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Title:
SHAPE-ADAPTIVE MEDICAL IMPLANT
Document Type and Number:
WIPO Patent Application WO/2017/207561
Kind Code:
A1
Abstract:
The invention relates to a shape-adaptive medical implant having at least one actuator, by means of which the implant can be changed from a first implant geometry to a second implant geometry, the implant having a different geometric shape in the second implant geometry from that in the first implant geometry, wherein the actuator has a swellable chemical substance which swells when supplied with liquid, and wherein the implant has at least one liquid transport means, which is designed to supply liquid present outside the implant to the swellable chemical substance. The invention also relates to the use of an electrical signal source.

Inventors:
STIEGHORST JAN (DE)
DOLL THEODOR (DE)
Application Number:
EP2017/063024
Publication Date:
December 07, 2017
Filing Date:
May 30, 2017
Export Citation:
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Assignee:
MEDIZINISCHE HOCHSCHULE HANNOVER (DE)
International Classes:
A61N1/375; A61N1/05; A61N1/36
Domestic Patent References:
WO2015188805A12015-12-17
WO2015030734A12015-03-05
WO2015188805A12015-12-17
Foreign References:
US8843216B22014-09-23
US8145326B22012-03-27
US20110319907A12011-12-29
US20110106101A12011-05-05
US20060058861A12006-03-16
US8145326B22012-03-27
Attorney, Agent or Firm:
Gramm, Lins & Partner Patent- und Rechtsanwälte PartGmbB (DE)
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Claims:
Patentansprüche

1 . Formadaptives medizinisches Implantat (10) mit wenigstens einem Aktor (3), durch den das Implantat (10) von einer ersten Implantat-Geometrie in eine zweite Implantat-Geometrie verstellt werden kann, wobei das Implantat (10) in der zweiten Implantat-Geometrie eine andere geometrische Form aufweist als in der ersten Implantat-Geometrie, wobei der Aktor (3) eine aufquellbare chemische Substanz (30) aufweist, die in Folge von Flüssigkeitszufuhr aufquillt, und wobei das Implantat wenigstens ein Flüssigkeitstransportmittel (5) aufweist, das zur Zuführung von außerhalb des Implantats vorhandener Flüssigkeit zu der aufquellbaren chemischen Substanz (30) eingerichtet ist, gekennzeichnet durch eines, mehrere oder alle der folgenden Merkmale a), b), c), d):

a) das Implantat ( 0) weist eine mit elektrischen Signalen beaufschlagbare elektrische Signalabgabeanordnung (9) mit einer Anordnung aus elektrischen Leitern und/oder Elektroden auf, die zur Beaufschlagung der aufquellbaren chemischen Substanz (30) des Aktors (3) mit einem elektrischen und/oder elektromagnetischen Feld eingerichtet ist, wobei die aufquellbare chemische Substanz (30) dazu eingerichtet ist, in Folge ihrer Beaufschlagung mit dem elektrischen und/oder elektromagnetischen Feld von der elektrischen Signalabgabeanordnung (9) vom aufgequollenen Zustand in den nicht aufgequollenen Zustand überzugehen, b) das Implantat (10) weist ein flüssigkeitsdichtes Verschlussmittel (6) aus einer flüssigkeitslöslichen chemischen Substanz auf, die das Flüssigkeitstransportmittel flüssigkeitsdicht (5) verschließt,

c) das Implantat (10), insbesondere dessen Aktor (3), weist laterale Begrenzungsmittel (8) auf, durch die die laterale Ausdehnung des Implantats (10) und/oder des Aktors (3) in Folge des Aufquellens der aufquellbaren chemischen Substanz (30) begrenzt ist,

d) im Aktor (3), insbesondere in der aufquellbaren chemischen Substanz (10), ist ein ionisches Medikament ( ) zur gezielten Wirkstoffabgabe nach Implantation des Implantats (10) im Körper vorhanden. Implantat nach dem vorhergehenden Anspruch, dadurch gekennzeichnet, dass die aufquellbare chemische Substanz (30) ein polyelektrolytisches Hyd- rogel ist oder zumindest überwiegend aufweist.

