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Patent Searching and Data


Title:
METHOD FOR CONTROLLING AN ORTHOTIC OR PROSTHETIC DEVICE AND ORTHOTIC OR PROSTHETIC DEVICE
Document Type and Number:
WIPO Patent Application WO/2020/148373
Kind Code:
A1
Abstract:
The invention relates to a method for controlling an orthotic or prosthetic device (10) and a device (10) of this type, which can be placed on the body of a user and secured thereon, comprising: a. a joint device (20) having a proximal component (21) and a distal component (22), which are pivotally mounted on one another about a pivot axis (25); b. at least one adjustable actuator (30) which is arranged between the proximal component (21) and the distal component (22) and via which a movement behaviour relating to a pivoting of the proximal component (21) relative to the distal component (22) can be adjusted; c. at least one detection device (60) for detecting muscle contractions; and d. a control device (50) which is coupled to the detection device (60) and to the actuator (30), processes (electrical) signals from the detection unit (60), and adjusts the actuator (30) according to the signals, wherein the detection device (60) is designed for detecting muscle contractions and is arranged on a limb of the user and coupled to the control device (50), and at least one muscle contraction is detected by the detection device (60), and the movement behaviour is changed by the actuator (30) according to the detected muscle contraction.

Inventors:
SEIFERT DIRK (AT)
MEJIA NINO JUAN-PABLO (AT)
Application Number:
PCT/EP2020/051003
Publication Date:
July 23, 2020
Filing Date:
January 16, 2020
Export Citation:
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Assignee:
BOCK OTTO HEALTHCARE PROD GMBH (AT)
International Classes:
A61F2/60; A61F2/64; A61F2/68; A61F2/72
Foreign References:
DE19521464A11997-03-20
DE102015001967A12016-08-25
DE102017119490B32018-11-15
DE102008008284A12009-08-13
DE102009052887A12011-05-19
Attorney, Agent or Firm:
GRAMM, LINS & PARTNER PATENT- UND RECHTSANWÄLTE PARTGMBB (DE)
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Claims:
Patentansprüche

1. Verfahren zur Steuerung einer orthetischen oder prothetischen Einrichtung (10), die an einem Körper eines Anwenders anlegbar und daran festlegbar ist, mit a. einer Gelenkeinrichtung (20) mit einer proximalen Komponente (21 ) und einer distalen Komponente (22), die um eine Schwenkachse (25) schwenk bar aneinander gelagert sind,

b. zumindest einem verstellbaren Aktuator (30), der zwischen der proximalen Komponente (21 ) und der distalen Komponente (22) angeordnet ist und über den ein Bewegungsverhalten bezüglich einer Verschwenkung der proximalen Komponente (21 ) relativ zu der distalen Komponenten (22) ein stellbar ist,

c. zumindest einer Erfassungseinrichtung (60) zur Erfassung von Muskelkon traktionen sowie

d. einer Steuerungseinrichtung (50), die mit der Erfassungseinrichtung (60) und dem Aktuator (30) gekoppelt ist, (elektrische) Signale von der Erfas sungseinrichtung (60) verarbeitet und in Abhängigkeit von den Signalen den Aktuator (30) verstellt,

dadurch gekennzeichnet, dass

die Erfassungseinrichtung (60) zur Erfassung von Muskelkokontraktionen ein gerichtet ist und an einer Gliedmaße des Anwenders angeordnet und mit der Steuerungseinrichtung (50) gekoppelt wird, dass zumindest eine Muskelkokon traktion von der Erfassungseinrichtung (60) detektiert wird und dass das Bewe gungsverhalten durch den Aktuator (30) in Abhängigkeit von der detektierten Muskelkokontraktion verändert wird.

2. Verfahren nach Anspruch 1 , dadurch gekennzeichnet, dass die Dauer und/oder Intensität der Muskelkokontraktion erfasst und in Abhängigkeit von der Dauer und/oder Intensität der Muskelkokontraktion das Bewegungsverhalten verändert wird.

3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass der Aktuator (30) einen Bewegungswiderstand gegen eine Verschwenkung bereitstellt und der Bewegungswiderstand bei Detektion einer Muskelkokontraktion vergrößert wird. 4. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeich net, dass bei zunehmender Kokontraktionsintensität und/oder Kokontraktions dauer der Bewegungswiderstand zunehmend vergrößert und/oder bei einer ab nehmenden Kokontraktionsintensität und/oder Kokontraktionsdauer und/oder am Ende einer Kokontraktion und/oder bei Detektion einer anderen Kokontrak tion und/oder durch einen aktiven Auslöser und/oder einen Sprachbefehl verrin gert wird.

5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass der Bewegungswi derstand schneller erhöht als verringert wird.

6. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeich net, dass die Veränderung des Bewegungsverhaltens einem voreingestellten Steuerungsprogramm überlagert wird.

7. Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Veränderung die Größe der Bewegungsbeeinflussung und/oder die Dauer der Bewegungsbe einflussung beeinflusst.

8. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeich net, dass die Muskelkontraktionen von der Erfassungseinrichtung (60) als myo- elektrische Signale, Drucksignale, induktiv erzeugte Signale und/oder opto elektronisch erzeugte Signale der Steuerungseinrichtung (50) übermittelt wer den.

9. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeich net, dass zumindest ein Sensor (40) Kräfte, Winkel, Positionen, Beschleunigun gen und/oder Momente an der orthetischen oder prothetischen Einrichtung (10) erfasst, Sensorsignale an die Steuerungseinrichtung (50) übermittelt und das Bewegungsverhalten aufgrund der Sensorsignale verändert wird.

10. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeich net, dass die von der Erfassungseinrichtung (60) detektierten Rohsignale in ei ner Pre-Processing-Einheit (70) aufbereitet und in aufbereiteter Form an die Steuerungseinrichtung (50) übermittelt werden.

11. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeich net, dass die erfassten Muskelkokontraktionen auf Plausibilität überprüft und Veränderungen des Bewegungsverhaltens bei nicht vorhandener Plausibilität abgelehnt oder rückgängig gemacht werden.

12. Orthetische oder prothetische Einrichtung (10), die an einem Körper eines An wenders anlegbar und daran festlegbar ist, mit

a. einer Gelenkeinrichtung (20) mit einer proximalen Komponente (21 ) und einer distalen Komponente (22), die um eine Schwenkachse (25) schwenk bar aneinander gelagert sind,

b. zumindest einer verstellbaren Aktuator (30), der zwischen der proximalen Komponente (21 ) und der distalen Komponente (22) angeordnet ist und über den ein Bewegungsverhalten bezüglich einer Verschwenkung der proximalen Komponente (21 ) relativ zu der distalen Komponenten (22) ein stellbar ist,

c. zumindest einer Erfassungseinrichtung (60) zur Erfassung von Muskelkon traktionen sowie

d. einer Steuerungseinrichtung (50), die mit der Erfassungseinrichtung (60) und dem Aktuator (30) gekoppelt ist, Signale von der Erfassungseinrich tung (60) verarbeitet und in Abhängigkeit von den Signalen den Aktuator (30) verstellt,

dadurch gekennzeichnet, dass die Erfassungseinrichtung (60) zur Erfas sung von Muskelkokontraktionen und die Steuerungseinrichtung (50) zur Durchführung des Verfahrens nach einem der voranstehenden Ansprüche eingerichtet ist.

13. Orthetische oder prothetische Einrichtung nach Anspruch 12, dadurch gekenn zeichnet, dass die Erfassungseinrichtung (60) als Oberflächenelektrodenanord nung, als Implantat, als Drucksensoreinrichtung, als optische Sensoreinrichtung und/oder als induktiv arbeitende Sensoreinrichtung ausgebildet ist.

14. Orthetische oder prothetische Einrichtung nach Anspruch 12 oder 13, dadurch gekennzeichnet, dass die Erfassungseinrichtung (60) in der proximalen und/o der distalen Komponente (21 , 22) integriert ist.

15. Orthetische oder prothetische Einrichtung nach einem der Ansprüche 12 bis 14, dadurch gekennzeichnet, dass zumindest ein Sensor (40) zur Erfassung von Kräften, Winkeln, Positionen, Beschleunigungen und/oder Momenten, der an der orthetischen oder prothetischen Einrichtung (10) angeordnet und mit der Steuerungseinrichtung (50) gekoppelt ist.

16. Orthetische oder prothetische Einrichtung nach einem der Ansprüche 12 bis 15, dadurch gekennzeichnet, dass die Erfassungseinrichtung (60) mit einer Pre- Processing-Einheit (70) gekoppelt ist.

17. Orthetische oder prothetische Einrichtung nach Anspruch 16, dadurch gekenn zeichnet, dass die Erfassungseinrichtung (60) und die Pre-Processing-Einheit (70) als gemeinsames Modul ausgebildet sind.

