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Title:
SPECTACLE LENS BLANK, AND METHOD AND DEVICE FOR PRODUCING A SPECTACLE LENS FROM A SPECTACLE LENS BLANK
Document Type and Number:
WIPO Patent Application WO/2019/180251
Kind Code:
A1
Abstract:
The invention relates to a spectacle lens blank (1) having an optically finished surface (3) and a cylinder edge surface (4), and having a protective film (2) on the optically finished surface (3). The invention is characterized in that the protective film (2) is also arranged on the cylinder edge surface (4). The invention further relates to a method for producing a spectacle lens from a spectacle lens blank (1) having an optically finished surface (3) and a cylinder edge surface (4), in which a protective film (2) is applied onto the optically finished surface (3). Procedurally, the invention is characterized in that the protective film (2) is also applied onto the cylinder edge surface (4). Lastly, the invention relates to a device (5) for producing a spectacle lens from a spectacle lens blank (1) having an optically finished surface (3) and a cylinder edge surface (4), in which a protective film (2) is applied onto the optically finished surface (3). The invention is characterized by an application unit (p, Fp) for also applying the protective film (2) onto the cylinder edge surface (4).

Inventors:
MESCHENMOSER RALF (DE)
VALLERIUS RALF (DE)
HÄNSCH SVEN (DE)
Application Number:
PCT/EP2019/057331
Publication Date:
September 26, 2019
Filing Date:
March 22, 2019
Export Citation:
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Assignee:
ZEISS CARL VISION INT GMBH (DE)
International Classes:
B29D11/00; B24B13/005; B29C63/00
Domestic Patent References:
WO2007001251A12007-01-04
WO2017046803A12017-03-23
WO2002092524A12002-11-21
WO2000068326A12000-11-16
WO2004110946A12004-12-23
WO1980002431A11980-11-13
WO1997010923A11997-03-27
WO1997010924A11997-03-27
Foreign References:
DE7723333U11977-11-03
US20130206328A12013-08-15
US20130075465A12013-03-28
US20080117382A12008-05-22
US5916017A1999-06-29
US4959118A1990-09-25
DE3007572C21982-12-23
US6103148A2000-08-15
JP2008191186A2008-08-21
EP0955147A11999-11-10
EP0698798A21996-02-28
DE102010048088A12012-04-05
DE102012009691A12013-11-21
DE102015209794A12016-12-01
DE102013208310A12014-11-06
EP1269223A12003-01-02
DE102010048089A12012-04-05
EP2266754A12010-12-29
DE2208444A11972-09-28
DE102007007161A12008-08-14
DE2008022360B4
EP2138271A12009-12-30
JPS60135167A1985-07-18
EP0285490A11988-10-05
EP0285490A11988-10-05
Attorney, Agent or Firm:
CARL ZEISS AG - PATENTABTEILUNG (DE)
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Claims:
Patentansprüche :

1. Brillenglasrohling (1) mit einer optisch fertig bearbeiteten Fläche (3) und einer

Zylinderrandfläche (4) und mit einer Schutzfolie (2) auf der optisch fertig bearbeiteten Fläche

(3), dadurch gekennzeichnet, dass die Schutzfolie (2) auch auf der Zylinderrandfläche (4) angeordnet ist.

2. Brillenglasrohling (1) nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Zylinderrandfläche

(4) einen Umfang aufweist und die Schutzfolie (2) längs des gesamten Umfangs auf der Zylinderrandfläche (4) angeordnet ist.

3. Brillenglasrohling (1) nach einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Zylinderrandfläche (4) eine Zylinderrandhöhe (h) aufweist und die Schutzfolie (2) ausgehend von einer umlaufenden Grenzlinie (6), an der die Zylinderrandfläche (4) an die optisch fertig bearbeitete Fläche (3) grenzt, über ein Mindestmaß (hat) aus der nachfolgenden Gruppe:

(i) 0,5 mm

(ii) 1 mm

(iii) 2 mm

(iv) die Hälfte der Zylinderrandhöhe (h/2)

(v) die gesamte Zylinderrandhöhe (h)

auf der Zylinderrandfläche (4) angeordnet ist.

4. Brillenglasrohling (1) nach einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Schutzfolie (2) eine temporäre Markierung (7) und/oder einen Identifikationscode aufweist.

5. Verfahren zum Herstellen eines Brillenglases aus einem Brillenglasrohling (1) mit einer optisch fertig bearbeiteten Fläche (3) und einer Zylinderrandfläche (4), bei dem auf die optisch fertig bearbeitete Fläche (3) eine Schutzfolie (2) appliziert wird, dadurch gekennzeichnet, dass die Schutzfolie (2) auch auf die Zylinderrandfläche (4) appliziert wird.

6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Zylinderrandfläche (4) einen Umfang aufweist und dass die Schutzfolie (2) längs des gesamten Umfangs auf der

Zylinderrandfläche (4) appliziert wird.

7. Verfahren nach einem der Ansprüche 5 oder 6, dadurch gekennzeichnet, dass die

Zylinderrandfläche (4) eine Zylinderrandhöhe (h) aufweist und die Schutzfolie (2) ausgehend von einer umlaufenden Grenzlinie (6), an der die Zylinderrandfläche (4) an die optisch fertig bearbeitete Fläche (3) grenzt, über ein Mindestmaß (hat) aus der nachfolgenden Gruppe:

(i) 0,5 mm

(ii) 1 mm

(iii) 2 mm

(iv) die Hälfte der Zylinderrandhöhe (h/2)

(v) die gesamte Zylinderrandhöhe (h)

auf der Zylinderrandfläche (4) appliziert wird.

8. Verfahren nach einem der Ansprüche 5 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Schutzfolie (2) bei einer Temperatur (T) der Schutzfolie aus der Gruppe:

(i) zwischen 45°C und 85°C

(ii) zwischen 50°C und 80°C

(iii) zwischen 55°C und 75 °C

(iv) zwischen 60°C und 70°C

(v) zwischen 62°C und 68°C

(vi) zwischen 64°C und 66 °C

auf die optisch fertig bearbeitete Fläche (3) und die Zylinderrandfläche (4) appliziert wird.

9. Verfahren nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Schutzfolie (2) auf die optisch fertig bearbeitete Fläche (3) und die Zylinderrandfläche (4) mit Hilfe eines mechanischen Formteils (5) appliziert wird.

10. Verfahren nach Anspruch 8 oder 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Schutzfolie (2) mit Hilfe eines atmosphärischen Unterdrucks (p) zwischen Schutzfolie (2) und optisch fertig bearbeiteter Fläche (3) und/oder Zylinderrandfläche (4) aus der nachfolgend angegebenen Gruppe

(i) zwischen 10 und 1000 hPa (ii) zwischen 100 und 900 hPa

(iii) zwischen 200 und 800 hPa

(iv) zwischen 300 und 700 hPa

(v) zwischen 400 und 600 hPa

appliziert wird.

11. Verfahren nach einem der Ansprüche 5 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass die Schutzfolie (2) innerhalb eines Zeitraums aus der Gruppe:

(i) weniger als 72 Stunden

(ii) weniger als 48 Stunden

(iii) weniger als 24 Stunden

(iv) weniger als 12 Stunden

(v) weniger als 6 Stunden

(vi) weniger als 3 Stunden

(vii) weniger als 1 Stunde

(viii) weniger als 30 Minuten

nach Fertigstellen (201) der optisch fertig bearbeiteten Fläche (3) appliziert (202) wird.

12. Verfahren nach einem der Ansprüche 5 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass der

Brillenglasrohling (1) mit der applizierten Schutzfolie (2) verpackt (203) wird.

13. Verfahren nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, dass der verpackte Brillenglasrohling versandt (204) wird.

14. Verfahren nach Anspruch 12 oder 13, dadurch gekennzeichnet, dass der verpackte

Brillenglasrohling ausgepackt (206) wird, dass der ausgepackte Brillenglasrohling auf der Schutzfolie mit einem Blockstück (8) geblockt (207) wird und/oder mit einer temporären Markierung (7) versehen (207) wird.

15. Verfahren nach Anspruch 14, dadurch gekennzeichnet, dass der geblockte Brillenglasrohling wenigstens einem Bearbeitungsschritt (207) aus der nachfolgenden Gruppe

(i) Formgeben der der optisch fertig bearbeiteten Fläche (3) gegenüberliegenden Fläche

(ii) Aufbringen wenigstens einer Funktionsschicht auf die gegenüberliegende formgebend bearbeitete Fläche (iii) Aufbringen einer temporären Markierung (7) auf die Schutzfolie (2)

(iv) End- oder Formranden der Zylinderrandfläche (4) zur Anpassung des Zylinderrandes an eine ein gebrauchsfertiges Brillenglas aufnehmende Fassungsform,

(v) Abblocken

(vi) Entfernen der Schutzfolie

(vii) Aufbringen wenigstens einer Funktionsschicht auf die optisch fertig bearbeitete Fläche nach Entfernen der Schutzfolie

unterzogen wird. 16. Vorrichtung (5, 6) zum Herstellen eines Brillenglases aus einem Brillenglasrohling (1) mit einer optisch fertig bearbeiteten Fläche (3) und einer Zylinderrandfläche (4), bei dem auf die optisch fertig bearbeitete Fläche (3) eine Schutzfolie (2) appliziert wird, gekennzeichnet durch eine Applikationseinrichtung (5, p, FP), um die Schutzfolie (2) auch auf die Zylinderrandfläche (4) zu applizieren.