Implantat nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Flüssigkeitstransportmittel (5) eine membranartige Struktur und/oder Mikroporen der Außenhaut (31 ) des Aktors (3) aufweisen.

Implantat nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die flüssigkeitslösliche chemische Substanz des flüssigkeitsdichten Verschlussmittels (6) Polyvinylpyrrolidon ist oder zumindest überwiegend aufweist.

Implantat nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Implantat (10), insbesondere dessen Aktor (3), eine in die Außenhaut (31 ) integrierte oder daran befestigte Faserverstärkung (8) aufweist.

Implantat nach dem vorhergehenden Anspruch, dadurch gekennzeichnet, dass die Faserverstärkung (8) als unidirektionale Faserverstärkung ausgebildet ist, insbesondere als mit ihrer Faserrichtung in Querrichtung des Aktors (3) verlaufende unidirektionale Faserverstärkung.

Implantat nach einem der Ansprüche 5 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass die elektrische Signalabgabeanordnung (9) wenigstens zum Teil durch elektrisch leitende Fasern der Faserverstärkung (8) gebildet ist.

Implantat nach einem der Ansprüche 5 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Fasern der Faserverstärkung (8) eine gekettelte Struktur aufweisen.

9. Implantat nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Implantat (10) als Cochlea-Implantat ausgebildet ist, das zusätzlich zu der elektrischen Signalabgabeanordnung (9) einen Elektrodenträger (20) aufweist, an dem Stimulationselektroden (2) zur Stimulation der Cochlea angeordnet sind. 10. Verwendung einer elektrischen Signalquelle zur Beaufschlagung der elektrischen Signalabgabeanordnung (9) eines medizinischen Implantats (10) nach einem der vorhergehenden Ansprüche mit elektrischen Signalen zur Explan- tierung des Implantats (10) aus einem im Körper implantierten Zustand.

Description:
FORMADAPTIVES MEDIZINISCHES IMPLANTAT

Die Erfindung betrifft ein formadaptives medizinisches Implantat mit wenigstens einem Aktor, durch den das Implantat von einer ersten Implantat-Geometrie in eine zweite Implantat-Geometrie verstellt werden kann, wobei das Implantat in der zweiten Implantat-Geometrie eine andere geometrische Form aufweist als in der ersten Implantat-Geometrie, wobei der Aktor eine aufquellbare chemische Substanz aufweist, die in Folge von Flüssigkeitszufuhr aufquillt, und wobei das Implantat wenigstens ein Flüssigkeitstransportmittel aufweist, das zur Zuführung von außerhalb des Implantats vorhandener Flüssigkeit zu der aufquellbaren chemischen Substanz eingerichtet ist. Die Erfindung betrifft außerdem die Verwendung einer elektrischen Signalquelle gemäß Anspruch 10. Die Erfindung betrifft somit das Gebiet der medizinischen Implantatversorgung mit formadaptiven Elementen, insbesondere Kunststoffimplantaten im Allgemeinen.

Medizinische Implantate werden in einer Vielzahl von Anwendungen eingesetzt. In manchen Anwendungen ist es erforderlich, dass sich das Implantat in einem bestimmten Körper-Hohlbereich besonders gut an die Geometrie des Hohlbereichs anpasst, z.B. bei Cochlea-Implantaten an die Form der Cochlea. So ist z.B. aus der WO 2015/188805 A1 für eine solche Anwendung ein selbstkrümmendes Implantat bekannt, bei dem ein schwellfähiges Polymer in einem Implantatgrundkörper vorhanden ist.

