Login| Sign Up| Help| Contact|

Patent Searching and Data


Title:
USE OF A REACTIVE LIQUID APPLIED ROOF WATERPROOFING PRODUCT FOR PRODUCING A ROOFING MEMBRANE
Document Type and Number:
WIPO Patent Application WO/2022/247993
Kind Code:
A1
Abstract:
The invention relates to the use of a reactive liquid applied material for producing a roofing membrane, wherein the reactive liquid applied material has a liquid component and a powder component, wherein the powder component comprises a mineral binder system consisting of a plurality of mineral binders capable of forming an ettringite phase when combined, and wherein the liquid component comprises one or more aqueous polymer dispersions. According to the invention, the reactive material contains at least twice, preferably at least 2.5 times, in particular at least three times as much wt.% solids content of polymers as it does wt.% mineral binders, a proportion of a PU polymer is at most 30% of the solids content of polymers, relative to the total mass of the polymers, and at least one of the polymers used in the reactive roof waterproofing product has a Tg determined by DSC of less than -20°C, preferably less than -30°C.

Inventors:
BOESKER DENNIS (DE)
WILLEN KEVIN (DE)
WILGEN RALF (DE)
GREIWE MAGNUS (DE)
SAALBACH CHRISTIANE (DE)
SCHRAND LUKAS (DE)
KIEHN SEBASTIAN (DE)
Application Number:
PCT/DE2022/100396
Publication Date:
December 01, 2022
Filing Date:
May 24, 2022
Export Citation:
Click for automatic bibliography generation   Help
Assignee:
REMMERS GMBH (DE)
International Classes:
C04B26/04; C04B26/06; C04B26/16; C04B28/04; C04B28/06; C04B28/14; C04B40/06; E04D7/00; E04D11/02
Domestic Patent References:
WO2016142339A12016-09-15
WO2017190766A12017-11-09
WO2012038099A12012-03-29
WO2015199984A12015-12-30
Other References:
BASF: "Technical Data Sheet: Acronal 5011", TECHNICAL DATA SHEET: ACRONAL 5011, 31 January 2021 (2021-01-31), XP055937775, Retrieved from the Internet [retrieved on 20220704]
Attorney, Agent or Firm:
BOCKHORNI & BRÜNTJEN PARTNERSCHAFT PATENTANWÄLTE MBB (DE)
Download PDF:
Claims:
Patentansprüche

1. Verwendung eines flüssig aufzubringenden Reaktivdachabdichtungsmittels zur Herstellung einer Dachabdichtung, wobei das flüssig aufzubringende Reaktivdachab dichtungsmittel eine Flüssigkomponente und eine Pulverkomponente aufweist, wobei die Pulverkomponente ein mineralisches Bindemittelsystem bestehend aus mehreren in Kombination zur Ausbildung von einer Ettringit-Phase fähigen mineralische Binde mitteln umfasst und die Flüssigkomponente eine oder mehrere wässrige Polymerdis persionen umfasst, dadurch gekennzeichnet, dass das Reaktivdachabdichtungsmit tel mindestens 2-mal, bevorzugt mindestens 2,5-mal, insbesondere mindestens 3-mal so viel Gew.-% Feststoffgehalt an Polymeren wie Gew.-% mineralische Bindemittel enthält, wobei sich die Angabe Gew.-% auf das Gewicht des flüssig aufzubringenden Reaktivdachabdichtungsmittels bezieht, ein Anteil eines PU-Polymers höchstens 30% des Feststoffgehalts an Polymeren, bezogen auf die Gesamtmasse der Polymere, be trägt und mindestens eines der in dem Reaktivdachabdichtungsmittel eingesetzten Po lymere eine Glasübergangstemperatur Tg von kleiner -20 °C, bevorzugt kleiner -30 °C aufweist.

2. Verwendung nach Anspruch 1 , dadurch gekennzeichnet, dass mindestens 50 Gew.-%, bevorzugt mindestens 80 Gew.-%, noch weiter bevorzugt mindestens 90 Gew.-%, und insbesondere 100 Gew.- % der eingesetzten Polymere, bezogen auf die Gesamtmasse der Polymere, eine Glas übergangstemperatur Tg von kleiner -20 °C, bevorzugt kleiner -30 °C aufweisen.

3. Verwendung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Reaktivdachabdichtungsmittel höchstens 10-mal, bevorzugt höchstens 5-mal so viel Gew.-% Feststoffgehalt an Polymeren wie Gew.-% mineralische Bindemittel enthält.

4. Verwendung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das flüssig aufzubringende Reaktivdachabdichtungs mittel in der Flüssigkomponente enthält, wobei sich die Angabe auf den Feststoffgehalt an Polymeren in der Polymer dispersion und die Angabe Gew.-% auf das Gewicht der Flüssigkomponente beziehen.

5. Verwendung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Anteil des PU-Polymers höchstens 20%, bevor zugt höchstens 15 % des Feststoffgehalts an Polymeren, bezogen auf die Gesamt masse der Polymere, beträgt.

6. Verwendung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der flüssig aufzubringende Reaktivbaustoff in der Pul verkomponente enthält, wobei sich die Angabe Gew.-% auf das Gewicht des flüssig aufzubringenden Reaktivdachabdichtungsmittels bezieht.

7. Verwendung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass zumindest eines der Polymere auf einem oder meh reren Monomeren aus der Gruppe umfassend (Meth-)Acrylate, Acrylnitril, Isocyanat, Polyole oder einer Kombination davon basiert, oder konditioniertes Naturlatex enthält.

8. Verwendung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass zumindest eines der Polymere auf Reinacrylat, kon ditioniertem Naturlatex oder Polyurethan basiert.

9. Verwendung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die wässrige Polymerdispersion zwei oder mehr Po lymere enthält, bevorzugt (Meth-)Acrylatpolymer und Polyurethan oder (Meth-)Acrylat- polymer und konditioniertes Naturlatex.

10. Verwendung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Polymerdispersionen eine Mindestfilmbildetempe- ratur gemäß DIN 53787:02-74 von 0°C aufweisen.

11. Dachabdichtung, hergestellt durch Mischen einer Flüssigkomponente und einer Pulverkomponente, wobei die Pulverkomponente ein mineralisches Bindemittelsystem bestehend aus mehreren in Kombination zur Ausbildung von einer Ettringit-Phase fä higen mineralische Bindemitteln umfasst und die Flüssigkomponente eine oder meh rere wässrige Polymerdispersionen umfasst, dadurch gekennzeichnet, dass die Dachabdichtung mindestens 2-mal, bevorzugt mindestens 2,5-mal, insbesondere mindestens 3-mal so viel Gew.-% Feststoffgehalt an Polymeren wie Gew.-% mineralische Bindemittel enthält, wobei sich die Angabe Gew.-% auf das Gewicht des Reaktivdachabdichtungsmittels bezieht, ein Anteil eines PU-Polymers höchstens 30% des Feststoffgehalts an Polymeren, bezogen auf die Ge samtmasse der Polymere, beträgt und mindestens eines der eingesetzten Polymere eine Glasübergangstemperatur Tg von kleiner -20 °C, bevorzugt kleiner -30 °C auf weist.

12. Dachabdichtung nach Anspruch 11 , dadurch gekennzeichnet, dass die Dachabdichtung in einem ausgehärteten Zustand bei Temperaturen bis mindestens TL3, bevorzugt TL4, nach ETAG 005, Teil 1 , flexibel mit einer Einstufung W3 nach der Durchführung eines im EOTA TR-008 angegebenen Verfahrens und rissüberbrückend für Risse bis mindestens 1 ,5 mm nach der Durchfüh rung eines im EOTA TR-013 angegebenen Verfahrens ausgebildet ist.

13. Dachabdichtung nach Anspruch 11 oder 12, dadurch gekennzeichnet, dass die Dachabdichtung in einem ausgehärteten Zustand bei Temperaturen bis mindestens TL3, bevorzugt TL4, nach ETAG 005, Teil 1 , stoßbeständig mit einer Einstufung P4 nach der Durchführung eines im EOTA TR-006 angegebenen Verfahrens ausgebildet ist.

14. Dachabdichtung nach einem der Ansprüche 11 bis 13, dadurch gekennzeichnet, dass die Dachabdichtung in einem ausgehärteten Zustand bei Temperaturen bis mindestens TH4 nach ETAG 005, Teil 1 , stoßbeständig mit einer Einstufung P4 nach der Durchführung eines im EOTA TR-007 angegebenen Verfahrens ausgebildet ist.

15. Dachabdichtung nach einem der Ansprüche 10 bis 14, dadurch gekennzeichnet, dass die Dachabdichtung in einem ausgehärteten Zustand bei Temperaturen bis mindestens TL3, bevorzugt TL4, flexibel nach einer Prüfung in Anlehnung an Kaltbiegeverhalten nach DIN 52123 ist, wie in der Beschreibung ausge führt.

Description:

GEGENSTAND DER ERFINDUNG

Die Erfindung betrifft die Verwendung eines flüssig aufzubringenden Reaktivdachab dichtungsmittels zur Herstellung einer Dachabdichtung.

STAND DER TECHNIK

Dachabdichtungen schützen Dächer von Bauwerken vor Witterungseinflüssen wie Re gen, Schnee, Hagel, aber auch UV-Strahlung. Dabei werden sehr hohe Anforderungen in Bezug auf Elastizität, UV-Stabilität, Rissüberbrückungsfähigkeit, Stoßbeständigkeit, Wasserdichtheit und Druckwasserstabilität gestellt.

Bekannt sind Dachabdichtungen auf bituminöser Basis wie Dachpappe und Dachab dichtungen auf Kunststoffbasis wie EPDM, d.h. Kunststoffe auf Basis von Ethylen-, Propylen- und Dien-Monomeren, PUR, d.h. Polyurethansysteme oder PMMA, d.h. Kunststoffe auf Basis von Methylmethacrylat oder Polyasparticsysteme.

Der aktuelle Stand der Technik zur Abdichtung von Flachdächern ist in der DIN EN 18531 , der Flachdachrichtlinie sowie der ETAG 005 dargestellt.