Description:
Beschreibung:

Brillenglasrohling sowie Verfahren und Vorrichtung zum Herstellen eines Brillenglases aus einem Brillenglasrohling

Die Erfindung betrifft einen Brillenglasrohling mit zumindest einer optisch fertig bearbeiteten Fläche, insbesondere also ein Brillenglashalbfabrikat, nach dem Oberbegriff des Patentanspruchs 1 sowie ein Verfahren zum Herstellen eines Brillenglases aus einem Brillenglasrohling mit zumindest einer optisch fertig bearbeiteten Fläche, insbesondere also zum Herstellen eines Brillenglases aus einem Brillenglashalbfabrikat, nach dem Oberbegriff des Patentanspruchs 5 sowie eine Vorrichtung zum Herstellen eines Brillenglases aus einem Brillenglasrohling mit zumindest einer optisch fertig bearbeiteten Fläche, insbesondere also zum Herstellen eines Brillenglases aus einem Brillenglashalbfabrikat, nach dem Oberbegriff des Patentanspruchs 16.

Man unterscheidet Brillenglas-Halbfertigfabrikate, kurz Brillenglashalbfabrikate, und

Brillenglas-Fertigfabrikate. Als Halbfertigfabrikate, Halbfabrikate oder Halbfertigprodukte bezeichnet man in der Produktionswirtschaft teilweise fertig erzeugte Vorprodukte, welche entweder zur späteren Verarbeitung im eigenen Unternehmen auf Fager gelegt oder an andere Unternehmen geliefert und dort fertig produziert werden. Brillenglas-Halbfertigfabrikate oder Brillenglashalbfabrikate sind Finsenrohlinge mit nur einer optisch fertig bearbeiteten Fläche (vgl. Heinz Diepes, Rolf Blendowske„Optik und Technik der Brille", Optische

Fachveröffentlichung GmbH, Heidelberg, 2002, Seite 560). Als Fertigfabrikate (Fertigprodukte) bezeichnet man fertig erzeugte, an Endkunden bzw. Brillenträger verkaufsfähige Produkte, welche entweder sofort ausgeliefert werden oder für den späteren Verkauf im eigenen

Unternehmen auf Fager gelegt werden. Brillenglas-Fertigfabrikate oder fertige Brillengläser sind Brillengläser mit zwei optisch fertig bearbeiteten optischen Flächen. Diese können endgerandet sein oder nicht (vgl. ebd., S. 559). Ein endgerandetes Brillenglas ist demnach ein fertiges Brillenglas, das durch Randbearbeitung auf die endgültige Größe und Form gebracht wurde (vgl. ebd., S. 559). Die DIN EN ISO 13666:2013-10 definiert in Abschnitt 8.4.15 den Begriff

Formrandung (oder Formfemrandung) als Prozess, bei dem rohkantige fertige Brillengläser gerandet werden, ohne dass die Brillenfassung körperlich vorliegt; dabei werden die Tracer- Daten aus einer Datenbank übernommen oder es werden die elektronisch übermittelten Daten genutzt. Anstelle der Begriffe Endrandung oder Formrandung wird auch der Begriff Einschleifen verwendet (siehe DIN EN ISO 13666:2013-10 Abschnitt 8.5.1). Zur Beschreibung von nicht fertigen Brillengläsern wird häufig auch der Begriff Blanks verwendet. Blanks sind üblicherweise vorgeformte Materialstücke zur Herstellung von

Brillengläsern oder -linsen in irgendeinem Zustand vor der Beendigung der

Oberflächenbearbeitung (vgl. ebd.; S. 556). Der Begriff Semifinished Blanks ist ein Synonym für den Ausdruck Halbfertigfabrikate. Die Begriffe Brillengläser und Brillenlinsen werden ebenfalls synonym verwendet.

Brillenglas-Halbfertigfabrikate und Brillenglas-Fertigfabrikate weisen jeweils eine für die objektseitige und eine für die gegenüberliegende augenseitige Anordnung für einen Brillenträger bestimmte optische Flächen und eine diese beabstandende Fläche auf. Die für die Anordnung auf der Objektseite bestimmte optische Fläche wird Vorderfläche bezeichnet, die für die Anordnung auf der Augenseite bestimmte optische Fläche wird Rückfläche genannt. Die dazwischen liegende entweder unmittelbar eine Kante bildend oder mittelbar über eine Kantenfläche einendseitig an die Vorderfläche und andemendseitig an die Rückfläche angrenzende Fläche bezeichnet man als Zylinderrandfläche.

Während in der Vergangenheit Brillengläser vorwiegend aus mineralischen Gläsern,

insbesondere Krongläsem (Abbe-Zahl> 55) und Flintgläsem (Abbe-Zahl < 50) hergestellt wurden, sind mittlerweile Brillengläser aus einer Vielzahl an organischen Materialien erhältlich.

Derzeit werden Brillenglas-Halbfertigfabrikate oder -Fertigfabrikate mit sphärischen, asphärischen oder progressiven Vorderflächen in Massenfertigungen mittels Vorder- und Rückflächenformschalen und einem Dichtring abgegossen wie dies z. B. in den Dokumenten DE 3007572 C2, US 6,103,148 A oder JP 2008 191186 A beschrieben ist. Dies gilt für Materialien mit den Handelsbezeichnungen MR-7, MR-8, MR- 10 und CR-39/CR-607 und weitere. Bei den Materialien mit den Handelsbezeichnungen MR-7, MR-8, MR-10 handelt es ich um

Polythiourethane, die von der Firma Mitsui Chemicals vertrieben werden. Die Abkürzung„MR" steht dabei für Mitsui Resin. CR-39/CR-607/CR-630 sind niedrigbrechende Materialien mit dem Brechwert von 1,50, die von der Firma PPG Industries vertrieben werden. Die Materialien CR- 607 und CR-630 werden z. B. für photochrome Anwendungen eingesetzt. Halbfertigfabrikate oder Fertigfabrikate für Brillengläser aus Polycarbonat werden in Metallformen mittels Spritzgusstechnik erzeugt. Dieses Herstellverfahren ist z. B. in der EP 0955147 Al beschrieben.

Auftragsspezifische Rezeptbrillengläser, d. h. insbesondere individualisierte Einstärken- und Mehrstärkengläser und im Besonderen Gleitsicht- bzw. Progressivgläser werden durch mechanische Verfahren in ihre finale Form gebracht. Hierbei können die Außenformen rund, oval oder willkürlich, sogenannte Freiformen beschreibend, ausgebildet sein.

Die vorstehend beschriebenen Halb fertig- oder Fertigfabrikate werden häufig einem oder mehreren Veredelungsprozessen unterzogen. Insbesondere werden ein- oder beidseitig

Funktionsschichten appliziert. Derartige Funktionsschichten sind Schichten, die die Brillengläser mit vorbestimmten und für den Brillenträger vorteilhaften Eigenschaften ausstatten, die die Brillengläser allein aufgrund ihrer Materialeigenschaften und Formgebung nicht hätten.

Derartige vorteilhafte Eigenschaften sind neben optischen Eigenschaften, wie z. B.

Entspiegelung (siehe z.B. EP 0 698 798 A2), Verspiegelung, Lichtpolarisierung, Färbung usw. auch mechanische Eigenschaften wie Härtung (siehe z.B. DE 10 2010 048 088 Al),

Verminderung des Anhaftens von Schmutz oder des Beschlagens, d.h. sog. (super-)hydrophoben (siehe z.B. DE 10 2012 009 691 Al, DE 10 2015 209 794 Al) oder auch oleophoben

Eigenschaften (bei denen die Oberflächenenergie signifikant reduziert ist), Erhöhung der Diffusivität (siehe z.B. DE 10 2013 208 310 Al) usw. und/oder elektrische Eigenschaften wie Abschirmung von elektromagnetischer Strahlung, Leitung von elektrischem Strom, d.h.

antistatischen Eigenschaften (siehe z.B. EP 1 269 223 Al, DE 10 2010 048 089 Al) usw.

und/oder andere physikalische oder chemische Eigenschaften.