18. Orthetische oder prothetische Einrichtung nach Anspruch 16 oder 17, dadurch gekennzeichnet, dass die Erfassungseinrichtung (60) und/oder die Pre-Proces- sing-Einheit (70) abschaltbar und/oder plug-and-play-fähig ausgebildet sind.

19. Orthetische oder prothetische Einrichtung nach einem der Ansprüche 12 bis 18, dadurch gekennzeichnet, dass der Aktuator (30) als Widerstandseinrichtung o- der Antrieb ausgebildet ist.

Description:
Verfahren zur Steuerung einer orthetischen oder prothetischen Einrichtung und orthetische oder prothetische Einrichtung

Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Steuerung einer orthetischen oder protheti schen Einrichtung, die an einem Körper eines Anwenders anlegbar und daran befes tigbar ist, mit einer Gelenkeinrichtung mit einer proximalen Komponente und einer distalen Komponente, die um eine Schwenkachse schwenkbar aneinander gelagert sind, zumindest einem verstellbaren Aktuator, der zwischen der proximalen Kompo nente und der distalen Komponente angeordnet ist und über die ein Bewegungswi derstand gegen eine Verschwenkung der proximalen Komponente relativ zu der dis talen Komponente einstellbar ist, zumindest einer Erfassungseinrichtung zur Erfas sung von Muskelkontraktionen sowie einer Steuerungseinrichtung, die mit der Erfas sungseinrichtung und dem Aktuator gekoppelt ist, Signale von der Erfassungseinrich tung verarbeitet und in Abhängigkeit von den Signalen den Aktuator verstellt. Die Er findung betrifft ebenso eine solche orthetische oder prothetische Einrichtung oder eine solche Orthese oder Prothese.

Prothetische Einrichtungen oder Orthesen haben die Aufgabe, die Bewegung einer vorhandenen Gliedmaße zu führen oder zu unterstützen, bzw. eine Gliedmaße abzu stützen und zu unterstützen. Exoskelette sind ebenfalls orthetische Einrichtungen. Orthetische Einrichtungen für die untere Extremität sind in unterschiedlichen Ausfüh rungsformen bekannt, sogenannte KAFO (knee ankle foot orthosis) stützen sowohl den Fuß als auch das Knöchelgelenk und das Kniegelenk ab. Der Fuß wird in der Regel auf einer Fußplatte aufgesetzt, eine oder mehrere Unterschenkelschienen er strecken sich parallel zu dem Unterschenkel und ein Orthesenkniegelenk ist unge fähr im Bereich der natürlichen Knieachse vorgesehen. An einer oder mehreren Oberschenkelschienen sind Befestigungseinrichtungen zum Festlegen der Orthese an dem Oberschenkel angebracht. Ebenso können Befestigungseinrichtungen an dem Unterschenkel oder der Fußplatte vorgesehen sein, um die Orthese an dem je weils zu versorgenden Bein festlegen zu können. Bezüglich des Orthesenkniegelen- kes ist die Oberschenkelschiene eine proximale Komponente und die Unterschenkel schiene eine distale Komponente, bezüglich eines Orthesenknöchelgelenkes ist das Fußteil die distale Komponente und die Unterschenkelschiene oder die Unterschen kelschienen die proximale Komponente. Zwischen den jeweiligen Komponenten kön nen Dämpfer oder Antriebe als Aktuatoren angeordnet sein, um Bewegungsabläufe zu beeinflussen und Bewegungswiderstände zu verändern. Es kann entweder ein er höhter Bewegungswiderstand zum Dämpfen einer Bewegung oder ein verringerter Bewegungswiderstand durch Verringerung einer Dämpfung oder Unterstützung mit tels eines oder mehrerer motorischer oder kraftspeichergetriebener Antriebe bereit gestellt werden. Entsprechendes gilt auch für orthetische Einrichtungen wie Orthesen und Exoskelette für die obere Extremität.

Prothesen ersetzen eine nicht vorhandene Gliedmaße und können ein künstliches Gelenk aufweisen. Prothesen der unteren Extremität können beispielsweise ein Pro thesenkniegelenk aufweisen, das über ein Unterschenkelrohr als Unterschenkelteil mit einem Prothesenfuß als Fußteil verbunden ist. Zwischen dem Prothesenfuß und dem Unterschenkelrohr kann ein Prothesenknöchelgelenk ausgebildet sein. Das Pro thesenkniegelenk weist in der Regel ein Oberteil und ein Unterteil auf, die entweder über eine monozentrische oder polyzentrische Gelenkeinrichtung schwenkbar anei nander gelagert sind, so dass das Oberteil relativ zu dem Unterteil um eine

Schwenkachse verschwenkbar ist. An dem Oberteil ist zumindest eine Befestigungs einrichtung angeordnet, um die Prothese der unteren Extremität an einem Anwender festlegen zu können, beispielsweise für einen Oberschenkelschaft oder in Gestalt ei nes Oberschenkelschaftes. Bezüglich des Prothesenknöchelgelenkes ist das Unter schenkelrohr das Oberteil und der Prothesenfuß das Unterteil. Zwischen dem jeweili gen Oberteil und dem Unterteil oder der proximalen Komponente und der distalen Komponente kann jeweils ein Aktuator angeordnet sein, um den jeweiligen Bewe gungswiderstand hinsichtlich einer Flexion und/oder Extension zu verändern. Wie im Zusammenhang mit einer Orthese ausgeführt, kann der Bewegungswiderstand über den Aktuator vergrößert oder verringert werden, beispielsweise über passive, ver stellbare Dämpfer oder Antriebe wie Elektromotoren oder kraftspeichergetriebene Antriebe. Neben Prothesen für untere Extremitäten sind entsprechende Prothesen auch für die oberen Extremitäten bekannt. Die oben beschriebenen Merkmale einer Orthese, Prothesen oder Exoskelettes können auch an die erfindungsgemäßen or- thetischen und prothetischen Einrichtungen vorhanden sein.

Aus der DE 10 2008 008 284 A 1 ist ein orthopädietechnisches Kniegelenk mit einem Oberteil und einem verschwenkbar daran angeordneten Unterteil bekannt, dem meh- rere Sensoren zugeordnet sind, beispielsweise ein Beugewinkelsensor, ein Be schleunigungssensor, ein Neigungssensor und/oder ein Kraftsensor. In Abhängigkeit von den Sensordaten wird die Position eines Extensionsanschlages ermittelt und ent sprechend eingestellt.

Aus der DE 10 2009 052 887 A1 ist ein Verfahren zur Steuerung eines orthetischen oder prothetischen Gelenkes mit einer Widerstandseinrichtung und Sensoren be kannt, wobei über die Sensoren während der Benutzung des Gelenkes Zustandsin formationen bereitgestellt werden. Die Sensoren erfassen Momente oder Kräfte, wo bei die Sensordaten von zumindest zwei der ermittelten Größen durch eine mathe matische Operation miteinander verknüpft werden und dadurch eine Hilfsvariable er rechnet wird, die der Steuerung des Beugewiderstandes und/oder des Streckwider standes zugrunde gelegt wird.

Darüber hinaus ist aus dem Stand der Technik bekannt, über Elektroden Muskelkon traktionen eines Anwenders zu erfassen, beispielsweise über Oberflächenelektroden oder über implantierte Elektroden, um auf der Grundlage von erfassten Muskelkon traktionen Steuerungsbefehle zu generieren, z.B. um Antriebe zu aktivieren oder zu deaktivieren. Solche auf myoelektrischen Signalen basierende Steuerungen werden insbesondere bei Prothesen der oberen Extremität eingesetzt, um komplexe Bewe gungen der Prothesenhand zu steuern.

Orthetische oder prothetische Einrichtungen der unteren Extremität werden überwie gend über die Bewegungen und Belastungen des Körpers bzw. der orthetischen oder prothetischen Einrichtung beeinflusst, die auftretenden Beschleunigungen oder Kräfte oder Zustände werden von Sensoren erfasst und den Sensorsignalen basie rend wird ein bestimmtes Dämpfungsverhalten eingestellt. Eine willentliche Beein flussung ist nur über eine Veränderung der Bewegungen oder Systembelastungen möglich. Bei aktiven, angetriebenen orthetischen oder prothetischen Einrichtungen ist es bekannt, über eine proportionale Zuordnung von Muskelaktivität zum Antrieb eine Verlagerung von Komponenten zueinander zu bewirken, beispielsweise eine Hand zu öffnen oder zu schließen oder über eine Mustererkennung bestimmte Pro gramme anzusteuern. Kontraktionssignale werden erfasst, um zwischen verschiede nen Betriebsmodi hin- und herzuschalten. Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, für Anwender eine orthetische oder pa thetische Einrichtung und ein Verfahren zu deren Steuerung bereitzustellen, die eine erhöhte Sicherheit für den Nutzer bereitstellen, bei einer gleichzeitig einfachen Imple mentierung mit einem möglichst geringen Kostenaufwand.

Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe durch ein Verfahren und eine orthetische oder prothetische Einrichtung mit den Merkmalen der unabhängigen Ansprüche gelöst, vorteilhafte Ausgestaltungen und Weiterbildungen der Erfindung sind in den Unteran sprüchen, der Beschreibung sowie den Figuren offenbart.

Das Verfahren zur Steuerung einer orthetischen oder prothetischen Einrichtung, die an einem Körper eines Anwenders anlegbar und daran festlegbar ist, mit einer Ge lenkeinrichtung mit einer proximalen Komponente und einer distalen Komponente, die um eine Schwenkachse schwenkbar aneinander gelagert sind, zumindest einen verstellbaren Aktuator, der zwischen der proximalen Komponente und der distalen Komponente angeordnet ist und über die ein Bewegungswiderstand gegen eine Ver schwenkung der proximalen Komponente relativ zu der distalen Komponente ein stellbar ist, zumindest einer Erfassungseinrichtung zur Erfassung von Muskelkontrak tionen sowie einer Steuerungseinrichtung, die mit der Erfassungseinrichtung und dem Aktuator gekoppelt ist, Signale von der Erfassungseinrichtung verarbeitet und in Abhängigkeit von den Signalen den Aktuator verstellt, sieht vor, dass die Erfassungs einrichtung zur Erfassung von Muskelkokontraktionen eingerichtet ist und an einer Gliedmaße des Anwenders angeordnet und mit der Steuerungseinrichtung gekoppelt wird, dass zumindest eine Muskelkokontraktion von der Erfassungseinrichtung detek- tiert wird und dass der Bewegungswiderstand des Aktuators in Abhängigkeit von der detektierten Muskelkokontraktion verändert wird. Eine Muskelkokontraktion ist das Anspannen von Agonisten und Antagonisten zur Gelenkstabilisierung oder das gleichzeitige Anspannen zweier entgegengesetzt wirkender Muskeln oder Muskel gruppen. Eine Muskelkokontraktion liegt beispielsweise vor, wenn der Armbizeps und der Trizeps gleichzeitig angespannt werden, ohne dass sich der Unterarm relativ zu dem Oberarm bewegt oder aber je nach Kontraktionsniveau langsamer als ohne An spannung des Antagonisten bewegt. Entsprechendes gilt für die den Unterschenkel streckende und beugende Muskulatur. Werden einander entgegengesetzt wirkende Muskeln oder Muskelgruppen gleichzeitig angespannt, spricht man von Muskelko kontraktionen. Muskelkokontraktionen werden dazu eingesetzt, um Gelenke oder Gliedmaße zu stabilisieren, um bei einer Ausführung von Bewegungen ein Höchst maß von Kontrolle zu haben oder um Bewegungen abzustoppen. Muskelkokontrakti onen erfolgen bewusst oder unbewusst. Eine unbewusste Kokontraktion tritt bei spielsweise als Reflex bei plötzlichen Störungen, wie auftretender Glätte, rutschigem Boden, Schrecksituationen wie Explosionen, Unfällen oder ähnlichem oder aber auch zur Vorbereitung auf möglicherweise gefährliche Situationen auf, wie das Entlangge hen an einem Abgrund oder über eine Brücke. Über eine Muskelkokontraktion wird die Grundspannung in dem muskulären System erhöht. Wird über die Erfassungsein richtung eine entsprechende Muskelkokontraktion erfasst oder detektiert, werden also beispielsweise das gleichzeitige Anspannen von Armbizeps und Armtrizeps oder beispielsweise des musculus biceps femoris und des musculus quadriceps femoris von der Erfassungseinrichtung erfasst, werden von der Erfassungseinrichtung ent sprechende Signale an die Steuerungseinrichtung übermittelt, die dann in Abhängig keit von den detektieren Muskelkokontraktionen den Bewegungswiderstand des Ak tuators verändert. Die Veränderung des Bewegungswiderstandes kann beispiels weise durch das Verstellen von Ventilen in einem Hydraulikdämpfer oder einem Pneumatikdämpfer erfolgen. Ebenso können Bremsen gelöst oder aktiviert werden oder andere Widerstände vergrößert oder verringert werden, beispielsweise über elektrische Antriebe die zugeschaltet oder gesperrt oder in einer Verlagerung der proximalen Komponente relativ zu der distalen Komponente entgegenwirkt. Bevor zugt bleibt die Grundeinstellung des Aktuators unverändert, das heißt, dass die ein mal eingestellte Widerstandskurve oder ein Widerstandsverlauf über eine bestimmte Bewegung oder eine bestimmte Belastung beibehalten wird, also dass grundsätzli che Widerstandsverhalten über die Bewegung unverändert bleibt. Bei ausgewählten Muskeln, insbesondere bei Muskeln, die für die Ausführung der jeweiligen Bewegung zuständig sind oder zuständig wären, wenn die Gliedmaße noch vorhanden wäre, wird die Muskelaktivität über die Erfassungseinrichtung erfasst. Wird dann eine will kürliche oder unwillkürliche Muskelkokontraktion detektiert, wird auf eine Sondersitu ation geschlossen, die eine Veränderung des Bewegungswiderstandes erforderlich macht. Anders als bei Prothesensteuerungen der oberen Extremität werden Muskel kokontraktionen nicht zum Umschalten und zum Einschalten eines neuen Betriebs modus eingestellt, beispielsweise um von dem Betriebsmodus des Handöffnens auf den Betriebsmodus des Handschließens umzuschalten, vielmehr werden die glei chen Bewegungen weiterhin zugelassen, jedoch auf einem anderen Widerstandsni veau oder der Widerstand wird soweit erhöht, dass eine Weiterbewegung des Gelen kes bei üblichen Belastungsszenarien nicht mehr möglich ist. Es handelt sich somit um eine Variation eines originären Steuerungsverhaltens, basierend auf der erfass ten Kokontraktion.

In einer Ausführungsform der Erfindung werden die Dauer und/oder die Intensität der Muskelkokontraktion oder der Muskelkokontraktionen erfasst und in Abhängigkeit von der Dauer und/oder der Intensität der Muskelkokontraktion oder Muskelkokon traktionen wird der Bewegungswiderstand verändert. Beispielsweise wird bei einer länger andauernden Muskelkokontraktion der Bewegungswiderstand über einen län geren Zeitraum verändert. Ebenso kann bei einer hohen Muskelkokontraktionsinten sität eine Vergrößerung der Veränderungsamplitude verglichen mit einer geringeren Muskelkokontraktionsintensität ausgeführt werden, um den Bewegungswiderstand angepasst zu verändern. Beispielsweise kann der Bewegungswiderstand bei der De tektion einer Muskelkokontraktion vergrößert werden, was dem Effekt der Muskelko kontraktion bei einer gesunden Gliedmaße entspricht. Bemerkt beispielsweise der Nutzer der orthetischen oder prothetischen Einrichtung vor sich eine Veränderung der Beschaffenheit des Untergrundes, beispielsweise eine feuchte Stelle auf einem glatten Boden, wird durch die Muskelkokontraktion der Bewegungswiderstand bei spielsweise in einem Prothesenkniegelenk oder Orthesenkniegelenk vergrößert, wodurch der Anwender ein erhöhtes Sicherheitsgefühl erhält, da die Gelenkeinrich tung besser von der übrigen Muskulatur kontrolliert und orientiert werden kann. Bei einer Prothese erfolgt die Kontrolle dann über den Oberschenkelstumpf. Bei aktiven orthetischen oder prothetischen Einrichtungen, also Einrichtungen mit motorischen oder anderweitigen Antrieben, können die eine Bewegung unterstützenden Kräfte verringert, Widerstände in den Antrieben vergrößert oder Antriebe gegenläufig akti viert werden, um ein Verschwenken der distalen und proximalen Komponenten zuei nander zu verhindern oder zu behindern.