Flexible Kunststoffimplantate werden typischerweise im Kontakt mit Weichgewebestrukturen wie z.B. Hohlorganen oder Nervenstrukturen eingesetzt. Aufgrund ihrer Struktur und Materialkombination soll eine möglichst gute Anpassung an das Empfängergewebe erreicht und die bei der Implantation entstehenden Gewebeschäden minimiert werden. Gängige Weichgewebeimplantate bestehen daher meistens aus einem hochflexiblen Elastomer-Grundkörper, welcher im Falle eines aktiven Implantates zusätzlich mit Leiterstrukturen, wie z.B. Platindrähten, zur elektrischen Stimulation versehen ist. Ein bekannter Vertreter hierfür sind Coch- lea-lmplantatsysteme (Cl), welche im Falle einer verlorenen Reiztransduktion im Innenohr (sensorineuraler Hörverlust) eingesetzt werden. Um das Gehör wiederherzustellen, wird ein Elektrodenträger in das Innenohr implantiert und die Nervenzellen elektrisch stimuliert. Für eine bessere Anpassung der Elektrodenträger an die Nervenstrukturen, werden vorgeformte Elektrodenträger eingesetzt, die die Schneckenform einer typischen Cochlea besitzen. Um die Elektrodenträger während der Implantation einführen zu können, muss der Elektrodenträger mit einem kleinen, eingelassenen Metalldraht (Stilett) gerade gehalten werden. Mit zunehmender Insertionstiefe wird der Metalldraht gezogen und die Elektrode bewegt sich in ihre vordefinierte Form zurück. Bisher nicht umgesetzte Forschungsansätze verfolgen die Verwendung von Shape Memory metallen und quellenden Polymeren [Patent US 8,145,326 B2], welche im letzteren Fall den Elektrodenträger durch eine Abstoßung auf der lateralen Seite in Richtung der Nervenzellen drücken sollen (perimodiolare Position).

Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, solche formadaptiven medizinischen Implantate praxisgerechter und patientenschonender zu gestalten.

Diese Aufgabe wird bei dem eingangs genannten formadaptiven medizinischen Implantat gelöst durch eines, mehrere oder alle der folgenden Merkmale a), b), c), d): a) das Implantat weist eine mit elektrischen Signalen beaufschlagbare elektrische Signalabgabeanordnung mit einer Anordnung aus elektrischen Leitern und/oder Elektroden auf, die zur Beaufschlagung der aufquellbaren chemischen Substanz des Aktors mit einem elektrischen und/oder elektromagnetischen Feld eingerichtet ist, wobei die aufquellbare chemische Substanz dazu eingerichtet ist, in Folge ihrer Beaufschlagung mit dem elektrischen und/oder elektromagnetischen Feld von der elektrischen Signalabgabeanordnung vom aufgequollenen Zustand in den nicht aufgequollenen Zustand überzugehen, b) das Implantat weist ein flüssigkeitsdichtes Verschlussmittel aus einer flüssigkeitslöslichen chemischen Substanz auf, die das Flüssigkeitstransportmittel flüssigkeitsdicht verschließt, c) das Implantat, insbesondere dessen Aktor, weist laterale Begrenzungsmittel auf, durch die die laterale Ausdehnung des Implantats und/oder des Aktors in Folge des Aufquellens der aufquellbaren chemischen Substanz begrenzt ist, d) im Aktor, insbesondere in der aufquellbaren chemischen Substanz, ist ein ionisches Medikament zur gezielten Wirkstoffabgabe nach Implantation des Implantats im Körper vorhanden.

Die Erfindung hat den Vorteil, dass gemäß Merkmal a) das Explantationsverhalten des Implantats verbessert wird. Muss das Implantat im Falle einer Revisionsoperation wieder aus dem Körper, in den es implantiert wurde, entfernt werden, so kann dies derart erfolgen, dass durch Abgabe elektrischer Signale an die aufquellbare chemische Substanz, die sich im aufgequollenen Zustand befindet, diese wieder in den nicht aufgequollenen Zustand gebracht wird. Dementsprechend kann das Implantat im Wesentlichen ohne Gewebeschädigungen wieder entfernt werden.

Auf diese Weise kann das Implantat als elektrisch betätigbares oder elektrisch schaltbares medizinisches Implantat ausgebildet sein. Die zweite Implantat-Geometrie kann insbesondere eine gekrümmte geometrische Form sein. Durch das Abschwellen der aufquellbaren chemischen Substanz kann das Implantat insbesondere wieder die erste Implantat-Geometrie oder eine andere, von der zweiten Implantat-Geometrie abweichende geometrische Form einnehmen.

