Login| Sign Up| Help| Contact|

Patent Searching and Data


Title:
BALCONY SYSTEM HAVING A COUNTERFORCE UNIT
Document Type and Number:
WIPO Patent Application WO/2020/109308
Kind Code:
A1
Abstract:
A balcony system for use with a building opening of a building structure is provided. The balcony system comprises a balcony unit, which is designed to protrude out of the building opening, a counterforce unit, which is designed to compensate for forces acting on the balcony unit, and a first connecting element, which connects the balcony unit and the counterforce unit. The counterforce unit comprises a base unit, an attachment unit on the base unit, and a second connecting element. The base unit is designed to be installed so as to be fixed in position relative to the building structure, and is typically designed to be installed so as to be fixed in position on a floor of the building structure. The first connecting element connects the balcony unit and the attachment unit. The second connecting element connects the attachment unit and the base unit. The attachment unit can move relative to the base unit.

Inventors:
THOMA JOHANNES (DE)
Application Number:
EP2019/082594
Publication Date:
June 04, 2020
Filing Date:
November 26, 2019
Export Citation:
Click for automatic bibliography generation   Help
Assignee:
BALCONETT GMBH (DE)
International Classes:
E04B1/00
Foreign References:
EP2649249B12017-03-22
AT407271B2001-02-26
EP2649249B12017-03-22
Attorney, Agent or Firm:
ZIMMERMANN & PARTNER PATENTANWÄLTE MBB (DE)
Download PDF:
Claims:
ANSPRÜCHE

1. Balkonsystem (100) zur Verwendung mit einer Gebäudeöffnung (10) einer Gebäudestruktur (1), wobei das Balkonsystem umfasst:

eine Balkoneinheit (110), die zum Hinausragen aus der Gebäudeöffnung eingerichtet ist;

eine Gegenkrafteinheit (120), die eingerichtet ist, an der Balkoneinheit angreifende Kräfte zu kompensieren; und

ein erstes Verbindungselement (130), das die Balkoneinheit und die Gegenkrafteinheit verbindet, dadurch gekennzeichnet, dass

die Gegenkrafteinheit eine Basiseinheit (220), eine Aufsatzeinheit (225) und ein zweites

Verbindungselement (230) umfasst,

wobei die Basiseinheit für eine bezüglich der Gebäudestruktur ortsfeste Aufstellung eingerichtet ist, typischerweise für eine ortsfeste Aufstellung auf einem Fußboden der Gebäudestruktur, und wobei das erste Verbindungselement die Balkoneinheit und die Aufsatzeinheit verbindet und das zweite Verbindungselement die Aufsatzeinheit und die Basiseinheit verbindet, wobei die

Aufsatzeinheit relativ zur Basiseinheit beweglich ist.

2. Balkonsystem nach Anspruch 1, wobei das zweite Verbindungselement eine Schiene (282) auf der Unterseite der Aufsatzeinheit umfasst.

3. Balkonsystem nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei das erste Verbindungselement die Balkoneinheit und die Aufsatzeinheit in einem ersten Verbindungsbereich (131) durch ein erstes Schienensystem (270) verbindet, und/oder das zweite Verbindungselement die Aufsatzeinheit und die Basiseinheit in einem zweiten Verbindungsbereich (231) durch ein zweites Schienensystem (280) verbindet, wobei das zweite Schienensystem eine Schiene (282) auf der Unterseite der Aufsatzeinheit umfasst.

4. Balkonsystem nach Anspruch 3, wobei a) das erste Schienensystem eine erste Schiene (272) auf der Unterseite der Balkoneinheit umfasst sowie zwei voneinander beabstandete, auf der Oberseite der Aufsatzeinheit angeordnete Rolleneinheiten (273, 275) umfasst, deren Rollen in die erste Schiene auf der Unterseite der Balkoneinheit eingreifen; und/oder b) das zweite Schienensystem zwei voneinander beabstandete, auf der Oberseite der Basiseinheit angeordnete Rolleneinheiten (283, 285) umfasst, deren Rollen in die Schiene auf der Unterseite der Aufsatzeinheit eingreifen.

5. Balkonsystem nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die Balkoneinheit vermittels des ersten Verbindungselements relativ zu der Aufsatzeinheit beweglich ist. 6. Balkonsystem nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die Gegenkrafteinheit ein Gegengewicht (125) umfasst zur Kompensation mindestens eines Großteils der an der Balkoneinheit angreifenden Kräfte, wobei das Gegengewicht in der Aufsatzeinheit angeordnet ist.

7. Balkonsystem nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die Aufsatzeinheit ein Stützelement (228) umfasst, welches für eine Kraftübertragung auf die Gebäudestruktur vor, während und nach einer Relativbewegung zwischen der Aufsatzeinheit und der bezüglich der Gebäudestruktur ortsfesten Basiseinheit eingerichtet ist.

8. Balkonsystem nach Anspruch 5, wobei das Stützelement eine Rolle umfasst.

9. Balkonsystem nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die Aufsatzeinheit als linear beweglich eingespannter Träger ausgebildet ist, vorzugsweise als linear beweglich eingespannter, am vorderen Ende abgestützter Träger.

10. Balkonsystem nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die Basiseinheit ein

Grundmodul umfasst und optional ein Statikmodul umfasst, wobei das Grundmodul eingerichtet ist, um vom Balkonsystem ausgeübte Kräfte aufzunehmen und an den Fußboden der Gebäudestruktur und/oder an das Statikmodul weiterzugeben, wobei das optionale Statikmodul eingerichtet ist, um Bodenunebenheiten und/oder Bodenneigungen des Fußbodens der Gebäudestruktur auszugleichen und/oder vom Balkonsystem ausgeübte Kräfte über eine Bodenfläche des Fußbodens der

Gebäudestruktur zu verteilen, wobei das optionale Statikmodul mindestens eine Komponente aufweist aus der Gruppe bestehend aus Bodenplatte, Träger und Sockel.

11. Balkonsystem einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die Basiseinheit Zusatzmodul umfasst, wobei das Zusatzmodul für eine bezüglich der Gebäudestruktur ortsfeste Aufstellung eingerichtet ist und wobei das Zusatzmodul die Basiseinheit zu einem Möbelstück macht.

12. Balkonsystem nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die Höhe der

Gegenkrafteinheit mindestens Brüstungshöhe einer Brüstung der Gebäudeöffnung aufweist, wobei die Höhe der Basiseinheit größer ist als die Höhe der Aufsatzeinheit.

13. Balkonsystem nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei das Balkonsystem mindestens eine der folgenden Eigenschaften aufweist:

a) das Balkonsystem ist ein in sich statisch geschlossenes System; b) die Gegenkrafteinheit ist eingerichtet, an der Balkoneinheit angreifende Kräfte ohne Eingriff in die Gebäudestruktur zu kompensieren;

c) das Balkonsystem ist im Wesentlichen gebäudestruktureingriffsfrei.

14. Verwendung eines Balkonsystems nach einem der vorhergehenden Ansprüche als temporären Balkon für eine Gebäudeöffnung, typischerweise für ein Fenster.

15. Verfahren zum Einrichten eines temporären Balkons, umfassend:

Aufstellen eines Balkonsystems nach einem der Ansprüche 1 bis 13 in einer Gebäudestruktur, die eine Gebäudeöffnung aufweist, wobei das Aufstellen des Balkonsystems ein bezüglich der

Gebäudestruktur ortsfestes Aufstellen der Basiseinheit des Balkonsystems umfasst;

Bewegen der Aufsatzeinheit relativ zur Basiseinheit, so dass die mit der Aufsatzeinheit verbundene Balkoneinheit vor die Gebäudeöffnung bewegt wird; und

Bewegen der Balkoneinheit relativ zu der Aufsatzeinheit, so dass die Balkoneinheit aus der

Gebäudeöffnung hinausragt.

Description:
BALKONSYSTEM MIT GEGENKRAFTEINHEIT

GEBIET

[0001] Ausführungsformen der vorliegenden Erfindung beziehen sich auf ein Balkonsystem, spezieller auf ein Balkonsystem mit einer Gegenkrafteinheit, typischerweise einer

Gegengewichtseinheit. Ferner beziehen sich einige Ausführungsformen auf ein temporäres

Balkonsystem, wobei das Balkonsystem zusätzlich die Funktionalität eines Möbelstücks bereitstellt. Weitere Ausführungsformen beziehen sich auf die Verwendung solcher Balkonsysteme als temporäre Baikone für Gebäudeöffnungen, beispielsweise für Fenster, und auf Verfahren zum Einrichten eines temporären Balkons.

HINTERGRUND

[0002] Viele Gebäude und Wohnungen, insbesondere Altbauwohnungen, verfügen nicht über eigene Außenbalkone. Grundsätzlich besteht aber eine Nachfrage nach Außenbalkonfläche, da dies die Wohn- und Lebensqualität steigert.

[0003] Um Wohnungen ohne konventionellen Balkon zu einer Außenbalkonfläche zu verhelfen, sind temporäre Baikone bekannt. Aus EP 2 649 249 Bl ist ein Balkonsystem bekannt, welches zur Verwendung mit einer Gebäudeöffnung einer Gebäudestruktur, typischerweise einem Fenster, geeignet ist. Diese Balkonsystem umfasst eine Balkoneinheit, die zum Hinausragen aus der

Gebäudeöffnung eingerichtet ist, eine Gegenkrafteinheit, die eingerichtet ist, an der Balkoneinheit angreifende Kräfte ohne Eingriff in die Gebäudestruktur zu kompensieren, und ein

Verbindungselement, das die Balkoneinheit und die Gegenkrafteinheit verbindet.

[0004] Figs. 14-17 zeigen ein aus EP 2 649 249 Bl bekanntes, mobiles Balkonsystem 100‘, das in einer Gebäudestruktur 1, z.B. dem Zimmer einer Wohnung befindlich ist. Das Balkonsystem 100‘ steht auf dem Fußboden der Gebäudestruktur. In Fig. 14 ist das Balkonsystem 100‘ kompaktifiziert. Insbesondere ist die Balkoneinheit 110‘ des Balkonsystems 100‘ zerlegbar, wobei in Fig. 14 der Boden 112‘ sich oben auf der Gegenkrafteinheit 120‘ befindet und mit dieser durch ein

Verbindungselement 130‘ in Form eines Schienensystems 132‘ verbunden ist. Eine Brüstung 114‘ befindet sich mindestens seitlich und vorne an der Gegenkrafteinheit 120‘. In dem kompaktifizierten Zustand ist das Balkonsystem beispielsweise ein Möbelstück in Form eines Sideboards. Das Balkonsystem 100‘ umfasst ein Mobilitätssystem 150‘, das acht Rollen 155‘ umfasst, von denen aus der seitlichen Ansicht heraus nur vier sichtbar sind. Durch die Rollen 155‘ kann das Balkonsystem 100‘ vor eine Gebäudeöffnung 10 bewegt werden, wie in Fig. 15 zu sehen ist. Dabei ist ein Fensterflügel 12 geöffnet gezeigt, der zuvor die Gebäudeöffnung 10 in Form eines Fensters verschlossen hatte. Die Brüstung 114‘ ist vertikal beweglich, was in Fig. 16 durch einen vertikalen Doppelpfeil illustriert wird. Die Brüstung 114‘ ist ferner eingerichtet, sich mit dem Boden 112‘ lösbar zu verbinden. So entsteht eine zur Benutzung als Balkon vorbereitete Balkoneinheit 110‘. Die Balkoneinheit 110‘ ist durch das Schienensystem 132‘ relativ zu der Gegenkrafteinheit 120‘ horizontal beweglich, was in Fig. 17 durch einen horizontalen Doppelpfeil illustriert ist. In Fig. 17 ist die Balkoneinheit 110‘ in ihrem Balkonzustand gezeigt. Dabei befindet sich die Balkoneinheit 110‘ über der Gegenkrafteinheit und ragt nach vorne über diese hinaus. Insbesondere ragt die Balkoneinheit 110‘ aus dem Fenster 10 hinaus, wodurch ein Außenbalkon gebildet wird.

[0005] Durch dieses aus EP 2 649 249 Bl bekannte Balkonsystem kann ein temporärer Balkon bereitgestellt werden. Jedoch kann der Aufbau Kraft und Sorgfalt des Benutzers erfordern, insbesondere bei der Bewegung des mobilen Balkonsystems und bei der Positionierung und

Ausrichtung vor dem Fenster. Für eine einzelne Person mag es schwierig sein, das mobile

Balkonsystems durch den Raum zu bewegen und einen stabilen, wackelfreien Stand für den Einsatz als temporären Balkon zu finden, insbesondere wenn der Boden noch gewissen Unebenheiten aufweisen sollte. Auch könnte es durch unsorgfältige Bewegung des mobilen Balkonsystems zu Beschädigungen der Gebäudewand durch ein Rammen kommen. Durch unsorgfältige, schräge Ausrichtung könnte es z.B. zu einer Beschädigung des Fensters durch Verkanten der Balkoneinheit beim Auf- oder Abbau kommen. Auch kann das Bewegen des mobilen Balkonsystems zu einer verstärkten Abnutzung des Fußbodens führen. Zusätzlich ist es denkbar, dass das mobile

Balkonsystem an Stellen der Gebäudestruktur geschoben werden könnte, die statisch nicht für diese Belastung ausgelegt sind, wodurch sich Gefahr für Leib und Leben ergäbe. Daneben kann dieses mobile Balkonsystem zwar in ein Möbelstück transformiert werden, jedoch ist die Gestaltungsfreiheit bezüglich der Art, Form, Gewicht und Funktion des Möbelstücks durch die Funktion als mobiles Balkonsystem eingeschränkt.