Im Folgenden wird die ETAG 005 stets in der Version der Überarbeitung vom März 2004 zitiert. Die DIN EN 18531 wird stets in der Version vom Juli 2017 zitiert. Die Flachdachrichtlinie wird steht in der Version der Überarbeitung vom Mai 2019 zitiert.

Flachdächer werden üblicherweise mittels bituminöser oder polymerer Beschichtungs materialien abgedichtet. Zu unterscheiden sind dabei Bahnenware in Form von Folien oder Platten, beispielsweise Bitumenbahnen, Kunststoffbahnen oder TPO-Folien, d.h. thermoplastische Polyolefinfolien, und flüssig aufgebrachte Materialien, welche sich wiederum in physikalisch trocknende 1 K Materialien und chemisch z.B. mit der Luft feuchtigkeit oder weiteren zugesetzten Komponenten aushärtende Polymere untertei len lassen.

Bei Bahnenware besteht die Gefahr mechanischer Beschädigungen während des Transports und beim Handling auf der Baustelle. Bahnenware zeigt im Allgemeinen auch ein für den Verarbeiter schweres Handling, bedingt zum einen durch das hohe Gewicht der Rollen zum anderen durch die geringe Flexibilität der Bahnen. Zusätzlich stellt die Notwendigkeit der Verschweißung oder Verklebung der einzelnen Bahnen eine inhärente Problematik dar, welche zur Ausbildung von Schwachstellen in der Ab dichtung führen kann. Die oben genannten schlechten Verarbeitungseigenschaften be dingen ebenfalls, dass die Ausbildung von Detailstellen und Anschlüssen für Bahnen ware nur schwer durchführbar ist. Für die Aufbringung von Bitumenbahnen ergibt sich zusätzlich eine erhöhte Brand- und Verbrennungsgefahr, da das Verschweißen dieser die Nutzung von Gasbrennern notwendig macht, welche gerade bei sommerlichen Temperaturen und Sonneneinstrahlung zu deutlichen körperlichen Belastungen der Verarbeiter führen kann. Die Applikation von Flüssigkunststoffen, im Weiteren als FLKs bezeichnet, bringt einen besonders hohen Arbeitsaufwand mit, bedingt durch die Notwendigkeit mehrerer Ar beitsgänge mit jeweils langen Durchtrocknungszeiten. FLKs benötigen zum Aufbau der geforderten Schichtdicke diverse Arbeitsgänge, was den Aufwand zur Abdichtung ei nes Bauwerks erheblich erhöht. Zudem sind die FLKs im nicht ausgehärteten Zustand hochgradig empfindlich gegenüber Feuchtigkeit. Ein Kontakt mit Wasser führt hier fast immer zur Ausbildung von Fehlstellen, welche später zu korrigieren sind. Darüber hin aus haben FLKs typischerweise eine schlechte gesundheitliche Verträglichkeit bzw. gesundheitsschädliche Eigenschaften, welche zur Sensibilisierung der Verarbeiter füh ren können. Neben der inhalativen Belastung der Verarbeiter weisen die FLKs häufig zusätzlich einen extrem unangenehmen Geruch auf, welcher von Anwohnern und Ver arbeitern als Belästigung empfunden werden kann.

Einkomponentige, bituminöse Emulsionen, bituminöse Dispersionen, Polymeremulsio nen und Polymerdispersionen zeigen dagegen eine langsame physikalische Durch trocknung, welche bei niedrigen Temperaturen und/oder hoher Luftfeuchtigkeit und auf wenig bis nicht saugfähigen Untergründen besonders nachteilig ist.

WO 2012/038099 A1 offenbart eine Verwendung von Beschichtungsmitteln auf Basis von einem oder mehreren mineralischen Bindemitteln, einem oder mehreren Polyme ren, einem oder mehreren Füllstoffen und gegebenenfalls einem oder mehreren Addi tiven zur Herstellung von Dachbeschichtungen, wobei die Beschichtungsmittel mindes tens 50 Gew.-% Polymere, bezogen auf das Trockengewicht der Polymere und der mineralischen Bindemittel, enthalten, d.h. wobei mit Bezug zum Trockengewicht mehr Polymere als mineralische Bindemittel enthalten sind. Nachteilig an dem Baustoffsys tem ist, dass es nicht für tiefe Temperaturen bis -20°C oder gar bis -30°C flexibel und rissüberbrückend ausgebildet ist, dies liegt u.a. in einer nicht ausreichend niedrigen Tg der verwendeten Polymere begründet. Die Beispiele zeigen Einkomponentensys teme, d.h. Trockenformulierungen, auf Basis von Vinylacetat-Ethylen-Copolymer oder Vinylacetat-Ethylen-Vinylester-Terpolymer, denen zur Herstellung des Beschichtungs mittels Wasser beigemengt wird.

DE 20 2005 015 351 U1 zeigt ein Baustoffsystem mit ein oder mehreren Komponenten, das als einen ersten Bestandteil einen zerkleinerten Gummi und als zweiten Bestandteil eine Kunststoffdispersion mit selbstvernetzenden Eigenschaften, daneben Zemente und Füllstoffe umfasst. Der Polymeranteil liegt dabei bei etwa dem 1 ,58-fa- chen des Anteils mineralischer Bindemittel. Nachteilig an dem Baustoffsystem ist, dass es nicht für tiefe Temperaturen bis -20°C oder gar bis -30°C flexibel und rissüberbrü- ckend ausgebildet ist.

WO 2017/190766 A1 offenbart einen 2K-Reaktiv-Baustoff mit einem Kalziumsulfat, ei nem Ettringitbilder, einem Aktivator und einem Bindemittel auf Polymerbasis, wobei der Polymeranteil in den darin angegebenen Beispielen bei etwa dem 1 ,15-fachen des An teils mineralischer Bindemittel liegt.

WO 2015/199984 A1 zeigt einen weiteren Reaktiv-Baustoff mit einem Kalziumsulfat, einem Ettringitbilder und einem Bindemittel auf Polymerbasis, wobei der Anteil der ein gesetzten Polymere in den darin angegebenen Beispielen bei dem 1 ,45-fachen des Anteils mineralischer Bindemittel liegt.

AUFGABE DER ERFINDUNG

Demgegenüber liegt der vorliegenden Erfindung die Aufgabe zugrunde, eine wasser feste bzw. wasserdichte, flexible, schnell aushärtende und alterungsbeständige Dach abdichtung zu schaffen.

Dabei sollen die oben beschriebenen Nachteile vermindert und gleichzeitig die Vorteile der einzelnen Systeme in Form einer neuartigen Dachabdichtung kombiniert werden.

Die Dachabdichtung soll sich durch leichte Verarbeitbarkeit der einzelnen Komponen ten auszeichnen, vor allem aber nicht ausschließlich durch eine einfache Verarbeitung ohne Notwendigkeit von Brennern, zusätzlichen Klebstoffen oder Schweißmitteln, so wie die Aufbringung in möglichst wenigen Arbeitsgängen. Darüber hinaus soll die Dachabdichtung hervorragende Eigenschaften zur Ausbildung von Details und An schlussstellen aufweisen. Darüber hinaus sollen die Dachabdichtung und die Verarbeitung ihrer Komponenten eine möglichst geringe gesundheitliche Belastung für den Verarbeiter und die Umwelt darstellen, sowie eine möglichst umweltverträgliche Entsorgung ermöglichen. Des Wei teren soll die Dachabdichtung sich durch eine hohe Feuchtigkeitstoleranz im nicht aus gehärteten Zustand, eine frühe Regenfestigkeit und eine schnelle, im Vergleich zu vor wiegend physikalisch trocknenden System weniger witterungsabhängige Trocknungs zeit auszeichnen.

Zusätzlich soll die Dachabdichtung eine individuelle Gestaltbarkeit der Oberfläche durch Pigmentierung der Abdichtung sowie Gestaltung mittels Einstreuung von diver sen Füllstoffen ermöglichen.

OFFENBARUNG DER ERFINDUNG

Nach einem ersten Aspekt der Erfindung wird ein flüssig aufzubringendes Reaktivdach abdichtungsmittel auf Basis von einem oder mehreren mineralischen Bindemitteln und einer oder mehreren wässrigen Polymerdispersionen vorgeschlagen.

Insbesondere wird die Verwendung eines flüssig aufzubringenden Reaktivdachabdich tungsmittels zur Herstellung einer Dachabdichtung vorgeschlagen, wobei das flüssig aufzubringende Reaktivdachabdichtungsmittel eine Flüssigkomponente und eine Pul verkomponente aufweist, wobei die Pulverkomponente ein zur Ausbildung von einer Ettringit-Phase fähiges mineralisches Bindemittelsystem, bestehend aus einem oder mehreren mineralischen Bindemitteln, umfasst, und damit die Fähigkeit zur schnellen Bindung von Wasser aufweist, und wobei die Flüssigkomponente eine oder mehrere wässrige Polymerdispersionen umfasst.

Dabei ist vorgesehen, dass das Reaktivdachabdichtungsmittel mindestens 2-mal, be vorzugt mindestens 2,5-mal, insbesondere mindestens 3-mal so viel Gew.-% Feststoff gehalt an Polymeren wie Gew.-% mineralische Bindemittel enthält. Die Angabe Gew.- % nimmt hier Bezug auf das Gewicht des gesamten flüssig aufzubringenden Reaktiv dachabdichtungsmittels. Zusätzlich ist vorgesehen, dass der Anteil an PU-Polymer in der Flüssigkomponente maximal 30%, bevorzugt weniger als 20%, weiter bevorzugt weniger als 15% des Fest stoffgehalts an Polymeren beträgt, und zwar bezogen auf die Gesamtmasse der Poly mere.

Zusätzlich ist vorgesehen, dass mindestens eines der in dem Reaktivdachabdichtungs mittel eingesetzten Polymere eine Glasübergangstemperatur T g von kleiner -20 °C, be vorzugt kleiner -30 °C aufweist. Bevorzugt weisen mindestens 50 Gew.-%, weiter be vorzugt mindestens 80 Gew.-%, noch weiter bevorzugt mindestens 90 Gew.-%, und insbesondere 100 Gew.-% der eingesetzten Polymere, bezogen auf die Gesamtmasse der Polymere, eine Glasübergangstemperatur Tg von kleiner -20 °C, bevorzugt kleiner -30 °C auf.