Die Flüssigkeit, durch die die aufquellbare chemische Substanz aufquillt, kann z.B. Wasser oder eine wässrige Substanz sein, insbesondere wässrige Substanzen im menschlichen Körper. Im Falle eines Cochlea-Implantats kann die Flüssigkeit eine wässrige intracochleare Flüssigkeit sein, die sich in der Cochlea befindet.

Die Erfindung hat den Vorteil, dass gemäß Merkmal b) die Flüssigkeitszufuhr zu der aufquellbaren chemischen Substanz in definierter Weise erfolgen kann. Das flüssigkeitsdichte Verschlussmittel kann z.B. in Form kleiner Körner randnah in ei- nem Implantatgrundkörper eingebracht sein und sich bei Kontakt mit der Flüssigkeit auflösen. Die dabei freiwerdenden Stellen bilden bei entsprechend kleiner Korngröße der sich auflösenden flüssigkeitslöslichen chemischen Substanz eine poröse Membranstruktur am Implantatgrundkörper aus, die die gewünschten Trenneigenschaften zwischen der Flüssigkeit außerhalb des Implantats und dem mit der aufquellbaren chemischen Substanz gefüllten Aktor erfüllt. Die aufquellbare chemische Substanz kann somit den Aktor nicht verlassen, Flüssigkeit kann aber von außen durch die Membranstruktur ins Innere des Aktors gelangen und somit das Aufquellen der aufquellbaren chemischen Substanz bewirken.

Die Erfindung hat den Vorteil, dass gemäß Merkmal c) der Anpressdruck des Implantats an eine Hohlstruktur im Körper begrenzt werden kann, z.B. der Anpressdruck in der Cochlea. Auf diese Weise können durch das Aufquellen der aufquellbaren chemischen Substanz unerwünscht hohe Anpressdrücke und dementspre- chende damit verbundene Risiken vermieden werden. Durch die lateralen Begrenzungsmittel wird die laterale Ausdehnung, mit anderen Worten, die Ausdehnung in radialer Richtung, begrenzt, z.B. auf einen vordefinierten maximalen Umfang des Implantats oder in flexibler Weise auf eine maximale Anpresskraft.

Die Erfindung hat den Vorteil, dass gemäß Merkmal d) das Implantat zugleich genutzt werden kann, um gezielt Wirkstoffe in den mit dem Implantat versorgten Körper abzugeben. Unter dem Einfluss eines elektrischen Feldes kann das Medikament beispielsweise in gezielten Dosen in die umgebende Flüssigkeit abgegeben werden.

Gemäß einer vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung ist vorgesehen, dass die aufquellbare chemische Substanz ein polyelektrolytisches Hydrogel ist oder zumindest überwiegend aufweist. Auf diese Weise kann eine biokompatible aufquellbare chemische Substanz bereitgestellt werden. Das polyelektrolytische Hydrogel ist zudem reversibel vom aufgequollenen Zustand auch wieder in einen nicht aufgequollenen Zustand überführbar, und zwar durch Anlegen eines elektrischen Felds an dem polyelektrolytischen Hydrogel.

Gemäß einer vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung ist vorgesehen, dass das Flüssigkeitstransportm ittel eine membranartige Struktur und/oder Mikroporen der Außenhaut des Aktors aufweisen. Auf diese Weise ist die Außenhaut des Aktors durchlässig für die Flüssigkeit, die von außen in das Innere des Aktors dringen soll, um die aufquellbare chemische Substanz aufquellen zu lassen. Andererseits kann die aufquellbare chemische Substanz nicht aus dem Aktor austreten.

Gemäß einer vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung ist vorgesehen, dass die flüssigkeitslösliche chemische Substanz des flüssigkeitsdichten Verschlussmittels Polyvinylpyrrolidon ist oder zumindest überwiegend aufweist. Auf diese Weise wird eine biokompatible flüssigkeitslösliche chemische Substanz als flüssigkeitsdichtes Verschlussmittel bereitgestellt. Entsprechende Polyvinylpyrrolidon-Zubereitungen sind beispielsweise unter dem Handelsnamen Luvitec der Firma BASF erhältlich.

