stellt eine wichtige Antigen- Determinante dar. Durch relative Quantifizierung der Expressionsstärke des

HN-Proteins in SeW~eGFP-PΔ2-77 infizierten Zellen wurde eine Aussage über die Intensität der Expression des SeV HN-Antigens ermöglicht.

Es wurde eine semi-quantitative Abschätzung der HN-Expression des replikationsdefizienten SeV-Vektors im Vergleich zu dem replikationskompetenten SeV-eGFP durch eine Western Blot-Analyse mittels seriellen Verdünnungsreihen von zellulärem Gesamtprotein durchgeführt. Je 5 x 10 5 Verozellen wurden in 2 parallelen Ansätzen mit SeV-eGFP oder

SeW-eGFP-PΔ2-77 infiziert (MOI = 1) und 24 h bzw. 48 h inkubiert. Danach erfolgte der Aufschluss der Zellen; die Zellextrakte wurden in seriellen Verdünnungsreihen (1:2) von 16 μg bis 2 μg Gesamtmenge in einem SDS- PAGE aufgetrennt. Die Proteine wurden auf eine PVDF-Membran transferiert und das viral kodierte HN-Protein (60 kDa) mit Hilfe eines monoklonalen HN-Antikörpers nachgewiesen (Abbildung 14).

Das HN-Protein konnte bei SeV-eGFP infizierten Verozellen nach beiden Inkubationszeiten in allen Spuren (16 bis 2 μg Gesamtprotein; Spuren 2-5 links und rechts) effizient detektiert werden. Im Falle von SeW-eGFP-PΔ2- 77 ist die Bande des HN-Proteins noch in den Spuren mit 16 und 8 μg Gesamtprotein (Spur 7, 8) sichtbar, jedoch mit schwächerer Intensität. Die relative Quantifizierung der HN-Expression in SeW-eGFP-PΔ2-77 infizierten Verozellen gegenüber SeV-eGFP wurde durch den Vergleich der Spuren mit

16 und 8 μg vs. 2 μg Gesamtprotein vorgenommen (Spuren 7 und 8 vs. 5, links und rechts) und erlaubt eine geschätzte Reduktion der HN-Expression

um Faktor 8 - 16 der P-Deletionsvariante, unabhängig von der Inkubationszeit. Dies lässt auf eine relativ hohe Transkriptionsrate in SeW- eGFP-PΔ2-77 infizierten Zielzellen schließen und damit auf eine generell hohe Transgenexpression des viralen replikationsdefizienten Vektors.

Unter Einbeziehung beider Messungen (eGFP- und HN-Protein) kann von einer durchschnittlichen Reduktion der Expression um Faktor 10 ausgegangen werden.

8. Replikationsdefizienz von SeW-eGFP-PΔ2-77 in der Zielzelle

Werden Verozellen mit dem replikationskompetenten SeV-eGFP infiziert, entsteht in den zwei darauf folgenden Tagen um die initial infizierte, stark fluoreszierende Zelle ein Spot aus bis zu tausend weiteren fluoreszierenden Zellen. Um die Replikationsdefizienz von SeW-eGFP-PΔ2-77 in Verozellen zu beweisen, sollte nun das Ausbleiben dieser Zunahme grün fluoreszierender Zellen um eine initial infizierte Zielzelle unter Berücksichtigung der natürlichen Teilungsrate von Verozellen bestätigt werden. Verozellen teilen sich im Durchschnitt alle 24 h. Werden Verozellen mit SeW-eGFP-PΔ2-77 infiziert, ist eine detektierbare eGFP-Expression nach etwa 24 h zu sehen. Es wurde beobachtet, dass nach weiteren 24 h Inkubationsphase aus dieser initial infizierten, fluoreszierenden Verozelle aufgrund natürlicher Teilung in einigen Fällen zwei (schwächer) fluoreszierende Tochterzellen hervorgehen. Diese Beobachtung hat nichts mit einer Virusvermehrung zu tun, bei der zwischen 10 1 bis 10 4 Viruspartikel aus einer infizierten Zielzelle entlassen werden, die dann nebenliegende Zellen infizieren können. Diese natürliche Teilungsrate infizierter Zellen hat andererseits einen Einfluss auf die eGFP-Expressionsstärke, die mit zunehmender Anzahl von Zellteilungen reduziert wird. Diese Beobachtung zeigt, dass der virale Vektor SeW-eGFP-PΔ2-77 Genom- replikationsdefizient ist, also keine neuen Genome synthetisiert werden. Führen mehrere aufeinander folgende Zellteilungen einer infizierten Zelle zu