Das flüssig aufzubringende Reaktivdachabdichtungsmittel eignet sich als Dachabdich tung zur Abdichtung von Dachflächen, aber auch zur Abdeckung, insbesondere und nicht abschließend, von Detail- und Anschlussbereichen, Baikonen, Terrassen und Laubengängen.

Es hat sich überraschenderweise herausgestellt, dass sich bei diesen Mengenverhält nissen und Eigenschaften der Bindemittel(systeme) hervorragende Eigenschaften zur Dachabdichtung zuverlässig realisieren lassen. Es entsteht eine wasserfeste, flexible, schnell aushärtende, alterungsbeständige und UV-stabile Dachabdichtung.

Vorteilhaft lässt sich durch den Zusatz des mineralischen Bindemittelsystems, welches zur Ausbildung von einer Ettringit-Phase fähig ist, eine signifikante Beschleunigung der Aushärtung des Reaktivdachabdichtungsmittels erreichen, und zwar im Prinzip unab hängig von Witterungsbedingungen. Dies geschieht durch die schnelle Bindung von in der Polymerdispersion enthaltenem Wasser in der Ettringit-Phase.

Bei einem Polymeranteil von weniger als 2-mal so viel Gew.-% Polymere wie Gew.-% mineralische Bindemittel, bezogen auf das Gesamtgewicht des Reaktivdachabdich tungsmittels, bestimmt überwiegend das mineralische Bindemittelsystem die Aushär tereaktion mit dem Effekt, dass eine zu starre, dreidimensionale Zementmatrix mit Polymerpartikeln entsteht und die benötigte Flexibilität und Rissüberbrückungseigen schaften einer Dachabdichtung sich nicht erreichen lassen.

Bevorzugt enthält das flüssig aufzubringende Reaktivdachabdichtungsmittel höchstens 10-mal, bevorzugt höchstens 5-mal so viel Gew.-% Polymere wie Gew.-% mineralische Bindemittel. Bei noch mehr Polymeranteil würde das Polymer die Trocknung bestim men mit dem Effekt, dass eine Polymermatrix mit Zementinseln ohne zusammenhän gendes Zementgefüge darin entsteht, vgl. hierzu auch Fig. 3. Generell wurde beobach tet, dass bei höherem Polymeranteil die Aushärtung durch das mineralische Bindemit telsystem und die Ausbildung einer Ettringit-Phase nicht mehr signifikant beschleunigt ist und damit ähnlich wie für ausschließlich physikalisch trocknende einkomponentige Polymerabdichtungssysteme eine hohe Witterungsabhängigkeit der Aushärtung be steht. Eine zu langsame bzw. stärker witterungsabhängige Aushärtung bzw. Trocknung des Produktes, sowie eine witterungsbedingt spät ausgebildete Regenfestigkeit führen dazu, dass das Produkt als erfindungsgemäße Dachabdichtung ungeeignet ist.

Es hat sich gezeigt, dass ein Anteil von bevorzugt mindestens 5% PU-Polymer am Feststoffgehalt an Polymeren einen mit der Einbringung einer Armierung, z.B. eine Armierung mit Polyestervlies (110g/m 2 ), vergleichbaren positiven Effekt auf die Elasti zität bei besonders tiefen Temperaturen von -30 °C und kleiner hat. Zusätzlich hat sich gezeigt, dass bei Einbringung von mehr als 30% PU-Polymer am Feststoffgehalt an Polymeren negative Effekte, z.B. eine Koagulation von Polymerpartikeln auftreten, die die Ausbildung einer durchgängigen Abdichtungsschicht beeinträchtigen. In Versuchen wurden lange Trocknungszeiten und eine teilweise bis vollständige Inhibierung der Ze mentreaktion beobachtet. Oberhalb von 20% und 15% lässt sich ein qualitativ schlech teres Verhalten bei der Aushärtung feststellen. Darüber hinaus hat sich gezeigt, dass bereits die Einbringung von mindestens 1 % PU-Polymer, bezogen auf den Feststoff gehalt an Polymeren, einen deutlichen Einfluss auf die innere Spannung des Polymer films hat.

Dabei hat der Einsatz einer in der Erfindung eingesetzten PU-Polymerdispersion im Gegensatz zu einem Polyurethan basierten Verdicker, der zur Steuerung der Theologi schen Eigenschaften der Flüssigkomponente und damit des flüssig aufzubringenden Reaktivdachabdichtungsmittels eingesetzt werden kann, keine relevante Erhöhung bzw. Änderung der rheologischen Eigenschaften im Besonderen der Viskosität der er zeugten Flüssigkomponente und damit des flüssig aufzubringenden Reaktivdachab dichtungsmittels zur Folge. Das hier beschriebene PU-Polymer als PU-Polymerdisper- sion bildet dabei mit einem oder mehreren weiteren eingesetzten Polymeren den be schriebenen Polymerfilm aus.

Bevorzugt liegt das flüssig aufzubringende Reaktivdachabdichtungsmittel als zweikom- ponentiges (2K) System vor. Die mineralischen Bindemittel liegen dabei insbesondere bevorzugt in einer Pulverkomponente vor. Die eine oder mehreren wässrigen Polymer dispersionen liegen dabei insbesondere bevorzugt in einer Flüssigkomponente vor. Die beiden Komponenten können separat oder in einem beliebigen Gebinde, darin aber getrennt gelagert, insbesondere beispielsweise in Eimern oder Folienbeuteln oder dgl. bereitgestellt sein. Das zweikomponentige Reaktivdachabdichtungsmittel zeichnet sich durch eine besonders leichte Verarbeitbarkeit aus, ohne Einsatz von Brennern, zusätz lichen Klebstoffen oder Schweißmitteln und ermöglicht die Aufbringung in wenigen Ar beitsgängen.

Weiterhin zeichnet sich das zweikomponentige Reaktivdachabdichtungsmittel auch bei kühlen oder feuchten Bedingungen durch eine schnelle Durchtrocknung aus, die auf einer chemischen Reaktion zwischen Bestandteilen der Flüssigkomponente und Be standteilen der Pulverkomponente und unter anderem auf der Ausbildung von einer Ettringit-Phase beruht, was insbesondere die Gefahr von mechanischen Verletzungen der Beschichtung während der Trocknung verringert.

Ein Vorteil des Einsatzes der Polymerdispersionen besteht darin, dass die organischen Polymerteilchen in einem wässrigen Medium mithilfe von Emulgatoren stabilisiert vor liegen.

Unter einer Polymerdispersion wird eine kolloidal stabile Dispersion von Polymerparti keln in einer wässrigen Phase verstanden. Der Feststoffgehalt (Gew.-%) der Polymer dispersion beschreibt dabei die Masse des in der wässrigen Phase dispergierten Poly mers. Im Gegensatz zu Polymerdispersionen sind Polymerpulver die (meist sprühgetrock nete Form dieser wässrigen Polymerdispersionen. Um ein stabiles Pulver zu erzeugen, werden in aller Regel Trocknungshilfen, z.B. Schutzkolloide, und Antiblockmittel, z.B. gefällte oder pyrogene Kieselsäure, Kaolin (Aluminiumsilikat), Bentonit, Talkum, Tone, Leichtspat, Calciumcarbonat, Magnesiumcarbonat, Bariumsulfat, u.a. verwendet. Anti blockmittel verbessern die Rieselfähigkeit des Pulvers und verhindern das Verblocken des Pulvers während der Lagerung. Als Trocknungshilfen werden Schutzkolloide ver wendet, die das Verkleben der Polymerteilchen verhindern und die Partikelgrößen des Pulvers steuern. Der Vorteil von Polymerpulvern ist darin zu sehen, dass das Polymer mit anderen Pulvern wie mineralischen Bindemitteln oder mineralischen Zuschlägen o.ä. vorgemischt wird, um es erst unmittelbar vor der Verwendung mit Wasser wieder zu redispergieren, was zu geringeren Kosten für T ransport und Lagerung führt. Darüber hinaus müssen Polymerpulver nicht konserviert werden. Ein großer Nachteil von Poly merpulvern ist aber die im Gegensatz zur wässrigen Polymerdispersion verschlechterte Wasserfestigkeit der Endprodukte, zum Beispiel wegen der nötigen Zugabe von Schutzkolloiden wie etwa Polyvinylalkohol. Des Weiteren ist der Gehalt an reinem Po lymer durch die für die Trocknung benötigten Hilfsstoffe reduziert. Daher wird bei Po lymerpulvern die Leistungsfähigkeit der Ausgangsdispersion im redispergierten Zu stand nicht wieder erreicht.

Die Polymerdispersionen haben bevorzugt eine Mindestfilmbildetemperatur (MFT) von 0°C. Liegt die MFT unterhalb der Raumtemperatur, kann die Dispersion durch Trock nung einen geschlossenen, flexiblen Film ausbilden. Dieser Polymerfilm sorgt in mine ralischen zweikomponentigen Systemen für die gewünschte Flexibilität und die Fähig keit zur Rissüberbrückung. Die MFT wird nach DIN 53787:02-74 als die niedrigste Tem peratur bezeichnet, bei der eine dünne Schicht einer Kunststoffdispersion noch zu ei nem zusammenhängenden Film auftrocknet. Die MFT der Polymerdispersionen wird dabei wie in der genannten Norm beschrieben ermittelt.

Besonders bevorzugt sind folgende Anteile an Polymer in der Flüssigkomponente ent halten: Hier bezieht sich die Angabe auf den Feststoffgehalt des Polymers in der Polymerdis persion. Der Feststoffgehalt von Polymeren in der Polymerdispersion liegt also bevor zugt zwischen 30% und 70%, besonders bevorzugt zwischen 50% und 60%, bezogen auf das Gewicht der Flüssigkomponente.

Vorteilhaft enthält die Polymerzusammensetzung in der Flüssigkomponente bis zu 30 Gew.-% eines PU-Polymers. Besonders bevorzugt sind PU-Polymer-Anteile von 5 - 10 Gew.-% in der Polymerzusammensetzung der Flüssigkomponente enthalten. Hier be zieht sich die Angabe Gew.-% auf den Anteil an PU-Polymer an der Gesamtmasse Polymer.

