BACK, Karl (Kraichgauweg 16a, Diehlheim, 69234, DE)
Patentansprüche
1. Gerollte Gleitlagerbuchse (2) mit einer Mehrzahl von an ihrem Außenumfang (4) vorgesehenen in Umfangsrichtung verlaufenden Rillen (8), die keilförmig oder V-förmig ausgebildet sind, so dass sie eine Materialverdrängung im Zuge des Kalibrierens der Gleitlagerbuchse (2) durch Hindurchführen eines Ziehdorns unter Festhalten des Außenumfangs (4) aufzunehmen vermögen, indem sie sich zumindest teilweise schließen oder verengen.
2. Gleitlagerbuchse nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Rillen (8) keilförmig oder V- förmig sind.
3. Gleitlagerbuchse nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Flanken (10) der Rillen (8) mit der radialen Ebene einen Winkel (α) von 20 - 40°, insbesondere 25 - 35° bilden.
4. Gleitlagerbuchse nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Rillen (8) eine Tiefe (T) von 0,05 - 0,5 mm aufweisen.
5. Gleitlagerbuchse nach einem der vorstehenden Ansprüche, dass die Rillen (8) eine Tiefe (T) von 5 - 25 % der Wandstärke der Buchse aufweisen.
6. Gleitlagerbuchse nach einem der vorstehenden Ansprüche, dass die Rillen (8) in Längsrichtung (6) einen Abstand von 1 - 3 mm, insbesondere von 1 - 2 mm voneinander aufweisen .
7. Verfahren zum Herstellen und Kalibrieren einer gerollten Gleitlagerbuchse (2), wobei von einem in Maschinenrichtung zugeführten Flachmaterialband Längsabschnitte abgetrennt und auf Buchsenform gebracht werden und wobei unter Festhalten des Außenumfangs die Innenseite der Gleitlagerbuchse (2) durch Hindurchführen eines Ziehdorns kalibriert wird, dadurch gekennzeichnet, dass bei dem in Maschinenrichtung zugeführten Flachmaterialband oder bei hiervon abgetrennten Längsabschnitten auf der die spätere Außenumfangsflache der Gleitlagerbuchse (2) bildenden Seite in der Maschinenrichtung mehrere Rillen (8) eingebracht werden und dass beim anschließenden Kalibrieren die Rillen (8) in Folge von Materialverformung teilweise geschlossen oder verengt werden.
8. Verfahren nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Rillen (8) durch Abrollen eines Werkzeugs eingeprägt werden .
9. Verfahren nach Anspruch 7 oder 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Rillen (8) keilförmig oder V- förmig ausgebildet werden.
10. Verfahren nach Anspruch 7, 8 oder 9, dadurch gekennzeichnet, dass beim Kalibrieren die Buchsenbreite (B) durch Stützflanken im Werkzeug festgehalten wird. |
Gerollte Gleitlagerbuchse
Beschreibung
Die Erfindung betrifft eine "gerollte" Gleitlagerbuchse, also eine Gleitlagerbuchse mit einer Stoßfuge, die durch Hindurchfuhren eines Ziehdorns unter Festhalten des Außenumfangs kalibriert ist.
üblicherweise wird bei der Herstellung von Buchsen einer Wandstarke von ca. 0,75 bis 3 mm, insbesondere von 0,75 bis 1,5 mm, mit einer Kalibrierzugabe von ca. 10 bis 30 μm, insbesondere von ca. 20 μm gearbeitet, was auch m der Größenordnung der Banddickentoleranz des verwandten Flachmaterials liegt. Das heißt die Wanddicke des Flachmaterials weist ein übermaß m dieser Größenordnung auf oder anders ausgedruckt der Innendurchmesser des auf Buchsenform gebrachten Flachmaterialabschnitts weist ein Untermaß m dieser Größenordnung auf. Da bei
Kalibriervorgangen der beschriebenen Art der Außenumfang in dem Kalibrierwerkzeug (Kalibriermatrize) exakt vorgegeben und damit festgehalten wird, muss die beim Hindurchfuhren des Ziehdorns sich ergebende Materialverdrangung m Breitenrichtung, also in axialer Richtung der gerollten Gleitlagerbuchse erfolgen. Man hat also in der Folge eine Undefinierte Buchsenbreite, die möglicherweise durch eine erneute, insbesondere spanabhebende Bearbeitung wiederum korrigiert werden muss, was aufwandig ist.