[0006] Daher besteht ein Interesse, ein verbessertes Balkonsystem zu schaffen, das kostengünstig in Gebäuden ohne konventionelle Balkons nachgerüstet werden kann, einfach, sicher und

gebäudeschonend in Aufbau und Verwendung ist, und ggf. auch gestalterische Freiheit für eine zusätzliche Verwendung als Möbelstück lässt. ZUSAMMENFASSUNG

[0007] Im Lichte des Obigen werden ein Balkonsystem, die Verwendung eines solchen

Balkonsystems und ein Verfahren zum Einrichten eines temporären Balkons gemäß den unabhängigen Patentansprüchen bereitgestellt. Weitere vorteilhafte Ausführungsformen, die in geeigneter Weise beliebig miteinander kombiniert werden können, sind den abhängigen Ansprüchen, den Zeichnungen und der Beschreibung zu entnehmen.

[0008] Gemäß einer Ausführungsform wird ein Balkonsystem zur Verwendung mit einer

Gebäudeöffnung einer Gebäudestruktur, typischerweise einem Fenster, bereitgestellt. Das

Balkonsystem umfasst eine Balkoneinheit, die zum Hinausragen aus der Gebäudeöffnung eingerichtet ist, eine Gegenkrafteinheit, die eingerichtet ist, an der Balkoneinheit angreifende Kräfte zu kompensieren, und ein erstes Verbindungselement, das die Balkoneinheit und die Gegenkrafteinheit verbindet. Die Gegenkrafteinheit umfasst eine Basiseinheit, eine Aufsatzeinheit auf der Basiseinheit und ein zweites Verbindungselement. Die Basiseinheit ist für eine bezüglich der Gebäudestruktur ortsfeste Aufstellung eingerichtet, typischerweise für eine ortsfeste Aufstellung auf einem Fußboden der Gebäudestruktur. Dabei verbindet das erste Verbindungselement die Balkoneinheit und die Aufsatzeinheit. Das zweite Verbindungselement verbindet die Aufsatzeinheit und die Basiseinheit. Die Aufsatzeinheit ist relativ zur Basiseinheit beweglich. Das zweite Verbindungselement kann hierfür z.B. eine Schiene auf der Unterseite der Aufsatzeinheit umfassen.

[0009] Eine weitere Ausführungsform umfasst die Verwendung eines hierin beschriebenen

Balkonsystems als temporären Balkon für eine Gebäudeöffnung, typischerweise für ein Fenster.

[0010] Gemäß einer weiteren Ausführungsform wird ein Verfahren zum Einrichten eines temporären Balkons bereitgestellt. Das Verfahren umfasst ein Aufstellen eines hierin beschriebenen

Balkonsystems in einer Gebäudestruktur, die eine Gebäudeöffnung aufweist, wobei das Aufstellen des Balkonsystems ein bezüglich der Gebäudestruktur ortsfestes Aufstellen der Basiseinheit des

Balkonsystems umfasst. Das Verfahren umfasst weiter ein Bewegen der Aufsatzeinheit relativ zur Basiseinheit, so dass die mit der Aufsatzeinheit verbundene Balkoneinheit vor die Gebäudeöffnung bewegt wird, und ein Bewegen der Balkoneinheit relativ zu der Aufsatzeinheit, so dass die

Balkoneinheit aus der Gebäudeöffnung hinausragt. KURZBESCHREIBUNG DER ABBILDUNGEN

[0011] Die oben erwähnten und weitere detaillierte Aspekte werden in der Beschreibung näher ausgeführt und zumindest teilweise mit Bezug auf die Abbildungen erläutert. Dabei zeigen die Abbildungen folgendes:

Fig. 1 zeigt eine seitliche Ansicht eines Balkonsystems gemäß hierin beschriebenen

Ausführungsformen;

Figs. 2-4 zeigen seitliche Ansichten eines Balkonsystems gemäß hierin beschriebenen

Ausführungsformen in verschiedenen Zuständen des Auf- bzw. Abbaus;

Fig. 5 zeigt eine Längsschnittansicht eines Balkonsystems gemäß hierin beschriebenen

Ausführungsformen;

Fig. 6 zeigt eine Querschnittsansicht von Fig. 5; Fig. 7 zeigt eine Teilexplosionsdarstellung eines Balkonsystems gemäß hierin beschriebenen

Ausführungsformen in perspektivischer Ansicht;

Figs. 8-10 zeigen ein Balkonsystem gemäß hierin beschriebenen Ausführungsformen in

perspektivischer Ansicht in verschiedenen Zuständen des Auf- bzw. Abbaus;

Figs. 11-13 zeigen eine Balkoneinheit eines Balkonsystems gemäß hierin beschriebenen

Ausführungsformen in perspektivischer Ansicht in verschiedenen Zuständen des Auf- bzw. Abbaus;

Figs. 14-17 zeigen ein vorbekanntes Balkonsystem;

Figs. 18-19 zeigen ein Balkonsystem gemäß hierin beschriebenen Ausführungsformen.

DETAILLIERTE BESCHREIBUNG

[0012] Innerhalb von Beschreibungen der Abbildungen beziehen sich gleiche Referenzzeichen auf gleiche oder vergleichbare Komponenten. Im Allgemeinen werden nur die Unterschiede zwischen einzelnen Ausführungsformen beschrieben. Die Abbildungen sind nicht notwendigerweise maßstabsgetreu und dienen der Illustration.

[0013] Der Begriff„statisch geschlossenes System“, bzw. gleichbedeutend„statisch in sich geschlossenes System“, der hierin verwendet wird, bedeutet, dass ein solches System zum freien Stand fähig ist, d.h., nur den Fußboden benötigt, auf dem es steht, um zumindest die eigenen Gewichtskräfte zu kompensieren. Ein statisch geschlossenes Balkonsystem kann typischerweise nicht nur die eigenen Gewichtskräfte kompensieren ohne zu kippen, sondern zusätzlich die Gewichtskräfte einer Last (bis zu einer vorgegebenen Maximallast) und gegebenenfalls auch seitlich angreifende Kräfte. Der Begriff „statisch geschlossenes System“ schließt nicht aus, dass ein solches System, obwohl im Prinzip zum freien Stand fähig, trotzdem Kräfte auf die Gebäudestruktur an anderen Stellen als auf seiner

Standfläche übertragen kann, z.B. durch Andrückvorrichtungen wie in EP 2 649 249 Bl beschrieben. Der Inhalt von EP 2 649 249 Bl wird hierin durch Verweis in Gänze eingebunden, zumindest soweit er nicht im Widerspruch zu Merkmalen der hierin beschriebenen Ausführungsformen steht. Das statisch geschlossene System muss also nicht notwendigerweise freistehend sein, jedoch die Fähigkeit hierzu haben.

[0014] Der Begriff“gebäudestruktureingriffsfrei”, der hierin verwendet wird, bedeutet, dass ein entsprechendes gebäudestruktureingriffsfreies System zu einer Verbindung mit einer Gebäudestruktur vorgesehen und eingerichtet ist, die keinen Eingriff in die Gebäudestruktur bedeutet. Dabei liegt ein Eingriff in die Gebäudestruktur insbesondere dann vor, wenn das System Schrauben, Bolzen, Nägel, Anker oder ähnliche Halterungen umfasst, die in die Gebäudestruktur eindringen, um das System mit der Gebäudestruktur zu verbinden, oder die dazu bestimmt sind. Auch ein permanentes Verbinden mit der Gebäudestruktur, z.B. durch Verschweißen oder Festverkleben oder ähnliche Maßnahmen, bedeutet einen Eingriff in die Gebäudestruktur, und ein permanent mit der Gebäudestruktur verbundenes System ist nicht als gebäudestruktureingriffsfrei anzusehen. Hingegen werden

Andrückvorrichtungen, z.B. Stempel, die lediglich gegen die Gebäudestruktur drücken, z.B. seitlich gegen die Gebäudeöffnung, und nach Gebrauch gelöst werden, nicht als in die Gebäudestruktur eingreifend angesehen.

[0015] Ein System ist„im Wesentlichen gebäudestruktureingriffsfrei“, wenn es höchstens mit einem oder mehreren statisch unwesentlichen Teilen in die Gebäudestruktur eingreift. Das eine Teil oder die mehreren Teile sind statisch unwesentlich, wenn es/sie allein oder in Kombination nicht das

Eigengewicht des Systems halten kann/können, bei einem Balkonsystem gegebenenfalls nicht das Eigengewicht und eine vorgegebene Maximallast, die sich aus Sicherheitsvorschriften ergeben kann. Beispielsweise ist ein statisch geschlossenes Balkonsystem im oben erläuterten Sinn, das im Prinzip frei steht, dem aber eine statisch unwesentliche Verschraubung oder Verankerung mit der

Gebäudestruktur hinzugefügt wird, noch immer als im Wesentlichen gebäudestruktureingriffsfrei anzusehen.

[0016] Gemäß hierin beschriebenen Ausführungsformen wird ein Balkonsystem bereitgestellt. Das Balkonsystem ist zur Verwendung mit einer Gebäudeöffnung einer Gebäudestruktur eingerichtet. Die Gebäudeöffnung kann typischerweise ein Fenster sein. Fenster, zumindest in Wohnräumen, weisen aus Sicherheitsgründen eine Mindestbeabstandung (Brüstungshöhe) vom Boden auf, die

typischerweise mehr als 80 cm beträgt. Altbauwohnungen haben jedoch manchmal nur eine

Beabstandung von 60 cm. Ein Balkonsystem zur Verwendung mit einem Fenster einer

Gebäudestruktur weist eine entsprechende Eignung auf, wenn es diese Beabstandung berücksichtigt, also z.B. mindestens 60 cm oder mindestens 80 cm.

[0017] Das Balkonsystem kann ein statisch geschlossenes System sein. Nach einigen

Ausführungsformen ist das Balkonsystem im Wesentlichen gebäudestruktureingriffsfrei oder gar gebäudestruktureingriffsfrei. Nach weiteren Ausführungsformen ist das Balkonsystem statisch geschlossen und im Wesentlichen gebäudestruktureingriffsfrei. Gemäß einigen Ausführungsformen ist das Balkonsystem ein temporäres, statisch geschlossenes, und/oder gebäudestruktureingriffsfreies Balkonsystem. Das Balkonsystem kann freistehend sein. Ein freistehendes Balkonsystem überträgt im Wesentlichen keine Kräfte auf die Gebäudestruktur außerhalb seiner Standfläche. Eine nur unwesentliche Kraftübertragung findet statt, wenn dieser keine Stützfunktion zukommt. Ein freistehendes Balkonsystem kann beispielsweise andere Teile der Gebäudestruktur als seine

Standfläche rein berührend kontaktieren, z.B. die Wand vor einem Fenster oder die Fensterbank, ohne diese statisch zu aktivieren.

[0018] Das Balkonsystem umfasst eine Balkoneinheit. Die Balkoneinheit ist zum Hinausragen aus der Gebäudeöffnung eingerichtet. Typischerweise ist die Balkoneinheit zum temporären Hinausragen aus der Gebäudeöffnung eingerichtet. Dabei kann die Balkoneinheit relativ zu anderen Komponenten des Balkonsystems beweglich sein, insbesondere relativ zu einer Gegenkrafteinheit, wobei die

Balkoneinheit durch die Gebäudeöffnung hinaus und wieder hinein beweglich sein kann. Die

Balkoneinheit kann zusammen mit einer hierin beschriebenen Aufsatzeinheit der Gegenkrafteinheit zu der Gebäudeöffnung hin und von dieser weg beweglich sein, während eine hierin beschriebene Basiseinheit der Gegenkrafteinheit ortsfest bezüglich der Gebäudestruktur in einem Abstand von der Gebäudeöffnung verbleibt. Die Balkoneinheit kann relativ zur Aufsatzeinheit beweglich sein. Die Balkoneinheit kann insbesondere relativ zur Aufsatzeinheit bewegt werden, wenn die Aufsatzeinheit ihre ausgefahrene Endposition erreicht hat, in der das vordere Ende der Aufsatzeinheit an die

Gebäudeöffnung herangefahren ist. Die Balkoneinheit kann durch die Relativbewegung zur

Aufsatzeinheit aus der Gebäudeöffnung hinaus bewegt werden.