einer kontinuierlichen Abnahme der Intensität der Fluoreszenz, bis diese schließlich zum Erliegen kommt, so ist eine Virusvermehrung auszuschließen.

Um die Replikationsdefizienz von SeW-eGFP-PΔ2-77 in Zielzellen endgültig zu bestätigen, wurde eine letzte Untersuchung durchgeführt: Es wurde eine T75-Flasche mit ~ 20 x 10 6 Verozellen ausgelegt. Die Zellen waren schon zu Beginn der Inkubationsphase in hoher Dichte ausgesät und demzufolge nicht mehr stark teilungsaktiv. Diese Verozellen wurden mit SeW-eGFP-PΔ2-77 mit einer MOI von 0,001 infiziert. Ein Mediumwechsel nach DMEM mit 5 % FKS (für verringerte Teilungsaktivität) erfolgte nach einstündiger Inkubationszeit und die Verozellen wurden bei 33 0 C inkubiert (P1). Zwei Tage p.i. konnten, entsprechend der gewählten MOI, initial mehrere tausend einzeln liegende infizierte, fluoreszierende Verozellen beobachtet werden. Wegen der hohen Zelldichte kam es in den darauf folgenden 4 Inkubationstagen kaum zu Zellteilungen, d.h. die Anzahl initial infizierter Zellen, detektiert durch die Fluoreszenz, blieb konstant. Würden in dieser Zeit Viruspartikel gebildet worden sein, hätten diese nebenliegende Zellen infizieren können, was sich an einer Zunahme der Fluoreszenz widergespiegelt hätte. Auch nach 8 Tagen konnte eine Ausbreitung des viralen Vektors wegen fehlender Neuinfektionen umliegender Zellen ausgeschlossen werden. Um die Zellen mit frischem Medium zu versorgen, wurde der Überstand abgenommen und die Verozellen mit neuem Medium überschichtet. 12 Tage nach Inkubationsstart lösten sich die Verozellen vom Kulturboden ab. Während der gesamten Versuchsdauer konnte keine Replikation des viralen Vektors in Form einer Zunahme fluoreszierender

Zellen beobachtet werden. Eine Ausbreitung von SeW-eGFP-PΔ2-77 von den primär infizierten Zellen auf umliegende Verozellen durch Produktion neuer Virusgenome sowie -partikel konnte somit ausgeschlossen werden. Daher ist SeW-eGFP-PΔ2-77 als ein replikationsdefizienter viraler Vektor zu bezeichnen.

Fazit:

Die oben aufgeführten Ergebnisse zeigen, dass durch gezielte Manipulationen an Genen für Komponenten des Polymerase-Komplexes replikationsdefiziente Negativstrang RNA-Viren hergestellt werden können, die nur noch in der Lage sind, die viruskodierten Gene zu transkribieren, aber das Virusgenom nicht mehr zu replizieren.

Im Falle des Sendaivirus wurden speziell zwei Varianten näher untersucht, in denen das Gen für den Polymerase-Cofaktor Phosphoprotein entweder komplett deletiert wurde („SeW-eGFP-ΔP") oder die Codons für die Aminosäuren 2 bis 77 entfernt wurden („SeW-eGFP-PΔ2-77"). Beide SeV Vektoren sind replikationsdefizient in Zellen, die das P Protein nicht in trans zur Verfügung stellen (sog. Zielzellen), unterscheiden sich jedoch erheblich in ihrer Genexpressionsleistung.