Die Applikation von Funktionsschichten erfolgt häufig mit Hilfe von Nassbeschichtungs prozessen. Unter Beschichten wird in der Fertigungstechnik eine Hauptgruppe der

Fertigungsverfahren nach DIN 8580 verstanden, die zum Aufbringen einer festhaftenden Schicht aus formlosem Stoff auf die Oberfläche eines Werkstückes genutzt werden. Nassbeschichtungs prozesse sind solche Beschichtungsverfahren, bei dem der Ausgangszustand des

Beschichtungsmaterials flüssig ist. Bei der Brillenglasfertigung sind insbesondere Tauch beschichtungsprozesse und Rotationsbeschichtungsprozesse von besonderer Bedeutung. Andere Beschichtungsverfahren sind physikalische oder chemische Gasphasenabscheidungs- prozesse, wie z.B. thermisches Verdampfen, Kathodenzerstäubung usw.

Die Erfindung bezieht sich auf das Herstellen eines gebrauchsfertigen Brillenglases aus einem Brillenglashalbfabrikat mit einer optisch fertig bearbeiteten Fläche mit oder ohne

Funktionsschicht. Dieses Herstellen umfasst zum einen den Schritt (a) der Formgebung der der optisch fertig bearbeiteten Fläche gegenüberliegenden Fläche und zum anderen den Schritt (b) der End- oder Formrandung zur Anpassung des Zylinderrandes an die das gebrauchsfertige Brillenglas aufhehmende Fassungsform. Beide Bearbeitungsschritte erfordern das Halten des Brillenglasrohlings während der jeweiligen Bearbeitungsvorgänge, welche mit

Schneidwerkzeugen, insbesondere Fräs-, Polier- und Schleifwerkzeugen, durchgeführt werden. Das Halten des Brillenglasrohlings erfolgt regelmäßig mit Hilfe eines sogenannten Blockstücks, welches mit Hilfe einer niedrigschmelzenden Metalllegierung oder eines polymeren Materials mit der optisch fertig bearbeiteten Fläche des Brillenglashalbfabrikats verbunden wird. Die Metalllegierung oder das polymere Material wird in geschmolzenem Zustand aufgebracht und anschließend gehärtet, wobei eine starre Schicht von vorgewählter Größe und Form entsteht, die das Brillenglashalbfabrikat mit dem Blockstück verbindet. Als Alternative zum Blocken ist beispielsweise auch die Verwendung eines doppelseitigen Klebebandes bekannt (siehe z.B. WO 02/092524 Al).

Ein Fixieren des Brillenglashalbfabrikates kann aber auch mittels Vakuum erfolgen, wenn der Krümmungsradius des Brillenglashalbfabrikats dem der Vakuumaufnahme entspricht (siehe z.B. EP 2 266 754 Bl), oder mittels Wachs (siehe z.B. DE 2 208 444 Al) oder mittels Thermoplast (siehe z.B. DE 10 2007 007 161 Al und DE 2008 022 360 B4) oder mittels Klebstoff (siehe z.B. DE 10 2007 007 161 Al).

Zum Schutz der optisch fertig bearbeiteten Fläche des Brillenglashalbfabrikats beim Blocken sind im Wesentlichen zwei Maßnahmen bekannt, nämlich (i) das Aufbringen einer temporären Schutzschicht und/oder (ii) das Aufbringen einer Schutzfolie auf die optisch fertig bearbeitete Fläche des Brillenglashalbfabrikats vor dem Aufbringen der geschmolzenen Metalllegierung oder des geschmolzenen Polymermaterials. Schutzschicht als auch Schutzfolie müssen eine hinreichende Adhäsion gewährleisten, was insbesondere bei den durch die mechanische

Oberflächen- und Randbearbeitung verursachten hohen Scherkräften und bei adhäsionsmindemder Superhydrophob- und/oder Superoleophobbeschichtung eine besondere Herausforderung darstellt.

Die WO 00/68326 Al beschreibt das Abscheiden einer mit einem selektiven Lösungsmittel löslichen oder dispergierenden temporären Schutzschicht, welche ein Kunststoffbrillenglas vor Verunreinigungen schützt. Die temporäre Schutzschicht wird in flüssiger Form aufgebracht und dann getrocknet.

Die WO 02/092524 Al beschreibt das Aufbringen einer temporären Schutzschicht, die aus einem Material gebildet ist, das es erlaubt, die Oberflächenenergie des Brillenglases mit hydrophoben und/oder oleophoben Eigenschaften anzuheben, und das geeignet ist, während einer späteren, auf den Formrandungsschritt folgenden Operation eliminiert zu werden. Die temporäre Schutzschicht ist nach diesem Dokument eine mineralische Schicht und insbesondere ein Fluorid oder eine Mischung von Metallfluoriden, ein Oxid oder eine Mischung von

Metalloxiden. Als Beispiel für Fluoride sind in der Beschreibung das Magnesiumfluorid MgF 2 , das Fanthanfluorid FaF 3 , das Aluminiumfluorid AIF3 und das Cerfluorid CeF 3 genannt. Als verwendbare Oxide sind explizit Titanoxid, Aluminiumoxid, Zirkoniumoxid und Praseodymoxid angegeben. Als bevorzugte Dicke einer derartigen temporären Schutzschicht aus einem mineralischen Material sind Werte zwischen 1 und 50 nm angegeben. Als Alternative zu einer temporären Schutzschicht aus einem mineralischen Material schlägt das Dokument Tinten oder Harze, die das Bindemittel für Tinten darstellen, vor, und welche mit einem Tampon auf die Oberfläche des Brillenglases aufgedruckt werden. Harze vom Alkyd-Typ werden empfohlen. Als bevorzugte Dicke einer derartigen temporären Schutzschicht in Form einer Tinte oder eines Harzes sind Werte zwischen 5 und 150 pm angegeben.

Die WO 2004/110946 Al beschreibt das Aufbringen einer 5 bis 50 nm dicken temporären Schutzschicht aus MgF 2 . Um zu verhindern, dass diese Schutzschicht der Randbearbeitung nicht standhält, wenn diese nicht innerhalb von 48 Stunden durchgeführt wird, schlägt das Dokument eine Flüssigphasenbehandlung zur Erzeugung von MgO und/oder Mg(OH) 2 und die

nachfolgende Abscheidung eines nicht-fluorinierten Metalloxids oder -hydroxids, insbesondere MgO und/oder Mg(OH) 2 , vor.

Die EP 2 138 271 Al beschreibt die Verwendung einer temporären Schutzschicht der in der o.a. WO 02/092524 Al beschriebenen Art. Dieses Dokument empfiehlt die Abscheidung der temporären Schutzschicht auf die Hart- und Entspiegelungsbeschichtung, nachfolgende (a) Formgebung der der optisch fertig bearbeiteten Fläche gegenüberliegenden Fläche sowie (b)

End- oder Formrandung zur Anpassung des Zylinderrandes an die das gebrauchsfertige

Brillenglas aufhehmende Fassungsform, Abblocken und Entfernen der temporären Schutzschicht sowie finales Aufbringen einer Abschlussbeschichtung aus der Gruppe Hydrophob-, Oleophob- und Antistatikbeschichtung.

Die Verwendung einer Schutzfolie (Tape) anstelle einer temporären Schutzschicht entnimmt man der WO 80/02431 Al. Diese Schutzfolie ist ein anpassungsfähiges, mehrschichtiges Band. Die Schutzfolie umfasst eine polymere Trägerschicht, einen druckempfindlichen Kleber auf einer Hauptfläche und eine klebfreie Haftschicht auf der anderen Hauptfläche. Der Kleber ist eine Verbindung oder Zusammensetzung, die so beschaffen ist, dass sie trocken

(lösungsmittelfrei), aggressiv und dauerhaft bei Raumtemperatur klebrig durch bloßen Kontakt mit dem Finger oder der Hand auf einem Substrat haftet. Die Schutzfolie ist anpassungsfähig oder anschmiegsam, das heißt, sie folgt der Krümmung der Brillenglasrohlinge ohne Falten, Fuftblasen oder anderen Diskontinuitäten. Darüber hinaus ist die Schutzfolie vorzugsweise durchscheinend, das heißt, sie lässt Ficht hindurch passieren. Die Schutzfolie soll aber bevorzugt nicht opak sein, kann aber gefärbt sein. Die beschriebene Schutzfolie hat ein 2% Sekanten- Modulus im Bereich von etwa 350 bis 2000 kg/cm 2 , einen Scherwert von mindestens 500 Minuten, einen 180° Schälwert im Bereich zwischen 150 und 750 g/cm Breite, eine

Bruchdehnung im Bereich zwischen 300 und 800 % und eine Überlappungsscherwert von mindestens 9 kg/cm 2 . Die Schutzfolie soll vorzugsweise eine Zugfestigkeit bei 100 % Dehnung im Bereich von etwa 0,2 bis 4 kg/cm besitzen.

Eine Vielzahl von Klebstoffen ist nach dieser Druckschrift als Haftkleber geeignet. Dazu gehören Polyakrylat-Klebemassen, Naturkautschukklebstoffe und thermoplastische

Gummiklebstoffe. Bevorzugt ist ein Kleber auf Polyakrylat-Basis.