[0019] Die Balkoneinheit bildet in dem Zustand, in dem sie aus der Gebäudeöffnung hinausragt, den Balkon des Balkonsystems. Im Folgenden wird dies mit dem Begriff„die Balkoneinheit in ihrem Balkonzustand“ beschrieben. Im Gegensatz zu diesem Zustand kann die Balkoneinheit z.B. in einem eingefahrenen Zustand sein, in dem sie sogar in Teile zerlegt kann sein (wie z.B. Boden, Brüstung/Geländer oder gar Geländerabschnitte). Das Balkonsystem ist im Balkonzustand, wenn die Aufsatzeinheit an die Gebäudeöffnung heranbewegt ist und die Balkoneinheit aus der Gebäudeöffnung ragt. Das Balkonsystem ist in einem kompaktifizierten Zustand, wenn sowohl die Balkoneinheit als auch die Aufsatzeinheit eingefahren sind. Das Balkonsystem ist im Aufbauzustand, wenn die Aufsatzeinheit an die Gebäudeöffnung heranbewegt ist, die Balkoneinheit aber (noch) nicht durch die Gebäudeöffnung hinaus geschoben ist.

[0020] Die Richtung, in der die Balkoneinheit gegenüber der Gegenkrafteinheit beweglich ist, bzw. in der die Aufsatzeinheit gegenüber der Basiseinheit beweglich ist, wird als Längsrichtung bezeichnet und Abmessungen in dieser Richtung werden als Längen bezeichnet. Dabei soll„nach vorne“ die Richtung sein, in die die Aufsatzeinheit und die Balkoneinheit ausgefahren werden, um den Balkon zu errichten, und entsprechend„nach hinten“ die Richtung sein, in die die Aufsatzeinheit und die Balkoneinheit eingefahren werden, um das Balkonsystem zu kompaktifizieren. Entsprechend sind die Angaben„vorne“ /„hinten“ oder„vorderer Bereich“ /„hinterer Bereich“ usw. zu verstehen. Die Querrichtung, bzw. laterale oder seitliche Richtung, ist senkrecht zur Längsrichtung und erstreckt sich wie die Längsrichtung in einer horizontalen Ebene. Links und rechts sollen bezüglich einer

Blickrichtung in Längsrichtung nach vorne verstanden werden. Abmessungen in der Querrichtung werden als Breiten bezeichnet. Wiederum senkrecht dazu ist die Vertikalrichtung und Abmessungen in der Vertikalrichtung werden als Höhen bezeichnet. Bezüglich der Vertikalen werden die Begriffe oben, unten usw. verwendet.

[0021] Das Balkonsystem umfasst eine Gegenkrafteinheit. Die Gegenkrafteinheit ist zum

Kompensieren von an der Balkoneinheit angreifenden Kräften eingerichtet. Solche Kräfte können insbesondere Gewichtskräfte sein, z.B. die Gewichtskräfte der Balkoneinheit und gegebenenfalls weiterer Lasten, beispielsweise Personen. Es können aber auch seitliche Kräfte auftreten und kompensiert werden, z.B. Kräfte, die entstehen, wenn Personen auf eine Brüstung der Balkoneinheit einwirken oder wenn Wind an der Balkoneinheit angreift (Windlasten). Dabei ist unter einer

Kompensation von an der Balkoneinheit angreifenden Kräften eine Kompensation bis zu

vorgegebenen Maximalkräften gemeint. Diese Maximallasten können z.B. von der DIN 1055 vorgegeben sein. Die DIN 1055 wird hierin durch Verweis in Gänze eingebunden. Typischerweise umfassen die vorgegebenen Maximalkräfte eine vorgegebene Maximallast, die deijenigen für konventionelle, mit der Gebäudestruktur verbundene Baikone gleicht. Hinzu können auch

vorgegebene seitlich angreifende Maximalkräfte vorgegeben sein, die aus Sicherheitsgründen zu kompensieren sind. Unter einer Kompensation der Kräfte wird hierin auch die Kompensation von mit diesen Kräften verbundenen Drehmomenten verstanden. [0022] Das Balkonsystem umfasst ein erstes Verbindungselement, das die Balkoneinheit und die Gegenkrafteinheit verbindet. An der Balkoneinheit angreifende Kräfte können durch das erste Verbindungselement auf die Gegenkrafteinheit übertragen werden. Die Gegenkrafteinheit kann eingerichtet sein, ohne Eingriff in die Gebäudestruktur einen Großteil der an der Balkoneinheit angreifenden Kräfte zu kompensieren, typischerweise sogar alle an der Balkoneinheit angreifenden Kräfte. Dabei kann die Gewichtskraft der Gegenkrafteinheit zur Kompensation der an der

Balkoneinheit angreifenden Kräfte führen. Alternativ oder zusätzlich können die angreifenden Kräfte ganz oder teilweise auch von sonstigen Kräften kompensiert werden, die von Komponenten der Gegenkrafteinheit ausgeübt werden. Dies könnten z.B. Andrückvorrichtungen einer Aufsatzeinheit der Gegenkrafteinheit sein. Die Gegenkrafteinheit ist von der Gebäudestruktur verschieden. Die

Gegenkrafteinheit ist auch von Elementen verschieden, die mit der Gebäudestruktur fest verbunden sind oder in die Gebäudestruktur eingreifen und für das Balkonsystem statisch wesentlich sind, z.B. eine Wandverankerung, aber auch eine Heizung. Dies schließt nicht aus, dass das Balkonsystem zusätzlich solche in die Gebäudestruktur eingreifenden Systeme aufweisen könnte, insbesondere wenn diese statisch unwesentlich sind. Dies könnten z.B. Ausnahmefallsicherungen sein, um selbst bei Überschreiten der Maximallasten ein Kippen des Balkons aufzuhalten.

[0023] Durch das Balkonsystem kann nach einigen Ausführungsformen ein Balkon zur Verfügung gestellt werden, ohne dass bauliche Veränderungen am Gebäude vorgenommen werden müssen. Typischerweise ist das Balkonsystem nutzbar, ohne dass konstruktive Verbindungen mit der

Gebäudestruktur oder damit verbundenen oder daran angebrachten Teilen eingegangen werden müssten. Dadurch ist das Balkonsystem für die meisten durchschnittlichen Wohnungen nutzbar. Gleichzeitig werden oftmals teure Umbaukosten gespart. Insbesondere wenn das Balkonsystem in sich statisch geschlossen ist, kann eine sichere Verwendung ermöglicht werden. Durch die mit der Balkoneinheit verbundene Gegenkrafteinheit kann der Balkon zur Verwendung unabhängig von einem Zutun eines Benutzers sicher sein.

[0024] Die Gegenkrafteinheit umfasst eine Basiseinheit und eine Aufsatzeinheit. Die Basiseinheit ist für eine bezüglich der Gebäudestruktur ortsfeste Aufstellung eingerichtet. Die Basiseinheit kann typischerweise für eine ortsfeste Aufstellung auf einem Fußboden der Gebäudestruktur eingerichtet sein. Durch eine ortsfeste Aufstellung kann die Basiseinheit bestimmungsgemäß unbeweglich sein.

Die Basiseinheit kann daher auch als immobil bezeichnet werden. Ist das Balkonsystem in sich statisch geschlossen und liegt auch keine statisch unwesentliche, konstruktive Verbindung mit der Gebäudestruktur vor, so könnte das Balkonsystem insgesamt und damit auch die Basiseinheit möglicherweise durch große Kräfte, die die eines Menschen übersteigen mögen, bewegt werden, ähnlich einem schweren Bett oder Schrank, die aber in demselben Sinn ebenfalls als immobil und ortsfest bezeichnet werden würden.

[0025] Die Basiseinheit kann eine Standfläche aufweisen. Die Standfläche kann an der Unterseite der Basiseinheit sein, d.h. an der einem Fußboden der Gebäudestruktur zugewandten Seite, und kann aus mehreren Einzelflächen bestehen oder zusammenhängend sein. Die Standfläche kann mindestens einen Teil der Last des Balkonsystems und ggf. darauf befindlicher Lasten wie z.B. Personen an den Fußboden der Gebäudestruktur weitergeben und diesen Fußboden dadurch statisch aktivieren. Die Standfläche kann aufgeraut oder gummiert sein, um ein Verrücken der Basiseinheit zu verhindern oder zumindest zu erschweren.

[0026] Die Basiseinheit kann eine Höhe haben, die größer ist als die Höhe eines auf der Basiseinheit aufsitzenden Teils der Aufsatzeinheit. Die Höhe der Basiseinheit und die Höhe des auf der

Basiseinheit aufsitzenden Teils der Aufsatzeinheit zusammen können die Höhe der Gegenkrafteinheit ausmachen. Die Gegenkrafteinheit kann eine Höhe aufweisen, die mindestens der Brüstungshöhe der Gebäudeöffnung entspricht, also z.B. mindestens 60 cm oder mindestens 90 cm hoch sein. Die Höhe der Basiseinheit kann mehr als 60%, mehr als 70%, mehr als 80% oder sogar mehr als 90% der gesamten Höhe der Gegenkrafteinheit betragen. Die Höhe der Basiseinheit kann somit im

Wesentlichen die Brüstungshöhe der Gebäudeöffnung ausgleichen.

[0027] Die Aufsatzeinheit ist relativ zur Basiseinheit beweglich. Die Aufsatzeinheit kann auf der Basiseinheit aufsitzen. Die Aufsatzeinheit kann einen aufsitzenden Teil umfassen, der auf der Basiseinheit aufsitzt. Der aufsitzende Teil kann im Wesentlichen quaderförmig sein. Der aufsitzende Teil kann plattenförmig sein. Die Aufsatzeinheit kann ein Stützelement umfassen, welches für eine Kraftübertragung auf die Gebäudestruktur eingerichtet ist. Insbesondere kann das Stützelement für eine Kraftübertragung vor, während und nach einer Relativbewegung zwischen der Aufsatzeinheit und der bezüglich der Gebäudestruktur ortsfesten Basiseinheit eingerichtet sein. Das Stützelement kann eine Höhe haben, die so bemessen ist, dass der unterste Punkt des Stützelements den Fußboden der Gebäudestruktur berührt, wenn die Aufsatzeinheit auf der Basiseinheit aufsitzt. Die Höhe des Stützelements kann der Höhe der Basiseinheit entsprechen. Das Stützelement kann an der Unterseite des auf der Basiseinheit aufsitzenden Teils der Aufsatzeinheit angeordnet sein. Das Stützelement kann als separates Teil an der Unterseite des aufsitzenden Teils befestigt sein, wobei die Befestigung lösbar oder dauerhaft sein kann, z.B. geschraubt oder genietet.

[0028] Das Stützelement kann eine Rolleneinheit umfassen. Eine Rolleneinheit im hierin verwendeten Sinn kann eine Rolle aufweisen, deren Achse in einem Körper der Rolleneinheit gelagert ist, oder kann mehrere, insbesondere zwei, Rollen aufweisen, deren Achsen parallel zueinander in dem Körper der Rolleneinheit gelagert sind. Der Körper einer Rolleneinheit kann aus Metall sein. Eine

Rolleneinheit kann insbesondere ein separates Bauteil sein, das mit anderen Bauteilen verbunden werden kann, z.B. durch Schrauben oder andere Montage. Die Rolleneinheit kann eine oder mehrere in Querrichtung des Balkonsystems orientierte Achsen aufweisen, wobei auf jeder der einen oder mehreren Achsen eine, zwei, oder auch mehr als zwei Rollen angeordnet sein können. Das

Stützelement kann zwei oder mehr Rolleneinheiten der beschriebenen Art umfassen, deren Achsen in Querrichtung des Balkonsystems orientiert sein können. Das Stützelement kann ein Rollsystem mit einer Anzahl von 2, 3, 4 oder mehr Rolleneinheiten umfassen. Rolleneinheiten des Stützelements können an der Unterseite eines Körpers des Stützelements angeordnet sein. Der Körper kann z.B. Quaderförmig sein. Das Stützelement kann so eingerichtet sein, dass die Rolle, bzw. die Rollen, der einen oder der mehreren Rolleneinheiten über den Fußboden der Gebäudestruktur oder über eine Bodenplatte eines Statikmoduls der Basiseinheit rollt, bzw. rollen, wenn die Aufsatzeinheit relativ zur Basiseinheit bewegt wird. Alternativ kann das Stützelement so eingerichtet sein, dass es über den Fußboden der Gebäudestruktur oder über eine Bodenplatte eines Statikmoduls der Basiseinheit gleiten kann, wenn die Aufsatzeinheit relativ zur Basiseinheit bewegt wird. Hierzu kann die Unterseite des Körpers des Stützelements aus einem gleitfähigen Material bestehen, wie z.B. aus Filz oder anderen druckfesten Textilien.

[0029] Die Aufsatzeinheit kann gegenüber der Basiseinheit als linear beweglich eingespannter Träger ausgebildet sein, d.h. als Träger, dem eine Bewegungsrichtung verbleibt, während er ansonsten ein eingespannter Träger ist. Ist die Aufsatzeinheit im Aufbauzustand ausgefahren und arretiert, kann die Aufsatzeinheit im diesem Zustand ein eingespannter Träger sein, d.h. ein Träger, dem kein

Bewegungsfreiheitsgrad verbleibt. Insbesondere kann der auf der Basiseinheit aufsitzende Teil der Aufsatzeinheit als linear beweglich eingespannter Träger ausgebildet sein. Die Aufsatzeinheit, bzw. der auf der Basiseinheit aufsitzende Teil der Aufsatzeinheit, kann als linear beweglich eingespannter, abgestützter Träger ausgebildet sein. Die Abstützung kann ausschließlich von dem Stützelement bewirkt werden. Alternativ könnte eine Abstützung der als eingespannter Träger ausgebildeten Aufsatzeinheit zum Teil oder ausschließlich von einem unten beschriebenen Statikmodul der Basiseinheit oder sogar von der unteren Seite der Gebäudeöffnung, z.B. einem Sims oder Fensterbrett der Gebäudeöffnung, bewirkt werden. In letzterem Fall würde die Wand mit der Gebäudeöffnung statisch aktiviert und das Balkonsystem wäre nicht statisch in sich geschlossen.