Besonders bevorzugt sind folgende Wasseranteile in der Flüssigkomponente enthal ten:

Die Angabe Gew.-% bezieht sich hier auf den Anteil an Wasser in der Flüssigkompo nente. Dies umfasst jegliches in der Flüssigkomponente enthaltene Wasser.

Besonders bevorzugt sind folgende Anteile als mineralisches Bindemittelsystem in der Pulverkomponente enthalten:

Die Angabe Gew.-% bezieht sich hier auf den Anteil der Masse der mineralischen Bin demittel, welche in Kombination das mineralische Bindemittelsystem bilden, gegenüber der Masse der Pulverkomponente. Besonders bevorzugt sind folgende Füllstoffanteile in der Pulverkomponente enthalten:

Die Angabe Gew.-% bezieht sich hier auf den Anteil der Masse der Füllstoffe, welche in der Pulverkomponente vorliegen, gegenüber der Masse der Pulverkomponente.

Beispielsweise kann die Pulverkomponente folgende Zusammensetzung enthalten:

Geeignete mineralische Bindemittelsysteme bestehen insbesondere aus einer Mi schung von Zementen und Calciumsulfatträgern, welche sich als Mischung im Beson deren durch die Fähigkeit zur Ausbildung einer Ettringit-Phase auszeichnen. Beson ders geeignete mineralische Bindemittel sind Portlandzement, Calciumaluminatze- ment, im Weiteren als Aluminatzement bezeichnet, sowie Calciumsulfoaluminatze- ment, Kalke und Gipse.

Geeignete Polymere weisen eine mittels DSC-Verfahren gemessene Glasübergangs temperatur T g von bevorzugt kleiner -20 °C und weiter bevorzugt von kleiner -30 °C auf. Bei Verwendung von Polymeren mit zu hoher T g lässt sich die benötigte Flexibilität bei tiefen Temperaturen (-20 °C und kleiner) nicht erreichen, da sich der Polymerfilm unterhalb der T g der enthaltenden Polymere wie Glas verhält und damit bei Beanspruchung bricht. Die Glasübergangstemperatur T g der Polymerprobe wird dabei bestimmt durch dynamische Differenzkalorimetrie (DSC, DIN EN ISO 11357-2:2014-07 „Kunststoffe - Dynamische Differenz Thermoanalyse (DSC) - Teil 2: Bestimmung der Glasübergangstemperatur und der Glasübergangsstufenhöhe (ISO 11357-2:2013), Deutsche Fassung EN ISO 11357-2:2014“). Dabei wird die Probe in Schritten von 10 °C pro Minute von -90°C bis 20°C erhitzt und die Wärmekapazität festgestellt. Ein Übergangspunkt der Wärmekapazität unterhalb und oberhalb des Glasübergangs wird ermittelt.

Ein Polymer ist eine chemische Verbindung, die aus Ketten- oder verzweigten Molekü len (Makromolekül) besteht, die aus gleichen oder gleichartigen Einheiten, den soge nannten Monomeren, bestehen. Ein Polymer kann ein natürliches oder synthetisches Makromolekül sein, das aus sich wiederholenden Einheiten eines kleineren Moleküls, Monomere besteht.

Bevorzugt basiert zumindest eines der Polymere auf einem oder mehreren Monomeren aus der Gruppe umfassend (Meth-)Acrylate, Acrylnitril, Isocyanat, Polyole, oder einer Kombination davon, zum Beispiel Reinacrylat, Polyurethan oder Styrolacrylat. Es hat sich überraschenderweise herausgestellt, dass sich mit Polymeren, die auf diesen Mo nomeren basieren, die oben beschriebenen Eigenschaften zur Dachabdichtung zuver lässig realisieren lassen.

Beispiele für (Meth-)Acrylate sind Methacrylsäureester und Acylsäurester von ver zweigten und unverzweigten Alkoholen mit 1 bis 15 Kohlenstoffatomen. Geeignete Me thacrylsäureester sind beispielsweise Methylmethacrylat, Ethylmethacrylat, n-Propyl- methacrylat.i-Propylmethacrylat, n-Butylmethacrylat, i-Butylmethacrylat, t-Butylme- thacrylat und Neopentylmethacrylat. Geeignete Acrylsäureester sind beispielsweise Methylacrylat, Ethylacrylat, n-Propylacrylat, i-Propylacrylat, n-Butylacrylat, i-Butylac- rylat, t-Butylacrylat und 2-Ethylhexylacrylat.

Alternativ oder zusätzlich hierzu kann vorgesehen sein, dass zumindest eines der Po lymere ein konditioniertes Naturlatex ist. Naturkautschuk aus Latex ist ein Polymerisat aus dem Monomer Isopren (2-Methyl-1 ,3-butadien) und weist eine einheitliche Struktur mit cis-1 ,4-Verknüpfung auf. Daher kann zumindest eines der Polymere das konditionierte Naturlatex als alleiniges Polymer enthalten. Alternativ kann zumindest eines der Polymere das konditionierte Naturlatex enthalten, das als Vorpolymerisat mit anderen Monomeren und/oder Stoffen weiterhin vernetzt bzw. polymerisiert ist. Die Konditionierung des Naturlatex kann beispielsweise durch Ammoniak oder Kaliumhyd roxid erfolgen. Bevorzugt wird ein partiell vorvulkanisierter konditionierter Naturstoff verwendet. Auch mittels konditioniertem Naturlatex lassen sich die oben beschriebe nen Eigenschaften zur Dachabdichtung zuverlässig realisieren.

Im Falle von konditioniertem Naturlatex enthält der flüssig aufzubringende Reaktivbau stoff bevorzugt mindestens 2-mal, weiter bevorzugt mindestens 2,5-mal so viel Gew.- % konditioniertes Naturlatex wie Gew.-% mineralische Bindemittel. Es hat sich überra schenderweise herausgestellt, dass sich bei diesen Mengenverhältnissen die oben be schriebenen Eigenschaften zur Dachabdichtung zuverlässig realisieren lassen.

Enthält der flüssig aufzubringende Reaktivbaustoff mindestens 2-mal so viel Gew.-% konditioniertes Naturlatex wie Gew.-% mineralische Bindemittel, dann ist es bis -20°C ausreichend flexibel und rissüberbrückend ausgebildet. Enthält der flüssig aufzubrin gende Reaktivbaustoff mindestens 2,5-mal so viel Gew.-% konditioniertes Naturlatex wie Gew.-% mineralische Bindemittel, dann ist es bis -30°C ausreichend flexibel und rissüberbrückend ausgebildet.

Bevorzugt enthält der flüssig aufzubringende Reaktivbaustoff höchstens 10-mal, be sonders bevorzugt höchstens 5-mal so viel Gew.-% konditioniertes Naturlatex wie Gew.-% mineralische Bindemittel.

Bevorzugt ist, dass das zumindest ein Polymer ein Homopolymerisat wie Polystyrol, Poly(meth)acrylat bzw. (Meth)Acrylatpolymer aus einer Monomereinheit, Polybutadien oder Polyacrylnitril ist. Alternativ bevorzugt ist, dass das zumindest eine Polymer ein Copolymerisat wie Acrylnitril-Butadien-Copolymer, Acrylnitril-Copolymer, Butadien-Co polymer, Acrylnitril-Acrylat-Copolymer, Acrylnitril-Methacrylat-Copolymer, Acrylnitril- Butadien-Acrylat-Copolymer, Acrylat-Butadien-Copolymer, Acrylnitril-Butadien-Me- thacrylat-Copolymer, Methacrylat-Butadien-Copolymer, Acrylnitril-Butadien-Styrol-Co- polymer, Styrol-Acrylnitril-Copolymer, Styrol-Butadien-Copolymer, Acrylnitril-Styrol- Acrylat-Copolymer, Acrylat-Styrol-Copolymer, Acrylnitril-Styrol-Methacrylat- Copolymer, Methacrylat-Styrol-Copolymer, Acrylnitril-Styrol-Butadien-Acrylat-Copoly- mer, Acrylat-Styrol-Butadien-Copolymer, Acrylnitril-Styrol-Butadien-Methacrylat-Copo- lymer, Methacrylat-Styrol-Butadien-Copolymer, alternativ besonders bevorzugt Ac- rylat-Copolymer, Methacrylat-Copolymer oder Polyurethan ist. Auch kann das Copoly- merisat ein (Meth)Acrylatcopolymer sein, das mehr als eine Monomereinheit enthält.

In einer Ausführungsform enthält die wässrige Polymerdispersion zwei oder mehr Po lymere. Bevorzugt sind hier Acrylatpolymer und Polyurethan oder Acrylatpolymer und konditioniertes Naturlatex.

In einer Ausführungsform enthält die wässrige Polymerdispersion zumindest ein Copo lymer. Bevorzugt ist dies ein Acrylatcopolymer.

In einer Ausführungsform enthält der flüssig aufzubringende Reaktivbaustoff einen cal- citischen Füllstoff und die wässrige Polymerdispersion ein konditioniertes Naturlatex. Die chemische Wechselwirkung zwischen dem konditionierten Naturlatex und den Ca 2+ -lonen erweist sich hier als vorteilhaft.

In einer vorteilhaften Ausführungsform enthält der flüssig aufzubringende Reaktivbau stoff ein oder mehrere UV-stabilisierende und IR-reflektierende Pigmente.

Weitere Pigmente, insbesondere Farbpigmente, können enthalten sein, um eine indi viduelle Gestaltbarkeit der Dachoberfläche durch Pigmentierung der Dachabdichtung zu ermöglichen.

Weiterhin enthält das flüssig aufzubringende Reaktivdachabdichtungsmittel bevorzugt ein oder mehrere Füllstoffe, insbesondere Gemische von einem oder mehreren silika- tischen und/oder calcitischen Füllstoffen, sowie einem oder mehreren Leichtfüllstoffen auf silikatischer Basis. Als Leichtfüllstoff werden im Rahmen der vorliegenden Offen barung Füllstoffe bezeichnet, die ein Schüttgewicht von kleiner als 500 g/l aufweisen. Beispiele für Leichtfüllstoffe umfassen Mikrohohlkugeln aus Glas, oder Siliciumoxid. Beispiele für silikatische Füllstoffe sind Quarzsand und Quarzmehl, während Beispiele für calcitische Füllstoffe Kalksteinmehl, Calciumcarbonat, Dolomit und Kreide, bevor zugt Kalksteinmehl, sind.