US-A-2, 905, 511 zeigt eine 180° umfassende Gleitlagerschale, die an ihrem Außenumfang mit einer Vielzahl von regelmäßigen oder unregelmäßigen Vertiefungen versehen ist, wonach bei einer Ausfuhrungsform m Umfangsrichtung erstreckte Nuten
vorgesehen sind. Die Vertiefungen dienen dazu, im Betrieb der Gleitlagerschale auftretende extreme Belastungen besser aufnehmen und ausgleichen zu können. Solche Situationen ergeben sich, wenn die gelagerte Welle einen Fluchtungsfehler aufweist. Bei Gleitlagerschalen stellt sich das Problem der Kalibrierung durch Hindurchführen eines Ziehdorns nicht. Lagerschalen werden allenfalls spanabhebend geräumt.
Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zu Grunde, dem vorstehend geschilderten Problem bei der Kalibrierung gerollter Gleitlagerbuchsen zu begegnen.
Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß gelöst durch eine Gleitlagerbuchse mit einer Mehrzahl von an ihrem Außenumfang vorgesehenen in Umfangsrichtung verlaufenden Rillen, die keilförmig oder V-förmig ausgebildet sind, so dass sie eine Materialverdrängung im Zuge des Kalibrierens der Gleitlagerbuchse durch Hindurchführen eines Ziehdorns unter Festhalten des Außenumfangs aufzunehmen vermögen, indem sie sich zumindest teilweise schließen oder verengen.
Die erfindungsgemäß vorgesehenen makroskopischen Rillen verlaufen dabei also in jeweils einer Ebene, die senkrecht zur Zugrichtung des Ziehdorns verläuft. Die Rillen verlaufen also vorzugsweise exakt in Umfangsrichtung, also konzentrisch zur Längsmittelachse der Gleitlagerbuchse. Die Rillen bilden also gewissermaßen ein Reservoir zur Aufnahme von Materialdeformationen im Zuge der Kalibrierung, wodurch der Materialfluß über die vorgegebene Buchsenbreite hinaus reduziert oder gar ganz verhindert werden kann. Dabei werden die Rillen wenigstens teilweise geschlossen oder zumindest verengt. Hindurchziehen des Ziehdorns bedeutet Bewegung des Dorns und/oder der Buchse relativ zueinander in axialer Richtung .
Es erweist sich als besonders zweckmäßig, dass die Rillen sich nach innen hin verjüngen und keilförmig oder V-förmig
ausgebildet sind, da sie solchenfalls einen geringeren Widerstand gegen eine Materialverdrängung aufweisen, also sich bei verdrängender Verformung leichter schließen, was ja erfindungsgemäß erwünscht ist.
Die Flanken der Rillen sind vorteilhafterweise so ausgebildet, dass sie mit der radialen Ebene einen Winkel von 20° bis 40°; insbesondere 20° bis 25° bilden. Der gesamte öffnungswinkel der Rillen ist entsprechend doppelt so groß (wenn die Flanken denselben Neigungswinkel aufweisen) .
Die Rillen weisen vorteilhafterweise eine Tiefe von 0,05 bis 0,5 mm bei üblichen Wandstärken des Flachmaterials von ca. 0,75 bis 3 mm auf. In vorteilhafter Weise weisen die Rillen eine Tiefe von 5 bis 25 % der Wandstärke der Buchse auf.
Es hat sich des Weiteren als zweckmäßig erwiesen, wenn die Rillen in einem axialen Abstand von 1 bis 3 mm, insbesondere 1 bis 2 mm voneinander beabstandet sind.
Die Erfindung betrifft auch ein Verfahren zum Herstellen und Kalibrieren einer gerollten Gleitlagerbuchse mit den Merkmalen des Anspruchs 7.
Herstellungstechnisch erweist es sich als vorteilhaft, wenn die Rillen durch Abrollen eines Werkzeugs über dem in Maschinenrichtung zugeführten Flachmaterialband eingeprägt werden. Grundsätzlich wäre auch eine spanabhebende Einbringung der Rillen denkbar; dies erweist sich jedoch als herstellungstechnisch aufwändiger und bringt überraschenderweise keine Vorteile mit sich. Es hat sich nämlich gezeigt, dass geprägte Rillen sich ebenso gut als Reservoir zur Aufnahme verdrängten Materials eignen.
Wie bereits erwähnt, werden die Rillen vorzugsweise sich verjüngend, insbesondere keilförmig oder V-förmig ausgebildet .
Die Erfindung erweist sich durch Vorsehen der erfmdungsgemaßen makroskopischen Rillen als Reservoir zur Aufnahme verformten Materials insofern als besonders vorteilhaft, als beim Kalibrieren zusatzlich zum Außenumfang auch die Buchsenbreite durch Stutzflanken im Werkzeug festgehalten werden kann, da die Materialverdrangung beim Hindurchfuhren des Ziehdorns vollständig m die Rillen geleitet wird. Es kann also durch einen einzigen Kalibrierschritt eine freifallende und sogleich verwendbare gerollte Gleitlagerbuchse erhalten werden, die keiner weiteren maßgebenden Bearbeitung bedarf.