[0030] Die Gegenkrafteinheit umfasst ein zweites Verbindungselement. Das zweite

Verbindungselement verbindet die Aufsatzeinheit und die Basiseinheit. Das zweite

Verbindungselement kann die Aufsatzeinheit und die Basiseinheit in einem zweiten

Verbindungsbereich verbinden. Das zweite Verbindungselement kann eine erste Schiene auf der Unterseite der Aufsatzeinheit umfassen. Die erste Schiene des zweiten Verbindungselements kann entlang der Längsrichtung des Balkonsystems angeordnet sein. Die erste Schiene kann die

Beweglichkeit von Basiseinheit und Aufsatzeinheit relativ zueinander ermöglichen, bzw. dieser Beweglichkeit dienen. Das zweite Verbindungselement kann ein zweites Schienensystem umfassen. Das zweite Schienensystem kann die erste Schiene umfassen. Das zweite Schienensystem kann eine zweite Schiene auf der Unterseite der Aufsatzeinheit umfassen. Die erste Schiene und die zweite Schiene des zweiten Schienensystems können entlang der Längsrichtung des Balkonsystems orientiert sein, also parallel zueinander sein, und können in Querrichtung voneinander beabstandet angeordnet sein. Das zweite Verbindungselement kann die Aufsatzeinheit und die Basiseinheit in dem zweiten Verbindungsbereich durch das zweite Schienensystem verbinden.

[0031] Das zweite Verbindungselement, bzw. das zweite Schienensystem, kann zwei voneinander in Längsrichtung des Balkonsystems beabstandete Rolleneinheiten umfassen. Eine Rolleneinheit kann eine Rolle aufweisen, deren Achse in einem Körper der Rolleneinheit gelagert ist, oder kann mehrere, insbesondere zwei, Rollen aufweisen, deren Achsen parallel zueinander in dem Körper der

Rolleneinheit gelagert sind. Diese Achse(n) kann/können insbesondere horizontal liegen. Eine Rolleneinheit kann, insbesondere wenn sie für den Lauf in einer Schiene ausgelegt ist, auch eine oder ggf. mehrere Rollen aufweisen, deren Achse vertikal liegt. Eine solche Rolle mit vertikaler Achse kann den seitlichen Abstand zu Wänden einer Schiene mit Hohlprofil im Lauf sicherstellen. Die zwei Rolleneinheiten können auf der Oberseite der Basiseinheit angebracht sein. Die Rollen der zwei in Längsrichtung des Balkonsystems beabstandeten Rolleneinheiten des zweiten Verbindungselements können in die erste Schiene des zweiten Verbindungselements, bzw. des zweiten Schienensystems, eingreifen. Die besagten Rollen können in der ersten Schiene laufen. Die erste Schiene kann diese Rollen einfassen, so dass die Rollen auf einen Lauf in der ersten Schiene beschränkt sind. Die erste Schiene kann ein entsprechendes Hohlprofil aufweisen. Hierdurch kann die Aufsatzeinheit gegenüber der Basiseinheit als linear beweglich eingespannter Träger ausgestaltet sein. Laufpunkte der in Längsrichtung am weitesten voneinander entfernten Rollen der zwei Rolleneinheiten können den zweiten Verbindungsbereich definieren.

[0032] Das zweite Verbindungselement, bzw. das zweite Schienensystem kann weitere zwei Rolleneinheiten umfassen, die mit der zweiten Schiene des zweiten Schienensystems kooperieren. Die weiteren zwei Rolleneinheiten können in Längsrichtung des Balkonsystems voneinander beabstandet sein, vorzugsweise in demselben Abstand wie die erstgenannten zwei Rolleneinheiten, und können von den erstgenannten Rolleneinheiten in Querrichtung des Balkonsystems beabstandet sein. Die zwei weiteren Rolleneinheiten können auf der Oberseite der Basiseinheit angebracht sein. Die Rollen der weiteren zwei Rolleneinheiten des zweiten Verbindungselements können in die zweite Schiene des zweiten Verbindungselements, bzw. des zweiten Schienensystems, eingreifen. Die Rollen können in der zweiten Schiene laufen. Die zweite Schiene kann die Rollen der weiteren zwei Rolleneinheiten einfassen, so dass diese Rollen auf einen Lauf in der zweiten Schiene beschränkt sind. Die zweite Schiene kann ein entsprechendes Hohlprofil aufweisen. Hierdurch kann die Aufsatzeinheit gegenüber der Basiseinheit als linear beweglich eingespannter Träger ausgestaltet sein. Das zweite

Verbindungselement kann weitere Schienen und Rolleneinheiten der beschriebenen Art umfassen.

[0033] Alternativ zu einem zweiten Verbindungselement, bzw. zweiten Schienensystem mit Schienen und Rolleneinheiten als Gegenspieler könnte das zweite Verbindungselement bzw. Schienensystem auch ausschließlich aus Schienen bestehen, wobei korrespondierende Schienen und

Komplementärschienen des zweiten Verbindungselements ineinander gleiten. Beispielsweise kann die erste Schiene des zweiten Schienensystems eine erste Komplementärschiene einfassen oder von dieser eingefasst werden, wobei die erste Komplementärschiene auf der Oberseite der Basiseinheit angebracht ist. Die erste Komplementärschiene kann kürzer sein als die erste Schiene und kann den zweiten Verbindungsbereich definieren. Ähnlich kann eine zweite Komplementärschiene für die zweite Schiene des zweiten Schienensystems vorgesehen sein. Um ein Gleiten der Schienen und Komplementärschienen relativ zueinander zu verbessern, können die Schienen und/oder

Komplementärschienen aus einem reibungsarmen Material gefertigt oder mit einem solchen reibungsarmen Material auf den relativ zueinander gleitenden Oberflächen beschichtet sein.

[0034] Die bezüglich der Gebäudestruktur ortsfeste Aufstellung der Basiseinheit bedeutet, dass sich bei einer Relativbewegung von Aufsatzeinheit und Basiseinheit die Aufsatzeinheit relativ zur Gebäudestruktur bewegt, während die Basiseinheit ortsfest und unbewegt bleibt. Die Relativbewegung von Aufsatzeinheit und Basiseinheit kann insbesondere dazu dienen, das in Längsrichtung des Balkonsystems vordere Ende der Aufsatzeinheit an die Gebäudeöffnung heran zu bewegen. Ein Abstand, den das Balkonsystem in einem kompaktifizierten Zustand zur Gebäudeöffnung aufweisen mag, kann dadurch überwunden werden. Die Länge der Aufsatzeinheit kann entsprechend

dimensioniert sein, um einen Abstand zur Gebäudeöffnung überbrücken zu können. Dabei kann die Länge der Aufsatzeinheit im Wesentlichen gleich der Länge des zweiten Verbindungsbereichs plus der Länge des auskragenden Teils der Aufsatzeinheit im ausgefahrenen Zustand sein, wobei die Länge des auskragenden Teils dem Abstand zur Gebäudeöffnung entsprechen kann. Das zweite

Verbindungselement kann eingerichtet sein, eine Relativbewegung von Aufsatzeinheit und

Basiseinheit zu ermöglichen, um das Balkonsystem in seinen Aufbauzustand zu überführen und/oder sie aus diesem Aufbauzustand hinaus in den kompaktifizierten Zustand zu bringen. Die Aufsatzeinheit kann zumindest temporär, nämlich im Aufbauzustand und/oder Balkonzustand des Balkonsystems, gegenüber der Basiseinheit auskragend sein. Die Aufsatzeinheit kann also eingerichtet sein, einen Kragarm auszubilden. Die Basiseinheit kann mit der Aufsatzeinheit über das zweite

Verbindungselement fest verbunden sein.

[0035] Die Bewegungsfreiheit der Aufsatzeinheit in Längsrichtung relativ zur Basiseinheit kann begrenzt sein. Die Aufsatzeinheit, bzw. der auf der Basiseinheit aufsitzende Teil der Aufsatzeinheit, kann ein hinteres Ende aufweisen, das einem vorderen Ende entgegengesetzt liegt, wobei das vordere Ende dasjenige Ende ist, das an demjenigen Teil der Aufsatzeinheit liegt, der über die Basiseinheit hinauskragen kann. Die erste Schiene des zweiten Verbindungselements kann ein erstes Stoppelement aufweisen. Das erste Stoppelement kann am hinteren Ende der Aufsatzeinheit liegen. Das erste Stoppelement verhindert ein Weiterbewegen der Aufsatzeinheit in Längsrichtung nach vorne, wenn das erste Stoppelement mit einem ersten komplementären Stoppelement zusammenwirkt, das an der Basiseinheit angebracht ist. Das erste Stoppelement kann ein geschlossenes hinteres Ende der ersten Schiene sein. Das erste komplementäre Stoppelement kann die hinterste Rolle der hinteren

Rolleneinheit der zwei in Längsrichtung beabstandeten Rolleneinheiten des zweiten

Verbindungselements sein. Alternativ kann das erste komplementäre Stoppelement ein hinteres Ende einer ersten Komplementärschiene sein. Die erste Schiene des zweiten Verbindungselements kann ein zweites Stoppelement aufweisen. Das zweite Stoppelement kann am vorderen Ende der Aufsatzeinheit liegen. Das zweite Stoppelement verhindert ein Weiterbewegen der Aufsatzeinheit in Längsrichtung nach hinten, indem das zweite Stoppelement mit einem zweiten komplementären Stoppelement zusammenwirkt, das an der Basiseinheit angebracht ist. Das zweite Stoppelement kann ein geschlossenes vorderes Ende der ersten Schiene sein. Das zweite komplementäre Stoppelement kann die vorderste Rolle der vorderen Rolleneinheit der zwei in Längsrichtung beabstandeten

Rolleneinheiten des zweiten Verbindungselements sein. Alternativ kann das zweite komplementäre Stoppelement ein vorderes Ende einer ersten Komplementärschiene sein. Gleiches kann für die zweite Schiene des zweiten Verbindungselements gelten im Zusammenspiel mit den weiteren zwei in Längsrichtung beabstandeten Rollen, bzw. alternativ im Zusammenspiel mit einer zweiten

Komplementärschiene. Zusätzlich oder alternativ kann das zweite Stoppelement von der Hinterseite des Stützelements gebildet sein und das komplementäre zweite Stoppelement von der Vorderseite der Basiseinheit. Beim Einfahren können die Hinterseite des Stützelements und die Vorderseite der Basiseinheit aneinanderstoßen und eine Weitebewegung verhindern. Ebenfalls zusätzlich oder alternativ kann das erste Stoppelement von der Vorderseite des Stützelements gebildet sein. Die Wand mit der Gebäudeöffnung kann als komplementäres Stoppelement dienen, das ein Weiterbewegen der Aufsatzeinheit nach vorne verhindert. Der Bewegungsfreiheit der Aufsatzeinheit in Längsrichtung relativ zur Basiseinheit kann der Länge des auskragenden Teils der Aufsatzeinheit entsprechen, ggf. abzüglich der Länge des Stützelements. [0036] Die Gegenkrafteinheit kann ein Gegengewicht zur Kompensation mindestens eines Großteils der an der Balkoneinheit angreifenden Kräfte umfassen. Insbesondere kann die Gegenkrafteinheit ein Gegengewicht umfassen, das zur Kompensation aller an der Balkoneinheit angreifenden Kräfte eingerichtet ist. Die Gewichtskraft anderer Teile der Gegenkrafteinheit, und eventuell auch andere Vorrichtungen, z.B. Andrückvorrichtungen, können zwar auch zu einer Teilkompensation besagter Kräfte führen. Jedoch ist ein Gegengewicht, das eingerichtet ist, alle an der Balkoneinheit

angreifenden Kräfte zu kompensieren, so bemessen und gegebenenfalls platziert, dass es die an der Balkoneinheit angreifenden Kräfte bis zu vorgegebenen Maxima bereits allein kompensieren könnte. Z.B. ist das Gegengewicht so bemessen, dass die Balkoneinheit in ihrem Balkonzustand aufgrund des Gegengewichts allein nationalen Sicherheitsbestimmungen bezüglich der Statik genügt, ohne sich dabei auf andere Kompensationsmechanismen zu verlassen. Eine Gegenkrafteinheit, die ein

Gegengewicht umfasst, wird hierin als Gegengewichtseinheit bezeichnet.

[0037] Balkonsysteme gemäß hierin beschriebenen Ausführungsformen können eine

Gegengewichtseinheit aufweisen, d.h. eine Gegenkrafteinheit, die ein Gegengewicht umfasst. Das Gegengewicht kann zur Kompensation mindestens eines Großteils der an der Balkoneinheit angreifenden Kräfte eingerichtet sein, typischerweise zur Kompensation von allen an der

Balkoneinheit angreifenden Kräften.