Obwohl im Falle von SeW-eGFP-ΔP bei einer MOI = 5 statistisch nur 0,7 % der Verozellen uninfiziert bleiben - 99,3 % sollten mindestens einen RNP- Komplex enthalten - konnten nur 0,01 % eGFP-positive Zellen unter dem Mikroskop beobachtet werden. Daraus kann rechnerisch gefolgert werden, dass es nur dann zu einer sichtbaren Transgenexpression kommt, wenn 15 oder mehr RNPs von SeW-eGFP-ΔP gleichzeitig in einer infizierten Zielzelle vorhanden sind.

Dieser P Gen-defiziente SeW zeigt eine ähnlich schwache Expression wie die analoge Tollwut ΔP-Variante (Shoji et al., supra). Beide Vektoren sind in der infizierten Zielzelle nur zur primären Transkription über den mitgeführten Polymerasekomplex aus dem Viruspartikel fähig. Für eine therapeutische Anwendung des Vektors ist jedoch eine stärkere Expression des kodierten Transgens bzw. Antigens erwünscht. Diese Bedingung kann mit Hilfe der replikationsdefizienten Variante SeW-eGFP-PΔ2-77 erfüllt werden, die in Zielzellen eine nur um durchschnittlich Faktor 10 reduzierte Expressionsleistung erbringt im Vergleich zum replikationskompetenten

SeV. Durch die Anwesenheit des Gens für ein N-terminal verkürztes P Protein im Vektorgenom ist nicht nur eine primäre, sondern auch eine sekundäre Transkription möglich. Diese wird bewerkstelligt durch neu entstandene, modifizierte Polymerase-Komplexe, die das Vektor-kodierte PΔ2-77 Protein enthalten; dieses unterstützt jedoch nicht den Replikationsmodus der Polymerase.

Durch die Quantifizierung der Proteinsynthese in infizierten Zielzellen ist bewiesen, dass der replikationsdefiziente virale Vektor SeW-eGFP-PΔ2-77 in der Lage ist, eine effiziente Transkription und Expression viral kodierter Gene durchzuführen. Dabei wird nicht nur das 3 ' -proximale Transgen (eGFP) effektiv synthetisiert; auch das an Genomposition 6 liegende HN- Gen wird über mindestens 9 Tage nach Infektion transkribiert und das Protein funktionell auf infizierten Zielzellen exponiert.

9. Bestimmung der durch eine replikationsdefiziente RNA-Vakzine in einem Mausmodell induzierten Immunantwort

Es konnte gezeigt werden, dass vorzugsweise durch eine Deletion im P-Gen („PΔ2-77") ein veränderter viraler Polymerase-Komplex entsteht, der keine Synthese neuer Genome mehr zulässt. Gleichzeitig ist nach Infektion mit solchen replikationsdefizienten Viren die in der Zielzelle vermittelte virale Genexpression nur ca. 10x niedriger im Vergleich zu Infektionen mit replikationskompetentem Virus.

Um eine hinreichend immunogene Eigenschaft des replikationsdefizienten Negativstrang RNA-Virus als Vakzinierungsvektor nachzuweisen, wurden Antigene bzw. antigene Determinanten zweier heterologer Viren (humanes Parainfluenzavirus Typ 3, hPIV3, und Respiratorisches Synzytialvirus, RSV) in das Virusgenom eingesetzt: Dazu wurde ein replikationsdefizientes SeV PΔ2-77 konstruiert, in dem die Gene der ursprünglichen Oberflächenproteine F und HN ausgetauscht sind gegen Gene, die für