Bei zunehmender Muskelkokontraktionsintensität und/oder Muskelkokontraktions dauer kann der Bewegungswiderstand zunehmend vergrößert werden, so dass durch die Erfassung des zeitlichen Verlaufes der Muskelkokontraktionsintensität und/oder Muskelkokontraktionsdauer eine proportionale Veränderung des Bewe gungswiderstandes erfolgen kann. Steigert sich die Intensität über einen Kokontrakti onszeitraum, wird die Veränderung vergrößert. Ebenso ist es möglich, dass unab hängig von der Intensität der Kokontraktion der Bewegungswiderstand bei Vorliegen einer Kokontraktion solange vergrößert wird, wie die Kontraktion andauert, also dass bei einer längeren Kokontraktionsdauer eine größere Veränderung als bei einer kur zen Kokontraktionsdauer ausgeführt wird. Alternativ oder ergänzend kann am Ende einer Kokontraktion und/oder bei Detektion einer anderen Kokontraktion und/oder durch einen aktiven Auslöser und/oder einen Sprachbefehl der Widerstand verringert werden. Alle Veränderungsmethoden können alleine oder auch gemeinsam oder in einer beliebigen Kombination angewendet werden.

Eine Weiterbildung der Erfindung sieht vor, dass der Widerstand zunächst sehr schnell erhöht wird, also dass ein steiler Anstieg der Widerstandskraft erfolgt, wobei die Verringerung des Widerstandes langsam, zumindest langsamer als der Anstieg erfolgt, also der Abfall der Widerstandskraft weniger steil ausgeführt wird.

Die Veränderung des Bewegungswiderstandes kann einem voreingestellten Steue rungsprogramm überlagert werden. Moderne Orthesen oder Prothesen weisen häu fig Aktuatoren auf, die sensorgesteuert verschiedene Bewegungswiderstände bereit stellen, so dass beispielsweise in einem Gangzyklus unterschiedliche Flexions- und Extensionswiderstände in den jeweiligen Gangphasen eingestellt werden. Durch La gesensoren, Kraftsensoren, Momentensensoren, Winkelsensoren und Beschleuni gungssensoren sowie anderer Sensoren ist es möglich, den gegenwärtigen Zustand der Prothese, Orthese oder eines Exoskelettes zu erfassen und ein an den Zustand oder das Bewegungsverhalten angepasstes Widerstandsverhalten bereitzustellen. Dieses Steuerprogramm kann auch bei der Detektion einer Muskelkokontraktion grundsätzlich beibehalten werden, das heißt, dass das bereits bestehende Dämp fungskonzept oder Antriebskonzept basierend auf den entsprechenden Sensoren grundsätzlich unverändert bleiben kann. Lediglich das Widerstandsniveau oder die Dauer unterschiedlicher Widerstände werden für die Dauer der Muskelkokontraktion beeinflusst. Die Verläufe der Widerstände über die Zeit bei dem normalen Steue rungsprogramm können in der Amplitude und/oder über das zeitliche Ausmaß durch die Veränderung des Bewegungswiderstandes durch die detektierte Muskelkokon traktion verändert werden. Dadurch werden insgesamt die Stabilität der jeweiligen Gelenkeinrichtung und damit auch die Stabilität der orthetischen oder prothetischen Einrichtung vergrößert. Bei Wegfall der Muskelkokontraktion wird wieder das vorein gestellte Standardprogramm aktiviert.

Grundsätzlich ist es auch möglich, dass die Veränderung des Bewegungswiderstan des auch bei Aktuatoren angewendet wird, die nicht über ein anderweitig sensorge steuertes Steuerungsverfahren verfügen, sondern beispielsweise fest eingestellt an dem jeweiligen Anwender ein bestimmtes Dämpfungsverhalten oder Bewegungswi derstandsverhalten aufweisen.

Die Veränderung des Bewegungswiderstandes kann die Größe des Bewegungswi derstandes, also die Amplitude des Bewegungswiderstandes, und/oder die Dauer des Bewegungswiderstandes, also den zeitlichen Verlauf über den Bewegungszyk lus, beeinflussen.

Die Muskelkontraktionen und damit auch die Muskelkokontraktionen werden von der Erfassungseinrichtung in einem Ausführungsbeispiel als myoelektrische Signale, Drucksignale, induktiv erzeugte Signale und/oder opto-elektronisch erzeugte Signale erfasst und der Steuerungseinrichtung übermittelt. Die Steuerungseinrichtung ist als eine Datenverarbeitungseinrichtung ausgebildet und weist einen Prozessor oder ei nen Computer auf, der elektrische Signale verarbeitet. Die Signale werden von Sen soren oder Detektoren erzeugt, die unterschiedliche physikalische, chemische oder biologische Effekte ausnutzen. Die Erfassungseinrichtung kann beispielsweise Ober flächenelektroden zur Erfassung myoelektrischer Signale aufweisen. Myoelektrische Signale entstehen bei der Kontraktion von Muskeln. Der Vorteil von Oberflä chenelektroden ist die leichte Handhabbarkeit, das reversible Anlegen, die Anpass- barkeit an den jeweiligen Anwender sowie der non-invasive Charakter. Oberflä chenelektroden können jedoch verrutschen und müssen in der Regel präzise ange ordnet werden, um eine ausreichende Signalqualität bereitzustellen. Weiterhin ist es möglich, über Implantate in dem Muskel elektrische Potentiale abzugreifen und diese über Schnittstellen oder drahtlos an Empfänger zu übermitteln, die dann die Signale in elektrischer Form an die Steuerungseinrichtung übermittelt. Ebenfalls ist es mög lich, Drucksensoren an oder in den jeweiligen Muskeln zu positionieren. Durch die Muskelkontraktionen verändert sich die Form des Muskels, was wiederum zu Verän derungen des Druckes beispielsweise an einer Manschette, Spange oder einem Auf nahmeschaft für einen Stumpf, beispielsweise einem Oberschenkelschaft, führt. Die Sensoren können ebenfalls von außen an dem Muskel oder der Gliedmaße angelegt werden, beispielsweise über einen Gurt oder über ein elastisches Band mit einer Vorspannung versehen sein, um die jeweiligen Druckänderungen zu detektieren. Auch Veränderungen in der optischen Durchlässigkeit können zur Detektion von Muskelkontraktionen ausgenutzt werden. Es besteht die Möglichkeit, Spulen in ei nem Schaft unterzubringen und implantierte Elektroden in der Muskulatur mikroinva siv einzupflanzen. Die implantierten Elektroden werden über die Spule oder die Spu len in dem Schaft induktiv mit Energie versorgt und übertragen die jeweils erfassten Daten drahtlos oder drahtgebunden über die Spule oder Spulen an eine Auswer teeinheit, die dann diese Daten der Steuerungseinrichtung übermittelt. Grundsätzlich wird die Muskelaktivierung über Elektroden, Sensoren oder Detektoren ermittelt. In einer Recheneinheit wird aus den elektrischen Signalen die Co-Kontraktion sowie de ren Intensität und Dauer ermittelt und auf der Grundlage dieser Informationen wird der Steuerungs-Algorithmus angepasst.

Eine Variante der Erfindung sieht vor, dass die von der Erfassungseinrichtung, bei spielsweise Oberflächenelektrodenanordnungen, Implantaten, Drucksensoreinrich tungen, optische Sensoreinrichtungen und/oder induktiv arbeitende Sensoreinrich tungen, detektierten Rohsignale in einer Pre-Processing-Einheit aufbereitet werden und erst die aufbereiteten Signale an die Steuerungseinrichtung übermittelt werden. Das Pre-Processing der Rohsignale von den jeweiligen Sensoren oder Detektoren erfolgt beispielsweise in einem Mikrokontroller oder in einer separaten Rechenein heit, die in der Nähe oder in einem baulichen Zusammenhang zu der Erfassungsein richtung und den Detektoren steht. Beispielsweise kann die Pre-Processing-Einheit an einer der Komponenten, beispielsweise der proximalen Komponente, angeordnet sein und drahtlos oder über eine drahtgebundene Verbindung mit der Steuerungsein richtung gekoppelt sein. Die Pre-Processing-Einheit übermittelt in einer Ausführungs form nur noch die für das Steuerungsverfahren relevanten Informationen der Steue- rungseinrichtung, beispielsweise die Kokontraktionsintensität und die Kokontraktions dauer oder nur das Signal, dass eine Kokontraktion vorliegt, um die eigentliche Steu erungseinheit, die gegebenenfalls auch noch andere Steuerungsaufgaben durchzu führen hat, nicht mit der Verarbeitung von Rohsignalen belasten zu müssen. Der Steuerungseinrichtung steht dadurch ein einfach zu verarbeitendes, aufbereitetes Signal zur Verfügung, das einfach in den bereits vorhandenen Steuerungsalgorith mus integriert werden kann. Die Erfassungseinrichtung und die Pre-Processing-Ein- heit können als Modul aufgebaut und als Zusatzbauteil für bereits vorhandene Steue rungen eingesetzt werden. Das Modul kann einen eigenen Energiespeicher aufwei sen. Neben einer hohen Flexibilität durch den modularen Aufbau wird zudem keine negative Beeinflussung der Akkulaufzeit der bereits vorhandenen Steuerungseinrich tung bei einer zusätzlichen Funktionalität erreicht.