[0038] Das Gegenwicht kann in der Aufsatzeinheit angeordnet sein. Das Gegengewicht kann oberhalb der Basiseinheit angeordnet sein. Das Gegengewicht kann in dem auf der Basiseinheit aufsitzenden Teil der Aufsitzeinheit untergebracht sein. Das Gegengewicht kann in einem bezüglich der Längsrichtung des Balkonsystems hinteren Bereich der Aufsatzeinheit angeordnet sein, z.B.

benachbart zu dem hinteren Ende der Aufsatzeinheit. Das Gegengewicht kann in jedem Zustand des Balkonsystems über der Basiseinheit liegen und über das zweite Verbindungselement die Basiseinheit, bzw. nur ein statisch aktives Modul der Basiseinheit, statisch aktivieren.

[0039] Die Masse des Gegengewichts kann so bemessen sein, dass die Gewichtskraft des

Gegengewichts alle vertikal an der Balkoneinheit angreifenden Kräfte bis zu einer vorgegebenen Maximallast kompensieren kann, also insbesondere das Eigengewicht der Balkoneinheit plus die Gewichtskraft von darauf befindlichen Personen oder Gegenständen. Genauer können Masse und Lage des Gegengewichts sowie der Stützpunkt/Drehpunkt des Balkonsystems (z.B. über die Endposition des Stützelements an der Gebäudeöffnung) so gewählt sein, dass entsprechende Drehmomente kompensiert werden können. Die Masse des Gegengewichts kann z.B. zwischen 100 und 400 kg betragen, typischerweise zwischen 150 und 300 kg, z.B. ungefähr 200 oder ungefähr 250 kg. Das Gegengewicht kann z.B. aus Beton, Metall, z.B. Eisen, Stahl oder Blei, Wasser in einem geeigneten Tank, einem Schüttungsmaterial wie z.B. Sand in einem geeigneten Behälter, oder aus Kombinationen davon bestehen. Das Gegengewicht kann aus Teilgewichten zusammengesetzt sein, z.B. aus einzelnen Betonplatten. Die Teilgewichte können so bemessen sein, dass sie von einer Person getragen werden können. Die Teilgewichte können z.B. nicht mehr als 50 kg, typischerweise nicht mehr als 40, 30 oder gar 20 kg betragen. Seitlich an der Balkoneinheit angreifende Kräfte, z.B. durch Personeneinwirkung auf die Brüstung oder durch Windlasten, können ggf. über den zweiten Verbindungsbereich an die Basiseinheit weitergegeben werden. Die Masse des Gegengewichts und die Masse der Basiseinheit, bzw. die Massenverteilung dieser Komponenten, können so gewählt sein, dass sämtliche Kräfte, bzw. entsprechende Drehmomente bis zu vorgegebenen Maximallasten kompensiert werden können.

[0040] Die Basiseinheit kann modular aufgebaut sein. Die Basiseinheit kann ein Grundmodul umfassen. Das Grundmodul ist für das Zusammenwirken mit der Aufsatzeinheit über das zweite Verbindungselement eingerichtet. Das Grundmodul kann die basiseinheitsseitigen Komponenten des zweiten Verbindungselements tragen. Insbesondere können die in Längsrichtung beabstandeten Rolleneinheiten auf dem Grundmodul angebracht sein. Das Grundmodul kann zwei in Querrichtung verlaufende Elemente umfassen, die in Längsrichtung voneinander einen Abstand aufweisen, der gleich dem Abstand der Rolleneinheiten in Längsrichtung ist. Auf den in Querrichtung verlaufenden Elementen können die Rolleneinheiten des zweiten Verbindungselements montiert sein. Das

Grundmodul kann eines oder mehrere in Längsrichtung verlaufende Elemente aufweisen, das/die die in Querrichtung verlaufenden Elemente verbindet/verbinden. Dadurch kann das Grundmodul eine ausgesteifte Rahmenstruktur bereitstellen, die eine Plattform für die Aufsatzeinheit darstellt. Das Grundmodul kann, in der Aufsicht betrachtet, d.h. mit Blickrichtung von oben nach unten, z.B. die Form eines gestreckten H haben, wobei der Verbindungssteg dem in Längsrichtung verlaufenden Element entspricht und die beiden parallelen Strecken den in Querrichtung verlaufenden Elementen entspricht. Das Grundmodul kann eingerichtet sein, alle über die Aufsatzeinheit vermittelten, am Balkonsystem angreifenden Kräfte mit Ausnahme der über das Stützelement abgeleiteten Kräfte aufzunehmen, insbesondere Gewichtskräfte des Gegengewichts, und diese an den Fußboden der Gebäudestruktur weiterzugeben. Das Grundmodul kann für eine bezüglich der Gebäudestruktur ortsfeste Aufstellung eingerichtet sein, insbesondere für eine Aufstellung auf dem Fußboden der Gebäudestruktur oder auf einem Statikmodul der Basiseinheit.

[0041 ] Die Basiseinheit kann eines oder mehrere Zusatzmodule aufweisen. Zusatzmodule können eingerichtet sein, Möbelfunktionalität bereitzustellen. Beispielsweise kann ein Zusatzmodul ein Regal, eine Kommode, ein Schrank, ein Bett oder ein Teil der vorgenannten Möbelstücke sein. Zusatzmodule können dem Grundmodul angefügt sein oder in Zwischenräume des Grundmoduls eingefügt sein. Das Grundmodul, die Aufsatzeinheit und/oder die Balkoneinheit können zur Möbelfunktionalität des einen oder der mehreren Zusatzmodule beitragen, insbesondere im kompaktifizierten Zustand des

Balkonsystems. Das eine oder die mehreren Zusatzmodule kann/können die Basiseinheit, bzw. das Balkonsystem, zu einem oder mehreren Möbelstücken machen, gegebenenfalls in Zusammenwirkung mit dem Grundmodul, der Aufsatzeinheit und/oder der Balkoneinheit. Die Zusatzmodule können für die Funktionalität des Balkonsystems, die darin besteht, einen Balkon bereitzustellen, und/oder für die Statik des Balkonsystems unwesentlich sein. Mit anderen Worten können die Zusatzmodule frei gewählt werden, um beliebige, gewünschte Möbelfunktionalität(en) zur Verfügung zu stellen, ohne dass sie speziellen Sicherheitsvorgaben entsprechen müssten, die an die Bereitstellung eines

(temporären) Balkons zu knüpfen wären. Das eine oder die mehreren Zusatzmodule kann/können für eine bezüglich der Gebäudestruktur ortsfeste Aufstellung eingerichtet sein, insbesondere auf dem Fußboden der Gebäudestruktur oder auf einem Statikmodul der Basiseinheit.

[0042] Die Basiseinheit kann ein Statikmodul umfassen. Das Statikmodul kann eingerichtet sein, um vom Balkonsystem ausgeübte Kräfte über eine Fußbodenfläche der Gebäudestruktur zu verteilen und/oder um Bodenunebenheiten der Gebäudestruktur auszugleichen. Das Statikmodul kann eine Bodenplatte umfassen. Die Bodenplatte kann eine lastverteilende Platte sein zur Verteilung der vom Balkonsystem ausgeübten Kräfte über eine Fußbodenfläche. Die Bodenplatte kann angeordnet sein, so dass das Stützelement der Aufsatzeinheit darüber rollen oder gleiten kann. Die Bodenplatte kann sich in Längsrichtung des Balkonsystems mindestens zwischen einem vorderen Ende des Grundmoduls und der Gebäudeöffnung erstrecken, kann sich aber auch unterhalb des Grundmoduls und/oder des Zusatzmoduls, bzw. der Zusatzmodule erstrecken. In Querrichtung kann die Bodenplatte mindestens die Breite des Stützelements aufweisen. Die Bodenplatte kann für mindestens eines von

Nachfolgendem eingerichtet sein: Verteilung der vom Balkonsystem ausgeübten Kräfte über eine Bodenfläche der Gebäudestruktur, Ausgleich einer Bodenneigung, Ausgleich von Bodenunebenheiten, Verringerung eines Roll- oder Gleitwiderstands des Stützelements im Vergleich zu einem Rollen oder Gleiten über die Bodenfläche. Das Statikmodul kann Träger und/oder Sockel umfassen, die unter der Bodenplatte angeordnet sind. Träger können insbesondere für der Verteilung der vom Balkonsystem ausgeübten Kräfte über die Bodenfläche der Gebäudestruktur eingerichtet sein. Sockel können insbesondere für einen Ausgleich einer Bodenneigung und/oder einen Ausgleich von

Bodenunebenheiten eingerichtet sein. Das Statikmodul könnte auch ein Aufsetzelement für die Aufsatzeinheit umfassen, insbesondere wenn die Aufsatzeinheit kein Stützelement hat. Das

Aufsetzelement kann sich z.B. an der Gebäudeöffnung befinden und sich vertikal erstrecken, wobei die Höhe des Aufsetzelements so bemessen ist, dass die Aufsatzeinheit beim Ausfahren auf dem Aufsetzelement aufsetzt und sich darauf abstützen kann. Das Aufsetzelement könnte aus Pfosten oder einer Platte bestehen, die mit der Bodenplatte verbunden ist/sind. [0043] Das erste Verbindungselement, das die Balkoneinheit und die Gegenkrafteinheit verbindet, kann die an der Balkoneinheit angreifenden Kräfte auf die Gegenkrafteinheit übertragen, die typischerweise mindestens einen Großteil oder sogar alle dieser Kräfte kompensieren kann. Das erste Verbindungselement, das die Gegenkrafteinheit und die Balkoneinheit verbindet, verbindet die Balkoneinheit und die Aufsatzeinheit der Gegenkrafteinheit. Das erste Verbindungselement kann die Balkoneinheit und die Aufsatzeinheit in einem ersten Verbindungsbereich verbinden, z.B. in einem Abschnitt eines ersten Schienensystems.

[0044] Alternativ können die Balkoneinheit und die Gegenkrafteinheit in einem oder mehreren Verbindungspunkten zwischen Balkoneinheit und Aufsatzeinheit, typischerweise in einem oder mehreren Gelenken. Gelenke können dabei in einer Linie angeordnet sein, z.B. einer oberen vorderen Kante der Aufsatzeinheit oder selbst ein lineares Gelenk sein. Das erste Verbindungselement kann insbesondere im Fall einer Verbindung durch einen oder mehrere Verbindungspunkte auch eine Zugkonstruktion und/oder eine Druckkonstruktion, z.B. einen Zugstab, Druckstab oder Zug-Druckstab umfassen. Die Zugkonstruktion und/oder Druckkonstruktion kann/können an der Balkoneinheit angreifende Kräfte auf die Aufsatzeinheit der Gegenkrafteinheit übertragen.

[0045] Das erste Verbindungselement kann eine erste Schiene auf der Unterseite der Balkoneinheit umfassen. Die erste Schiene des ersten Verbindungselements kann entlang der Längsrichtung des Balkonsystems angeordnet sein. Die erste Schiene des ersten Verbindungselements kann die

Beweglichkeit von Balkoneinheit und Aufsatzeinheit relativ zueinander ermöglichen, bzw. dieser Beweglichkeit dienen. Das erste Verbindungselement kann ein erstes Schienensystem umfassen. Das erste Schienensystem kann die erste Schiene des ersten Verbindungselements umfassen. Das erste Schienensystem kann eine zweite Schiene auf der Unterseite der Balkoneinheit umfassen. Die erste Schiene und die zweite Schiene des ersten Schienensystems können entlang der Längsrichtung des Balkonsystems parallel zueinander und in Querrichtung voneinander beabstandet angeordnet sein. Das erste Verbindungselement kann die Balkoneinheit und die Aufsatzeinheit in dem ersten

Verbindungsbereich durch das erste Schienensystem verbinden.

[0046] Das erste Verbindungselement, bzw. das erste Schienensystem, kann zwei voneinander in Längsrichtung des Balkonsystems beabstandete Rolleneinheiten umfassen. Eine Rolleneinheit kann, wie zuvor beschrieben, eine Rolle aufweisen, deren Achse in einem Körper der Rolleneinheit gelagert ist, oder kann mehrere, insbesondere zwei, Rollen aufweisen, deren Achsen parallel zueinander in dem Körper der Rolleneinheit gelagert sind. Diese Achse(n) kann/können insbesondere horizontal liegen. Eine Rolleneinheit kann, insbesondere wenn sie für den Lauf in einer Schiene ausgelegt ist, auch eine oder ggf. mehrere Rollen aufweisen, deren Achse vertikal liegt. Eine solche Rolle mit vertikaler Achse kann den seitlichen Abstand zu Wänden einer Schiene mit Hohlprofil im Lauf sicherstellen. Die zwei Rolleneinheiten können auf der Oberseite der Aufsatzeinheit angebracht sein. Die Rollen der zwei in Längsrichtung des Balkonsystems beabstandeten Rolleneinheiten des ersten Verbindungselements können in die erste Schiene des ersten Verbindungselements, bzw. des ersten Schienensystems, eingreifen. Die Rollen können in der ersten Schiene des ersten Schienensystems laufen. Diese erste Schiene kann die Rollen einfassen, so dass die Rollen auf einen Lauf in der ersten Schiene des ersten Schienensystems beschränkt sind. Die erste Schiene des ersten Schienensystems kann ein

entsprechendes Hohlprofil aufweisen. Hierdurch kann die Balkoneinheit gegenüber der Aufsatzeinheit als linear beweglich eingespannter Träger ausgestaltet sein. Laufpunkte der in Längsrichtung am weitesten voneinander entfernten Rollen der zwei Rolleneinheiten des ersten Schienensystems können den ersten Verbindungsbereich definieren.