Alternativ oder zusätzlich können die Füllstoffe Recyclingstoffe enthalten. Beispiele für Recyclingstoffe sind Gummigranulat oder Kunststoffgranulat. Beispielsweise wird Gummigranulat verwendet, das aus Altgummi wie Material von Gummidichtungen, Gummischläuchen, Gummiauskleidungen, Hartgummi, Weichgummi, Altreifen, Gummi griffen oder dergleichen erzeugt ist. Das Gummigranulat basiert bevorzugt auf vulka nisiertem natürlichem Gummi und/oder vulkanisiertem Synthesekautschuk, bevorzug ter auf ungesättigtem Kautschuk mit Styrol- und Butadieneinheiten.

Weiterhin enthält der flüssig aufzubringende Reaktivbaustoff bevorzugt ein oder meh rere Additive, insbesondere Additive aus der Gruppe umfassend Verdicker wie Po lyurethan-Verdicker, Acrylat-Verdicker, Entschäumer, Netzmittel, Beschleuniger, Ver zögerer, Dispergiermittel, Vernetzer, Konservierer und Brandverzögerer.

Beispiele für Verdicker sind Polysaccharide wie Celluloseether, modifizierte Cellulose, modifizierte Celluloseether, Stärkeether, Guar Gum, Xanthan Gum, Polycarbonsäuren wie Polyacrylsäure und deren Teilester, Polyvinylalkohole, hydrophob modifizierte Po lyvinylalkohole, acetalisierte Polyvinylalkohole, Bentonit, Casein, assoziativ wirkende Verdicker, Polyurethan-Verdicker und Acrylat-Verdicker. Andere Beispiele für Verdi cker sind Schichtsilikate. Beispiele für Schichtsilikate sind Glimmer, Talk, Serpentin und Tonminerale wie Vermiculit, insbesondere Muskovit, Bentonit und Kaolinit.

Entschäumer können auf Silikonbasis, beispielsweise auf Silikonöl-Basis, aber auch auf Pflanzenöl-Basis und Mineralöl-Basis sein.

Netzmittel oder Dispergiermittel können anionische, kationische und/oder nichtionische Detergenzien sein.

Beispiele für Beschleuniger sind Alkali- oder Erdalkalisalze von anorganischen Säuren wie alkalische Carbonate wie beispielsweise Natriumcarbonat, Lithiumcarbonat oder Aluminate wie Tricalciumaluminat. Verzögerer können eine Kombination mehrerer anorganischer und/oder organischer Stoffe wie beispielsweise Phosphate, Ligninsulfonate, Zucker(derivate) wie Saccha rose, Sucrose, Glucose, Fructose, Saccharide, Sorbit, Pentaerythrit, Hydroxycarbon- säuren wie Zitronensäure, Weinsäure, Gluconsäure oder Dicarbonsäuren wie Oxal säure, Bernsteinsäure oder deren Salze sein.

Beispiele für Vernetzer sind Metalloxide und Metallsalze, Halbmetalloxide, Borsäure bzw. deren Salze, oder Dialdehyde wie Glutardialdehyd, aber auch Metalle wie zum Beispiel Zirkonium.

Beispiele für Brandverzögerer sind Blähgraphite oder Aluminiumhydroxid.

Als weitere Füllstoffe können Fasern verwendet werden, sowohl organische als auch anorganische Fasern wie beispielsweise Basalt, Glasfasern, Polypropylenfasern, Car bonfasern und Polyesterfasern.

Beispielsweise kann die Flüssigkomponente folgende Additive enthalten:

Nach einem weiteren Aspekt der Erfindung wird eine Dachabdichtung hergestellt durch Mischen einer Flüssigkomponente und einer Pulverkomponente, wobei die Pulverkom ponente ein zur Ausbildung von Ettringit fähiges mineralisches Bindemittelsystem und damit die Fähigkeit zur schnellen Abbindung von Wasser, bestehend aus einem oder mehreren mineralische Bindemitteln, umfasst, und die Flüssigkomponente eine oder mehrere wässrige Polymerdispersionen umfasst, von denen eine wässrige Polyurethan Polymerdispersion im Folgenden immer als PU-Dispersion bezeichnet sein kann. Dabei ist vorgesehen, dass die Dachabdichtung mindestens 2-mal, bevorzugt mindes tens 2,5-mal, insbesondere mindestens 3-mal so viel Gew.-% Feststoffgehalt an Poly meren wie Gew.-% mineralische Bindemittel, bezogen auf das Gesamtgewicht des Re aktivdachabdichtungsmittels, enthält und der Anteil der PU-Dispersion höchstens 30% des Feststoffgehalts an Polymeren, beträgt. Mindestens eines der in dem Reaktivdach abdichtungsmittel eingesetzten Polymere weist eine Glasübergangstemperatur T g von kleiner -20 °C, bevorzugt kleiner -30 °C auf.

Vorteilhaft ist die Dachabdichtung in einem ausgehärteten Zustand bei Temperaturen bis mindestens TL3, bevorzugt TL4, nach ETAG 005, Teil 1 , in der Überarbeitung vom März 2004, flexibel mit einer Einstufung W3 nach der Durchführung eines im EOTA TR-008 angegebenen Verfahrens und rissüberbrückend für Risse bis mindestens 1 ,5 mm nach der Durchführung eines im EOTA TR-013 angegebenen Verfahrens ausge bildet.

Die Dachabdichtung ist also vorteilhaft bis mindestens -20°C, bevorzugt bis -30°C fle xibel und rissüberbrückend ausgebildet. Die Temperaturen, die Leistungsklassen, so wie die Referenzen auf die EOTA Technical Reports sind in der ETAG 005, Teil 1 definiert.

Enthält die Dachabdichtung mindestens 2-mal so viel Gew.-% Polymere wie Gew.-% mineralische Bindemittel, bezogen auf das Gesamtgewicht des Reaktivdachabdich tungsmittels, dann ist sie im ausgehärteten Zustand bis -20°C ausreichend flexibel und rissüberbrückend ausgebildet. Enthält die Dachabdichtung mindestens 2,5-mal so viel Gew.-% Polymere wie Gew.-% mineralische Bindemittel, bezogen auf das Gesamtge wicht des Reaktivdachabdichtungsmittels, dann ist sie bis -25°C ausreichend flexibel und bis -20°C ausreichend rissüberbrückend ausgebildet. Enthält die Dachabdichtung mindestens 3-mal so viel Gew.-% Polymere wie Gew.-% mineralische Bindemittel, be zogen auf das Gesamtgewicht des Reaktivdachabdichtungsmittels, dann ist sie bis - 30°C ausreichend flexibel und rissüberbrückend ausgebildet.

Die Dachabdichtung ist hinsichtlich ihrer rissüberbrückenden Eigenschaften allen bis her bekannten, vergleichbaren Dachabdichtungen überlegen und zeichnet sich durch eine herausragende Haftung auf diversen Untergründen, wie z.B. mineralischen, metallischen, hölzernen und kunststoffbasierten Substraten aus und bietet eine dauer haft beständige Dachabdichtung bzw. Versiegelung von Substraten auch bei niedrigen Temperaturen im Winter.

Vorteilhaft ist die Dachabdichtung in einem ausgehärteten Zustand bevorzugt bei Tem peraturen bis mindestens TL3, bevorzugt TL4, nach ETAG 005, Teil 1 , in der Überar beitung vom März 2004, stoßbeständig mit einer Einstufung P4 nach der Durchführung eines im EOTA TR-006 angegebenen Verfahrens (dynamischer Eindruck) ausgebildet.

Die Dachabdichtung ist also vorteilhaft bis mindestens -20°C, bevorzugt bis -30°C stoßbeständig ausgebildet und eignet sich damit hervorragend als dauerhaft bestän dige Dachabdichtung bzw. Versiegelung von Substraten auch bei niedrigen Tempera turen im Winter.

Insbesondere ist Dachabdichtung in einem ausgehärteten Zustand bevorzugt bei Tem peraturen bis mindestens TH4 nach ETAG 005, Teil 1 , in der Überarbeitung vom März 2004, stoßbeständig mit einer Einstufung P4 nach der Durchführung eines im EOTA TR-007 angegebenen Verfahrens (statischer Eindruck) ausgebildet. Das flüssig aufzu bringende Reaktivdachabdichtungsmittel ist also bevorzugt außerdem bis mindestens 90°C statisch penetrationsbeständig ausgebildet. Vorteilhaft bewirkt die Dachabdich tung damit eine dauerhaft beständige Abdichtung bzw. Versiegelung von Substraten auch bei hohen Temperaturen im Sommer und unter direkter Sonneneinstrahlung.

Insbesondere ist die Dachabdichtung in einem ausgehärteten Zustand bevorzugt bei Temperaturen bis mindestens TL3, bevorzugt TL4, nach ETAG 005, Teil 1 , flexibel nach einer Prüfung in Anlehnung an die Prüfung des Kaltbiegeverhaltens nach DIN 52123:2014-06 ausgebildet, wobei bei der Prüfung in Anlehnung des Kaltbiegeverhal tens nach DIN 52123:2014-06 Proben der Dachabdichtung mit Schichtdicken zwischen 1 ,9 mm bis 2,3 mm im ausgehärteten Zustand nach 24 Stunden Lagerung über einen Zylinder mit einem Durchmesser von 4 cm gebogen und optisch auf Ausbildung von Rissen > 0,1 mm untersucht werden. Weiter bevorzugt ist die Dachabdichtung im ausgehärteten Zustand bei Temperaturen bis mindestens -10°C nach ETAG 005, Teil 1 und Teil 8, Überarbeitung März 2004, UV-beständig nach Kategorie „M“ oder „S“ mit einer Einstufung W3 nach der Durchfüh rung eines im EOTA TR-010 angegebenen Verfahrens ausgebildet.