Gemäß einer vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung ist vorgesehen, dass das Implantat, insbesondere dessen Aktor, eine in die Außenhaut integrierte oder daran befestigte Faserverstärkung aufweist. Durch eine solche Faserverstärkung kann der Aktor robuster gestaltet werden. Zudem kann durch die Faserverstärkung das laterale Begrenzungsmittel realisiert werden. Die Faserverstärkung kann insbesondere an dem Aktor oberflächennah angeordnet sein oder in das Material des Aktors, d.h. dessen Hülle, integriert sein. Die Fasern können beispielsweise als Fäden oder Drähte ausgebildet sein.

Gemäß einer vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung ist vorgesehen, dass die Faserverstärkung als unidirektionale Faserverstärkung ausgebildet ist, insbesondere als mit ihrer Faserrichtung in Querrichtung des Aktors verlaufende unidirektionale Faserverstärkung. Durch eine solche Faserrichtung und Art der Faserverstärkung kann insbesondere eine gewünschte longitudinale Ausdehnung des Aktors bei begrenzter lateraler Ausdehnung realisiert werden.

Gemäß einer vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung ist vorgesehen, dass die elektrische Signalabgabeanordnung wenigstens zum Teil durch elektrisch leitende Fasern der Faserverstärkung gebildet ist. Dies hat den Vorteil, dass die Integration der elektrischen Signalabgabeanordnung in dem Implantat vereinfacht wird, bzw. keine zusätzlichen Elemente außer den Fasern der Faserverstärkung notwendig sind, um die elektrische Signalabgabeanordnung zu realisieren. Die elektrisch leitenden Fasern der Faserverstärkung können z.B. in Form von Kohlefasern ausgebildet sein.

Gemäß einer vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung ist vorgesehen, dass die Fasern der Faserverstärkung eine gekettelte Struktur aufweisen. Hierdurch wird eine Struktur geschaffen, durch die die laterale Begrenzung der Ausdehnung des Aktors realisiert wird, ohne die gewünschte Dehnung in longitudinaler Richtung (axiale Richtung) zu unterdrücken.

Gemäß einer vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung ist vorgesehen, dass das Implantat als Cochlea-Implantat ausgebildet ist, das zusätzlich zu der elektrischen Signalabgabeanordnung einen Elektrodenträger aufweist, an dem Stimulationselektroden zur Stimulation der Cochlea angeordnet sind. Auf diese Weise kann ein besonders patientenschonendes und hoch funktionelles Cochlea-Implantat bereitgestellt werden. In vorteilhafter Weise können die Stimulationselektroden und/oder deren elektrische Zuleitungen zugleich die elektrische Signalabgabeanordnung o- der zumindest einen Teil davon bilden.

Die eingangs genannte Aufgabe wird ferner gelöst durch die Verwendung einer elektrischen Signalquelle zur Beaufschlagung der elektrischen Signalabgabeanordnung eines medizinischen Implantats der zuvor erläuterten Art mit elektrischen Signalen zur Explantierung des Implantats aus einem im Körper implantierten Zustand. Auch hierdurch können die zuvor erläuterten Vorteile realisiert werden. Die elektrische Signalquelle kann eine elektrische Signalquelle jeder Art sein, beispielsweise eine Gleichstromquelle, eine Gleichspannungsquelle oder eine Signalquelle, die ein elektrisches Wechselsignal abgibt.

Mit dem erfindungsgemäßen Implantat kann z.B. folgendes Verfahren realisiert werden.

Verfahren zur Explantierung eines medizinischen Implantats der zuvor erläuterten

Art aus einem im Körper implantierten Zustand, mit folgenden Schritten:

a) Anschließen der elektrischen Signalanordnung des Implantats an eine elektrische Signalquelle,

b) Beaufschlagen der chemischen Substanz im Aktor über die elektrische Signalanordnung mit elektrischen Signalen während einer Einwirkzeit, c) Entfernen des Implantats nach der Einwirkzeit aus dem Körper.