Als Kokontraktion werden nicht nur die Anspannung von Agonist und Antagonist, sondern allgemein die gleichzeitige Anspannung mehrerer Muskelgruppen, welche unterschiedliche oder unabhängige Funktionen erfüllen, angesehen. Ist beispiels weise ist einer der Muskeln eine Antagonist/Agonist-Paares nicht mehr vorhanden, kann die Aktivierung eines anderen Muskels oder einer andern Muskelgruppe als An tagonist des verbliebenen Muskels definiert werden. Ist zum Beispiel der Beinstre cker oder musculus quadriceps femoris vorhanden, der Beinbeuger oder musculus biceps femoris jedoch nicht, ist eine originäre Kokontraktion nicht möglich, so dass statt dessen die Kontraktion der Abduktoren und/oder der Bauchmuskulatur hinzuge nommen werden kann, um eine Kokontraktionssignal für die Steuerung zu erhalten.

Die orthetische oder prothetische Einrichtung, die an einem Körper eines Anwenders anlegbar und daran festlegbar ist, mit einer Gelenkeinrichtung mit einer proximalen Komponente und einer distalen Komponente, die um eine Schwenkachse schwenk bar ineinander gelagert sind, zumindest einem verstellbaren Aktuator, der zwischen der proximalen Komponente und der distalen Komponente angeordnet ist und über die ein Bewegungswiderstand gegen eine Verschwenkung der proximalen Kompo nente relativ zu der distalen Komponente einstellbar ist, zumindest eine Erfassungs einrichtung zur Erfassung von Muskelkontraktionen sowie einer Steuerungseinrich tung, die mit der Erfassungseinrichtung und dem Aktuator gekoppelt ist, Signale von der Erfassungseinrichtung verarbeitet und in Abhängigkeit von den Signalen den Ak tuator verstellt, sieht vor, dass die Erfassungseinrichtung zur Erfassung von Muskel kokontraktionen und die Steuerungseinrichtung zur Durchführung des Verfahrens, wie es oben beschrieben ist, eingerichtet ist. Mit einer solchen orthetischen oder pro- thetischen Einrichtung, beispielsweise einer Orthese, einem Exoskelett oder einer Prothese, ist es möglich, willkürlich oder unwillkürlich das Widerstandsniveau des verstellbaren Aktuator situationsangepasst zu verändern und eine Überlagerung ei nes bereits vorhandenen Steuerungsprogrammes zu ermöglichen, um für einen An wender auf einfache Art und Weise und intuitiv eine Anpassung an ein gesteigertes Sicherheitsbedürfnis zu erreichen. Das Gelenk wird steifer, da eine Relativver schwenkung von proximaler und distaler Komponente erschwert oder unterbunden wird, so dass der Nutzer eine bessere Kontrolle über die Einrichtung bekommt.

Die Erfassungseinrichtung kann als Oberflächenelektrodenanordnung, als Implantat, als Drucksensoreinrichtung, als optische Sensoreinrichtung und/oder als inaktiv ar beitende Sensoreinrichtung ausgebildet sein. Die Anordnung der Erfassungseinrich tung ist dabei so ausgebildet, dass Muskelkokontraktionen erfasst werden können. Dazu sind die jeweiligen Sensoren oder Detektoren an den entsprechenden Muskeln angeordnet oder mit ihnen gekoppelt, beispielsweise über Implantate entsprechend präpariert, sodass Muskelkontraktionen erfasst, Kokontraktionen festgestellt und ent sprechende Veränderungen in dem Aktuator ausgeführt werden können.

Die Erfassungseinrichtung kann in einer Ausführungsform in der proximalen und/oder distalen Komponente integriert sein. Bei Prothesen ist beispielsweise ein Aufnahme schaft für einen Stumpfteil der proximalen Komponente. Sensoren können fest instal liert in dem Aufnahmeschaft und/oder in einem Prothesenliner angeordnet sein.

Ebenso können Ausnehmungen oder Durchbrüche zur Positionierung von Elektroden oder anderen Sensoren in dem Schaft oder einer anderen Aufnahmeeinrichtung für ein Körperteil ausgebildet sein, sodass unterschiedliche Sensoren oder Sensoren auswechselbar und anpassbar an den jeweiligen Anwender an der proximalen Kom ponente befestigt werden können. Oberflächenelektroden könnten auf der Innenseite eines Schaftes einlaminiert oder dauerhaft befestigt sein. Eine separate Steuerungs einrichtung oder eine Pre-Processing-Einheit kann ebenfalls in dem Schaft oder in der proximalen Komponente integriert oder daran befestigt sein, gegebenenfalls mit einer eigenen Energieversorgung, um die Sensordaten hinsichtlich der jeweiligen Muskelkontraktionen aufzuarbeiten, auszuwerten und die aufbereiteten Daten der Steuerungseinrichtung zu übermitteln, die dann den Aktuator entsprechend mit Steu erungssignalen zur Veränderung des Bewegungswiderstandes versorgt.

In einer Ausführungsform der Erfindung ist an der orthetischen oder prothetischen Einrichtung zumindest ein Sensor zur Erfassung von Kräften, Winkeln, Positionen, Beschleunigungen und/oder Momenten angeordnet und mit der Steuerungseinrich tung gekoppelt. Der jeweilige Sensor kann als Dehnmessstreifen, Winkelsensor, Inertialwinkelsensor, Beschleunigungssensor oder Momentensensor ausgebildet sein. Wenn ein Sensor mehrere Größen oder Variablen erfassen kann, können diese Größen oder Variablen von nur einem einzigen Sensor erfasst werden, ansonsten sind für die Erfassung der unterschiedlichen Größen oder Variablen mehrere Senso ren notwendig. Über diesen Sensor oder über diese Sensoren und die damit erfass ten Sensorwerte ist es möglich, Signale zu generieren, um über die Steuerungsein richtung den Aktuator an den jeweiligen Bewegungszustand, Bewegungssituation, Belastungszustand und/oder Anwender anzupassen.

Die Erfassungseinrichtung kann mit einer Pre-Processing-Einheit gekoppelt sein, um Muskelkokontraktionsdaten zu identifizieren und aufbereitete Daten der Steuerungs einrichtung übermitteln zu können, damit diese schneller und effizienter arbeiten kann.

Die Erfassungseinrichtung und die Pre-Processing-Einheit können als gemeinsames Modul ausgebildet und an der orthetischen oder prothetischen Einrichtung oder an dem Anwender festlegbar sein, um mit der Steuerungseinrichtung gekoppelt zu wer den. Dadurch ist es möglich, bereits bestehende orthetische oder prothetische Ein richtungen wir Orthesen, Exoskelette und Prothese mit der Erfassungseinrichtung und der Pre-Processing-Einheit auszurüsten und nachzurüsten.

Nachfolgend werden Ausführungsbeispiele der Erfindung anhand der beigefügten Fi guren näher erläutert. Es zeigen: Figur 1 - eine schematische Darstellung einer Protheseneinrichtung in Gestalt eines Prothesenkniegelenkes;

Figur 2 - eine Variante der Protheseneinrichtung gemäß Figur 1 ;

Figur 3 - eine schematische Darstellung einer Variante mit einer Pre-Processing- Einheit;

Figur 4 - eine schematische Darstellung einer Widerstandsänderung beim Gehen in der Ebene;

Figur 5 - eine schematische Darstellung einer Widerstandsänderung beim Abwärts gehen;

Figur 6 - eine Darstellung von Situationen unwillkürlicher Kokontraktionen; sowie

Figur 7 - eine schematische Darstellung eines Widerstandsverlaufes.

