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Title:
VEHICLE BRAKE SYSTEM AND METHOD FOR OPERATING A VEHICLE BRAKE SYSTEM
Document Type and Number:
WIPO Patent Application WO/2021/008755
Kind Code:
A1
Abstract:
The invention relates to a brake system for a vehicle, comprising vehicle wheel brakes (1) which can be controlled by an electronic control device (10) that has an axle-specific brake force distributor unit (39), by means of which a front-axle target deceleration (VVA) and a rear-axle target deceleration (VHA) can be determined from a friction brake system target deceleration (VRBS), and has a wheel-specific brake force distributor unit (41), by means of which front-wheel target decelerations (V VR) can be determined from the front-axle target deceleration and rear-wheel target decelerations (VHR) can be determined from the rear-axle target deceleration, on the basis of which front-wheel and rear-wheel target decelerations the wheel-specific brake force distributor unit generates control signals (S, n) for controlling the vehicle wheel brakes. According to the invention, a determination component (29) is associated with the electronic control device of the friction brake system, by means of which component a current actual wheel circumference ratio (k(t)) between the front wheels and the rear wheels can be determined. The control device determines the front-wheel target decelerations and the rear-wheel target decelerations by taking into account the current actual wheel circumference ratio.

Inventors:
TREFFER ULRICH (DE)
Application Number:
PCT/EP2020/063284
Publication Date:
January 21, 2021
Filing Date:
May 13, 2020
Export Citation:
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Assignee:
AUDI AG (DE)
International Classes:
B60T8/1766
Foreign References:
DE19624491A11997-01-02
DE19620584A11997-11-27
DE102006035085A12007-03-22
DE102006035085B42012-01-12
DE19624491C22002-02-07
DE19620584B42005-11-03
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Claims:
PATENTANSPRÜCHE

1. Bremssystem in einem Fahrzeug, dessen Reibbremssystem (RBS) an den Vorderrädern (VR) und an den Hinterrädern (HR) jeweils eine Fahrzeugrad-Bremse (1 ) aufweist, die über ein elektronisches Steuer gerät (10) ansteuerbar ist, das eine achsindividuelle Bremskraftvertei ler-Einheit (39) aufweist, mittels der aus einer Reibbremssystem- Sollverzögerung (VRBS ) eine Vorderachs-Sollverzögerung (VVA) und ei ne Hinterachs-Sollverzögerung (VHA) ermittelbar ist, und eine radindivi- duelle Bremskraftverteiler-Einheit (41 ) aufweist, mittels der aus der

Vorderachs-Sollverzögerung (VVA) Vorderrad-Sollverzögerungen (VVR) und aus der Hinterachs-Sollverzögerung (VHA) Hinterrad- Sollverzögerungen (VHR) ermittelbar sind, auf deren Grundlage die rad individuelle Bremskraftverteiler-Einheit (41 ) Stellsignale (S, n) zur An- Steuerung der Fahrzeugrad-Bremsen (1 ) generiert, dadurch gekennzeichnet, dass dem elektronischen Steuergerät (10) des Reibbrems systems (RBS) ein Ermittlungsbaustein (29) zugeordnet ist, mittels dem ein aktuelles Ist-Radumfangsverhältnis (k(t)) zwischen den Vorderrä dern (VR) und den Hinterrädern (HR) ermittelbar ist, und dass das Steuergerät (10) unter Berücksichtigung des aktuellen Ist-

Radumfangsverhältnisses (k(t)) die Vorderrad-Sollverzögerungen (VVR) und die Hinterrad-Sollverzögerungen (VHR) ermittelt.

2. Bremssystem nach Anspruch 1 , dadurch gekennzeichnet, dass dem Ermittlungsbaustein (29) eine Sensorik (31 ) zugeordnet ist, mittels der zum Radumfang bzw. Raddurchmesser (dHA, dvA) der Vorder- und Hin terräder (VR, HR) korrelierende Parameter, insbesondere Vorderachs- Drehzahl (nvA) und Hinterachs-Drehzahl (P HA), erfassbar sind, auf de ren Grundlage das Ist-Radumfangsverhältnis (k(t)) in einer Auswer- teeinheit (33) des Ermittlungsbausteins (29) ermittelbar ist.

3. Bremssystem nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die achsindividuelle Bremskraftverteiler-Einheit (39) auf der Grundlage einer darin hinterlegten Bremskraftverteilung (BKV(t)) die Reibbremssystem-Sollverzögerung (VRBS) in die Vorderachs- Sollverzögerung (VVA) und in die Hinterachs-Sollverzögerung (VHA) auf teilt, und dass insbesondere die Bremskraftverteilung (BKV(t)) während eines Bremsvorgangs (At) in Abhängigkeit von Fahrdynamik- und/oder Fahrzustandsgrößen (x, z) variierbar ist.

Bremssystem nach Anspruch 1 , 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, dass das elektronische Steuergerät (10) des Reibbremssystems (RBS) eine Kompensier-Einheit (43) aufweist, mittels der die im Steuergerät (10) ermittelten Vorderrad-Sollverzögerungen (VVR) und Flinterrad- Sollverzögerungen (VHR) anpassbar sind.

Bremssystem nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Kompensier-Einheit (43) in einer Signalfußrichtung der achsindividuel- len Bremskraftverteiler-Einheit (39) vorgelagert ist, und dass insbeson dere die Kompensier-Einheit (43) auf der Grundlage der Reibbremssys- tem-Sollverzögerung (VRBS) und des Ist-Radumfangsverhältnisses (k(t)) eine kompensierte Sollverzögerung (VRBs.komp) ermittelt, die am Signal eingang der achsindividuellen Bremskraftverteiler-Einheit (39) anliegt und dort verarbeitet wird.

Bremssystem nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Kompensier-Einheit (43) nicht nur auf der Grundlage der Reibbrems- system-Sollverzögerung (VRBS) und des Ist-Radumfangsverhältnisses (k(t)), sondern auch auf der Grundlage der Bremskraftverteilung (BKV(t)) die kompensierte Sollverzögerung (VRBs.komp) ermittelt.

Bremssystem nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass zumindest eine Fahrzeugachse (VA, FIA) über eine Elektromaschine (EM) antreibbar ist, und dass die Elektromaschi- ne (EM) in einer Motorbetriebsart mittels einer Soll- Beschleunigungsvorgabe (B) ansteuerbar ist, und in einer Rekuperati- ons-Betriebsart Bestandteil des Fahrzeug-Bremssystems ist.

8. Bremssystem nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass das Fahrzeug-Bremssystem eine Summiereinheit (23) aufweist, die in ei nem Fahrzeug-Verzögerungsfall sämtliche Verzögerungs- Anforderungen, etwa von einem Bremspedal (13), einem Fahrerassis- tenzsystem (17), einem Notbremssystem (19) und/oder einem weiteren autonomes Fahrsystem (21 ) zu einem Gesamt-Sollverzögerung (Vges) aufsummiert, und dass das Steuergerät (10) eine Koordinier-Einheit (25) aufweist, die auf der Grundlage von Fahrbetriebsparametern die Gesamt-Sollverzögerung (Vges) aufteilt in die Reibbremssystem- Sollverzögerung (VRBS ) und in eine Elektromaschinen-Sollverzögerung

(VEM) zur Ansteuerung der in der Generatorbetrieb arbeitenden Elekt- romaschine (EM).

9. Verfahren zum Betreiben eines Bremssystems nach einem der vorher- gehenden Ansprüche.

Description:
Fahrzeug-Bremssystem sowie Verfahren zum Betreiben eines

Fahrzeug-Bremssystems

BESCHREIBUNG:

Die Erfindung betrifft ein Fahrzeug-Bremssystem nach dem Oberbegriff des Anspruches 1 sowie ein Verfahren zum Betreiben eines solchen Bremssys tems nach dem Anspruch 9. Zur Steigerung der Effizienz und Reichweite werden Bremsungen des Fahr zeugs durch einen Elektroantrieb im Generatorbetrieb (d.h. Rekuperations- Betriebsart) durchgeführt, sofern gewisse Randbedingungen erfüllt sind. Die se Bremsungen betreffen sowohl vom Fahrer durch Bedienelemente und die Bremsbetätigungseinrichtung initiierte Bremsungen, als auch von Fahreras- sistenzsystemen, Notbremsfunktionen und autonomen Fahrsystemen ange forderte Verzögerungen.

Bei biendingfähigen Bremssystemen kann anstatt der Reibbremse, die ge forderte Bremskraft ganz oder teilweise mit dem Elektroantrieb erzeugt wer- den. Zur Erreichung einer hohen Effizienz, muss dadurch in Abhängigkeit vom Antriebskonzept meist von der installierten Bremskraftverteilung des Reibbremssystems abgewichen werden. Diese variable Bremskraftverteilung aus Reibbremssystem plus Elektroantrieb wird in Abhängigkeit von fahrdy namischen Größen gesteuert und in Abhängigkeit des Fahrzustands gere- gelt. Zur Realisierung einer optimalen Bremskraftverteilung gibt es zudem Bremssysteme bei denen die Bremskraftverteilung des Reibbremssystems gesteuert bzw. geregelt werden kann. Die Bremskraftverteilung wird mittels im Steuergerät fest parametrierter Radumfänge berechnet. Ein gattungsgemäßes Fahrzeug-Bremssystem weist ein (brake-by-wire) Reibbremssystem mit Fahrzeugrad-Bremsen an den Vorderachsrädern und den Flinterachsrädern des Fahrzeugs auf. Diese sind über ein elektronisches Steuergerät ansteuerbar. Das elektronische Steuergerät weist als Pro grammbausteine eine achsindividuelle Bremskraftverteiler-Einheit und eine radindividuelle Bremskraftverteiler-Einheit auf. Mittels der achsindividuellen Bremskraftverteiler-Einheit werden auf der Grundlage einer Reibbremssys- tem-Sollverzögerung eine Vorderachs-Sollverzögerung und eine Flinterachs- Sollverzögerung ermittelt. Die signaltechnisch nachgeschaltete radindividuel le Bremskraftverteiler-Einheit berechnet aus der Vorderachs-Sollverzögerung und aus der Flinterachs-Sollverzögerung radselektive Fahrzeugrad- Sollverzögerungen für die Vorder- und Flinterräder. Zudem generiert die rad individuelle Bremskraftverteiler-Einheit auf der Grundlage dieser radselek tiven Fahrzeugrad-Sollverzögerungen entsprechende Stellsignale (z.B. Drehzahlsignal und Steuerventilsignal) zur Ansteuerung der jeweiligen Fahr- zeugrad-Bremsen.

Im Stand der Technik erfolgt die Bremskraftverteilung mit einem voreinge stellten, im Steuergerät unveränderlich hinterlegten Radumfangsverhältnis zwischen der Vorderachse und der Flinterachse.

Entspricht das im Fahrzeug vorherrschende mittlere Radumfangsverhältnis an den Vorder- und Flinterachsen nicht den im Steuergerät voreingestellten, festen Radumfangsverhältnis, so resultiert aus einer Änderung der Brems kraftverteilung auch eine Änderung der an den Vorderachs- und Flinterachs- Rädern wirkenden Bremskraft. Diese Bremskraft-Änderung beeinflusst die Verzögerungskonstanz durch ein abweichendes Radumfangsverhältnis ne gativ. Die Längskraftschwankung ist direkt proportional zum fehlerhaft ange nommenen Radumfangsverhältnis zwischen der Vorder- und Flinterachse und kann zu einer deutlichen Verzögerungsschwankung bei einer Brems kraftverteilung führen, woraus sich Komfortprobleme für den Fahrzeuginsas sen ergeben können. Aus der DE 10 2006 035 085 B4 ist ein Verfahren zur Bremskraftverteilung sowie in Bremskraftverteiler für ein Fahrzeug bekannt. Aus der DE 196 24 491 C2 ist eine Vorrichtung zum Steuern der Bremskraftverteilung eines Fahrzeugs bekannt. Aus der DE 196 20 584 B4 ist ein Verfahren zur Ermitt lung eines Eintrittskriteriums in die elektronische Bremskraftverteilung be kannt.

Die Aufgabe der Erfindung besteht darin, ein Fahrzeug-Bremssystem sowie ein Verfahren zum Betreiben des Fahrzeug-Bremssystems bereitzustellen, bei dem ein im Vergleich zum Stand der Technik einwandfreier Bremsbetrieb ermöglicht ist.

Die Aufgabe ist durch die Merkmale des Anspruches 1 oder 9 gelöst. Bevor zugte Weiterbildungen der Erfindung sind in den Unteransprüchen offenbart.

Gemäß dem kennzeichnenden Teil des Anspruches 1 ist dem elektronischen Steuergerät des Reibbremssystems ein Ermittlungsbaustein zugeordnet, mit tels dem ein aktuelles Ist-Radumfangsverhältnis zwischen den Vorderachs- rädern und den Flinterachsrädern des Fahrzeugs ermittelbar ist. Das elektro nische Steuergerät des Reibbremssystems ermittelt unter Berücksichtigung des aktuellen Ist-Radumfangsverhältnisses die Vorderachs-Sollverzögerung und die Flinterachs-Sollverzögerung.

Beispielhaft kann in dem, dem Steuergerät zugeordneten Ermittlungsbau stein ein Lernalgorithmus hinterlegt sein, der das aktuelle Radumfangsver hältnis zwischen den Fahrzeugachsen ermitteln kann. Hierzu kann der Er mittlungsbaustein signaltechnisch mit einer Sensorik verbunden sein, mit deren Hilfe zum Radumfang der Vorderachs- und Hinterachsräder korrelie rende Parameter erfassbar sind, zum Beispiel Vorderachs- und Hinterachs- Drehzahlen. Auf deren Grundlage kann das Ist-Radumfangsverhältnis mit Hilfe des Lernalgorithmus berechnet werden.

Im Steuergerät liegt durch einen Lernalgorithmus das im Fahrzeug existie rende Ist-Radumfangsverhältnis zwischen den Vorder- und Hinterrädern vor. Die Summe der Soll-Reibbremsmomente, bzw. der Soll-Reibbremskräfte, bzw. des Soll-Radbremsdruck an allen Rädern kann besonders bevorzugt signaltechnisch vor einer achsindividuellen Arbitrierung bzw. Beeinflussung anhand des gelernten Ist-Radumfangsverhältnisses und der aktuellen oder gewünschten Bremskraftverteilung der Reibbremse kompensiert bzw. ska liert werden.

Mittels der Skalierung der Reibbremskräfte bzw. Reibbremsmomente bzw. des Bremsdrucks kann bei einer Änderung der Bremskraftverteilung, je nach Qualität der Lernfunktion für das Radumfangsverhältnis, eine negative Beein flussung der Längs-kräfte beim Bremsblending oder bei einer dynamischen Änderung der Bremskraftver-teilung verhindert werden.

Wird das Referenzrad der Radumfangslernfunktion (d.h. der Ermittlungs- Programmbaustein) zudem z.B. mittels GPS mit der realen Fahrgeschwin digkeit abgeglichen, so kann dadurch die resultierende Längskraft zwischen Reifen und Fahrbahn noch präziser berechnet werden. Das ist vor allem für Fahrerassistenzsysteme und autonome Fahrfunktionen von Vorteil.

Sofern die Summen-Reibbremskraft (d.h. die Reibbremssystem- Sollverzögerung) in Abhängigkeit des gelernten Radumfangsverhältnisses der Achsen skaliert wird, kann die resultierende Längskraft bei einer dynami schen Änderung des Radumfangsverhältnisses zudem ohne Ansteuerung von Einlass- oder Auslassventilen erzielt werden und somit im Fahrzeug akustisch relativ unauffällig dargestellt werden.

Zudem können nachgelagerte Lernfunktionen (z.B. Lernalgorithmus für den dynamischen Reibwert zwischen Bremsbelag und Bremsscheibe) diesen Effekt anhand der skalierten Größen berücksichtigen und werden dadurch nicht negativ beeinflusst.

In einer technischen Umsetzung kann eine Funktion das bereits koordinierte Soll-Summenradbremsmoment (oder alternativ Soll-Summenradbremskraft bzw. Soll-Bremsdruck) skalieren, bevor es achsweise oder auf einzelne Rä- der aufgeteilt wird. Als Eingangsgrößen sind notwendig: das Soll- Verzögerungsradmoment-Reibbremse (d.h. nachfolgend die Reibbremssys- tem-Sollverzögerung VRBS ) , die Ist-Verteilung-Bremsmomente (d.h. nachfol gend die Bremskraftverteilung BKV (t)), ein Faktor des dynamischen Radra dius (Radumfang) der Vorderachse, bezogen auf die Hinterachse oder alter nativ die Vorderachse als Referenzachse (d.h. nachfolgend das Radum fangsverhältnis k(t)). Das raddynamisch kompensierte Soll- Verzögerungsradmoment (d.h. nachfolgend die kompensierte Sollverzöge rung Vsoii.komp) der Reibbremse kann durch folgende Formel berechnet wer den:

Vsoll.komp = VRBS * (BKV(t)/(k(t)+1 ) - BKV(t))

Das damit berechnete Ausgangssignal ist ein virtuelles Soll- Radbremsmoment, das dann weiter auf Achsen und Räder durch nachgela gerte Funktionen aufgeteilt werden kann.

Nachfolgend sind Aspekte der Erfindung im Einzelnen nochmals hervorge hoben: So kann die achsindividuelle Bremskraftverteiler-Einheit auf der Grundlage der darin hinterlegten Bremskraftverteilung die Reibbremssystem- Sollverzögerung in die Hinterachs-Sollverzögerung und in die Vorderachs- Sollverzögerung aufteilen. Bevorzugt kann die in der achsindividuellen Bremskraftverteiler-Einheit hinterlegte Bremskraftverteilung während eines Bremsvorgangs nicht durchgängig konstant bzw. unveränderlich verbleiben, sondern vielmehr in Abhängigkeit von Fahrdynamik-Größen und/oder Fahr- zustands-Größen variieren.

Das elektronische Steuergerät des Reibbremssystems kann bevorzugt eine Kompensier-Einheit aufweisen, mittels der die Vorderachs-Sollverzögerung und die Hinterachs-Sollverzögerung in Abhängigkeit vom aktuellen Ist- Radumfangsverhältnis angepasst werden können.

In einer technischen Umsetzung kann das jeweilige Stellglied der Fahrzeug- rad-Bremse als Hydraulikkomponenten eine Hydraulikpumpe sowie ein Hyd- raulik-Steuerventil aufweisen. Von daher erzeugt das elektronische Steuer gerät des Reibbremssystems (bzw. dessen radindividuelle Bremskraftvertei ler-Einheit) als Stellsignale sowohl ein Drehzahlsignal zur Ansteuerung eines Pumpenmotors der Hydraulikpumpe als auch ein Ventilsteuersignal zur An steuerung des Hydraulik-Steuerventils. In diesem Fall ist es bevorzugt, wenn die Kompensier-Einheit in einer Signalflussrichtung der achsindividuellen Bremskraftverteiler-Einheit vorgelagert ist. In diesem Fall kann in der Kom pensier-Einheit ein Lernalgorithmus hinterlegt sein, der auf der Grundlage der Reibbremssystem-Sollverzögerung und auf der Grundlage des Ist- Radumfangsverhältnisses eine kompensierte Sollverzögerung ermittelt. Die kompensierte Sollverzögerung liegt an dem Signaleingang der achsindividu ellen Bremskraftverteiler-Einheit an und wird dort signaltechnisch verarbeitet. In der achsindividuellen Bremskraftverteiler-Einheit wird die kompensierte Sollverzögerungsvorgabe aufgeteilt in die Vorderachs-Sollverzögerung und in die Hinterachs-Sollverzögerung, und zwar unter Berücksichtigung der va riablen Bremskraftverteilung.

Erfindungsgemäß wird also die Reibbremssystem-Sollverzögerung in Ab hängigkeit von dem aktuellen Ist-Radumfangsverhältnis skaliert. Dadurch kann die resultierende Längskraft bei einer dynamischen Änderung des Radumfangsverhältnisses bevorzugt ohne direkte Ansteuerung des Hydrau lik-Steuerventils der jeweiligen Fahrzeug-Radbremse erfolgen, so dass die Erfindung im Fahrzeug akustisch relativ unauffällig darstellbar ist.

Wie oben erwähnt, kann bevorzugt die Kompensier-Einheit in der Signal flussrichtung der achsindividuellen Bremskraftverteiler-Einheit vorgelagert sein. In diesem Fall kann die signaltechnisch vorgelagerte Kompensier- Einheit nicht nur auf der Grundlage der Reibbremssystem-Sollverzögerung und des Ist-Radumfangsverhältnisses, sondern zusätzlich auch auf der Grundlage der aktuellen, variablen Bremskraftverteilung die kompensierte Reibbremssystem-Sollverzögerung ermitteln. Der Wert der aktuellen, variab len Bremskraftverteilung kann über eine Rückführ-Signalleitung von der achsindividuellen Bremskraftverteiler-Einheit in die Kompensier-Einheit rück geführt werden. Die Erfindung ist besonders bevorzugt in einem zumindest teilweise elektrisch betriebenen Fahrzeug anwendbar. In diesem Fall weist das Fahr zeug zumindest an einer Fahrzeugachse einen Elektroantrieb mit einer Elekt- romaschine auf, die in einer Motorbetriebsart mittels einer Soll- Beschleunigungsvorgabe ansteuerbar ist. In einer Rekuperations-Betriebsart kann die Elektromaschine Bestandteil des erfindungsgemäßen Fahrzeug- Bremssystems sein. In diesem Fall kann das Fahrzeug-Bremssystem eine Summier-Einheit aufweisen, mittels der in einem Fahrzeug-Verzögerungsfall sämltiche Verzögerungsanforderungen zu einer Gesamt-Sollverzögerung aufsummiert werden. Zudem kann das Fahrzeug-Bremssystem eine Koordi- nier-Einheit aufweisen, die auf der Grundlage von Fahrbetriebsparametern die aufsummierte Gesamt-Sollverzögerung aufteilt in die Reibbremssystem- Sollverzögerung und in eine Elektromaschinen-Sollverzögerung für die in der Generatorbetriebsart arbeitende Elektromaschine.

Nachfolgend ist ein Ausführungsbeispiel der Erfindung anhand der beigefüg ten Figuren beschrieben. Es zeigen:

Fig. 1 in einem Blockschaltdiagramm ein Fahrzeug-Bremssystem eines elektrisch betriebenen Fahrzeugs; und

Fig. 2 in einem weiteren Blockschaltdiagramm eine grundsätzliche

Softwarearchitektur in einem elektronischen Steuergerät eines Reibbremssystems des Fahrzeug-Bremssystems.

In der Fig. 1 ist grob schematisch ein Bremssystem bzw. eine Bremsanlage für ein zumindest teilweise elektrisch betriebenes Fahrzeug angedeutet. Das Bremssystem ist in der Fig. 1 nur insoweit dargestellt, als es für das Ver ständnis der Erfindung erforderlich ist. Entsprechend erfolgt in den Block schaltdiagrammen der Figuren 1 und 2 die Signalverarbeitung anhand von Verzögerungswerten VEM , VRBS , etc. In einer tatsächlich realisierten Ausfüh rungsvariante würde anstelle dessen die Signalverarbeitung anhand von physikalischen Größen erfolgen, die mit den Verzögerungswerten korrelieren (nämlich Bremsdruck, Drehmoment sowie Kraft) und die gängig sind bei der Berechnung der Aktuatoransteuerung (Reibbremse und Elektromotor).

Demzufolge weisen sowohl die Vorderräder VR als auch die Hinterräder HR des Fahrzeugs jeweils eine Fahrzeugrad-Bremse 1 auf. Die Fahrzeugrad- Bremse 1 ist aus einem, über einen (nicht gezeigten) Hydraulikzylinder betä tigbaren Bremssattel 3 sowie einer Bremsscheibe 5 aufgebaut. Zur Betäti gung der Fahrzeugrad-Bremse 1 wird deren Hydraulikzylinder druckbeauf schlagt, wodurch der Bremssattel 3 mit seinen Bremsbelägen in Druckanlage mit der Bremsscheibe 5 kommt.

In der Fig. 1 weist jede Fahrzeugrad-Bremse 1 als Stellglieder Hydraulik komponenten auf, und zwar eine Hydraulikpumpe 7, die als ein Druckauf bauaktor wirkt, sowie ein Hydraulik-Steuerventil 9. Ein elektronisches Steu ergerät 10 des Reibbremssystems RBS erzeugt bei einer Bremsanforderung, d.h. bei einer Reibbremssystem-Sollverzögerung VRBS , Stellsignale zur An steuerung der Fahrzeugrad-Bremsen 1. Die Stellsignale sind in der Fig. 1 ein Drehzahlsignal n für die Ansteuerung eines Pumpenmotors 11 der Hydrau likpumpe 7 und ein Ventilsteuersignal S für die Ansteuerung des Hydraulik- Steuerventils 10.

Es ist hervorzuheben, dass in einer tatsächlich realisierten Ausführungsvari ante in der Regel nur ein zentraler Hydraulikaktuator mit Motor bereitgestellt ist, während die rad- und achsselektive Regelung alleine durch die Steuer ventile 9 erfolgt. Dadurch können die Radbremsdrücke nicht ohne eine Ven- tilansteuerung achsindividuell geregelt werden.

Wie aus der Fig. 1 weiter hervorgeht, weist das Fahrzeug eine elektrifizierte Hinterachse HA auf, bei der die Hinterräder HR mittels einer Elektromaschi- ne EM angetrieben werden. Die Leistungselektronik LE der Elektromaschine EM wird in der Fig. 1 mittels einer Soll-Beschleunigungsvorgabe B ange steuert, die in der Fig. 1 durch Betätigung eines Fahrpedals 15 erzeugt wird. Die Elektromaschine EM arbeitet bei einer Fahrzeugbeschleunigung in der Motorbetriebsart. Alternativ kann die Elektromaschine EM bei einer Fahr zeugverzögerung in einer Rekuperations-Betriebsart als Generator arbeiten.

In der Fig. 1 ist das Bremssystem mittels eines fahrerseitig betätigbaren Bremspedals 15, eines Fahrerassistenzsystems 17, eines Notbremssystems 19 und/oder eines weiteren autonomen Fahrsystems 21 aktivierbar, die alle samt in Signalverbindung mit einer Summiereinheit 23 sind. In der Summie reinheit 23 werden sämtliche Bremsanforderungen aufsummiert und daraus eine Gesamt-Sollverzögerung V ge s berechnet. Die Gesamt-Sollverzögerung Vges wird in der Fig. 1 zu einem Koordinier-Baustein 25 geleitet, in dem in Abhängigkeit von Fahrbetriebsparametern die Gesamt-Sollverzögerung Vges aufgeteilt wird in die Reibbremssystem-Sollverzögerung VRBS und in eine Elektromaschinen-Sollverzögerung VEM , mittels der die im Generatorbetrieb arbeitende Elektromaschine EM angesteuert wird, um eine Bremswirkung zu erzielen.

Die in der Koordinier-Einheit 25 generierte Reibbremssystem- Sollverzögerung VRBS liegt in der Fig. 1 am Signaleingang des elektronischen Steuergeräts 10 an, mittels dem während des Bremsvorgangs At (Figur 2) die Fahrzeugrad-Bremsen 1 an der Vorderachse VA und/oder an der Hinter achse FIA angesteuert werden.

In der Fig. 1 ist dem elektronischen Steuergerät 10 des Reibbremssystems RBS ein Ermittlungsbaustein 29 zugeordnet. Im Ermittlungsbaustein 29 wird ein aktuelles Ist-Radumfangsverhältnis k(t) zwischen den Vorderachsrädern VR und den Flinterachsrädern FIR berechnet. Beispielhaft weisen in der Fig. 1 die Flinterräder FIR einen Raddurchmesser dHA auf, der größer bemessen ist als der Raddurchmesser dvA der Vorderräder VR. Das elektronische Steuergerät 10 ermittelt unter Berücksichtigung des aktuellen Ist- Radumfangsverhältnisses k(t) die Vorderrad-Sollverzögerungen VVA sowie die Flinterrad-Sollverzögerungen VHA, auf deren Grundlage das elektronische Steuergerät 10 die Stellsignale S, n zur Ansteuerung der Fahrzeugrad- Bremsen 1 generiert. Dem Ermittlungsbaustein 29 ist eine Sensorik 31 zugeordnet, mittels der die aktuelle Vorderachs-Drehzahl nvA und die aktuelle Hinterachs-Drehzahl P HA erfassbar sind. Auf deren Grundlage kann eine Auswerteeinheit 33 des Er mittlungsbausteins 29 das Ist-Radumfangsverhältnis k(t) ermitteln und über eine Signalleitung 35 an das elektronische Steuergerät 10 leiten. In der Fig. 1 weist der Ermittlungsbaustein 29 zudem eine Wandlereinheit 37 auf, mittels dem die Vorderachs-Drehzahl nvA als Referenz-Drehzahl n ref in der Auswer teeinheit 33 verwendet wird.

In der Fig. 2 ist die Softwarearchitektur des elektronischen Steuergeräts 10 detaillierter angedeutet, und zwar mit Programmbausteinen zur Erzeugung der Vorderrad-Sollverzögerungen VVA sowie der Hinterrad- Sollverzögerungen VHA, auf deren Grundlage das elektronische Steuergerät 10 die Stellsignale S, n für Fahrzeugrad-Bremsen 1 generiert.

Demzufolge weist das elektronische Steuergerät 10 eine achsindividuelle Bremskraftverteiler-Einheit 39 und eine radindividuelle Bremskraftverteiler- Einheit 41 auf. In der achsindividuellen Bremskraftverteiler-Einheit 39 werden aus der Reibbremssystem-Sollverzögerung VRBS eine Vorderachs- Sollverzögerung VVA und eine Flinterachs-Sollverzögerung VHA ermittelt. In der radindividuellen Bremskraftverteiler-Einheit 41 werden aus der Vorder- achs-Sollverzögerung VVA Vorderrad-Sollverzögerungen VVR und Hinterrad- Sollverzögerungen VHR ermittelt. Auf deren Grundlage generiert die radindi viduelle Bremskraftverteilereinheit 41 die bereits erwähnten Stellsignale S, n, mit denen die Flydraulikkomponenten 7, 9 der Fahrzeugrad-Bremsen 1 an steuerbar sind.

In der achsindividuellen Bremskraftverteiler-Einheit 39 wird die Reibbrems- system-Sollverzögerung VRBS auf der Grundlage einer darin hinterlegten Bremskraftverteilung BKV(t) aufgeteilt in die Vorderachs-Sollverzögerung VVA und in die Hinterachs-Sollverzögerung VHA . Wie aus der Fig. 1 hervor geht, ist die Bremskraftverteilung BKV(t) während des Bremsvorgangs At in Abhängigkeit von Fahrdynamik- und Fahrzustandsgrößen x, z nicht konstant, sondern vielmehr variierend. In der Fig. 2 ist eine Kompensier-Einheit 43 in einer Signalflussrichtung der achsindividuellen Bremskraftverteiler-Einheit 39 vorgelagert. In der Kompen sier-Einheit 43 ist ein in der Figur 2 gezeigter Lernalgorithmus hinterlegt, mit dem auf der Grundlage der Reibbremssystem-Sollverzögerung VRBS , des Ist- Radumfangsverhältnisses k(t) sowie auf der Grundlage der Bremskraftvertei lung BKV(t) eine kompensierte Sollverzögerung VRBs,kom P. Die Bremskraft verteilung BKV(t) wird über eine Rückführleitung 45 von der achsindividuel len Bremskraftverteiler-Einheit 39 zum Kompensator-Baustein 43 rückge- führt.

PATENTANSPRÜCHE:

1. Fahrzeugrad-Bremse

3 Bremssattel

5 Bremsscheibe

7 Hydraulikpumpe

9 Steuerventil

10 elektronisches Steuergerät

11 Pumpenmotor

13 Bremspedal

17 Fahrerassistenzsystem

19 Notsystem

21 weiteres autonomes Fahrsystem

23 Summiereinheit

25 Koordiniereinheit

29 Ermittlungsbaustein

31 Sensorik

33 Auswerteeinheit

35 Signalleitungen

37 Wandlereinheit

39 achsindividuelle Bremskraftverteiler-Einheit 41 radindividuelle Bremskraftverteiler-Einheit 43 Kompensier-Einheit

45 Rückführleitung

RBS Reibbremssystem

x Fahrdynamik-Größen

z Fahrzustands-Größen

Vges Gesamt-Sollverzögerung

VRBS Reibbremssystem-Sollverzögerung

VEM Elektromaschinen-Sollverzögerung

VRBS, komp kompensierte Sollverzögerung

VVA Vorderachs-Sollverzögerung

VHA Hinterachs-Sollverzögerung

VVR Vorderrad-Sollverzögerung VHR Hinterrad-Sollverzögerung k(t) Ist-Radumfangsverhältnis

S Steuerventilsignal n Drehzahlsignal

nvA Vorderachs-Drehzahl

PHA Hinterachs-Drehzahl nref Referenzdrehzahl

EM Elektromaschine

LE Leistungselektronik

B Beschleunigungs-Vorgabe

BKV(t) variable Bremskraftverteilung dvA Vorderrad-Durchmesser dHA Hinterrad-Durchmesser

M Bremsvorgang

d HA Hinterrad-Durchmesser dvA Vorderrad-Durchmesser