Nach dem Aufträgen der Schutzfolie auf die optisch fertig bearbeitete Fläche des

Brillenglashalbfabrikats wird der abstehende Teil der Schutzfolie abgeschnitten (siehe Seite 13, Zeilen 20-21) und das Brillenglashalbfabrikat nachfolgend geblockt.

Die WO 97/10923 Al beschreibt eine Schutzfolie, dort auch als Oberflächenschutzband oder Tape bezeichnet, der vorstehend beschriebenen Art. Die Schutzfolie ist anpassungsfähig, das heißt, sie folgt der Biegung der Brillenglasrohlinge ohne Falten oder Luftblasen. Außerdem ist die Schutzfolie vorzugsweise durchscheinend (das heißt, sie ist lichtdurchlässig) und bevorzugt auch optisch klar, so dass der Brillenglasrohling vor dem Blocken in der geeigneten Vorrichtung visuell ausgerichtet werden kann. Um die Sichtbarkeit zu verbessern sind Farbmittel (z.B.

Farbstoffe und Pigmente) in der Schutzfolie. Außerdem hinterlässt die Schutzfolie praktisch keinen Klebstoffrückstand, wenn sie von dem Brillenglas entfernt wird. Die Schutzfolie umfasst eine polymere Trägerschicht, einen druckempfindlichen Kleber auf einer Hauptfläche und eine klebfreie Haftschicht auf der anderen Hauptfläche. Die Gesamtdicke des polymeren Trägers beträgt zwischen 0,01 und 0,25 mm. Nach dem Aufbringen wird überschüssiges Band vom Rand des Brillenglasrohlings abgeschnitten (siehe Seite 22, letzter Abschnitt). Dann wird der

Brillenglasrohling geblockt.

Die WO 97/10924 Al beschreibt ebenfalls eine Schutzfolie der in der WO 80/02431 Al und der in der WO 97/10923 Al beschriebenen Art.

Auch die JP 60135167 A2 beschreibt eine Schutzfolie für eine Linse. Die Schutzfolie umfasst einen transparenten oder opaken Harzfilm und kann ein- oder beidseitig mit einem Haftkleber versehen sein. Die Schutzfolie dient dem Schutz der Linse vor Beschädigung durch

Markierungen, Führungslinien oder dergleichen, die auf die optische Mitte der Linse oder darum herum aufgebracht sind und vor Schäden durch einen auf die Mitte der Linse aufgesetzten Sauger.

Die EP 0 285 490 Al beschreibt eine Vorrichtung und ein Verfahren zum Aufbringen einer Schutzfolie der in den Dokumenten WO 80/02431 Al, WO 97/10923 Al, WO 97/10924 Al beschriebenen Art auf die optisch fertig bearbeitete Fläche eines Brillenglashalbfabrikats. Das unter Verwendung der Vorrichtung beschriebene Verfahren umfasst die Schritte xi) Anordnen eines Brillenglases auf einem Träger, x 2 ) Abwickeln einer Rolle eines Schutzfolienbands, das eine Klebefläche aufweist, und eines abziehbaren Streifens, der über der Klebefläche liegt, X3) Trennens des abziehbaren Bandstreifens, x 4 ) Stanzen eines Lochs mit einem vorbestimmten Durchmesser, der größer als der des Brillenglases ist, in das von dem Klebeband getrennte Abziehband, xs) Gruppieren des gestanzten Ablösebandes und des Klebebands derart, dass ein runder Teil davon entsteht und die Klebefläche des Klebebands durch das Loch des gestanzten Abziehstreifens frei bleibt, wobei xe) das gestanzte Ablöseband und das Klebeband zwischen dem Träger und einem Stützkissen hindurchgeführt werden, wobei X7) der freiliegende Abschnitt der Klebefläche des Klebebands auf einer Seite des Brillenglases aufgebracht wird durch relative Bewegung des Träger und des Kissens aufeinander zu, xs) Abschneiden des Klebebands um die Umfangskante des Brillenglases herum, xs>) Evakuieren des Brillenglases mit dem

ausgeschnittenen Abschnitt des Klebestreifens, so dass dieser an der Oberfläche des

Brillenglases haftet und den Schutzfilm bildet, xio) Evakuieren des verbleibenden

ausgeschnittenen Abschnitts des Bandes und des gelochten Ablösebandes und nachfolgendes Wiederholen der Schritte xi) bis xio). Das derart mit einer Schutzfolie versehene

Brillenglashalbfabrikat wird dann geblockt und das geblockte Brillenglashalbfabrikat den o.a. Bearbeitungsschritten (a) und (b) zugeführt.

Obwohl sich Schutzfolien der oben beschriebenen Art entsprechend der oben beschriebenen Applikation dem Grunde nach bewährt haben, besteht weiterer Verbesserungsbedarf.

Insbesondere hat sich gezeigt, dass die optisch fertig bearbeitete Fläche des Brillenglasrohlings, insbesondere deren applizierte Funktionsschichten, nach Entfernen der Schutzfolie

Beschädigungen aufweist bzw. wegen Haftungsproblemen zu Ablösungen und/oder

Aufwerfungen /Falten) versagen.

Die Aufgabe der Erfindung besteht darin einen Brillenglasrohling, bei dem eine Schutzfolie auf einer optisch fertig bearbeitete Fläche appliziert ist, bereitzustellen, bei dem nach Entfernen der Schutzfolie das Auftreten von Beschädigungen reduziert ist. Eine weitere Aufgabe der Erfindung besteht darin, ein Herstellverfahren sowie eine entsprechende Herstellvorrichtung für ein

Brillenglas bereitzustellen, bei dem von einem Brillenglasrohling mit optisch fertig bearbeiteter Fläche ausgegangen wird, auf die eine Schutzfolie appliziert wurde, bei dem das Auftreten von Beschädigungen der optisch fertig bearbeiteten Fläche, insbesondere von solchen mit

Funktionsschichten, reduziert ist.

Diese Aufgabe wird durch einen Brillenglasrohling mit den Merkmalen des Patentanspruchs 1 , ein Verfahren mit den Merkmalen des Patentanspruchs 5 und eine Vorrichtung mit den

Merkmalen des Patentanspruchs 16 gelöst. Vorteilhafte Ausführungen und Weiterbildungen der Erfindung sind Gegenstand der Unteransprüche.

Die Erfindung geht von einem Brillenglasrohling mit einer optisch fertig bearbeiteten Fläche und einer Zylinderrandfläche und mit einer Schutzfolie auf der optisch fertig bearbeiteten Fläche aus. Ein Brillenglasrohling ist in diesem Zusammenhang entweder ein Halbfabrikat oder ein Fertigfabrikat. Der Brillenglasrohling kann also eine oder zwei optisch fertig bearbeitete Flächen aufweisen. Es kann also entweder die Vorderfläche des Brillenglasrohlings optisch fertig bearbeitet sein oder die Rückfläche oder beide Flächen, also Vorder- und Rückfläche. Eine optisch fertig bearbeitete Fläche ist in diesem Zusammenhang eine Fläche, die zumindest die endgültige Form aufweist. Sie kann, muss aber nicht, eine oder mehrere Funktionsschichten der in der Beschreibungseinleitung beschriebenen Art aufwiesen. Zu einem späteren Zeitpunkt können also noch eine oder mehrere Funktionsschichten appliziert werden. Häufig, insbesondere aus den in den in der Beschreibungseinleitung genannten Druckschriften beschriebenen Gründen ist die konvex gekrümmte Vorderfläche die optisch fertig bearbeitete Fläche. Unter Schutzfolie versteht man entsprechend der Beschreibungseinleitung eine Folie, die zumindest auf einer Seite eines Trägers aus Kunststoff oder dergleichen eine haftende Substanz aufweist, mit der diese Folie unter gewissem Druck mit den zuvor beschriebenen Brillenglasflächen lösbar verbindbar ist, so wie dies in den vorstehend genannten Druckschriften WO 80/02431 Al, WO 97/10923 Al, WO 97/10924 Al, EP 0 285 490 Al und JP 60135167 A2 beschrieben ist. Die genannten Dokumente beschreiben eine Mehrzahl an Trägermaterialien. Der vorzugsweise aus einem polymeren Material bestehende Träger weist eine Gesamtdicke zwischen 0,01 und 0,25 mm auf. Die haftende Substanz umfasst regelmäßig einen Haftkleber. Eine Vielzahl von Klebstoffen ist nach den vorstehend angegebenen Druckschriften als Haftkleber geeignet. Dazu gehören Polyakrylat-Klebemassen, Naturkautschukklebstoffe und thermoplastische Gummiklebstoffe. Bevorzugt ist ein Kleber auf Polyakrylat-Basis. Die Schutzschicht soll die in der

Beschreibungseinleitung genannten Anforderungen erfüllen. Insbesondere muss diese die Kräfte bei der Gegen- und Randflächenbearbeitung aufnehmen, die optisch fertig bearbeitete Fläche vor Verschmutzung schützen und sich rückstandsfrei wieder entfernen lassen.