Auch hierdurch können die zuvor erläuterten Vorteile realisiert werden.

Die Erfindung wird nachfolgend anhand von Ausführungsbeispielen unter Verwendung von Zeichnungen näher erläutert.

Es zeigen

Fig. 1 - eine erste Ausführungsform der Erfindung und

Fig. 2 - eine zweite Ausführungsform der Erfindung.

In den Figuren werden gleiche Bezugszeichen für einander entsprechende Elemente verwendet.

Die Figur 1 zeigt in der Abbildung a) ein formadaptives medizinisches Implantat in Form eines Cochlea-Implantats in seitlicher Schnittdarstellung. Die Abbildungen b) bis d) zeigen entsprechend der Schnittebene A- A das Implantat in verschiedenen Aufquellstadien der aufquellbaren chemischen Substanz.

Das Implantat 10 weist einen Grundkörper 1 auf, der z.B. aus Silikon gebildet sein kann, ferner Kontakte 2, elektrische Verbindungsleitungen 4, einen Aktor 3, gefüllt mit aufquellbarer chemischer Substanz 30, die in einer flexiblen Hülle 31 des Aktors 3 angeordnet ist. Die Kontakte 2 können die Elektroden bilden, z.B. Cochlea- Stimulationselektroden. Als Flüssigkeitstransportmittel 5 sind poröse Kanäle in der äußeren Struktur des Grundkörpers 1 vorhanden. Die Kontakte 2 und die Verbindungsleitungen 4 können z.B. aus inertem Material gebildet sein, z.B. aus Platin.

Die Abbildung a) zeigt einen Querschnitt durch das Implantat 0 im Herstellungszustand, d.h. das Implantat wurde noch nicht in einen Körper implantiert. Der mit der aufquellbaren chemischen Substanz 30 gefüllte Aktor 3 ist von der Umgebung durch einen durch den Grundkörper 1 gebildeten Silikonmantel abgeschlossen. Die porösen Kanäle 5 sind mit einem darin dispergierten wasserlöslichen Polymer 6, das als flüssigkeitsdichtes Verschlussmittel dient, abgeschlossen. Wie die Abbildung b) zeigt, löst sich das wasserlösliche Polymer 6 bei Kontakt mit einer wässri- gen Lösung auf und hinterlässt die porösen Kanäle 5, somit eine feine poröse Struktur. Die poröse Struktur dient als permeabler Anschluss, der eine Wasserzufuhr von außen in den Aktor 3 ermöglicht, dabei aber ein Austreten des Hydrogels 30 aus dem Aktor 3 verhindert. Durch den Wasserzufluss schwillt das Hydrogel 30 und damit der gesamte Aktor 3 an, wie durch das Bezugszeichen 7 in der Abbildung d) dargestellt ist. Hierdurch wird eine Selbstkrümmung des Implantats und infolgedessen eine adaptive Konturanpassung des Implantats an einen Hohlraum in einem Körper, in dem das Implantat eingesetzt wurde, erzeugt.

Für die Verwendung der Erfindung in einem Elektrodenträger für Cochlea-Implan- tat-Systeme müsste der Elektrodenträger neu aufgebaut werden. Das bisherige Design eines zum Teil konischen Silikonzylinders mit darin eingelassenen Platinkontakten und Platindrähten müsste zusätzlich um den schwellenden Hydrogelak- tor 3 und der selektiven permeablen Membran erweitert werden. Hierzu könnte auf den Elektrodenstrukturen ein Silikonkautschuk mit einem darin eingebrachten po- lyelektrolytitischen Hydrogel 30 appliziert und teilvulkanisiert werden. Darauf würde im nächsten Schritt ein Gemisch aus einem wasserlöslichen Pulver und einem Silikonkautschuk aufgebracht und vollständig vernetzt werden. Als polyelekt- rolytisches Hydrogel würde sich aufgrund seiner nachgewiesenen Biokompatibilität und Schwellfähigkeit ein Polyacrylamid anbieten, das mit ionischen Gruppen ergänzt ist. Das Polyacrylamid kann z.B. mit ionischen Gruppen in Form von Acryl- säuregruppen ergänzt werden. Für die poröse Membran würde z.B. Polyvinylpyrrolidon verwendet werden.