Figur 1 zeigt in einer schematischen Darstellung eine prothetische Einrichtung 10 in Gestalt eines Prothesenkniegelenkes mit einem Oberschenkelschaft 11 , der an ei nem Patienten festgelegt ist. Der Oberschenkelschaft 11 kann über unterschiedliche Mechanismen an einem Oberschenkelstumpf festgelegt werden, beispielsweise über eine Saugschafttechnologie, eine Klemmung, eine osseointegrierte Festlegung oder auf andere Arten und Weisen. An dem distalen Ende des Oberschenkelschaftes 11 ist eine Gelenkeinrichtung 20 in Gestalt eines Prothesenkniegelenkes angeordnet, das eine proximale Komponente 21 mit Anschlussmitteln zum Befestigen an dem Oberschenkelschaft 11 aufweist. An der proximalen Komponente 21 ist eine distale Komponente 22 in Gestalt eines Unterschenkelteils schwenkbar um eine Schwenk achse 25 gelagert. Die Schwenkachse 25 ist in dem dargestellten Ausführungsbei spiel als Kniegelenksachse ausgebildet, bei anderen Anwendungen, beispielsweise bei einem Prothesenknöchelgelenk oder prothetischen oder ortethischen Einrichtun gen an der oberen Extremität, sind entsprechend andere Gelenkachsen vorgesehen. Alternativ zu einer prothetischen Einrichtung 10 kann auch eine orthetische Einrich tung vorgesehen sein, bei der statt des Ersatzes einer Gliedmaße eine Unterstützung einer Gliedmaße mit einem noch vorhandenen natürlichen Gelenk erfolgt. Bei einer knieübergreifenden Orthese sind eine Oberschenkelschiene an einem Oberschenkel und eine Unterschenkelschiene an einem Unterschenkel festgelegt, beispielsweise durch Schnallen, Gurte oder Schalen. Die Oberschenkelschiene und die Unterschen kelschiene sind über ein Orthesenkniegelenk miteinander schwenkbar um eine Achse gekoppelt. Bei einer Knöchelorthese ist die proximale Komponente eine Un terschenkelschiene und die distale Komponente ein Fußteil, das im Bereich der na türlichen Knöchelgelenksachse über ein Gelenk schwenkbar daran angeordnet ist. Unter einer orthetischen Einrichtung werden auch Exoskelette verstanden.

Zwischen der proximalen Komponente 21 und der distalen Komponente 22 ist ein Aktuator 30 angeordnet, im dargestellten Ausführungsbeispiel ist der Aktuator 30 überwiegend an der distalen Komponente 22 angeordnet und in einem Gehäuse in tegriert. Der Aktuator 30 kann als Widerstandseinrichtung, beispielsweise als hydrau lischer Dämpfer, pneumatischer Dämpfer oder magnetorheologischer Dämpfer aus gebildet sein. Ebenso ist es möglich, dass der Aktuator als ein motorischer Antrieb ausgebildet ist, beispielsweise als ein elektromotorischer Antrieb, hydraulischer An trieb oder pneumatischer Antrieb. Auch bei einer Ausgestaltung eines Aktuators 30 als Antrieb kann dieser als eine Widerstandseinrichtung geschaltet werden, bei spielsweise indem ein Elektromotor im Generatorbetrieb betrieben wird. An der proxi malen Komponente 21 ist ein Ausleger angeordnet, der über eine Kolbenstange oder eine Schubstange mit der Widerstandseinrichtung oder dem Antrieb, also dem ei gentlichen Aktuator 30, gekoppelt ist, wobei der Aktuator 30 an dem anderen Ende der Kolbenstange oder der Schubstange mit der distalen Komponente 22 verbunden ist.

Die proximale Komponente 21 führt zu der distalen Komponente 22 eine Ver- schwenkbewegung aus, in der dargestellten Position befindet sich die Gelenkeinrich tung 20 in einer maximal extendierten, also gestreckten Position. Von dieser Position aus erfolgt eine Flexionsbewegung, bei der die posteriore oder hintere Seite der pro ximalen Komponente 21 in Richtung auf die posteriore Seite der distalen Kompo nente 22 verschwenkt wird, sodass sich der Winkel auf der posterioren Seite zwi schen den beiden Komponenten 21 , 22 bei Flexion verringert und bei Extension, also bei einer Streckbewegung, vergrößert. Wenn sich der Flexionswinkel vergrößert, ver ringert sich den Kniewinkel. Um bei dem Gehen eine an die jeweils vorhandene Geh situation angepasste Verschwenkbewegung sowohl in Flexionsrichtung als auch in Extensionsrichtung ausführen zu können, ist der Aktuator 30 einstellbar ausgebildet, um das Bewegungsverhalten bei der Flexion und/oder Extension zu beeinflussen. Durch eine Erhöhung des Flexionswiderstandes kann beispielsweise der maximale Flexionswinkel oder der minimale Kniewinkel eingestellt werden, ebenso kann bei ei ner Extensionsbewegung kurz vor Erreichen der maximal extendierten Stellung eine Widerstandserhöhung bereitgestellt werden, um eine harten Anschlag in die Extensi onsstellung zu vermeiden. Ebenfalls ist es möglich, den Aktuator 30 als die Bewe gung unterstützend auszugestalten, also als Antrieb, um eine Flexionsbewegung und/oder Extensionsbewegung einzuleiten oder zu unterstützen.

Um den Aktuator 30 einzustellen und den bereitgestellten Widerstand oder die bereit gestellte Unterstützung zu beeinflussen, ist der Aktuator 30 mit einer Steuerungsein richtung 50 gekoppelt, die im dargestellten Ausführungsbeispiel der Figur 1 in dem distalen Endbereich des Prothesenschaftes 1 1 integriert ist. In der Steuerungsein richtung sind Datenverarbeitungseinrichtungen, Anschlüsse, Kontaktflächen, Schnitt stellen und/oder ein Energiespeicher angeordnet, um eingehende Sensordaten oder Daten einer Erfassungseinrichtung 60 zu verarbeiten. In dem dargestellten Ausfüh rungsbeispiel der Figur 1 ist die Erfassungseinrichtung 60 als Oberflächenelektro denanordnung ausgebildet, die über einen Gurt 12 an dem Oberschenkelschaft 1 1 und dem Oberschenkel befestigt ist. Die Oberflächenelektroden 60 erfassen myo- elektrische Signale bei der Kontraktion der Oberschenkelmuskulatur und leiten diese über Kabel oder auch drahtlos zu der Steuerungseinrichtung 50. Zusätzlich ist zumin dest ein Sensor 40 an der distalen Prothesenkomponente 22 angeordnet, um weitere Daten über die vorhandenen Belastungen, Kräfte, Momente, Winkelstellungen, Be schleunigungen und/oder Raumorientierungen zu erfassen und der Steuerungsein richtung zu übermitteln. Sensoren 40 sind jedoch für die Ausführung des Verfahrens nicht erforderlich, aber als Ergänzung vorteilhaft.

Die Erfassungseinrichtung 60 mit einer Mehrzahl an umfänglich um den Stumpf an geordneten Oberflächenelektroden ermöglicht die Erfassung von Muskelkontraktio nen über myoelektrische Signale. Alternativ zu einer Anordnung an einem Gurt 12 können die Oberflächenelektroden auch in dem Prothesenschaft 1 1 integriert sein. Die Erfassungseinrichtung 60 und die Oberflächenelektroden daran sind so angeord net und ausgebildet, dass unterschiedliche Muskelgruppen hinsichtlich ihrer Aktivität erfasst werden können. Damit ist es möglich, Muskeln, die für gegenläufige Bewe gungen zuständig sind oder daran beteiligt sind, beispielsweise der Quadriceps für die Extension und der Beinbizeps für die Flexion, zu erfassen und Muskelkokontrakti onen, also gleichzeitige Anspannungen von Muskelgruppen, zu erfassen. Muskelko kontraktionen treten nicht nur bei antagonistisch wirkenden Muskeln oder Muskel gruppen auf. Kokontraktionen können auch dann entstehen und erfasst werden, wenn voneinander unabhängige Muskelgruppen angespannt werden, beispielsweise die Bauchmuskulatur zusammen mit dem Hüftbeuger oder dem Beinbeuger.

Eine Variante der prothetischen Einrichtung ist in der Figur 2 dargestellt, bei der zu sätzlich zu einem Sensor 40 zur Erfassung von Zustandsinformationen, wie Kräften, Momenten, Winkelstellungen im Raum oder Beschleunigungen eine weitere Sen soreinrichtung 40 an dem Oberschenkelschaft 1 1 angeordnet ist. Auch diese Sen soreinrichtung 40 ist mit der Steuerungseinrichtung 50 gekoppelt, die in dem darge stellten Ausführungsbeispiel in dem Oberschenkelschaft 1 1 integriert ist. Die Steue rungseinrichtung 50 weist eine integrierte Energiespeichereinheit auf, beispielsweise ein Akkumulator oder eine Batterie. Die Erfassungseinrichtung 60 ist in dem darge stellten Ausführungsbeispiel als eine Vielzahl, also mindestens zwei implantierbare Elektroden ausgebildet, die an verschiedenen Stellen der Muskulatur des Ober schenkels implantiert sind. Über diese implantierten Elektroden 60 werden Muskelak tivitäten erfasst, entweder über die Erfassung eines elektrischen Potentials oder aber durch Erfassung von Drücken, Temperaturen, Durchflussgeschwindigkeiten, Beein flussungen des optischen Verhaltens von Komponenten oder ähnliches. Die durch das Implantat erfassten Daten können über eine Spulenanordnung 61 , die an dem Oberschenkelschaft 1 1 angeordnet oder darin integriert sind, aufgenommen und an die Steuerungseinrichtung 50 übermittelt werden. Ebenfalls ist es möglich, dass die Erfassungseinrichtung 60 als eine Kombination von implantierten Elementen und ei ner Spule 61 oder mehreren Spulen 61 ausgebildet ist, um durch bei Muskelkontrak tionen auftretenden induktiven Effekten Muskelkontraktionen und insbesondere Mus kelkokontraktionen zu erfassen. An dem distalen Ende des Prothesenschaftes 1 1 ist ein Interface 51 zu der Gelenk einrichtung 20 angeordnet, über das es möglich ist, die Sensordaten hinsichtlich der Muskelkokontraktionen und gegebenenfalls der Sensordaten aus dem Sensor 40 an dem Oberschenkelschaft 1 1 an den Aktuator 30 zu übertragen. Über das Interface 51 werden auch die Sensordaten des Sensors 40 an der distalen Prothesenkompo nente 22 der Steuerungseinrichtung 50 übermittelt. Je nach Vorliegen von Muskelko kontraktionen wird dann der Aktuator 30 angesteuert und beeinflusst, beispielsweise durch Verstellung von Ventilen, Drosselquerschnitten, durch Aktivierung eines Elekt- romagnetes zum Beeinflussen magnetorheologischer Flüssigkeiten, durch Abbrem sen eines Motors und/oder durch Aktivieren eines Antriebs.