Die Erfindung ist dadurch gekennzeichnet, dass die Schutzfolie nicht nur auf der optisch fertig bearbeiteten Fläche, sondern auch auf der Zylinderrandfläche angeordnet ist. Die Schutzfolie kann die optisch fertig bearbeitete Fläche vollumfänglich oder auch nur zu einem gewissen Flächenanteil überdecken. Dies gilt auch für die Zylinderrandfläche. Die Bedeckung zumindest eines Teils der Zylinderrandfläche mit der anhaftenden Schutzfolie, insbesondere im

Übergangsbereich zwischen optisch fertig bearbeiteter Fläche und Zylinderrandfläche, verhindert, dass in den Funktionsschichtstapel oder in den„Zwischenraum“ zwischen

Schutzfolie und optisch fertig bearbeiteter Fläche Feuchtigkeit oder Umgebungsluft eindringen können, die sich beschädigungsverursachend oder -fördernd auswirken. Es hat sich nämlich herausgestellt, dass die Haftung am„rohen“ Zylinderrand signifikant besser ist, als auf der optisch wirksamen Vorder- oder Rückfläche des Brillenglases, weil die

Oberflächenbeschaffenheit vom Abgießen aber teilweise auch Abzentrieren deutlich besser für diesen Zweck ist. Darüber hinaus ist die Grenzfläche„Ende der Schutzfolie (Tape) zu

Atmosphäre“ nicht auf der eine optische Wirkfläche darstellenden Front- oder Rückfläche ist. sondern beim bestimmungsgemäßen Gebrauch am optisch nicht genutzten Zylinderrand. Es hat sich gezeigt, dass wenn ein sogenannter Kleberestübertrag der Schutzfolie nach dem Ablösen der Schutzfolie vom Brillenglas(rohling) auftritt, dieser immer am Rand auf den ersten 0,5 bis 3 mm auftritt. Ist die Schutzfolie, wie nach dem Stand der Technik üblich, nur auf der optisch wirksamen Fläche aufgebracht, so befinden sich häufig Klebereste auf der optisch wirksamen Fläche. Überdeckt die Schutzfolie den Zylinderrand teilweise, so befindet sich die Grenzfläche am Zylinderrand und es befinden sich keine Klebereste auf der optisch wirksamen Vorder- (oder ggf. Rück)fläche.

Das entsprechende Verfahren zum Herstellen eines Brillenglases aus einem Brillenglasrohling mit einer optisch fertig bearbeiteten Fläche und einer Zylinderrandfläche, bei dem auf die optisch fertig bearbeitete Fläche eine Schutzfolie appliziert wird, ist erfindungsgemäß dadurch gekennzeichnet, dass die Schutzfolie auch auf die Zylinderrandfläche appliziert wird.

Die zum Verfahren korrespondierende Vorrichtung zum Herstellen eines Brillenglases aus einem Brillenglasrohling mit einer optisch fertig bearbeiteten Fläche und einer Zylinderrandfläche, bei dem auf die optisch fertig bearbeitete Fläche eine Schutzfolie appliziert wird, ist

erfindungsgemäß dadurch gekennzeichnet, dass sie eine Applikationseinrichtung aufweist, um die Schutzfolie auch auf die Zylinderrandfläche zu applizieren. Die eingangs gestellte Aufgabe wird durch die vorstehend beschriebene erfindungsgemäße Maßnahme im Hinblick auf den Brillenglasrohling als auch im Hinblick auf das Herstellverfahren und die Herstellvorrichtung vollumfänglich gelöst.

Eine Ausführungsvariante der Erfindung sieht vor, dass die Schutzfolie längs des gesamten Umfangs der Zylinderrandfläche angeordnet ist. Anders ausgedrückt wird bei dem

erfindungsgemäßen Herstellverfahren die Schutzfolie längs des gesamten Umfangs auf der Zylinderrandfläche appliziert. Der gesamte Übergangsbereich zwischen optisch fertig bearbeiteter Fläche und Zylinderrandfläche ist damit vor der beschädigungsverursachend oder - fördernd wirkenden Umgebung geschützt. Eine Ausführungsvariante der Erfindung sieht vor, dass die Schutzfolie ausgehend von einer umlaufenden Grenzlinie, an der die Zylinderrandfläche an die optisch fertig bearbeitete Fläche grenzt, über ein Mindestmaß aus der nachfolgenden Gruppe:

(i) 0,5 mm

(ii) 1 mm

(iii) 2 mm

(iv) die Hälfte der Zylinderrandhöhe

(v) die gesamte Zylinderrandhöhe

auf der Zylinderrandfläche angeordnet ist. Das Herstellverfahren umfasst entsprechend dieser Ausführungsvariante den Verfahrensschritt, dass die Schutzfolie ausgehend von einer umlaufenden Grenzlinie, an der die Zylinderrandfläche an die optisch fertig bearbeitete Fläche grenzt, über ein Mindestmaß aus der nachfolgenden Gruppe:

(i) 0,5 mm

(ii) 1 mm

(iii) 2 mm

(iv) die Hälfte der Zylinderrandhöhe

(v) die gesamte Zylinderrandhöhe

auf der Zylinderrandfläche appliziert wird. Die Zylinderrandhöhe ist die Abmessung zwischen dem Außenberandung (Grenzlinie) der optisch fertig bearbeiteten Fläche, auf dem die

Schutzfolie angebracht ist und dem Außenberandung (Grenzlinie) der dieser gegenüberliegenden Gegenfläche. Da die Schutzfolie regelmäßig auf der konvexen Vorderfläche aufgebracht wird, ist die Gegenfläche die Rückfläche. Eine Applikation über die gesamte Zylinderrandhöhe bedeutet, dass der Zylinderrand vollständig mit der Schutzfolie versehen ist. Ein Mindestmaß von 0,5 mm hat sich als vorteilhaft herausgestellt, um eine lösbare aber dauerhafte Verbindung zwischen Schutzfolie und Zylinderrand herzustellen. Geringere Mindestmaße können zu selbstständigem Ablösen der Schutzfolie aufgrund deren begrenzten Elastizität führen.

Die Haftung am„rohen“ Zylinderrand -wie oben bereits ausgeführt wurde- signifikant besser, weil die Oberflächenbeschaffenheit vom Abgießen aber teilweise auch Abzentrieren deutlich besser ist. Die Grenzfläche„Ende des Tapes zu Atmosphäre“ nicht auf der optischen Wirkfläche ist, sondern auch am Zylinderrand. Es hat sich gezeigt, dass wenn es Kleberestübertrag der Folie gibt dann immer am Rand auf die ersten 0,5 bis 3 mm. Wenn die Grenzfläche am Rand ist, gibt es keine Klebereste auf der optischen Wirkfläche. Eine weitere Ausführungsvariante der Erfindung besteht darin, dass die Schutzfolie eine temporäre Markierung aufweist. Eine temporäre Markierung bedeutet, dass sie mit Hilfe eines Lösungsmittels durch manuelles Wischen entfembar ist, ohne die Schutzwirkung der Schutzfolie selbst für die darunter liegende Oberfläche des Brillenglasrohlings zu beeinträchtigen. Eine temporäre Markierung ist insbesondere eine Markierung in Form einer Stempelung im Sinne des

Abschnitts 14.2.13 der DIN EN ISO 13666:2013-10.

Um eine falten-, blasen- und diskontinuitätsfreie Verbindung zwischen der Schutzfolie und der optisch fertig bearbeiteten Fläche sowie der Zylinderrandfläche herzustellen, hat es sich in einer besonders vorteilhaften Ausführungsvariante des erfindungsgemäßen Verfahrens als günstig herausgestellt, wenn die Schutzfolie bei gegenüber Raumtemperatur erhöhter Temperatur auf die optisch fertig bearbeitete Fläche und die Zylinderrandfläche appliziert wird. Insbesondere die nachfolgend angegebenen Temperaturbereiche haben sich als empfehlenswert herausgestellt: Applikation der Schutzfolie bei einer Temperatur der Schutzfolie aus der Gruppe:

(i) zwischen 450°C und 85°C

(ii) zwischen 50°C und 80°C

(iii) zwischen 55°C und 75 °C

(iv) zwischen 60°C und 70°C

(v) zwischen 62°C und 68°C

(vi) zwischen 64°C und 66 °C

auf die optisch fertig bearbeitete Fläche und die Zylinderrandfläche. Die Herstellung einer falten- sowie blasen- und diskontinuitätsfreien Verbindung zwischen der Schutzfolie und der optisch fertig bearbeiteten Fläche sowie der Zylinderrandfläche erfordert nämlich eine hinreichende Elastizität des Trägers der Schutzfolie, um sich an die festen Oberflächen des Brillenglasrohlings anschmiegen zu können. Zur Erreichung diese Elastizität ist eine Erhöhung der Temperatur der Schutzfolie gegenüber der umgebenden Raumtemperatur erforderlich. Die gewählte Temperatur darf jedoch weder zur Zerstörung der Schutzfolie noch zur Zerstörung des Brillenglasrohlings führen. Es hat sich gezeigt, dass Temperaturen um 60°C beiden Anforderungen am besten genügen. Die Temperaturerhöhung der Schutzfolie kann z.B. mit Hilfe eines Heizluftgebläses durchgeführt werden, welches die Schutzfolie im Bereich der Applikationsfläche erwärmt. Das Heiz- oder Warmluftgebläse kann einseitig oder beidseitig der Schutzfolie angeordnet sein. Eine Erwärmung durch das Heiz- oder Warmluftgebläse kann demnach nur von der der

Brillenglasoberfläche abgewandten Seite der Schutzfolie, von der der Brillenglasoberfläche zugewandten Seite oder von beiden Seiten erfolgen. Alternativ ist es auch möglich, einen Heizstrahler, z.B. einen Infrarotstrahler einzusetzen, welcher auf der der Brillenglasoberfläche abgewandten Seite der Schutzfolie angeordnet ist. Soweit die Schutzfolie von einem Band abgerollt und auf den Brillenglasflächen appliziert und zugeschnitten wird, wie dies z.B. in der EP 0 285 490 Al beschrieben ist, genügt die lokale Erwärmung im Bereich der

Applikations fläche.

In besonderer Ausgestaltung dieser Variante ist es hilfreich, wenn die Schutzfolie auf die optisch fertig bearbeitete Fläche und die Zylinderrandfläche mit Hilfe eines mechanischen Formteils appliziert wird. Ein derartiges mechanisches Formteil kann ein Stempel sein, wie dies z.B. in der EP 0 285 490 Al beschrieben ist. Der Stempel kann eine hohlzylinderförmige Gestalt aufweisen, die komplementär zur Oberflächengeometrie der Brillenglasflächen ausgebildet ist, auf die die Schutzfolie appliziert wird. Insgesamt kann die Applikationseinrichtung identisch oder ähnlich zu der in der EP 0 285 490 Al beschriebenen und dort in den Figuren dargestellten Apparatur ausgebildet sein. Es ist auch möglich, dass die Applikationseinrichtung in der Art einer Rolle ausgebildet ist, die rollend über die Brillenglasoberflächen geführt wird. Die Rolle kann z.B. auf einer starren Achse drehbar gelagert sein. Die Rolle kann eine elastisch nachgiebige Oberfläche ähnlich einem Schwamm oder einem Gummi aufweisen.

Eine weitere Ausführungsvariante des erfindungsgemäßen Verfahrens sowie der zugehörigen Vorrichtung besteht darin, dass die Schutzfolie mit Hilfe eines atmosphärischen Unterdrucks zwischen Schutzfolie und optisch fertig bearbeiteter Fläche und/oder Zylinderrandfläche appliziert wird. Unter atmosphärischem Unterdrück soll im Rahmen der vorliegenden Erfindung ein Luft- oder Umgebungsgasdruck unter dem natürlichen Luftdruck verstanden werden, welcher in etwa 1013 hPa entspricht. Durch diese Maßnahme wird erreicht, dass sich die erwärmte Schutzfolie falten-, blasen- und diskontinuitätsfrei an die Brillenglasoberflächen anschmiegt.

Eine falten-, blasen- und diskontinuitätsfreie Applikation der Schutzfolie ist bei einem Druck im Bereich zwischen (i) 10 und 1000 hPa möglich. Bevorzugte Druckbereiche in der Reihenfolge zunehmender Bevorzugung sind

(ii) zwischen 100 und 900 hPa

(iii) zwischen 200 und 800 hPa

(iv) zwischen 300 und 700 hPa

(v) zwischen 400 und 600 hPa. Ein Unterdrück auf der Brillenglasseite der Schutzfolie gegenüber der der Brillenglasseite gegenüber liegenden Seite der Schutzfolie lässt sich mit handelsüblichen Vakuumpumpen herstellen.

Um Verschmutzungen und insbesondere das Anhaften unerwünschter Substanzen durch Kontakt der optisch fertig bearbeiteten Oberfläche und des applizierten Funktionsschichtstapels mit der Umgebungsatmosphäre zu verhindern oder zumindest zu reduzieren, hat es sich als vorteilhaft herausgestellt, die Schutzfolie innerhalb eines Zeitraums aus der Gruppe:

(i) weniger als 72 Stunden

(ii) weniger als 48 Stunden

(iii) weniger als 24 Stunden

(iv) weniger als 12 Stunden

(v) weniger als 6 Stunden

(vi) weniger als 3 Stunden

(vii) weniger als 1 Stunde

(viii) weniger als 30 Minuten

nach Fertigstellen der optisch fertig bearbeiteten Fläche zu applizieren. Die angegebenen Zeitdauern sind wiederum in der Reihenfolge zunehmender Bevorzugung angegeben, wobei die klimatischen Bedingungen und insbesondere auch jahreszeitliche Schwankungen zu

berücksichtigen sind.

Nach dem Stand der Technik ist es allgemein üblich, Kunststoffhalbfabrikate nach dem

Abgießen in eine Kunststoffschale abzulegen und diese dann in eine Faltschachtel zu verpacken. Alternativ ist es nach dem Stand der Technik auch bekannt, Kunststoffhalbfabrikate in ein weiches tuch- oder packpapierartiges Kunststoffstück einzuwickeln, oder in eine geschäumte Kunststofffolie (sog.„foam wrap“) oder einen Plastik-Tiefzieheinsatz (sog.„plastic cup“), bevor diese in die Faltschachtel verpackt werden. Die Halbfabrikate werden dann derart verpackt zu den Rezeptwerkstätten versandt. Dieser Vorgang ist zeit- und personalintensiv und verursacht damit nicht zu vernachlässigende Kosten. Die Erfindung sieht daher vor, den Brillenglasrohling mit der applizierten Schutzfolie direkt ohne weiteres Verpackungsmaterial insbesondere in einer Umverpackung z.B. Faltschachtel, Röhre, Tiefziehschale zu verpacken und sich die oben angegebenen zusätzlichen Einhüllschritte zu sparen. Der derart verpackte Brillenglasrohling mit bereits applizierter Schutzfolie wird

erfindungsgemäß vorteilhafterweise dann versandt.

In konsequenter Weise ist es dann vorteilhaft, wenn der derart verpackte Brillenglasrohling nach Erreichen seiner Zieldestination (z.B. in der Rezeptwerkstätte) ausgepackt wird, dass der ausgepackte Brillenglasrohling (z.B. in der Rezeptwerkstätte) auf der Schutzfolie geblockt wird und/oder (z.B. in der Rezeptwerkstätte oder bereits am Herstellort des Halbfabrikats) mit einer temporären Markierung versehen wird.

In weiterer vorteilhafter Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens ist vorgesehen, dass der geblockte Brillenglasrohling wenigstens einem Bearbeitungsschritt aus der nachfolgenden Gruppe unterzogen wird, nämlich:

(i) Formgeben der der optisch fertig bearbeiteten Fläche gegenüberliegenden Fläche

(ii) Aufbringen wenigstens einer Funktionsschicht auf die gegenüberliegende formgebend bearbeiteten Fläche

(iii) Aufbringen einer temporären Markierung auf die Schutzfolie

(iv) Aufbringen eines Identifikations-Codes

(v) End- oder Formranden der Zylinderrandfläche zur Anpassung des Zylinderrandes an eine ein gebrauchsfertiges Brillenglas aufnehmende Fassungsform,

(vi) Abblocken

(vii) Entfernen der Schutzfolie

(viii) Aufbringen wenigstens einer Funktionsschicht auf die optisch fertig bearbeitete Fläche nach Entfernen der Schutzfolie.

Die Erfindung wird nachfolgend anhand der Zeichnung näher beschrieben. Es zeigen:

Figur 1 Herstellung eines Brillenglases

a) Prozessschritte nach dem Stand der Technik

b) Wickelverpackung

c) Schalenverpackung

d) Prozessschritte nach der Erfindung

e) Faltschachtelverpackung eines Brillenglasrohlings mit Schutzfolie nach der Erfindung

Figur 2 Erfindungsgemäßes Applizieren einer Schutzfolie auf einem Brillenglasrohling Figur 3 Erfindungsgemäße Applikationseinrichtung in Form einer Rolle mit schwammartiger Schaumstoffoberfläche

a) Applizieren der Schutzfolie auf der optisch fertig bearbeiteten Fläche eines Brillenglasrohlings

b) Applizieren der Schutzfolie auf der Zylinderrandfläche des Brillenglasrohlings

Figur 4 Brillenglasrohling mit erfindungsgemäß applizierter Schutzfolie

a) Querschnitt eines Brillenglasrohlings mit auf einer optisch fertig bearbeiteter Fläche und auf Zylinderrandfläche applizierter Schutzfolie

b) Perspektivische Darstellung eines Brillenglasrohlings, bei dem die Schutzfolie bei einer Temperatur von 40°C appliziert wurde

c) Perspektivische Darstellung eines Brillenglasrohlings, bei dem die Schutzfolie bei einer Temperatur von 60-70°C appliziert wurde

Figur 5 Brillenglasrohling mit erfindungsgemäß applizierter Schutzfolie

a) Perspektivische Darstellung eines Brillenglasrohlings mit erfindungsgemäß applizierter Schutzfolie und mit Hilfe eines Tintenstrahldruckers aufgebrachten Zentrier- und Einschleifmarkierungen

b) Perspektivische Darstellung eines Brillenglasrohlings mit erfindungsgemäß applizierter Schutzfolie und mit Hilfe eines Tintenstrahldruckers aufgebrachten Zentrier- und Einschleifmarkierungen und aufgesetztem Blockstück

Figur 6 ein Ausführungsbeispiel eines erfindungsgemäßen Applizierens einer Schutzfolie als Bestandteil eines Verfahrens zum Herstellen eines Brillenglases aus einem Brillenglasrohling mit einer optisch fertig bearbeiteten Fläche und einer

Zylinderrandfläche .

Die Figur 1 zeigt die Herstellung eines Brillenglases nach dem Stand der Technik im Vergleich zur Herstellung eines Brillenglases nach der Erfindung. Die Figur la) zeigt die typischen Prozessschritte des Herstehverfahrens nach dem Stand der Technik. In einem ersten Schritt 101 wird ein Halbfabrikat 1 abgegossen. Die konvexe Vorderfläche hat regelmäßig bereits seine optisch fertige Oberflächengeometrie. Es können diverse Funktionsschichten aufgebracht werden, wie dies bereits in der Beschreibungseinleitung beschrieben ist. Danach wird in einem Schritt 102 das Halbfabrikat 1 entweder mit einer Wickelfolie 110 der in der Figur lb) gezeigten Art eingewickelt oder in eine Kunststoffschale 111 der in der Figur lc) gezeigten Art eingelegt. Nach dem Einwickeln oder Einlegen folgt die Verpackung in einer Faltschachtel 112 in einem Schritt 103. Es erfolgt dann ein Versand vom Ort des Abgießens z.B. zu einer Rezeptwerkstätte (Schritt 104). Dort wird die Faltschachtel 112 mit dem Brillenglasrohling 1 gelagert (Schritt 105), bis es für die Weiterverarbeitung gebraucht wird. Dann erfolgt in einem Schritt 106 ein Entpacken aus der Faltschachtel 112 sowie in einem weiteren Schritt 107 das Auswickeln oder die Entnahme aus der Kunststoffschale 111. Nach dem Stand der Technik wird dann in einem weiteren Schritt 108 eine Schutzfolie 2 der in der Beschreibungseinleitung im Detail

beschriebenen Art appliziert. Dann erfolgt die Bearbeitung der zur optisch fertig bearbeiteten Fläche gegenüberliegende (Rezept-)Fläche und die Randbearbeitung entsprechend den in der Beschreibungseinleitung angegebenen Prozessschritten (a) und (b). Die Dauer, während der die Schutzfolie auf dem Halbfabrikat appliziert ist, beträgt regelmäßig zwischen 0,1 und 2 Stunden.

Vergleichend zur Darstellung nach der Figur la) zeigt die Figur ld) die Prozessschritte des Herstellverfahrens nach der Erfindung. Es finden sich die Prozessschritte 101, 103, 104, 105 und 106 sowie 109 in entsprechender Weise wieder. Diese Prozessschritte sind in der Figur ld) durch die Bezugszeichen 201, 203, 204, 205 und 206 sowie 207. Der Prozessschritt 102 als solcher entfällt bei dem Herstellverfahren nach der Erfindung. Der Prozessschritt 108 erfolgt (in erfindungsgemäß modifizierter Form, wie nachfolgend beschrieben) in der zeitlichen

Reihenfolge anstelle des Prozessschritts 102 und ist in der Figur ld) daher mit dem

Bezugszeichen 202 gekennzeichnet.

Der Zustand des Brillenglasrohlings 1 in der Faltschachtel 112 im Prozessschritt 203 ist in der Figur lf) dargestellt. Die Faltschachtelverpackung umfasst hier also einen Brillenglasrohling 1 mit Schutzfolie 2 nach der Erfindung.

Die Dauer, während der die Schutzfolie 2 auf dem Halbfabrikat 1 appliziert ist, beträgt bei dem erfindungsgemäßen Verfahren zwischen einem Tag und ggf. mehreren Wochen, bis zu 6 Monaten bei sogenannten Freiformbrillenglashalbfabrikaten, bis zu einem Jahr bei abgegossenen Gleitsicht-Halbfertigfabrikaten. Kommerziell erhältliche Schutzfolien, wie z.B. DAC Vision ST-4004, Satisloh Superstick, Fohmann DuploColl 21393 und VigTeQnos Z-6294 lassen sich selbst nach dieser vergleichsweise langen Applikationsverweildauer wieder problemlos entfernen.

Die Figur 2 zeigt eine Vorrichtung und ein Verfahren zum erfindungsgemäßen Applizieren einer Schutzfolie 2 auf einem Brillenglasrohling 1 , insbesondere einem Halbfabrikat 1. Die

Schutzfolie 2 wird relativ zu dem Halbfabrikat 1 in Richtung dessen optisch fertig bearbeiteter Vorderfläche 3 bewegt. Gleichzeitig wird der Bereich zwischen Vorderfläche 3 und Schutzfolie 2 evakuiert, was mit dem Symbol p gekennzeichnet ist. p bezeichnet einen (Unter-)Druck gegenüber dem oberhalb der Schutzfolie 2 herrschenden Atmosphärendruck. Dadurch entsteht eine Druckkraft F P , welche die Schutzfolie 2 auf die Vorderfläche 3 des Halbfabrikats 1 drückt. Durch eine erhöhte Temperatur T von etwa 60 °C-70 °C der Halbfabrikatvorderfläche 3 und/oder der Schutzfolie 2 im Bereich der Applikationsfläche und die wirkende Druckkraft F P wird erreicht, dass sich die Schutzfolie 2 plastisch verformt und falten-, blasen- und

diskontinuitätsfrei an die Halbfabrikatvorderfläche 3 und die Zylinderrandfläche 4 anschmiegt. Die plastische Verformung der Schutzfolie 2 ist in der Zeichnung mit dem Bezugszeichen 2‘ angedeutet. Der Haftkleber 2a auf der der Vorderfläche 3 des Halbfabrikats 1 zugewandten Seite der Schutzfolie 2 sorgt für eine lösbare Verbindung zwischen Halbfabrikatvorderfläche 3 und Schutzfolie 2 sowie zwischen die Zylinderrandfläche 4 und Schutzfolie 2.

Zur Erzeugung einer vollflächigen Falten- und Blasenfreiheit kann eine Rolle 5 unter

Kraftbeaufschlagung auf der Schutzfolie 2 aufliegend über die Vorderfläche 3 und die

Zylinderrandfläche 4 des auf einem Halter 6 aufliegenden Halbfabrikats 1 geführt werden, wie dies in den Figuren 3a) und 3b) gezeigt ist. Die Figur 3 zeigt nämlich eine erfindungsgemäße Applikationseinrichtung in Form einer Rolle 5 mit schwammartiger Schaumstoffoberfläche, wobei der Figurenteil a) das Applizieren der Schutzfolie 2 auf der optisch fertig bearbeiteten Fläche 3 des Brillenglasrohlings 1 und Figurenteil b) das Applizieren der Schutzfolie 2 auf der Zylinderrandfläche 4 des Brillenglasrohlings 1 zeigt.

Der Figur 4a) entnimmt man einen Brillenglasrohling 1 mit erfindungsgemäß applizierter Schutzfolie 2 im Querschnitt. Die Schutzfolie 2 ist vollumfänglich auf der optisch fertig bearbeiteten Fläche 3 des Brillenglasrohlings 1 und über deren gesamten Höhenerstreckung h auf der Zylinderrandfläche 4 applizierter Schutzfolie 2. Der Figur 4a) entnimmt man, dass die optisch fertig bearbeitete Fläche 3 sogenannte Funktionsschichten 3 a und 3b trägt. Im Beispiel sollen 3a auf die Existenz einer Hartbeschichtung und 3b auf das Vorliegen einer

Entspiegelungsschicht hinweisen. Obwohl im gezeigten Beispiel die gesamte Zylinderrandfläche 4 mit der Schutzfolie 2 bedeckt ist, muss dies nach der Erfindung nicht zwangsläufig so sein. Es kann insbesondere auch nur ausgehend von einer umlaufenden Grenzlinie 6 zwischen den Flächen 3 und 4 bis zu einer Teilhöhe ht von z.B. etwa 1 mm eine anhaftende Bedeckung durch die Schutzfolie 2 vorliegen. Der Figur 4b) entnimmt man eine nichtschematische perspektivische Darstellung eines

Brillenglasrohlings 1, bei dem die Schutzfolie 2 bei einer Temperatur von 40 °C appliziert wurde. Zum Vergleich zeigt die Figur 4c) eine perspektivische Darstellung eines

Brillenglasrohlings 1, bei dem die Schutzfolie 2 bei einer Temperatur von 60 -70°C appliziert wurde. Während die bei 60 -70°C applizierte Schutzfolie 2 sowohl im Zylinderrandbereich 4 als auch auf der Vorderfläche 3 blasen-, falten- und diskontinuitätsfrei ist, zeigt die Schutzfolie 2, die bei niedrigerer Temperatur appliziert wurde besonders im Zylinderrandbereich 4 Falten.

Die Figur 5 zeigt Brillenglasrohlinge mit erfindungsgemäß applizierter Schutzfolie. Der in Figur 5 a) gezeigten perspektivischen Darstellung eines Brillenglasrohlings mit erfindungsgemäß applizierter Schutzfolie entnimmt man mit Hilfe eines Tintenstrahldruckers aufgebrachte Zentrier- und Einschleifmarkierungen 7. Die perspektivische Darstellung zeigt einen

Brillenglasrohling mit erfindungsgemäß applizierter Schutzfolie und mit Hilfe eines

Tintenstrahldruckers aufgebrachten Zentrier- und Einschleifmarkierungen sowie aufgesetztem Blockstück 8.

Die Figur 6 zeigt ein Ausführungsbeispiel für ein erfindungsgemäßes Applizieren einer

Schutzfolie 2 beim Herstellen eines Brillenglases aus einem Brillenglasrohling 1 mit einer optisch fertig bearbeiteten Fläche 3 und einer Zylinderrandfläche 4.

Der Applizier- oder Tapingprozess umfasst folgende Verfahrensschritte: In einem ersten Verfahrensschritt 601 wird die Schutzfolie 2 in Form eines Bandes über einen Rollenförderer 61 mit mehreren Halteeinrichtungen 6la, 6 lb, 6lc, 61 d zugeführt. Im Bereich des

Brillenglasrohlings 1 wird die Schutzfolie 2 auf etwa 60-70 °C erwärmt, was in der Figur 6 mit dem Bezugszeichen 62 kenntlich gemacht ist.

Ein Hubmechanismus 63 hebt den Halter 6 und damit den Brillenglasrohling 1 in einem weiteren Arbeitsschritt 602 an, so dass dieser mit seiner fertig bearbeiteten Fläche 3 in Kontakt mit der mit einer klebenden Substanz aufweisenden Seite der Schutzfolie 2 tritt, so dass diese sich an die fertig bearbeitete Fläche 3 glatt anschmiegt. Ein glattes Anschmiegen an die fertig bearbeitete Fläche 3 unterstützend und ein Bilden von Fufteinschlüssen zwischen Schutzfolie 2 und Fläche 3 verhindernd wird der Raum 64 zwischen Schutzfolie 2 und Fläche 3 mit einem Vakuum 65 beaufschlagt. Klingen 66 trennen die Schutzfolie 2 im Bereich der Halteeinrichtungen 6la, 6 lb, 6lc, 61 d ab. Aufgrund von Schwerkraft und Vakuum 65 legt sich die Schutzfolie 2 auch an die

Zylinderrandfläche 4 des Brillenglasrohlings 1 an (Verfahrensschritt 603).

Um auch im Bereich der Zylinderrandfläche 4 ein blasenfreies Anliegen der Schutzfolie 2 zu erreichen, wie dies in dem Prozessschritt 604 angedeutet ist, sind Maßnahmen erforderlich, welche wahlweise durch wenigstens einen der Teilschritte 605a bis 605g in der Figur 6 erfolgen können.

Es wird in dem Teilschritt 605a die klebstofffreie Oberfläche der Schutzfolie 2 über eine oder mehrere Druckluftdüsen 68 mit Druckluft 67 beaufschlagt. Dadurch wird die Schutzfolie 2 auf die Wirkfläche 3 und die Zylinderrandfläche 4 aufgepresst.

Über eine oder mehrere rotierend angetriebene (das Bezugszeichen 70 gibt die Drehbewegung an) Walzen 69, dessen Anstellwinkel im Beispiel über einen Bereich zwischen 45° und 90° variiert werden kann, wird die Schutzfolie 2 im Bereich der umlaufenden Kante 9 an die Wirkfläche 3 und die Zylinderrandfläche 4 angedrückt. Das Bezugszeichen 69 zeigt die Walzen mit einem Anstellwinkel von 90°, das Bezugszeichen 69‘zeigt die Walzen mit einem

Anstellwinkel von 45°. Die Bewegung der Walzen 69 erfolgt hier stets in radialer Richtung bezüglich der Mittenachse des Brillenglasrohlings 1.

In Prozessteilschritt 605 c werden Walzen 71 in axialer Richtung bezüglich der Mittenachse des Brillenglasrohlings 1 längs der Zylinderrandfläche 4 rotierend geführt (Rotationsrichtung 72) und dabei an diese angedrückt (Druckrichtung 73).

In Prozessteilschritt 605d werden zwei Halbschalen 74, 75 formschlüssig die Zylinderrandfläche 4 umschließend zusammengepresst (Bezugszeichen 76, 77). Gleichzeitig kann eine Heißluft- und/oder Ultraschallbeaufschlagung der Zylinderrandfläche 4 erfolgen, was zu einer blasen- und diskontinuitätsfreien Anlage und Verklebung der Schutzfolie 2 mit der Zylinderrandfläche 4 führt.

Teilprozessschritt 605 e zeigt eine Variante, bei der der Brillenglasrohling 1 auf einem

Bandförderer 78 in Richtung 80 geführt wird. Die Zylinderrandfläche 4 des Brillenglasrohlings 1 tritt beim Transport in Richtung 80 mit Walzen 79 in Kontakt, die auf der Zylinderrandfläche 4 des Brillenglasrohlings 1 abrollen (Rotationsrichtung 81), was zu einer blasen- und diskontinuitätsfreien Anlage und Verklebung der Schutzfolie 2 mit der Zylinderrandfläche 4 führt.

Teilprozessschritt 605 f zeigt eine ähnliche Variante, bei der der Brillenglasrohling 1 ebenfalls auf einem Bandförderer 82 in Richtung 83 geführt wird. Bei dieser Variante liegt der

Brillenglasrohling 1 nicht mit der der fertig bearbeiteten Fläche 3 gegenüberliegenden Seite auf dem Band des Bandförderers auf, wie bei der Variante nach 605e, sondern mit der

Zylinderrandfläche 4. Eine dem Laufband des Bandförderers 82 dem Brillenglasrohling gegenüberliegende Wandfläche 84 dient beim Transport in Richtung 83 als Anlagefläche und sorgt zusammen mit der Laufbandfläche für ein Anpressen der Schutzfolie an die

Zylinderrandfläche 4. Gleichzeitig kann eine Heißluft- und/oder Ultraschallbeaufschlagung der Zylinderrandfläche 4 erfolgen, was zu einer blasen- und diskontinuitätsfreien Anlage und Verklebung der Schutzfolie 2 mit der Zylinderrandfläche 4 führt.

Teilprozessschritt 605g zeigt das Aufbringen einer zweiten Schutzfolie 2a auf die Schutzfolie 2 im Bereich der Zylinderrandfläche 4 des Brillenglasrohlings 1, was in einem wasserdichten Verschluss resultiert.

Die vorteilhafteste Ausführung der erfindungsgemäßen Idee wird wie folgt zusammengefasst:

Die "warme Applikation" der Schutzfolie bei ca. 60 - 70° C Oberflächentemperatur ist empfehlenswert. Für bestmögliche Ergebnisse wird ein Gerät mit einstellbarer

Temperatur, Vakuum, Substratdruck gegen Schutzfolie, Substratbewegung und

Applikationsdauer benötigt.

Da die zuvor genannten kommerziell erhältlichen Schutzfolien Acrylklebstoffe haben, sind sie alle empfindlich gegenüber Luftfeuchtigkeit. Die Lagerung von mit Schutzfolien versehenen Halbfabrikaten unter "heißen und feuchten" Bedingungen für eine lange Zeit (bis zu einem Jahr) kann zu einer verringerten Adhäsionsleistung führen. Deswegen ist eine bevorzugte Weiterbearbeitung innerhalb weniger Monate empfehlenswert.

Die Flächenbearbeitung (Gegenfläche und Zylinderrandfläche) ist bei Basiskurven zwischen BC 0,5 bis 10 nach dem oben vorgestellten Prozessen mit den oben genannten kommerziell erhältlichen Schutzfolien mit hinreichender Zuverlässigkeit gewährleistet. Tintenstrahldruck ist auf der mit der Schutzfolie versehenen Oberfläche möglich. Ein Wischtest zeigt, dass die Tinte zuverlässig auf der Oberfläche verbleibt. Identifikationscode (Barcode / Data Matrix Code / Quick Response) auf der Schutzfolie zur eindeutigen Identifikation mittels Tintenstrahl- (InkJet-) Druckverfahren.