Insbesondere ist die Dachabdichtung in einem ausgehärteten Zustand, so ausgebildet, dass sie bei einer Prüfung der Zugeigenschaften gemäß DIN EN ISO 527-1 :2019-12 „Kunststoffe - Bestimmung der Zugeigenschaften“ eine Zugspannung von größer 0,5 N/mm 2 , bevorzugt größer 1 N/mm 2 , besonders bevorzugt größer 1 ,5 N/mm 2 sowie eine Zugdehnung bei Maximalspannung von größer 20%, bevorzugt größer 30 %, beson ders bevorzugt größer 40% aufweist. Dabei lässt sich durch den Einsatz von mehr als 1 Gew.-% PU-Polymer, bezogen auf die Gesamtmasse der Polymere, eine Steigerung der gemessenen Zugspannung auf größer 1 ,5 N/mm 2 realisieren.

Nach einem noch weiteren Aspekt der Erfindung wird eine Dachabdichtung hergestellt durch Mischen einer Flüssigkomponente und einer Pulverkomponente, wobei die Pul verkomponente ein zur Ausbildung von Ettringit fähiges mineralisches Bindemittelsys tem und damit die Fähigkeit zur schnellen Abbindung von Wasser, bestehend aus ei nem oder mehreren mineralische Bindemitteln, umfasst, und die Flüssigkomponente eine oder mehrere wässrige Polymerdispersionen umfasst, von denen eine wässrige Polyurethan Polymerdispersion im Folgenden immer als PU-Dispersion bezeichnet sein kann. Dabei ist vorgesehen, dass die Dachabdichtung in einem ausgehärteten Zustand bei Temperaturen bis mindestens TL3, bevorzugt TL4, nach ETAG 005, Teil 1 , in der Überarbeitung vom März 2004, flexibel mit einer Einstufung W3 nach der Durchführung eines im EOTA TR-008 angegebenen Verfahrens und rissüberbrückend für Risse bis mindestens 1 ,5 mm nach der Durchführung eines im EOTA TR-013 ange gebenen Verfahrens ausgebildet ist. Die Dachabdichtung ist also vorteilhaft bis min destens -20°C, bevorzugt bis -30°C flexibel und rissüberbrückend ausgebildet. Die Temperaturen, die Leistungsklassen, sowie die Referenzen auf die EOTA Technical Reports sind in der ETAG 005, Teil 1 definiert. Insbesondere kann die Dachabdichtung die zuvor beschriebenen Zusammensetzungen und Eigenschaften aufweisen.

Nach einem noch weiteren Aspekt der Erfindung umfasst ein Verfahren zur Herstellung einer Dachabdichtung folgende Schritte: • Mischen des oben beschriebenen flüssig aufzubringenden Reaktivbaustoffs und

• Applizieren des Baustoffs auf einer Oberfläche des Bauwerks, wie etwa auf ei nem Flachdach, einem Balkon, einem Detail- und Anschlussbereich, einer Ter rasse oder einem Laubengang.

Die Erfindung betrifft entsprechend auch eine Dachabdichtung als Ergebnis des o.g. Verfahrens, und zwar sowohl nach der Applikation im noch flüssigen Zustand als auch im ausgehärteten Zustand.

Die Merkmale, welche zuvor in Bezug auf die Stoffe und Vorrichtungen beschrieben wurden, sollen entsprechend auch für die Verfahren als offenbart gelten, ohne dass es diesbezüglich einer expliziten Wiederholung bedarf.

In bevorzugten Ausführungsformen wird die Dachabdichtung mit einer Schichtdicke von 1 bis 5 mm, bevorzugt von 2 bis 3 mm auf der Oberfläche des Dachs appliziert.

In einer Ausführungsformen wird das flüssig aufzubringende Reaktivdachabdichtungs mittel mit einem verstärkenden Vlies, einem Gewebe, einer Gewebematte oder mit zu mindest einem Armierungsmaterial, insbesondere Fasern, appliziert. Das Vlies weist als Material Fasern wie Glasfasern und/oder Basaltfasern und/oder organische Fasern wie Polypropylenfasern, Polyethylenfasern oder Polyesterfasern auf. Beispielsweise ist das Vlies als Polyesterfaservliesstoff oder Edelstahlfaservliesstoff ausgebildet, be vorzugt als Polyesterfaservliesstoff. Das Armierungsmaterial umfasst bevorzugt Glas fasern und/oder Kunststofffasern wie Polyvinylalkohol-Fasern, Polyester-Fasern, Po lypropylen-Fasern, Polyamid-Fasern, Polyethylen-Fasern und/oder Aramid-Fasern.

FIGUREN

Figur 1 - 3 zeigen schematische Darstellungen zur Erläuterung des Reaktionsmecha nismus der Reaktivdachabdichtung. In Figuren 1 - 3 sind schematisch Reaktionspro dukte dargestellt, die bei einer Mischung von zweikomponentigen Reaktivdachabdichtungsmitteln mit unterschiedlicher Zusammensetzung von Polyme ren und mineralischen Bindemitteln entstehen.

Figur 1 zeigt das Ergebnis einer optimalen, erfindungsgemäßen Reaktion. Die Ze mentreaktion, dargestellt in Form von sternförmigen Strukturen, zum Beispiel Ettringit- nadeln, ist vom Polymerfilm durchsetzt, dargestellt in Form von unregelmäßigen Linien. Bei dieser Reaktion erfolgte die Verfilmung des Polymers gleichzeitig mit der Ausbil dung der mineralischen Bindemittelmatrix. Es entsteht eine wasserfeste, flexible, schnell aushärtende, alterungsbeständige und UV-stabile Dachabdichtung.

In Figur 2 ist ein Ergebnis einer nicht erfindungsgemäßen Reaktion dargestellt. Hier hat das mineralische Bindemittelsystem die Reaktion bestimmt. Zunächst ist in diesem Beispiel die Bildung der Zementhydratphasen ohne Einbau der Polymermatrix erfolgt. Eine zu späte Ausbildung des Polymerfilms führt zur Entstehung einer starren dreidi mensionalen zementären Bindemittelmatrix mit global verfilmten Polymerpartikeln da rin, aus der keine flexible Reaktivdachabdichtung entstehen kann.

In Figur 3 ist ein weiteres Ergebnis einer nicht erfindungsgemäßen Reaktion darge stellt. Hier hat der Polymeranteil die Reaktion bestimmt. Hierbei fand primär physikali sche Trocknung statt. Bei einer zu frühen Verfilmung des Polymers entsteht eine Po lymermatrix mit wenigen Ettringitnadeln bzw. Zementinseln darin. Das Ergebnis ist ein flexibles Produkt mit geringer Zugspannung, geringer Wasserfestigkeit und langsamer Aushärtung, das je nach Ausbildungsgrad der zementären Bindemittelmatrix als Dach abdichtung z.B. aufgrund zu hoher Wasseraufnahme des Abdichtungsfilms ungeeignet ist.

BEISPIELE Herstellung der Proben

Es wurden 6 Zusammensetzungen von flüssig aufzubringenden Reaktivdachabdichtun gen erzeugt durch Mischen einer Acrylatpolymer enthaltenden Flüssigkomponente mit einer Pulverkomponente, wobei der Polymeranteil zum Anteil der mineralischen Binde mittel bezüglich Gew.-% variiert wurde, indem sukzessiv der Anteil des Füllstoffs ver ringert und der Anteil des mineralischen Bindemittels entsprechend erhöht wurde, so- dass sich die in Tabelle 1 für P1 - P6 aufgeführten Verhältnisse von Gew.-% Polymer zu Gew.-% mineralischem Bindemittel ergeben. Die Angabe Gew.-% bezieht sich auf das jeweilige Verhältnis zur Gesamtmasse der flüssig aufzubringenden Reaktivdach abdichtung.

Von jeder dieser 6 Zusammensetzungen wurden jeweils eine weitere Beispielmischung erzeugt, in die ein Vlies eingebettet wurde. Die Proben sind als P7 - P12 bezeichnet. Bei der Einbettung des Vlieses wurde darauf geachtet, dass das Vlies vollflächig und blasenfrei in der flüssig aufzubringende Reaktivbaustoff eingebettet wurde.

Es wurden weiterhin jeweils 6 Zusammensetzungen von flüssig aufzubringenden Re aktivdachabdichtungen erzeugt durch Mischen einer Flüssigkomponente mit einer Pul verkomponente mit einer Zusammensetzung abgeleitet von P1 - P6, wobei der Anteil an PU-Polymer bezogen auf die Masse der Flüssigkomponente 1 %, 2% und 5% betrug, bzw. in Bezug auf die Gesamtmasse der Polymere 1 ,9%, 3,7% und 9,4%. Dabei wurde ein entsprechender Acrylatpolymer durch den Anteil PU-Polymer substituiert. Die Pro ben sind als P13 - P30 bezeichnet.

Weiterhin wurden 5 Zusammensetzungen von flüssig aufzubringenden Reaktivdachab dichtungen erzeugt durch Mischen einer Flüssigkomponente mit einer Pulverkompo nente mit einer Zusammensetzung abgeleitet von P1 - P5, wobei ein Teil des Acrylat- polymers durch konditioniertes Naturlatex ersetzt wurde. Die Proben sind als P31 - P35 bezeichnet.

Proben P36 - P40 unterscheiden sich von den vorherigen Proben durch eine verän derte Zusammensetzung der Polymerdispersion. In Probe P36 wurde ein Acrylatpolymer mit einer T g = -55°C (Acrylatpolymer 2) verwendet. In Probe P37 wurde ein Styrolacrylatpolymer mit einer T g = -30°C (Styrolacrylatpolymer) verwendet. In Probe P38 wurde ein Acrylatpolymer mit einer T g = -27°C (Acrylatpolymer 3) verwendet.

In den Proben P39 und P40 sind die Polymerdispersionen Mischungen von Acrylatpo- lymer, PU-Polymer und Naturkautschuk-Polymer insbesondere mit variierendem Pli- Anteil.

In den Proben P41 - P44 wird der Anteil an PU-Polymer an der eingesetzten Polymer mischung sukzessive von 10 - 30% erhöht.

Als Vergleichsbeispiel diente eine Zusammensetzung eines handelsüblichen Abdich tungsproduktes (Ref 1), die nach DE 20 2005 015 351 U1 zusammengesetzt ist und unter anderem einen Polymeranteil von dem 1 ,58-fachen des Anteils mineralischer Bindemittel aufweist.

Als weiteres Vergleichsbeispiel (Ref 2) diente eine unter dem Handelsnamen MB TX 2K erhältliche Zusammensetzung der Anmelderin, die einen Polymeranteil von weniger als dem 1 ,5-fachen des Anteils mineralischer Bindemittel aufweist, nämlich das 1 ,25- fache.

Als noch weiteres Vergleichsbeispiel (Ref 3) diente schließlich eine unter dem Han delsnamen MB 2K+ erhältliche Zusammensetzung der Anmelderin, die einen Polymer anteil von weniger als dem 2-fachen des Anteils mineralischer Bindemittel aufweist, nämlich das 1 ,65-fache.

Außerdem wurden zwei Abmischungen analog zu den Beispielen 1 , 2 und 3 aus WO 2012/038099 A1 hergestellt (Ref 4, Ref 5 und Ref 6). Die Herstellung der Beispiele Ref 4, Ref 5 und Ref 6 erfolgte nach der darin beschriebenen Lehre. Ref 10 wies einen Polymeranteil von dem 2,5-fachen des Anteils mineralischer Bindemittel auf. Ref 11 wies einen Polymeranteil von dem 1 ,8-fachen des Anteils mineralischer Bindemittel auf. Ref 12 wies einen Polymeranteil von dem 1 ,5-fachen des Anteils mineralischer Bindemittel auf.

Das Mischen der Komponenten wurde in allen Beispielen und Vergleichsbeispielen je weils so durchgeführt, dass die Mischung am Ende des Mischprozesses klumpenfrei und knotenfrei vorlag.

Die untersuchten Schichtdicken lagen sämtlich zwischen 1 ,9 mm und 2,3 mm.

Prüfung der Rissüberbrückunq

Das Reaktivdachabdichtungsmittel der Proben P1 - P44 und Ref 1 - Ref 6 wurden jeweils auf zwei starr über eine quadratische Grundfläche verbundene Mörtelprismen (16x4x4 cm 3 ), im weiteren als Betonprismen bezeichnet, in der Mindesttrockenschicht dicke eine der so entstandenen rechteckigen Doppelflächen mit mittiger Fuge (32x4 cm 2 ) so aufgebracht, dass die Fuge überdeckt und die Betonprismen nach Aushärtung des Reaktivdachabdichtungsmittels ausschließlich durch das Reaktivdachabdichtungs mittel verbunden sind. Die Reaktivdachabdichtungsmittel wurden 28 Tage bei 20°C und 50% relativer Luftfeuchtigkeit aushärten lassen.

Der Konditionierungszeiträum von 28 Tagen ist in Anlehnung an die internen Prüfungen und Erfahrungen und an die gängigen Prüfgrundsätze PG-MDS/FPD (Stand: November 2016) für Reaktivabdichtungen im Sockelbereich gewählt worden. Diese sind seit vie len Jahren als Stand der Technik etabliert und bilden damit in hohem Maße eine Lang zeitsicherheit der Materialeigenschaften ab. Daraufhin wurde das Reaktivdachabdichtungsmittel in dem skizzierten Versuchsaufbau (vgl. Figur 4) in eine Kühlstation eingelagert und auf -30°C heruntergekühlt. Nach einer Stunde Konditionierung bei -30°C wurde der Riss zwischen den Betonprismen auf 0,5 mm aufgeweitet und der Versuchsaufbau für eine Stunde bei -30°C gelagert. Danach wurde der Riss zwischen den Betonprismen auf 1 mm aufgeweitet und der Versuchs aufbau für eine Stunde bei -30°C gelagert. Danach wurde der Riss zwischen den Be tonprismen auf 1 ,5 mm aufgeweitet und der Versuchsaufbau für mindestens eine Stunde bei -30°C gelagert. Die Beurteilung der Probekörper fand durch optische Kon trolle des Reaktivdachabdichtungsmittels auf Versagen als Abdichtung oberhalb des aufgeweiteten Risses zwischen den Betonprismen statt, d.h. es wurde geprüft, ob das Reaktivdachabdichtungsmittel selbst Risse zeigte. Dabei konnten Risse von > 100 pm zuverlässig identifiziert werden.

Die Ergebnisse nach der 28-Tage Konditionierung sind Figur 5 dargestellt.

Für die Proben P1 und P2 konnte die Rissüberbrückung bis 1 ,5 mm für Temperaturen bis -30°C erreicht werden. Für die Probe P1 konnte die Rissüberbrückung bis 1 ,5 mm auch noch für Temperaturen bis -35°C erreicht werden. Für die Probe P3 konnte die Rissüberbrückung bis 1 ,5 mm für Temperaturen bis -25°C erreicht werden. Für die Probe P4 konnte die Rissüberbrückung bis 1 ,5 mm für Temperaturen bis -20°C erreicht werden.

Für die Proben P5 und P6 konnte bei Temperaturen kleiner -5°C keine Rissüberbrü ckung bis 1 ,5 mm erreicht werden.

Für die Proben P13 und P14, P19 und P20, P25, P26 und P27, P31 bis P34, sowie P36, P39 und P40 konnte die Rissüberbrückung bis 1 ,5 mm für Temperaturen bis - 30°C erreicht werden. Für die Proben P13, P19, P25 und P26, sowie P31 - P 33, sowie P36, P39 und P40 konnte die Rissüberbrückung bis 1 ,5 mm auch noch für Temperatu ren bis -35°C erreicht werden. Für die Probe P21 konnte die Rissüberbrückung bis 1 ,5 mm für Temperaturen bis -25°C erreicht werden. Für die Proben P15, P16, P22, P28. P35, P37 und P38 konnte die Rissüberbrückung bis 1 ,5 mm für Temperaturen bis -20°C erreicht werden.

Für die Proben P41 - P44 konnte die Rissüberbrückung bis 1 ,5 mm für Temperaturen bis -35°C erreicht werden.

Im Vergleich dazu konnte für die Referenzproben Ref 1 , Ref 2, Ref 3, Ref 4, Ref 5 und Ref 6 bei Temperaturen kleiner -15°C keine Rissüberbrückung bis 1 ,5 mm erreicht werden.

Zusammenfassend ließ sich erkennen, dass die geschilderten Eigenschaften des Re aktivdachabdichtungsmittels einen entsprechenden Einfluss auf die Rissüberbrückung haben. So zeigte sich unabhängig von weiteren Eigenschaften eine Verschlechterung der Rissüberbrückung mit abnehmendem Verhältnis von Gew.-% Polymer zu Gew.-% mineralischem Bindemittel. Zusätzlich zeigte sich, dass nur solche Beispiele, die aus schließlich Polymere mit gemessener T g von kleiner -20 °C enthalten, die Anforderung an die Rissüberbrückung bei niedrigen Temperaturen erfüllten. Beispielsweise die Re ferenzproben Ref 1 - Ref 6 weisen keine entsprechend niedrige gemessene T g der Polymere auf und konnten die Rissüberbrückung von 1 ,5 mm bei Temperaturen von kleiner -20°C nicht erreichen.

Darüber hinaus konnte gezeigt werden, dass ein Anteil von 5% PU-Polymer und mehr, bezogen auf die Gesamtmasse der Polymere, eine Verbesserung der rissüberbrücken- den Eigenschaften für die Probe P27 im Vergleich zu den entsprechenden Proben P15, und P21 mit gleichem Verhältnis Bindemittel zu Polymer erreicht wurde.

Prüfung der Tieftemperaturflexibilität

Die Flexibilitätsprüfung erfolgt in Anlehnung an die Prüfung des Kaltbiegeverhaltens nach DIN 52123, Stand 08/1985.

Das Reaktivdachabdichtungsmittel der Proben P1 - P44 und Ref 1 bis Ref 6 wurden darüber hinaus bei Temperaturen von -10°C bis -35°C in Fünfgradschritten heruntergekühlt und nach jeweils 24 Stunden Lagerung über einen Zylinder mit einem Durchmesser von 4 cm gebogen. Die Beurteilung der Probekörper fand durch optische Kontrolle des Reaktivdachabdichtungsmittels auf Ausbildung von Rissen statt. Dabei konnten Risse von > 100 pm zuverlässig identifiziert werden.

Die Ergebnisse für die 28-Tage Konditionierung sind in Figur 6 dargestellt.

Die Proben P1 , P7, P8, P9, P13, P19, P25, P26, P31 , P32, P36, P39 und P40 bestan den den Test zumindest bis -30 °C. Die Proben P2, P3, P4, P10, P11 , P12, P14, P15, P16, P20, P21 , P22, P27, P28 und P37 zeigten keine Risse bis -25°C. Die Proben P5, P6, P17, P18 und P23, P24, P29, P30, P33, P35 und P38 zeigten keine Risse bis - 20°C.

Die Referenzprobe Ref 5 zeigte keine Risse bis -15°C. Die Referenzproben Ref 1 , Ref 2, Ref 3, Ref 4 und Ref 6 zeigten Risse bei Temperaturen von mehr als -15°C.

Es zeigte sich, dass sich erfindungsgemäßen Eigenschaften des flüssig aufzubringen den Reaktivbaustoffs in Bezug auf die Tieftemperaturflexibilität ohne Armierung oder Einbettung von Vlies, Fasern oder Gewebe erreicht werden konnten. Durch die Einbet tung von Vlies oder durch Einsatz von PU ließen sich tiefere Temperaturen erreichen, wie Proben P7, P25, P31 , P39, P40, P41 , P42, P43 und P44 zeigen. Auch für die Tieftemperaturflexibilität zeigt sich, dass sowohl das Verhältnis von Gew.-% Polymer zu Gew.-% mineralische Bindemittel, Gew.-% bezieht sich hier auf die Gesamtmasse des Reaktivdachabdichtungsmittels, als auch die T g der eingesetzten Polymere eine entscheidende Rolle spielen.