Figur 3 zeigt eine weitere Variante der Erfindung mit einem grundsätzlichen Aufbau, der dem der Figuren 1 und 2 entspricht. Der Oberschenkelschaft 1 1 ist von der proxi malen Komponente 21 demontiert, ein mechanischer Anschluss des Oberschenkel schaftes 1 1 an der Gelenkeinrichtung 20 kann über den dargestellten Pyramiden adapter erfolgen. In dem Ausführungsbeispiel gemäß Figur 3 ist die Erfassungsein richtung 60 wieder als implantierbare Elektrodenanordnung mit Spule 61 ausgebildet. Alternativ oder ergänzend ist es möglich, wie in der Figur 1 gezeigt, Oberflä chenelektroden in Ausnehmungen innerhalb des Prothesenschaftes 1 1 an vordefi nierten Stellen anzuordnen und über den Gurt 12 zu sichern oder auf der Innenseite des Prothesenschaftes 1 1 festzulegen. Über den Gurt 12, der als elastisches Band ausgebildet sein kann, werden die Elektroden an Positionen gehalten und mit einem ausreichenden Anpressdruck auf die Flautoberfläche gepresst. Der Oberschenkel schaft 1 1 selbst ist mit dem Prothesengelenk 20 elektrisch leitend verbunden, um die Daten der Erfassungseinrichtung 60 an die Gelenkeinrichtung 20 und insbesondere den Aktuator 30 zu übertragen.

Wie in der Figur 2 dargestellt, können die implantierten Elektroden 60 über die Spule 61 an oder in dem Oberschenkelschaft 1 1 induktiv mit Energie versorgt werden und sind so angeordnet, dass sie sich während der Anwendung innerhalb des Feldes der Spule 61 befinden. Die Datenübertragung erfolgt ebenfalls über die Spule 61 . Ge mäß der Ausführungsform der Figur 3 ist die Erfassungseinrichtung 60 zunächst mit einer Pre-Processing-Einheit 70 verbunden, der die Roh-Daten von den Elektroden 60 übermittelt werden. Statt über implantierte Elektroden 60 kann dies auch über Oberflächenelektroden gemäß Figur 1 erfolgen. Die Roh-Daten werden in der Pre- Processing-Einheit 70 aufbereitet, beispielsweise in einer Datenverarbeitungseinrich tung oder in einem Mikrocomputer, der in der Pre-Processing-Einheit 70 mit einer ei genen Energieversorgung angeordnet ist. Die Daten werden in einem Mikrocontrol ler, der direkt an dem Oberschenkelschaft 1 1 angeordnet sein kann, beispielsweise in dem distalen Anschlussstück des Oberschenkelschaftes 1 1 integriert sein kann, aufbereitet, um nur die relevanten oder aussagekräftigen Informationen weiterzulei ten. Aus der Pre-Processing-Unit 70 werden die aufbereiteten Daten dem Prothesen kniegelenk 20 übermittelt, beispielsweise über die Datenverbindung mittels der elektrischen Kopplung von Oberschenkelschaft 1 1 mit der proximalen Prothe senkomponente 21 . Die verarbeiteten und aufbereiteten Roh-Daten der Erfassungs einrichtung 60 werden der Steuerungseinrichtung 50 übermittelt, über die dann die Impedanz oder der Widerstand bzw. der Antrieb des Aktuators 30 gesteuert wird. Der Steuerungseinrichtung 50 können auch Sensordaten der Sensoren 40 von dem Oberschenkel und/oder dem Unterteil übermittelt werden.

Die Pre-Processing-Einheit 70 kann gemeinsam mit der Erfassungseinrichtung 60 als ein Modul ausgebildet sein, das an einen bereits bestehenden Prothesenschaft 1 1 angeordnet werden kann. Bei implantierbaren Elektroden 60 sind die Elektroden 60 an beispielsweise die Spule 61 und die Pre-Processing-Einheit 70 angepasst und modular aufgebaut.

Die Erfassungseinrichtung 60, 61 und/oder die Pre-Processing-Einheit 70 können ab schaltbar ausgebildet sein, sodass die Protheseneinrichtung 20 auch ohne die Steu erungseinrichtung 50 auf Basis der erfassten Muskelkokontraktionen funktionieren kann. Bevorzugt sind die Erfassungseinrichtung und/oder die Pre-Processing-Einheit 70 plug-and-play-fähig ausgebildet, sodass ein aufwendiges Abstimmungsverfahren zwischen den einzelnen Komponenten nicht mehr notwendig ist.

Das Grundprinzip der Steuerung ist bei allen Ausführungsbeispielen ähnlich, die Muskelaktivierung wird über die Erfassungseinrichtung 60, wie der Oberflächenelekt roden oder implantierte Elektroden, gemessen und erfasst. In einer Recheneinheit, entweder in der Pre-Processing-Einheit 70 oder in der Steuerungseinrichtung 50, wird ermittelt, ob eine Muskelkokontraktion vorliegt. Es werden die Intensität und die Dauer der jeweiligen Muskelkontraktionen bestimmt. Auf Grundlage der gemessenen Muskelkontraktionen, wobei in der Steuerungseinrichtung 50 abgelegt werden kann, welche gleichzeitigen Muskelkontraktionen als Muskelkokontraktionen angesehen werden, wird über einen Steuerungsalgorithmus festgelegt, ob und wie der Aktuator 30 aktiviert oder deaktiviert wird, also ob eine Widerstandsveränderung oder eine Unterstützung einer Bewegung erfolgen soll. Die Zuordnung der Kontraktionssignale erfolgt bei dem Einrichten der Steuerung und Anpassung an den Anwender. In Ab hängigkeit von der Position der jeweiligen Erfassungseinrichtung 60 kann definiert werden, welcher Muskel oder welche Muskelgruppe das entsprechende Kontrakti onssignal verursacht.

Ist eine Pre-Processing-Einheit 70 der Steuerungseinrichtung 50 oder dem Aktuator 30 zugeordnet oder vorgeschaltet, werden der Gelenkeinrichtung 20 die aufbereite ten Daten, beispielsweise die Kokonktrationsintensität und die Dauer der Muskelkon traktionen, übermittelt, sodass der Gelenkeinrichtung 20 ein einfach zu verarbeiten des Signal zur Verfügung steht, das einfach in den Steuerungsablauf integriert wer den kann. Dadurch wird der Steuerungsaufwand verringert und die Betriebsdauer der Protheseneinrichtung oder Ortheseneinrichtung wird verlängert, da die Signalaufbe reitung keine negative Beeinflussung der Laufzeit der Gelenkeinrichtung 20 bei Ein satz und gegebenenfalls Nachrüstung mit der Erfassungseinrichtung 60 zur Folge hat. Insbesondere wenn die Pre-Processing-Einheit 70 nachrüstbar ist und über eine eigene Energieversorgung verfügt, wird die Betriebsdauer des Prothesengelenkes 20 nicht negativ beeinflusst. Gegebenenfalls kann durch einen einfachen Austausch der Pre-Processing-Einheit 70 mit eigener Energieversorgung die Gesamtbetriebsdauer der orthetischen oder prothetischen Einrichtung 10 verlängert werden.