[0047] Das erste Verbindungselement, bzw. das erste Schienensystem kann weitere zwei

Rolleneinheiten umfassen, die mit der zweiten Schiene des ersten Schienensystems kooperieren. Die weiteren zwei Rolleneinheiten können in Längsrichtung des Balkonsystems voneinander beabstandet sein, vorzugsweise in demselben Abstand wie die erstgenannten zwei Rolleneinheiten des ersten Schienensystems, und können von den erstgenannten Rolleneinheiten in der Querrichtung des Balkonsystems beabstandet sein. Die zwei weiteren Rolleneinheiten können auf der Oberseite der Aufsatzeinheit angebracht sein. Die Rollen der weiteren zwei Rolleneinheiten des ersten

Verbindungselements können in die zweite Schiene des ersten Verbindungselements, bzw. des ersten Schienensystems, eingreifen. Die Rollen können in der zweiten Schiene des ersten Schienensystems laufen. Die zweite Schiene des ersten Schienensystems kann die Rollen der weiteren zwei

Rolleneinheiten einfassen, so dass diese Rollen auf einen Lauf in der zweiten Schiene beschränkt sind. Die zweite Schiene des ersten Schienensystems kann ein entsprechendes Hohlprofil aufweisen.

Hierdurch kann die Balkoneinheit gegenüber der Aufsatzeinheit als linear beweglich eingespannter Träger ausgestaltet sein. Das erste Verbindungselement kann weitere Schienen und Rolleneinheiten der beschriebenen Art umfassen.

[0048] Alternativ zu einem ersten Verbindungselement, bzw. ersten Schienensystem mit Schienen und Rolleneinheiten als Gegenspieler könnte das erste Schienensystem auch ausschließlich aus Schienen bestehen, wobei korrespondierende Schienen und Komplementärschienen des ersten Verbindungselements ineinander gleiten. Beispielsweise kann die erste Schiene des ersten

Schienensystems eine erste Komplementärschiene einfassen oder von dieser eingefasst werden, wobei die erste Komplementärschiene auf der Oberseite der Aufsatzeinheit angebracht ist. Die erste

Komplementärschiene kann kürzer sein als die erste Schiene und kann den ersten Verbindungsbereich definieren. Ähnlich kann eine zweite Komplementärschiene für die zweite Schiene des ersten Schienensystems vorgesehen sein. Um ein Gleiten der Schienen und Komplementärschienen relativ zueinander zu verbessern, können die Schienen und/oder Komplementärschienen aus einem reibungsarmen Material gefertigt oder mit einem solchen reibungsarmen Material auf den relativ zueinander gleitenden Oberflächen beschichtet sein.

[0049] Die Relativbewegung von Balkoneinheit und Aufsatzeinheit kann insbesondere dazu dienen, das in Längsrichtung des Balkonsystems vordere Ende der Balkoneinheit aus der Gebäudeöffnung heraus zu bewegen. Die Länge der Balkoneinheit kann im Wesentlichen gleich der Länge des ersten Verbindungsbereichs plus der Länge des auskragenden Teils der Balkoneinheit im ausgefahrenen Zustand sein. Das erste Verbindungselement kann eingerichtet sein, eine Relativbewegung von Balkoneinheit und Gegenkrafteinheit zu ermöglichen, um die Balkoneinheit in ihren Balkonzustand zu überführen und/oder sie aus diesem Zustand hinaus zu bringen. Die Balkoneinheit kann zumindest temporär, nämlich im Balkonzustand der Balkoneinheit, gegenüber der Gegenkrafteinheit auskragend sein. Die Balkoneinheit kann also eingerichtet sein, einen Kragarm auszubilden. Die Balkoneinheit kann mit der Aufsatzeinheit der Gegenkrafteinheit über das erste Verbindungselement fest verbunden sein.

[0050] Der Bewegungsfreiheit der Balkoneinheit in Längsrichtung relativ zur Aufsatzeinheit kann begrenzt sein. Die Balkoneinheit kann ein hinteres Ende aufweisen, das einem vorderen Ende entgegengesetzt liegt. Die erste Schiene des ersten Verbindungselements kann ein erstes Stoppelement aufweisen. Das erste Stoppelement kann am hinteren Ende der Balkoneinheit liegen. Das erste Stoppelement verhindert ein Weiterbewegen der Balkoneinheit in Längsrichtung nach vorne, wenn das erste Stoppelement mit einem ersten komplementären Stoppelement zusammenwirkt, das an der Aufsatzeinheit angebracht ist. Das erste Stoppelement kann ein geschlossenes hinteres Ende der ersten Schiene des ersten Verbindungselements sein. Das erste komplementäre Stoppelement kann die hinterste Rolle der hinteren Rolleneinheit der zwei in Längsrichtung beabstandeten Rolleneinheiten des ersten Verbindungselements sein. Alternativ kann das erste komplementäre Stoppelement ein hinteres Ende einer ersten Komplementärschiene des ersten Verbindungselements sein. Die erste Schiene des ersten Verbindungselements kann ein zweites Stoppelement aufweisen. Das zweite Stoppelement kann am vorderen Ende der Balkoneinheit liegen. Das zweite Stoppelement verhindert ein Weiterbewegen der Balkoneinheit in Längsrichtung nach hinten, indem das zweite Stoppelement mit einem zweiten komplementären Stoppelement zusammenwirkt, das an der Aufsatzeinheit angebracht ist. Das zweite Stoppelement kann ein geschlossenes vorderes Ende der ersten Schiene des ersten Verbindungselements sein. Das zweite komplementäre Stoppelement kann die vorderste Rolle der vorderen Rolleneinheit der zwei in Längsrichtung beabstandeten Rolleneinheiten des ersten Verbindungselements sein. Alternativ kann das zweite komplementäre Stoppelement ein vorderes Ende einer ersten Komplementärschiene des ersten Verbindungselements sein. Gleiches kann für die zweite Schiene des ersten Verbindungselements gelten im Zusammenspiel mit den weiteren zwei in Längsrichtung beabstandeten Rollen des ersten Verbindungselements, bzw. alternativ im

Zusammenspiel mit einer zweiten Komplementärschiene des ersten Verbindungselements. Die Bewegungsfreiheit der Balkoneinheit in Längsrichtung relativ zur Aufsatzeinheit kann der Länge des auskragenden Teils der Balkoneinheit entsprechen.

[0051] Ist, insbesondere was Komponenten des ersten Verbindungselements und des zweiten Verbindungselements angeht, wie z.B. Schienen oder Rollen(einheiten), im hierin Beschriebenen davon die Rede, dass eine Komponente auf der Basiseinheit, dem Grundmodul, der Aufsatzeinheit oder der Balkoneinheit angebrachte ist, bzw. auf einer Unter- oder Oberseite davon angebracht ist, umfasst dies auch die Möglichkeit, dass die entsprechende Komponente in die fragliche Einheit bzw. das fragliche Modul ganz oder zum Teil eingelassen sein kann, z.B. in Vertiefungen. Beispielsweise könnte die erste Schiene des zweiten Verbindungselements in die Unterseite der Aufsatzeinheit eingelassen sein, so dass diese erste Schiene bündig ist, d.h. nicht hervorsteht. Der Begriff des Anbringens umfasst auch Situationen, in denen diese Komponenten zumindest zum Teil in die fraglichen Einheiten oder Module integriert oder mit diesen einstückig geformt sind.

[0052] Das Balkonsystem ist typischerweise ein temporäres Balkonsystem. Dabei kann ein Balkon durch das Balkonsystem bei Bedarf eingerichtet und bei Wegfall des Bedarfs entfernt werden.

Beispielsweise kann ein Fenster vorübergehend zu einem Balkonzugang umgewandelt werden, wenn durch das temporäre Balkonsystem ein Balkon zeitweilig eingerichtet und sodann wieder entfernt wird. Dadurch kann das Fenster ansonsten gewöhnlich benutzt werden. Dies gilt insbesondere, wenn das Balkonsystem ohne Eingriff in die Gebäudestruktur einen Balkon errichtet, der anschließend spurlos wieder entfernt werden kann. Durch die Möglichkeit einer Kompaktifizierung nimmt das Balkonsystem wenig Platz weg, wenn es gerade nicht als Balkon verwendet wird. Teile der

Basiseinheit, insbesondere Zusatzmodule, können ein Möbelstück oder mehrere Möbelstücke bilden, z.B. ein Bett, einen Schrank oder eine Kombination davon.

[0053] Die Balkoneinheit kann einen Boden umfassen. Der Boden kann als Standfläche für Lasten wie z.B. Personen dienen, wenn die Balkoneinheit aus der Gebäudeöffnung hinausragt und einen Balkon bildet. Die Balkoneinheit kann eine Rückhaltevorrichtung umfassen, z.B. in Form einer Brüstung, eines Geländers oder einer Reling. Die Rückhaltevorrichtung dient zur Verhinderung eines Hinunterfallens von Personen oder Gegenständen von der Balkoneinheit in ihrem Balkonzustand. Die Rückhaltevorrichtung kann mit dem Boden fest verbunden sein oder mit dem Boden lösbar verbindbar sein. Die Balkoneinheit kann einen Boden und eine Rückhaltevorrichtung umfassen. Dabei kann der Boden als linear beweglich eingespannter Träger ausgebildet sein oder die Rückhaltevorrichtung als Träger ausgebildet sein. Der Boden kann quaderförmig, insbesondere plattenförmig sein.

[0054] Durch eine Bewegung der Balkoneinheit, oder von Teilen der Balkoneinheit, wenn diese zerlegbar ist, relativ zu der Gegenkrafteinheit/der Aufsatzeinheit kann das Balkonsystem temporär einen Balkon zur Verfügung stellen, nämlich wenn die Balkoneinheit in ihrem Balkonzustand ist, während das Balkonsystem zu anderen Zeiten kompaktifiziert sein kann. Die Balkoneinheit kann selbst kompaktifizierbar sein. Die Kompaktifizierung der Balkoneinheit kann die Kompaktifizierung des Balkonsystems abschließen. Die Balkonsystem kann so eingerichtet sein, dass die Balkoneinheit im Aufbauzustand und im Balkonzustand nicht kompaktifiziert sein kann, sondern nur dann kompaktifizierbar ist, wenn die Balkoneinheit und die Aufsatzeinheit eingefahren sind. Zur

Kompaktifizierung der Balkoneinheit kann die Rückhaltevorrichtung aus einzeln ein- und

ausklappbaren Teilen bestehen, insbesondere aus einzeln ein- und ausklappbaren Geländerabschnitten, wie z.B. zwei Seitenabschnitten und einem Frontabschnitt und unter Umständen noch zwei

Eckpfosten. Die Geländerabschnitte können über Scharniere und/oder Gelenke mit dem Boden der Balkoneinheit verbunden sein. Die Geländerabschnitte können so eingerichtet sein, dass sie nach innen auf den Boden einklappbar sind, während sie nach außen beim Aufklappen nicht weiter als bis zu einer zum Boden senkrechten Ausrichtung beweglich sind. Die Geländerabschnitte können eingerichtet sein, sich untereinander im ausgeklappten Zustand lösbar zu verbinden.

[0055] Das hierin beschriebene Balkonsystem weist eine Reihe von Vorteilen gegenüber dem eingangs beschriebenen, vorbekannten Balkonsystem auf. Durch die ortsfeste Positionierung der Basiseinheit wird die Ausrichtung des Balkonsystems, insbesondere seine Längsrichtung, fest vorgegeben. Gleichzeitig wird ein passender Abstand zur Gebäudeöffnung festgelegt. Somit kommt es nicht wie bei einem vollständig mobilen Balkonsystem auf eine sorgsame Handhabung, Positionierung und Ausrichtung durch den Benutzer an, z.B. um eine stabile, wackelfreie Aufstellung zu

gewährleisten oder um Beschädigungen der Gebäudewand oder des Fensters zu vermeiden.

Beispielsweise werden ein Rammen der Gebäudewand und eine schräge Ausrichtung der

Balkoneinheit nebst Verkanten im Fenster vermieden. Auch muss bei ortsfester Basiseinheit nicht das gesamte Gewicht des Balkonsystems bewegt werden, was den Aufbau stark erleichtert. Gleichzeitig sorgt die Beweglichkeit der Aufsatzeinheit relativ zur Basiseinheit dafür, dass ein Abstand zur Gebäudeöffhung besteht, der ausreichend ist, dass der Zugang zur Gebäudeöffhung nicht dauerhaft blockiert ist und die Gebäudeöffhung bestimmungsgemäß genutzt werden kann, also z.B. im Falle eines Fensters geöffnet und geschlossen werden kann. Der Fußboden wird bei dem Balkonsystem gemäß Ausführungsformen auch weniger stark abgenutzt als bei dem vollständig mobilen

Balkonsystem, insbesondere wenn das Gegengewicht stets über der ortsfesten Basiseinheit hegt, während z.B. ein über den Fußboden rollendes Stützelement beim Rollvorgang in der Regel viel weniger belastet ist. Beim Balkonsystem mit ortsfester Basiseinheit und relativ hierzu beweglicher Aufsatzeinheit sind die Bodenbereiche der Gebäudestruktur, die durch das Balkonsystem statisch belastet werden, fest vorgegeben. Es kann sichergestellt werden, dass diese Bodenbereiche statisch für diese Belastung ausgelegt sind, z.B. passiv durch Testen oder falls nötig aktiv durch Verwendung eines Statikmoduls der Basiseinheit. Hierdurch kann Gefahr für Leib und Leben ausgeschlossen werden.