chimäre F und HN Proteine SeV/hPIV3 kodieren. Das chimäre F-Protein enthält 558 Aminosäuren und besteht aus der extrazellulären Domäne von hPIV3 (493 Aminosäuren), der Transmembrandomäne von SeV (23 Aminosäuren) und der cytoplasmatischen Domäne von SeV (42 Aminosäuren). Das chimäre HN-Protein hat 579 Aminosäuren und besteht aus der cytoplasmatischen Domäne von SeV (35 Aminosäuren), der Transmembrandomäne von SeV (25 Aminosäuren) sowie der extrazellulären Domäne von hPIV3 (519 Aminosäuren). Die Aminosäuresequenzen des Chimären F-Proteins und des Chimären HN- Proteins sind im Sequenzprotokoll als SEQ ID No. 27 und 28 gezeigt.

Durch Insertion chimärer Gene in das Virusgenom wird eine neue Antigenität erzeugt und zugleich der effiziente Zusammenbau von Vakzinpartikeln bei deren Produktion sichergestellt.

In einer zusätzlichen Expressionskassette eingeschoben zwischen zwei viralen Genen erfolgte die Kodierung des Oberflächenproteins F von RSV, wodurch das Konstrukt zu einer bivalenten Vakzine erweitert wurde.

Diese neue Vakzine wurde im Tiermodell getestet. Es wurden Gruppen von Balb/C Mäusen dreimal im Abstand von drei Wochen mit zwei verschiedenen Viruspräparationen (Gruppe A bzw. C, je 10 4 infektiöse Einheiten) intranasal immunisiert, eine Kontrollgruppe (B) erhielt PBS anstelle der Vakzine. Nach der dritten Immunisierung wurden zur Analyse der mukosalen Immunantwort nasale Waschflüssigkeit (NW) gewonnen sowie bronchoalveoläre Spülungen (BAL) durchgeführt und zur Analyse der humoralen Immunantwort das Serum isoliert. Über ELISA wurde die Menge an induzierten Immunglobulinen IgA und IgG spezifisch gegen hPIV3 sowie RSV bestimmt. Der replikationsdefiziente Vakzinprototyp bewirkte eine deutliche Induktion von IgA-Antikörpern spezifisch gegen hPIV3 (Abb. 15A), die Induktion von anti-RSV IgA-Antikörpern fiel geringer aus (nicht gezeigt). Die Induktion einer humoralen Immunantwort gegen die Oberflächen- Antigene beider Viren ergab vergleichbare Titer, die Menge an spezifischen

IgG unterscheidet sich um Faktor 2 (Abb. 15B). Eine weiterführende Analyse des anti-hPIV3-lgG zeigte, dass die induzierten Antikörper neutralisierende Eigenschaften (Titer 1/64) aufweisen. Im Gegensatz dazu konnte - wie erwartet - bei der Kontrollgruppe keinerlei spezifische IgA- bzw. IgG- Induktion festgestellt werden.

Die erfindungsgemäße Vakzine konnte eine spezifische mukosale und humorale Immunantwort gegen heterologe virale Antigene induzieren. Zusätzliche Experimente zeigten, dass Lymphozyten immunisierter Mäuse Interferon-γ produzierten, während IL-5 nicht nachgewiesen werden konnte. Dieser Befund deutet darauf hin, dass die bivalente, replikationsdefiziente RNA-Vakzine in der Lage ist, eine T-Zellimmunantwort auszulösen, welche eine Voraussetzung für eine lang anhaltende Immunität ist.

Fazit

Nach Infektion von Versuchstieren mit einem modifizierten Vektor, in den kodierende Sequenzen für Antigene zweier heterologer Viren eingesetzt waren, wurde die Induktion neutralisierender Antikörper nachgewiesen. Dies zeigt das Potential von replikationsdefizienten Negativstrang RNA-Viren für die Entwicklung von neuartigen Impfstoffen.

10. Aufstellung der verwendeten DNA-Oligonukleotide

Die in den obigen Beispielen verwendeten DNA-Oligonukleotide sind in der folgenden Tabelle 3 angegeben.

Tabelle 3: