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Title:
DIALYSIS MACHINE FOR CARRYING OUT A PUSH/PULL-BASED DIALYSIS TREATMENT
Document Type and Number:
WIPO Patent Application WO/2021/094317
Kind Code:
A1
Abstract:
The invention relates to a dialysis machine comprising a fluid system, which has a supply line for providing fresh dialysis solution to a dialyser and a discharge line for removing used dialysis solution from the dialyser, wherein the fluid system has a balancing system arranged between the supply and discharge lines in order to balance the fluid volumes flowing through the lines, wherein the fluid system has an ultrafiltration line branching off the discharge line between the dialyser and the balancing system and having an ultrafiltration pump in order to be able to withdraw a defined volume of used dialysis solution from the balance process, and wherein an additional balancing chamber is provided, which is arranged in a section of the supply line located between the balancing system and the dialyser or a section of the discharge line located between the dialyser and the branch of the ultrafiltration line.

Inventors:
IRRGANG TOBIAS (DE)
Application Number:
PCT/EP2020/081654
Publication Date:
May 20, 2021
Filing Date:
November 10, 2020
Export Citation:
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Assignee:
FRESENIUS MEDICAL CARE DEUTSCHLAND GMBH (DE)
International Classes:
A61M1/16; A61M1/34
Attorney, Agent or Firm:
LORENZ SEIDLER GOSSEL RECHTSANWÄLTE PATENTANWÄLTE PARTNERSCHAFT MBB (DE)
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Claims:
Ansprüche

1. Dialysemaschine mit einem Fluidsystem, das eine Zuleitung zur Bereitstel lung von frischer Dialysierlösung an einen Dialysator und eine Ableitung zur Entfernung von verbrauchter Dialysierlösung aus dem Dialysator aufweist, wobei das Fluidsystem ein zwischen Zu- und Ableitung angeordnetes Bilan ziersystem aufweist, um die durch die Leitungen fließenden Flüssigkeitsvo lumina abzugleichen, und wobei das Fluidsystem eine zwischen dem Dialy sator und dem Bilanziersystem von der Ableitung abzweigende Ultrafiltrati onsleitung mit einer Ultrafiltrationspumpe aufweist, um dem Abgleich ein de finiertes Volumen an verbrauchter Dialysierlösung entziehen zu können, dadurch gekennzeichnet, dass eine zusätzliche Bilanzkammer vorgesehen ist, welche in einem zwi schen dem Bilanziersystem und dem Dialysator liegenden Abschnitt der Zu- leitung bzw. einem zwischen dem Dialysator und der Abzweigung der Ultra filtrationsleitung liegenden Abschnitt der Ableitung angeordnet ist.

2. Dialysemaschine nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die zu sätzliche Bilanzkammer ein vorzugsweise volumenstarres Behältnis auf weist, das anhand einer vorzugsweise elastischen Membran in zwei Kam mern unterteilt ist, wobei an einer ersten der Kammern ein Anschluss zur Verbindung der ersten Kammer mit der Zuleitung und ein Anschluss zur Ver bindung der ersten Kammer mit der Ableitung vorgesehen ist und wobei an beiden Anschlüssen ein Ventil zum Öffnen und Schließen des jeweiligen An schlusses angeordnet ist.

3. Dialysemaschine nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass an der anderen der Kammern, also der zweiten Kammer wenigstens ein Anschluss zur Verbindung der zweiten Kammer mit einer Flüssigkeitssteuerpumpe vor gesehen ist, mit welcher der Druck in der zweiten Kammer erhöht oder er niedrigt werden kann, wobei der Anschluss vorzugsweise ein Ventil zu des sen Öffnen und Schließen aufweist.

4. Dialysemaschine nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Flüs sigkeitssteuerpumpe so ausgebildet ist, dass sie Flüssigkeiten in zwei Rich tungen fördern kann.

5. Dialysemaschine nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass an der zweiten Kammer zwei Anschlüsse zur Verbindung der zweiten Kammer mit jeweils einer Flüssigkeitssteuerpumpe vorgesehen sind, wobei anhand der Flüssigkeitssteuerpumpen der Druck in der zweiten Kammer erhöht oder er niedrigt werden kann.

6. Dialysemaschine nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass eine der Flüssigkeitssteuerpumpen so ausgebildet ist, dass sie Flüssigkeiten in die zweite Kammer fördern kann, und dass die andere der Flüssigkeitssteuer- pumpen so ausgebildet ist, dass sie Flüssigkeiten aus der zweiten Kammer ziehen kann.

7. Dialysemaschine nach einem der Ansprüche 3 bis 6, dadurch gekennzeich net, dass die Dialysemaschine eine Steuereinheit aufweist, die mit den Venti len der zusätzlichen Bilanzkammer und der oder den Flüssigkeitssteuerpum pen in Signalverbindung steht und ausgebildet ist, die Ventile und Pumpen so anzusteuern, dass der Druck der Dialysierlösung im Dialysator durch ab wechselnde Befüllung und Entleerung der einen Kammer der zusätzlichen Bilanzkammer mit Dialysierlösung aus Zu- und Ableitung periodisch angeho ben und abgesenkt wird.

8. Dialysemaschine nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Steu ereinheit ausgebildet ist, in einer Behandlungsphase das die erste Kammer mit der Zuleitung verbindende Ventil zu öffnen, das die erste Kammer mit der Ableitung verbindende Ventil zu schließen und die Flüssigkeitssteuerpum- pe(n) zur Druckerhöhung in der zweiten Kammer zu aktivieren, um den Ein gangsdruck der Dialysierlösung am Dialysator zu erhöhen.

9. Dialysemaschine nach Anspruch 7 oder 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Steuereinheit ausgebildet ist, in einer Behandlungsphase das die erste Kammer mit der Ableitung verbindende Ventil zu öffnen, das die erste Kam mer mit der Zuleitung verbindende Ventile zu schließen und die Flüssigkeits- steuerpumpe(n) zur Druckverringerung in der zweiten Kammer zu aktivieren, um den Ausgangsdruck der Dialysierlösung am Dialysator zu verringern.

10. Dialysemaschine nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch ge kennzeichnet, dass das Fluidsystem einen zwischen dem Dialysator und dem Bilanziersystem in der Ableitung angeordneten Luftabscheider aufweist und dass die zusätzliche Bilanzkammer zwischen dem Bilanziersystem und dem Dialysator liegenden Abschnitt der Zuleitung und einem zwischen dem Dialysator und dem Luftabscheider liegenden Abschnitt der Ableitung ange ordnet ist.

11. Dialysemaschine nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch ge kennzeichnet, dass es sich bei der Bilanzierungsvorrichtung um ein Bilanz kammersystem mit zwei Bilanzkammern handelt.

12. Dialysemaschine nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch ge kennzeichnet, dass es sich bei der Dialysemaschine um eine Dialysema schine zur Durchführung einer Hämodialysebehandlung handelt.

13. Verfahren zur Behandlung eines Dialysepatienten unter Verwendung einer Dialysemaschine nach einem der Ansprüche 1 bis 12, wobei eine erste Be handlungsperiode ohne Push- Pull- Betrieb und eine zweite Behandlungspe riode mit Push- Pull- Betrieb vorgesehen ist.

Description:
Dialysemaschine zur Durchführung einer Push-Pull-Dialysebehandlung

Die Erfindung betrifft eine Dialysemaschine zur Durchführung einer Push-Pull- Dialysebehandlung.

In der Hämodialyse bzw. Hämodiafiltration wird der Dialysator gegenläufig von Blut und Dialysierlösung durchströmt. Durch das Gegenstromprinzip ist der Blutdruck im Verhältnis zum Dialysierlösung bluteingangsseitig des Dialysators größer als blut ausgangsseitig des Dialysators. Bei typischer Verfahrensführung ist der Trans membrandruck daher im Bluteingangsbereich (dem proximalen Bereich) des Dialy sators positiv, was in diesem Bereich zu einem Netto-Flüssigkeitstransfer in Rich tung der Dialysatkammer des Dialysators und einer sogenannten Vorwärtsfiltration führt, und im Blutausgangsbereich (dem distalen Bereich) des Dialysators negativ, was in diesem Bereich zu einem Netto-Flüssigkeitstransfer in Richtung der Blut kammer des Dialysators und einer sogenannten Rückwärtsfiltration führt. Die Rückwärtsfiltration führt zwar zu einem Flüssigkeitsausgleich und kann zur Einstel lung des Flüssigkeitsverlusts genützt werden, verringert aber insgesamt den Wir kungsgrad der Dialyse. Eine Vorwärtsfiltration über die gesamte Länge des Dialysators kann durch ein Ab senken des Dialysierflüssigkeitsdrucks relativ zum Blutdruck ebenso erreicht wer den wie eine Rückwärtsfiltration über die gesamte Länge des Dialysators durch ein Anheben des Dialysierflüssigkeitsdrucks relativ zum Blutdruck. Sogenannte Push- Pull-Verfahren nützen diesen Umstand, um durch Druckvariation abwechselnd eine Vorwärts- und eine Rückwärtsfiltration über die gesamte Länge des Dialysators zu erreichen. Dies kann insgesamt zu einer Effizienzsteigerung bei der Entfernung von Urämietoxinen aus dem Blut führen. Einen Überblick über bekannte Möglichkeiten der Implementierung von Push-Pull-Verfahren gibt der Review-Artikel Kyongsoo Lee (2013) Engineering perspective on the evolution of push/pull-based dialysis treatments, Expert Review of Medical Devices, 10:5, 611-620.

Aufgabe der Erfindung ist es, ein Dialysegerät mit der Fähigkeit zur Durchführung einer Push-Pull-Dialysebehandlung bereitzustellen, das im Vergleich zu bekannten Lösungen vorteilhaft ist.

Vor diesem Hintergrund betrifft die Erfindung eine Dialysemaschine mit einem Flu idsystem, das eine Zuleitung zur Bereitstellung von frischer Dialysierlösung an ei nen Dialysator und eine Ableitung zur Entfernung von verbrauchter Dialysierlösung aus dem Dialysator aufweist, wobei das Fluidsystem ein zwischen Zu- und Ablei tung angeordnetes Bilanziersystem aufweist, um die durch die Leitungen fließen den Flüssigkeitsvolumina abzugleichen, und wobei das Fluidsystem eine zwischen dem Dialysator und dem Bilanziersystem von der Ableitung abzweigende Ultrafiltra tionsleitung mit einer Ultrafiltrationspumpe aufweist, um dem Abgleich ein definier tes Volumen an verbrauchter Dialysierlösung entziehen zu können.

Erfindungsgemäß ist eine zusätzliche Bilanzkammer vorgesehen, welche in einem zwischen dem Bilanziersystem und dem Dialysator liegenden Abschnitt der Zulei tung bzw. einem zwischen dem Dialysator und der Abzweigung der Ultrafiltrations leitung liegenden Abschnitt der Ableitung angeordnet ist. Die Bilanzkammer verbindet mit einer ihrer Kammern den zwischen dem Bilanzier system und dem Dialysator liegenden Abschnitt der Zuleitung mit dem zwischen dem Dialysator und der Abzweigung der Ultrafiltrationsleitung liegenden Abschnitt der Ableitung.

Die zusätzliche Bilanzkammer ist keine Bilanzkammer im eigentlichen Sinn, da sie keine Bilanzierfunktion erfüllt. Sie ist aber dem Aufbau nach eine Bilanzkammer, weshalb in der vorliegenden Beschreibung auf diesen Begriff zurückgegriffen wird. Die dialysatornah angeordnete, zusätzliche Bilanzkammer ermöglicht einen Push- Pull-Betrieb während der Dialysebehandlung, ohne dass zusätzliche bauliche Maß nahmen an der Dialysemaschine erforderlich sind.

Insbesondere kann vorgesehen sein, dass die zusätzliche Bilanzkammer ein vor zugsweise volumenstarres Behältnis aufweist, das anhand einer vorzugsweise elastischen Membran in zwei Kammern unterteilt ist, wobei an einer ersten der Kammern ein Anschluss zur Verbindung der ersten Kammer mit der Zuleitung und ein Anschluss zur Verbindung der ersten Kammer mit der Ableitung vorgesehen ist und wobei an beiden Anschlüssen ein Ventil zum Öffnen und Schließen des jewei ligen Anschlusses angeordnet ist.

Weiter vorzugsweise ist vorgesehen, dass an der anderen der Kammern, also der zweiten Kammer wenigstens ein Anschluss zur Verbindung der zweiten Kammer mit einer Flüssigkeitssteuerpumpe vor-gesehen ist, mit welcher der Druck in der zweiten Kammer erhöht oder erniedrigt werden kann, wobei der Anschluss vor zugsweise ein Ventil zu dessen Öffnen und Schließen aufweist. Die Flüssigkeits steuerpumpe kann dabei so ausgebildet sein, dass sie Flüssigkeiten in zwei Rich tungen fördern kann. Alternativ können an der zweiten Kammer zwei Anschlüsse zur Verbindung der zweiten Kammer mit jeweils einer Flüssigkeitssteuerpumpe vorgesehen sein, wobei anhand der Flüssigkeitssteuerpumpen der Druck in der zweiten Kammer erhöht oder erniedrigt werden kann. In diesem Fall ist eine der Flüssigkeitssteuerpumpen vorzugsweise so ausgebildet, dass sie Flüssigkeiten in die zweite Kammer fördern kann, und die andere der Flüssigkeitssteuerpumpen vorzugsweise so ausgebildet, dass sie Flüssigkeiten aus der zweiten Kammer zie hen kann.

Die mindestens eine Flüssigkeitssteuerpumpe ist dazu vorgesehen, Flüssigkeit in die zweite Kammer der zusätzlichen Bilanzkammer zu fördern bzw. Flüssigkeit aus dieser Kammer zu entfernen. Dabei wird die verwendete Flüssigkeit bevorzugt im Pendelbetrieb hin- und her bewegt. Sie dient somit zur Bewegung der Membran der zusätzlichen Bilanzkammer, so dass in der ersten Kammer Dialysierflüssigkeit im Push-Pull- Betrieb im Dialysator gefördert werden kann.

Es kann weiterhin vorgesehen sein, den Anschluss bzw. die Anschlüsse der zwei ten Kammer mit Ventilen zum Öffnen und Schließen des jeweiligen Anschlusses zu versehen. Dies ermöglicht ein besonders präzises Steuern des Push-Pull- Vorgan ges.

Bei den Ventilen kann es sich beispielsweise um elektrisch ansteuerbare 2/2-Wege Magnetventile handeln, anhand derer die Anschlüsse wahlweise vollständig geöff net oder geschlossen werden können.

Die Dialysemaschine weist in einer bevorzugten Ausführungsform eine Steuerein heit auf, die mit den Ventilen der zusätzlichen Bilanzkammer und der oder den Flüssigkeitssteuerpumpen in Signalverbindung steht und ausgebildet ist, die Ventile und Pumpen so anzusteuern, dass der Druck der Dialysierlösung im Dialysator durch abwechselnde Befüllung und Entleerung der einen Kammer der zusätzlichen Bilanzkammer mit Dialysierlösung aus Zu- und Ableitung periodisch angehoben und abgesenkt wird.

Insbesondere kann die Steuereinheit ausgebildet sein, in einer Behandlungsphase das die erste Kammer mit der Zuleitung verbindende Ventil zu öffnen, das die erste Kammer mit der Ableitung verbindende Ventil zu schließen und die Flüssigkeits- steuerpumpe(n) zur Druckerhöhung in der zweiten Kammer zu aktivieren, um den Eingangsdruck der Dialysierlösung am Dialysator zu erhöhen. Durch Erhöhung des Eingangsdrucks bei gleichbleibendem Ausgangsdruck wird der Fluiddruck der Dia- lysierlösung im Dialysator insgesamt erhöht, was den Anteil der Rückwärtsfiltration im Dialysator erhöht. Entsprechend kann die Steuereinheit insbesondere ausgebil det sein, in einer Behandlungsphase das die erste Kammer mit der Ableitung ver bindende Ventil zu öffnen, das die erste Kammer mit der Zuleitung verbindende Ventile zu schließen und die Flüssigkeitssteuerpumpe(n) zur Druckverringerung in der zweiten Kammer zu aktivieren, um den Ausgangsdruck der Dialysierlösung am Dialysator zu verringern. Durch Verringerung des Ausgangsdrucks bei gleichblei bendem Eingangsdruck wird der Fluiddruck der Dialysierlösung im Dialysator ins gesamt verringert, was den Anteil der Vorwärtsfiltration im Dialysator erhöht.

Die geschilderten Behandlungsphasen zur Erhöhung des Eingangsdrucks bzw. zur Verringerung des Ausgangsdrucks werden von der Steuereinheit vorzugsweise abwechselnd angewählt, wobei zwischen den Behandlungsphasen wahlweise ent weder eine Pause stattfinden oder der Übergang direkt sein kann.

In einer Ausführungsform weist das Fluidsystem einen zwischen dem Dialysator und dem Bilanziersystem in der Ableitung angeordneten Luftabscheider auf und die zusätzliche Bilanzkammer ist zwischen dem Bilanziersystem und dem Dialysator liegenden Abschnitt der Zuleitung und einem zwischen dem Dialysator und dem Luftabscheider liegenden Abschnitt der Ableitung angeordnet. Der Luftabscheider kann beispielsweise an oder im Bereich der Abzweigung der Ultrafiltrationsleitung an der Ableitung angeordnet sein.

Bei der Bilanzierungsvorrichtung der Dialysemaschine kann es sich um ein Bilanz kammersystem mit zwei Bilanzkammern handeln. Die Maschine bzw. genauer ge sagt deren Fluidsystem umfasst in dieser Ausführungsform also wenigstens drei Bilanzkammern, wovon zwei Bilanzkammern tatsächlich einen Teil eines Bilanzier systems darstellen, während die zusätzliche Bilanzkammer keine Bilanzierfunktion erfüllt, sondern einen Push-Pull-Betrieb ermöglicht. Die erfindungsgemäße Vorrichtung kann grundsätzlich zur Durchführung einer Hä modialysebehandlung oder eine Hämodiafiltrationsbehandlung ausgebildet sein, wobei das erfindungsgemäße Konzept aufgrund der erreichbaren Druckunterschie de insbesondere für eine Anwendung im Rahmen einer Hämodialysebehandlung geeignet ist. Es ermöglicht eine erhöhte Substituatzuführung über die Dialyse membran und eine erhöhte Entfernung von Urämtoxinden, ohne dass eine aufwän dige Bereitstellung einer Substituatleitung und Substituatherstellung wie bei der Hämodiafiltration notwendig wird. Es wird dadurch eine besonders hohe Entfernung von Urämtoxinen mit geringem Aufwand erzielt.

In einem weiteren Aspekt der Erfindung wird ein Verfahren zur Behandlung eines Dialysepatienten unter Verwendung einer erfindungsgemäßen Dialysemaschine vorgeschlagen, wobei eine erste Behandlungsperiode ohne Push-Pull- Betrieb und eine zweite Behandlungsperiode mit Push- Pull- Betrieb vorgesehen ist. In der ers ten Behandlungsperiode fällt im Dialysat noch eine große Menge Urämtoxine an, so dass die Effizienz der Push- Pull- Methode noch nicht optimal ist. Diese Periode kann 20 min. bis ca. 2,5 h betragen, bevorzugt ist eine Zeitspanne zwischen 30 min. und 1 h. Daran schließt sich eine zweite Behandlungsperiode mit Push- Pull- Betrieb an, so dass eine hocheffiziente Behandlung ermöglicht wird. Die Behand lungsqualität wird somit optimiert.

Zusammenfassend kann also festgehalten werden, dass erfindungsgemäß eine Vorrichtung zur Ermöglichung einer Push-Pull-Verfahrensführung in die Dialysema schine integriert wird, indem eine weitere Bilanzkammer nahe dem Dialysator an geordnet wird. Mit dieser kann dann Dialysierlösung hin und her befördert werden. Im Rahmen einer Push-Pull-Verfahrensführung an einer erfindungsgemäßen Vor richtung wird auch gebrauchte Dialysierlösung in den Dialysator zurückgeschoben. Ein Hauptvorteil gegenüber bekannten Vorrichtungen liegt insbesondere im einfa chen Aufbau. Es werden keine externen Vorrichtungen benötigt, die zusätzlich in die Maschine oder das Disposable integriert werden müssen. Zur Umsetzung des Erfindungsgedankens ist lediglich die maschinenseitige Anordnung einer weiteren Bilanzkammer erforderlich. Weitere Einzelheiten und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus dem nachfolgend anhand der Figuren dargestellten Ausführungsbeispiel. In den Figuren zeigen:

Figur 1 : eine schematische Darstellung des Fluidsystems einer erfin dungsgemäßen Dialysemaschine;

Figur 2: eine vergrößerte Darstellung des Bereichs rund um die zusätzli che Fluidkammer dieses Systems;

Figuren 3a-3f: Darstellungen der Konfiguration des in Figur 2 gezeigten Be reichs in unterschiedlichen Phasen der Behandlung; und

Figur 4: eine vergrößerte Darstellung des Bereichs rund um die zusätzli che Fluidkammer einer weiteren Ausführungsform einer erfin dungsgemäßen Dialysemaschine.

Figur 1 zeigt eine schematische Darstellung des Fluidsystems 100 einer erfin dungsgemäßen Dialysemaschine, das mit einem Dialysator 200 in Verbindung steht.

Das Fluidsystem 100 umfasst eine Zuleitung 110 zur Bereitstellung von frischer Dialysierlösung an den Dialysator 200 und eine Ableitung 120 zur Entfernung von verbrauchter Dialysierlösung aus dem Dialysator 200. Zwischen den Leitungen 110 und 120 ist ein Bilanzkammersystem 130 angeordnet und zwischen dem Dialysator 200 und diesem Bilanziersystem 130 zweigt von der Ableitung 120 eine Ultrafiltrati onsleitung 140 ab, in welcher eine Ultrafiltrationspumpe 141 angeordnet ist. Im Be reich der Abzweigung ist ein Luftabscheider 150 vorgesehen. Aufbau und Funktion der genannten Bestandteile sind bekannt und müssen nicht näher erläutert werden.

Erfindungsgemäß umfasst das Fluidsystem 100 eine zusätzliche Bilanzkammer 160, die einen zwischen dem Bilanziersystem 130 und dem Dialysator 200 liegen- den Abschnitt der Zuleitung 110 mit einem zwischen dem Dialysator 200 und der Abzweigung der Ultrafiltrationsleitung 140 liegenden Abschnitt der Ableitung 120 verbindet.

Der Bereich um diese zusätzliche Bilanzkammer 160 ist in Figur 2 vergrößert dar gestellt.

Die volumenstarre Bilanzkammer 160 ist anhand einer elastischen Membran 161 in zwei Kammern K1 und K2 unterteilt und hat vier Anschlüsse A1, A2, A3 und A4, an denen jeweils ein elektronisch ansteuerbares Magnetventil V1 , V2, V3 bzw. V4 zum Öffnen und Schließen des jeweiligen Anschlusses angeordnet ist, wobei die Mag netventile V1 und V4 als optional zu betrachten sind und auch weggelassen werden könnten.

Jedenfalls verbindet der zweite Anschluss A2 die Kammer K2 mit der Zuleitung 110 und der dritte Anschluss A3 die Kammer K2 mit der Ableitung 120.

Die Kammer K1 ist an den Anschlüssen A1 und A4 mit jeweils einer Flüssigkeitsre gelpumpe 170 bzw. 180 verbunden, die ihrerseits mit Reservoirs 171 bzw. 181 in Verbindung stehen. Anhand dieser Pumpen 170 und 180 kann der Flüssigkeits druck in der Kammer K1 variiert und somit letztlich ein Push-Pull-Betrieb realisiert werden, wie es im folgenden noch näher erklärt werden wird.

Der Ablauf einer Push-Pull-Dialysebehandlung an einer derart aufgebauten Dialy semaschine lässt sich anhand der Figuren 3a-3f nachvollziehen.