[0056] Durch einen modularen Aufbau der Basiseinheit, insbesondere durch ein Grundmodul, das für die Balkonfunktionalität einsteht, ist die gestalterische Freiheit für eine zusätzliche Verwendung des Balkonsystems als ein oder mehrere Möbelstücke erhöht. Zusatzmodule, die selbst für die

Balkonfunktionalität und insbesondere für die Sicherheit des temporären Balkons nichts leisten müssen, können beinahe beliebig gestaltet werden, um das Balkonsystem z.B. zu einem Bett, einem Schrank, einem Regal, einer Kommode oder Kombinationen davon zu machen.

[0057] Durch ein Stützelement, das die Aufsatzeinheit an der Gebäudeöffnung abstützen kann, wird der potentielle Drehpunkt des Balkonsystems günstig positioniert, um den Hebelarm der Balkoneinheit in ihrem ausgefahrenen Zustand zu verringern und ein Kippen des Balkonsystems zu erschweren, bzw. die zulässige Maximallast, bei der dies geschähe, zu erhöhen. Durch eine Positionierung des

Gegengewichts in der Aufsatzeinheit, insbesondere an deren hinterem Ende, und durch entsprechende Dimensionierung der Masse des Gegengewichts kann bewirkt werden, dass das zweite

Verbindungselement im Wesentlichen keine Zugkräfte aushalten können muss. Das zweite

Verbindungselement, z.B. in Form eines zweiten Schienensystems mit Schienen und darin

eingreifenden Rollen, kann dann einfacher, weniger massiv und kostengünstiger gestaltet werden. Etwaig verbleibende, auf das zweite Verbindungselement einwirkende Zugkräfte könnten solche sein, die bei Belastung der Balkoneinheit in Querrichtung entstehen können, z.B. durch Windlast. Die Basiseinheit kann solche Kräfte über das zweite Verbindungselement aufhehmen und an den

Fußboden ableiten und ein Kippen des Balkonsystems in Querrichtung verhindern. Hierzu kann eine vergrößerte Erstreckung des Grundmoduls und/oder von Zusatzmodulen in Querrichtung vorteilhaft sein. Die Anbringung von Schienen an der Unterseite von Aufsatzeinheit und/oder Balkoneinheit bewirkt, dass diese Schienen vor Verschmutzung geschützt und zudem nicht sichtbar sind. Die Gegenspieler dieser Schienen, insbesondere Rollen von Rolleneinheiten oder Komplementärschienen, können auf die Verbindungsbereiche beschränkt sein und werden bei Relativbewegungen ebenfalls nicht exponiert, sind also auch vor Verschmutzung geschützt und nicht sichtbar. Stoppelemente tragen dazu bei, dass der Balkon sicher verwendet werden kann und eine Beschädigung der Gebäudestruktur z.B. durch Rammen verhindert wird. [0058] Fig. 1 zeigt eine Ausführungsform eines Balkonsystems 100. Gezeigt ist eine seitliche Ansicht des Balkonsystems 100. Die seitliche Richtung oder Querrichtung verläuft senkrecht zur

Zeichenebene. Der in Fig. 1 rechts gelegene Bereich ist vorne oder frontal, der links gelegene Bereich hinten oder rückwärtig bezüglich der Längserstreckung des Balkonsystems 100. Die vertikale

Richtung ist die oben-unten Richtung in Fig. 1. Das Balkonsystem umfasst eine Balkoneinheit 110, eine Gegenkrafteinheit 120 und ein erstes Verbindungselement 130, das die Balkoneinheit 110 und die Gegenkrafteinheit 120 verbindet. Die Gegenkrafteinheit 120 umfasst eine Basiseinheit 220, eine Aufsatzeinheit 225 und ein zweites Verbindungselement 230. Die Basiseinheit 220 kann bezüglich einem Fußboden einer Gebäudestruktur ortsfest aufgestellt werden. Das zweite Verbindungselement 230 verbindet die Aufsatzeinheit 225 und die Basiseinheit 220. Die Aufsatzeinheit 225 ist relativ zur Basiseinheit 220 in Längsrichtung beweglich, wie durch die Doppelpfeile angedeutet. Die

Aufsatzeinheit 225 und die Balkoneinheit 110 sind jeweils im nach vorne versetzten Zustand gezeigt, d.h. das Balkonsystem ist im Balkonzustand.

[0059] Wie in der Ausführungsform von Fig. 2 gezeigt, kann die Balkoneinheit 110 relativ zur Aufsatzeinheit 225 beweglich sein, wie durch die entsprechenden Doppelpfeile angedeutet. Das Verbindungselement 130 kann als Verbindungsbereich 131 ausgebildet sein. Die Balkoneinheit 110 kann einen Boden 112 und/oder eine Rückhaltevorrichtung 114 (Brüstungselement, Geländer) umfassen. Der Boden kann als linear beweglich eingespannter Träger ausgebildet sein, der linear beweglich aber ansonsten in dem Verbindungsbereich 131 eingespannt ist. Das zweite

Verbindungselement 230 kann als zweiter Verbindungsbereich 231 ausgebildet sein. Die

Aufsatzeinheit 225 kann einen auf der Basiseinheit aufsitzenden Teil 226 umfassen. Die

Aufsatzeinheit 225, bzw. der aufsitzende Teil 226, kann als linear beweglich eingespannter Träger ausgebildet sein, der linear beweglich aber ansonsten im zweiten Verbindungsbereich 231 eingespannt ist. Die Aufsatzeinheit kann ein Stützelement 228 umfassen. Das Stützelement 228 kann den aufsitzenden Teil 226 abstützen, so dass die Aufsatzeinheit ein linear beweglicher, aber ansonsten im zweiten Verbindungsbereich 231 eingespannter, durch das Stützelement 228 gestützter Träger sein kann. Das Balkonsystem 110 kann ein in der Aufsatzeinheit 225 angeordnetes Gegengewicht 125 aufweisen, insbesondere ein am hinteren Ende des aufsitzenden Teils 226 angeordnetes Gegengewicht. Ein Gegengewicht kann in allen hierin beschriebenen Ausführungsformen vorgesehen sein, auch wenn es in einer Abbildung nicht gezeigt sein sollte. Das Balkonsystem ist in Fig. 2 im Balkonzustand gezeigt.

[0060] Fig. 3 zeigt das Balkonsystem von Fig. 2 im Aufbauzustand, in dem die Aufsatzeinheit 225 im nach vorne versetzten, d.h. ausgefahrenen Zustand, gezeigt ist, während die Balkoneinheit 110 im eingefahrenen Zustand gezeigt ist, in dem die Balkoneinheit 110 nicht über die Aufsatzeinheit 225 in Längsrichtung nach vome hinausragt. Fig. 4 zeigt das Balkonsystem von Fig. 2 im kompaktifizierten Zustand, in dem sich sowohl die Aufsatzeinheit 225 als auch die Balkoneinheit 110 im eingefahrenen Zustand befinden. Zusätzlich kann die Balkoneinheit 110 zerlegbar sein, z.B. indem die

Rückhaltevorrichtung 114 vom Boden gelöst und seitlich neben der Gegenkrafteinheit 120 zu liegen kommt oder indem die Rückhaltevorrichtung 114 in Einzelteilen eingeklappt wird (vgl. Figs. 11-13).

[0061] Fig. 5 zeigt eine Ansicht des Balkonsystems 100 im Längsschnitt und Fig. 6 zeigt eine Ansicht im Querschnitt. In Figs. 5 und 6 sind auch eine Gebäudestruktur 1, z.B. ein Zimmer, und eine Gebäudeöffnung 10, in diesem Fall ein Fenster, zu sehen. In der Ausführungsform nach Figs. 5 und 6 umfasst das Balkonsystem ein erstes Schienensystems 270 und ein zweiten Schienensystems 280, wobei das erste Schienensystem 270 die Balkoneinheit 110 und die Aufsatzeinheit 225 in dem ersten Verbindungsbereich 131 verbindet und das zweite Schienensystem 280 die Aufsatzeinheit 225 und die Basiseinheit 220 in dem zweiten Verbindungsbereich 231 verbindet. Die Basiseinheit 220 umfasst ein Grundmodul 250, das als versteifte Rahmenstruktur mit zwei sich in Querrichtung erstreckenden, voneinander in Längsrichtung beabstandeten Wänden 252, 256 und einem sie in Längsrichtung verbindenden Zwischenstück ausgebildet ist. Zusatzmodule 260, die dem Balkonsystem 100 die Funktionalität eines Möbelstücks verleihen können, sind in Figs. 5 und 6 nur schematisch angedeutet.

[0062] Eine erste Schiene 272 und eine zweite Schiene 276 des ersten Schienensystems 270 sind auf der Unterseite der Balkoneinheit angebracht, wobei die erste Schiene 272 und die zweite Schiene 276 parallel liegen und einen Abstand voneinander in Querrichtung aufweisen. Eine erste Rolleneinheit 273 und eine zweite Rolleneinheit 275 des ersten Schienensystems 270, deren Rollen in die erste Schiene 272 des ersten Schienensystems 270 eingreifen, sind mit einem Abstand in Längsrichtung voneinander angeordnet und auf der Oberseite der Aufsatzeinheit angebracht. Entsprechend sind eine erste Rolleneinheit 277 und eine zweite Rolleneinheit des ersten Schienensystems 270, deren Rollen in die zweite Schiene 276 des ersten Schienensystems 270 eingreifen, mit demselben Abstand in Längsrichtung voneinander angeordnet und auf der Oberseite der Aufsatzeinheit angebracht.

[0063] Eine erste Schiene 282 und eine zweite Schiene 286 des zweiten Schienensystems 280 sind auf der Unterseite der Aufsatzeinheit 225 angebracht, wobei die erste Schiene 282 und die zweite Schiene 286 parallel liegen und einen Abstand voneinander in Querrichtung aufweisen. In Fig. 5 sind die Abstände in Querrichtung zwischen den ersten und zweiten Schienen des jeweiligen ersten und zweiten Schienensystems gleich. Eine erste Rolleneinheit 283 und eine zweite Rolleneinheit 285 des zweiten Schienensystems 280, deren Rollen in die erste Schiene 282 des zweiten Schienensystems 280 eingreifen, sind mit einem Abstand in Längsrichtung voneinander angeordnet und auf den jeweiligen Oberseiten der Wände 252, 256 des Grundmoduls 250 der Basiseinheit 220 angebracht. Entsprechend sind eine erste Rolleneinheit 287 und eine zweite Rolleneinheit des zweiten Schienensystems 280, deren Rollen in die zweite Schiene 286 des zweiten Schienensystems 280 eingreifen, mit demselben Abstand in Längsrichtung voneinander angeordnet und ebenfalls auf den jeweiligen Oberseiten der Wände 252, 256 des Grundmoduls 250 der Basiseinheit 220 angebracht.

[0064] Das Stützelement 228 der Aufsatzeinheit 225 weist ein Rollensystem 290 mit vier

Rolleneinheiten auf, von der in Fig. 5 nur die zwei Rolleneinheiten 292, 294 zu sehen sind, während die anderen beiden Rolleneinheiten parallel mit einem Abstand in Querrichtung liegen. Die

Rolleneinheiten sind auf der Unterseite eines Körpers 229 des Stützelements 228 angebracht und können über den Fußboden 2 der Gebäudestruktur 1 laufen.