Nach der Implantation des Elektrodenträgers würde sich das Polyvinylpyrrolidon in der chlorhaltigen Innenohrflüssigkeit (Perilymphe) auflösen und eine definierte Porenstruktur 5 hinterlassen. Idealerweise könnte das innenliegende Hydrogel 30, aufgrund seiner vernetzten makroskopischen Struktur, die Poren nicht durchdrin- gen, Wasser aber von der Innenohrflüssigkeit in das Hydrogel 30 strömen . Mit zunehmender Wasseraufnahme des Hydrogels 30 würde sich der Elektrodenträger an die Zielstrukturen anschmiegen und so den Kontakt zwischen den anvisierten Nervenzellen und den Elektrodenkontakten reduzieren.

Um im Falle einer nötigen Explantation die Schwellung des Hydrogels 30 zu reduzieren, könnten mit einer integrierten elektrischen Signalabgabeanordnung 9, ggf. mit den Elektroden kontakten 2, ein elektrisches Feld über die Länge des Elektrodenträgers aufgebracht werden. Entsprechend lässt sich bei der Verwendung einer aufquellbaren chemischen Substanz in Form eines ionischen Polyacrylamides der Kollaps des Hydrogels mit einer Feldstärke von etwa 0,41 V/cm bis 1 ,66 V/cm innerhalb eines Tages realisieren.

Die aufquellbare chemische Substanz muss dabei nicht vollständig reversibel in den nicht aufgequollenen Zustand zurückführbar sein, ein teilweises Abquellen ist in vielen Anwendungen bereits ausreichend.

Die Figur 2 zeigt eine Ausführungsform der Erfindung, bei der das Implantat 10 zusätzlich noch laterale Begrenzungsmittel 8 aufweist, z.B. in Form von oberflächennahen unidirektionalen Verstärkungsfasern. Die Abbildung a) zeigt, ähnlich wie bei Figur 1 , einen Längsschnitt durch das Implantat 10. Die Abbildungen b) und c) zeigen die gleichen Zustände wie die Abbildungen b) und c) der Figur 1 .

In der Ausführungsform gemäß Figur 2 weist das Implantat keine gesonderte elektrische Signalabgabeanordnung 9 auf. Die elektrische Signalabgabeanordnung ist hier durch elektrisch leitende Fasern in Form der Verstärkungsfasern 8 gebildet.

Die Abbildung d) zeigt den Beginn des Anschwellvorgangs der aufquellbaren chemischen Substanz, ähnlich der Abbildung d) der Figur 1 . Durch die Abbildung e) wird verdeutlicht, dass durch die Verstärkungsfasern 8, die oberflächennah im Grundkörper 1 an dessen Außenoberfläche angeordnet sind, die laterale Aufquellung des Implantats 10 begrenzt ist und gegenüber der ersten Ausführungsform deutlich reduziert ist. Die Verstärkungsfasern 8 können als Kohlenstofffasern ausgebildet sein, z.B. mit einem Durchmesser in der Größenordnung von 7 Mikrometern. Hierdurch lassen sich Biegeradien im mittleren zweistelligen Mikrometerbereich ohne weiteres realisieren.

Durch die oberflächennahen Verstärkungsfasern 8 wird die gewünschte Dehnung in axialer Richtung im Wesentlichen nicht unterdrückt. Dementsprechend werden beispielsweise unidirektionale Fasern (Kette) ohne Querfaden (Schuss) im Grundkörper eingebracht, die zwar Kräfte in lateraler Richtung, aber nicht in axialer Richtung aufnehmen können.

Ein zweiter Teil der elektrischen Signalabgabeanordnung kann in beiden Ausführungsformen durch die Kontakte 2, ggf. in Verbindung mit den Verbindungsleitungen 4, gebildet sein.

Bei einem Implantat mit einem Durchmesser von z.B. 0,8 mm kann die erforderliche Feldstärke zum Abschwellen des Hydrogels schon mit einer Spannung von 0,066 Volt erreicht werden.