Figur 3a zeigt eine mögliche Ausgangsstellung, in welcher alle Ventile V1-V4 ge schlossen sind, in welcher beide Kammern K1 und K2 mit Dialysierlösung bzw. Flüssigkeit gefüllt sind und in welcher die Membran 161 sich in einer Ausgangsstel lung befindet. Werden, wie in Figur 3b gezeigt, die Ventile V1 und V2 geöffnet, so kann die Membran 161 bei entsprechendem Druckaufbau durch die Pumpe 170 durch den im Verhältnis zum Druck in der Kammer K2 höheren Druck in der Kammer K1 in die Kammer K2 gedrückt. Dabei wird Dialysierlösung aus der Kammer K2 in Richtung der Zuleitung 110 verdrängt und der Dialysatfluss erhöht. Somit wird in dieser Konstellation auch der Anteil der Rückwärtsfiltration im Dialysator 200 gegenüber der Ausgangsstellung erhöht, da der Eingangsdruck und somit auch insgesamt der Druck der Dialysierlösung am Dialysator 200 erhöht ist.

Ist die Membran 161 so weit in die Kammer K2 gedrückt, dass die Kammer K1 im Wesentlichen das gesamte Volumen der Bilanzkammer 160 ausfüllt, sinkt der Druck am Abzweigungspunkt des Anschlusses A2 wieder auf den nominellen Druck und der zusätzliche Dialysatfluss zum Dialysator 200 stoppt. Dies ist in Figur 3c gezeigt.

Werden nun, wie in Figur 3d gezeigt, die Ventile V1 und V2 geschlossen und statt- dessen die Ventile V3 und V4 geöffnet, so wird die Membran 161 bei entsprechen dem Saugbetrieb der Pumpe 180 durch den im Verhältnis zum Druck in der Kam mer K1 höheren Druck in der Kammer K2 in die Kammer K1 zurück gedrückt. Da bei wird die Kammer K2 mit gebrauchter Dialysierlösung gefüllt, während die Flüs sigkeit aus der Kammer K1 in Richtung des Vorratsbehälters 181 verdrängt wird. Somit wird in dieser Konstellation der Anteil der Vorwärtsfiltration im Dialysator 200 gegenüber der Ausgangsstellung erhöht, da der Ausgangsdruck und somit auch insgesamt der Druck der Dialysierlösung am Dialysator 200 verringert ist.

Ist die Membran 161 so weit in die Kammer K1 gedrückt, dass die Kammer K2 im Wesentlichen das gesamte Volumen der Bilanzkammer 160 ausfüllt, steigt der Druck am Abzweigungspunkt des Anschlusses A3 wieder auf den nominellen Druck und der zusätzliche Dialysatfluss vom Dialysator 200 weg stoppt. Dies ist in Figur 3e gezeigt. Werden letztlich die Ventile V3 und V4 wieder geschlossen und stattdessen die Ventile V1 und V2 wieder geöffnet und die Pumpe 170 wieder betrieben, wie in Fi gur 3f gezeigt, so wird die Membran 161 wieder in die Kammer K2 gedrückt.

Dabei wird die gebrauchte Dialysierlösung aus der Kammer K2 in Richtung der Zu leitung 110 verdrängt, womit die erfindungsgemäße Verfahrensführung nicht nur einen Push-Pull-Effekt erreicht, sondern auch dazu führt, dass ein Teil der ver brauchten Dialysierlösung wiederverwendet wird.

Dieser Effekt zeigt insbesondere am Ende einer Dialysebehandlung Vorteile, da zu diesem Zeitpunkt nur eine geringe Belastung des gebrauchten Dialysates mit Ur- ämtoxinen vorliegt. Dementsprechend ist es bevorzugt, dass eine erste Behand lungsperiode ohne Push- Pull- Betrieb und eine zweite Behandlungsperiode mit Push- Pull- Betrieb vorgesehen ist.

Eine Variante der in Figuren 1-3 dargestellten Ausführungsform ist in Figur 4 dar gestellt. In dieser Variante fehlt es an dem Anschluss A4, der Ventil V4, der Pumpe 180 und dem Reservoir 181. Stattdessen ist die Pumpe 170 als bidirektionale Pum pe ausgebildet, mit welcher der Druck in der Kammer K1 erhöht und erniedrigt wer den soll. Jede oben für die Ausführungsvariante gemäß Figuren 1-3 beschriebene Öffnung des Ventils V4 bei Betrieb der Pumpe 180 wird in dieser Ausführungsvari ante also jeweils durch eine Öffnung des Ventils V1 und einen Saugbetrieb der Pumpe 170 ersetzt.