In der Figur 4 ist eine schematische Darstellung des Verlaufes eines Bewegungswi derstandes R und eines Flexionswinkels a über der Zeit in Abhängigkeit von den er fassten Muskelkontraktionssignalen gezeigt. Dargestellt ist ein Schrittzyklus, begin nend mit dem Fersenstoß oder Heel Strike und endend mit dem Ende der Schwung phase kurz vor dem Aufsetzen der Ferse. Zunächst vergrößert sich der Flexionswin kel a, das heißt, dass sich der Kniewinkel verringert. Nach dem Aufsetzen der Ferse findet eine sogenannte Standphasenflexion statt, um nach dem Aufsetzen der Ferse eine Kraftdurchleitung durch ein gestrecktes Bein, beispielsweise eine gestreckte Prothese oder Orthese zu vermeiden. Dadurch wird die Stoßbewegung gedämpft und eine leichte Einbeugung des künstlichen Kniegelenkes ermöglicht. Nach dem vollständigen Aufsetzen des Fußes oder des Prothesenfußes erfolgt eine maximale Streckung während des sogenannten roll-over bis zum Ende der Standphase, bei der bereits eine Flexionsbewegung beginnt, deren Maximum in der Schwungphase er reicht wird, wenn das Knie maximal flektiert ist. Dann finden eine Bewegungsumkehr und eine Extension des Kniegelenkes statt. Dieses ist in der durchgezogenen Linie gezeigt. Der Widerstand R für das Gehen in der Ebene gegen eine Flexion steigt nach dem Heel Strike auf ein hohes Niveau an, um zu verhindern, dass das Kniege lenk ungewollt einbeugt. Auch nach Erreichen des roll-over und einer einsetzenden Standphasenextension bleibt der Widerstand R auf einem erhöhten Niveau, um dann bei einer einsetzenden Vorfußbelastung auf ein niedriges Niveau abzufallen, um eine Flexion zur Einleitung der Schwungphase zu ermöglichen. Im weiteren Verlauf des Gehens wird in der Schwungphase der Flexionswiderstand R angehoben, um die Flexion nicht zu weit auszuführen, damit am Ende der Schwungphase eine Stre ckung des Kniegelenkes erreicht werden kann. Kurz vor Erreichen der Bewegungs umkehr wird der Flexionswiderstand R nicht weiter erhöht und nach Erreichen des maximalen Flexionswinkels auf das Niveau verringert, das zur Dämpfung der Bewe gung bei der Standphasenflexion benötigt wird. Ein erhöhtes Flexionsdämpfungsni veau am Ende der Schwungphase trägt zur Sicherheit des Anwenders bei, um bei ei nem Stolpern nicht ein ungewolltes Einbeugen des Kniegelenkes zu ermöglichen.

Wird, wie in der unteren Darstellung der Figur 4 dargestellt, eine Muskelkokontraktion detektiert, was an der hohen Amplitude in beiden Richtungen zu erkennen ist, wird der Flexionswiderstand R verändert, im dargestellten Ausführungsbeispiel angeho ben, was durch die gestrichelte Linie gezeigt ist. Eine Kokontraktion kann beispiels weise unwillkürlich erfolgen, wenn ein Hindernis erfühlt oder gesehen oder eine glatte Oberfläche erkannt wird. Dann wird bereits beim Aufsetzen des Fußes oder des Prothesenfußes ein erhöhter Widerstand gegen ein Einbeugen des Kniegelen kes bereitgestellt, wodurch der maximal erreichbare Flexionswinkel a verringert wird, was ebenfalls durch die gestrichelte Linie dargestellt ist. Die Bewegungsbeeinflus sung findet in dem dargestellten Ausführungsbeispiel durch eine stärkere und frühere Anhebung der Flexionsdämpfung in der Phase der Standphasenbeugung statt. Dadurch werden das Bewegungsausmaß, also der maximale Flexionswinkel a, redu ziert und das Kniegelenk fühlt sich kompakter und steifer an. Bei einer Kokontraktion während der Schwungphase kann der Widerstand R ebenfalls früher und stärker an gehoben werden, sodass der Flexionswinkel weniger schnell zunimmt und auch die maximale Schwungphasenflexion verringert wird. Das Kniegelenk pendelt weniger stark auf und kommt dadurch wesentlich früher und schneller in die volle Streckung. Dadurch wird eine erhöhte Sicherheit für den Anwender bereitgestellt.

Eine Variante des Steuerungsverfahrens für das Bergabgehen ist in der Figur 5 ge zeigt. Auch hier ist der Standardverlauf der Flexionsdämpfung R mit der durchgezo genen Linie dargestellt, der Kniewinkelverlauf a ohne Steuerung über Kokontraktio nen ist ebenfalls mit der durchgezogenen Linie eingezeichnet. In dem Standard-Ver fahren wird die Flexionsdämpfung R mit dem Einbeugen in der Standphase bis zur Sperrung der Flexion erhöht. Es stellt sich dann eine sogenannte Plateau-Phase ein, von der aus in der mittleren Standphase die Flexionsdämpfung R auf ein hohes Ni veau reduziert wird, um ein weiteres Einbeugen zuzulassen, jedoch mit einem flache ren Anstieg des Flexionswinkels, um nach der Fersenablösung und Entlastung der Prothese eine Restschwungphase zu erlauben und sich auf den nächsten Heel Strike vorzubereiten. Werden Muskelkokontraktionen, wie in der unteren Darstellung der Figur 5 gezeigt, ermittelt, können diese Widerstände entsprechend früher ange hoben oder auf einem höheren Niveau länger beibehalten werden, sodass das Knie gelenk später oder langsamer einbeugt und insgesamt ein höheres Dämpfungsni veau gegen eine Flexion bereitgestellt wird.

Neben den oben beschriebenen Ausführungen der Steuerung des Bewegungsver haltens über veränderte Dämpfungen ist es möglich, das Bewegungsverhalten über andere Aktuatoren oder Widerstandseinrichtungen zu beeinflussen. Als Bewegungs beeinflussung wird die Eigenschaft eines Systems angesehen, einer Bewegung eine Kraft entgegenzusetzen. Dies kann durch mechanische Elemente wie Federele mente mit einer definierten Steifigkeit und Nullpunkt, geschwindigkeitsproportional wirkende Dämpfungselemente, Reibelemente und/oder Massen geschehen. Eben falls kann die Bewegungsbeeinflussung über einen Motor, einen hydraulischen oder pneumatischen Dämpfer, Federelemente, piezoelektrische Elemente, hydraulische oder pneumatische Antriebe oder Kombinationen der genannten Elemente oder Komponenten erfolgen. Ein Höchstmaß an Einflussmöglichkeiten bieten aktive An triebe, beispielsweise kann ein Elektromotor ein elastisches Verhalten simulieren und die gefühlte Trägheit des Gelenkes oder der prothetischen oder orthetischen Einrich tung beeinflussen und eine geschwindigkeitsabhängige Kraft erzeugen.

Situationsbeispiele für willkürliche oder unwillkürliche Kokontraktionen sind in der Fi gur 6 gezeigt, beispielsweise bei Auftreten eines Hindernisses, bei Erkennen einer Gefahr durch Tiere, Menschen oder Maschinen, bei glatten Oberflächen, bei plötzlich auftretenden Gefahrensituationen oder im Bereich von unsicheren oder gefährlichen Umgebungsbedingungen. Die reflexhafte Muskelkokontraktion oder auch die be wusste Muskelkokontraktion ermöglichen die Beeinflussung eines Steuerungsverfah rens durch Muskelaktivierung, wobei ein Grundmuster des Steuerungsverfahrens be vorzugt beibehalten wird, lediglich die Ausprägungen in der Stärke und der Dauer werden verändert oder beeinflusst. Insbesondere hat die Beeinflussung des Bewe gungsverhaltens über Muskelkokontraktionen den Vorteil, dass diese sowohl be wusst als auch unbewusst erfolgen kann, wodurch die Reflexe des Menschen bei der Wahrnehmung der Umgebung vorteilhaft zur Steuerung der orthetischen oder pro thetischen Einrichtung ausgenutzt werden können.

In der Figur 7 ist in einer schematischen Darstellung der Verlauf eines Widerstandes R gegenüber der Zeit aufgetragen. Wird beispielsweise eine Kokontraktion festge stellt, die es notwendig erscheinen lässt, den Widerstand gegen ein Einbeugen zu er höhen, wird dieser Widerstand R sehr schnell erhöht, ausgehend von einem Basiswi derstand. Nach Erreichen eines Maximums des Widerstandes wird beispielsweise nach Nachlassen der Kokontraktion oder bei einer Detektion eines Umstandes, dass die Steuerung dazu veranlasst, den Widerstand wieder zu verringern, wird zunächst eine langsame Verringerung des Widerstandes R durchgeführt, sodass sich ein sanf ter Abfall des Widerstandes über der Zeit ergibt. Dadurch wird verhindert, dass ein schneller Widerstandsabfall zu einem Verlust eines Gleichgewichts und zu unsiche ren Situationen für den Nutzer führt.