Prüfung der Zuqeiqenschaften

Aus dem Reaktivabdichtungsmittel wurden Probekörper Zugstab Typ 1 B, gern. DIN EN ISO 527-2 für die Untersuchung der Zugeigenschaften gemäß DIN EN ISO 527-1 :2019- 12 „Kunststoffe - Bestimmung der Zugeigenschaften“ für die Proben P1 und P13 her gestellt. Dafür wurde das flüssige Reaktivdachabdichtungsmittel auf einer mit Teflon folie beschichteten Glasplatte (30 x 60 cm) in einer Schichtstärke von 2,4 mm aufge bracht. Nach 28 Tage Konditionierung bei Normbedingungen wurden aus den erhaltenen Filmen die Probekörper hergestellt. Die Prüfung der Zugeigenschaften er folgte an einer Zwickiline DO731920 nach Normvorgaben. Die Ergebnisse sind in Figur 7 dargestellt.

Es zeigte sich, dass die Probe P13 (2,2 N/mm 2 ) eine um über 70% höhere Zugspan nung erreichte als die Probe P1 (1 ,24 N/ 2 ), während die Dehnung bei Maximalspan nung um ca. 13% von 49,4% (P1) auf 42,8% (P13) sank. Folglich erzeugt bereits ein geringer Anteil an PU-Polymer an der Gesamtmenge Polymer in dem Reaktivdachab dichtungsmittel eine deutliche Steigerung der inneren Spannung des Systems bei ver nachlässigbarer Reduktion der Dehnung bei Maximalspannung. Erfahrungsgemäß führt eine Optimierung von Reaktivabdichtungssystemen hinsichtlich Maximalspan nung und Dehnung bei Maximalspannung zu einer optimierten Rissüberbrückungsfä higkeit des Systems. Es erscheint folglich sinnvoll, dass der explizite Zusatz von PU- Polymer eine Verbesserung der Reaktivdachabdichtung nach sich zieht.

Prüfung nach ETAG 005

Weitere Reaktivdachabdichtungen nach P1 und P13 wurden erzeugt und einer Prüfung in Anlehnung an die ETAG 005, der darauf aufbauenden DIN 18531 und der deutschen Flachdachrichtlinie gemäß der Leistungsklassen in der ETAG 005 unterworfen.

Die Prüfparameter umfassten dabei insbesondere das Rissüberbrückungsvermögen, die Haftung auf diversen Untergründen und das Alterungsverhalten bei Hitze, heißen Wasser und UV-Alterung, sowie in allen Fällen die Sicherstellung der Wasserdichtigkeit der Abdichtung, sodass das Eindringen von Wasser in die mit der Dachabdichtung versehenen Untergründe verhindert wird und auf diese Weise die Substrate vor Was serschäden bewahrt werden.

Die Reaktivdachabdichtungen nach P1 und P13 bestanden den Test jeweils mit einer Einstufung W3 nach der Durchführung des im EOTA TR-008 angegebenen Verfahrens.

Sie zeigten sich rissüberbrückend für Risse bis mindestens 1 ,5 mm nach der Durch führung des im EOTA TR-013 angegebenen Verfahrens. Ferner wurde erfolgreich eine Klassifizierung BROOF T1 nach DIN EN 13501-5:2016- 12 durchgeführt.

Visualisierung des Reaktionsverlaufs

In den Figuren 8 - 13 sind Ergebnisse mikroskopischer und spektroskopischer Mes sungen an einer Reaktivabdichtung nach P1 dargestellt.

Die Probe wurde nach Anmischung der Flüssigkomponente und der Pulverkomponente in der Mitte an verschiedenen Zeitpunkten in der Mitte durchgebrochen. Die Bruchkante wurde jeweils mit einem Cryo-REM (Rasterelektronenmikroskop) und mithilfe energie- dispersiver Röntgenspektroskopie (EDX) untersucht. Figuren 8 - 10 beziehen sich da bei auf einen Zeitpunkt von 75 min nach der Anmischung. Figuren 11 - 13 beziehen sich auf einen Zeitpunkt von 285 min nach der Anmischung.

In Figur 8 ist im Kreis mit Nummer „1“ eine anorganische Phase mit einer flächigen, kantigen Struktur zu erkennen, welche nicht vollständig umgesetztes Halbhydrat dar stellt. Im Kreis mit der Nummer „2“ ist eine schaumartige Phase zu erkennen, welche das Zusammenwachsen von Polymerkugeln darstellt. Die flächigen und schaumartigen Strukturen sind zu diesem Zeitpunkt noch voneinander separiert.

Figur 9 zeigt die energiedispersive röntgenspektroskopische Analyse (EDX) des Be reichs „1“ in Figur 8. Das Spektrogramm zeigt im Wesentlichen 6 Peaks. Zwei Peaks davon sind dem Element Platin zuzuordnen, das zwecks Durchführung der Cryo-REM Aufnahme aufgebracht wurde. Die weiteren Peaks entsprechen den Elementen Koh lenstoff, Sauerstoff, Schwefel und Kalzium. Diese Elemente sind mit Ausnahme des Kohlenstoffs (Ursprung aus der organischen Phase) im Wesentlichen dem Sulfatträger des mineralischen Bindesystems zuzuordnen. Die Abwesenheit von Aluminium deutet darauf hin, dass es sich nicht um Ettringit handeln kann. Die flächige Struktur in „1“ ist daher wahrscheinlich nicht umgesetztes Halbhydrat.

Figur 10 zeigt die energiedispersive röntgenspektroskopische Analyse des Bereichs „2“ in Figur 8. Das Spektrogramm zeigt im Wesentlichen 4 Peaks. Zwei Peaks davon sind Platin zuzuordnen, das zwecks Durchführung der Cryo-REM Aufnahme aufgebracht wurde. Die weiteren Peaks entsprechen den Elementen Kohlenstoff und Sauerstoff. Diese Elemente sind dem Acrylatpolymer zuzuordnen, das zusammenhän gende, zunächst schaumartige, später filmartig vernetzte Strukturen ausbildet.

In Figuren 11 und 12 ist die Probe zu einem späteren Zeitpunkt der Aushärtung darge stellt. Der inzwischen ausgebildete Ettringit zeigt sich in Figur 11 in Form von cluster förmigen sternartigen Strukturen, die jeweils aus hexagonalen Nadeln gebildet sind. Der Ettringit ist dabei vollständig in der Polymermatrix eingebettet. Figur 12 zeigt noch mals deutlicher den sich aus dem hexagonalen Kristallsystem ergebenden hexagona len Querschnitt einer Ettringitnadel, welche die Polymermatrix durchstößt.

Figur 13 zeigt die energiedispersive röntgenspektroskopische Analyse des Bereichs „3“ in Figur 11. Das Spektrogramm zeigt hier im Wesentlichen 7 Peaks. Zusätzlich zu den in Figur 9 vorhandenen Peaks ist hier bei 1 ,49 keV die K-Alpha Linie des Alumini ums zu erkennen. Die Anwesenheit von Aluminium zeigt, dass es sich um das Reakti onsprodukt Ettringit handelt.

Messung der Aushärteqeschwindiqkeit

Zur Messung der Aushärtegeschwindigkeit wurde das Gerät IP-8 Ultraschall-Multiple- xer-Tester V6 der Fa. Ultratest verwendet.

Figur 14 zeigt Ultraschallmessungen, welche an Proben entsprechend P1 , P25, P41 , P42, P43 und P44 durchgeführt wurden. Bei diesen Proben ist der PU-Anteil unter schiedlich. Bei P1 ist kein PU vorhanden, bei P25 liegt der Anteil von PU bei 5%, bei P41 liegt der Anteil von PU bei 10%, bei P42 liegt der Anteil von PU bei 15%, bei P43 liegt der Anteil von PU bei 20% und bei P44 bei 30%.

Im vorliegenden Versuch wurden die Proben angemischt und sofort in einen Messbe hälter mit jeweils einem Maß von 2 cm Breite, einer Länge von 6 cm sowie einer Höhe von 5 cm ohne Lufteinschlüsse eingefüllt. Von der Seitenmitte her sendete ein Ultra schallsender in Zeitabständen von 1 min Impulse quer durch die aushärtende Probe. Gegenüber dem Sender wurden die Impulse von einem Ultraschallempfänger erfasst. Die Geschwindigkeit des Ultraschallsignals wurde jeweils ermittelt. Aus dem vorliegenden Versuchsaufbau lassen sich Rückschlüsse über die Aushärte geschwindigkeit treffen. In nicht ausgehärteten, noch flüssigen Proben kann sich ein Ultraschallsignal nur langsam ausbreiten. Erst bei einsetzender Aushärtung steigt die Durchlaufgeschwindigkeit des Ultraschallsignals.

Während bei P1 und P25 bereits nach ca. 110 Minuten ein Ansteigen der Durchgangs geschwindigkeit beobachtet wurde, wobei bei P25 eine im Vergleich langsamere Zu nahme der Durchgangsgeschwindigkeit beobachtet wurde, war dies bei P41 und P42 erst nach ca. 300 Minuten der Fall. Bei P41 und P42 ist darüber hinaus eine im Ver gleich zu P1 und P25 noch weiter verlangsamte Zunahme der Durchgangsgeschwin digkeit beobachtet worden. Bei P43 und P44 wurde der Anstieg erst nach ca. 450 Mi nuten beobachtet. Für P44 war die Zunahme der Durchgangsgeschwindigkeit fast nicht mehr beobachtbar.

Aus den Ergebnissen konnte geschlussfolgert werden, dass eine Erhöhung des PU Anteils an der Polymerzusammensetzung sowohl eine Verzögerung als auch eine Ver langsamung der Aushärtung nach sich zieht.

Im Ergebnis sind Proben mit mehr als 20% PU-Anteil aufgrund des späten Einsetzens und der langsamen Aushärtung in der Praxis nicht mehr geeignet für Reaktivdachab dichtung. Bei Proben mit weniger als 20%, bevorzugt weniger als 15% PU-Anteil setzt die Aushärtung dagegen ausreichend früh ein, sodass die oben beschriebenen Vorteile in der Verwendung eines PU-Anteils überwiegen.

Die Erfindung ist nicht auf die hier beschriebenen Ausführungsbeispiele beschränkt und schließt eine Vielzahl von weiteren Alternativen ein, welche im Können und Wissen der Person des Fachs liegen.