Weitere Merkmale, Einzelheiten und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus den beigefugten Patentansprüchen und aus der zeichnerischen Darstellung und nachfolgenden Beschreibung einer bevorzugten Ausfuhrungsform der erfmdungsgemaßen Gleitlagerbuchse. In der Zeichnung zeigt:
Figur 1 eine perspektivische Ansicht einer erfmdungsgemaßen Gleitlagerbuchse (nicht maßstabsgetreu) und
Figur 2 eine Schnittansicht mit Schnittebene II-II m Figur 1 (nicht maßstabsgetreu) .
Die Figuren zeigen die Ausbildung einer erfmdungsgemaßen "gerollten" Gleitlagerbuchse 2 mit einer demzufolge resultierenden Stoßfuge der Buchse, die im emgepressten Zustand der Buchse geschlossen ist. Bei Gleitlagerbuchsen der hier interessierenden Art handelt es sich vorzugsweise um aus einem metallischen Gleitlagerverbundwerkstoff hergestellte Gleitlagerbuchsen. Der metallische Gleitlagerverbundwerkstoff umfasst zumeist einen Trager oder Rucken aus Stahl, Bronze, Aluminium oder Messing, auf den dann die metallische Gleitlagerlegierung unlösbar aufgebracht, insbesondere aufgesintert , aufgegossen oder aufgewalzt ist. Auch
Gleitlagerverbundwerkstoffe mit einem polameren Gleitschichtmaterial, welches zumeist in eine poröse Trägerschicht einimprägniert ist, sind von der Erfindung erfasst. Der Gleitlagerverbundwerkstoff wird auf Rollenform gebracht und als vorzugsweise endloses Band einer Herstellungsmaschine zugeführt. In der Herstellungsmaschine werden Längsabschnitte von dem Band abgetrennt und auf Buchsenform "gerollt".
Die Gleitlagerbuchse 2 weist an ihrem Außenumfang 4 mehrere zueinander parallele und konzentrisch zu einer Längsmittelachse 6 der Gleitlagerbuchse verlaufende Rillen 8 auf. Hierbei handelt es sich um makroskopische Rillen mit einer Tiefe von ca. 0,05 bis 0,5 mm. Die in Figur 2 beispielhaft dargestellten Rillen 8 verjüngen sich, und ihre Flanken 10 laufen spitzwinklig aufeinander zu. Die Rillen sind im Querschnitt V-förmig ausgebildet. Ihre Flanken 10 bilden mit einer angedeuteten radialen Ebene 12 einen Winkel α von 20° bis 40°, insbesondere von 25° bis 35°. Im dargestellten Fall sind die Rillen 8 beziehungsweise deren Flanken 10 symmetrisch zu der radialen Ebene 12 ausgebildet; dies ist aber nicht zwingend erforderlich. Es wäre auch denkbar, dass die Flanken 10 unterschiedlichen Neigungswinkel α zur radialen Ebene 12 aufweisen.
Wenn beim Kalibrieren der Gleitlagerbuchse 2 ein Ziehdorn in Richtung der Längsmittelachse 6 der Gleitlagerbuchse 2 durch diese hindurchgeführt wird, so kommt es zu einer verdrängenden Materialverformung . Da der Außenumfang der Gleitlagerbuchse 2 in dem Kalibrierwerkzeug festgehalten ist, wird zumindest ein Teil der verdrängenden Verformung in die Rillen 8 "gehen". Die Rillen 8 stellen also gewissermaßen ein Reservoir zur Aufnahme verdrängender Materialverformung im Zuge des Kalibrierens dar. Da der Ziehdorn und die Gleitlagerbuchse relative zueinander in axialer Richtung bewegt werden (Bewegung des Dorns und/oder der Buchse relativ zueinander in axialer Richtung) , wird die verdrängende
Verformung überwiegend in axialer Richtung erfolgen. Die Rillen 8 werden also verengt und wenigstens teilweise geschlossen. Zusätzlich kann in vorteilhafter Weise beim Kalibrieren die Buchsenbreite B durch Anlegen von Stützflanken an die Stirnseiten 14 der Gleitlagerbuchse 2 exakt festgehalten werden.
Insgesamt kann eine freifallende und ohne weitere bemaßende Bearbeitung verwendbare Gleitlagerbuchse erhalten werden.