[0065] Fig. 7 zeigt eine perspektivische Ansicht des Balkonsystems 100, in der die Aufsatzeinheit 225 mit Stützelement 228, der Boden 112 und die Rückhaltevorrichtung 114 in Explosionsdarstellung gezeigt sind. Figs. 8-10 zeigen perspektivische Ansichten des Balkonsystems 100 im

kompaktifizierten Zustand, im Aufbauzustand und im Balkonzustand. In Fig. 7 sind neben den in Fig. 6 sichtbaren Rolleneinheiten 273, 277 des ersten Schienensystems auch die Rolleneinheiten 279 und 275 am vorderen Ende der Aufsatzeinheit 225 zu sehen, ebenso wie die Rolleneinheiten 285 und 289 des zweiten Schienensystems neben den bereits in Fig. 6 sichtbaren Rolleneinheiten 283, 287. Die versteifte Rahmenstruktur 250 weist in Aufsicht die Form eines gestreckten H auf, wobei die Wände 252, 256 die Schenkel des H bilden und die Verbindungswand 258 den Verbindungssteg des H. In Fig. 8 ist das Balkonsystem 100 im kompaktifizierten Zustand, wobei die Balkoneinheit mit Boden 112 und Rückhaltevorrichtung 114 noch zusätzlich weiter kompaktifizierbar sein mag. Zur

Verdeutlichung sind mit L, Q und V die Längsrichtung, die Querrichtung und die Vertikalrichtung durch Doppelpfeile dargestellt. In Fig. 9 ist das Balkonsystem 100 im Aufbauzustand gezeigt. Neben den Rolleneinheiten 292 und 294 des Stützelements 228 ist von weiteren zwei, parallel liegenden Rolleneinheiten die Rolleneinheit 296 sichtbar, die in einem Abstand in Querrichtung zu den

Rolleneinheiten 292, 294 an der Unterseite des Körpers 229 des Stützelements angebracht ist. Das Stützelement 228 ist, im Vergleich zu Fig. 8, über den Fußboden 2 der Gebäudestruktur 10 an die Gebäudeöffnung 10 heranbewegt worden, wobei der aufsitzende Teil der Aufsatzeinheit 225 den Abstand zur Gebäudeöffnung überwindet und an seiner Oberseite auch die Brüstungshöhe der Gebäudeöffnung überwindet. Wie in Fig. 10 gezeigt kann nunmehr die Balkoneinheit mit ihrem Boden 112 und der Rückhaltevorrichtung 114 aus der Gebäudeöffnung hinausbewegt werden, so dass das Balkonsystem 100 seinen Balkonzustand einnimmt. Dabei stellt der über das Sims der

Gebäudeöffnung ragende Teil der Balkoneinheit einen temporären Außenbalkon dar. [0066] Fig. 11-13 zeigen eine perspektivische Ansicht des Balkonsystems 100, in dem die

Balkoneinheit kompaktifizierbar ist, indem die Rückhaltevorrichtung 114 in Form eines Geländers in Einzelteile zerlegbar und ein- und ausklappbar gestaltet ist. Die Rückhaltevorrichtung 114 umfasst einen ersten seitlichen Geländerabschnitt 330, einen zweiten seitlichen Geländerabschnitt 340, einen frontalen Geländerabschnitt 350, einen ersten Eckpfosten 310 und einen zweiten Eckpfosten 320. Die seitlichen Geländerabschnittte 330, 340 weisen jeweilige, in Längsrichtung auf der Oberseite des Bodens 112 angebrachten Sockelleisten 332, 342 auf. Brüstungsteile 334, 344 der seitlichen

Geländerabschnitte 330, 340 sind mit den Sockelleisten 332, 342 über jeweilige Scharniere 335, 345 verbunden. Die Eckpfosten 310, 320 sind ebenfalls über Scharniere mit den Sockelleisten 332, 342 verbunden, wobei von den beiden Scharnieren nur das Scharnier 315 des ersten Eckpfostens 310 sichtbar ist. Der frontale Geländerabschnitt 350 ist über ein Gelenk 355 mit den Sockelleisten 332, 342 verbunden und erstreckt sich am vorderen Ende des Bodens zwischen den Sockelleisten 332, 342.

[0067] Fig. 11 zeigt die Balkoneinheit 110 im kompaktifizierten Zustand, in welchem der frontale Geländerabschnitt 350 zwischen den Sockelleisten 332, 342 eingeklappt liegt, das Brüstungsteil 344 des zweiten seitliche Geländerabschnitts 340 über den frontalen Geländerabschnitt 350 eingeklappt liegt, das Brüstungsteil 334 des ersten seitliche Geländerabschnitts 330 über das Brüstungsteil 344 eingeklappt liegt, der erste Eckpfosten 310 über die erste Sockelleiste 332 eingeklappt liegt und der zweite Eckpfosten 320 über die zweite Sockelleiste 342 eingeklappt liegt. Fig. 12 illustriert den Aufbau der Rückhaltevorrichtung 114, wobei zuerst die beiden Eckpfosten 310, 320 in die Vertikale aufgeklappt werden, dann das Brüstungsteil 334 des ersten seitliche Geländerabschnitts 330, dann das Brüstungsteil 344 des zweiten seitlichen Geländerabschnitts 340 und schließlich der frontale

Geländerabschnitt 350. Die Bewegungsrichtungen sind durch gestrichelte Linien angedeutet. Fig. 13 zeigt die Balkoneinheit 110 im aufgebauten Zustand. Die Unterseiten der Brüstungsteile 334, 344 sowie die Unterseiten der Eckpfosten 310, 320 kommen auf den Sockelleisten 332, 342 zu liegen, so dass, im Zusammenspiel mit den jeweiligen Scharnieren, eine Klappbewegung über die Vertikale hinaus blockiert ist. Ebenso kommt die Unterseite des frontalen Geländerabschnitts 350 auf dem Boden 112 zu liegen, so dass eine Klappbewegung über die Vertikale hinaus im Zusammenspiel mit dem Scharnier 355 blockiert ist. Jeder der Geländerabschnitte ist eingerichtet, sich mit dem jeweils benachbarten Geländerabschnitt bzw. den benachbarten Geländerabschnitten lösbar zu verbinden. Auf diese Weise wird die Rückhaltevorrichtung 114 ihrer Rückhaltefunktion für Personen oder

Gegenstände gerecht. Ein Balkonsystem könnte so gestaltet sein, dass sein Aufbau in der Sequenz der Figs. 11, 12, 13, 8, 9, 10 in dieser Reihenfolge erfolgt, und sein Abbau entsprechend andersherum.

[0068] Gemäß weiteren Ausführungsformen wird eine Gebäudestruktur bereitgestellt. Diese umfasst eine Gebäudeöffnung und ein Balkonsystem gemäß hierin beschriebenen Ausführungsformen. Die Gebäudeöffnung kann die Abmessungen und die Brüstungshöhe eines Fensters aufweisen. Die Basiseinheit der Gegenkrafteinheit auf einem Fußboden der Gebäudestruktur ortsfest platziert sein.

Die Aufsatzeinheit der der Gegenkrafteinheit kann mit ihrem vorderen Ende an die Gebäudeöffnung bewegt sein, bzw. bewegbar sein. Die Balkoneinheit kann durch die Gebäudeöffnung hinausragen oder durch die Gebäudeöffnung bewegbar sein.

[0069] Weiteren Ausführungsformen beziehen sich auf Verwendung eines Balkonsystems nach einer der hierin beschriebenen Ausführungsformen als temporären Balkon. Dabei dient die Balkoneinheit als Balkon. Der Balkon, bzw. die Balkoneinheit, kann zur Verwendung für eine Gebäudeöffnung, typischerweise für ein Fenster, eingerichtet sein.

[0070] Gemäß weiteren Ausführungsformen wird ein Verfahren zum Einrichten eines temporären Balkons bereitgestellt. Das Verfahren umfasst ein Aufstellen eines hierin beschriebenen

Balkonsystems in einer Gebäudestruktur, die eine Gebäudeöffnung aufweist, wobei das Aufstellen des Balkonsystems ein bezüglich der Gebäudestruktur ortsfestes Aufstellen der Basiseinheit des

Balkonsystems umfasst. Das Verfahren umfasst ein Bewegen der Aufsatzeinheit relativ zur

Basiseinheit, so dass die mit der Aufsatzeinheit verbundene Balkoneinheit vor die Gebäudeöffnung bewegt wird. Das Verfahren umfasst ein Bewegen der Balkoneinheit relativ zu der Aufsatzeinheit, so dass die Balkoneinheit aus der Gebäudeöffnung hinausragt. Weiter ergeben sich aus den

Funktionalitäten der beschriebenen Komponenten des Balkonsystems direkt und unmittelbar weitere Verfahrensschritte, die diese Funktionalität umsetzen, bzw. ausnutzen. Ist z.B. eine Komponente als beweglich beschrieben, ergibt sich zwanglos als Verfahrensschritt das Bewegen dieser Komponente usw.

[0071 ] Gemäß weiteren Ausführungsformen kann die Basiseinheit eine höhenverstellbare

Basiseinheit sein. Folglich ist dann auch die Gegenkrafteinheit als Ganzes höhenverstellbar. Die Basiseinheit kann eingerichtet sein, einen Flachzustand und einen Hochzustand einzunehmen. Die Höhe der Basiseinheit im Hochzustand kann zusammen mit der Höhe des auf der Basiseinheit aufsitzenden Teils der Aufsatzeinheit eine Betriebshöhe der Gegenkrafteinheit bilden, die mindestens der Brüstungshöhe der Gebäudeöffnung entspricht, also z.B. mindestens 60 cm oder mindestens 90 cm hoch sein. Die Höhe der Basiseinheit im Hochzustand kann mehr als 60%, mehr als 70%, mehr als 80% oder sogar mehr als 90% der gesamten Betriebshöhe der Gegenkrafteinheit betragen. Die Höhe der Basiseinheit im Hochzustand kann somit im Wesentlichen die Brüstungshöhe der Gebäudeöffnung ausgleichen. Die Höhe der Basiseinheit im Flachzustand kann zusammen mit der Höhe des auf der Basiseinheit aufsitzenden Teils der Aufsatzeinheit eine Grundhöhe der Gegenkrafteinheit bilden. Die Grundhöhe der Gegenkrafteinheit kann kleiner sein als 60 cm, kleiner als 50 cm oder sogar kleiner als 40 cm. Die Höhe der Basiseinheit im Flachzustand kann kleiner als 50 cm, kleiner als 40 cm oder sogar kleiner als 30 cm sein.

[0072] Eine höhenverstellbare Basiseinheit kann ein Hubsystem umfassen. Das Hubsystem kann eingerichtet sein, die Basiseinheit vom Flachzustand in den Hochzustand zu überführen und umgekehrt. Das Hubsystem kann mechanisch, elektromechanisch, hydraulisch oder eine Kombination hiervon sein. Das Hubsystem kann einen Scherenlift umfassen. Der Scherenlift kann eine Grundplatte umfassen. Die Grundplatte kann der Bodenplatte des Statikmoduls entsprechen oder ein Teil davon sein. Der Scherenlift kann eine Deckplatte umfassen. Der Scherenlift kann ein, zwei oder mehr Scheren aufweisen. Die Schere bzw. die Scheren des Scherenlifts können zwischen der Grundplatte und der Deckplatte liegen und mit diesen verbunden sein. Die Oberseite der Deckplatte kann die Oberseite der Basiseinheit bilden. Der Scherenlift kann manuell oder elektrisch betrieben sein.

[0073] Figs. 18 und 19 zeigen eine Ausführungsform des Balkonsystems 100, welches eine höhenverstellbare Basiseinheit 220 aufweist. Dabei zeigt Fig. 18 die höhenverstellbare Basiseinheit 220 im Flachzustand und entsprechend die Gegenkrafteinheit 120 im Grundzustand, während Fig. 19 die höhenverstellbare Basiseinheit 200 im Hochzustand und entsprechend die Gegenkrafteinheit 120 im Betriebszustand zeigt. Die höhenverstellbare Basiseinheit 220 umfasst einen Scherenlift 251, der eine Grundplatte 253, eine Deckplatte 255, eine erste Schere 257 und eine zweite Schere 259 aufweist. Die Aufsatzeinheit 225 weist in dieser Ausführungsform kein eigenes Stützelement auf. Stattdessen umfasst das Balkonsystem ein Statikmodul, welches ein Aufsetzelement 428 umfasst. Das

Aufsetzelement 428 umfasst einen Körper 429 und ein Verbindungsstück 427. Das Aufsetzelement 428 befindet sich ortsfest an der Gebäudeöffnung 10 und erstreckt sich vertikal, so dass die Höhe des Aufsetzelements 428 gleich der Höhe der Basiseinheit 220 im Hochzustand ist. Das Aufsetzelement 428 ist damit so bemessen, dass die Aufsatzeinheit 225 beim Ausfahren auf dem Aufsetzelement 428 aufsetzt und sich darauf abstützen kann. Das Verbindungsstück 427 gewährleistet das Aufgleiten der Aufsatzeinheit 225 auf dem Aufsetzelement 428 und kann beide Teile kraftschlüssig miteinander verbinden, wobei die Verbindung lösbar ist. Ein Verbindungsstück des Aufsetzelements kann aus einem oder mehreren Elementen bestehen aus der Gruppe: Rollen, Bolzen, Riegel, Schrauben und Klammem ln der gezeigten Ausführungsform umfasst das Verbindungsstück 427 ein Rollenpaar 426, auf welches die Aufsatzeinheit 225 aufgleiten kann und einen Bolzen 425, der die Aufsatzeinheit 225 und das Aufsetzelement 428 lösbar verbindet. Die Kombination aus Rollenpaar 426 und Bolzen 425 verbindet die Aufsatzeinheit 225 und das Aufsetzelement 428 kraftbündig. Das Rollenpaar 426 ist einklappbar ausgestaltet, so dass es im eingeklappten Zustand, wie in Fig. 18 gezeigt, einer geringeren Verschmutzung unterliegt, während gleichzeitig die Oberfläche des Aufsetzelements 428 als

Ablagefläche oder dergleichen dienen kann. [0074] Das Voranstehende bezieht sich auf Ausführungsformen der Erfindung. Jedoch können sich andere und weitere Ausführungsformen ergeben, ohne vom Schutzbereich abzuweichen, der sich aus den nachfolgenden Ansprüchen ergibt.